FUSSNOTE:

[285: Auf diese Weise ist z. B. die Abbildung auf Sp. 105 u. 106 des

vorigen Jahrganges unseres Anzeigers hergestellt; inzwischen hat

natürlich die neue Technik in Bezug auf Reinheit der Wiedergabe noch

große Fortschritte gemacht.]

Vermischte Nachrichten.

69) /Aus Mähren/ wird der „Allg. Ztg.“ über /neue Höhlenfunde/ unter

dem 1. Juli geschrieben: Seit mehreren Monaten werden auf dem Berge

/Kotoutsch bei Stramberg/ Ausgrabungen vorgenommen, bei welchen

interessante und für die Wissenschaft höchst bedeutende Resultate

erzielt wurden; dieselben werden vom Hrn. Realschullehrer Karl J.

Maschka in Neutitschein in systematischer, allen Aufforderungen der

Wissenschaft entsprechender Weise durchgeführt. Namentlich sind es

die beiden Höhlen Schipka und Tschertowa Dira (auch Zwergenhöhle

genannt), welche die Aufmerksamkeit des Forschers auf sich lenkten

und thatsächlich vollste Beachtung verdienen, indem es schon jetzt

durch die bei den Ausgrabungen zu Tage gebrachten Objekte und durch

die Verhältnisse, unter welchen diese gefunden wurden, erwiesen ist,

daß beide Höhlen von Menschen in vorgeschichtlicher Zeit bewohnt

waren, und zwar die erste, deren Decke zum Theil eingestürzt ist, in

der ältsten Steinzeit (in der paläolithischen Zeit), die andere in

einer späteren Zeit, als der Mensch schon einige Kenntniß der Metalle

besaß. Es ist ferner evident, daß der Mensch dort gleichzeitig mit

dem Mammuth und Höhlenbär gelebt hat, indem beispielsweise verbrannte

und bearbeitete Knochen noch 1 m. unter den Resten dieser Thiere

sich vorfanden. Die Funde in der Schipkahöhle bestehen aus Tausenden

von Knochen vorsintfluthlicher Thiere, als Mammuth, Rhinoceros,

Höhlenbär, Pferd, Urstier, Hirsch, Rennthier u. s. w., Tausenden von

losen Zähnen dieser Thiere, Geweihen, zahlreichen schön erhaltenen

Stein- und Knochenwerkzeugen, welche Gegenstände bis 3 m unter der

Oberfläche gefunden wurden. Außerdem wurden in der obersten Schichte

sieben Bronzegegenstände gefunden, und zwar ein Hohlbeil (Celt) fünf

concentrische Ringe und ein Ring mit einem rechtwinkeligen Kreuze

(Rad mit 4 Speichen). In der Tschertowa Dira wurden gefunden: Knochen

von Höhlenbär, Rennthier, Edelhirsch, Rind u. s. w., zahlreiche, auch

bearbeitete Geweihstücke, viele sehr gut erhaltene Beingeräthe und

Werkzeuge, als durchbohrte Nadeln, Pfriemen, drei- und vierkantige

Pfeilspitzen, rohe und nicht polierte Steinwerkzeuge von Feuerstein,

Jaspis und Chalcedon, Fragmente von den verschiedenartigsten

Thongefäßen, mit und ohne Graphitüberzug, aus freier Hand ohne

Benützung der Töpferscheibe verfertigt und mit charakteristischen

Ornamenten versehen, sowie auch dreikantige Bronzepfeilspitzen mit

einem Giftloch, durchbohrte Zähne, Muscheln, Schleifsteine, Spinnwirtel

u. s. w. Auf dem Scheitel des Berges oberhalb dieser Höhle ist man

auf ausgedehnte Brandstätten gestoßen, und es fanden sich unmittelbar

unter dem Rasen nebst zahllosen Thonscherben auch Scherben von

Graphitgefäßen, Steinwerkzeuge, darunter ein 117 mm langes Messer

und eine durchbohrte polierte Kugel, ferner verschiedene Bronze- und

Eisengegenstände. Da in Oesterreich Höhlenfunde dieser Art überhaupt

noch nicht, ausgenommen theilweise in der Vypustekhöhle, und im übrigen

Mitteleuropa nur selten gemacht worden, so ist es erklärlich, dass

diese Ausgrabungen des regste Interesse der Anthropologen geweckt

haben, und es wäre nur zu wünschen, daß dieselben in gleicher Weise

zu Ende geführt würden; denn es ist zu erwarten, daß noch neue

interessante Gegenstände aus ihrer tausendjährigen Verborgenheit

ans Tageslicht gebracht werden. Durch diese Funde wird der Ring der

Entdeckungen über die menschlichen Ureinwohner in Centraleuropa

bedeutend erweitert, indem die letzten Glieder des Ringes im

südwestlichen Deutschland von dieser neuen Station ziemlich weit

entfernt sind.

(D. Reichsanz., Nr. 158.)

70) Das 2. Heft des 5. Bandes der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm.

z. Erf. u. Erh. der Kunst- und histor. Denkmale bringt eingehende

Berichte über prähistorische Funde aus Böhmen, welche theils noch

im vergangenen Jahre gemacht wurden, auf welche wir im Interesse

möglichster Vollständigkeit unserer Fundchronik an dieser Stelle

wenigstens hinweisen müssen, so über Heidengräber im Walde Brejchovina

bei Hánov, ein Steinhammer aus Dobrě, eine Goldmünze des Kaisers

Tiberius, gefunden bei Dobronic, nächst Bechyň an der Lužnice.

71) /Oldenburg/, 24. Juni. Bei /Wildeshausen/ wurde in einem

Hügelgrabe eine sogenannte Fensterurne (s. „Archiv für Anthropologie“,

Korrespondenzblatt Nr. 3 und 6) gefunden. Sie ist von eleganter Form,

fein geglättet, nur 10 cm. hoch, von hellgrauem, sehr feinem Thon.

Auf der Ausbauchung befinden sich drei runde Löcher von etwa 2 cm.

Durchmesser; in diese sind grüne Stücke Glas in den noch feuchten Thon

eingesetzt. Ebenso ist in den Fuß ein Stück Glas eingelassen. In der

Urne stand eine Vase von fast gleicher Höhe und demselben Material. Der

Inhalt bestand in Knochen und Kohle. Bis dahin sind, sowie bekannt,

erst sechs dergleichen gefunden, die siebente würde die erwähnte sein,

keine unter ihnen zeigt aber eine so regelmäßige Vertheilung des

Glases, und meistens haben sie nur im Fuße ein Stück Glas. Sollten sich

in anderen öffentlichen oder privaten Sammlungen Deutschlands oder

des Auslandes Urnen mit eingesetztem Glase befinden, so würde eine

Nachricht dem /Oldenburgischen Landesverein für Alterthumskunde/

sehr willkommen sein.

(D. Reichsanz., Nr. 153.)

72) /Neuenburg./ Dem „Vignoble“ zufolge hat Herr A. Borel von

Bevaix letzte Woche in der Pfahlbaustation bei Châtelard einen

sehr schönen Einbaum aufgefunden. Das neue Fundstück ist wohl das

bemerkenswertheste bis jetzt aufgefundene Exemplar. Der Kahn besteht

aus einem einzigen Stück Eichenholz, mißt 8 m. in die Länge, 90 cm.

in die Breite und 65 cm. in die Höhe und ist vollkommen erhalten. In

dem ausgehöhlten Raume mochten circa 12 Personen Platz finden. Die

in geringer Entfernung von einander abstehenden Einschnitte für die

Ruderbänke sind noch sichtbar, dagegen findet sich keine Spur von

Ruderhaltern. Interessant ist der Umstand, daß das Vordertheil eine

leicht gebogene Verlängerung zeigt, bestimmt, das Fahrzeug am Ufer zu

befestigen, während das Hintertheil in eine schnabelförmige Spitze

ausläuft.

(Anz. f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 2.)

73) Die römischen Niederlassungen auf dem Zollfelde (Virunum) und am

Helenen- oder Magdalenenberge bilden noch immer reiche Fundstätten. Auf

dem Zollfelde wurde jüngst ein besonders schöner Thürschloßbeschlag

gefunden, der aus Schloßblech, Schlüssel und Thürgriff besteht; am

Hohenberge 8 Inschriftsteine.

74) /Deutz/, 9. Juli. Die „Cöln. Ztg.“ schreibt: „Diejenigen,

welche sich für die Erforschung römischer Baureste am Rhein

interessieren, werden mit Freuden vernehmen, daß der Kriegsminister

bereitwillig die Mittel zur Verfügung gestellt hat, die hier

aufgedeckten /Ueberreste römischen Mauerwerks/ vom Schutt zu

befreien. Ueber das Ergebniß dieser Nachgrabungen werden wir zu seiner

Zeit Weiteres berichten.“

(D. Reichsanz., Nr. 161.)

75) In einem Landgute bei /Corsier/ (unweit Genf) wurde das

Skelett eines gallo-römischen Kriegers nebst Schwert und Speer

gefunden. Schon früher sollen ähnliche Entdeckungen in dortiger Gegend

gemacht worden sein.

(Anz. f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 2.)

76) /Zürich./ In der „Kurzägeln“ bei Seew, einer reichen Fundgrube

römischer Alterthümer, stießen diesen Winter Arbeiter beim „Ausreuten“

eines Stückes Land auf Mauerreste und förderten einige römischen Münzen

aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr., ein Hirsch- und ein Rehhorn, eine

Lanzenspitze, eine kleine Glocke, Glas, Metall, Mauleselhufeisen und

ein Ziegelstück mit dem Zeichen der XXI. Legion zu Tage. Bei Arbeiten

auf der Ebene, in der Nähe des Steinbruchs, wurde ein Ziegelstück mit

dem Legionszeichen LXXIS., eine schöne Topfscherbe und ein Ackerstein

mit einem Loche gefunden. Da die Landleute rings herum beim Pflügen

noch auf Mauern stoßen, so muß die Ortschaft ziemlich groß gewesen

sein. Das Hauptgebäude stand aber jedenfalls auf dem Hügel und war

stark befestigt, dafür sprechen die dicken Umfassungsmauern. Wenn

vielleicht später die Anhöhe zum Ackerbau urbar gemacht wird, so mag

noch manches interessante Fundstück zu Tage gefördert werden.

(Daselbst.)

77) Mehrere Arbeiter aus /Schönhagen/, Amts Uslar, haben Ende

April in der Nähe der alten Wüstung Winnefeld, wo man früher im

Walde und beim Chausseebau eine Urne und einen heidnischen Grabhügel

ausgegraben hat, beim Pflanzen junger Eichenstämme gegen 120 römische

Münzen gefunden, welche man wegen ihres schweren Gewichtes für

Goldmünzen hält.

(Numismat.-sphrag. Anz., Nr. 6.)

78) /Asperg/ (Schwaben). Das sogenannte kleine /Aspergle/,

in der Nähe des hiesigen Stadtwaldes Osterholz, läßt Hr. Prof. Dr.

Fraas gegenwärtig /ausgraben/. Auf der Seite, nicht weit vom

Eingange des Schachtes entfernt, wurde ein Einzelgrab, Todtengebeine,

einen Kessel, einen vergoldeten Teller, einen Goldstab, eine Vase etc.

enthaltend, gefunden, und jetzt, wo man mehr gegen die Mitte des Hügels

kommt, zeigen sich Spuren eines weiteren Grabes. Die bisher gefundenen

Gegenstände sollen ein Alter von über 2000 Jahren haben.

(D. Reichsanz., Nr. 148.)

79) In der Pfarrkirche zu /Katzow/ bei /Wolgast/ in Pommern,

einem gothischen Backsteinbau aus dem Ende des 14. Jahrh., welcher

augenblicklich nach den Plänen und unter der Leitung des Architekten

Prüfer in Berlin ausgebaut und renoviert wird, sind jüngst unter

vielfachen Tüncheschichten eine große Anzahl Wandmalereien aus dem

15. Jahrh. bloßgelegt worden. An der Ostseite, zur Rechten des Altars

zeigten sich Scenen aus der Leidensgeschichte, darüber Christus am

Kreuz mit Maria, zur Linken eine große Madonna mit dem Christkinde, an

der Südseite die Bilder des hl. Laurentius und der hl. Katerina (sic!)

mit den Namen derselben und dem Namen des Stifters der Bilder, Frisen,

in gothischer Minuskel, darüber eine größere Figur, von der nur noch

die, untere Hälfte erhalten ist, an der Westseite St. Georg, mit dem

Drachen kämpfend. Die Malerei ist einfach, schlichthandwerksmäßig in

Kalkfarben mit kräftiger, brauner Contourierung ausgeführt. Außerdem

sind eine große Anzahl alter Weihekreuze an den Pfeilern bloßgelegt.

Das ganze Innere war ursprünglich in Rohbau mit sauber aus Gips

gezogenen Fugen gehalten und soll auch so wiederhergestellt werden.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge · 第 109 / 177 题