FUSSNOTEN:

[161: machinat i̅ Hs.]

[162: mille passus. Hs.]

[163: statt cultello, wie häufig; vgl. franz. couteau.]

[164: alios Hs.]

Ein Paßglas vom Beginn des 18. Jhdts.

[Illustration]

Im Anschlusse an die in der vorigen Nummer dieses Blattes abgebildeten

Gläser veröffentlichen wir hier die Abbildung eines noch späteren

Stückes aus demselben Gebiete. Es ist ein cylinderisches Trinkglas

mit ausladendem Fußende, 22,3 cm. hoch bei 12 cm. Durchmesser, von

durchsichtigem, klarem Glase, auf welches ein friesartiges Bild

aufgemalt ist, das drei sitzende musicierende Herren im Zeitcostüme

darstellt, einen Violoncellisten und zwei Violinspieler, hinter denen

ein Mann mit erhobenem Glase und den Geberden ausgelassener Freude

steht. Auf der entgegengesetzten Seite, durch Pflanzen einerseits

und eine Inschrift anderseits getrennt, wartet der Teufel in Gestalt

eines rothen, bärenartigen, jedoch geflügelten Thieres mit Gemshörnern

und langem Schweife. Einige Ornamente und mehrere Inschriftstreifen

vervollständigen die Ausstattung. Die oberste der letzteren enthält

den Spruch: „Ach Herr gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, ich

will mit Hülffe dein ergeben sein der Tugend.“ Darunter steht: „Mein

Jüngling freüe dich nimb darzu deines gleichen. Der böse Höllen Feind

wird dich niemals beschleichen.“ Beim Teufel steht der Spruch: „Fahr

nur so immerfort, bekehre dich nur nicht, ich will bei rechter Zeit dir

weisen meine Pflicht.“ An Fuße steht: „N. Christian Flitner Pfarrer

zu Dandorff Anno Christi 1711.“ Ob sich der fromme Pfarrer das Glas

selbst bestellt hat, ob es ihm von seinen Pfarrkindern verehrt wurde,

immerhin zeigt es durch seinen Umfang, daß damals die Masse des aus ihm

genossenen Getränkes mit der moralisierenden Tendenz der Darstellung

nicht in Widerspruch stand. Es faßt nahezu zwei Liter, ist freilich

aber noch lange nicht das inhaltsvollste Glas unserer Sammlung.

/Nürnberg./ /A. Essenwein./

König Wilhelm von Holland in einer florentinischen Inschrift.

Das Vorkommen von Namen deutscher Kaiser und Könige in toscanischen

Inschriften ist äußerst selten. Schon um deswillen würde die Nennung

Wilhelms von Holland in Florenz Interesse wecken; dieselbe hat aber

um so größere Bedeutung, weil sie von der guelfischen Gesinnung

der Stadt Zeugniß ablegt. Im J. 1250 hatte, infolge der Fehden der

Adelsfactionen, der Bürgerstand sich constituiert und sich eine

militärische Verfassung gegeben. An die Spitze der Milizcompagnieen

wurde der Volkshauptmann, Capitano del popolo, gestellt, und für

denselben ein Burgpalast gebaut, der als Palazzo del Podestà noch heute

in der Gestalt, welche das 14. Jahrhundert ihm gab und das 19. nach

Wegräumung verunzierender Umänderungen in alter Würde und Schönheit

wiederherstellte, als eines der ansehnlichsten mittelalterlichen

Bauwerke dasteht, der Tradition gemäß von einem deutschen Architekten,

welcher Arnolfo’s di Cambio (di Lapo) Lehrer gewesen sein soll. In die

Wand des Grundgeschosses des Palastes ist eine nicht große Marmortafel

mit einer Inschrift in sogenannten gothischen Lettern eingelassen,

welche des Beginns des Baues im J. 1255, der damaligen „Weltherrscher“

und der städtischen Behörden, wie des glücklichen Zustandes der

Gemeinde gedenkt. Die Inschrift, mehrfach gedruckt, aber wenig

beachtet, beginnt:

Summus Alexander sanctus quem mundus adorat

Cum pastor mundi regnabat rexque Guilelmus

Et cum vir splendens ornatus nobilitate

De Mediolano de Turri sic Alamannus

Urbem florentem gaudenti corde regebat u. s. w.

Wer weiß, ob der deutsche König oder Kaiser, wäre er ein Staufer

gewesen, genannt worden wäre neben Papst Alexander, Rinaldo de’

Conti, dem Verwandten Innocenz’ III. und Gregors IX.? Aber der Graf

von Holland, welchen Innocenz IV. im Jahre zuvor „plantulam nostram

nostrisque manibus consitam“ genannt, und dessen Wahl sein Legat

Cardinal Pietro Capocci zu Stande gebracht hatte, welcher auch der

Belagerung des dem neuen Könige die Thore verschließenden Aachen

beiwohnte, war auch dem guelfischen Florenz genehm, welches überdies

von dem fernen, ohnmächtigen Nachfolger der Ottone, Lothare, Heinriche

und Friedriche nicht belästigt zu werden befürchtete. Kaum war die

Inschrift fünf Jahre alt, so hätten die Reisigen König Manfreds sie

lesen können, die nach der Schlacht von Montaperti (4. Sept. 1260)

in die von den Guelfen geräumte Stadt einzogen, als Rex Guilelmus

längst auf friesischem Eise den Tod gefunden hatte, welcher nicht

ein Jahrhundert später einen andern Grafen von Holland, auch Wilhelm

geheißen, aber nicht aus demselben Hause, durch die Waffen desselben

Volkes ereilte. L. Passerini, der florentinische Historiker, welcher

die Inschrift in einem Aufsatz über den Palazzo del Podestà (wieder

abgedruckt in den Curiosità storico-artistiche fiorentine, Bdchn. I.,

Flor. 1866) mittheilt, macht aus dem „Rex Guilelmus“ einen „Guglielmo

di Nassau.“ Eine eigenthümliche Exemplification des „Coming events cast

their shadows before.“

/Burtscheid bei Aachen./ /A. v. Reumont./

Ein deutscher Astronom in Ancona 1499.

Im März 1499 beriefen vier angesehene Bürger von Ancona: Niccolò

Grassi, Bartolommeo Alfei, Jacopo Lucidi und Andrea Stagi, den

deutschen Astronomen Johannes, Verfasser des 1488 in Augsburg, 1494 in

Venedig erschienenen „Astrolabium planum“, zum Behuf astronomischen

Unterrichts. Der „Magister Johannes teotonicus astronomus“ sollte ein

Jahr lang, vom April beginnend, „legere operam teoricam planetarum

alchabitium et tabulas alfonsi,“ für welche Vorlesung er, außer Wohnung

und Bett, ein Honorar von 30 Ducaten Gold erhalten sollte. Falls andere

Scolaren an den Vorträgen theilnehmen, würde das fernere Honorar dem

Magister Johannes zu Gute kommen. Der Contract vom 23. März 1499, im

Notariats-Archiv gedachter Stadt, wurde gedruckt von /A. Rossi/ im

Giornale di erudizione artistica, Bd. VI, S. 196. (Perugia 1877 -- erst

kürzlich ausgegeben.)

Bartolommeo Alfeo, Rechtsgelehrter, verfaßte Anconitanische Annalen vom

Ursprung der Stadt bis zur Wahl P. Julius’ III. (1550), so daß er bei

der Berufung des deutschen Astronomen in sehr jungen Jahren gestanden

sein muß. Vgl. /Ciavarini/, Collezione di documenti etc. delle

città Marchigiane, Bd. I. (Ancona 1872) u. /v. Sybels/ Histor.

Zeitschrift Bd. XXIX.

/Burtscheid bei Aachen./ /A. v. Reumont./

Vermählung König Friedrichs III. mit Leonor von Portugal.

Der Maihinger Codex II. Lat. 1, in 4^{to} num. 33, welcher laut

Subscriptio im Jahr 1470 geschrieben worden, enthält auf Bl. 41b.-43a.

die nachfolgende Anrede, welche Jacob Mocz, Hofkaplan und Beichtvater

König Friedrichs III., am 1. August 1451 an die 17jährige Infantin

Leonor von Portugal, Schwester des Königs Alfonso, zu Lissabon im

Palaste des Herzogs von Bragança hielt, und wodurch er sie dem Könige,

dessen Stelle er vertrat, feierlich vermählte.[165]

Arenga ad Leonoram[166] imperatricem futuram facta[167] in praesentia

regis.

Sermo meus, rex serenissime inuictissimique principes, colendi

praesules proceresque nobilissimi, doctores eximii ceterique domini

quibuscumque titulis dignitatum insigniti praedigni, in hoc actu

praesenti quantum mea fert oppinio[168] ad praeclarissimam atque

perlustrem virginem dominam /leonoram/ hic praesentem et hunc

coetum suo splendore ornantem vobis obmissis comitetur. Sua est enim

haec dies, sua est haec sollemnitas, sua est haec celebritas. Audi

ergo, nobilissima et excellentissima virgo, inclina aurem tuam mihi.

Accipe quae dicam verba, non vtar multis, paucis opus. Nam quid sit

matrimonium? quia insolubile vinculum maris et feminae: Quos deus

coniunxit, homo non separat; qua ratione institutum? quia causa prolis

procreandae: Crescite et multiplicamini; qua firmatum auctoritate? quia

a deo patre: Hoc nunc os ex ossibus meis; qua devocione colendum? quia

nuptiis Christus interfuit et sua praesentia matrimonium consecrauit

et miraculis approbauit; quam vtile? vt lubricitas carnis vitetur:

Cum nullus immundus aut fornicator regnum dei possidere possit; quam

necessarium? vt caritas in orbe conseruetur terrarum, sine qua nihil

potest fieri; non enim est bonum hominem esse solum: -- non dubito te

dudum ac saepius christianissime instructam. Per hoc enim, uidelicet

matrimonium, amici amiciores efficiuntur, per hoc inimici placantur,

per hoc regna in pace conservantur, per hoc homines vitae se

polliticae[169] vinciunt[170], per hoc ordo naturae bene regitur, per

hoc tandem lapsus angelorum reintegratur.

Non paruum neque vulgare coniugium est, de quo nunc agitur, in quo

regius sanguis imperatorio[171] coniungendus est. Inter te hodie regio

sanguine (_Bl. 42a._) progenitam et serenissimum ac gloriosissimum

principem dominum caesarem /fridericum/ romanorum regem pium

felicem ac triumphatorem matrimonium contrahendum est.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge · 第 52 / 177 题