[1: /nützit/, (schwäb.) nichts, aus älterem /nihtesiht/ = _nihtes niht_
entstanden. Schmeller I, 1790. 30.]
[2: gelange, gereiche.]
[3: Die Kanzlei, welche damals in Württemberg als höchste Verwaltungs-
und Gerichtsbehörde (namentlich für Streitigkeiten des Adels) bestand,
und neben welcher nach Fr. v. Stälin erst um 1475 (nach Sattler V, 120
schon i. J. 1460) für gewisse Zweige der Rechtspflege ein wesentlich
mit Rechts-Doctoren besetztes Hofgericht eingerichtet wurde, setzte
sich, so viel man bis jetzt weiß, zusammen aus dem Landhofmeister,
dem Kanzler und einer Anzahl von Räthen. Der Landhofmeister hatte
die Aufsicht und das Präsidium und war mit dem Kanzler immer in der
Kanzlei, bei Hofe. Die Räthe, meist höhere geistliche Herren, ließen
sich dagegen nur zu Diensten gebrauchen, wenn man sie erforderte.
Doch hatte der Hofmeister stets einige Räthe um sich. Vgl. Christ.
Friedr. Sattler, Gesch. d. Herzogth. Würtenberg unter der Regierung
der Graven; V. Bd. (Ulm 1768), S. 103. 105. 115. Christ. Friedr. v.
Stälin, Wirtembergische Gesch. III. Bd. (Stuttgart 1856), S. 735. --
Einen in mancher Beziehung der obigen Bestallung ähnlichen Eid des
Landhofmeisters Dietrich v. Weyler v. 1381 siehe bei Sattler V, 116.
Dem Landhofmeister Dr. jur. Georg Absperg widmete Niclas v. Wyle die
Sammlung seiner Translationen.]
[4: abwehren, verhüten.]
[5: die Weile, so lange als.]
[6: ohne böse Absicht, ohne Arglist. Vgl. unten: /one geverde/.]
[7: sonst.]
[8: irgend welcher.]
[9: tauglich, tüchtig, gültig.]
[10: höchstem.]
[11: gedeihe, zufalle.]
[12: Arznei.]
[13: Fehde.]
[14: Petschaft.]
[15: Geb. im 1. Viertel d. 15. Jahrh. zu Bremgarten i. d. Schweiz,
zunächst Schulmeister in Zürich und Freund des eben so edlen als
unglücklichen Felix Hemmerlein; 1445-47 (?) Stadtschreiber zu Nürnberg
und in näherer Beziehung zu dem Stadtsyndicus, dem vortrefflichen
Gregor Heimburg (dem Schöpfer der deutschen Rhetorik, „dem bürgerlichen
Luther vor Luther“); 1449-1469 Stadtschreiber zu Eßlingen und privatim
(wie schon in Nürnberg) Lehrer junger Leute in der deutschen Stilistik
und Orthographie (und Interpunktion); 1469-1478 (s. oben) zweiter
(s. oben) Kanzler des Grafen Ulrich V. des Vielgeliebten und „an den
schwäbischen Höfen wie heimisch“; in brieflichem und persönlichem
Verkehr mit Erzherzogin Mechthild von Oesterreich, mit dem großen
Humanisten Aeneas Sylvius (nachmals Papst Pius II.) u. a. bedeutenden
Personen seiner Zeit; erster Herausgeber der wichtigen Briefe von
Aeneas Sylvius; Uebersetzer einer Reihe lat. Schriften, besonders
novellen- und romanartiger Erzählungen, und dadurch ein wesentlicher
Förderer des Humanismus in der deutschen Prosa.
Ueber sein Leben vgl. besonders Heinr. Kurz, Niclasens v. Wyle 10.
Translation. Aarau 1853. Ueber s. Translationen s. die neue Ausg. von
Adelbert v. Keller, 57. Publik. d. liter. Vereins, Stuttgart 1861
(bes. S. 365 ff.); Cleß, Versuch einer kirchl.-polit. Landes- u.
Culturgesch. v. Würtemberg II, 2, S. 771 ff., Chr. Friedr. v. Stälin,
Wirtemb. Gesch. III (Stuttg. 1856), S. 765 f. Ueber s. Orthographie-
u. Interpunktionsregeln s. meine Quellenschriften zur Geschichte des
deutschsprachlichen Unterrichts (Gotha, Thienemann; unter der Presse.)]
[16: Ulrich V., bene amatus, geb. 1413, seit 1433 Mitregent seines
Bruders Ludwig, dann, seit der Theilung der Grafschaft Württemberg
in einen Stuttgarter u. Uracher Theil, 1442 Herr des Stuttgarter
oder Neifener Theils bis 8. Jan. 1480. († 1. Sept. 1480.) Bei seinem
Rücktritt von der Regierung übergab er sein Land seinem Sohne Eberhard
d. J. (geb. 1447). Im Decbr. 1482 überließ dieser es seinem Vetter,
dem Grafen Eberhard d. Ä. „im Bart“, der nun Alleinherr der ganzen
Grafschaft wurde (seit 1457 Herr des Uracher Theils), 1495 Herzog, †
1496. Vgl. Fr. v. Stälin a. a. O. III, 441, 457 ff. 555 f. 596 ff. 639.
645.]
[17: Fürstlich Württembergisch Dienerbuch vom IX. bis zum XIX. Jahrh.
Herausg. v. Eberh. Emil v. Georgii Georgenau (Stuttgart 1877), S. 14.]
[18: Vergl. die Abbildung des Wappens in H. Kurz, Gesch. d. deutsch.
Lit. I (6. Aufl. Leipzig 1873), S. 747, wonach Niclas v. Wyle auch drei
Sterne im Wappenschilde führte.]
[19: Vgl. Ad. v. Keller, Niclas v. W. Translationen, S. 113 f.]
[20: Sattler, a. a. O. V, 273.]
[21: Fr. v. Stälin, a. a. O. III, 596.]
[22: Fr. v. Stälin III, 763 f. u. 758.]
[23: Ad. v. Keller, Decameron v. Heinr. Steinhöwel (51. Publ. d.
lit. Vereins. Stuttgart 1860), S. 675. H. Kurz, Nicl. v. Wyle, 10.
Translat., S. 5.]
[24: Vgl. über diesen A. v. Keller an dem, Note 22 angeg. O., S. 574
ff. u. Pfeiffer-Bartsch’s Germania, 14. Jahrg. (neue Reihe 2. Jahrg.)
1869, S. 411 f.]
Ein Buntdruck aus dem 14. Jahrhundert.
Im St. Georgs-Hospital am Harz befindet sich unter einigen anderen
Denkmälern der Vergangenheit eine alte Stola, welche aus einem
Stück grober Leinwand gefertigt ist, die ursprünglich offenbar für
einen anderen Zweck bestimmt war. Der geringe Werth des Stoffes
deutet darauf hin, auf wie untergeordnetem Boden des Gewerbsbetriebes
dieses kirchliche Gewandstück entstanden ist. Doch war dieser
offenbar Anlaß, daß ein Verfahren der Ausschmückung gewählt wurde,
welches es interessanter macht, als manches ähnliche, weit kostbarer
ausgestattete. Die Leinwand ist nämlich durch Buntdruck gemustert und
zwar in folgender Weise: Inmitten befindet sich ein breiter, schwarzer
Streifen, in welchem ein gerader, weißer Stab hinaufsteigt, dessen
Kanten an beiden Seiten von schwarzen Linien im Innern des Stabes
begleitet werden. In regelmäßigen Abständen setzt der Stab Knoten
an, welche um schwarze, ovale Felder rechts und links gleichmäßig
hervortreten. Ueber diesen zweigen sich symmetrisch kurze, gebogene
Aeste mit hängenden, lilienförmigen Blumen ab, deren Kelch, soweit sich
noch erkennen läßt, abwechselnd eine weiße, rothe und gelbe Färbung
zeigt. Gleichzeitig setzen sich zu mehrer Belebung der schwarzen
Fläche kleine Kleeblätter an die Aeste an, während zu selbem Zwecke
von den Außenrändern des Streifens weiße, kleine Kugeln an dünnen
Stielen nach innen vorschießen. In kräftigem Rothbraun ausgeführt,
begleitet den mittleren Streifen rechts und links ein Rankenwerk mit
Blättern, Blumen und eingeflochtenen Löwen. Diese letzteren nun, wie
die Blumen an den Ranken, erinnern so sehr an ähnliche Zeichnungen auf
den bekannten maurischen Geweben aus dem 13. u. 14. Jhdt., daß ein
Zusammenhang zwischen beiden sofort in die Augen springt und auch die
Entstehungszeit unseres Druckes nicht zweifelhaft sein kann, -- um
so mehr, als die Blätter die ebenso bekannte Form der ins Romanische
übersetzten griechischen Palmette zeigen.
Man hält am Orte der Aufbewahrung dieses merkwürdigen Denkmales dafür,
daß dessen Ornamentierung durch die Schablone hervorgebracht sei.
Ein Blick auf den Gegenstand selbst überzeugt aber, daß dieses nicht
möglich war, da manche deckende Stücke, wie die Augen der Löwen, ganz
ohne Halt und andere so schwach verbunden hätten sein müssen, daß sie
beim Ueberfahren mit dem Pinsel sich sogleich würden verbogen haben.
Wir haben ohne Zweifel einen Druck vor uns, wol den ältesten bekannten,
der im Occident gefertigt worden.
/Dresden./ /A. von Eye./
Hausordnung für die 12 Chorschüler in der Spitalschule zu Nürnberg vom
Jahre 1343.
Item do hebt sich der korschuler regel an.
Nota. der probst[25] sol der korschuler regel alle samstag fruͤe
zu tisch lazzen lesen den wochner vnd der probst sol gar eben dorauf
merken. welher der regeln niht enhelt[26] den sol er dorvͤmb
straffen vnd puͤzzen[27] vnd wer daz,[28] daz dheiner[29] wider die
puzz redt, daz sol der probst dem custer vnd dem spitalmeister sagen
bey den trewen, die er in dorvͤmb geben hat. die mügen den selben
schuler dorvͤmb verkeren,[30] ob sie wellen.
[Randbemerkung: trew]
Sie süllen gehorsam all sein dem obersten priester vnd irm probst vnd
dar nach dem schulmaister, daz sie den geloben gehorsam zu sein an der
lernung vnd an andern redlichen sachen vnd sunderlich in die schul zu
gen als verr[31] sie mügen vor ire tagczeit on geuerde[32]. vnd der
schulmaister sol sie v̈mb sust lernen[33] vnd daz ist darümb gemacht
daz frum gaistlich leut gezogen werden, daz sie zu grozzerm gotz dinst
kumen mügen vnd dor vmb gibt im der spitalmaister alle cottemmer[34]
zwen güldein vnd dar zu süllen sie allzeit eins pflegers vnd der burger
gut hilf haben vnd sie süllen darzu fördern.
[Randbemerkung: trew]
Dar nach daz ir dheiner[35] auz dem spital gee des nahtes als lieb im
sein pfruͤnt sey[36] vnd auz[37] dem slafhaus in dem spital süllen
sie niht ligen on vrlaub des obersten pristers vnd eines probsts vnd
süllen auch allweg vor nahts in dem spital in irem slafhaus sein vnd
welcher das prech,[38] den möht man dar vmb verkeren.
[Randbemerkung: trew]
Dar nach daz sie keusch vnd rain sein, die weil[39] sie in des spitals
dinst sein oder man mag aber sie dor vmb verkern.
Es sol auch der schuler dheiner vor ezzens vnd vor uesper piz nach
complet[40] in die kirchen niht gen on korroͤklein vnd daz sol der
custer vnd probst auf ir gewizzen rugen vnd welcher daz prech, der
sol[41] dem custer oder dem probst ye als (er) daz prech sechs haller.
vnter singens sol dhein korschuler auz der kirchen niht gen on vrlaub
des probsts.
Vnd den siechen[42] suͤlln sie getrew sein iren schaden zu wenden
vnd irn frumen zu fodern[43] als verr sie mugen on geuerde.
So sol auch dheiner von dem spital varn, er hab denn sein pfruͤnt
verdinet, ez sey an gewand vnd pfennigen piz auf die nehsten
goltvasten, die man im ie für geben[44] hat.
Sie süllen auch all mit einander gen von irm slofhaus die siben
tagzceit all mit einer processen ye zwen mit einander, daz ir einer
fuͤr den andern niht lauffen noch gen gen [!] sol. Sie suͤllen
auch all ir korroͤklein anhaben. wer daz prech, den sol der probst
aber pfenden vmb sehs haller. Wer auch ob ir ainer verslief oder seiner
tagzeit ein viertail versaumt on vrlaub dez probsts oder laut redet
oder sprüng oder dheinen sleht, rauffet oder wirfet mit kussen oder mit
schuͦhen in der kamern et cetera, den sol er aber pfenden fuͤr
sechs haller.
Sie süllen auch all montag vor der selmesse mit der processen gen mit
dem creucz vnd mit dem weihwazzer vnd mit dem rauchfazz vͤber den
kirchoff vͤber die toten, als gewonlich ist.
Vnd suͤllen auch mit einander zu pett, zu tisch gen vnd suͤllen
auch iren tischsegen vor vnd auch nach sprechen stend vnd niht siczend
vnd auz dem spital niht ezzen on des probsts vrlaub pey sechs hallern.
Sie suͤllen auch vnter in[45] halten wochen, daz ye zwen zu tisch
lesen vnd dinen all nach einander und suͤllen all stillsweigen, wenn
man zu tisch list vnd allwegen als lang lesen vncz[46] auf daz gracias.
Sie suͤllen allnaht mit den pristern gen mit einer gesungen antiphon
vnd zwein prinnenden kerczen, fuͤr welchen altar man sie heizzet gen
nach der complet.
Vnd suͤllen dez Stifters jarczeit begin,[47] als in dem puch
geschriben stet ffolij --. Auch suͤllen sie sich all zwelff
berichten an dem antlaz tag vnd die mandat[48] suͤllen sie begin,
als in dem puch geschriben stet.
Suͤllen den karfreitag begin, als in dem puch geschriben stet ffolij.
Sie suͤllen sich auch berichten[49] an dem cristag vnd suͤllen
an dem obent vor vnsers hern leichnam einen ganczen salter[50] lesen
dor v̈mb gibt man yeclichem einen schilling haller als vor geschriben
stet, daz tut zwelf schilling haller.
Am suntag post corporis Christi suͤllen sie mit der processen gen
vnd allez daz tun vnd gehorsam sein, als in dem puch geschriben stet
ffolij.
Vnd suͤllen auch allen den priestern beholfen sein all jarczeit zu
berihten vnd begin, als in dem puch geschriben stet.
Avch sol der custer vnd der probst die korschuler dor zu halten, daz
sie ir tonsur pfefflichen halten vnd suͤllen in niht keins langen
hars vnd der engen schoͤppf[51] vnd dez gewunten[52] hars gestaten.
welcher daz vͦber vert vnd dez niht stet helt, so sol der custer
oder der probst von idem tag von in nemen sechs haller.
/Döbeln./ /W. Loose./