Aus den Süsswasserfischen bezieht endlich auch der Mensch einen
häufigen Bewohner seines Darmkanals, den Grubenkopf (_Bothriocephalus
latus_ Brems.). Dieser längste aller in unserem Körper vorkommenden
Bandwürmer -- kann er doch bis 10 _m_ erreichen -- kommt besonders in
weiter Verbreitung in Länderstrichen vor, die reich an Süsswasserseen
sind. Es lässt sich das nach der Natur seiner Zwischenwirte ja zum
voraus erwarten. So treffen wir ihn häufig in der Westschweiz,
im Seengebiet Oberitaliens, in den weiten an das baltische Meer
grenzenden, zu Deutschland und Russland gehörenden Seebezirken, in
Polen, in gewissen Teilen Russlands, in Schweden, in Japan. Auch
am Ufer des Starnbergersees hat sich ein Infektionsherd gebildet.
Bis vor wenigen Jahren war die Herkunft des so häufigen und nicht
unbedenklichen Schmarotzers unbekannt; das Verdienst, den Schleier
über diesem Dunkel gelüftet zu haben, gehört in erster Linie Prof.
+M. Braun+. Doch bleiben auch heute noch weite Lücken in der
Kenntnis der Lebensgeschichte des _Bothriocephalus_ auszufüllen.
Aus der Uterusöffnung der einzelnen Bothriocephalenglieder treten
die gedeckelten, ovalen Eier, die auch bei diesem Wurm, dank der
parasitischen Lebensweise, und zu Gunsten der Verbreitung der
schmarotzenden Spezies, in Übermenge gebildet werden (Fig. 42). Im
Wasser zerstreut entwickelt sich in ihnen ein Embryo nach Vorgängen,
die jüngst von +Schauinsland+ verfolgt worden sind. Er verlässt die
Eischale je nach den äusseren Temperaturbedingungen und der Masse
des das Ei bespülenden Wassers früher oder später. Im Sommer findet
das Ausschlüpfen schon zwei bis vier Wochen nach der Eiablage statt;
unter ungünstigen Umständen (im Winter) können aber acht und mehr
Monate vergehen, bis der junge Embryo frei wird. Er ist ähnlich wie
das erste Jugendstadium von _Ligula_ und _Triaenophorus_, Würmer,
die übrigens auch im anatomischen Bau des erwachsenen Tieres dem
_Bothriocephalus_ nahekommen, mit sechs Haken bewaffnet und schwimmt
im Wasser mit Hilfe eines langen Wimperpelzes (Fig. 43 S. 250). Das
freie Leben der Embryonen kann bis eine Woche dauern, dann sinken die
Tierchen zu Boden und streifen gewöhnlich die Flimmerbekleidung ab, um
sich noch eine Zeit lang kriechend zu bewegen. Was nun mit den jungen
Bothriocephalen geschieht, ist uns völlig unbekannt. Hier öffnet sich
eine weite Lücke in unserem Wissen. Es hat in keiner Weise gelingen
wollen, die sechshakigen Embryonen direkt auf Fische zu übertragen;
ebensowenig ist es geglückt, niedere wirbellose Wasserbewohner mit den
Flimmerembryonen zu infizieren. So steht die Frage noch vollkommen
offen, ob die Süsswasserfische den ersten und einzigen Zwischenwirt
für den Grubenkopf abgeben, oder ob die Embryonen, etwa wie die ihnen
nach Bau und Lebensweise so ähnlichen frühesten freien Jugendstadien
der Trematoden, zunächst in einen wirbellosen Zwischenwirt eindringen
müssen, um dort weitere Veränderungen durchzumachen.
[Illustration: Fig. 43.