Flimmerembryo von _Diplozoon paradoxum_.]

Beide das _Diplozoon_ zusammensetzenden Tiere sind gleich,

hermaphrodit, bringen Eier hervor und befruchten sich gegenseitig.

Mit dem Eintritt der kälteren Jahreszeit hört die Eierbildung

auf, die weiblichen Organe existieren dann nur andeutungsweise.

Bei steigender Temperatur (künstlich oder natürlich) beginnt die

Ausarbeitung der Eier sofort wieder, die Geschlechtsorgane entwickeln

sich und treten in Thätigkeit. Die Eibildung und Befruchtung kann

nun in allen Einzelheiten verfolgt werden. Das reife, hochgelb

gefärbte, gedeckelte Ei ist 0.28 bis 0.30 _mm_ lang; seine Schale

besitzt zunächst an einem Pol einen kurzen, schnabelartigen Fortsatz,

der allmählich zu einem langen, sich aufrollenden und erstarrenden

Faden auswächst (Fig. 40). Am siebenten bis achten Tag werden die

Eier aus dem erweiterten Ende des Ovidukts ausgestossen. In reinem

Wasser läuft die weitere Entwickelung rasch ab. Nach acht Tagen

umschliesst die Eischale einen deutlichen Embryonalkörper, der

sich zuerst schwach, dann immer kräftiger bewegt. Am fünfzehnten

Tag etwa wird der Deckel des Eies abgeworfen, der Embryo schwimmt

leicht im Wasser. In diesem Zustand ist das junge Tier, was sich

schon durch die Eischale erkennen liess, mit zwei dorsal liegenden

Augen und einem Wimperbesatz ausgestattet. Die Augen sind Schälchen

eines bräunlichen Pigments, die ein helles, kugeliges, linsenartiges

Körperchen umschliessen. Das ganze Körperparenchym ist reichlich mit

glänzenden, formveränderlichen Kügelchen durchsetzt. Am Vorderende

liegt der Mund mit zwei eigentümlichen seitlichen Saugnäpfen, das

Hinterende trägt zwei Klammern und zwei kleine Angeln. Im Innern

des Körpers erscheint der stark muskulöse, in einen einfachen Darm

führende Schlundkopf (Fig. 41). Die Bewegungen dieser jungen Tierchen

sind äusserst mannigfaltig und ausgiebig. Bietet sich indessen im

Verlauf von sechs Stunden keine Gelegenheit zur Fixierung auf den

Kiemen eines Fisches, so gehen die Diplozoon-Embryonen zu Grunde. Hat

die Festsetzung aber stattgefunden, so verwandelt sich der Embryo zu

einem Geschöpf, das als kiemenbewohnender Parasit schon von +Dujardin+

unter dem Namen _Diporpa_ beschrieben worden ist. Der unnötig gewordene

Schwimmapparat, der Wimperbesatz, geht verloren; die Augen, die

gleichfalls keinen Dienst mehr zu leisten haben, zerfallen, der Darm

füllt sich mit dem Wirt entzogenen Stoffen. Im Juli und August findet

man die Kiemen der Elritzen oft mit hunderten von Diporpen besetzt.

Es sind diese Wesen von lanzettförmiger, abgeplatteter Körpergestalt;

ihre Bauchfläche trägt etwas unterhalb der Mitte einen kleinen

Saugnapf, am Rücken liegt, noch etwas kleiner als der Bauchnapf,

ein zapfenförmig hervortretendes Gebilde. Das Kopfende des Tieres

verlängert sich rüsselartig, an ihm liegt zentral ein quergestellter

Mund; seitlich öffnen sich zwei Saugnäpfe in die Mundhöhle. Der Darm

beginnt seitliche Ausstülpungen zu treiben. In jeder Körperhälfte liegt

ein Hauptstamm des Exkretionssystems. Am Hinterende ist schon das erste

Haken- und Klammerpaar befestigt. In diesem Zustand auf den Kiemen

schmarotzend und allmählich an Grösse zunehmend, können die Diporpen

Wochen und Monate lang leben. Nie aber wird das isolierte Einzeltier

geschlechtsreif, es muss der Geschlechtsreife die enge, definitive

Verwachsung zweier Diporpen zum _Diplozoon_ vorausgehen, wie dies

schon +v. Siebold+ richtig erkannte. Die Vereinigung findet immer so

statt, dass jedes der beiden sich konjugierenden Individuen mit seinem

Bauchnapf den Rückenzapfen des Gefährten umfasst. Die notwendige Folge

dieser Verbindungsweise wird eine Kreuzung der beiden Exemplare und so

die Annahme der typischen Diplozoongestalt sein. Eine Trennung findet

nicht mehr statt, die Tierkörper verwachsen an den Berührungsstellen

innig; aus +zwei+ ursprünglich getrennten Individuen, hervorgegangen

aus zwei verschiedenen Eiern, ist +ein+ Geschlechtstier entstanden.

Das _Diplozoon_ wächst nun noch weiter; die vorderen Saugnäpfe gehen

verloren, am Hinterende legen sich ein zweites, drittes und viertes

Klammerpaar und entsprechende Sauggruben an, die übrigens oft schon

in älteren Diporpen teilweise vorgebildet sind. Endlich erscheinen in

beiden ursprünglichen Tieren die Geschlechtsorgane.

Eine ziemlich umfangreiche Gruppe von Kiemenparasiten der Fische

sind die Gyrodactyliden, charakterisiert durch ihre grosse terminale

Schwanzscheibe und den kräftigen Hakenapparat. Im süssen Wasser sind

diese sehr kleinen Schmarotzer in vielen Arten hauptsächlich auf

verschiedenen Cypriniden, sowie Barsch, Kaulbarsch, Zander zu Hause.

Die Gattung _Gyrodactylus_ besitzt zwei Kopflappen, acht bewegliche

Pharynxstacheln, zwei starke Haken inmitten der Schwanzscheibe und

zahlreiche kleine Häkchen am Umfange derselben.

Kaum minder gut mit Haftapparaten ausgestattet ist die verwandte Form

_Dactylogyrus_. Sie trägt vier Kopflappen, zahlreiche kleine Randhaken,

neben zwei grösseren Klammern auf der Scheibe. Oft stellt sich noch

eine zweite, zentrale Haftplatte ein.

Die merkwürdige Geschichte von _Gyrodactylus elegans_ Nordm. hat uns

+G. Wagener+ geschildert. Das junge Tier macht im Innern der Mutter

seine vollständige Metamorphose durch und wird lebend, nach Gestalt

und Bau dem Muttertier durchaus ähnlich geboren, während z. B. die

verwandte Gattung _Dactylogyrus_ Eier zur Welt bringt. Bevor aber der

junge _Gyrodactylus_ frei wird, umschliesst er selbst bereits wieder

einen Sprössling, so dass drei Generationen in einander eingeschachtelt

liegen. Das Muttertier umfasst die auf geschlechtlichem Wege erzeugte,

aber noch nicht geschlechtsreife Tochter; diese birgt einen Keimling,

der wie angenommen wird einer übrig gebliebenen Furchungskugel des

Eies, aus dem das Tochtertier hervorging, seinen Ursprung verdankt.

Tochter- und Enkelindividuum wären somit gleichzeitig aus der Masse

gleichgestalteter und gleichaltriger Embryonalzellen des ursprünglichen

Eies hervorgegangen.

Unter dem Namen _Sphyranura Osleri_ haben +Ramsay Wright+ und

+Macallum+ jüngst einen interessanten ektoparasitischen Trematoden

von der Haut des grossen Salamanders _Necturus lateralis_ Raf. aus

den Seen Nordamerikas beschrieben. Die fragliche Form schiebt sich

anatomisch und embryologisch zwischen _Polystomum_ und _Gyrodactylus_

ein. Ein weiterer Kiemenbewohner der Süsswasserfische ist die Gattung

_Tetraonchus_.

Wie die Saugwürmer gehören auch die Bandwürmer (Cestoden) der grossen

Abteilung der Plattwürmer an. Es fehlt sogar nicht an Formen, die

morphologisch und embryologisch als Übergangsstufen sich zwischen die

beiden parasitierenden Gruppen der Plathelminthen einschieben und

es so unmöglich machen, Trematoden und Cestoden durch eine scharfe

Grenzlinie zu scheiden. Letztere haben sich offenbar aus ersteren

herausentwickelt, sind aus ihnen durch Anpassung an immer schärfer

ausgeprägtes Schmarotzertum entstanden. Von Ektoparasitismus ist hier

keine Rede mehr. Alle Bandwürmer bewohnen die inneren Organe ihrer

Wirte. Unter dem Drucke des intensiver werdenden Schmarotzertums sind

manche bei den Trematoden noch mehr oder weniger entwickelte Organe und

Organsysteme als unnötig vollkommen zurückgebildet worden. Sinnesorgane

und Verdauungssystem sind spurlos verschwunden. Das schwach entwickelte

Nervensystem besteht in der Regel aus zwei seitlichen Längsstämmen,

die im vorderen Körperende, dem sogenannten Kopf, durch einfache

oder mehrfache Kommissuren verbunden sind. Gut ausgebildet ist das

zweiseitig angelegte, röhrig gebaute Exkretionssystem, dessen feinste

Verzweigungen im Körperparenchym mit zahlreichen Flimmerläppchen

endigen. In der Regel ist der Bandwurmkörper mehr oder weniger deutlich

segmentiert, gegliedert. Sein vorderster, die Haftorgane in Gestalt

mannigfaltiger Haken und Saugnäpfe tragender Teil wird als Kopf oder

Scolex bezeichnet; auf ihn folgen nach hinten in weiten Grenzen

schwankender Zahl die Glieder, Ringe oder Proglottiden. Jede Proglottis

umschliesst männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Oft sind die

Proglottiden, nachdem sie eine gewisse Entwickelung durchgemacht

haben, nur noch lose mit einander verbunden; sie lösen sich sogar

von der allgemeinen Kette ab, um selbständig als Einzelindividuen

weiter zu leben. Das hat zur Auffassung des Bandwurmkörpers als

einer aus einem Hafttier (Scolex) und zahlreichen Geschlechtstieren

(Proglottiden) zusammengesetzten Kolonie geführt. Doch giebt es auch

Bandwürmer ohne jeden kolonialen Charakter. Die Glieder sind fest und

dauernd verbunden, die äussere Segmentierung verwischt; die beiden

Geschlechtsapparate kommen in gewissen Fällen im Körper überhaupt

nur in der Einzahl vor. Zwischen Einzelindividualität und Stocknatur

des Cestodenleibs lässt sich keine Grenze ziehen. Die den Trematoden

am nächsten stehenden Formen zeigen von Segmentierung noch keine

Spur; die Gliederung tritt zuerst schüchtern, dann immer deutlicher

hervor und führt zuletzt sogar zur Selbständigkeit der einzelnen

Segmente. Für alle verschiedenen Stufen liefern gerade die bei den

Fischen schmarotzenden Formen treffliche Beispiele. Auch in der

vielfach verschlungenen Lebensgeschichte der Cestoden spiegelt sich

ihr parasitärer Charakter wieder. Wanderungen und Wirtswechsel sind

allgemein verbreitet; freie Lebensstadien spielen eine viel geringere

Rolle als bei den Trematoden. Sie sind in den Entwickelungsgang der

verschiedenen Bandwürmer in verschieden reichem Masse eingestreut.

Der Körper der Süsswasserfische bietet relativ zahlreichen und

mannigfaltigen Cestoden Herberge, sei es als Zwischenwirt, sei es als

Träger der definitiven Geschlechtsform. Die eigentlichen Taenien,

Cestoden, die für die höheren Wirbeltiere und speziell auch den

Menschen eine ganze Anzahl von Arten stellen, sind im Süsswasserfisch

nicht gerade häufig. Barsch, Kaulbarsch, im Genfersee auch Quappe,

Felchen, Hecht, Forelle, Saibling beherbergen in ihrem Darm oft in

grosser Zahl die _Taenia ocellata_ Rud., mit vier seitlich und einem

endständig am Scolex liegenden Saugnäpfen. _T. longicollis_ Rud. ist

für die Salmoniden charakteristisch. In den Pylor-Anhängen und dem

Dünndarm der befallenen Fische leben oft hunderte dieses Schmarotzers.

Länge bis 25 _cm_, fünf Saugnäpfe. In Stichling und Barsch ist die

mit vier kleinen, aber starken Saugnäpfen bewehrte _T. filicollis_

Rud. nicht selten, während die Cypriniden sowie Felchen und Quappe

nicht allzu häufig durch die _T. torulosa_ Batsch infiziert werden.

Bau und Entwickelung all dieser Fischtaenien sind uns fast völlig

unbekannt[LXXVIII].

[LXXVIII] +O. v. Linstow+ hat uns jüngst über den Bau derselben

einiges mitgeteilt; eine weitere Arbeit über Cestoden der

Süsswasserfische wird von einem meiner Schüler vorbereitet.

Durch sein massenhaftes Auftreten in allen Salmoniden fällt der

_Bothriocephalus infundibuliformis_ Rud. auf. Er fehlt auch nicht

in Barsch und Hecht. Sein Scolex trägt -- wie dies für die Gattung

_Bothriocephalus_ charakteristisch ist -- zwei nur mässig starke

Sauggruben. Hunderte von Exemplaren des bis 40 _cm_ langen Wurmes sind

kräftig in den Pylor-Anhängen des Wirtes befestigt. Salm, Saibling

und Forelle scheinen am meisten unter der Überzahl der Schmarotzer

leiden zu müssen. In manchen Meerfischen und in der Quappe wird der _B.

infundibuliformis_ ersetzt durch die verwandte Form _B. rugosus_ Rud.

Seine Länge geht bis 38 _cm_; er ist ausgezeichnet durch randständige

Geschlechtsöffnungen, während dieselben sonst bei den meisten

Bothriocephaliden auf der Fläche der Glieder liegen.

An die Saugwürmer schliesst sich morphologisch und anatomisch eng ein

nicht seltener Darmschmarotzer der verschiedenen Karpfenarten, der

Nelkenwurm (_Caryophyllaeus mutabilis_ Rud.) an. Der Wurmkörper ist

vollkommen ungegliedert, sein oft wie eine Nelkenblüte gefalteter,

hakenloser Vorderrand dient als einziges Fixationswerkzeug. Männlicher

und weiblicher Apparat, jüngst von +Saint-Remy+ genauer beschrieben,

sehen denen der Trematoden ähnlich und bleiben wie dort in der

Einzahl. Kompliziert ist das Exkretionssystem mit seinen zahlreichen

geschlängelten Längskanälen und wohl ausgebildeten Wimpertrichtern.

Im Gegensatz zu den meisten Cestoden scheint die Entwickelung des

Nelkenwurms relativ einfach zu sein. Eine Metamorphose ersetzt den

Generationswechsel; dagegen ist die Wanderung durch den Zwischenwirt

beibehalten. Wahrscheinlich lebt der junge _Caryophyllaeus_ in dem

unter dem Namen _Tubifex rivulorum_ bekannt gewordenen Ringelwurm

und wird mit ihm in den Darm der Cypriniden übertragen, wo er die

Geschlechtsreife erreicht.

Schon etwas mehr dem Typus der Cestoden nähert sich der „Becherkopf“

(_Cyathocephalus truncatus_ Pallas), der sich mit seinem

eigentümlichen, becher- oder trichterförmigen Scolex sehr fest in den

Pylor-Anhängen von Hecht, Barsch, Felchen, Forelle, Quappe, Saibling

ansaugt. Der bis gegen 40 _mm_ lange Leib besteht aus wenigen, fest

verbundenen und undeutlich gegeneinander abgesetzten Proglottiden,

die flächenständig männlichen und weiblichen Porus, sowie die

Uterusöffnung tragen. Durch den Bau der Geschlechtsorgane scheint sich

der _Cyathocephalus_ der Gruppe der Bothriocephaliden anzuschliessen.

Leider ist seine Anatomie erst unvollkommen, seine Lebensgeschichte gar

nicht bekannt.

Traten uns in den bis jetzt geschilderten Fällen die Fische

ausschliesslich als Wirte des ausgewachsenen, geschlechtsreifen

Bandwurms entgegen, so sind doch auch genügend Beispiele bekannt,

wo der Fisch die Rolle des Zwischenträgers spielt und in seinen

Organen die Larven des Cestoden birgt. In einem gut beschriebenen

Entwickelungsgang wird Haupt- und Zwischenwirt der Gruppe der

Süsswasserfische entnommen. Es betrifft dies den _Triaenophorus

nodulosus_ Rud., der als Bandwurm von bedeutender Länge (bis ½ _m_)

den Darm des Hechtes oft in recht beträchtlicher Zahl bewohnt.

Seltener bezieht er im geschlechtsreifen Zustand Aesche, Forelle und

Barsch. In den Fischen des Genfersees gehört der _Triaenophorus_ zu

den gewöhnlichsten Erscheinungen. Sein undeutlich abgesetzter Kopf

trägt neben zwei schwachen Sauggruben zwei Paar starker Chitinhaken,

die durch ihre dreizackige Gestalt an die starke Bewaffnung mancher

Schmarotzer der Meerfische (Calliobothrien) erinnern. Äusserlich

ist der Bandwurmkörper trematodenhaft kaum merklich gegliedert;

innerlich dagegen ist die Segmentierung scharf ausgedrückt durch

die sich regelmässig in grosser Zahl folgenden, nach dem Typus der

Bothriocephalen gebauten Geschlechtsorgane. Im Jugendzustand soll

der _Triaenophorus_ eingekapselt in der Leber der Beutefische des

Hechtes, hauptsächlich der Cypriniden, liegen. Doch fand ich ihn

wenigstens für den Genfersee am häufigsten im Barsch, seltener im

Hecht, am seltensten und nur in schwachen, kleinen Exemplaren in

Forelle und Aesche. Bemerkenswert bleibt immerhin die Thatsache, dass

auch hier wieder alle angeführten Fischarten Haupt- und Zwischenträger

der nämlichen schmarotzenden Spezies werden können. Einmal traf ich

den jungen Parasiten auch im Lachs. Die Triaenophorus-Larven liegen

meistens eingebettet in erbsengrosse dickwandige Bindegewebecysten

der Leber ihres Wirtes. Seltener bewohnen sie Milz, Peritonäum und

Muskeln. In der Leber ist die Larvenzahl oft sehr bedeutend -- nach

eigener Erfahrung bis 36 --, so dass sich die Gegenwart von hunderten

von ausgewachsenen Würmern im Hechtdarm wohl erklärt. Haken und

Sauggruben sind im Jugendzustand schon wohl ausgebildet, zudem folgt

auf den Kopf ein sehr langer (bis 25 _cm_) Wurmkörper, der reich an

Kalkkörperchen ist und sich in der engen Cyste in den mannigfaltigsten

Knäueln und Windungen aufwickelt. Der bandförmige Anhang ist übrigens

bestimmt, nach der Übertragung auf den definitiven Wirt zum guten

Teil verloren zu gehen. Auf den Hauptträger übergeführt werden die

Triaenophorus-Larven wohl sehr bald geschlechtsreif. Ihre reifen Eier

gelangen in ungezählten Mengen mit dem Kot des Fisches ins Wasser.

Ihnen entschlüpfen schon nach sechs bis acht Tagen bewimperte, mit

sechs provisorischen Haken bewehrte Embryonen, die auf der Suche

nach einem Zwischenwirt munter umherschwimmen. Ob aber die oben

aufgezählten Fische schon vom Embryo bezogen werden, oder ob ihnen der

Parasit in vorgerückterer Entwickelung durch einen ersten, wirbellosen

Zwischenwirt übertragen wird, ist noch fraglich.

Die Leibeshöhle der karpfenartigen Fische beherbergt oft

langgestreckte, bandförmige, schwach segmentierte Schmarotzer, ohne

deutliche Haftapparate. Ihre Zahl in einem Wirt ist oft ziemlich

beträchtlich; ihre Länge kann sehr bedeutend werden -- kenne ich

doch aus einem Rötel ein Exemplar von 83 _cm_ Länge und 2 _cm_

Breite. Kein Wunder, dass unter dem Drucke des wachsenden Wurmes die

von ihm mannigfaltig umschlungenen Organe des Fisches verkümmern.

Meist tritt tödliche Peritonitis ein. Schwere Fischepidemien, die

viele Karpfenteiche entvölkerten, sind einzig auf die Gegenwart

dieser Riemenwürmer oder Liguliden zurückzuführen. Es ist also schon

praktisches Interesse, wenn wir die Lebensgeschichte der _Ligula

simplicissima_ Rud., die uns im ganzen und grossen von +Donnadieu+

geschildert worden ist, verfolgen. Wir wissen nun, dass die

Schmarotzer aus der Leibeshöhle der Karpfen nichts anderes sind denn

aussergewöhnlich grosse Larven von Bandwürmern. Sie wachsen schon

im Zwischenwirt, eben den Fischen, zu ungewöhnlicher Länge aus und

bilden auch schon die Geschlechtsorgane vor. Doch treten diese erst in

Funktion, wenn der kaltblütige Zwischenträger mit einem warmblütigen

Hauptwirt vertauscht wird. Dazu bietet sich am besten Gelegenheit,

nachdem die _Ligula_, durch die unter dem Drucke immer dünner werdenden

Bauchdecken des Fisches hindurchbrechend, ins Wasser gelangt, in

dem sie längere Zeit frei leben kann, ein für einen Parasiten nicht

gewöhnliches Verhältnis. +Forel+ hat freie Exemplare von _Ligula_ in

den grossen Tiefen des Genfersees gefischt. Jetzt muss der noch nicht

geschlechtsreife Wurm von einer Ente oder einem anderen Wasservogel

aufgenommen werden. Liguliden von mindestens 10 _cm_ Länge, ja sogar

Bruchstücke grösserer Exemplare werden im Entendarm schon nach Verlauf

von 24 Stunden vollkommen reif; kleinere Tiere werden ausgeworfen.

Die beiden Sauggruben treten deutlicher hervor; die Segmentierung des

Körpers prägt sich etwas schärfer aus; der Leib streckt sich; in den in

grosser Zahl sich regelmässig folgenden Geschlechtsapparaten beginnt

die Eibildung und Befruchtung. Durch spezielle in jeder Proglottis sich

wiederholende Uterusöffnungen werden die von einer harten, gedeckelten

Schale umschlossenen Eier in den Darm des Wirtes und von dort, gemäss

der echt parasitischen Fruchtbarkeit der _Ligula_, in ungeheueren

Mengen an die Aussenwelt abgegeben. Geschlechtsreife Liguliden

verweilen übrigens nur kurze Zeit im Darme ihres Trägers, schon nach

zwei bis drei Tagen sollen sie nach +Donnadieu+ ausgestossen oder

verdaut werden. Im Wasser dagegen können die ausgestossenen Würmer bis

zehn Tage lang weiterleben.

Die Eier in Wasser gebracht entlassen nach acht bis vierzehn Tagen

einen flimmernden, sechshakigen, lebhaft schwärmenden Embryo -- eine

Jugendform, die ja überhaupt bei Plattwürmern verbreitet ist, welche

wasserbewohnende Zwischenwirte aufzusuchen haben. Nach +Donnadieus+

Erfahrungen muss der Embryo von den Karpfen in den Darmkanal

aufgenommen werden. Er wird die Wandungen des Verdauungstractus

durchbrechen und, vielleicht nach vorübergehender Einkapselung in

der Leber, die Leibeshöhle des Fisches beziehen. Wenige Wochen nach

der Infektion mit flimmernden Embryonen beherbergt der Körperraum

der Karpfen schon typisch ausgebildete Liguliden, von 6–12 _mm_

Länge. Die Entwickelungsgeschichte der Riemenwürmer ist ausgezeichnet

durch zahlreich eingestreute freie Stadien und die weitgehende

Differenzierung der Larve schon im Zwischenwirt. Es bedarf das junge

Tier nur noch eines kurzen Aufenthaltes im warmen Darm des Hauptwirtes,

um reife Eier zu liefern. Eine Infektion der Karpfen wird natürlich am

besten durch Ausschluss der Hauptwirte -- der Wasservögel -- von den

Teichen verhindert.

In Bau und Lebensgeschichte schliesst an die _Ligula_ unmittelbar

der _Schistocephalus dimorphus_ Crepl. an. Er lebt als bandförmige,

bereits gegliederte Larve in der Leibeshöhle des Stichlings, als reifer

Bandwurm im Darm der Wasservögel. Es sei endlich noch erwähnt, dass

in der Gallenblase und zwischen den Darmzotten der Schleihen zwei

verschiedene Larven von Bandwürmern aufgefunden worden sind, die sich

durch manche Eigentümlichkeiten auszeichnenden Gyporhynchen. Nach

ihrem Übertritt in den Darm der Reiher entwickeln sie sich zur _Taenia

macropeos_ Wedl und _T. unilateralis_ Rud.

[Illustration: Fig. 42.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Zweiter Band. · 第 45 / 60 题