und ihre Lebensverhältnisse.
Von Dr. =A. Seligo= in Heiligenbrunn bei Danzig.
Herrscher im Wasser ist der Fisch. Es giebt kaum irgend einen
Wasserorganismus, der ihm nicht direkt oder indirekt Nutzen bieten
muss. Das Wasser ist auch ausschliesslich das Element, in welchem die
Fische dauernd zu leben vermögen. Zwar können nicht wenige Fische
ausserhalb des Wassers eine mehr oder minder kurze Zeit am Leben
bleiben, -- es giebt, besonders in den Tropen, sogar Fischarten, welche
freiwillig an das Land gehen[LXXI], -- aber auch in diesen Fällen kann
das Luftmeer nur vorübergehend mit dem Wasser vertauscht werden, und
die Fische müssten zu Grunde gehen, wenn man ihnen die zeitweilige
Rückkehr in das Wasser verwehrte.
[LXXI] z. B. die Labyrinthfische und _Salarias scandens_ Ehrenberg.
Ist das Vorhandensein des +Wassers+ die erste Lebensbedingung des
Fisches, so ist in zweiter Linie die Beschaffenheit des Wassers in
Betracht zu ziehen. In dieser Beziehung sind namentlich die mittlere
Wärme des Wassers, sein Luftgehalt und sein Gehalt an anderen gelösten
Stoffen für die Arten der Fische als Lebensbedingungen massgebend.
Das natürliche Wasser kommt auf der Erdoberfläche nirgends in
chemischer Reinheit vor. Der grösste Teil des irdischen Wassers, das
Meerwasser, enthält bekanntlich etwa 3.5% an Kochsalz und zahlreichen
anderen Salzen in Lösung. Da die meisten Fischarten des Meeres im
süssen Wasser bald sterben, anderseits die Süsswasserfische im
Meerwasser meist nicht lange aushalten, so scheidet die Stärke des
Salzgehaltes im Wasser, dessen die Fischarten bedürfen, diese in
Süsswasserfische und Meerfische.
Eine Anzahl von Fischarten ist allerdings im stande, von Zeit zu
Zeit den Aufenthalt in der einen Wasserart mit dem in der andern zu
vertauschen. Diese als Wanderfische bezeichneten Arten folgen bei dem
Wechsel ihres Lebenselementes dem mächtigen Fortpflanzungstriebe.
Das süsse Wasser enthält in der Regel noch 0.004 bis 0.02% +Salze+,
meist Kalksalze, in Lösung. Bringt man die Fische in ganz salzfreies
destilliertes (wenn auch lufthaltiges) Wasser, so tritt der Tod
in wenigen Stunden ein, indem die Gewebe der vom Wasser direkt
bespülten Organe, namentlich der Kiemen, quellen und funktionsunfähig
werden[7]. Eine geringe Menge im Wasser gelöster Salze ist
also für das Leben auch der +Süsswasserfische+ nötig, welche den
ausschliesslichen Gegenstand dieser Schilderung bilden werden.
Der unbeschränkten +Ausbreitung+ der Süsswasserfische stehen im
allgemeinen die Grenzen der von ihnen bewohnten Gewässer, nämlich das
feste Land und das Meer, entgegen. Das letztere wird nicht nur von den
eigentlichen Wanderfischen, sondern auch von einigen anderen Arten,
welche gegen den Salzgehalt minder empfindlich sind, gelegentlich
passiert[LXXII] und dient daher ausnahmsweise zur Verbreitung solcher
Arten[8]. Auch das Land, welches die Flusssysteme trennt, ist
keine absolute Schranke für die Fische. Die Übertragung der Fischeier
durch Wasservögel und Landtiere, Überschwemmungen niedriger Teile der
Wasserscheiden, unter Umständen auch dauernde geologische Veränderungen
der letzteren ermöglichen die Verbreitung der Fischarten aus einem
Flusssystem in ein benachbartes. Hierzu kommen die allmählichen
Veränderungen, welchen die Konturen des Festlandes im Laufe der
geologischen Perioden unterworfen sind und welche die weitläufige
Trennung von ursprünglich eng verbundenen Landmassen bewirken, während
sie anderseits Länder, die von einander entfernt gelegen haben, durch
Landbrücken mit einander verbinden können. Dies sind die Umstände,
welche die Verbreitung der Fischarten des süssen Wassers herbeizuführen
pflegen.
[LXXII] Es kommt auch vor, dass einzelne Seefische, welche den
Aufenthalt im Süsswasser vertragen, sich gelegentlich in die
Ströme verirren und in diesen weit aufwärts schwimmen, z. B.
die Flunder, die Lamprete. Indessen sind diese Fische nicht
zur Süsswasserfauna zu rechnen, vielmehr als Meerfische zu
betrachten.
Das Gebiet, mit dessen Süsswasserfischen wir uns hier zu beschäftigen
haben[9], möge so begrenzt sein, dass es die Flusssysteme, welche +vom
Rhein bis zur Memel+ an den Südküsten der Nord- und Ostsee münden,
sowie das +Donaugebiet+[10] umfasst. Ausserhalb des so umschriebenen
Gebietes liegt von deutschen Ländern nur der zum Etschgebiet gehörige
Teil von Tirol[11]. Das so umgrenzte deutsche Fischgebiet gehört
bezüglich seiner Fischarten dem europäisch-nordasiatischen Gebiete an,
liegt also nach +Sclaters+[12] zoogeographischer Einteilung in der
paläarktischen Region. Unter den Fischarten des Gebietes sind daher am
stärksten vertreten die Familien der in dieser Region so verbreiteten
Cypriniden und Salmoniden.
Der Ursprung dieser Familien ist ein fast entgegengesetzter zu
nennen. Die +Cypriniden+ bilden etwa ein Dritteil aller bekannten
Süsswasserfische der Gegenwart. +Günther+[13] nimmt an, dass
sie ihren Ursprung in der Alpenregion genommen haben, welche die
gemässigten und tropischen Teile Asiens scheidet. Von hier breiteten
sie sich nach Norden und Süden, nach Osten und Westen aus. Australien
nebst Celebes und die übrigen ozeanischen Inseln, sowie Südamerika
wurden von ihnen nicht erreicht. In der Gegend unseres Gebietes fanden
sie sich schon in der Tertiärzeit vor. Die +Salmoniden+ dagegen
scheinen ihren Ursprung im kalten Norden genommen und während der
Eiszeit sich in einzelnen Vertretern weit nach Süden verbreitet zu
haben. Die meisten Arten finden sich auch jetzt in den nördlichen
Teilen unserer Hemisphäre und auch die Arten unseres Gebietes
beschränken sich fast durchgehends auf kühle Gegenden der Gewässer.
Nicht gering an Zahl sind in unserem Gebiet auch die Vertreter der
Familie der +Perciden+. Diese Familie ist weit verbreitet im Süsswasser
und in den Meerküstengegenden aller Regionen. Ihre Reste findet man in
den Ablagerungen seit der Tertiärzeit.
Die Zahl der im Gebiet vertretenen Familien der Fische beträgt
vierzehn, aus ihnen gehören hierher vierzig Gattungen mit siebzig bis
achtzig Arten. Die überwiegende Zahl gehört, wie überall im Süsswasser
zu den +Knochenfischen+.
Aus der Familie der +Perciden+ kommen vor die Gattungen der Barsche,
Zander, Streber und Kaulbarsche. Der +Flussbarsch+ (_Perca fluviatilis_
L.)[LXXIII] ist nicht nur durch das ganze Gebiet verbreitet, sondern
findet sich durch ganz Europa, Nordasien und Nordamerika. Er ist
bei uns einer der gemeinsten Fische, und fehlt kaum in irgend einem
Tümpel. Der +Zander+ oder +Schill+ (_Lucioperca sandra_ C.) ist ein
östlicher Fisch, welcher sich von Osteuropa aus nach Westen verbreitet
zu haben scheint. Er findet sich ursprünglich nicht im Rheingebiet
und im Gebiet der Weser. Obwohl er in den Seen, in denen er vorkommt,
vortrefflich wächst und daher durchaus nicht als ausschliesslicher
Flussfisch bezeichnet werden kann, so findet man ihn doch in
zahlreichen von den von ihm bewohnten Hauptströmen weit abgelegenen
Seen desselben Flussgebietes nicht, was darauf schliessen lässt, dass
seine Ausbreitung spät nach dem Ende der Eiszeit, wenn auch während
des Bestehens der Verbindung zwischen Elbe, Oder und Weichsel erfolgt
ist. Eine nahe verwandte Art ist _L. volgensis_ Pall., die sich in der
Donau und ihren grossen ungarischen Nebenflüssen, sowie in den übrigen
Flüssen des pontisch-kaspischen Gebietes findet. Ganz auf die Donau,
bezw. auf das pontische Gebiet beschränken sich die Arten der +Streber+
(_Aspro zingel_ C. und _A. streber_ Syb.), welche gelegentlich auch in
den Zuflüssen der obern Donau gefunden werden. Von den Kaulbarschen
ist der gemeine +Kaulbarsch+ (_Acerina cernua_ L.) durch das Gebiet,
durch ganz Mitteleuropa und Sibirien verbreitet. Auch er fehlt bei uns
kaum in irgend einem Gewässer. Der ihm verwandte +Schrätzer+ (_Acerina
schrätzer_ L.) dagegen findet sich ausschliesslich in den Zuflüssen des
Schwarzen Meeres, also auch im Donaugebiet.
[LXXIII] Da für die vorliegende Abhandlung nur ein im Verhältnis
zu dem weiten Umfange des Themas geringer Raum zur Verfügung
gestellt werden konnte, so musste auf die Beschreibung
der einzelnen Fischarten sowie auf Abbildungen verzichtet
werden. Man findet mehr oder weniger ausführliche
Beschreibungen in den im Litteraturverzeichnis angeführten
Werken von Heckel und Kner, von Siebold, Benecke u. a.;
neuerdings sind mehrere Werke[14] erschienen, welche
eine zum Bestimmen der Fischarten bequeme Übersicht der
Hauptmerkmale bieten, sowie Auszüge aus dem Beneckeschen
Werke[15], welche die meisten deutschen Fische in guten
Abbildungen geben.
Während die Perciden ziemlich gleichmässig im Salzwasser und in den
süssen Gewässern verbreitet sind, gehört die Familie der +Cottiden+
fast ausschliesslich dem Meere an. Ein Vertreter dieser Familie, der
+Kaulkopf+ (_Cottus gobio_ L.), lebt auch in den süssen Gewässern
der paläarktischen Region, während er im Meere nur in der salzarmen
Ostsee östlich von Gotland vorkommt. Wenig verschieden von ihm ist
der _C. poecilopus_ Heck.[16], welcher sich in den Gewässern der
Karpathen aufhält, sonst nur noch aus den Pyrenäen bekannt ist.
Gleichfalls aus den Küstengegenden des Meeres stammt die Familie
der +Stichlinge+ (Gasterosteiden), welche meist Bewohner des
Seewassers wie des Süsswassers sind. Wir haben in unseren süssen
Gewässern zwei Stichlingsarten, von denen die kleinere (_Gasterosteus
pungitius_) vornehmlich in den süssen Gewässern der Küstengegenden
vorkommt, die grössere (_G. aculeatus_) auch die mehr im Binnenlande
belegenen Gewässerteile bewohnt, ohne dass beide Arten indessen sich
ausschliessen. Man unterscheidet bei beiden Arten je zwei Varietäten,
von denen die eine (_trachurus_) an den Seiten des Schwanzes ebenso wie
an den Körperseiten Knochenplatten trägt und längere Stacheln besitzt,
während die zweite (_leiurus_) kleinere Stacheln und einen unbewehrten
Schwanz hat. Beide Stichlingsarten sind durch das ganze Gebiet mit
Ausnahme der Donau und ihrer Zuflüsse verbreitet. Über unser Gebiet
hinaus findet sich der kleine Stichling an allen Küsten der Nordmeere,
der grosse Stichling durch ganz Europa mit Ausnahme des pontischen
Gebietes, sowie in Algier und in Nordamerika[17].
Zu einer echten Seefischfamilie, den +Dorschen+ (Gadoiden), gehört
ferner ein anderer unserer verbreitetsten Fische, die +Aalquappe+ oder
+Rutte+ (_Lota vulgaris_ C.), welche sowohl in Flüssen und Bächen,
als auch in tieferen Seen der paläarktischen Region sich überall
verbreitet findet. Als einzigen Vertreter einer überaus zahlreichen
Familie des Süsswassers, der +Siluriden+, besitzen wir den +Wels+ oder
+Schaiden+ (_Siluris glanis_ L.), der durch Osteuropa bis zum Rhein und
in Nordasien verbreitet ist. Die Siluriden bilden nach +Günther+ ein
Vierteil aller bekannten Süsswasserfische. Ihre Heimat ist anscheinend
in Ostindien zu suchen; von dort haben sie sich durch die süssen
Gewässer fast aller Gegenden, besonders aber in den Tropen, verbreitet.
Von +Cypriniden+[18] besitzt unsere Fauna, abgesehen von lokalen
Varietäten und Bastardformen, etwa dreissig Arten. Man hat die
zahlreichen Arten der Cypriniden zu Gruppen zusammengestellt. Zu der
Gruppe der Cypriniden gehören der Karpfen, die Karausche, die Barben
und die Gründlinge.
Der +Karpfen+ (_Cyprinus carpio_ L.) stammt anscheinend aus
Südosteuropa, wo er im Gebiete des Pontus und des Caspisees bis weit
nach Mittelasien hinein wild lebt. In Europa, neuerdings auch in
Nordamerika ist er durch die Fischzucht jetzt weit verbreitet. Die
Teichwirtschaft, welche in Böhmen sich besonders stark entwickelt hat,
hat mehrere Varietäten erzeugt. Zu diesen gehört der Lederkarpfen,
welcher keine Schuppen trägt, der Spiegelkarpfen (_C. rex cyprinorum_),
welcher an jeder Körperseite nur eine Reihe sehr grosser Schuppen
trägt, der blaue Karpfen, der Goldkarpfen (_Carpe d’or_), dessen
rötlicher Schimmer nach +Carbonnier+ von der Lachsfarbe seines
Fleisches herrührt, der galizische Karpfen u. a. Die +Karausche+
(_Carassius vulgaris_ Nils.) ist über das ganze Gebiet wie überhaupt
in der paläarktischen Region verbreitet. Sie bewohnt stehende und
langsam fliessende Gewässer mit weichem Grunde. Als Giebel bezeichnet
man im Gegensatz zu der hochrückigen sog. Seekarausche die schlankeren
Formen, welche sich in kleinen Gewässern entwickeln. Eine nahe
verwandte Karauschenart, vielleicht nur eine Abart unserer gewöhnlichen
Karausche, ist der aus Japan und China stammende +Goldfisch+
(_Carassius auratus_), der in zahlreichen Varietäten (Teleskopfisch,
Schleierfisch) jetzt auch in Europa gezogen wird[19].
Zu den artenreichsten Gattungen der Süsswasserfische gehören die
+Barben+, von denen man etwa 200 meist tropische Arten kennt. In
unserem Gebiet ist allverbreitet nur die auf Mitteleuropa beschränkte
Flussbarbe (_Barbus fluviatilis_ Ag.), die Seen und Flüsse bewohnt.
Eine andere Art (_Barbus Petenyi_ Heck.) ist in den Karpathenflüssen,
auch in der Weichsel gefunden worden. Neuerdings glaubt man sie auch in
der Lohe, einem Oderzufluss, aufgefunden zu haben[20]. Der +Gründling+
(_Gobio fluviatilis_ C.) ist über ganz Europa verbreitet, wo er in
fliessenden und stehenden Gewässern vorkommt. Eine verwandte Art,
_Gobio uranoscopus_ Ag., bewohnt die Nebenflüsse der Donau, sowie
einzelne Gewässer der obern Weichsel.
Aus der Gruppe der _Rhodeina_ kommt bei uns ein typischer Vertreter,
der +Bitterling+ (_Rhodeus amarus_ Bl.), vor, der über ganz Europa
verbreitet ist.
In reicherer Zahl finden sich in Deutschland die _Abramidina_, zu
denen die Bressenarten, der Blei, Rapen, Uklei, die Ziege und das
Moderlieschen gehören. Der +Bressen+ oder +Brachsen+ (_Abramis
brama_ L.) findet sich in ganz Mitteleuropa, mit Ausnahme der Alpen.
Ebenso verbreitet ist die +Zärthe+ (_A. vimba_ L.), doch scheint
sie vom Rheingebiet ausgeschlossen zu sein. Einen viel engeren
Verbreitungsbezirk haben der +Seerüssling+ (_A. melanops_ H.) und der
+Pleinzen+ (_A. sapa_), welche auf das pontische Gebiet beschränkt
sind. Die +Zope+ (_A. ballerus_) findet sich in den Unterläufen der
Ströme und in den grossen Seen im Gebiet allenthalben. Sehr gemein in
Seen und Flüssen ist der +Blei+ oder +Güster+ (_Blicca Björkna_ L.),
der in Mittel- und Nordeuropa vorkommt. Seltener, aber in den grösseren
Gewässern des Ostens ebenfalls überall verbreitet, ist die +Ziege+ oder
der +Sichling+ (_Pelecus cultratus_ L.); westlich von der Oder scheint
dieser Fisch zu fehlen. Dagegen ist der +Uklei+ oder die +Laube+
(_Alburnus lucidus_ Heck.) über ganz Mitteleuropa bis nach Frankreich
verbreitet. Nicht weniger verbreitet, aber selten und vielfach
übersehen ist der +Schneider+ (_A. bipunctatus_ Bl.). Dagegen ist die
nahe verwandte +Mairenke+ (_A. mento_ Ag.) auf das pontische Gebiet
beschränkt. Der +Rapen+ oder +Schied+ (_Aspius rapax_ Ag.) und das
+Moderlieschen+, +Mutterlosken+ oder +Motken+ (_Leucaspius delineatus_
Sieb.) sind dagegen im Gebiete überall zu finden.
Die grosse Gruppe der _Leuciscina_ enthält ebenfalls mehrere Arten
des Gebietes, die Plötzen, Rotaugen, Döbeln, Orfen, Schleien, Nasen,
Elritzen und Strömer. Die +Plötze+ (_Leuciscus rutilus_ L.) ist im
ganzen Gebiet wie in ganz Mittel- und Nordeuropa verbreitet und einer
der gemeinsten Fische. Dagegen ist der +Frauennerfling+ (_L. virgo_
Heck.) auf die Donau beschränkt, während der +Frauenfisch+ (_L.
Meidingeri_ Heck.) zu jenen Bewohnern der tiefen Alpenseen gehört,
welche nur zur Zeit der Laichablage gefangen werden können, sonst
aber ihr Leben in unzugänglichen Tiefen verbringen. Eine ähnliche
Verbreitung wie die Plötze hat das mit ihr oft verwechselte +Rotauge+
oder die +Rotfeder+ (_Scardinius erythrophthalmus_ L.). Auch die
+Orfe+ (_Idus melanotus_ Heck.) ist über das ganze Gebiet verbreitet.
Eine schöne Varietät derselben ist die Goldorfe (_var. miniatus_).
Der +Döbel+ oder +Aitel+ (_Squalius cephalus_ L.) und der +Häsling+
oder +Hasel+ (_S. leuciscus_ L.), sowie die +Elritze+ oder +Pfrille+
(_Phoxinus laevis_ Ag.) sind ebenfalls im Gebiete, namentlich in
fliessenden Gewässern, überall zu finden.
Sehr sporadisch trifft man dagegen den +Strömer+ (_Telestes Agassizii_
Val.) an, der ausser im Rhein und in den Zuflüssen der Donau neuerdings
auch in einem kleinen Oderzufluss am Zobten aufgefunden ist[21]. Die
+Nase+ (_Chondrostoma nasus_ L.) ist ein osteuropäischer Fisch, welcher
in den Flussgebieten der Nordsee mit Ausnahme der Elbe (wie der Zander)
fehlt. Eine andere Nasenart, _C. Genei_ Bon., welche im allgemeinen
auf Südeuropa beschränkt ist, wird von +Siebold+ auf Grund eines
gelegentlichen Vorkommens zur Fauna des Rheins gerechnet.
Die +Schleie+ (_Tinca vulgaris_ C.) ist ein in ganz Europa verbreiteter
Fisch weichgründiger Gewässer.
Zweifelhaft ist es, ob man zu den Cypriniden auch die kleine Gruppe der
Acanthopsiden oder +Schmerlen+ zu rechnen hat, die sich namentlich
durch ihre knöcherne Schwimmblasenhülle und durch den Bau ihrer
Unterschlundknochen von den ihnen sonst nahestehenden Cypriniden
unterscheiden. Aus unserer Fauna gehören hierher die Steinbeisser,
Schlammpeitzker und Schmerlen. Der +Steinbeisser+ (_Cobitis taenia_ L.)
findet sich durch ganz Europa, die +Schmerle+ (_C. barbatula_ L.) auch
in Asien, der +Schlammpeitzker+ (_C. fossilis_ L.) endlich in Asien und
dem östlichen Europa mit Einschluss unseres Gebietes.
Eine ganz isolierte Stellung nimmt die kleine Familie der Umbriden ein,
welche nur aus zwei Süsswasserarten besteht, von denen die eine im
mittleren Nordamerika, die andere, der +Hundsfisch+ (_Umbra Crameri_
Müll.), in einigen Nebengewässern der unteren Donau (Neusiedler See,
Plattensee u. a.) und anscheinend auch in anderen Teilen des Pontischen
Gebietes sich vorfindet.
Die Familie der +Salmoniden+[22] ist bei uns durch fünf Gattungen
vertreten, deren Arten grossenteils zur Varietätenbildung neigen,
sodass eine Übereinstimmung unter den Fischkundigen über die Abgrenzung
der Arten in mehreren Fällen noch nicht erzielt ist. Die meisten
Arten sind als Sport- und Speisefische hochgeschätzt und werden als
Edelfische bezeichnet. Die Gattungen, welche hierher gehören, sind:
die Maränen oder Renken, die Aesche, der Stint, die Saiblinge und die
Forellen und Lachse.
Es ist schon erwähnt, dass die Salmoniden sich anscheinend von
Norden her verbreitet haben, dass sie noch jetzt im Norden die
stärkste Artentwickelung besitzen und in unserem Gebiet meist kühle
Wohnplätze aufsuchen. Solche finden die Bewohner der Seen in den sehr
tiefen Seen der Alpen und in einigen norddeutschen Seen, in Tiefen,
in welchen beständig eine Temperatur von nur 2–6° _C._ herrscht.
Grösstenteils Bewohner solcher Seen sind die Maränen oder Coregonen.
+Nüsslin+[23] hat die Arten derselben nach der Form der Schnauze
und der Bezahnung der Kiemenbögen geschieden; nach diesem System hat
man zu unterscheiden: den +Nordseeschnepel+ (_Coregonus oxyrhynchus_
L.), einen Wanderfisch, der die Nordsee bewohnt und ihre Ströme zur
Laichzeit aufsucht, die +kleine Maräne+ (_C. albula_ L.), die in
den tieferen Seen der baltischen Seenplatte von Holstein bis nach
Russland hinein, sowie in den skandinavischen Seen lebt, den +Kilch+
oder +Kropffelchen+ (_C. hiemalis_ Jur.) aus der Tiefe des Bodensees
und des Ammersees, den +Ostseeschnepel+ (_C. lavaretus_ L.), der
die Ostsee bewohnt und in den Buchten und Haffen derselben laicht,
die +Madümaräne+ (_C. maraena_ Bl.) aus dem Madüsee in Pommern,
die +Bodenrenke+ (_C. fera_ Jur.) aus den tiefen schweizerischen,
oberösterreichischen und bayrischen Seen, die +Pulsseemaräne+ (_C.
generosus_ Peters)[24] aus dem Pulssee in der brandenburgischen
Neumark[25] (Ostseeschnepel, Madümaräne, Bodenrenke und Edelmaräne
werden von Anderen für Varietäten einer Art gehalten)[26], ferner
den +Blaufelchen+ (_C. Wartmanni_ Bl.) aus den tieferen nordalpinen
Seen, die +Traunseemaräne+ (_C. Steindachneri_ Nüssl.), +Pfäffikoner
Maräne+ (_C. Sulzeri_ Nüssl.) aus dem Traunsee bezw. Pfäffikoner See,
und den +Gangfisch+ (_C. macrophthalmus_ Nüssl.) aus dem Bodensee (die
drei letztgenannten Arten werden von anderer Seite für Varietäten des
Blaufelchen gehalten).
Die +Aesche+ (_Thymallus vulgaris_ Nils.) ist ein anderer Salmonide,
der kleine, raschfliessende Flüsse im ganzen Gebiete bewohnt und über
dasselbe hinaus durch Europa verbreitet ist; verwandte Formen finden
sich in Nordasien und Nordamerika. Der +Stint+ (_Osmerus eperlanus_ L.)
findet sich an den Küsten des nördlichen Teiles des Atlantischen Ozeans
und in dessen Zuflüssen, in denen er laicht. Im Rhein ist er nicht
beobachtet worden. In einigen norddeutschen Seen kommt er ebenfalls
vor, ohne zum Meere zu wandern.
Die naheverwandten Gattungen der Saiblinge, Lachse und Forellen hat
man nach +Siebolds+ Vorgange nach der Bezahnung des in der Gaumendecke
liegenden Pflugscharbeins unterschieden. Das Pflugscharbein der
Saiblinge (_Salmo_) hat eine bezahnte Platte, aber einen unbezahnten
Stiel; das der Lachse (_Trutta_) hat einen bezahnten Stiel bei
unbezahnter Platte, während bei den Forellen (_Trutta_) sowohl Stiel
wie Platte bezahnt sind. Der +Saibling+ (_Salmo salvelinus_ L.) bewohnt
die tiefen Gebirgsseen Mittel- und Nordeuropas. Der ebenfalls zu den
Saiblingen gerechnete +Huchen+ (_S. hucho_ L.) kommt ausschliesslich
im Donaugebiete vor. Der +Lachs+ (_Trutta salar_ L.) bewohnt den
nordatlantischen Ozean, mit Ausschluss des Schwarzen Meeres und des
Mittelmeeres, und steigt in die Flüsse, welche sich in die von ihm
bewohnten Meere ergiessen, zum Laichen auf. Die Forellen unterscheidet
man als +Bachforelle+ (_T. fario_ L.), +Seeforelle+ (_T. lacustris_
L.) und +Meerforelle+ (_T. trutta_ L.). Die beiden letzteren Arten
sind ursprünglich wohl Abarten der Bachforelle[26], aber durch
verschiedene Lebensweise und körperliche Abweichungen von ihr
unterschieden. Während die Bachforelle in raschfliessenden Bächen im
ganzen Gebiete lebt, bewohnt die Seeforelle die tiefen Gebirgsseen,
die Meerforelle die Nord- und Ostsee; alle drei Arten laichen aber
ausschliesslich in Bächen, in welche die See- und die Meerforelle
zu diesem Zweck aufsteigen. Die Meerforelle hat also eine ähnliche
Lebensweise wie der Lachs, mit dem sie deshalb oft verwechselt wird.
Die Familie der +Hechte+ (Esociden) ist bei uns durch den allbekannten,
in allen süssen Gewässern Europas, Nordasiens und Nordamerikas lebenden
_Esox lucius_ L. vertreten.
Aus der Familie der +Heringe+ (Clupeiden) sind zwei Wanderfische zu
unserer Fauna zu rechnen, der +Maifisch+ (_Alosa vulgaris_ C.) und
die +Finte+ (_Alosa finta_ C.). Ersterer bewohnt die Küstengegenden
im nördlichen Atlantischen Ozean, die letztere verbreitet sich noch
mehr südlich und östlich bis zum Nil. Beide besuchen zum Laichen die
Süsswasserströme. Die Weichsel wird indessen nur von der Finte besucht.
Zur Familie der +Muräniden+ gehört unser +Aal+ (_Anguilla vulgaris_
Flem.), der in allen Flüssen lebt, die in den Nordatlantischen Ozean
gehen, mit Einschluss des Mittelmeergebietes, mit Ausschluss aber der
Pontischen Flüsse.
Wenden wir uns nun von den Knochenfischen zu den +Ganoiden+, so finden
wir die Familie und Gattung der +Acipenserinen+[27] in mehreren
Arten vertreten. Der +Stör+ (_Acipenser sturio_ L.) ist ein Wanderfisch
und bewohnt den Nordatlantischen Ozean mit Ausschluss des Mittelmeeres
und seiner Nebenmeere, also auch des Schwarzen Meeres. Das letztere
wird dagegen von mehreren verwandten Arten bewohnt. Es sind dies der
+Glattdick+ (_A. glaber_ Heck.), der +Scherg+ (_A. stellatus_ Pall.),
der +Dick+ (_A. schypa_ Güldenst.), der +Waxdick+ (_A. Güldenstädtii_
Brandt) und der +Hausen+ (_A. huso_ L.). Alle diese Störe wandern
zur Laichzeit in die Flüsse, die letztgenannten in die Donau und die
anderen Ströme des Pontusgebietes, der Stör in die europäischen und
amerikanischen Flüsse seines Wohngebietes, um hier zu laichen. Mehr
Standfisch ist der +Sterlet+ (_A. ruthenus_ L.), welcher die Pontischen
Flüsse, ausserdem aber auch die in das Eismeer mündende Düna bewohnt
und das Meer in der Regel nicht aufsucht.
Aus der Ordnung der +Cyclostomen+ endlich, deren von den übrigen
Fischen völlig abweichender Bau Anlass gegeben hat, diese Tiere
von der Klasse der Fische ganz auszuschliessen, gehören zu unseren
Süsswasserfischen zwei Vertreter der Familie der Petromyzontiden, das
+Flussneunauge+ (_P. fluviatilis_ L.), ein Wanderfisch, der zum Zweck
der Laichablage aus dem Meere in die Süsswasserströme wandert, wo
seine Larve mehrere Jahre lang aufwächst, und das +Bachneunauge+ (_P.
Planeri_ Bl.), welches sein ganzes Leben in Bächen und kleinen Flüssen
zubringt. Beide Arten sind durch die ganze arktische Region verbreitet.
Überblickt man die jetzige Ausbreitung unserer Fischarten, so lassen
sich zwei Hauptrichtungen der Verbreitung erkennen, eine aus Nordwesten
bezw. Nord und West kommende, und eine aus Südost bezw. Süd und
Ost kommende. Der ersteren ausschliesslich gehören die Fische des
nordatlantischen Küstengebietes an: die Stichlinge, Stint, Lachs,
Nordseeschnepel, Meerforelle, Maifisch, Finte, Aal und Stör. Alle
diese Fische sind von dem Gebiet des Schwarzen Meeres (Donaugebiet)
ausgeschlossen, während demselben ausschliesslich angehören:
Wolgazander, die Streber, Schrätzer, Seerüssling, Pleinzen, Mairenke,
Frauennerfling, Hundsfisch, Huchen, Glattdick, Dick, Scherg, Waxdick
und Hausen. Eine kleine Reihe von anderen Fischen weist auf allmähliche
Verbreitung von Ost nach West hin: der Wels, der seine Westgrenze
im Rhein hat, die Zärthe, die westlich der Weser sich nicht findet,
der Zander und die Nase, deren Verbreitung nach Westen mit der Elbe
abschliesst, endlich die Ziege, welche nicht über die Oder hinaus nach
Westen geht. Noch andere Fische finden sich im Gebiet stellenweise,
so aus dem Süden eingewandert der _Barbus Petenyi_, der _Gobius
uranoscopus_, der Strömer, das _Chondrostoma Genei_, aus dem Osten der
Sterlet, ferner an gewisse Örtlichkeiten gebunden der karpathische
Kaulkopf, der Ostseeschnepel, endlich die auf die tiefen Seen
beschränkten Arten: der Frauenfisch, die kleine Maräne, die übrigen
Felchen- und Renkenarten, der Seesaibling und die Seeforelle.
Die übrigen Fische sind dem ganzen Gebiete gemeinsam. Eine kleine
Zahl von ihnen ist über die ganze arktische Region (Nordasien, Europa
und Nordamerika) verbreitet: Barsch, Aalquappe, Hecht, Fluss- und
Bachneunauge. Einige finden sich allgemein im Norden der alten Welt:
Kaulbarsch, Kaulkopf, Karausche und Bachforelle. Die übrigen gehören
dem europäischen Gebiete nördlich von den Alpen an und sind teilweise
bis Asien hinein verbreitet, nämlich die meisten Cypriniden, die
Acanthopsiden sowie die Aesche.
Haben wir uns in dem bisherigen über die in unserm Gebiet vorkommenden
Arten und ihre Verbreitung orientiert, so wenden wir uns nun zur
Betrachtung der Lebensverhältnisse derselben, welche wir am besten an
der Hand ihres Körperbaues[28] und ihrer Organe kennen lernen.
Die äussere Körperdecke, die +Haut+, ist wie bei den höheren
Wirbeltieren eine doppelte, indem sie aus der Oberhaut oder Epidermis
und der Lederhaut oder dem Corium zusammengesetzt ist. Die Oberhaut
besteht aus einer mehrschichtigen Lage von Zellen, deren äusserste
Schichten zerfallen und in Gemeinschaft mit dem Schleim einzelner
grosser Drüsenzellen die Oberfläche der Haut schlüpfrig machen. Die
unter der Oberhaut liegende Lederhaut besteht aus Bindegewebsfasern
und ist meist sehr zähe (Aal). In taschenförmigen Vertiefungen dieser
Haut liegen die +Schuppen+[29], Hornplättchen, welche sich meist
dachziegelartig decken und einen dichten Schutzpanzer bilden (Perciden,
Cypriniden, Salmoniden, Clupeiden, Hecht). Bei dem Hundsfisch ist
auch der Kopf mit Ausnahme der Schnauze mit Schuppen bedeckt, während
derselbe bei den übrigen Fischen frei von Schuppen ist. Bei manchen
Fischen sind die Schuppen so fein und die Oberhaut so dick, dass
die Schuppen nicht ohne Weiteres erkannt werden können (Aal, bei dem
sie in Zickzacklinien liegen, Aalquappe, Schleihe, Schmerlen). Die
Stichlinge tragen an Stelle der Schuppen an den Seiten schmale dünne
Knochenschienen, welche zusammenhängende Seitenpanzer bilden. Der
Körper der Störe ist mit starken, mit scharfen Höckern versehenen
Hautknochen als wirksamem Schutz besetzt. Ganz ohne Hautbewehrung sind
von unseren Fischen die Kaulköpfe, der Wels und die Neunaugen.
+Der Silberglanz+, welchen die meisten Fische zeigen, wird dadurch
hervorgerufen, dass die Oberfläche der Lederhaut (bezw. die Innenseite
der Schuppen) mit einer Lage von mikroskopisch kleinen, krystallartig
geformten Plättchen bedeckt ist, welche neben Kalk auch Guanin[30]
enthalten[LXXIV]. Letzterer Stoff findet sich auch in der glanzlosen Haut
der Neunaugen[31]. Bei manchen Fischen bringen die Glanzkörperchen,
namentlich zur Laichzeit, schöne Interferenzfarben hervor (Stichling,
Bitterling u. a.). Sie werden in der Farbenwirkung unterstützt durch
die +Farbzellen+ (Chromatophoren)[32], welche in der Lederhaut
liegen. Die meisten Farbzellen sind mit schwarzem Farbstoff, viele
auch mit rotem oder gelbem Farbstoff gefüllt. Die letzteren,
Zooerythrin und Zoofulvin, kommen nach +Krukenberg+[33] auch bei
den Vögeln vor, fehlen aber eigentümlicherweise ganz bei allen anderen
Wirbeltierklassen. Die Farbzellen der Fischhaut haben in hohem Grade
die Fähigkeit, sich bald fast punktförmig zusammenzuziehen, wodurch
sie fast unsichtbar werden, bald sich wieder zu sternförmigen, weit
ausgebreiteten Körpern auszudehnen und damit ihre Farbe zur Wirkung
zu bringen. Auf diese Weise kann die Farbe der Fische sich der ihrer
Umgebung anpassen und dadurch den Fisch vor Verfolgern schützen oder
die Wachsamkeit seiner Beute täuschen. Dieser Farbwechsel ist von
der eigenen Lichtempfindung des Fisches abhängig; geblendete Fische
zeigen nach +Pouchet+[34] diese Farbanpassung nicht. Bei manchen
Fischarten, namentlich Cypriniden (Karausche, Schleihe, Orfe, Barbe,
Plötze), finden sich Varietäten, denen die schwarzen Farbzellen
ganz oder stellenweise fehlen, während die roten und gelben stark
entwickelt sind. Diese Varietäten werden oft als Zierfische in
Parkteichen gezogen. In seltenen Fällen sind auch die roten Farbstoffe
nicht entwickelt (Albinismus), oder die Silberglanzkörperchen fehlen
(Alampia). Normal fehlen die Glanzkörper beim Stint.
[LXXIV] Der Schuppenglanz mancher Cypriniden wird im grossen rein
gewonnen zur Herstellung der Farbe künstlicher Perlen.
Seine Stütze erhält der Fischkörper durch die ihn der Länge nach
durchziehende +Wirbelsäule+. Bei den Knochenfischen besteht dieselbe
aus durchbohrten bikonkaven cylindrischen Knochenstücken, den Wirbeln,
deren Innenräume durch die elastische Chorda ausgefüllt sind. Nach
oben und unten setzen sich an jeden Wirbelkörper paarweise knöcherne
Fortsätze an, die Rücken- und Bauchstrahlen. Die Rückenstrahlen jedes
Wirbelkörpers bilden einen Kanal, indem sie an ihren oberen Enden mit
einander verschmelzen. In dem so gebildeten Kanal an der Oberseite
der Wirbelsäule liegt das Rückenmark. Die Bauchstrahlen verschmelzen
nur im Schwanzteil des Fischkörpers mit einander zu einem Kanal, der
die grossen Blutgefässe des Schwanzes[LXXV] aufnimmt. Im Vorderteil
des Körpers bilden sie als Rippen die Stützen der Seitenwände der
Leibeshöhle.
[LXXV] Diese Blutgefässe sticht man beim Schlachten grosser Fische
an, die man durch Verblutung töten will.
Die +Körperform+ der Fische ist entweder eine seitlich mehr oder
minder zusammengedrückte, oder mehr spindelförmig bis walzig.
Erstere Form zeigen am stärksten ausgeprägt der Bressen und die
Seekarausche, letztere der Aal und die Neunaugen, sowie die Aalquappe,
der Schlammpeitzker, der Wels, der Kaulkopf, lauter Fische, die
vorzugsweise am Grunde der Gewässer leben und sich gelegentlich auf
demselben schlängelnd bewegen. Die hauptsächliche +Bewegungsart+
unserer Fische ist aber das Schwimmen im freien Wasser, und hierzu ist
der Fischkörper nicht nur selbst in geeigneter Weise geformt, sondern
auch mit besonderen Anhängen versehen, den +Flossen+. Die Flossen sind
gebildet durch Häute, welche durch eingelagerte bewegliche knöcherne
Spangen ausgespannt werden können, etwa wie ein Schirm oder ein mit
Zeug bezogener Fächer. Man unterscheidet paarige Flossen, welche an
den Seiten des Körpers stehen, und unpaare Flossen, welche in der
Mittellinie des Rückens und des Schwanzes stehen.
Die paarigen Flossen sind meist zu zwei Paaren vorhanden, welche man
nach ihrer gewöhnlichen Stellung als Brustflossen und Bauchflossen
unterscheidet; sie entsprechen den Gliedmassen der höheren Wirbeltiere.
Sie sind an Knochen befestigt, welche bei den Brustflossen mit
dem Kopf, bei den Bauchflossen unter einander verbunden sind. Sie
fehlen ganz den Neunaugen, während der Aal nur Brustflossen, keine
Bauchflossen hat. Die unpaaren Flossen unterscheidet man je nach
ihrer Lage als Rückenflossen, Schwanzflossen und Afterflossen.
Rückenflosse und Afterflosse sind dadurch am Fischkörper befestigt,
dass jeder Strahl der Flosse scharnierartig verbunden ist mit einer
Knochenschiene von kreuzförmigem Querschnitt, welche im Körper des
Fisches liegt und sich je an einen Rückenstrahl bezw. Bauchstrahl der
Wirbelsäule anlehnt. Rückenflossen sind in Zweizahl vorhanden bei den
Perciden, Aalquappe, Kaulkopf und den Neunaugen. Bei den Stichlingen
sind die ersten Strahlen, ebenso wie die Bauchflossen, zu einzeln
stehenden, teilweise zackigen Stacheln umgewandelt, welche als Waffen
dienen. Bei den Salmoniden findet sich hinter der Rückenflosse eine
kleine sogenannte Fettflosse, welche diese Familie von allen anderen
einheimischen Fischen leicht unterscheiden lässt. Diese Fettflosse wird
als ein Überbleibsel aus dem Larvenstadium des Fisches betrachtet;
sie hat keine festen knöchernen Strahlen, wie die übrigen Flossen,
sondern an deren Stelle nur weiche hornige Fäden, wie alle Flossen der
Neunaugen, der Haie und Rochen und der eben ausgeschlüpften Jungen der
Knochenfische. Die Afterflosse fehlt nur den Neunaugen. Sie beginnt
stets kurz hinter der Afteröffnung. Die Schwanzflosse liegt bei den
meisten Fischen mit dem grössten Teil unterhalb der Wirbelsäule. Die
trotzdem vorhandene Symmetrie des Schwanzes wird dadurch ermöglicht,
dass die letzten Wirbelkörper zu einem Stiel verschmolzen und so nach
oben gebogen sind, dass die Unterseite der Wirbelsäule und die an sie
sich ansetzenden Schwanzflossenstrahlen nach hinten gerichtet sind.
Sehen wir uns nun nach den +Muskeln+ um, welche die Bewegungen
des Fisches bewirken, so finden wir zunächst zu beiden Seiten der
Wirbelsäule starke Fleischmassen, welche leicht einen eigentümlichen
Bau erkennen lassen. An jeden Wirbelkörper setzen sich beiderseits
Muskelplatten an, welche hohlkegelförmig gewölbt sind, so dass ein
Querschnitt durch den Fischkörper mehrere hinter einander liegende
Muskelplatten ringförmig blosslegt. Die vier an einer Stelle der
Wirbelsäule sich ansetzenden Muskelplatten bilden einen Muskelabschnitt
(_Myokamma_). Die Muskelabschnitte sind unter sich durch dünne
Bindegewebshäute (Ligamente) getrennt[LXXVI], die einzelnen Muskelbündel
liegen in den Muskelabschnitten in der Längsrichtung des Fisches, ihre
Enden setzen sich daher nicht an Knochen, wie die meisten Muskeln
der höheren Wirbeltiere, sondern an Ligamente an (interligamentale
Muskulatur). Die Muskelplatten bilden zusammen zwei grosse
Seitenmuskeln, welche den grössten Teil des Fischkörpers einnehmen
und die Bewegungen des Schwanzes bewirken. Neben den Seitenmuskeln
treten die Muskeln des später zu betrachtenden Kopfes und die der
Flossen an Umfang sehr zurück. Die Muskulatur der unpaaren Flossen
besteht aus zahlreichen kleinen Muskelzügen, welche einerseits an die
inneren Halteknochen der Flossen, anderseits an die Flossenstrahlen
sich ansetzen (interosteale Muskulatur) und die letzteren aufrichten,
niederziehen und seitwärtsbiegen können. Bei den paarigen Flossen wird
die Ausbreitung und die fächelnde Bewegung, welche dieselben ausführen,
durch stärkere Muskelbündel bewirkt, welche ebenfalls an den inneren
Gerüstknochen dieser Flossen befestigt sind. Wie kommt nun mittels
der Flossen und ihrer Muskeln die +Ortsbewegung+ zu stande[35]? Die
Flossen, die paarigen sowohl wie die unpaaren, sind für sich allein
nicht im stande, den Fisch schwimmend zu erhalten, wie durch Versuche
festgestellt ist. Die paarigen Flossen halten den Fisch, wenn er im
freien Wasser schwimmend steht, im Gleichgewicht, auch wirken sie mit
bei Wendungen und bei der Rückwärtsbewegung sowie beim plötzlichen
Aufhalten. Die unpaaren Flossen können durch leichte wellenförmige
Bewegungen eine langsame Vorwärtsbewegung des Fisches bewirken. Das
rasche Schwimmen der Fische dagegen wird durch Ruderschläge des
Hinterleibes bewirkt, dessen Fläche, um den Widerstand des leicht
ausweichenden Wassers zu erhöhen, durch Aufrichten der unpaaren
Flossen vergrössert werden kann, wobei die Schwanzflosse hauptsächlich
als Steuer dient. An diesen Bewegungen, welche durch abwechselnde
Kontraktionen der beiden Seitenmuskeln vor sich gehen, nimmt der
hintere Teil des Körpers teil, welcher durch eine durch die Vorderenden
der Rückenflosse und der Afterflosse gelegte Ebene abgegrenzt wird.
Der Körperteil vor dieser Ebene enthält die +Leibeshöhle+ mit ihren
Organen der Blutzirkulation, der Verdauung und der Fortpflanzung. Ein
+Zwerchfell+ trennt die kleine +Brusthöhle+, welche das Herz enthält,
von der geräumigen Bauchhöhle.
[LXXVI] Beim Erwärmen des toten Fischkörpers lösen sich diese Häute
unter Leimbildung auf, sodass die einzelnen Muskelplatten
sich von einander trennen und leicht schollenartig
auseinanderfallen. In den Ligamenten liegen namentlich bei
den Perciden und Cypriniden feine, spitze Stützknochen,
Fleischgräten, welche sich als Knochen beim Kochen nicht
auflösen.
Das +Herz+[36] liegt, vom Herzbeutel umschlossen, dicht hinter dem
Kopfe. Es besteht aus der muskulösen Herzkammer und der dünnwandigen
Vorkammer, die durch ein Klappenventil getrennt sind. Der Vorkammer
schliesst sich der _Sinus venosus_ an, der das Venenblut aufnimmt
und der Vorkammer zuführt. Aus der Herzkammer entspringt, mit einer
Anschwellung (_Bulbus aortae_) beginnend, die Kiemenarterie, welche
das venöse Blut aus dem Herzen in die Kiemen führt. Aus den Kiemen
sauerstoffreich zurückkehrend sammelt sich das Blut in der grossen
Körperarterie (_Aorta descendens_), aus welcher es sich in die Organe
des Körpers verteilt. Das hier gebrauchte Blut wird zur Ausscheidung
der nicht gasförmigen Stoffwechselprodukte durch die Leber und die
Niere geführt. Das Produkt der Leber[37], die +Galle+, sammelt sich
in der Gallenblase und gelangt aus dieser in den Darm. Das Produkt
der Nieren, der +Harn+, wird durch die Harnkanälchen in die beiden
Harnleiter und sodann in der Regel zunächst in eine Erweiterung des
gemeinsamen Endteils derselben, die Harnblase, geführt, von wo er
durch einen Ausführungsgang hinter dem After nach aussen gelangt. Bei
den Fischen liegen die +Nieren+ an der Decke der Bauchhöhle als zwei
dicht an der Wirbelsäule durch die ganze Länge der Bauchhöhle sich
erstreckende, grossenteils mit einander verschmolzene, dunkelrote,
sehr weiche Organe. Sie dienen bei den Fischen nicht allein zur
Harnabsonderung, sondern sie sind daneben, wie auch wahrscheinlich die
zwischen den Eingeweiden liegende +Milz+[38], die Vermehrungsstätten
der roten Blutkörperchen[39].
Die Organe der Ernährung und ihre Hilfsorgane liegen teils in der
Mundhöhle, teils in der Bauchhöhle. Die +Mundhöhle+ nimmt den unteren
Teil des Kopfes ein, während in dem oberen, in einer Kapsel aus Knorpel
(Neunauge, Stör) oder Knochen (bei den meisten Knochenfischen), das
Gehirn eingebettet ist. Die Knochen, welche den vorderen Teil des
Bodens des Hirnschädels bilden, sind das Dach der Mundhöhle, deren
Seitenwände und Boden teils aus den Kiemenbögen und den ihnen homologen
Knochenbögen, den Unterschlundknochen und dem Zungenbein, teils aus
den Kieferknochen, und aus ihren häutigen und muskulösen Verbindungen
bestehen. Die Öffnungen zwischen den Kiemenbögen führen in die
Kiemenhöhlen, welche nach aussen durch die mehr oder minder beweglichen
Kiemendeckel geschlossen sind.
Alle Knochen der Mundhöhle sind mit einander beweglich verbunden,
sodass die Mundhöhle bedeutender Erweiterung fähig ist. Je nach der
Nahrung des Fisches sind die Gestalt der Mundöffnung und die Bezahnung
der Mundknochen verschieden. Die Perciden, Kaulköpfe, Aalquappe, Wels,
auch manche Cypriniden, wie Rapen, Döbel, Orfe, ferner die Aesche, der
Stint, die Salmo- und Trutta-Arten, Hecht und Aal haben ein breites,
weit aufsperrbares Maul und, mit Ausnahme der Cypriniden, auf mehr
oder minder zahlreichen Knochen desselben teils nur feine Zähnchen,
die in grosser Zahl mehr oder minder dicht beisammen stehen (Sammet-,
Bürsten-, Hechelzähne, z. B. beim Aal, Barsch, Wels), teils zwischen
diesen noch grössere Fangzähne (Zander, Hecht, Lachs, Forelle)[40].
Diese Fische sowie die Stichlinge nähren sich ausschliesslich, wie
Lachs, Hecht, Wels und Zander, oder teilweise von Fischen, welche
sie, auch wenn sie über die Mundhöhle hinausragen, mittels der Zähne
festhalten können. Die meisten Cypriniden, Maränen und Clupeiden haben
dagegen eine kleine rundliche oder mehr hohe als breite Mundöffnung,
welche am Ende einer rüsselartig vorstreckbaren, häutigen Röhre liegt,
die oben von den halbringförmigen Zwischen- und Oberkieferknochen,
unten von dem Unterkiefer gestützt wird. Mittels dieses Saugrüssels
schlürfen diese Fische ihre aus kleinen niederen Tieren bestehende
Nahrung ein, nach welcher sie teils im freien Wasser, teils an den
festen Gegenständen in demselben, den Pflanzen, Steinen, dem Holzwerk,
oder auf dem Grunde suchen. Sie finden hier kleine Crustaceen aus den
Ordnungen der Cladoceren, der Ostracoden, der Copepoden, ferner die das
Wasser bewohnenden Larven vieler Insekten, namentlich der Mücken und
Eintagsfliegen, auch Würmer, Rädertiere, kleine Weichtiere, nehmen wohl
auch die schleimigen Massen der Kieselalgen und den für sie allerdings
unverdaulichen Mulm zerfallener Pflanzenteile, Sand und Schlamm
ein, verschonen auch nicht, wie hier gleich erwähnt sein mag, Eier
und Brut von Fischen, selbst nicht die eigene Nachkommenschaft. Man
unterscheidet die letztgenannte Gruppe von Fischen als Kleintierfresser
oder Friedfische von den ersterwähnten Raubfischen[41].
Während die Kiemenspalten der breitmäuligen Fische ziemlich weit
und nur mit weitläufig gestellten Zähnen versehen sind, sind die
Kiemenspalten der engmäuligen Fische eng, meist kurz, die Kiemenbogen
sind an der Innenseite mit je zwei Reihen dicht gestellter Stäbchen
besetzt, welche in einander greifend einen reusenartigen Verschluss
bilden, durch den wohl das in die Mundhöhle aufgenommene Wasser, nicht
aber die feinkörnige Nahrung in die Kiemenhöhle entweichen kann. Am
Gaumen vieler Cypriniden findet sich ein muskulöser Wulst, welcher
Sinnesorgane (Schmeckbecherchen) enthält. Jede Berührung dieses Organs
bringt eine Anschwellung der berührten Stelle hervor. Es scheint auch
durch seine Kontraktionen beim Aufsaugen der Nahrung mitzuwirken.
Am hinteren Abschluss der Mundhöhle haben die Cypriniden, welche
sonst ganz zahnlos sind, auf den Unterschlundknochen stumpfe aber
starke Zähne, deren bei den einzelnen Arten verschiedene Form ein
vorzügliches Mittel zur Abgrenzung und Erkennung der Arten ist. Diesen
Zähnen gegenüber steht am Gaumen eine harte Knorpelplatte. Zwischen
den Zähnen und der Gaumenplatte wird die Nahrung zerdrückt. Die Zähne
werden bei den Cypriniden nach +v. Siebold+ jährlich in der Laichzeit
abgestossen und erneuert.
Abweichend von dem Maul der übrigen Fische ist das der Neunaugen
gebaut. Es ist eine am vorderen Körperende gelegene Saugscheibe, welche
mit mehreren zahntragenden Hornplatten ausgestattet ist. Es dient dem
Fisch vornehmlich dazu, sich an feste Gegenstände oder an seine Beute
anzusaugen. Die letztere wird dann mittels der Zähne angebohrt und
ausgesaugt.
Das durch die Kiemenspalten abfliessende Wasser gelangt in die
+Kiemenhöhlen+, in welchen sich die Kiemenbögen befinden. Die
Kiemenbögen bestehen aus gebogenen rinnenförmigen Knochenplatten mit
nach unten gekehrten Rinnen. In diesen Rinnen laufen die Blutgefässe,
welche das Blut aus dem Herzen in die Kiemen leiten, und andere, die
das Blut aus den Kiemen dem Körper zuführen. In den Kiemenblättchen,
welche an jedem Bogen in zwei Reihen dicht gedrängt stehen, tritt
das kohlensäurehaltige Blut mit dem sauerstoffhaltigen Wasser in
Gasaustausch, das Blut tritt sauerstoffreich in den Körper zurück,
während das verbrauchte Atemwasser unter dem Kiemendeckel durch die
Kiemenöffnung abfliesst und durch neues aus der Mundhöhle ersetzt
wird. In der Regel sind vier Paar Reihen von Kiemenblättchen auf jeder
Seite des Kopfes vorhanden. An der Innenseite des Kiemendeckels sitzt
häufig noch eine sogenannte Nebenkieme (z. B. beim Stör), welche aber
funktionslos ist. Die Acanthopsiden (Schlammpeitzker, Steinbeisser
und Schmerle) können im Notfalle auch durch den Darm die Atmung
vollziehen, indem sie Luft einschnappen und durch den Darm treten
lassen, wobei sie einen quietschenden Ton erzeugen. Die anderen Fische
atmen dagegen hauptsächlich durch die Kiemen. Manche Fische, welche
einen sehr fest schliessenden Kiemendeckel haben, wie der Aal und
viele Cypriniden, können stundenlang, selbst tagelang ausserhalb des
Wassers zubringen, ohne zu ersticken, indem die Wassermenge, welche
in den nach aussen fest geschlossenen Kiemenhöhlen zurückgehalten
ist, genügt, um die Aufnahme der durch den Mund eingeschnappten Luft
durch die Kiemen zu vermitteln. Andere Fische, namentlich die mit sehr
weiten Kiemenspalten und kurzen Kiemendeckeln versehenen Salmoniden,
sterben aus dem Wasser genommen sehr bald ab. Bei den Neunaugen weichen
auch die Kiemen von denen der anderen Fische ab. Sie sind nicht an
Kiemenbögen befestigt, sondern bestehen jederseits in sieben Säckchen,
welche durch ein festes Knorpelgerüst gestützt werden, und im Innern
mit zahlreichen Kiemenfalten, welche die Stelle der Kiemenblättchen
vertreten, bekleidet sind. Das Atemwasser wird aus der Mundhöhle durch
einen besonderen Längskanal, welcher mit entsprechenden Seitenöffnungen
versehen ist, zugeführt, und fliesst aus jedem Kiemensäckchen
durch eine besondere Öffnung nach aussen ab. Die sieben äusseren
Kiemenöffnungen samt dem Auge und dem einfachen Nasenloch sollen dem
Fisch seinen Namen „Neunauge“ gegeben haben.
Ausser den Kiemen atmen die Fische auch durch die Haut, wie +A. von
Humboldt+ und +Provençal+[42] durch Versuche nachwiesen. Kohlensäure
wirkt nach diesen Forschern tödlich auf die Fische, während Stickstoff
und Wasserstoff, wie bei den höheren Wirbeltieren, indifferent sind.
In luftlosem (ausgekochtem) Wasser starben die eingesetzten Fische
nach 1¾ bis 4 Stunden. Nach den genannten Untersuchungen berechnete
+Treviranus+, dass die Schleihe, deren Sauerstoffbedürfnis für gering
zu halten ist, für je 100 Gran Körpergewicht in 100 Minuten 0.01 _cbcm_
Kohlensäure erzeugt, während Säugetiere das fünfzigfache an Kohlensäure
produzieren.
Das verschiedene +Sauerstoffbedürfnis+ ist anscheinend, neben dem
Wärmebedürfnis, eine der Hauptursachen der Verteilung der Fischarten
auf die einzelnen Gegenden eines und desselben Flussgebietes. Der
Sauerstoffgehalt einer Wassermenge ist teils von der Temperatur, teils
von der Menge der Stoffe bezw. der Organismen abhängig, welche den
Sauerstoff zu absorbieren vermögen.
Die Temperatur übt einen wesentlichen Einfluss auf die Fähigkeit des
Wassers, Luft aufzunehmen, aus. Eine Wassermenge, welche bei 5° _C._
100 Raumteile Sauerstoff aufnimmt, kann davon bei 20° nur etwa 79.2
Teile in Lösung halten. Man stelle sich vor, der Sauerstoffgehalt der
von den Landtieren eingeatmeten Luft nehme an einer Örtlichkeit um etwa
⅕ ab, und man wird es natürlich finden, dass die Lebewelt an dieser
Örtlichkeit eine abweichende ist.
Viel bedeutender noch kann die Verminderung des Sauerstoffs durch
die Einwirkung oxydierbarer Substanzen werden. Untersuchungen des
Themsewassers in der Umgegend von London haben ergeben, dass das Wasser
dieses Flusses, welches etwa 5 Meilen oberhalb London bei Kingston 7.4
_cbcm_ Sauerstoff im Liter enthält, dicht bei London davon nur 1.5
_cbcm_, nach dem Durchgange durch die Riesenstadt, bei Woolwich, sogar
nur 0.25 _cbcm_, also nur eine Spur Sauerstoff, den 30. Teil von seinem
Gehalte in der minder verunreinigten Flussgegend, enthält[43].
Bei so enormer Verminderung des Gehaltes an Atemluft kann es nicht
in Verwunderung setzen, wenn die mit leicht oxydierbaren organischen
Substanzen gefüllten Abwässer grosser Städte und industriereicher
Gegenden den Bestrebungen zur Vermehrung und Veredelung des
Fischbestandes ein kaum zu überwindendes Hindernis entgegensetzen[44].
Nicht so jäh und verderblich, wie die Abfuhrstoffe der Städte
und Fabriken, aber sicher auch von erheblicher Wirkung auf den
Sauerstoffgehalt des Wassers sind die Reste abgestorbener Lebewesen,
der organische Mulm, welcher durch die Regen- und Schneewässer aus
dem Niederschlagsgebiet des Flusssystems dem Wasser desselben auf
seinem Laufe zum Meer in immer steigender Menge zugeführt wird. Auch
das Gefälle und die Bodenbeschaffenheit des Flussbettes sind von
Einfluss: Ein über Kiesbänke und Steine rauschender Bach bietet seinem
Wasser mehr Gelegenheit zur Sauerstoffaufnahme, als ein träges, tiefes
Gewässer, in dem noch dazu der hineingeschwemmte Mulm sich ablagert.
Die Wirkung des Sauerstoffmangels im Wasser ist für die Fische eine
doppelte: Nicht nur mangelt den Organismen, Tieren wie Pflanzen, die
notwendige Lebensluft, sondern es nimmt auch die Bildung schädlicher
Stoffe, besonders des betäubenden Sumpfgases, zu.
Unter diesen Verhältnissen ist es verständlich, dass
sauerstoffbedürftige Fische sauerstoffarme Gewässer vermeiden.
Anderseits bedürfen manche Fische einer gewissen Wärme des Wassers
(z. B. der Karpfen), damit ihre Lebensfunktionen, Ernährung und
Fortpflanzung, zur Thätigkeit angeregt werden. Solche Fische sind von
dauernd kühlen Gewässern ausgeschlossen.
Man hat gefunden, dass viele Arten der Fische gemeinsame
Lebensbedürfnisse haben, so dass sie in Flussstrecken, welche eine
gewisse Beschaffenheit haben, leben können. +A. Fritsch+[45] hat zuerst
die Flussregionen Böhmens, welche charakteristische Fischgesellschaften
enthalten, unterschieden und nach ihren Hauptfischen benannt. +M.
von dem Borne+[9] hat diese Methode für die deutschen Gewässer
durchgeführt, und sie ist jetzt allgemein angenommen. Man unterscheidet:
1. die Forellenregion, mit Bachforelle, Elritze, den Kaulköpfen,
Schmerle, Döbel,
2. die Aeschenregion, mit Aesche, _Barbus Petenyi_, Gründling,
Bachneunauge[46] (im obern Teile dieser Region liegen die
Laichstellen der Lachse),
3. die Barbenregion, mit Barbe, Huchen, Nase, Rapen, Zärthe,
Schneider, Häsling, Karpfen, Quappe, Bitterling, Mairenke,
Streber, Strömer, Motken,
4. die Bressenregion (Bleiregion), mit Bressen, Blei, Wels, Orfe,
Rotauge, Schleihe, Karausche, Aal.
Manche Fische finden sich in allen Regionen, wie Hecht, Barsch, Plötze,
Stichling. Auf eine einzige der angeführten Regionen beschränkt ist
kein Fisch, vielmehr werden die benachbarten Regionen auch häufig
aufgesucht.
Etwas abweichend von den fliessenden Gewässern verhalten sich die
Seen, deren Lebensverhältnisse wesentlich von ihrer Tiefe abhängen.
Man unterscheidet hier flache Bressenseen, Seen von mehr als 20 _m_
Tiefe, in welchen sich die kleine norddeutsche Maräne aufhält, und Seen
von über 50 _m_ Tiefe, in welchen, je nach ihrer Tiefe, verschiedene
Maränenarten, der Seesaibling und die Seeforelle leben.
Bei der Wichtigkeit des Atmungsprozesses spielt die Funktionsfähigkeit
der Kiemen eine grosse Rolle. Sobald ihre Oberfläche durch Trockenheit
abstirbt oder sobald sie sich mit einem dichten Belag von Fremdkörpern
bedeckt, sind die Fische einem raschen Erstickungstode ausgesetzt: die
Ursache, weshalb Trübungen des Wassers von den Fischen gemieden werden
und ihnen, wenn sie dauernd, z. B. durch Fabrikwässer, verursacht
werden, den Tod bringen können.
Während das in die Mundhöhle aufgenommene Wasser durch die
Kiemenspalten abfliesst, gelangt die Nahrung durch den trichterförmigen
Schlund in den eigentlichen +Darmtractus+[47]. Der Darm der Fische
ist mehr oder minder gewunden und bei den Cypriniden ein Schlauch von
fast überall gleicher Weite. Bei den übrigen Fischen ist eine mehr
oder minder ausgeprägte magenartige Erweiterung vorhanden. Immer ist
der Magendarm durch eine ringförmige Einschnürung, die Pförtnerklappe,
vom Mitteldarm getrennt. Die mit einem Magen versehenen Fische, mit
Ausnahme des Welses, des Hechtes und des Hundsfisches, haben auf der
Grenze zwischen Magen und Mitteldarm Blindschläuche, wenige bei den
Perciden, den Kaulköpfen und Stichlingen, viele bei den Salmoniden und
der Aalquappe. Der Enddarm ist im Vergleich mit dem Mitteldarm weit.
Der Darm der Neunaugen ist gerade und ohne Anhänge, der des Störs trägt
an der Innenwand eine spiralig verlaufende Hautleiste (Spiralklappe).
Von den dem Darm anhängenden Drüsen ist die Leber schon erwähnt. Die
zweite bei den Wirbeltieren sonst vorkommende Verdauungsdrüse, das
Pankreas, fehlt den meisten unserer Fische; es ist bis jetzt nur
nachgewiesen bei Schmerle, Stichling, Hecht, Barsch, Aal und Forelle,
meist stark zerstreut zwischen den Eingeweiden[48].
Die verdauende Flüssigkeit der Fische wird daher, da auch
Speicheldrüsen fehlen und die Galle nur bei der Aufnahme der Fette
durch den Körper mitwirkt, meist ausschliesslich vom Darm geliefert.
Dafür vermag aber auch nicht nur der Magendarm, wie bei den höheren
Wirbeltieren, sondern jeder Abschnitt, selbst die kurze Speiseröhre
der mit Magen versehenen Fische, Pepsin abzusondern, den Stoff,
welcher in Verbindung mit der bei den Fischen reichlich vorhandenen
Säure die Eiweissstoffe für die Aufnahme in den Körper geeignet
macht (peptonisiert[49]). Von dem Pepsin der höheren Wirbeltiere
unterscheidet sich das Pepsin wenigstens der Forelle und des Hechtes
dadurch, dass es selbst bei 0° noch verdauend wirkt[50]. Die Auflösung
der Nahrung beginnt schon in der Speiseröhre und braucht erst im
Enddarm mit dem Auswerfen der unverdauten Nahrungsteile aufzuhören. Am
kräftigsten ist die Verdauung bei den Fischfressern, minder intensiv
bei den Kleintierfressern. Die Absonderung der Nahrungsflüssigkeit
erfolgt wahrscheinlich von allen Zellen der Darmschleimhaut, die je
nach ihrem Reifestadium ein verschiedenes Aussehen haben können[51].
Von grosser Wichtigkeit, namentlich für die Fütterung der Teichfische,
ist, dass die Fische rohe Stärke, das Hauptprodukt der meisten
Pflanzen, fast gar nicht zu verdauen vermögen, während gequollene
(gekochte) Stärke verdaut wird[52]. Diese Thatsache bietet die
Erklärung zu der erst neuerdings gehörig gewürdigten Erscheinung, dass
die Fische sich fast gar nicht von Pflanzenstoffen, sondern meist von
Tieren nähren, so dass in der Regel die von den Pflanzen erzeugte
Nahrung erst in den Körper eines niedern Tieres aufgenommen sein muss,
bevor sie zur Ernährung der Fische dienen kann. Eine nur scheinbare
Ausnahme hiervon bilden die Kieselalgen (Diatomeen), welche man oft
in Menge in dem Fischdarm findet. Diese in grosser Menge im Wasser
auftretenden mikroskopischen Pflänzchen, welche eine Hauptnahrung
vieler niederer Wassertiere bilden, erzeugen nicht, wie die meisten
anderen Pflanzen, Stärke, sondern an deren Stelle Öl, das als Fett den
Verdauungssäften der Fische zugänglich ist. Ähnlich verhält sich die
Algengattung _Vaucheria_, die also den Fischen ebenfalls direkt Nahrung
liefern könnte.
Als Grund für das Fehlen der stärkeartigen Stoffe in der Fischnahrung
hat man angeführt, dass die Fische ebenso wie die Amphibien es nicht
nötig haben, ihren Körper mit diesen wärmeerzeugenden Kohlehydraten
gewissermassen zu heizen, da ihr Körper seine Wärme von dem ihn
umgebenden Wasser erhält. Immerhin bewirkt auch bei den Fischen
die Respiration eine Erwärmung des Körpers über die Temperatur des
Wassers. Dieselbe beträgt nach +Broussonet+ bei kleinen Fischen ½ bis
⅔°, beim Aal ¾°, beim Karpfen 1°. +Despretz+ fand bei 10.83° _C._
Wassertemperatur die Körperwärme von zwei Karpfen zu 11.69°, von zwei
Schleihen zu 11.54° _C._
Änderungen in der Wasserwärme haben auch den grössten Einfluss auf
die Lebensfunktionen der Fische, namentlich auf die Ernährung und
Fortpflanzung. Während die meisten unserer Fische bei steigender Wärme
laichen (Sommerlaicher: die Perciden, Kaulköpfe, Stichlinge, Wels,
Cypriniden, Acanthopsiden, Hecht, Clupeiden, Störe und Neunaugen),
legen andere ihre Eier bei sinkender Wärme ab (Winterlaicher: Aalquappe
und die Salmoniden ausser Stint, Huchen und Aesche). Manche Arten
bedürfen einer bestimmten Mindestwärme, um laichreif zu werden,
namentlich die Karpfen, welche nicht in Wasser unter 19° _C._ laichen.
Auch das +Nahrungsbedürfnis+ ist abhängig von der Wasserwärme. In
kaltem Wasser können die Fische wochenlang, ja manche Arten monatelang
ohne Nahrung bestehen. Viele Cypriniden nehmen im Winter auch im Freien
keine Nahrung zu sich; der Karpfen z. B. frisst nur, wenn das Wasser
mindestens 9° _C._ Wärme hat, dabei verliert er während der Zeit, in
welcher er nicht frisst, nur etwa 3–5 % seines Körpergewichtes. Bei der
Bachforelle und anderen Raubfischen nimmt zwar die Fresslust im Winter
ab, hört aber nicht völlig auf. Die Forelle lässt auch im Sommer in der
Ernährung nach, wenn die Wassertemperatur über 25° _C._ steigt.
Bei höher steigender Wärme sterben die Fische. Der Karpfen verträgt
eine Höchsttemperatur von 32–35° _C._, der Barsch eine Temperatur von
28° _C._[43]. Rasche Abkühlung vertragen viele Fische ebenfalls
nicht, allmähliches Sinken der Temperatur dagegen hat keinen
schädlichen Einfluss auf unsere Fische, welche in eiskaltem Wasser
lebend bleiben, ja, soweit sie geringe Ansprüche an Luftversorgung
machen (Schleihe, Karausche), auch einfrieren können, wenn nur die
Eiskälte nicht über die Eigenwärme des Fisches siegt und wenn durch
die letztere eine Wasserschicht um den Fisch flüssig erhalten bleibt
(+Johannes Müller+).
Bei direkter Einwirkung des Frostes auf den Fischkörper erstarren die
Fische zunächst, können aber, wenn die Frostwirkung nicht stundenlang
dauert, zuweilen wieder belebt werden. Beim Durchfrieren des
Fischkörpers sterben die Fische dagegen natürlich ab[44].
Die Menge der von den Fischen aufzunehmenden Nahrung richtet sich
während der Hauptfresszeit in erster Linie nach der Menge der
vorhandenen geeigneten Nahrungsmittel.
Die Fische können mit geringen Mengen von Nahrung erhalten werden,
haben dann aber ein entsprechend geringes Wachstum und zeigen oft auch
in ihrer Körperform Abweichungen von dem normalen Aussehen ihrer Art
(so ist die als Giebel bekannte Abart der Karausche eine Hungerform,
-- den Fischzüchtern ist es längst bekannt, dass Fische mit kurzem
Kopf rascher gewachsen und deshalb geeigneter zur Zucht sind, als
Fische mit gestrecktem Kopf). Anderseits können sie sehr grosse Mengen
von Nahrung aufnehmen und dementsprechend wachsen. Man weiss aus
guten Beobachtungen, dass ein Karpfen am Ende des ersten Jahres bei
ungünstiger Nahrung nur wenige Gramm, bei günstiger Nahrung gegen 1
Kilo wiegen kann, und dass das Gewicht der Hechte im ersten Herbst
ihres Lebens zwischen 100 Gramm und mehreren Pfund schwanken kann.
Bei der +Fütterung+ verbraucht die Forelle zur Zunahme um einen
Gewichtsteil fünf bis acht Gewichtsteile Futterfleisch, während der
Karpfen schon aus drei bis vier Gewichtsteilen in gleichem Masse
eiweisshaltigen Futters einen Gewichtsteil Körperzunahme gewinnt.
Man benützt bei der Fütterung der Fische hauptsächlich eiweissreiche
Futterarten, wie Fleischmehl, Leguminosensamen, Malztreber u. a.
Eine Anzahl von Fischarten erreicht in der Regel nur eine bestimmte
geringe Grösse; man kann diese Fische als Zwergfische bezeichnen.
Dahin gehören Kaulbarsch, Kaulkopf, Stichling, Gründling, Bitterling,
Uklei, Moderlieschen, Elritze, kleine Maräne, Stint, die Neunaugen.
Die meisten anderen Fische wachsen entsprechend ihrer Ernährung sehr
ungleichmässig. So erreicht die Bachforelle in den nahrungsarmen
Gebirgsbächen selten ein Gewicht von einem Pfund, während sie in
Teichen, Flüssen und Seen (z. B. im Weitsee bei Berent in Westpreussen)
es zu einem Gewicht von 12 Kilo bringen kann. Karpfen und Hechte hat
man bis 25 Kilo schwer, Welse noch bedeutend grösser gefangen. In engen
Gefässen bleibt das Wachstum der Fische beschränkt, wie die konstante
Grösse der in engen Gläsern gehaltenen Goldfische zeigt.
Über dem Darm und seinen Anhängen und Drüsen liegt die +Schwimmblase+,
ursprünglich eine Ausstülpung des Darmes, bald mit dem Anfangsteil
desselben durch einen im Alter oft geschlossenen Kanal verbunden
(_Physostomi_: Siluriden, Cypriniden, Salmoniden, Hecht, Hundsfisch,
Clupeiden, Aal, Stör), bald ohne Ausführungsgang (Perciden, Stichlinge,
Aalquappe). Die Schwimmblase fehlt dem Kaulkopf und den Neunaugen.
Sie ist ein häutiger Sack, prall gefüllt mit einer Gasmischung aus
Stickstoff und Sauerstoff in wechselnden Mengen und etwas Kohlensäure.
Diese Gase gelangen nicht etwa durch den zuweilen vorhandenen
Ausführungsgang in die Schwimmblase, sondern sie werden von der
Innenfläche derselben, wo sich oft Anhäufungen feiner Adern, sogenannte
Wundernetze, finden, ausgeschieden. Man hält die Schwimmblase deshalb
für sein Homologon der Lunge der höheren Wirbeltiere; dem ist jedoch
widersprochen worden, weil sie oberhalb, nicht unterhalb des Darmkanals
wie die Lunge, liegt[53]. Auch die Funktion der Schwimmblase wird
verschieden gedeutet. Vielfach hält man sie für einen hydrostatischen
Apparat, der den Körper im Gleichgewicht erhält und zugleich geeignet
ist, durch Kontraktionen das Steigen und Sinken des Fisches zu
regeln. Indessen glaubt +Charbonnel-Salle+ nachgewiesen zu haben,
dass die Druckschwankungen der Schwimmblase keinen Einfluss auf das
spezifische Gewicht des Fisches und auf sein Auf- und Niedertauchen
ausüben[LXXV]. Ursprünglich war sie vielleicht ein Sauerstoffreservoir
(nach +Biot+[54] hat man bei Tiefenfischen bis 87% Sauerstoff in der
Schwimmblasenluft gefunden). Sie steht mit dem Hörorgan in Verbindung
und wird wohl auch andere Druckwirkungen als die Schallwellen zur
Empfindung bringen helfen.
[LXXV] Platzt einem Fisch die Schwimmblase und verbreitet sich die
nicht mehr unter Druck stehende Luft derselben in der
Leibeshöhle, so kann der aufgeblähte Fisch nicht mehr die
Oberfläche verlassen und schwimmt auf dem Rücken. Diese
Erfahrung spricht gegen +Charbonnel-Salles+ Ansicht.
Neben den Organen des Darmtractus liegen in der Bauchhöhle die
+Fortpflanzungsorgane+ der Fische, deren Produkte bei den männlichen
Fischen als Milch, bei den weiblichen als Rogen bezeichnet werden.
Danach heissen die Männchen auch Milchner, die Weibchen Rogner.
Unsere Fische sind sämtlich getrennten Geschlechtes; nur bei
einzelnen Individuen ist, wie in allen Tierklassen, gelegentlich
Hermaphroditismus nachgewiesen.
Die Männchen sind bei den Fischen oft kleiner[55] und häufig seltener
als die Weibchen. Unter den Steinbeissern hat man sogar nur 10%
Männchen gefunden[56].
Das Geschlecht ist bei manchen Fischen, besonders zur Laichzeit,
auch äusserlich durch die Beschaffenheit der Geschlechtsteile oder
durch sekundäre Geschlechtsmerkmale erkennbar. Die weiblichen Fische
zeigen in der Laichzeit einen durch die reifen Eier gewölbten Bauch,
während die Männchen schlank bleiben. Die Geschlechtsöffnung, welche
hinter dem After liegt, befindet sich beim Weibchen oft an der Spitze
einer kegelförmigen Erhöhung, die in der Laichzeit gerötet ist
und beim Bitterling zu einer 3–4 _cm_ langen Legeröhre auswächst.
Unsere einheimischen Süsswasserfische sind sämtlich ovipar, d. h.
die Weibchen legen Eier ab; die Eier werden erst nach dem Austreten
befruchtet. Da eine innere Befruchtung der Eier anscheinend nie
erfolgt, so fehlen den Männchen besondere Organe für die innere
Begattung, ihre Geschlechtsöffnung liegt meist in der Tiefe einer
flachen Rinne. Sekundäre Geschlechtscharaktere finden sich namentlich
als lebhafte Färbung bei den Männchen vieler Fischarten, meist nur in
der Brunstzeit. So glänzen namentlich die Männchen der Stichlinge und
der Bitterlinge während der Laichzeit in bunten Farben. Bei anderen
Fischen werden die immer vorhandenen Farben des Körpers und der Flossen
lebhafter. Bei den meisten Cypriniden tritt an den Männchen in der
Laichzeit an den Seiten und teilweise auch am Kopfe auf jeder Schuppe
ein weisses hartes Höckerchen auf, das aus Oberhautzellen besteht
und nach der Laichzeit wieder verschwindet. Bei den Coregonen finden
sich ähnliche Hautwarzen zur Laichzeit bei beiden Geschlechtern als
Brunstmerkmale. Beim männlichen Schleih ist der zweite Strahl der
Bauchflossen stark verbreitert, verdickt und gekrümmt, gleichzeitig
ist das Stützskelett dieser Flossen etwas verstärkt. Eine ähnliche
Abweichung findet sich bei den männlichen Steinbeissern am zweiten
Strahl der Brustflossen.
Die Geschlechtsreife der weiblichen Fische tritt in der Regel im
dritten Jahre ein, seltener später oder schon im zweiten Jahre. Die
Männchen werden oft schon im zweiten Jahre laichreif. Manche Individuen
(bei den Cypriniden, Lachsen, Forellen, Stören, Aalen) bleiben ganz
unfruchtbar. Da diese Exemplare besonders fett und wohlschmeckend sind,
so hat man die Fische auch, und zwar mit dem gewünschten Zuchterfolge,
kastriert.
Die +Neunaugen+ machen nach ihrem Ausschlüpfen aus dem Ei noch eine
lange dauernde Metamorphose durch[46]. Die Larven, Querder (früher
für eine besondere Art, _Ammocoetes branchialis_, gehalten) sind blind
und leben im Grunde der Bäche. Gegen den Herbst des vierten oder
fünften Jahres beginnt die Verwandlung in die Form der erwachsenen
Neunaugen, nach deren Ausbildung die Flussneunaugen, etwa 20 _cm_ lang,
in die See hinabwandern, von wo sie nach mehreren Jahren laichreif
zurückkehren, während die Bachneunaugen ihre Laichreife in ihren
Heimatsbächen erreichen können. Die Neunaugen laichen nur einmal in
ihrem Leben, nach dem Laichen sterben sie ab.
Bei den Stören und den meisten Knochenfischen sind die Eierstöcke
und Hoden[46] paarig vorhanden, bei den Perciden und Acanthopsiden
einfach. Die Hoden besitzen besondere Ausführungsgänge, welche sich
vereinigen und gemeinsam mit den Harnleitern hinter dem After münden.
Auch die +Eierstöcke+ besitzen meist Ausführungsgänge, welche nach
ihrer Vereinigung zwischen dem After und der dahinter liegenden
Harnöffnung nach aussen münden. Diese mit Ausführungsgängen versehenen
Eierstöcke sind im übrigen geschlossene Säcke, in deren Falten die
Eier sich entwickeln. Die Salmoniden, Acanthopsiden und der Aal haben
dagegen Eierstöcke, welche nur gefaltete Platten darstellen, aus denen
die Eier nach ihrer Reife in die Bauchhöhle fallen. Aus dieser treten
sie durch eine besondere Öffnung, welche die gewöhnliche Lage hat, ins
Freie. Bei den Salmoniden finden sich beiderseits vom After offene
oder nur durch Rudimente angedeutete sogenannte Abdominalporen, durch
welche die Bauchhöhle nach aussen mündet. +Huxley+[57] hält diese
Poren, ebenso wie ähnlich gelegene Spalten in der Leibeswand beim Stör,
für rudimentäre Eileiter, während +Weber+[58] sie für rudimentäre
Segmentalgänge erklärt (also den Mündungen der Segmentalorgane der
Anneliden entsprechend). Anderer Art als diese Mündungen der Bauchhöhle
sind die Öffnungen, welche beim Wels hinter den Brustflossen sich
finden und nicht in die Bauchhöhle, sondern in Taschen, die in der Haut
liegen, münden. Auch über die Bedeutung dieser Öffnungen weiss man
nichts Gewisses.
Die +Samenfäden+ der Fische bestehen aus einem meist rundlichen
Köpfchen, welches den Kern enthält, und einer fädlichen Geissel
von etwa 0.05 _mm_ Länge. Die Eier der einheimischen Fische sind
fast kugelig und mit mehreren Hautschichten umschlossen, welche von
zahlreichen Poren durchsetzt sind. An einer Stelle findet sich eine
etwas vertieft gelegene Verdünnung der Eihäute, die Mikropyle, durch
welche in der Regel der Samenfaden in das Ei tritt. Die Eier der
Salmoniden-Arten sind verhältnismässig gross, das Lachsei hat 5–7 _mm_
Durchmesser. Die übrigen Fischeier haben nur 1–3 _mm_ Durchmesser.
Die Ablage und +Befruchtung+ der Eier findet an dem Orte statt,
wo die Eier die ihnen zusagenden Entwickelungsbedingungen finden.
Die meisten Eier werden klebend, sobald sie in das Wasser kommen,
indem die äusserste Schicht der äusseren Eihaut, der _Zona radiata_,
entweder gleichmässig aufquillt oder beim Quellen in Zotten oder Fäden
zerreisst[59]. Auf diese Weise kleben die Eier an den Gegenständen
fest, auf die sie fallen, namentlich Pflanzen, Steine, Baumwurzeln,
Kies, je nach der Örtlichkeit, die die Fische zum Laichen aufsuchen.
Die Hechte, die am frühsten im Jahr laichen, legen ihren Laich auf
dem Grase überschwemmter Wiesen ab, die Cypriniden, die sich auf den
Laichplätzen in Scharen zusammenfinden, meist auf Wasserpflanzen,
andere auf Kiesbänken im strömenden Wasser oder am Abhang des
Ufergrundes der Seen. Die Coregonen lassen ihre Eier entweder in
die Wassertiefe sinken oder sie streuen sie an die auf Mergelboden
wachsenden Armleuchtergewächse, auf Ceratophyllum oder ähnliche starre
Wasserpflanzen. Häufig tritt bei manchen Arten nach dem Laichen eine
starke Sterblichkeit ein, z. B. bei den Maifischen.
Besondere Eigentümlichkeiten in ihren Laichverhältnissen zeigen
einige Fischarten, welche teils im Meer, teils im Süsswasser leben.
Dahin gehört namentlich der Aal[60]. Die Eierstöcke dieses Fisches
wurden zuerst von +Mondini+[61] entdeckt, später von +Rathke+[47]
von Neuem aufgefunden. Es sind zwei weisse, gekräuselte Bänder, die
sogenannten Manchettenorgane, welche zu beiden Seiten der Schwimmblase
von vorn bis hinten sich erstrecken. Betrachtet man ein Stückchen
dieser Bänder unter dem Mikroskop (bei 50–100facher Vergrösserung), so
sieht man ausser vielen ungleich grossen Fettzellen die durchsichtigen
runden Eier, jedes mit einem „Keimbläschen“ (dem Kern) im Innern.
Diese Eier sind zu mehreren Millionen in einem weiblichen Aal
enthalten, werden aber im Süsswasser nicht grösser als etwa ¼–⅓ _mm_
im Durchmesser. Da man männliche Individuen unter den Aalen lange
Zeit nicht fand, so hielt man die Aale für Zwitter. Man glaubte auch
die Hoden in Fettwulsten neben dem Ovar gefunden zu haben. Erst
+Syrski+[62] fand 1874, dass beim Aal die Geschlechter getrennt sind,
indem er in den männlichen Aalen die Hoden (Lappenorgane) nachwies. Man
weiss nun, dass die Aale in den süssen Gewässern meist Weibchen sind,
dass dieselben im fünften oder sechsten Lebensjahre in die See wandern,
dass sie im Brackwasser die Männchen finden und dass die ausgewachsenen
Individuen beider Geschlechter sodann in der Tiefe des Meeres
verschwinden, ohne wiederzukehren. Darüber hinaus ist unsere Kenntnis
von der Fortpflanzung der Aale noch nicht gekommen. Ein Versuch,
erwachsene Aale in grossen Fischkästen in der Ostsee laichreif werden
zu lassen, führte auch zu keinem Resultat[63]. Man nimmt daher
an, dass die Aale in der Tiefe des Meeres[LXXVI] (die der Ostsee in der
Nordsee) ähnlich den übrigen Fischen den Laich ablegen und befruchten,
und zwar im Winter, und dass sie dann absterben. Im Frühjahr kommen im
März oder April die jungen Aale in ungeheuren Massen als fingerlange,
schlanke, durchsichtige Tierchen an die Küsten, und ziehen an diesen
entlang in die Ströme und bis in deren kleinste Nebenwässer. Sie
wandern immer gegen die Strömung und nur nachts, besonders bei warmem
Wetter; am Tage halten sie sich an ruhigen Stellen, zwischen Kies,
unter Steinen, im Kraut auf. Sie wachsen während ihrer Wanderung.
Kommen sie an Mühlenwehre oder andere Stauwerke, so suchen sie
an schadhaften Stellen, an denen ein wenig Wasser herabrieselt,
aufzusteigen. Ihre klebrige Oberhaut und ihr gelenkiger, dünner Körper
begünstigt diese Kletterversuche, so dass ein Teil von ihnen in der
Regel die nicht zu hohen und nicht ganz festgeschlossenen Stauwerke zu
überwinden vermag. Erst die kalte Jahreszeit scheint ihren Wanderungen
ein Ziel zu setzen, doch hat man noch bei ein- und zweijährigen Aalen
Wanderungen gegen das strömende Wasser beobachtet.
[LXXVI] +Fritsch+ nimmt an, dass die Laichstellen in der Gegend von
Süsswasserquellen liegen, aus welchem Grunde, ist leider
nicht gesagt[64].]
Ein anderer interessanter Wanderfisch ist der Lachs. Im allgemeinen
bewohnt er das Meer und steigt aus diesem in das Süsswasser auf,
um hier laichreif zu werden. Ausnahmsweise hat man gefunden, dass
Lachse auch im Meere laichreif geworden sind[65]. Anderseits haben
+Fritsch+[66] und +Metzger+[67] beobachtet, dass Lachsmilchner,
ohne das Süsswasser verlassen zu haben, schon im zweiten Herbst ihres
Lebens laichreif geworden sind und die Eier der in ihre Wohnbäche
aufgestiegenen Lachsrogner befruchtet haben. Doch sind beide Fälle
vermutlich nur Ausnahmen. Die Zeit des Eintritts in die Stromsysteme
ist sehr verschieden. In das kurische Haff (Memel) geht der Lachs im
Mai, in die in der Nähe der Weichsel in die Danziger Bucht mündende
Rheda steigt er am stärksten im Juli auf, während er in die Weichsel
selbst fast ausschliesslich im Herbst eintritt. In der untern Oder
findet sich der Lachs im August und September. Im Rhein[68]
unterscheidet man nach der Zeit ihres Auftretens und nach ihrem
Körperzustande den St. Jakobsalm, der in Holland um Jakobi (25. Juli)
in den Rhein tritt und etwa 1½ _k_ schwer und 40–50 _cm_ lang ist,
und den Wintersalm, der viel grösser und schwerer ist und um Mitte
September in Holland erscheint.
Die Geschlechtsorgane sind beim Eintritt in das Süsswasser noch wenig
entwickelt, der Eidurchmesser etwa 0.5 _mm_ gross, das Gewicht der
Geschlechtsorgane beträgt kaum 0.5 % des Körpergewichts, während
dieselben im reifen Zustande fast ein Viertel des Körpergewichtes
ausmachen. Im Süsswasser entwickeln sie sich allmählich und zwar
ausschliesslich auf Kosten der Rumpfmuskulatur, welche nicht nur
verhältnismässig ärmer an Fett und Eiweissstoffen wird, sondern auch
an absolutem Gewicht stark abnimmt, weil der Lachs im Süsswasser keine
Nahrung aufnimmt[69], sondern ganz auf Kosten seiner im Meere gut
genährten Organe sein Leben fristet. Das Fleisch der im Süsswasser sich
so entwickelnden Fische wird daher immer schlechter und verliert seine
rote Farbe. Gleichzeitig treten sekundäre Geschlechtscharaktere auf.
Die Haut verdickt sich namentlich am Kopfe und Rücken schwartenartig
und wird dunkler, die Männchen bekommen rote Flecken an den Seiten,
namentlich auf den Kiemendeckeln, an der Spitze ihres Unterkiefers
entwickelt sich ein knorpeliger Haken, der bei grösseren Tieren so
stark wird, dass er das Schliessen des Maules hindert. Endlich, bei den
im Herbst ins Süsswasser gelangten Fischen, meist erst im Herbst des
folgenden Jahres, tritt die völlige Laichreife ein. Die Fische suchen
nun, wie +Fritsch+[70] schildert, die seichten Stellen der Bäche auf,
am liebsten oberhalb stärkerer Strömungen, dort wo das Wasser sich zu
brechen anfängt. Hier wirft das Weibchen durch Schwanzbewegungen die
Kiesel des Bachgrundes zur Seite und stellt dadurch eine seichte Grube
her, die Laichgrube. Nach einiger Zeit stellen sich bei der Laichgrube
täglich morgens und abends das Weibchen und ein oder mehrere Männchen
ein. Sie liegen oft still in den Laichgruben, so dicht neben einander,
dass man Männchen und Weibchen mit dem (gabelförmigen) Fischspeer
zugleich spiessen kann. Beim Laichgeschäft streicht das Weibchen, indem
es den Bauch auf dem Grunde der Grube reibt, die Eier ab; das Männchen
steht etwa 1 _m_ stromaufwärts und lässt die Milch in das Wasser, die
Milch strömt zu den Eiern und bewirkt die Befruchtung. So setzen sie es
mehrere Wochen lang fort, wenn sie nicht gestört werden.
Nach dem Laichen, in Böhmen beim Fallen des ersten Schnees,
verschwindet der Laichlachs. Er ist dann ganz abgemagert, mit schlaffem
Körper, und völlig kraftlos und wird, wenn er nicht abstirbt, von
der Strömung abwärts zum Meere getragen. Nach +Miescher+ kommt der
männliche Lachs in der Regel zwei- bis dreimal in mehrjährigen
Zwischenräumen, der weibliche ein- bis zweimal zur Laiche in den Rhein.
Unter den kleinen Jakobsalmen sind wenige Weibchen zu finden; man
schliesst daraus, dass die Weibchen oft erst später reif werden, als
die Männchen.
Die aus den Eiern schlüpfenden Lachse werden als Salmlinge bezeichnet.
Sie halten sich in der Regel nur bis zum nächsten Hochwasser in dem
Bach, in dem sie geboren sind, auf, und gehen mit dem Hochwasser als
etwa handlange Fische in das Meer hinab. So lange sie in den Bächen
bleiben, leben sie hier ähnlich wie die verwandten Salmoarten, sind
aber nicht so lichtscheu, wie die Forellen, sondern stehen gern im
fliessenden Wasser gegen die Strömung gerichtet.
Die Forellen haben ähnliche Laichverhältnisse wie die Lachse. Die
Meerforellen und Seeforellen wandern zur Laichzeit stromaufwärts,
letztere gegebenen Falles auch stromabwärts, um in geeigneten Bächen
auf Kies- oder Sandgrund zu laichen.
Alle einheimischen Salmoniden mit Ausnahme des Stint, des Huchen und
der Aesche, laichen im Herbst oder Winter, und die Jungen schlüpfen
erst im Beginn des Frühjahres aus den Eiern. Diese bleiben also
monatelang unausgebrütet, ohne jeden Schutz, der Vernichtung durch
zahlreiche tierische Feinde, durch Wasserschimmel, durch die Abwässer
der Fabriken ausgesetzt.
Um diese als Delikatesse gesuchten Edelfische nun vor der Ausrottung
zu bewahren, hat man sich in grossem Massstabe und mit viel Erfolg
eines Hilfsmittels bedient, welches ihnen den Kampf ums Dasein mit den
übrigen Wassertieren erheblich erleichtert, der sogenannten künstlichen
Fischzucht[71], durch welche nicht nur die Vermehrung der Salmoniden
in den deutschen Seen, Flüssen und Meeren, sondern auch die vieler
anderer Fische in stehenden und fliessenden Gewässern, sowie die
Übertragung von Fischarten in neue, von ihnen nicht bewohnte Gewässer
in zahlreichen Fällen erzielt ist.
Unter „künstlicher Fischzucht“ versteht man zunächst die Befruchtung
und Erbrütung von Fischeiern unter Zuthun des Menschen. Ein Detmolder
Landwirt, +Jakobi+, erfand diese Methode in der Mitte des vorigen
Jahrhunderts, doch wurde sie wegen der mühsamen Bedienung des im
Bache stehenden Brutkastens selten angewendet. In Norwegen, Russland,
namentlich aber in Frankreich wurden später ähnliche Verfahren
entdeckt. Professor +Coste+ in Paris interessierte sich dafür, und
auf seine Veranlassung wurde 1852 von der französischen Regierung die
Brutanstalt in Hüningen bei St. Ludwig im Elsass gegründet, welche
1871 vom Deutschen Reiche übernommen wurde. Von Deutschen ist zuerst
in München ein Bruthaus für künstliche Fischerbrütung angelegt.
Inzwischen ist die Methode besonders in Amerika, in neuerer Zeit auch
in Deutschland weitergebildet und sehr vervollkommnet worden[72], und
jetzt zählen die Anstalten für künstliche Fischzucht in Deutschland
nach hunderten.