Die Larven der Eintagsfliegen (Fig. 9, 23) sind in stehenden wie
fliessenden Gewässern eine recht häufige Erscheinung; aber fast immer
gehörten die Tiere, welche ich um Berlin in stehenden Gewässern fing,
einer Art an: _Cloëon dipterum_. Erwachsen sind dieselben, die drei
langen, befiederten Schwanzanhänge nicht mitgerechnet, etwa 1 _cm_
lang. Die drei letzten Hinterleibsringe sind ohne Kiemenblättchen,
das viertletzte hat ein einfaches rundliches Blättchen, die sechs
vorhergehenden Ringe aber je zwei solcher Kiemenblätter. Unschwer
erhält man das Insekt selbst, welches nach der Zweizahl der Flügel und
nach den Schwanzborsten leicht zu bestimmen ist. Die den Ephemeriden
einzig zukommende Eigentümlichkeit, dass das der Larvenhaut
entschlüpfte, mit beweglichen Flügeln versehene Insekt (_Subimago_
genannt) sich noch einmal häutet, beobachtete ich nicht immer,
anscheinend fehlte den Tieren dazu häufig die Kraft; sie starben vorher
ab.
Durch den Besitz der blattartigen Tracheenkiemen ist die Atemart
unserer Larven hinreichend bezeichnet; zu erwähnen bleibt nur, dass
dieselben zur Erneuerung des Wassers oft schnell hintereinander auf-
und niederbewegt werden, ohne dass sich etwa das Tier vom Platze
bewegt. Für gewöhnlich gehen die Larven mit den gut entwickelten
Beinen am Boden einher; bei der geringsten Beunruhigung jedoch fahren
sie jäh durch das Wasser dahin. Durch kräftige mediane Bewegungen des
Hinterleibes mit seinen befiederten Anhängen schnellen sie sich fort.
Ihre Nahrung besteht aus Pflanzenkost; wie erfolgreich sie dieselbe
verarbeiten, zeigt sich z. B. darin, dass eine Schale mit Cloëon-Larven
und Pflanzen sich am Boden bald mit den Resten guter, gesegneter
Verdauung füllt.
Ausser den Cloëon-Larven habe ich in kleineren stehenden Gewässern
nur noch hie und da die von _Caenis luctuosa_ angetroffen. Dieselben
sind leicht daran zu erkennen, dass das erste Paar Kiemenblättchen zu
Schutzdecken für die folgenden umgewandelt ist und dass die letzteren
blattartig, aber am Rande mit zarten Fortsätzen versehen sind. Die vier
letzten Hinterleibsringe sind von jenen Schutzplatten nicht bedeckt.
Ungleich reicher als in stehenden Gewässern sind die Ephemeriden-Larven
in fliessenden entwickelt; reicher und mannigfaltiger gestalten sich
dort auch die Lebensbedingungen derselben. Manche von ihnen (z. B.
_Ephemera_ und _Palingenia_) graben sich mit den kräftigen Vorderbeinen
Gänge in das Ufer; andere wieder, wie die der alten Gattung _Baëtis_,
drücken sich bei eigenartig platter Gestalt dicht den Steinen an und
vermögen sich so im Strome zu halten; noch andere kriechen, wohl an
ruhigeren Stellen, auf alles Andere Verzicht leistend, im Schlamme
umher[XLVII]. Recht mannigfach ändert dabei auch die Gestalt der
Tracheenkiemen ab. Näher hierauf einzugehen, muss ich mir schon aus
äusseren Gründen versagen[5].
[XLVII] Die Cloëon-Larven würden zu denen gehören, welche +Pictet+ als
+Schwimmer+ bezeichnet.]