1. Die Larven der Libelluliden oder Odonaten.

Unter den Libellenlarven der stehenden Gewässer treten dem

Beobachter ohne weiteres drei Typen entgegen, die der _Agrion_-,

_Libellula_- und _Aeschna_-Gruppe. Die ersteren (Fig. 9, 21) sind

langgestreckt und schwächlich; am Ende des Hinterleibes mit drei

ziemlich langen blattartigen Tracheenkiemen versehen. Die hierher

gehörigen _Agrion_- und _Lestes_-Larven unterscheiden sich dadurch,

dass der Mittelteil der Unterlippe bei _Lestes_ fast stielrund,

dagegen bei _Agrion_ fast ebenso breit wie der Endabschnitt ist.

Die Larven der _Libellula_-Gruppe (Fig. 9, 20) sind ohne solche

äussere Tracheenkiemen, dafür besitzen sie aber eigenartige innere

Tracheenkiemen, nämlich an den Wandungen des Enddarmes. Die Hinterbeine

sind länger als der gedrungene Hinterleib und der Vorderabschnitt der

Unterlippe ist so ausgehöhlt, dass er in der Ruhelage die Mundteile

von vorn wie eine hohle Hand bedeckt. Dieser Gruppe gehören auch die

Larven der Gattungen _Cordulia_ und _Epitheca_ an. Die Larven endlich

der _Aeschna_-Gruppe (Fig. 9, 19) stimmen in den Atemorganen mit

denen von _Libellula_ überein, dagegen ist hier die Unterlippe im

Vorderabschnitt einfach flach und der schlanke Hinterleib ist länger

als die Hinterbeine.

Alle unsere Larven sind also Tracheenkiemen-Atmer, aber in

verschiedener Weise. Die Larven der beiden letzten Typen ziehen

willkürlich das Atemwasser durch den mit Schutzwehren versehenen After

ein und stossen es wieder aus. Diese Atembewegungen werden kräftig,

aber unregelmässig ausgeführt; oft sieht man minutenlang umsonst nach

dem ein- und austretenden Wasserstrom. Agrion- und Lestes-Larven

besitzen natürlich derartige Atembewegungen nicht, dagegen sieht

man nicht selten, dass sie, mit den Beinen sich festhaltend, durch

seitliches Schlagen des Hinterleibes das Atemwasser erneuern. Eine

recht eigentümliche Thatsache bei allen diesen Larven ist nun, dass an

der Brust Luftlöcher vorhanden sind, deren Ränder für gewöhnlich dicht

aneinander liegen, die aber geöffnet werden können. Beweis dafür ist

die Erscheinung, dass aus diesen Stigmen, wenn man die Larven[XLVI] in

Alkohol oder heisses Wasser wirft, eine Reihe von Luftblasen aufsteigen.

[XLVI] Nur bei den jüngsten Larven tritt das nicht ein. -- Dass

die Stigmen nicht verwachsene Ränder haben, stellte ich auch

an Querschnitten derselben fest.

Welche Bedeutung können nur diese Luftlöcher haben? Ich vermöchte nur

ungeprüfte Vermutungen als Antwort auf diese Frage zu geben.

+Bewegung.+ Bei allen unseren Larven dienen die Atembewegungen zugleich

zum Schwimmen. Lange Zeit freilich kriechen oft die Larven am Boden

oder an Wasserpflanzen umher. Wollen Agrioniden-Larven schwimmen, so

treiben sie sich durch seitliches Schlagen des Hinterleibes mit seinen

Kiemenblättern vorwärts. Seltsamer aber nimmt sich das Schwimmen der

anderen Larven aus: mit angelegten Beinen sieht man sie plötzlich

durch das Wasser schiessen, ohne dass man zunächst zu erkennen vermag,

wie das bewirkt wird. Genauere Beobachtung zeigt -- ein +sandiger+

Grund leistet dabei gute Dienste --, dass die Larven mit grosser Kraft

das Wasser aus dem After ausstossen und dadurch nach dem Prinzip

des Rückstosses vorwärts schiessen. Hebt man die Larve im rechten

Augenblick ausser Wasser, so kann man das ausgestossene Wasser oft drei

bis vier Spannen weit fliegen sehen.

Der Ernährung nach sind alle diese Larven Raubtiere und zwar erbeuten

sie die Tiere durch plötzliches Vorstrecken der Unterlippe. Bietet man

einer Aeschna-Larve z. B. Ephemeriden- und Mückenlarven, so zeigt sich

zugleich dabei, dass die Beute erst wahrgenommen wird, wenn sie sich

zu bewegen beginnt: eine Bemerkung, die für fast alle Räuber unter den

Wasserinsekten und Wasserlarven zu gelten scheint.

+Andere Libelluliden-Larven.+ Von anderen Libelluliden-Larven, die

ich nur in fliessenden Gewässern, nicht wie die obigen in beiderlei

Gewässern, angetroffen habe, nenne ich noch zur Ergänzung die von

_Calopteryx_ (Fig. 9, 22), der prachtvoll dunkelblauen oder grünen

Libelle der Ufer, und von _Gomphus_. Die ersteren bilden einen

eigenartigen Typus dadurch, dass sie sowohl Schwanzkiemen wie innere

Kiemen haben. Kenntlich sind sie vor allem dadurch, dass sie bei

ähnlicher Gestalt wie die Agrioniden-Larven Fühler besitzen, die weit

länger als der Kopf sind und deren Grundglied mehrfach länger und

stärker als die übrigen Glieder zusammengenommen ist. -- Die Larven

von _Gomphus_ schliessen sich am nächsten denen von _Aeschna_ an; die

Unterlippe ist vorn ebenfalls flach, der Darm mit Kiemen versehen; das

unterscheidende Merkmal liegt vornehmlich in dem auffallend breiten und

grossen Endglied der Fühler.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Zweiter Band. · 第 27 / 60 题