4. Käfer und Käferlarven anderer Familien.

a) Parnus.

Mit den kleineren Hydrophiliden findet man oft an Wasserpflanzen einen

5 _mm_ grossen Käfer bräunlicher Farbe, _Parnus prolifericornis_,

der ebenso wenig zu schwimmen vermag wie diese Hydrophiliden, der

ebenso wie jene die Luft zur Atmung an der Aussenseite des Körpers

mit unter Wasser nimmt, aber nicht allein an der Unterseite, sondern

wie die Wasserspinne an der ganzen Körperoberfläche. Als Mittel,

diese Lufthülle zu halten, dient ihm wie der Spinne ein seidenartiger

Haarüberzug des Körpers. Biologisch schliesst er sich ganz den

kleineren Hydrophiliden an; Fühlerbildung und andere morphologische

Eigenschaften weisen ihm dagegen mit wenigen anderen Genossen, die

teilweise ebenfalls das Wasser lieben, eine besondere systematische

Stellung an[XXIII].

[XXIII] Die Larve unserer Art ist meines Wissens noch nicht bekannt,

die von _Parnus auriculatus_ fand Hh. Th. Beling in feuchter

Erde. S. Verh. d. Zool.-botan. Vereins in Wien 1882.

b) Cyphon-Larven.

Recht häufig trifft man schon zeitig im Frühjahr in Gräben mit

verwesenden Blättern in Gemeinschaft mit den Larven der Stechmücke eine

Käferlarve, die offenbar keiner der oben genannten Familien angehört.

Wie die Zucht des Tieres ergab, gehört sie zu einer Art der Gattung

_Cyphon_; die Käfer selbst halten sich gern auf Blättern in der Nähe

des Wassers auf. Die zarthäutige, dunkle Larve wird bis 1 _cm_ lang und

ist von oben nach unten stark zusammengedrückt; als gutes Kennzeichen

dient die für Larven ganz ungewöhnliche Länge der Fühler, welche bei

sehr zahlreichen Gliedern länger als die Hälfte des Körpers sind,

und der Mangel an Hinterleibsanhängen irgend welcher Art. Zur Atmung

kriecht die Larve zur Oberfläche; die beiden thätigen Luftlöcher liegen

auch hier am Körperende. Die Mundteile lassen sie als Pflanzenfresser

erkennen. Zur Verpuppung geht auch sie an das Ufer. Die Larve einer

andern Art, die sich durch lichte Färbung von der obigen unterscheidet,

fand ich im Juni besonders an den Blättern des Froschbiss.

c) Donacia-Larven und -Puppen.

Zum Schluss sei endlich der ganz eigenartigen biologischen Verhältnisse

wegen der Larven und Puppen der Schildkäfer (_Donacia_ und _Haemonia_)

gedacht. Die bleichen, bis 1½ _cm_ langen Larven leben im Schlamm an

den Wurzeln verschiedener Wasserpflanzen, der Seerosen, Igelkolben,

Schachtelhalme, so dass man ohne besonderes Suchen ihrer kaum gewahr

wird. Da sie ohne Tracheenkiemen oder eigentliche Kiemen und von

sehr träger Bewegung sind, da ferner ihre derbe Haut und Gestalt

den Gedanken an Hautatmung ausschliesst, so sind sie dem Beobachter

hinsichtlich ihrer Atmung zunächst ein Rätsel. Die Lösung der

Atemaufgabe ist bei ihnen so seltsam wie möglich: sie benutzen

die Luft, welche in den stets reich entwickelten Luftgängen von

Wasserwurzeln vorhanden ist. Ich habe mich bemüht[XXIV] den Nachweis

dafür zu führen, dass die Larven dazu die beiden sichelförmigen

braunen Anhänge am Ende des Hinterleibes benutzen, die nichts anderes

seien als eigentümlich einseitig über die Körperhaut verlängerte

Stigmenränder. Diese Anhänge werden, wie unmittelbare Beobachtung und

das Vorhandensein der entsprechenden paarigen Narben an den Wurzeln

ergab, in die Pflanze eingedrückt, durch den Druck des Pflanzengewebes

werden zwei Längsspalten an der Rückseite der Anhänge geöffnet und

nun die Luft eingesogen. Zur Ausatmung dürften die beiden kurzen

Stigmenöffnungen an der Basis der Anhänge dienen. Auch zur Nahrung

dienen den Larven, wenigstens denen von _D. crassipes_, die Wurzeln.

Zur Zeit, wenn die Verpuppung naht, fertigt die Larve ein elliptisches

Gehäuse, das der Wurzel angeklebt ist, beisst hier ein Loch in die

Wurzel, so dass die ausströmende Luft das Wasser aus dem Gehäuse

verdrängt, und schliesst nun völlig das Gehäuse, um so von Luft umgeben

der Umwandlung zur Puppe und zum Käfer entgegenzugehen. Diese Gehäuse

trifft man an Wurzeln und Rhizomen ungleich häufiger als die Larven,

welche leicht beim Herausziehen der Wurzel abgestreift werden. Im

Gehäuse ist dann entweder noch die Larve, oder schon die Puppe, nicht

selten auch der meist farbenprächtige Käfer vorhanden. Frisst sich

endlich der Käfer durch das Gehäuse durch, so steigt er infolge der

Luftschicht, welche seiner kurzseidenhaarigen Unterseite anhaftet,

an die Oberfläche. Man trifft ihn nicht selten beim Fischen zwischen

den Blättern und Binsen der Oberfläche an. Die Eier werden an den

Blättern bestimmter Pflanzenarten abgelegt. _Donacia crassipes_ benutzt

die Blätter der Seerose und zwar werden die Blätter an einer Stelle

durchbissen und die Eier in zwei Bogenreihen auf der Unterseite neben

diesem Loch angeklebt.

[XXIV] S. Berliner entomologische Zeitschrift Bd. XXXI, S. 325–334,

und Bd. XXXIII, S. 299–308.

Die Zweiflügler[2].

Durch die Zartheit und Ungeschütztheit der Flügel sind die Zweiflügler

selbst, d. h. die Mücken und Fliegen, von dem Leben im Wasser[XXV] so

gut wie völlig ausgeschlossen; von den Larven und Puppen derselben

aber lebt eine recht erkleckliche Anzahl im Wasser, und diese Zahl

wächst besonders noch an, wenn dabei auch diejenigen Fliegenlarven

mitgerechnet werden, welche sich in Lachen kleinsten Umfangs aufhalten

und halb ein Wasser-, halb ein Luftleben führen. Von den letzteren soll

im folgenden ganz abgesehen werden; auch dann werden wir noch gezwungen

sein, uns auf die häufigeren und typischen Formen zu beschränken.

[XXV] Der Dipteren, welche +auf+ dem Wasser angetroffen werden, wurde

schon oben beim Taumelkäfer kurz gedacht. Eine winzige Mücke,

_Clunio adriaticus_, lebt seltsamerweise nach +v. Frauenfeld+

bei Triest unter dem Meeresspiegel an Miesmuscheln.

Vorweg sei der +Merkmale+ gedacht, an denen wir Larven des Wassers als

+Dipteren-Larven+ zu erkennen vermögen.

Zunächst fehlen ihnen stets echte, d. h. gegliederte Beine, die sonst

bei allen Insektenlarven des Wassers vorhanden sind. Bei einigen

Gattungen der Mücken (z. B. _Chironomus_, _Tanypus_, _Simulia_) kommen

zwar sogenannte falsche Beine vor, nämlich solche, die ungegliedert und

mit einer Gruppe von Haken versehen sind, aber selbst abgesehen von

diesem Unterschied der Bildung lässt schon die Stellung derselben, ein

Paar am ersten Brustring und meist ein Paar am +Hinterleibsende+, eine

Verwechselung dieser Larven mit denen anderer Ordnungen nicht zu. Da

die Verwandlung der Zweiflügler wie die der Käfer eine +vollkommene+

ist, also den Larven jede Spur von +Flügelansätzen+ fehlt und auch

oft der Kopf wenig deutlich ist, so haben manche von ihnen ein recht

wurmähnliches Aussehen. Im Zweifelfalle wird stets der Besitz von

Tracheen oder von einem chitinösen Kopfskelett mit Kiefern oder von

einer Schlundkapsel mit Chitinhaken die Dipteren-Larve kenntlich machen.

[Illustration: Fig. 7.

9 Puppe von _Culex pipiens_ -- 10 Larve von _Mochlonyx culiciformis_

-- 11 Larve von _Dixa amphibia_. _a_ Luftlöcher -- 12 Larve von

_Chironomus plumosus_. _f__{1}, _f__{2} Die beiden Paare fussartiger

Fortsätze mit zahlreichen Chitinhaken -- _a_ Schlauchförmige Anhänge

-- _r_ Rektaldrüsen -- 13 Puppe von _Simulia ornata_ -- 14 Larve von

_Stratiomys spec._ 10, 11, 12, 13 nach Meinert -- 9 nach E. Köhne -- 14

nach der Natur.]

Unter den Dipteren-Larven des Wassers nimmt fraglos die Gruppe der

„+Eucephalen+“ (Fig. 7, 9–13), d. h. derjenigen, welche einen

deutlichen Kopf mit Fühlern, Augen und ordentlichen Kiefern besitzen,

und für welche die Larve der gemeinen Stechmücke ein gutes Beispiel

ist, den ersten Rang ein. Ihnen werde ich die mit fadenförmigen

Tracheenkiemen versehene Schnakenlarve (_Phalacrocera replicata_)

anschliessen. Die nächst wichtige Gruppe bilden die Larven der

+Waffenfliegen+ (Fig. 7, 14), gekennzeichnet durch den einziehbaren,

unansehnlichen Kopfteil, durch die deutliche Gliederung des Körpers und

den Kranz von Atemhaaren am Ende des Hinterleibes. An letzter Stelle

werde ich endlich die Larven der Schwebfliegengattung _Eristalis_

anzuführen haben, denen ein Kopfabschnitt fehlt, deren Körpergliederung

wenig deutlich ist und die mit einem fernrohrartig einziehbaren

Atemanhang versehen sind.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Zweiter Band. · 第 25 / 60 题