2. Schwimmkäfer (Dytisciden).

Ungleich reicher an Arten als die nur in zwei Gattungen mit zwölf Arten

vertretenen Taumelkäfer ist die Schar der eigentlichen Schwimmkäfer

(Dytisciden). Unter den im Wasser lebenden Käfern sind sie schon

durch die fadenförmigen, auch im Wasser stets frei getragenen Fühler

gekennzeichnet. Nahezu 150 deutsche Arten werden unterschieden, für die

zwölf Gattungen aufgestellt worden sind. Die ansehnlichsten Vertreter

unserer Familie sind die Arten der Gattung _Dytiscus_ und _Cybister_

(über 2½ _cm_ gross); unter ihnen wieder ist wohl der Gelbrand,

_Dytiscus marginalis_, diejenige Art, welcher man am häufigsten

begegnet[XV].

[XV] Im Netz gebärdet er sich gewöhnlich sehr unruhig; fasst man ihn,

so sucht er sich durch Entleerung seines Unrats und einer

milchigen Flüssigkeit, die dem Vorderbrustring entquillt, zu

befreien.

Der Gelbrand hält sich wie alle seine Familiengenossen, sofern er nicht

fliegend das bisher bewohnte Gewässer mit einem anderen vertauscht,

nur +in+, nie +auf+ dem Wasser auf, dort seinem räuberischen Treiben

nachgehend. In nicht zu langen Zwischenräumen muss er jedoch, um zu

atmen, an die Oberfläche kommen. Die Hauptmenge der Atemöffnungen liegt

aber an der Rückseite des Hinterleibes unter den Flügeln und daher

steckt der Käfer, das Kopfende schräg nach unten haltend, nur das Ende

des Hinterleibes heraus und lüftet dabei ein wenig die Flügeldecken.

Bei der geringsten Beunruhigung fährt er sofort in die Tiefe.

Eine schnelle Erledigung des in dieser Lage offenbar gefährlichen

Atemgeschäftes wird nun ermöglicht durch ungewöhnlich grosse, mit

vollkommenen Schutzvorrichtungen gegen Staub versehene Luftlöcher;

besonders die dem Körperende näheren sind im Gegensatz zu dem bei

Landkäfern üblichen Verhalten durch Grösse ausgezeichnet. Sind sie es

doch auch, welche hier zunächst in Anspruch genommen werden. Durch die

Luft, welche sich in den Tracheen und unter den Flügeln befindet, wird

übrigens der Körper im Verhältnis zu seinem Rauminhalt so leicht, dass

der Käfer infolgedessen im Wasser emporsteigt und also sich anstrengen

muss, nicht wenn er +zur+ Oberfläche will, sondern umgekehrt, wenn er

+zur Tiefe+ hinab will. Den Weg dahin nimmt er meist nicht in einfach

senkrechter Richtung, sondern fast immer etwas schräg; er benutzt

so den Widerstand, welchen seine breite Gestalt der Wirkung des

Auftriebes entgegenstellt, wie der Arbeiter, welcher das Fass nicht

einfach hebt, sondern auf der Schrotleiter emporrollt.

Einer bemerkenswerten, auf die Atmung bezüglichen Beobachtung sei

hier noch gedacht, die ich zuerst bei _Cybister Roeselii_ machte: die

Haut der Bauchseite dieses Käfers ist so durchsichtig, dass an dem

auf den Rücken gelegten Tier die Luftröhren, besonders die stärkeren,

querverlaufenden Stämme unter den Ringen des Hinterleibes und eine

grosse Tracheenblase der Brust deutlich zu erkennen sind. An ihnen

kann man nun ohne Schwierigkeit wahrnehmen, wie zum Auspressen und

Wiedereinsaugen der Luft ihre Wandungen abwechselnd zusammen und

wieder aus einander gehen. Das erstere geschieht infolge besonderen

Muskeldruckes, das Öffnen dagegen infolge der Spannkraft der

Luftröhrenwände.

Zum Schwimmen benutzt der Gelbrand fast nur die Hinterbeine, deren

Schienen und Fussglieder mit Schwimmhaaren versehen sind, und zwar

beim Männchen mit zwei Reihen, beim Weibchen mit einer. Wie ein

geschulter Schwimmer bewegt der Käfer die in ihren Fussgliedern nach

oben gekrümmten Beine dieses Paares stets gleichzeitig. Von auffälliger

Grösse sind wiederum die +fest mit dem Körper verwachsenen+ Hüften,

die bei der ersten Betrachtung ein Teil der Brust zu sein scheinen;

eigenartig ist die Befestigung der übrigen Beinteile daran, nämlich

derart, dass den Schenkeln und Schienen nur die Bewegung von vorn

nach hinten möglich ist. Die Mittelbeine sind zwar auch mit einigen

Schwimmborsten versehen, ihre Bedeutung beim Schwimmen besteht aber

nur darin, dass sie mithelfen, wenn nötig, die Richtung des Körpers

zu ändern. Ihre Hüften sind klein, kugelig, die ganze Mittelbrust ist

an der Unterseite von der Hinterbrust fast verdrängt, so dass dadurch

die Unterseite des Käfers ein charakteristisches Gepräge erhält. Dass

die geringe Ausbildung der Mittelbrust in Beziehung steht zu ihrer

geringen Muskelmasse und diese wieder zu der geringen Inanspruchnahme

der Mittelbeine, braucht hier wohl nur angedeutet zu werden. Die

Vorderbeine sind fast ganz in den Dienst des Mundes getreten; sie

halten die Beute und führen sie dem Munde zu. In sprechender Weise

kommt die Arbeitsteilung unter den Beinen zum Ausdruck, wenn man dem

Tier etwa einen Regenwurm bietet. Mit den Vorderbeinen ihn haltend,

schwimmt der Käfer mit den Hinterbeinen einem Ruhepunkte zu, wobei

die Mittelbeine die oben angegebene Nebenrolle spielen; angelangt,

hält er sich mit den Mittelbeinen fest, während die Hinterbeine in

einer eigentümlich gekrümmten Haltung stehen und die Vorderbeine den

Mundteilen Handlangerdienste leisten. Der Unterschied in der Thätigkeit

der drei Beinpaare prägt sich auch in der Krallenbildung aus; nur an

den Hinterbeinen sind die Krallen in ziemlichem Grade verkümmert.

In Beziehung zum Schwimmen steht ferner offenbar die feste

Ineinanderfügung von Kopf, Brustschild (Halsschild) und den übrigen

Körperteilen, wobei besonders auch der Dorn an der Unterseite der

Vorderbrust, der sich in eine Rinne der Mittelbrust legt, zu beachten

ist, und ebenso die Verwachsung der ersten Bauchringe: Durch alle

diese Punkte wird erreicht, dass beim Schwimmen die Teile sich nicht

hin und her bewegen und dass keine unnötigen vorspringenden Teile die

Reibung erhöhen. Zum Durchschneiden des Wassers ist so der flache

Körper trefflich eingerichtet. Als Besonderheit bleibt endlich zu

erwähnen, dass beim Männchen die drei ersten Fussglieder der Mittel-

und Vorderbeine in ausgeprägter Weise zu Haftorganen umgebildet

sind; die der Vorderbeine bilden eine rundliche Scheibe, von deren

mit Saugnäpfchen versehenen Haaren sich besonders zwei durch Grösse

auszeichnen. Dass infolge der Elastizität der Wandung die einmal

angedrückten Teile eben nach dem Prinzip von Saugnäpfen ohne weiteres

Zuthun des Käfers haften, lehrt ein Versuch mit den toten Tieren.

Drückt man die feuchte Haftscheibe etwa an eine Glasplatte, so bleibt

nicht nur beim Aufheben dieser Platte der Käfer daran hängen, sondern

man kann auch noch einen zweiten und dritten an den ersten anhängen.

Die Weibchen anderseits zeigen einen eigentümlichen Dimorphismus,

insofern nämlich, als die eine Reihe derselben mit gefurchten, die

andere mit glatten Flügeldecken versehen ist.

Die Larven der Gattung _Dytiscus_ (Fig. 5, 2) sind im Frühjahr

in unseren stehenden Gewässern eine recht häufige Erscheinung.

Abgesehen von den Larven der Libellen, die wegen der bald entwickelten

Flügelansätze nicht mit Käferlarven verwechselt werden können, sind sie

wohl mit denen von _Cybister_ die grössten Insektenlarven des süssen

Wassers; erwachsen messen sie etwas über 5 _cm_. Als Schwimmkäferlarve

ist sie kenntlich durch die grossen sichelförmigen, auf der Innenseite

nicht gezähnten Oberkiefer, durch den Mangel einer eigentlichen

Mundöffnung, durch den platten Kopf, ferner durch die Zweizahl der

Krallen an den drei Brustfüssen und endlich durch die stärkere

Chitinisierung der Rückenseite -- nur der letzte Hinterleibsring

ist ringsum stärker chitinisiert[XVI]. Als unterscheidend für die

Larven unserer +Gattung+ wäre neben der Grösse hervorzuheben, dass

zwischen den vier längeren Fühlergliedern anscheinend je ein kürzeres

eingeschaltet ist, dass die beiden letzten Leibesringe seitlich mit

stärkeren Schwimmhaaren versehen sind und dass die beiden am Körperende

befindlichen Anhänge gross und stark befiedert sind.

[XVI] Vgl. dazu den Versuch einer Tabelle über die Kerflarven am Ende

dieses Aufsatzes.

Wie der Käfer muss die Larve zum Atmen an die Oberfläche kommen; die

beiden einzigen thätigen Luftlöcher[XVII] liegen am Ende des letzten

Ringes. Die beiden Körperanhänge flach auf dem Wasser ausbreitend,

hängt die Larve beim Atmen in S-förmiger Krümmung an der Oberfläche.

[XVII] Die sieben anderen Stigmenpaare des Hinterleibes und die beiden

Paare der Brust sind geschlossen und besonders an jüngeren

Tieren schwer wahrzunehmen; eine Bedeutung haben sie nur noch

bei den Häutungen der Larve, indem sie dann als Anheftepunkte

der alten Tracheen dienen, die aus den neugebildeten

herausgezogen werden müssen.

Wird sie beunruhigt, so schnellt sie sich durch einen kräftigen Schlag

des +Hinterleibes+ ein gut Stück in die Tiefe. Diese Zuhilfenahme des

Abdomens bei der Bewegung ist übrigens ein charakteristischer Zug

vieler Insektenlarven gegenüber dem entwickelten Tier. Schwimmt die

Larve ruhiger im Wasser umher, so benutzt sie dazu in gleichmässiger

Weise die drei mit Schwimmhaaren versehenen Beinpaare, die Beine

desselben Paares aber meist nicht wie der Käfer gleichzeitig bewegend.

Die Larve führt ein ausgesprochen räuberisches Leben, dabei frisst sie

ihre Beute nicht, sondern saugt derselben die Säfte aus; besonders

oft habe ich sie so Kaulquappen aussaugend beobachtet. Wie schon oben

erwähnt, fehlt eine eigentliche Mundöffnung; aber die Oberkiefer haben

auf der Innenseite eine durch Ineinandergreifen der Ränder geschlossene

Rinne, welche nach der Spitze zu offen ist und nach dem Grunde zu in

den Verdauungskanal mündet. Will man die Larven zur Verpuppung bringen,

so darf man es nicht an Nahrung und einer Gelegenheit, an das Land zu

kommen, fehlen lassen.

Ist hier auch nicht der Ort, auf die Besonderheiten der anderen

Gattungen allgemeiner einzugehen, so möchte ich mir doch nicht

versagen, auf den einzigen, nicht eben häufigen Käfer unserer Familie

hinzuweisen, der bei Berührung Töne von sich giebt -- er benutzt dazu

die Flügeldecken und letzten Hinterleibsringe --, und der auch sonst

eine eigenartige Stellung in der Familie einnimmt: _Pelobius hermanni_,

und ferner auf die beiden Gattungen _Haliplus_ und _Cnemidotus_, deren

kleine Arten bei abweichender Hüftenbildung der Hinterbeine nicht

regelrecht schwimmen, sondern pudeln.

Zur Bestimmung der Käfer stehen zahlreiche Bücher zur Verfügung; die

Bestimmung der Larven bietet dagegen grosse Schwierigkeiten[1][XVIII]; ja

viele von ihnen sind erst durch die hervorragenden Arbeiten Schiödtes

bekannt geworden. Ich versuche hier noch einige der häufigeren,

wenigstens der um Berlin häufigeren Larven kenntlich zu machen.

[XVIII] Die Buchstaben verweisen auf die Litteratur am Schluss des

Aufsatzes.

Leicht zu kennzeichnen ist die nicht seltene Larve von _Acilius

sulcatus_ (Fig. 5, 3), die erwachsen etwa 3 _cm_ misst. Der erste

Brustring ist etwa dreimal so lang als in der Mitte breit; die

mittleren Hinterleibsringe sind stark verbreitert, die beiden letzten

Ringe seitlich mit Schwimmhaaren versehen, die beiden Anhänge dagegen

unbewimpert. Der Kopf ist durch schwarze Flecke in der Mitte und an den

Seiten ausgezeichnet; die Fühler haben auch hier abwechselnd längere

und kürzere Glieder. Die ersten Jugendstadien der Larve sind übrigens

fast ganz schwarz.

Gewissermassen ein Gegenstück zu der Larve von _Acilius_ bildet die

bis 2.2 _cm_ lange Larve von _Colymbetes fuscus_. Der erste Brustring

derselben ist nämlich 1½mal so breit als lang und breiter als die Mitte

des sich nach hinten verjüngenden Abdomen. Nur der letzte Ring trägt

einen seitlichen Haarbesatz, dagegen sind die beiden Schwanzanhänge

gleichmässig und beiderseitig bewimpert. Die Fühler sind einfach

viergliedrig. Sehr nahe schliessen sich hieran die Larven von _Agabus_

und _Ilybius_. Larven dieser Gruppe habe ich vielfach in einzelnen

Exemplaren auch überwinternd angetroffen.

Unter den kleineren, d. h. bis 1 _cm_ grossen Larven ist die von

_Hyphydrus ovatus_ (Fig. 5, 4) durch die lange, schmale, schnabelartige

Verlängerung des Kopfes nach vorn auffällig. Das Körperende läuft in

drei Anhänge bez. Fortsätze aus, von denen der mittlere haarlos ist.

Einen ähnlichen, aber weit kürzeren und breiteren Stirnfortsatz

besitzen die noch kleineren Larven von _Hydroporus parallelogrammus_.

Endlich erwähne ich wegen ihrer Eigenart die kleinen Larven von

_Cnemidotus_, die an Brust und Hinterleib mit fadenförmigen,

gegliederten Tracheenkiemen versehen sind und wie die von _Haliplus_

nur je eine Kralle an den Beinen besitzen, und die nach Schiödte mit

wahren, d. h. bluterfüllten Kiemen ausgestatteten Larven von _Pelobius_.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Zweiter Band. · 第 23 / 60 题