Beide schwiegen. -- --

»Exzellenz werden sich gewundert haben,« begann der Offizier aufs

neue, »daß ich seit dem vorigen Herbst so viel im Bühlerschen Hause

verkehre. Ich könnte ja mancherlei Gründe dafür angeben, vor allem

die Kambachsche Gastfreundschaft und den Zauber echter Weiblichkeit,

welche es traulich machen. Wir Junggesellen sehnen uns immer wieder

nach derartigem Anschluß, wenn wir es auch nicht aussprechen.« Er fuhr

mit der Hand über die Stirne, als wollte er einen Schatten bannen.

»Trotzdem -- der Grund liegt tiefer. Ich rede sonst natürlich nicht

davon, aber vor Ew. Exzellenz mache ich kein Hehl daraus: ich kann

es nicht mit ansehen, daß die Tochter eines alten edlen Geschlechtes

zugrunde gerichtet wird, daß eine Kambach ...« er atmete schwer,

»Exzellenz wollen mir das übrige ersparen!«

In tiefer Bewegung sah die alte Frau ihn an. Wie anders hätte das

arme Kind es an der Seite dieses treuen zuverlässigen Mannes haben

können -- aber Ilse hatte sich durch Äußerlichkeiten und schöne Worte

betören lassen. Nun war es zu spät, und die ritterliche Treue, die ihre

Schwelle bewachte, vermochte die junge Frau kaum vor dem Äußersten zu

schützen.

Die Tränen traten ihr in die Augen.

»Also ein getreuer Eckart?« sagte sie leise.

Er schien ihre Gedanken nicht zu ahnen.

»Hätt' ich's sein können!« rief er leidenschaftlich, »aber es ist

wirklich ein wahres Wort, daß die Sünde im Finstern schleicht. Glauben

Ew. Exzellenz, daß es mir bis jetzt, während Gräfin Bühlers bald

vierwöchentlicher Abwesenheit, gelungen ist, dahinterzukommen, wie die

Dinge stehen? Den Burschen kann ich doch schließlich nicht fragen! Es

ist zum Tollwerden! Die Sache liegt auf der Hand, nur der letzte Beweis

fehlt. Die Angst um die Gräfin läßt mich nicht mehr los! Darum kam ich

her! Es lag mir am nächsten, Ew. Exzellenz meine Sorgen mitzuteilen.

Herr von Kambach hat mich niemals nach seinem Schwiegersohn gefragt, --

ich darf mich ihm nicht aufdrängen. Aber vielleicht könnte doch durch

eine Warnung das Ärgste verhütet werden! Stellen Ew. Exzellenz sich

vor, was eine unvorhergesehene Begegnung für die zarte Frau, die meines

Erachtens trotz allem, was ihre Ehe trübt, an derartiges nicht denkt,

bedeuten würde!«

Sie hatte ihn während der letzten Worte sprachlos angesehen. »Also, Sie

glauben wirklich ...?«

»Ich glaube alles,« erwiderte er mit zusammengezogenen Brauen.

Wieder saßen sie schweigend.

»Und Harro?« fragte dann die Greisin.

»Harro?« Seine Züge klärten sich auf. »Ich habe ihn ja seit seinem

Kommando zum Luftschifferbataillon kaum gesehen. Aber er beginnt doch,

wie es scheint, die Folgerungen des Lebens zu ziehen. Er ist ja trotz

seiner leichten Ader nicht schlecht veranlagt. Vor allem ist ihm die

geschwisterliche Liebe zu Hilfe gekommen. Der Grundstein, den das

Elternhaus legt, wird so leicht nicht zertrümmert, Exzellenz! Ich habe

ihn im Herbst in heller Empörung gesehen, als Bühler zum erstenmal in

seiner Gegenwart ungezogen gegen die Gräfin wurde, -- na, und was dann

alles folgte, wissen Exzellenz ja! -- Im übrigen hoffe ich, daß Harros

Ehe einen guten Einfluß auf ihn ausüben wird. Gräfin Sibylle ist wie

geschaffen zur Führerin einer solchen Natur. Sie wird ihn, ohne daß er

und andere es merken, in kluger und taktvoller Weise beeinflussen, --

sie tut es jetzt schon. Er ist schon viel zuverlässiger und ernster

geworden. Es scheint wirklich, als begänne sein Leben eine andere

Richtung zu bekommen. Wollen Exzellenz mir glauben, daß er kürzlich vor

einigen Kameraden unseren Bund durch dick und dünn verteidigte -- trotz

seiner noch immer recht freien Weltanschauung. Seine Auffassung von der

Sache war natürlich unklar. Aber der mühevolle, kein Opfer scheuende

Kampf um ein versinkendes Volk hat auf ihn einen derartigen Eindruck

gemacht, daß er mit seiner Person dafür eintrat. Natürlich kamen die

anderen, zumal die Spötter, auf ihre Rechnung. Als aber ein Neuling

›Hoch, Brandenburgs Rose!‹ dazwischenrief, da hätten Ew. Exzellenz

unsere jungen Offiziere sehen sollen! Und Kambach war natürlich fein

heraus! -- Doch ich wollte das nur anführen!«

Wenn ich die Sonne grüße ... · 第 88 / 114 题