Vor dem Schulhaus lauerte Apollonius Siebengeist dem Lehrer auf, und
unbeschreiblich war sein Zorn, als Philipp Unruh sein Versäumnis
eingestand. Er schrie, daß man ihn betrogen und verraten habe. Er sagte
Schulmeisterlein, und das in einem Ton, der beleidigend wirkte.
Schließlich aber umarmte er den Geschmähten und sagte, daß er ihm danke,
denn er liebe seine Zweifel mehr als jene Gewißheit, vor der ihm bangte.
Doch wurde sein Wissensdurst noch in der selben Nacht gelöscht. Er
suchte die Wirtschaft zum lustigen Pfeifer auf, wo als letzter Gast ein
abenteuerlich aussehender Jüngling am Ofen saß. Es war der Komiker des
Theaters, wie sich aus einem rasch begonnenen Gespräch ergab. Wie alle
Komiker von Beruf war auch dieser nichts weniger als komisch, sondern
litt an einer bösartigen Dürre des Witzes, die ihm ein gramvolles und
verruchtes Aussehen gab. Siebengeist ließ eine ansehnliche Schar von
Flaschen aufmarschieren, denn bis zur Polizeistunde war es noch weit.
Der Jüngling erzählte bald von Myra, und es zeigte sich, daß seine
Sprache einen Klang ins Böhmische hatte, welcher nicht so sehr die
Verständlichkeit als musikalische Wirkungen förderte.
Wiederum stand der Mond in klarer Höhe, als Siebengeist heimwärts
kehrte, aber nicht mehr als »sein Feind«. Es herrschte in den Gassen
eine Stille, für deren Süßigkeit und Lockung es nicht Worte noch
Gedanken gab. Was da zwischen den Häusern zog und ruhte, war wie
blaugrünes, zartes Gespinst, Mondrauch; der Schnee glänzte kalt wie
weißer Atlas. Eine Nacht für Myra; wenn sie auch litt, er wußte doch
wofür und Wahrheit mußte es sei. Trübe Dinge, die ein Komiker erzählt,
sind wahr. Sie hatte kein Wanderleben geführt. Die Mutter hatte als
Witwe in einer kleinen thüringischen Stadt gelebt, wohin Schmalichs
Wandertruppe kam. Lebenslustig und unzufrieden, durch Romanlektüre
verdorben und unerfahren, hatte sich die noch junge Frau dem jungen
Liebhaber der Schmiere an den Hals geworfen, wollte mit ihm ziehen, der
»Kunst« ein Opfer bringen. Und Myra folgte von Ort zu Ort und wurde erst
stutzig, als die Mutter im Theater mitzuspielen begann; von da an mußte
sie in Wirrheit und Fährlichkeit gerissen worden sein. Der Mutter
schwärmerisch zugetan, merkte sie nicht deren wachsende Kälte, spürte
zuletzt nicht ihren Haß. Myras Mutter, so sagte der Komiker, war
eifersüchtig auf die Tochter, und diese Eifersucht durchtränkte ihre
Handlungen bis in den feindseligen Ton eines bloßen Grußes. Myra wußte
nicht, wie ihr geschah. Ahnungslos wie bisher folgte sie an der Seite
ihrer Mutter dem Wanderleben der Komödianten. Und in Bamberg war sie
eines Tages allein, lag sie verlassen in einem armseligen Gasthof und
las die dürftigen Abschiedsworte der Mutter. Man erinnerte sich bei der
Truppe, sie ohnmächtig im Zimmer des Direktors gesehen zu haben. Sie
hatte nicht Geld noch Kleider noch Freunde, nichts, als was sie sich
selbst sein konnte. Man erinnerte sich des Tags, an dem sie zum
erstenmal im Schauspiel aufgetreten war, ein Gegenstand des Hohns für
die genialen Kollegen trotz der stummen Rolle. Aber Herrn Schmalichs
Ansicht war, daß ein reisendes Theater hübsche Frauenzimmer brauche, und
daß man auch das leidendste Gesicht in ein lustiges umschminken könne.
Man hatte Myra niemals anders gesehen, als sie heute war, und heute
schon war es, als trüge sie das Bild kommenden Unheils im Herzen.
Solchen Augen kann kein Gewordensein die Furcht vor dem Werdenden
nehmen. Zwischen Lügen, Schmutz, falscher Heiterkeit und wirklicher
Armut lebte sie vielleicht gleichmütig, vielleicht abwartend hin, und
Siebengeist sah sich schon als den, welcher erwartet wurde. Zu früh
erschien ihm ein Geheimnis gelüftet, das ihm beim Wein offenbart worden.
Zu früh nahm er das Geschehene als vergangen, ließ er seiner Hoffnung
freien Lauf. Und zwischen ihm und dem andern Einsamen im Schulhaus spann
die Nacht die gleichen Fäden der gleichen Gefühle und trieb irgendwo das
Verhängnis aus einem abgelegenen Grunde hervor, daß es weiter weben
möge, was sie spielerisch begonnen.
Zu Philipp Unruh kam am Morgen der Schulrat. Es handelte sich um eine
gewichtige Beschuldigung. Die seltsamen Reden aus der Geschichtsstunde
waren beunruhigend zu den Ohren der Schulbehörde gedrungen. Der Herr
Schulrat hatte ein Bläschen auf der Nase und außerdem ein Horn auf der
Stirn, da er sich im Traum am Bettpfosten verwundet hatte. Beide
Verunzierungen jedoch gaben seinem Gesicht einen erhöhten Ausdruck der
Amtsgewalt, als könne einzig ein Schulrat darüber entscheiden, ob
Ungerechtigkeit auf dem Thron der Welt residiere. Der Lehrer war
erstaunt. Er wußte sich seiner Worte kaum zu erinnern, und als er
vernahm, was er selber gesagt, fand er es so widersinnig und
abgeschmackt, daß er beredter und liebenswürdiger als je den Mann mit
Bläschen und Horn vollständig beruhigte. Seiner Leidenschaft für Bücher
entsann er sich wie der sonderbaren Torheit eines andern; der Verlust
der Kiste kam einem gewöhnlichen Unfall gleich. Die Leute, die ihm
begegneten, hatten andere Gesichter, andere Bewegungen, andere Worte als
sonst. Die Kinder im Schulzimmer waren nicht mehr so sehr Gegenstände,
an denen der Stundenplan erledigt werden mußte. Ihre Augen waren
belebt, ihr Ungehorsam schien liebenswürdiger, ihre Unwissenheit
begreiflich, ihre Ungeduld gegen das Stillesitzen des Nachdenkens wert.
Als er mittags an der Apotheke vorbeiging, sah er drinnen Siebengeist
allein, und er trat ein. Der Provisor war mit leidenschaftlichen
Gebärden beschäftigt, in einer kolbenartigen Schüssel eine dicke,
weißliche Masse zu zerreiben. Philipp Unruh setzte sich auf die
geschnitzte Bank und entschuldigte sein Betragen vom gestrigen Abend.
Der Provisor lachte, schalt ihn einen kreuzverkehrten Bruder, machte die
lustigsten Grimassen, während er aus Leibeskräften zu reiben fortfuhr.
Plötzlich verdüsterte sich sein Wesen, und er erzählte andeutend und
abgerissen einiges von dem, was er über Myra erfahren hatte. Es schien,
als verlangte ihn selbst nach Rat und Klarheit, doch der Lehrer konnte
nicht Einblick gewinnen in das Wirrsal der Erzählung. Er schwieg
beharrlich, wünschte, nichts gehört zu haben, und Siebengeist fing
wieder an, gesichterschneidend seine Salbe zu reiben. Plötzlich beugte
er sich zu Unruh herab, flüsterte, den Mund nahe dessen Ohr und den Arm
gegen eine Tür im dunkelsten Hintergrund ausstreckend. »Es steht eine
dort auf der Schwelle und lauscht. Bin ich jemand verschuldet, der mir
die Taschen mit Geschenken vollstopft? Ich nahm von jeder Dirne im Haus,
wie es die Nacht gewollt. Darf man sich darum an meine Schuhe klammern
und meine Kraft verringern, das zu erobern, woran mein Leben hängt?
Wohlgemerkt, nicht jedes Spänchen Holz macht eine warme Stube!« Er hatte
den Lehrer unter den Arm gefaßt und den Verschüchterten scheinbar
absichtslos in die Ecke geführt. Nun riß er die Türe auf und sagte die
letzten Worte laut, fast schreiend. Vor den beiden stand die Baronin,
zitternd, linnenweiß im Gesicht und blickte gemartert den Flurgang
hinab gegen die Straße. Siebengeist lachte und schlug die Türe wieder
zu.
Es kam nun so viel Schwüles, Überraschendes und Neues, daß die Zeit
gewissermaßen ihre Abgemessenheit verlor. Ein Umhertaumeln zwischen
Wissen und Erraten, zwischen Angst und Mut, zwischen Fülle und
Entbehrung, ein Atmen in zitternder Luft, Reden ohne Besinnung, Träumen
ohne Schlaf, Bilder, die vom Sturm vorbeigejagt und manche doch
dauernder als Stein.
Philipp Unruh saß in der kleinen Schankstube des fränkischen Hofs. Es
war wieder kalt geworden, und die Scheiben zeigten Eisfiguren, trotzdem
die Sonne vom blauen Himmel schien. Der Wirt und ein Viehhändler aus
Nördlingen saßen kartenspielend beim eisernen Öfchen. Aber das Geknister
des lustigen Feuers wurde bald übertönt von zornigen und heiseren
Männerstimmen aus dem Theatersaal. Es ist eine Schauspielprobe, dachte
der Lehrer, jedoch trat alsbald der Bonvivant aus dem Theater in die
Schankstube, verlangte grimmig einen Krug Bier und erzählte grimmig in
demselben Atem, daß die sentimentale Liebhaberin sich weigere, dem
Kritiker ihren Verehrungsbesuch abzustatten. Dergleichen sei noch nicht
dagewesen, so lange man Komödie spiele zwischen Himmel und Erde, und sei
um so abscheulicher, als der Doktor Maspero ein charmanter Herr sei,
welcher vortrefflichen Schnaps vorzusetzen wisse. Der Wirt hieb mit
Geräusch die Trumpf-Aß auf den Tisch; der Viehhändler schielte den
Schauspieler bösartig an. Im Saale war es still geworden, und auf einmal
kam Myra heraus. Philipp Unruh schaute sie eine Sekunde lang mit
blinzelnden Augen an, sah dann feig in eine Ecke, und es schien ihm, als
sänken seine Schultern schwer gegen den Tisch. Das Mädchen hatte
purpurrote Wangen, doch ihre Stirne war bleich, ihr Blick leer,
unsicher, stechend, ihr Rücken ein wenig gekrümmt. Sie ging, als suche
sie einen Ausgang, und blieb dann stehen wie in eine Falle geraten. Herr
Schmalich kam hinter ihr her, und auf seinen Mienen drückte sich
Verlegenheit aus. Sie wandte sich gegen den Direktor und sagte leisen
Tones und mit erschreckender Schnelligkeit eine Reihe von Worten, welche
niemand verstehen konnte. Ihre Stimme wurde immer lauter, doch die Worte
verloren alle Artikulation. Aus dem Theaterraum kamen zwei dicke
Schauspielerinnen und der Heldenvater und spendeten lachend Beifall,
während der Wirt und sein Kartenkumpan aufgeregt näher traten. Jetzt
begann Myra selbst zu lachen, und zwar so, daß der Lehrer wie Einhalt
gebietend seine bebenden Arme gegen sie ausstreckte. Da stürzte sie auf
den Boden, und Schaum quoll von ihren Lippen. Alle waren stumm und blaß
geworden und rührten sich nicht. Philipp Unruh, der sich selbst und jede
Scheu vergaß, stürzte herzu, kniete auf den Boden, legte den Arm unter
ihren Hals, murmelte verstört vor sich hin und beugte suchend sein
Gesicht gegen das ihre.
Er konnte es niemals vergessen. Niemals die halbgeschlossenen und
halberloschenen Augen, ob haßerfüllt, ob dankbar, er wußte es nicht. Er
konnte die nahe Wärme ihres Körpers nicht vergessen, das verwirrte
schwarze Haar, das seine Schläfen streifte. Er empfand immerfort den
Druck ihres Nackens auf seinem Arm, den Hauch ihres Mundes neben seiner
Hand. Als er zitternd in der Schankstube kniete, voll Furcht, daß man
sie ihm raube, wollte er an kein Weiterleben denken, welches sich nur
die Erinnerung zum Besitz machen konnte.
Andere Dinge kamen. Ihr Name erfüllte die Luft bei allem, was geschah.
Der Apotheker schickte in mysteriöser Weise herüber, um Unruh holen zu
lassen. Als der Lehrer kam, schritt der blasse Baron in bedeutsamer
Gangart im Zimmer auf und ab, erklärte ganz ohne weiteres, daß der
künstlerische Geist im Ort gehoben werden müsse, daß er als Gemeinderat
bereits in solchem Sinn vorgegangen sei und eine gewisse Summe zur
Verfügung gestellt habe, um das treffliche Institut des Herrn Schmalich
für die Dauer des Winters zu subventionieren. Ja, dann käme ein neuer
Wind, ja, dann käme ein edles Feuer unter die lauen Gemüter. Er selbst
habe ein Theaterstück verfertigt; er wolle weiter nichts verraten, aber
es suche seinesgleichen. Darauf schob er an beiden Türen die Riegel vor,
lud seinen Gast ein, vor dem prachtvoll mit Wein und kalten Speisen
gedeckten Tisch Platz zu nehmen, rückte die Lampe zurecht und schlug
eine sehr dicke Handschrift auf. Dieses Drama aller Dramen beschäftigte
sich ausschließlich mit einer neuen und respektablen Idee, wie man die
Wälder vor gänzlicher Ausrottung schützen könne. Aber von alledem hörte
der Lehrer nur das eine, daß er nicht zu fürchten brauche, Myra heute
oder morgen entschwinden zu sehen, und er liebte dieses stundenlange
Trauerspiel, von welchem seine Hoffnungen sich lösten gleich farbigen
Abendwolken aus trübem Moor.
Tag und Nacht, Dunkelheit und Sonnenlicht wechselten nach anderen
Gesetzen als bisher, wie wenn der Wille, dem der Weltkreis untertan,
neue Erscheinungsformen erdacht hätte. Es waren sonderbare Empfindungen,
die Philipp Unruhs Herz bestürmten, als er, beim Biere sitzend, in
demselben Raum wie wenige Stunden vorher, Myra sich gegenüber sah. Drei
Schauspieler befanden sich bei ihr am Tisch, und sie lächelte wie
jemand, der alles mit Entschlossenheit abgeworfen hat, was ihn
belästigte. Doch war das Lächeln fremd und unerklärbar durch seine
Dauer und verursachte, daß man das eigentliche Gesicht nur wie durch
eine unendlich dünne Maske erkennen konnte. Die Wangen waren noch ebenso
rot, die Stirn noch ebenso bleich, der Hals noch ebenso vorgestreckt, so
daß der Rücken gekrümmt erschien. Die verkniffenen Augen blickten
mißtrauisch, listig, ziellos, bis plötzlich eine Art Schrecken in sie
geriet, der sie aufriß. Sie sah den Lehrer nicht, sah überhaupt nichts.
Später lachte sie über alles, was der Komiker sagte, und darnach
erhielten ihre Züge einen halb unwilligen, halb trostlosen Ausdruck.
Die Mutter Myras und der Galan kamen zurück. Sie hatten offenbar in der
Welt mehr Hunger als Vergnügen gefunden. Die ehedem wohlhabende Witwe
hatte schon alles verschleudert, was sie besessen. Mit der einen Hand
hatte sie Liebe gegeben, mit der andern Geld; dementsprechend war die
eine beschmutzt, die andere leer. Zwischen Trübsinn und überreizter
Laune verzehrte sich ihr Gemüt, und viele Stunden lang konnte sie damit
zubringen, sich zu schminken, zu putzen, zu verjüngen. Am ersten Tag
schon war es so, saß sie bis in den Nachmittag vor dem Spiegel, rechts
und links je zwei Kerzen, denn draußen war dicker Nebel. Dann kam der
Schauspieler, und Myra mußte gehen. Sie erhob sich vom Kaffeetisch und
ließ die volle Tasse unberührt. Der schlanke junge Mann, dessen Gesicht
etwas von einem Cäsaren und etwas von einem Schäferhund hatte, sah ihr
nach; er wußte genau, was sie bei ihm zurückließ, und sie, förmlich
verwundet von seinem Blick, ging die Gasse hinauf und traf Siebengeist
unter dem Turmbogen. Sie atmete schwer, hörte kaum die Worte ihres
Begleiters und bat, er möchte sie in den Wald führen. Sie wanderten also
gegen den Burgstall hinauf (so heißt der Wald), und es war, als
schritten sie durch feuchten, bleiernen, grauen Rauch, so dick und
lastend lag der Nebel. Siebengeist verstummte bald. Zufällig kam Philipp
Unruh von den Holzschuppen herüber und stand mit einem Mal vor dem
schweigenden Paar. Ihm war, als habe ihn ein Schuß getroffen, und es
rieselte ihm kalt durch Mark und Bein. Jählings deckten sich ihm
geheimnisvolle Beziehungen auf, die bisher gleichsam hinter Häusermauern
verborgen waren, und ein allgemeiner, aber stürmischer Menschenhaß
erwachte in seiner Seele. Doch wie es ihm aus Visionen vertraut war,
ging ihm Myra einen Schritt entgegen. Sie stand so nahe bei ihm, daß er
ein Schneeflöckchen auf ihren Wimpern gewahren konnte, welches langsam
zerschmolz. Schüchtern und freundlich sagte sie: »Sie sind gut gegen
mich gewesen, ich weiß es, ich danke Ihnen. Gehen Sie doch ein wenig mit
uns.« Er schaute zu Boden und lachte lautlos, stotterte zwei, drei
Worte. Dann schaute er vor allem den kindlich schönen Mund an, der dies
gesprochen, und ein unbezähmbarer Wunsch erwachte in ihm, der um sich
griff wie Feuer im dürren Buschwerk. Er wünschte, jenen Mund küssen zu
dürfen, nichts weiter; aber das versetzte sein Wesen in einen Taumel,
der ebenso nahe der Verzweiflung wie der Erfüllung war. Mehr als ein
Traum und eine äußerliche Begierde; mehr als das bloße Aufwachen zu
einem Wertbewußtsein; mehr als die Hoffnung auf ein mittelmäßiges Glück.
Es war der elementare Schmerz und Rausch des dumpfen Menschen, der mit
Raubtierkraft an Gittern rüttelt, deren Vorhandensein er nicht begreifen
will.
Myra hatte plötzlich das Verlangen, Schneeball zu werfen. Alle drei
nahmen auf einem freien Stück Feld vor dem Wald Aufstellung. Das junge
Mädchen war fröhlich bei der Sache, und der Lehrer sog ihr Wesen in sich
auf wie Lebensnahrung. Er sprach nicht, weder bei dem Spiel, noch bei
dem Waldgang später. Eine innige, überzeugende Gestalt wandelte an
seiner Seite. Er hörte ihre gepreßten Worte, die sie aus allen Winkeln
des Raums zusammenzusuchen schien, und die sie unsicher sprach mit
milder Stimme und bittender Gebärde. Er sah, wie sie schüchtern Fragen
stellte und schüchtern lächelte, wie sie über nichts in der Welt
genügende Klarheit erhielt und jeden anstaunte, der mit Sicherheit eine
Behauptung aufzustellen wußte; wie vieles ihr gefiel und wie viel sie
besitzen mochte und wie sie zugleich darüber unruhig war und die Fülle
ihres Wünschens als Vergehungen empfand; wie sie mit Sympathie umgeben
war wie der Erdball mit Luft und wie sie gleichwohl fürchtete, von
jedermann gehaßt zu sein: ein Wesen aus Fleisch und Blut, eine von
denen, die für das Glück geschaffen scheinen.