Als Platow dem Kaiser die Worte des Linksers hinterbrachte, spricht der
sogleich mit Freuden:
»Ich weiß, daß meine Russen mich nicht betrügen werden« -- und befahl,
den »Winzigschauer« auf einem Kissen zu reichen.
In einem Augenblick ward der >Winzigschauer< gebracht, und der Kaiser
nahm den Floh und legte ihn unter das Glas: zuerst mit dem Rücken nach
oben, dann mit der Seite, dann mit dem Bäuchelchen -- mit einem Worte,
man drehte ihn nach allen Seiten, sah aber garnichts. Der Kaiser verlor
aber auch da nicht seinen Glauben, er sagte nur:
»Man führe jenen Waffenschmied, der sich unten befindet, sogleich
hierher zu mir.«
Platow berichtet:
»Man müßte ihn umkleiden -- er ward genommen wie er war und ist jetzt
gar sehr in schlechtem Aussehen.«
Der Kaiser aber antwortet:
»Das tut nichts, man bringe ihn so, wie er ist.«
Platow spricht:
»Nun gehe jetzt selber, du, so und so, vor den Augen des Kaisers zu
antworten.«
Der Linkser aber sagt:
»Was ist denn dabei, ich werde gehen, und werde auch antworten!«
Er kommt so, wie er war: in abgetretenen Stiefeln, ein Hosenbein im
Stiefel, das andere baumelt herum, sein breiter Rock ist ältlich, die
Haken schließen nicht, sie fehlen sogar, und der Kragen ist zerrissen;
er geniert sich aber garnicht.
»Wie denn« -- denkt er -- »wenn es dem Zaren gefällig ist, mich zu sehen
-- so muß ich eben kommen; wenn ich aber kein >Tugament< habe -- so bin
ich daran unschuldig und werde erzählen, wie sich die Sache zutrug.«
Als der Linkser eintrat und sich verneigte, spricht der Kaiser sogleich
schon zu ihm:
»Was bedeutet das denn, Brüderchen, daß wir so und so zuschauten und den
Floh unter den >Winzigschauer< legten, aber nichts Bemerkenswertes
erschauten.«
Der Linkser aber antwortet:
»Haben Sie, Euer Majestät, denn richtig zu schauen geruht?«
Die Höflinge geben ihm ein Zeichen: »Du sprichst nicht so, wie 's sich
gehört!« Er aber versteht nicht, wie es nötig ist auf Höflingsart mit
Schmeichelei oder mit List, er antwortet vielmehr ganz einfach. Der
Kaiser spricht:
»Hört doch auf, ihn zu schulmeistern -- er soll antworten, wie er es
versteht.«
Und sogleich erklärte er ihm:
»Wir,« spricht er, »haben ihn so hingelegt« -- und er legte den Floh
unter den Winzigschauer. »Schau nur selber«; spricht er -- »es ist
nichts zu sehen.«
Der Linkser antwortet:
»Euer Majestät, so ist es auch gar nicht möglich, irgend etwas zu sehen,
weil nämlich unsere Arbeit gegenüber einem solchen Maßstab bei weitem
geheimnisvoller ist.«
Der Kaiser fragte:
»Wie soll man dann aber?«
»Man muß« -- spricht er -- »nur sein einzelnes Füßchen unter den ganzen
>Winzigschauer< führen und im einzelnen auf jedes Ferschen schauen,
womit er auftritt.«
»Erbarme dich, sag' einmal« -- spricht der Kaiser -- »dies ist schon
allzufein.«
»Aber was soll man denn machen« -- antwortet der Linkser -- »wenn man
nur so unsere Arbeit bemerken kann: dann wird sich auch das ganze
Staunen offenbaren.«
Sie legten den Floh so hin, wie der Linkser gesagt hatte, und als der
Kaiser nur eben in das obere Glas schaute, so strahlte er auch nur so --
er nahm den Linkser, so wie er war, unfrisiert und ungewaschen, voll
Staub -- umarmte ihn und küßte ihn, darauf aber wandte er sich an alle
Hofleute und sagte:
»Seht ihr, ich wußte besser als ihr alle, daß meine Russen nicht
versagen werden. Schaut bitte hin, die Schelme haben dem englischen Floh
Hufeisen angeschmiedet!«