XIII

Als Platow dem Kaiser die Worte des Linksers hinterbrachte, spricht der

sogleich mit Freuden:

»Ich weiß, daß meine Russen mich nicht betrügen werden« -- und befahl,

den »Winzigschauer« auf einem Kissen zu reichen.

In einem Augenblick ward der >Winzigschauer< gebracht, und der Kaiser

nahm den Floh und legte ihn unter das Glas: zuerst mit dem Rücken nach

oben, dann mit der Seite, dann mit dem Bäuchelchen -- mit einem Worte,

man drehte ihn nach allen Seiten, sah aber garnichts. Der Kaiser verlor

aber auch da nicht seinen Glauben, er sagte nur:

»Man führe jenen Waffenschmied, der sich unten befindet, sogleich

hierher zu mir.«

Platow berichtet:

»Man müßte ihn umkleiden -- er ward genommen wie er war und ist jetzt

gar sehr in schlechtem Aussehen.«

Der Kaiser aber antwortet:

»Das tut nichts, man bringe ihn so, wie er ist.«

Platow spricht:

»Nun gehe jetzt selber, du, so und so, vor den Augen des Kaisers zu

antworten.«

Der Linkser aber sagt:

»Was ist denn dabei, ich werde gehen, und werde auch antworten!«

Er kommt so, wie er war: in abgetretenen Stiefeln, ein Hosenbein im

Stiefel, das andere baumelt herum, sein breiter Rock ist ältlich, die

Haken schließen nicht, sie fehlen sogar, und der Kragen ist zerrissen;

er geniert sich aber garnicht.

»Wie denn« -- denkt er -- »wenn es dem Zaren gefällig ist, mich zu sehen

-- so muß ich eben kommen; wenn ich aber kein >Tugament< habe -- so bin

ich daran unschuldig und werde erzählen, wie sich die Sache zutrug.«

Als der Linkser eintrat und sich verneigte, spricht der Kaiser sogleich

schon zu ihm:

»Was bedeutet das denn, Brüderchen, daß wir so und so zuschauten und den

Floh unter den >Winzigschauer< legten, aber nichts Bemerkenswertes

erschauten.«

Der Linkser aber antwortet:

»Haben Sie, Euer Majestät, denn richtig zu schauen geruht?«

Die Höflinge geben ihm ein Zeichen: »Du sprichst nicht so, wie 's sich

gehört!« Er aber versteht nicht, wie es nötig ist auf Höflingsart mit

Schmeichelei oder mit List, er antwortet vielmehr ganz einfach. Der

Kaiser spricht:

»Hört doch auf, ihn zu schulmeistern -- er soll antworten, wie er es

versteht.«

Und sogleich erklärte er ihm:

»Wir,« spricht er, »haben ihn so hingelegt« -- und er legte den Floh

unter den Winzigschauer. »Schau nur selber«; spricht er -- »es ist

nichts zu sehen.«

Der Linkser antwortet:

»Euer Majestät, so ist es auch gar nicht möglich, irgend etwas zu sehen,

weil nämlich unsere Arbeit gegenüber einem solchen Maßstab bei weitem

geheimnisvoller ist.«

Der Kaiser fragte:

»Wie soll man dann aber?«

»Man muß« -- spricht er -- »nur sein einzelnes Füßchen unter den ganzen

>Winzigschauer< führen und im einzelnen auf jedes Ferschen schauen,

womit er auftritt.«

»Erbarme dich, sag' einmal« -- spricht der Kaiser -- »dies ist schon

allzufein.«

»Aber was soll man denn machen« -- antwortet der Linkser -- »wenn man

nur so unsere Arbeit bemerken kann: dann wird sich auch das ganze

Staunen offenbaren.«

Sie legten den Floh so hin, wie der Linkser gesagt hatte, und als der

Kaiser nur eben in das obere Glas schaute, so strahlte er auch nur so --

er nahm den Linkser, so wie er war, unfrisiert und ungewaschen, voll

Staub -- umarmte ihn und küßte ihn, darauf aber wandte er sich an alle

Hofleute und sagte:

»Seht ihr, ich wußte besser als ihr alle, daß meine Russen nicht

versagen werden. Schaut bitte hin, die Schelme haben dem englischen Floh

Hufeisen angeschmiedet!«

Eine Teufelsaustreibung, und andere Geschichten · 第 64 / 74 题