Der Pfarrer sagte wieder: »Ja, ja, ja.«

»Das wäre aber eigentlich Ihre Sache!«

»Was denn?«

»Uns ganz andere Stimmungen beizubringen ...«

»Ja.«

»Sie haben aber gar keinen Einfluß auf uns.«

»Unsinn!«

»Es ist kein Unsinn. Was sind Sie jetzt hergekommen? Viel notwendiger

braucht man jetzt einen Küster, damit er bei der Leiche die Psalmen

liest.«

»Wie steht es? Was sollen wir tun?« drangen die Offiziere in ihn. »Der

Oberst ist fort, und Sie sind aufgeregt und machen dem Pfarrer eine

Szene ... Würden wir denn auf ihn hören, wenn er uns bekehren wollte? ..

Wo ist der Pole? Weiß der Teufel, ob er das Geld überhaupt gehabt hat.

Was treibt er jetzt allein auf seinem Zimmer? Sagen Sie bitte, was Sie

beschlossen haben! Wer ist der Schuldige?«

»Der Teufel ist der Schuldige! Sonst gibt es keinen Schuldigen!«

antwortete der Rittmeister.

»Aber dieser Pole ...«

»Der Pole ist über jeden Verdacht erhaben ...«

»Wer hat Ihnen das eröffnet?«

»Wir selbst, meine Herren, wir selbst! Ich und unser Regimentskommandeur

bürgen für ihn. Wir behaupten nicht, daß er der ehrlichste Mensch ist,

wir sehen aber, daß er die Wahrheit spricht, daß er das Geld gehabt hat

und daß es verschwunden ist. Nur der Teufel allein kann es gestohlen

haben ... Daß das Geld tatsächlich vorhanden war, folgt schon daraus,

daß, als der Oberst, der jeden Skandal vermeiden möchte, ihm hier in

meiner Gegenwart die zwölftausend Rubel anbot, er auf sie verzichtete

...«

»Er verzichtete?«

»Ja, und noch mehr als das: er verpflichtete sich aus eigenem Antrieb,

keine Anzeige über den Verlust zu erstatten und keinem Menschen auch nur

ein Sterbenswort von dieser verfluchten Angelegenheit zu sagen. Kurz, er

benahm sich so korrekt, vornehm und feinfühlend, wie man es nur wünschen

kann.«

»Ja, ja, ja!« versetzte der Pfarrer.

»Der Oberst und ich gaben ihm im Namen aller das Wort, daß wir ihm unser

volles Vertrauen entgegenbringen und uns während eines ganzen Jahres als

seine Schuldner betrachten werden; wenn die Sache sich vor Ablauf dieses

Jahres nicht aufklärt und das Geld nicht zum Vorschein kommt, so

bezahlen wir ihm die zwölftausend Rubel, und er verpflichtet sich, sie

anzunehmen ...«

»Selbstverständlich nehmen wir diese Schuld auf uns und werden sie

gewissenhaft abzahlen«, fielen ihm die Offiziere ins Wort.

»Meine Herren«, fuhr der Rittmeister etwas leiser fort, »er ist aber

fest überzeugt, daß wir nichts zu zahlen brauchen werden; er behauptet,

daß das Geld sich finden wird. Er sagt das so bestimmt und mit solcher

Überzeugung, daß, wenn wahrhaftig der Glaube Berge versetzen kann, seine

Erwartung sicher in Erfüllung gehen muß. Ja, sie muß sich erfüllen, denn

sie ist mit Blut erkauft ... Er hat mit seinem Glauben auch mich und den

Kommandeur angesteckt. Er bat uns zwar, ihn zu durchsuchen, wir

verzichteten aber darauf ... Wenn Sie es aber wünschen, so können Sie es

noch nachholen; er sitzt in seinem Zimmer und erwartet Sie, Sie können

es tun. Ich stelle Ihnen aber eine Bedingung: alles muß unter uns

bleiben. Sie müssen sich dazu mit Ihrem Ehrenwort verpflichten.«

Wir gaben ihm das Ehrenwort, durchsuchten aber den Polen nicht. Wir

gingen nur alle zu ihm ins Zimmer und drückten ihm stumm die Hand.

Eine Teufelsaustreibung, und andere Geschichten · 第 31 / 74 题