XI

Ferapont stand nun vor dem Graben. Er schien aufs Höchste erregt,

handelte aber entschlossen und energisch. Ohne gegen den Befehl zu

mucksen, nahm er vom Schlitten den Strick, mit dem vorhin das Stroh

zusammengebunden war, und band ihn an das herausragende Ende des

Balkens, wo sich eine Einkerbung befand, fest. Das andere Ende des

Strickes nahm er in die Hand und begann langsam in den Graben zu

steigen.

Das schreckliche Gebrüll Sganarells hörte sofort auf, und man hörte nur

noch ein dumpfes Brummen.

Es klang, wie wenn sich das Tier bei seinem Freunde über die grausame

Behandlung beklagte; nun verstummte aber auch dieses Brummen, und es

wurde ganz still.

»Er umarmt und leckt Chraposchka!« meldete einer der Männer, die am

Grabenrande standen.

Unter den Leuten, die in den Schlitten saßen, holten die einen tief

Atem, und die andern verzogen das Gesicht.

Viele hatten offenbar mit dem Bären Mitleid und erwarteten von der

Hetzjagd kein Vergnügen mehr. Alle diese flüchtigen Eindrücke wurden

plötzlich von einem Ereignis unterbrochen, das noch unerwarteter, als

alles Vorhergehende und ungewöhnlich rührend war.

Aus der Öffnung des Grabens tauchte wie aus der Unterwelt Chraposchkas

lockiger Kopf in der runden Jägermütze auf. Er stieg auf die gleiche

Weise heraus, wie er hinuntergestiegen war; er schritt über den Balken,

sich an dem einen Ende des gespannten Strickes festhaltend, Ferapont kam

aber _nicht allein_: an seiner Seite war Sganarell, der ihm seine große

zottige Tatze auf die Schulter gelegt hatte. Der Bär war übler Laune und

sah recht jämmerlich aus. Matt und abgemagert, wohl weniger durch die

körperlichen Leiden, als durch die moralische Erschütterung erschöpft,

erinnerte er auffallend an König Lear. Seine blutunterlaufenen Augen

brannten vor Zorn und Empörung. Er war ebenso wie König Lear zerzaust,

voller Strohhalme und stellenweise versengt. Seltsamerweise hatte sich

Sganarell, ebenso wie jener unglückliche König, eine Art Krone bewahrt.

Vielleicht Ferapont zu Gefallen, vielleicht auch rein zufällig trug er

unter der Tatze den Hut, den ihm Chraposchka einst geschenkt und den er

in den Graben mitgenommen hatte. Der Bär hatte dieses Freundesgeschenk

aufbewahrt; als sein Herz nun in der Umarmung des Freundes eine

plötzliche Erleichterung fühlte, holte er, sobald er oben war, den arg

zerknitterten Hut aus der Achselhöhle hervor und setzte ihn sich auf.

Viele lachten über den Anblick, vielen erschien er aber auch

schmerzlich. Manche wandten sich sogar weg, um das unvermeidliche

grausame Ende des Tieres nicht mit ansehen zu müssen.

Eine Teufelsaustreibung, und andere Geschichten · 第 16 / 74 题