Ferapont stand nun vor dem Graben. Er schien aufs Höchste erregt,
handelte aber entschlossen und energisch. Ohne gegen den Befehl zu
mucksen, nahm er vom Schlitten den Strick, mit dem vorhin das Stroh
zusammengebunden war, und band ihn an das herausragende Ende des
Balkens, wo sich eine Einkerbung befand, fest. Das andere Ende des
Strickes nahm er in die Hand und begann langsam in den Graben zu
steigen.
Das schreckliche Gebrüll Sganarells hörte sofort auf, und man hörte nur
noch ein dumpfes Brummen.
Es klang, wie wenn sich das Tier bei seinem Freunde über die grausame
Behandlung beklagte; nun verstummte aber auch dieses Brummen, und es
wurde ganz still.
»Er umarmt und leckt Chraposchka!« meldete einer der Männer, die am
Grabenrande standen.
Unter den Leuten, die in den Schlitten saßen, holten die einen tief
Atem, und die andern verzogen das Gesicht.
Viele hatten offenbar mit dem Bären Mitleid und erwarteten von der
Hetzjagd kein Vergnügen mehr. Alle diese flüchtigen Eindrücke wurden
plötzlich von einem Ereignis unterbrochen, das noch unerwarteter, als
alles Vorhergehende und ungewöhnlich rührend war.
Aus der Öffnung des Grabens tauchte wie aus der Unterwelt Chraposchkas
lockiger Kopf in der runden Jägermütze auf. Er stieg auf die gleiche
Weise heraus, wie er hinuntergestiegen war; er schritt über den Balken,
sich an dem einen Ende des gespannten Strickes festhaltend, Ferapont kam
aber _nicht allein_: an seiner Seite war Sganarell, der ihm seine große
zottige Tatze auf die Schulter gelegt hatte. Der Bär war übler Laune und
sah recht jämmerlich aus. Matt und abgemagert, wohl weniger durch die
körperlichen Leiden, als durch die moralische Erschütterung erschöpft,
erinnerte er auffallend an König Lear. Seine blutunterlaufenen Augen
brannten vor Zorn und Empörung. Er war ebenso wie König Lear zerzaust,
voller Strohhalme und stellenweise versengt. Seltsamerweise hatte sich
Sganarell, ebenso wie jener unglückliche König, eine Art Krone bewahrt.
Vielleicht Ferapont zu Gefallen, vielleicht auch rein zufällig trug er
unter der Tatze den Hut, den ihm Chraposchka einst geschenkt und den er
in den Graben mitgenommen hatte. Der Bär hatte dieses Freundesgeschenk
aufbewahrt; als sein Herz nun in der Umarmung des Freundes eine
plötzliche Erleichterung fühlte, holte er, sobald er oben war, den arg
zerknitterten Hut aus der Achselhöhle hervor und setzte ihn sich auf.
Viele lachten über den Anblick, vielen erschien er aber auch
schmerzlich. Manche wandten sich sogar weg, um das unvermeidliche
grausame Ende des Tieres nicht mit ansehen zu müssen.