VIII

Annuschka teilte uns das alles mit, und wir gaben es unserem Hauslehrer

Kolberg weiter. Kolberg aber erzählte es dem Onkel, um ihn zu amüsieren.

Als der Onkel es hörte, sagte er: »Der Chraposchka ist gut!« und

klatschte dreimal in die Hände.

Das war das Signal für den alten französischen Kammerdiener Ustin

Petrowitsch, einen ehemaligen Kriegsgefangenen vom Jahre 1812.

Ustin Petrowitsch, oder eigentlich Justin, erschien in seinem

saubergebürsteten lila Frack mit silbernen Knöpfen, und mein Onkel gab

ihm den Befehl, daß man bei der bevorstehenden Bärenjagd als

Reserveschützen einen gewissen Flegont, der niemals sein Ziel verfehlte,

und Chrapon aufstellen solle.

Der Onkel erwartete sich offenbar vom Kampfe der widerstrebenden Gefühle

in der Seele des armen Burschen eine große Belustigung. Wenn es ihm

einfiele, auf den Bären entweder überhaupt nicht zu schießen oder ihn

absichtlich nicht zu treffen, so würde es ihm teuer zu stehen kommen;

Flegont würde aber das Tier mit dem zweiten Schuß sicher erlegen.

Ustin verbeugte sich und ging hinaus, um den Befehl weiterzugeben. Wir

Kinder sahen aber erst jetzt ein, was wir angestellt hatten, und

fühlten, daß etwas Schreckliches im Anzuge sei. Gott weiß, wie das enden

sollte. Unter diesen Umständen hatten wir weder an dem schmackhaften

Weihnachtsessen, das der Sitte gemäß spät abends eingenommen wurde, noch

an den vielen Gästen, die zum Teil mit ihren Kindern gekommen waren,

rechte Freude.

Sganarell und Ferapont taten uns leid, und wir wußten nicht, mit wem von

beiden wir mehr Mitleid hatten.

Wir beide, d. h. ich und mein kleiner Vetter, wälzten uns lange in

unseren Bettchen. Wir schliefen spät ein, träumten von dem Bären und

fuhren einigemal schreiend aus dem Schlafe. Und als die Kinderfrau

sagte, daß wir vor dem Bären keine Angst zu haben brauchten, weil er im

Graben sitze und morgen erschossen werden solle, wurde meine Unruhe noch

größer.

Ich erkundigte mich sogar bei der Alten, ob es erlaubt sei, für

Sganarell zu beten. Diese Frage lag aber außerhalb ihrer religiösen

Kompetenz, und sie antwortete, in einem fort gähnend und sich den Mund

bekreuzigend, daß sie es nicht sicher wisse, weil sie sich danach noch

niemals beim Geistlichen erkundigt habe; der Bär sei aber sicher ein

Geschöpf Gottes und habe sich auch in der Arche Noahs befunden.

Die Erwähnung der Arche Noahs brachte mich auf den Gedanken, daß die

grenzenlose Barmherzigkeit Gottes sich nicht nur auf die Menschen,

sondern auch auf alle andern Geschöpfe erstrecke. Ich kniete in

kindlicher Andacht in meinem Bettchen nieder, drückte mein Gesicht in

das Kissen und flehte Gottes Majestät an, mir meine Bitte nicht als

Sünde anzurechnen und Sganarell zu retten.

Eine Teufelsaustreibung, und andere Geschichten · 第 14 / 74 题