III.[5]

_Von den Seltsamkeiten des alten Malers Piero di Cosimo._[6] An der

Spitze von Friedrich Schlegels Lyzeumsfragmenten steht der merkwürdige

Satz: »Man nennt so viele Künstler, die eigentlich nur Kunstwerke der

Natur sind.« Knapp und kurz wird hier der [S:29] vieldeutige Begriff

eines »Kunstwerkes der Natur« eingeführt, und nur ganz obenhin sein

Gegensatz zu dem des Künstlers angedeutet. Die sorgliche Sparsamkeit der

Schlegelschen Fragmente, die so oft nur den reinen Begriff einführen,

ist hier schon genau ausgeprägt, der Fantasie des Lesers bleibt es

überlassen, nach einer bestimmten Deutung zu suchen. In jenem Teil

seines Werkes, der die »Seltsamkeiten« des Piero di Cosimo behandeln

will, machte Wackenroder bereits einen deutlichen Unterschied zwischen

Künstler und Kunstwerk der Natur. Es ist wohl möglich, daß Schlegel ihm

diesen Gedanken abborgte, erschienen doch die »Herzensergießungen«

bereits Beginn 1797 (schon vom 10. Februar ist W. Schlegels Rezension in

der Jenaer Literaturzeitung datiert), die Lyzeumsfragmente aber im

zweiten Stücke der Zeitschrift (Haym, S.248; Minor, a. a. O. S. 183)

erst im Herbste. Jedenfalls hätte dann Schlegel die Klarheit und

Verständlichkeit dem Wackenroderschen Gedanken geraubt.

Was den einen zum Künstler, den anderen zum Naturkunstwerke stempelt,

ist bei Wackenroder ein Unterschied der Gemütslage. Der Künstler ist für

Wackenroder, wie später für seinen Josef Berglinger, ein bloßes Werkzeug

in der Hand der Schöpfung, seine Aufgabe, die vielfältigen Eindrücke der

Außenwelt menschlich beseelt wiederzugeben. Dies ist aber nur dem Gemüte

möglich, in dem Ordnung und Maß herrscht; wildes, ungestümes Drängen,

Anlage zur Fantastik muß der Seele des Schaffenden fern sein. Wen selbst

stetig die Leidenschaft durchtobt, der tritt aus der Reihe der

Schaffenden in die der Geschaffenen, wird aus dem Künstler zum

Kunstwerke. Der Schöpfer dieses Kunstwerkes ist die Natur selbst, und

wie Wackenroder mit einem prächtigen Vergleiche schließlich sagt: »In

dem lebenden und schäumenden Meere spiegelt sich der Himmel nicht; --

der klare Fluß ist es, worin Bäume und Felsen und die ziehenden Wolken

und alle Gestirne des Firmamentes sich wohlgefällig beschauen.«

So vermochte Wackenroder bei einem Manne wie Piero di Cosimo, der seinem

Gemüte niemals Klarheit und Ruhe zu retten wußte, an eigentliche

künstlerische Sendung nicht zu glauben. Um so lebhafter zog ihn die

Absonderlichkeit dieses Charakters an, der sich von seiner eigenen

sanften und milden Gemütsart aufs deutlichste abhob, denn daran

bewunderte er das geheimnisvolle Walten der Natur nicht minder als an

manchem ihrer merkwürdigen [S:30] Einzelfälle, die in der Welt des

Organischen zuweilen den gewöhnlichen Gang der Ereignisse durchkreuzen.

So sind es denn die »Seltsamkeiten« Piero di Cosimos, von denen

Wackenroder hier berichten will. Damit ist ein Zug dieses Mannes

aufgegriffen, den _Vasari_ freilich nicht vergißt, der aber gleichwohl

nur ein wesentlicher Bestandteil seiner allgemeinen biographischen

Darstellung ist. Er erzählt uns von Piero di Cosimos überschäumender

Fantasie, von der seine Werke und insbesondere auch seine Lebensweise

reichlich Zeugnis geben, ja an verschiedenen Stellen steht er nicht an,

von einem »bestialischen Betragen« dieses Künstlers zu sprechen; wie

weit er hier in die Einzelschilderung ging, wird uns noch deutlich

werden. Sind aber derlei Fälle keineswegs sparsam angeführt, so betont

doch Vasari diese Eigenschaften niemals so stark, daß ein Leser jener

Lebensskizze blind für alles andere nur dafür Aufmerksamkeit finden

müßte, besäße er nicht von vornherein Sinn und Teilnahme für Seltsames

und Wunderbares in dem Maß wie Wackenroder. Ihn aber nahmen die

Andeutungen, die er hierfür vorfand, so gefangen, daß er vergaß, was ihn

an dem originellen Kauz sonst wohl angezogen hätte.

Darin also, daß es sich bei Wackenroder um einen Künstler so gut wie gar

nicht handelt, beruht der fundamentale Unterschied seiner Auffassung

Piero di Cosimos zu der Vasaris, der gleich anfangs sein Augenmerk auf

den Maler richtete und ihn, wie schon Della Valle (Vasari III, 1, 75,

Anm. 1) hervorhob, weit überschätzt. Dieser Kunstkenner rügte an Vasari,

daß er von Correggio und Giorgione zu Cosimo so leicht den Übergang

fand, und ihn als Vertreter der in Toskana heimischen Kunst, »wo auch

kein Mangel an vorzüglichen Geistern gewesen sei«, den großen Meistern

der Lombardei kurzweg gegenüberstellte. Anders lautete nun freilich die

Einleitung in der ersten Ausgabe (S. 586); dort suchte Vasari

vornehmlich die Aufmerksamkeit auf die seltsamen menschlichen

Eigenschaften Cosimos zu lenken. Ging er aber auch hier einen ähnlichen

Weg wie Wackenroder, an eine Beeinflussung des letzteren läßt sich doch

nicht denken und so auch kein nachträgliches Argument für den Gebrauch

der ersten Ausgabe erbringen. Vasari zeigt keine Spur von Bewunderung

für das geniale Naturspiel, bei der Erschaffung der Lebewesen

Absonderlichkeit und Gemeinheit bunt durcheinander zu mischen, wie in

dieser Einleitung überhaupt [S:31] weit eher Abneigung als Teilnahme

für die geschilderte Persönlichkeit hervorgerufen wird. In solcher

Beleuchtung wird uns der Künstler geradezu widerwärtig; was in Vasaris

späterer Darstellung als Ausfluß einer originellen Charakteranlage

erscheint, wird hier von gemeiner Denkungsart bestimmt. Zieht sich Piero

di Cosimo aus der menschlichen Gesellschaft in die Einsamkeit zurück, so

treibt ihn keine Liebe zur »Philosophie«, nur pure Schelmerei (fanteria,

s. Vasari 1. Ausgabe, S. 586) dazu. Bleibt sein Zimmer dem Besucher

verschlossen, so geschieht es nur, um seine mit Seltsamkeiten und

philosophischen Grillen bedeckten Armseligkeiten vor der Welt zu

verbergen. Und derselbe Mann, der später als erheiternder,

liebenswürdiger Gesellschafter bezeichnet wird (S. 592), gilt jetzt als

boshaft und verschlagen, wird einer Menschenklasse beigezählt, die, in

Neid und Scheelsucht befangen, immer darauf aus ist, dem Großen und

Tüchtigen allerhand bittere Pillen in der Zuckerschale hinterlistiger

Schmeichelreden darzureichen. Noch eigentümlicher berühren die

Folgerungen, die von Cosimos Grillenhaftigkeit auf seinen äußeren

Lebensgang gezogen werden. Gewiß zeigen auch Vasaris spätere

Mitteilungen, wie sehr Cosimo der üble Ruf eines Sonderlings die

Beliebtheit bei den Mitbürgern schmälerte, und als gar die vielfachen

Beschwerden des Greisenalters seine mürrische Laune steigerten, da fand

er sich bald von allen Freunden verlassen. Aber wenn Vasari ganz

besonders beklagt, daß sich der Künstler den Genuß einer behaglichen

Altersruhe durch persönliche Rauheit und Schroffheit verscherzt habe, so

tritt wieder ein auffallender Widerspruch zu den späteren Ausführungen

zutage. Hören wir doch (III, 1, 86) ganz ausdrücklich von der großen

Kunstliebe Piero di Cosimos, die ihn jede Mühe und Unbequemlichkeit

gering achten ließ, und ist es doch die reine Arbeitslust, die den

gichtischen Händen des Achtzigers den Pinsel in die Hand gibt. Die Klage

Vasaris ist daher schwerlich im Sinne Cosimos gesprochen; dieser empfand

die Nötigung zum Schaffen nicht schmerzlich, und das Bedürfnis, sich

einer stillen Muße hinzugeben, konnte ihm kein weltmännisches Betragen

abzwingen. Vasari dürfte die Inkonsequenz seiner Darstellung empfunden

und darum diese Einleitung der zweiten Ausgabe vorenthalten haben.

Vorsichtig, fast zaghaft tritt Wackenroder an seine Aufgabe heran. Mit

der Einsicht in die Besonderheit des Charakters, der [S:32] gezeichnet

werden soll, verbindet sich ihm das volle Bewußtsein der Schwierigkeit

seiner Unternehmung. Die Gleichgültigkeit, mit der die Natur zu Werke

geht, erkennt er wohl. In leichtem, spielendem Scherze mischt sie die

Stoffe, unbesorgt, ob Lust oder Unlust dadurch in der Menschenbrust

entsteht. Will man dann versuchen, das innerste Wesen eines solchen von

ihrer unbegreiflichen Laune erzeugten Geschöpfes in Worte und Begriffe

zu fassen, so stößt man fort und fort auf Hindernisse. Denn was

Einzelberichte der Zeitgenossen über Leben und Charakter einer

hervorragenden Persönlichkeit zu sagen wissen, befähigt den Nachlebenden

durchaus nicht, die ganze Fülle einer reichen Individualität wirklich zu

verstehen, könnten doch selbst die Mitlebenden nicht ganz in sie

eindringen. So bringt Wackenroder der Beurteilung einer fremden

Wesensart dieselbe Skepsis wie jenen entgegen, die ursprüngliche

künstlerische Begabung in bestimmte Formeln gießen wollten. Denn auch

hier findet er wieder das geheimnisvolle Walten der Gottheit, uns aber

bleibt, wie er meint, nichts übrig, als mit leerer Verwunderung die

unbegreiflichen Erscheinungen anzustaunen. Trotzdem will Wackenroder

nicht darauf verzichten, wenigstens einzelne Züge anzuführen, aus denen

der Leser sich selbst eine Vorstellung von dem Charakter jenes

merkwürdigen Mannes bilden kann. Wenigstens so viel Licht sucht er zu

verbreiten als der begrenzten menschlichen Fähigkeit möglich ist. Dazu

greift er auf, was ihm Vasaris Berichte boten, und verfährt in den

Einzelheiten mit großer Genauigkeit. Hätte aber Wackenroder ein

achtsameres Auge für Cosimos künstlerische Tätigkeit, die Vasari so

ausführlich beschreibt, gehabt, so hätte ihm auch hier manches deutlich

gemacht, daß der Künstler wirklich jener Fantast war, als den er ihn

stets zu zeichnen bemüht ist.

So malte Piero (Vasari III, 1, 82) einst die Madonna, die gerade

der Erde entnommen wird. Die heilige Jungfrau wendet ihr verklärtes

Antlitz zum Himmel, ihre Mienen erglänzen im Scheine der Strahlen,

die von der Taube des heiligen Geistes ausgehen, und ebenso ist die

Landschaft im Hintergrunde, voll der schönsten und seltsamsten

Gewächse, in helles Licht getaucht. Wie sehr kontrastiert aber zu

diesem Gemälde seeligen Friedens die Bemalung des Rahmens, die sich

keineswegs mit der Aufgabe begnügt, bloß harmloser Aufputz zu sein.

Statt milden Himmelslichtes gewahren wir plötzlich feurige Gluten

aus den Augen eines Ungeheuers hervorströmen. Cosimo stellte hier

die Schlange dar, deren Leib sich gerade die heilige Margarethe

entwindet. Sein Vermögen, das Gräßliche zu gestalten, soll [S:33]

sich hier so mächtig offenbart haben, daß sich Vasari alsbald

wieder zu dem Lobe versteigt, er meine nicht, daß noch jemand diese

Dinge habe besser gestalten können.

Sicherlich gibt es kaum ein charakteristischeres Beispiel für eine

besonders ausschweifende Einbildungskraft, als wenn gerade in dem

Augenblicke, da der ungeberdige Sinn sich ruhiger Mäßigung ergeben hat,

urplötzlich die Wildheit wieder hervorbricht und einen Gegensatz

schafft, der den Beschauer nirgends einen Konzentrationspunkt für sein

Interesse finden läßt. So war Cosimo doch nicht, wie Wackenroder meinte,

ganz unfähig, sich zeitweilig zu ruhiger Schönheit aufzuschwingen; daß

er sie aber, wie dieses Beispiel dartut, hinterher absichtlich trübte,

ist gerade der sprechendste Beweis für seine absonderliche Gemütsart.

Weit weniger anschaulich wäre dies selbst durch das dem Herzog Julius

von Medici zugedachte Ungeheuer geworden, denn trieb auch hier Cosimos

Fantastik ihre höchsten Blüten, so mangelte hier der Kontrast, der im

anderen Falle ein so beredtes Zeugnis abgelegt hatte. (Das zweite

Gemälde bei Vasari a. a. O. S. 82.)

Es wurde schon betont, daß Wackenroder der rein künstlerischen Seite von

Cosimos Leben und Wirken keine Aufmerksamkeit schenkt. Zeigt uns Vasari

den Kunstnovizen in der Schule Cosimo Rosellis, wo er an Größe der

Auffassung und Reichtum der Erfindung seine Mitschüler weit überragte,

so begnügt sich Wackenroder mit dem Hinweise, daß schon den Jüngling der

hohe Flug der Fantasie kennzeichnete, der im späteren Lebensalter sich

stets kräftiger regte. Wie Vasari mitzuteilen weiß, verweilte Pieros

Aufmerksamkeit nie an einem Orte, flugs schweiften seine Gedanken vom

einen zum anderen, so daß er es nie vermochte, den Faden einer

begonnenen Erzählung ruhig fortzuspinnen. Der Reichtum seiner Ideen

lenkte ihn stets in ein anderes Fahrwasser, und bald sah er sich

genötigt, wieder den Ausgangspunkt zu suchen. Erst Wackenroder betont

aber, daß es stets fremdartige und seltsame Erzählungen waren, die den

gleichmäßigen Fluß des Berichtes verhinderten, wie ihm auch der Gedanke

kam, den Künstler von der Arbeit weg erzählen zu lassen. Aus Vasari (a.

a. O. S. 76) kennen wir Cosimos große Liebe zur Einsamkeit, die auch

Wackenroder bestätigt und in gleicher Weise begründet: um sich den

Streifzügen der Einbildungskraft ungestörter überlassen zu können. Daran

[S:34] schließen sich nun bei Wackenroder, da Vasari sich zu den ersten

künstlerischen Arbeiten Cosimos wendet, sogleich die von Vasari (a. a.

O. S. 77 ff.) angeführten weit deutlicheren Beispiele für Piero di

Cosimos seltsame Charakteranlage. Können wir Vasari vertrauen, so zeigte

sich Cosimos Überspanntheit erst nach dem Tode seines Meisters Roselli

im vollen Umfange. Besonders merkwürdig gestaltete sich seine tägliche

Lebensweise. Es war ihm unmöglich, eine bestimmte Speisestunde

einzuhalten, er begehrte zu essen, wenn er gerade Hunger empfand,

verbot, seine Zimmer zu räumen oder die Bäume seines Gartens zu

beschneiden. Liegen hier keine Übertreibungen vor, so ist Vasaris

Urteil, Cosimo habe mehr wie eine Bestie als ein Mensch gelebt,

keineswegs unbegreiflich. Wackenroder schließt sich diesen Angaben genau

an, nur weiß Vasari nichts davon, daß Cosimo sich die Speisen auch

selbst bereitete; vielleicht knüpft Wackenroder hier an Vasaris Bericht

(III, 1, 86) an, demzufolge Cosimos Nahrung aus harten Eiern bestand,

die er jedesmal, wenn er Leim kochte, zur Ersparung des Feuers gleich zu

vierzig bis fünfzig Stück sieden ließ. Ob er dabei selbst tätig war,

läßt diese Mitteilung freilich im Unklaren. Zudem enthält sich

Wackenroder der Anspielung auf das »Leben der Bestien«; im Gegensatze zu

Vasari, bei dem alle diese Absonderlichkeiten Cosimos mit dem Tode

Rosellis beginnen, fehlt bei Wackenroder die Feststellung des

Zeitpunktes.

Konnte Piero di Cosimo durch ein solches Gebaren im täglichen Leben mit

Recht der Titel eines Sonderlings beigelegt werden, so ist auch seine

Vorliebe für monströse Gemälde aus der Pflanzen- und Tierwelt nicht

weniger merkwürdig. Mit einer an Wackenroders Einleitungsworte

anklingenden Wendung erzählt Vasari, der seltsame Mann hätte mit

Vorliebe aufgesucht, was die Natur »aus Laune oder zufällig gestaltet«.

Wenn er hier berichtet, mit welcher Freude Cosimo diese Dinge oft bis

zum Überdruß seiner Zuhörer erzählt habe, so vergißt Wackenroder nicht,

die gespannte Aufmerksamkeit bei der Betrachtung selbst hervorzuheben,

und es bezeichnet Piero di Cosimos Natur sehr treffend, wenn er ihn das

»Häßliche begierig genießen« läßt. Auch ein Skizzenbuch Pieros, dem

diese Studien reiches Material boten, erwähnt Wackenroder in gleicher

Weise wie Vasari. Heute ist dieses Buch, wie die »neue florentinische

Ausgabe« von Vasaris Werk meldet, verschollen.

[S:35] Aber Cosimo behielt nicht nur im Gedächtnisse, was es

Merkwürdiges und Absonderliches in der Außenwelt zu schauen gab, er

wußte sogar manches, wovon sich die Mehrzahl der Menschen mit Ekel

abwendet, für sich dienstbar zu machen und in seiner Fantasie

schöpferisch auszugestalten. Mit Staunen erfahren wir von Vasari,

daß unser Meister ruhigen Blutes, ja mit großem Vergnügen Mauern,

die vom Auswurf kranker Leute beschmutzt waren, betrachtet und

daraus für seine künstlerischen Arbeiten Anregung empfangen habe.

Den Zusatz, daß auch Wolkenbildungen in ihren verschiedensten

Formen seine Teilnahme weckten, werden wir allerdings ohne

Verwunderung lesen. Wackenroder folgt auch hierin genau, doch mit

mehr stilistischer Prägnanz, indem er über das Studium der

befleckten Mauern und der Wolkenbildungen, wofür Vasari zwei Sätze

nötig hat, kurzweg in einem einzigen berichtet. Zudem sucht er den

Ausdruck ein wenig zu mildern, denn das wenig ästhetische Bild des

Auswurfes kranker Leute bleibt uns erspart, und wir erfahren nur

ganz allgemein von befleckten Mauern.

Recht glücklich sind oft Wackenroders kleine Umbildungen, -- sie

betreffen hier nur Reihenfolge und Darstellungsweise -- wenn von Piero di

Cosimos oft recht widerspruchsvollem Verhalten gegen Sinneseinwirkungen

die Rede ist.

Das Künstlerauge betrachtete, wie Vasari (a. a. O. S. 86) mitteilt,

den geradlinig von den Dächern herabströmenden Regen mit

Wohlgefallen, aber der Blitz erschreckte Cosimo heftig, und gegen

starke Geräusche (Kindergeschrei, Glockengeläute usw.) war er

vollends empfindlich. Mit großer Geschicklichkeit verwertet

Wackenroder diese Angaben. Zunächst ist seine Anordnung besser und

übersichtlicher. Die oben angeführten Geräusche weist er der einen,

alles aufs Gewitter Bezügliche der anderen von ihm scharf umgrenzten

Gruppe zu. Einen Übergang wie den Vasaris: »Das Singen der Mönche

war ihm lästig, wenn aber der Himmel sich im Regen ergoß, so machte

es ihm Vergnügen, das Wasser in gerader Linie von den Dächern

herabstürzen zu sehen«, treffen wir bei ihm nicht. Er beging nicht

den Fehler, in dieser Weise optische und akustische Eindrücke

miteinander zu vermengen. Überhaupt wendet Wackenroder alles ins

akustische Gebiet. Nicht an dem Anblicke des Wassers ergötzt sich

Piero di Cosimo, aber das starke Aufprasseln des Regens aufs Dach

vernimmt er mit Freude, und an Stelle des Blitzes treibt der Donner

den Meister in die Stubenecke; eine beachtenswerte Änderung, da hier

der Unschädlichkeit der Erscheinung wegen bloß der reine Effekt

deutlich wird. Ist nun auch von den anderen Geräuschen die Rede, so

wird die Angliederung leichter und passender.

Recht wenig läßt sich aus Wackenroder für Piero di Cosimos gesellige

Eigenschaften ersehen; auch was Vasari hierfür bot, ist äußerst dürftig.

Er weiß nur zu vermelden, daß Piero di Cosimo humoristische Begabung

besaß und im Gespräch die Zuhörer oft zu stürmischer Heiterkeit fortriß.

Wackenroder übersah dies nicht [S:36] (S. 91) und ließ überdies

durchblicken, daß die sonderbaren Züge seines Charakters ihm in der

Beurteilung der Menschen sehr schadeten. Freilich ist es wenig passend,

wie Wackenroder unmittelbar vorher gesellige Vorzüge zu preisen und dann

abzuschließen: »In Summa, er war so beschaffen, daß die Leute seiner

Zeit ihn für einen höchst verwirrten und beinahe wahnsinnigen Kopf

ausgaben.« Diese letzte Bemerkung stammt ebenfalls aus Vasari, der (a.

a. O. S. 78) erzählt, wie sehr Cosimo durch seine »bestialische

Lebensweise« in der Achtung seiner Zeitgenossen sank und daß er

allgemein für einen Narren gehalten wurde.

Daß Wackenroder jenes Madonnenbild nicht berücksichtigte, brachte ihn um

ein sehr treffendes Beispiel, aber er ersetzt dieses durch ein noch weit

wirksameres, dem auch Vasari reichliche Beachtung widmete. Es gab

Gelegenheiten, wo die Florentiner ganz zufrieden waren, den unheimlichen

Gesellen Piero di Cosimo in ihrer Mitte zu haben. Kam die Zeit des

Karnevals und regte sich das Verlangen nach Maskenspielen und Festzügen,

so war gerade Piero di Cosimo der Mann, um mit nie versiegender

Erfindungsgabe der verwöhnten Jugend der Stadt stets durch neue

Lustbarkeiten zu schmeicheln. Ihm, der schon früh zur Ordnung und

Einrichtung der Festzüge berufen wurde, dankten die Teilnehmer manche

schätzenswerte Verbesserung; Vasari weiß uns manche Einzelheit

mitzuteilen. Wackenroder übergeht diese Detailberichte und begnügt sich,

einfach einen großen Aufschwung der Festlichkeiten festzustellen. Sehr

treffend vergleicht er dabei des Künstlers überaus lebhaften Geist mit

einem Kessel siedenden Wassers, das Schaum und Blasen treibt.

Unter den verschiedenen Festzügen, die Piero di Cosimo Jahr für

Jahr einrichtete, fiel Vasari besonders einer stark auf, der mit

großer Deutlichkeit die fantastischen Anlagen seines Erfinders

erkennen läßt. Vasari weiß fein auseinander zu setzen, warum sich

das menschliche Gemüt gegen Darbietungen dieser Art keineswegs

sträube. Wir lieben ja nicht bloß süße Speisen, vieles mundet uns

gerade seiner Herbheit wegen, und ist denn nicht das Vergnügen an

der Tragödie das sprechendste und großartigste Zeugnis für die

Möglichkeit, auch an der Betrachtung von Jammer und Elend Gefallen

zu finden, wofern nur, wie Vasari hinzusetzt, alles »mit Einsicht

und Kunst geordnet ist«? So machten sich denn auch tatsächlich bei

den Zuschauern dieses Festzuges, sobald sie über den ersten

peinlichen Eindruck hinweggekommen waren, die Empfindungen geltend,

die Vasari mit scharfer Beobachtung als Wirkung des Tragischen im

Kunstwerke erkannt hatte. Ihr anfängliches Unbehagen verwandelte

sich bald in fröhliche Billigung.

[S:37] Was sich da abspielte, war freilich seltsam genug. Mitten

ins lärmende Festgewühl fährt plötzlich, von vier schwarzen Büffeln

gezogen, ein mächtiger Wagen, ganz mit Gegenständen bemalt, die an

den Tod erinnern. Hoch oben aber erhebt sich die schreckliche

Gestalt des Würgers mit der Sense in der Hand, rings umgeben von

bedeckten Särgen, die sich an jedem Punkte, wo der Zug hält, auftun

und die Toten entlassen, die ihr Inneres birgt. Da steigen denn

hohe Gestalten empor, ganz in Trauergewänder gehüllt, auf deren

düsterem Schwarz in grausigem Kontraste die weißen Knochen eines

Totengerippes gemalt sind. Unter den dumpfen Tönen der Trompeten

setzen sich die Toten auf ihre Särge und stimmen das Lied der

Vergänglichkeit (Dolor, pianto e penitencia usw.) an. Auf hageren

Gäulen, eigens für diesen Zweck ausgewählt, folgen dem Wagen eine

Menge Toter, mit denselben grauenvollen Bemalungen der Gewänder.

Eine große Fahne, ebenfalls mit den Insignien des Todes, wird jedem

der Reiter nachgetragen, und noch zehn schwarze Fahnen, die dem

Wagen nachgetragen wurden, vervollständigen das grauenvolle Bild.

Langsam setzt sich der Zug in Bewegung und singt dazu einen Psalm

Davids, eine Frivolität, die Bottari (Vasari III, 80, Anm. 7) mit

Recht tadelt; weder Vasari noch merkwürdigerweise Wackenroder

nehmen Anstoß daran.

Hier läßt Wackenroder das Sachliche völlig unberührt; wo er in der

Darstellungsweise von Vasari abweicht, geschieht es, um die

Anschaulichkeit der Situation zu vermehren, ein Bestreben, dem wir ihn

schon oft dienstbar sahen. Er legt Wert darauf, von Anfang an die

Gegensätze ins rechte Licht treten zu lassen, und macht nachdrücklich

aufmerksam, daß der grausige Scherz gerade die lauteste Festfreude

unterbrach. Vasari unterläßt das, wenn er auch, um die Überraschung

anzudeuten, hervorhebt, daß die Vorbereitungen ganz im Stillen vor sich

gingen. Sodann zeigt er schon während der Darstellung den Eindruck auf

die Zuschauer, die von heftigem Schrecken über die Begebenheiten erfüllt

werden, während Vasari erst später (a. a. O. S. 80) dieser Wirkungen

gedenkt. Von den einzelnen Stadien des Zuges aus hält er stets Rückschau

auf die Beobachter. Entsteigen die Toten ihren Gräbern, so setzt er in

Parenthese: »wobei alles Volk von einem stillen Grauen ergriffen ward«,

und die Wirkung des Gesanges ist so stark, daß er »das Blut in den Adern

gerinnen macht«. Größeres Geschick in der Anordnung beweist abermals,

daß er den Gedankengang jener Kanzone, alle jetzt Lebendigen würden

einst, gleich den Sängern, Tote sein, hier schon skizziert, während man

bei Vasari diesen Inhalt erst einem späteren Zitat, zu anderen Zwecken

gegeben, entnehmen kann. Eine Abschwächung gegenüber Vasaris Darstellung

mag es bedeuten, daß er den Farbenkontrast der schwarzen Kleidung und

ihrer weißen [S:38] Bemalung nicht erkennen läßt und bloß von »weißen

Gerippen« redet. Von den Mitteln der Spannung ist zudem ein ausgedehnter

Gebrauch gemacht. Der Wagen wird nicht, wie bei Vasari, gleich mit

seinem rechten Namen als der »des Todes« bezeichnet, zuerst kommt

einfach »ein großer schwarzer Wagen« langsam heran; erst die

Totengerippe und die Gestalt des schrecklichen Würgers, den Wackenroder,

den Eindruck verstärkend, nicht ruhig dastehen, sondern wie er sich

ausdrückt, »umherstolzieren« läßt, machen den Zweck der ganzen Handlung

offenbar. Ganz wunderbar ist stellenweise die Behandlung der Sprache; in

ausgezeichneter Weise wird das träge Dahinschleichen des Zuges gemalt:

»Es näherte sich durch die dämmernde Nacht schwer und langsam« usw.

Ebenso markiert in dem Satze: »Aber der langsame Zug hielt an«, der

schwere Ton auf dem »an«, treffend den Stillstand des Gefährtes. Für den

Erfolg des Festzuges sucht auch Wackenroder nach tieferen

psychologischen Gründen, beobachtet wie Vasari einen durch schaurige

Eindrücke hervorgerufenen Lusteffekt und geht sogar noch einen Schritt

weiter als jener. Ohne Einschränkungen sind ihm schmerzliche und widrige

Empfindungen überhaupt geeignet, die Teilnahme der Seele rege zu machen;

kommt dann noch poetische Kraft dazu, so ist hohe, begeisterte Spannung

sicher. Er läßt im Gegensatze zu Vasari nichts davon verlauten, daß

Cosimos Unternehmung für keinen geeigneten Karnevalsscherz galt, gerade

wie ihm, hier seinem Gewährsmann ganz gleich, das Absingen des Psalmes

keinerlei Skrupel bereitete. Der superklugen Deutung einiger

Zeitgenossen des Malers, die in den Toten die vertriebenen Mediceer und

in den Worten ihres Gesanges Fummo già come voi siete, voi sarete come

noi eine Profezeiung ihrer Rückkehr erblicken wollten, setzt schon

Vasari die richtige Bemerkung entgegen, »man strebe stets frühere Werke

und Handlungen auf nachfolgende Ereignisse zu beziehen«, und Wackenroder

widmet der ganzen Hypothese kein Sterbenswörtchen. Er gelangt nun, da

Vasari in der Betrachtung von Cosimos künstlerischer Tätigkeit

fortfährt, sodann erst kleine biographische Einzelheiten, wie seine

Empfindlichkeit gegen Geräusche usw., die Wackenroders geschicktere

Gruppierung bereits mit früheren Angaben Vasaris vereinigt hatte,

beibringt, dazu, des Malers wachsende Reizbarkeit in vorgerückten Jahren

anschaulich zu machen. Daß Piero di Cosimo als Greis recht mürrisch

[S:39] und verdrießlich wurde, die Unterstützung der Malerjungen

schroff ablehnte, konnte Vasaris Berichten entnommen werden, aber

Vasaris Zusatz, aller Beistand hätte dem alten Maler infolge seines

brutalen Wesens schließlich gefehlt, wird von Wackenroder ignoriert.

Dagegen hören wir, wieder Vasari entsprechend, daß Cosimo gichtischer

Schmerzen ungeachtet, Pinsel und Malerstock in den Händen zu halten

suchte und daß seine Gereiztheit schon den Anblick der Fliege an der

Wand schmerzlich empfand. Liest man ferner bei Vasari, daß der Künstler

trotz hohen Alters vom Tode nichts hören mochte, so finden wir dasselbe

bei Wackenroder wieder, da er aber des religiösen Verhaltens bei Cosimo

so wenig gedenkt als bei Lionardo da Vinci, so muß er nicht wie Vasari,

der Cosimos Scheu vor Beichte nicht verschweigen kann, nachdrücklich auf

seine Frömmigkeit hinweisen, die ihn trotz des »bestialischen Lebens«

niemals verlassen habe. Beiden Darstellungen läßt sich ferner entnehmen,

daß Piero di Cosimo vor langer Krankheit gebangt und lebhaft gewünscht

habe, mit einem Male aus der Welt zu gehen. Vasaris sehr eingehende

Schilderung der verschiedenen Leiden und Belästigungen des Kranken, die

Piero di Cosimo hauptsächlich scheute, ist allerdings sehr verkürzt und

verallgemeinert; allzu Derbes soll auch hier keinen Platz finden. In

ganz unbestimmten Worten schildert in Wackenroders Darstellung der Alte,

dem nichts unerträglicher war als ein langes Siechtum, die schreckliche

Entbehrung von Speise und Schlaf, und mit Schaudern durchlebt er das

Gefühl des Todgeweihten, der das Klagen und Jammern der Verwandten

vernimmt, die sein Lager umstehen. Nach Vasari (a. a. O. S. 87) hielt

Piero di Cosimo, charakteristisch für seine Gemütsart, den Tod auf dem

Hochgericht für das glücklichste Ende. Auch hier erstickte die Freude am

Schrecklichen und Grauenvollen jede andere Empfindung in ihm, und er

schwelgte mit Genuß in der Vorstellung, im bunten Gewühl der Menge,

unter den Gebeten des Volkes und der Priester ins Himmelreich

emporzusteigen. Wackenroder folgt wiederum getreulich, nur Vasaris

Anspielung auf die Henkersmahlzeit konnte eine Darstellung nicht

gebrauchen, die wie bei Wackenroder besonders widrige Eindrücke

abzuschwächen suchte.

Den Rest des Lebens, das dieser merkwürdige Mann führte, faßt Vasari in

die Worte zusammen: »So schrieb er allen Dingen die seltsamste Deutung

zu, und seine wunderlichen Gedanken waren [S:40] schuld, daß er ein

wunderliches Leben führte« (a. a. O. S. 87), erklärt also folgerichtig

den Lebensgang aus der Charakteranlage. Wackenroders abschließende

Bemerkung: »In solchen Gedanken schwärmte er unaufhörlich fort«, verrät

das Vorbild dieses Satzes. Mit chronistischer Knappheit verzeichnet er

hierauf Cosimos Ableben, der freilich nicht am Hochgerichte starb,

dennoch aber nicht in langem Siechtum dem Tode entgegenwelkte. Man fand

ihn eines Tages entseelt am Fuß der Treppe, wie Vasari berichtet. Die

Angabe der Jahreszahl und des Begräbnisortes (1521, St. Piermaggiore)

nahm Wackenroder nicht in seine Erzählung auf.

Wir wissen, daß Wackenroder dem Künstler Piero di Cosimo keine

Charakteristik gönnt. Doch will er, da (S. 95) Vasari als Quelle genannt

ist, wenigstens andeuten, welches Bild sich dieser von Cosimos

künstlerischer Individualität machte.

Was er uns hier sagt, ist allerdings nicht ganz wahrheitsgemäß.

Vasari sollte von einer besonderen Vorliebe Piero di Cosimos für

die Darstellung von »wilden Bacchanalen und Orgia, fürchterlichen

Ungeheuern oder sonst irgend schreckhaften Vorstellungen«

gesprochen haben, was sich aber nirgends nachweisen läßt. Denn ist

auch (III, 1, 85) von den Bacchanalen die Rede, die Piero di Cosimo

im Auftrage des Giovanni Vespucci malte, so ist doch an keiner

Stelle behauptet, daß diese Art von Malerei etwa den Kern seiner

künstlerischen Produktionen gebildet hätte. Jedem Leser von Vasaris

Biographie müßte zudem eine solche Bemerkung höchst widersinnig

vorkommen, liest er doch dort von soviel Gemälden ganz anderer Art,

von Porträts berühmter Persönlichkeiten (so bei Vasari des Herzogs

Valentinos, Sohnes Alexanders VI.) oder von Bildern, die sich ihren

Stoffkreis aus dem Neuen Testament (Heimsuchung Mariä, Vasari)

holen. Freilich treten die »Seltsamkeiten« des Künstlers, von

Wackenroder selbst nur nach der persönlichen Seite hin beobachtet,

auch in der Produktion zutage, hatte er in dem besprochenen

Marienbilde fantastischen Geist bewiesen, und in charakteristischer

Weise milde Schönheit und höllischen Schauder vereinigt, so widmete

er später Julian von Medici das Bild eines furchtbaren

Seeungeheuers, lockten ihn Stoffe, wie die Befreiung der Andromeda,

und entfaltete er in dem Francesco Pugliese zugedachten Gemälden

den ganzen Reichtum einer eigenartigen Einbildungskraft. Das alles

aber verführte Vasari noch nicht zu einer Bemerkung, wie sie

Wackenroder für ihn in Anspruch nimmt.

Dagegen spricht Vasari wiederholt von Piero di Cosimos Fleiß und

Kunsteifer und machte auch, Wackenroders Angabe gemäß, die Bemerkung,

daß der Kunstfleiß schwermütiger Naturen meist ernster und andauernder

sei als der leichtblütiger. Das steht, wie schon Wackenroder hervorhebt,

im Leben des Antonio Sogliani; nirgends [S:41] aber erhebt Vasari gegen

die Eignung eines Menschen wie Cosimo zur künstlerischen Tätigkeit

irgendwelche Einwände. Dieser Zweifel stieg erst Wackenroder auf, wie es

auch ihm erst einfiel, dem unruhigen Brausekopfe Piero di Cosimo die

besonnene Klarheit eines Lionardo da Vinci entgegenzuhalten, die diesen

zu seinem Nutzen stets in der Bahn des Irdischen festhielt. Nur soviel

läßt sich aus Vasari, der jeden Vergleich vermeidet, für das Verhältnis

dieser Meister erkennen, daß Piero di Cosimo gerade Lionardos Werke mit

besonderem Eifer studiert und nachgeahmt habe, wenn sich dann auch, wie

er nachdrücklich hinzusetzt, bei dem reiferen Cosimo eine eigene, von

der seines großen Vorbildes gänzlich verschiedenen Art ausbildete.

Was Wackenroder mit seinem wunderbaren Gleichnis von dem klaren Flusse

für die Künstlerseele forderte, besaß Piero di Cosimo nicht, Vasari aber

kam dies nicht zum Bewußtsein.

Wackenroders "Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders" in ihrem Verhältnis zu Vasari · 第 7 / 10 题