OPERATIONSPLAN.

Als er weg war, sahen sich Ida und Berner eine Zeitlang an, ohne ein

Wort zu wechseln. Der Hofrat, dem das lange Schweigen peinlich wurde,

zwang sich, obgleich ihm die wehmütige Freundlichkeit in Idas

Gesicht, ihr tränenschwerer Blick bis tief ins Herz hinein wehe tat,

zum Lächeln. "Nun, wer hätte es," sagte er, "wer hätte es dem

leidenden Herrn von gestern nacht angesehen, daß er drei Milliönchen

habe? Wie dumm ich war, daß ich glaubte, er weine in seinem Landau,

weil er keine Wechselchen mehr habe! Wer hätte es dem trübseligen

Schmerzenreich angesehen, daß er bald eine so glänzende, lustige

Partie machen würde!"

Ida schwieg noch immer; es war, als scheute sie sich vor dem ersten

Wort, das sie vor dem Freund, der ihr Herz so tief durchschaut hatte,

auszusprechen habe.

"Oder wie?" fuhr er fort. "Wollen wir eine Allianz schließen, mein

liebes Aprillen-Wetterchen, daß die Gräfin Aarstein ihre Schulden

nicht zahlen kann, daß--"

"O Berner, verkennen Sie mich nicht," sagte Ida unter Tränen; "es ist

gewiß nur das reine Mitleiden, was mich nötigt, auszusprechen, was

sonst nie gesprochen worden wäre. Sehen Sie, dieses Weib ist die

Schande unseres Geschlechts! Sie ist so schlecht, daß ein ehrliches

Mädchen erröten muß, wenn es nur an ihre Gemeinheit denkt. Prüfen Sie

den jungen Mann da drüben, und wenn er ist, wie er aussieht, wenn er

edel ist und trotz seines Reichtums unglücklich, so machen Sie, daß

er nicht noch unglücklicher wird; suchen Sie ihn aus den Schlingen,

die man um ihn legen wird, zu reißen--"

"Das kann niemand besser als mein Idchen," entgegnete jener und sah

ihr recht scharf in das Auge; "wenn mich nicht alles trügt, hängt das

Goldfischchen an einem ganz anderen Haken als dem, womit ihn der

Minister ködern will; nur nicht gleich so rot werden, Kind! Ich will

alles tun, will ihm sein Leben angenehm machen, wenn ich kann, will

ihm die Augen auftun, daß er sieht, wohin er mit der Aarstein kommt,

will machen, daß er sich in unserer Gegend ankauft und seine drei

Millionen ins Land zieht, will machen, daß er mein Mädchen da lie--"

"Still, um Gottes willen," unterbrach ihn die Kleine und prußte ihm

das kleine, weiche Patschhändchen auf den Mund, daß er nicht weiter

reden konnte. "Wer spricht denn davon? Einen Millionär mag ich gar

nicht; es wäre ganz gegen meine Grundsätze; nur die Schlange im

Residenzparadies soll ihn nicht haben; vom übrigen kein Wort mehr,

unartiger Mann!--"

Verschämt, wie wenn der Hofrat durch die glänzenden Augen

hinabschauen könnte auf den spiegelklaren Grund ihrer Seele, wo die

Gedanken sich insgeheim drängten und trieben, sprang sie auf und an

den Flügel hin, übertönte die Schmeichelworte des Hofrats mit dem

rauschendsten Fortissimo, drückte sich die weichen Knie rot an dem

Saitendämpfer, den sie hinauftrieb, um die Töne so laut und schreiend

als möglich zu machen, um durch den Sturm, den sie auf den

Elfenbeintasten erregte, den Sturm, der in dem kleinen Herzchen

keinen Raum hatte, zu übertäuben.

Verzweiflungsvoll über den halloenden Schmetter dieses Furioso

enteilte der Hofrat dem Salon. Aber kaum hatte er die Türe

geschlossen, so stieg sie herab aus ihrem Tonwetter; die gellenden

Akkorde lösten sich auf in ein süßes, flüsterndes Dolce, sie ging

über in die schöne Melodie: "Freudvoll und leidvoll"; mit Meisterhand

führte sie dieses Thema in Variationen aus, die aus ihrem innersten

Leben herauf stiegen; durch alle Töne des weichsten Moll klagte sie

ihren einsamen Schmerz, bis sie fühlte, daß diese Töne sie viel zu

weich machen, und ihr Spiel, ohne seine Dissonanzen aufzulösen,

schnell wie ihre Hoffnung endete.

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Der Mann im Mond Oder der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme, nebst der Kontrovers-Predigt über H. Clauren und den Mann im Mond · 第 18 / 76 题