Jede dieser beiden Classen der Mormonenpriesterschaft zerfällt nun

wieder in verschiedene Grade, die ihrerseits wiederum jeder seine

leitende Behörde oder seinen Vorsitzenden haben. Die Oberleitung der

gesammten Kirche liegt in den Händen der Präsidentschaft. Diese

besteht aus dem Seher und zwei anderen Präsidenten, von denen

gegenwärtig nur der eine (Heber Kimball) in Deseret, der andere aber

(Francis Richards) die große englische Zweigkirche leitend, in

Liverpool sich aufhält. Dieses geistliche Triumvirat wird ein Abbild

der himmlischen Dreieinigkeit genannt, bisweilen auch als Nachahmung

des Regiments der christlichen Urkirche durch Petrus, Jakobus und

Johannes bezeichnet. Nach ihnen nimmt das Apostelcollegium (auch

schlechthin »die Zwölfe« geheißen) die vornehmste Stelle ein, welches

ebenfalls dem Orden Melchisedek angehört und das Recht oder die

Pflicht hat, Inspectionsreisen nach den neugegründeten Gemeinden im

Auslande zu machen und über dieselben den Vorsitz zu führen. Unter

ihnen stehen die Hohenpriester, die Priester, die Aeltesten, die

Bischöfe, die Lehrer und die Helfer oder Diakonen, sowie die drei

Siebzigercollegien, eine Erinnerung an die siebzig Sendboten, die

Jesus außer seinen zwölf Jüngern zur Verbreitung der frohen Botschaft

wählte. Jeder Grad bildet ein vollständiges »Quorum« oder Collegium,

um die Disciplin unter seinen Mitgliedern aufrecht zu erhalten und

die in seine Sphäre fallenden Geschäfte zu besorgen. Bei

auseinandergehenden Meinungen appellirt man an die nächst höhere

Classe, während die Gesammtheit der Kirchenglieder, in ein

Generalconcilium versammelt, die letzte Instanz bilden soll.

So wenigstens liest man im Buch der Lehre und der Bündnisse. In der

Wirklichkeit verhält es sich damit anders, indem der Seher und seine

nächsten Vertrauten das Volk so kurzgefaßt am Gängelbande halten, daß

von der Entscheidung einer streitigen Frage durch die Gemeinde ebenso

wenig als von einer Wahl der einflußreichen Beamten die Rede sein

kann. Aus zwölf Hohenpriestern zusammengesetzt, steht der

Präsidentschaft ein hoher Rath zur Seite, in welchem jedes Mitglied

das Recht hat, seine Meinung hören zu lassen. Der Seher, welcher

präsidirt, nimmt davon an, was ihm gutdünkt, faßt am Schlusse jeder

Sitzung das Vorgebrachte zusammen und giebt dann seine Entscheidung

ohne Rücksicht auf die Ansicht der Mehrheit des Rathes. Ein

derartiges Verfahren verstößt in schroffster Weise gegen alles

Herkommen unter Engländern und Amerikanern. Dennoch hat es sich unter

der jetzigen Präsidentschaft noch nie ereignet, daß Jemand es gewagt

hätte, sein Misvergnügen laut werden zu lassen, wenn der

Willensausdruck des Sehers anders ausfiel, als man gewünscht und

gerathen hatte.

Dieser hohe Rath ist aber dem Präsidenten der Kirche -- wir sagen,

_dem_ Präsidenten, da die beiden anderen der Energie Young's

gegenüber bloße Scheinregenten sind -- Auge, Ohr und Hand. Seine

Mitglieder kundschaften alles, was auf dem Felde oder in der

Werkstatt, im Bethause oder im Familienkreise gesprochen wird oder

geschieht, mit dem Eifer und der Schlauheit von Spionen aus. So wie

irgend eine neue Meinung auftaucht, so wie irgendwo ein verdächtiger

Plan laut wird, bringt ihn sicher eines der Mitglieder jenes Rathes

in der Versammlung vor, und es werden sofort die geeigneten Maßregeln

zur Unterdrückung der misliebigen Neuerung getroffen. Der Urheber

derselben wird als unruhiger Kopf vorgemerkt, und ehe er sichs

versieht, verliert er den Boden unter den Füßen. Kein Wunder daher,

daß viele unter den Bewohnern Deserets, welche die Canäle nicht

kennen, durch welche dem Oberhaupte der Kirche Kunde von allen

Vorgängen zuströmt, dem »Bruder Brigham« eine Art Allwissenheit

zuschreiben und in Folge dessen mit scheuer Ehrfurcht zu ihm

aufblicken.

Die Propheten der Mormonen gehen aus allen Graden der Priesterschaft

hervor. Im Hauptquartier der Secte residirt ein Patriarch, der

besondern Kirchengliedern den Segen »nach der Weise Jakob's und

seiner zwölf Söhne und nach der Israels auf dem Krankenbette« zu

ertheilen hat. Der Bischofstitel hat bei den Mormonen nicht die hohe

Bedeutung wie in anderen Kirchen. Die Bischöfe gehören zu der

aaronischen Priesterschaft oder den Leviten. Jeder Nachkomme Levi's,

der den Latterday-Saints beitritt, hat gesetzlichen Anspruch auf

dieses Amt, und zwar kann derselbe dann unabhängig, ohne beigesetzte

Räthe fungiren. Findet sich kein solcher, so kann einer der Priester

mit den bischöflichen Geschäften beauftragt werden. Diese bestehen

vornehmlich in der Beaufsichtigung der Zehnten-Arbeit, in Einsammlung

des Zehnten, mag er nun in Naturallieferungen oder in einem

Geldäquivalent eingeliefert werden, in der Verwaltung der Magazine

und -- so war es wenigstens während der ersten Jahre der Ansiedelung

in Deseret -- in der Schlichtung von Rechtsstreitigkeiten

untergeordneter Art.

»Der Beruf eines Apostels besteht außer der Stiftung und

Beaufsichtigung der auswärtigen Gemeinden in der Taufe, in der Weihe

anderer Priester, in der Confirmation der Getauften durch

Handauflegung, in Lehre, Schriftdeutung und Ermahnung und in der

Leitung gottesdienstlicher Versammlungen. Wofern kein Apostel da ist,

fallen diese Befugnisse dem Hohenpriester zu. Fehlt auch dieser, so

übernimmt sie ein Aeltester. Ist auch kein Aeltester vorhanden, so

vertritt ihn als Führer der Gemeinde ein Priester, dem, wenn der

Aelteste zugegen ist, lediglich das Taufen und Predigen sowie der

Besuch bei den einzelnen Gemeindegliedern zum Behufe häuslicher

Erbauung obliegt. Die Pflicht der Lehrer ist stete Wachsamkeit, damit

keine Ungerechtigkeit, keine Härte, kein Lügen und Verleumden

überhand nimmt und die Gemeinde sich fleißig vor Gott versammelt,

sowie den gebührenden Zehnten entrichtet von allem, was sie hat. Der

Lehrer darf in Abwesenheit von Mitgliedern höherer Grade auch die

Leitung frommer Versammlungen übernehmen und ist in Erfüllung seiner

Obliegenheiten von den Diakonen zu unterstützen; doch ist weder er

noch einer der letzteren befugt zur Ausspendung der Sacramente oder

zur Handauflegung.«

Ein solcher Fall tritt aber nur bei sehr schwachen Gemeinden ein, da

die Häupter der Secte, der maßlosen Titelsucht der Amerikaner

Rechnung tragend, mit der Verleihung von Graden und Beförderungen

äußerst freigebig sind. In Cincinnati z. B. war ein hoher Priester,

der, irren wir nicht, seines Zeichens Schneidergesell war. Sein

College, der sich Bischof nannte, nährte sich im profanen Leben durch

einen Handel mit Hausmitteln und Wunderpillen. Unter der dreißig bis

vierzig Köpfe starken Gemeinde waren also, die bloßen Priester und

Aeltesten ungerechnet, zwei hohe Würdenträger, und ein ähnliches

Verhältniß fand in St. Louis statt, wo wir eine Gemeinde von über

tausend Seelen trafen.

Ein eigenthümlicher und ziemlich bezeichnender Zug ist die

Verbindung, in welche Smith seine Priesterschaft mit der

Freimaurerei setzte. Er lehrte, daß die »königliche Kunst«

ursprünglich ein kirchliches Institut gewesen sei, bestimmt, die

tiefer liegenden Geheimnisse des Evangeliums, seine esoterische

Lehre fortzupflanzen und zu deuten. Er behauptete ferner, daß dieses

Institut mit der Abnahme wahrer Frömmigkeit in der christlichen

Kirche ebenfalls in Verfall gerathen sei, und gab endlich vor, daß

ein Engel ihm die im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangenen

wahren Zeichen, Griffe und Worte der verschiedenen Grade des Bundes

wieder mitgetheilt habe, und daß er deshalb, als er in die Logen von

Illinois getreten, mit der rechten Art zu arbeiten vertrauter

gewesen sei als die am Weitesten Vorgeschrittenen. Die Großloge des

Staates freilich war darüber anderer Ansicht und untersagte ihm

wegen ungebührender Anmaßung und Ignoranz das Betreten der unter ihr

stehenden Bauhütten. Aber Smith erklärte dies für eine Handlung des

Neides und stiftete nun selbst in Nauvoo eine Loge, die in

Neujerusalem fortgesetzt wurde und einst ihre Werkstätte im Tempel

selbst haben wird. Die Priester gehören verschiedenen masonischen

Graden an. Den besonders Gläubigen wird raschere Beförderung zu

Theil. Laue und Solche, die in Entrichtung des Zehnten lässig sind,

müssen zurückstehen. Bei der Grundsteinlegung zum Tempel sowie bei

seiner dereinstigen Einweihung wird die Freimaurerbrüderschaft eine

hervorragende Rolle spielen.

Als Nachtrag sei noch bemerkt, daß es einst auch Priesterinnen geben

wird, daß ferner dieselben zugleich in gewisse Grade der Freimaurerei

eingeweiht werden sollen, und daß endlich die Berichte, als würde die

gesammte Priesterschaft der Mormonen von den Laien ernährt, auf einem

Misverständnisse beruhen, indem nur ein Theil der obersten Grade von

dem Zehnten des Vermögens neueintretender Kirchenglieder und dem von

allem Verdienst erhobenen Zehnten Antheile empfangen, dafür aber mit

Geschäften aller Art überhäuft sind, von denen viele der Gemeinschaft

wirklichen Nutzen schaffen. Die Zukunft der mormonischen

Priesterschaft aber ist eine ungeheure. Außer den Orden Melchisedek

und Aaron »giebt es (das stimmt allerdings nicht recht mit dem oben

mitgetheilten Glaubensbekenntnisse) durchaus keine von Gott

anerkannte Gewalt auf Erden, und Könige, Fürsten, Herrscher,

Präsidenten, Gouverneure, Obrigkeiten sind, wofern sie nicht

gesetzlich geweiht, und mit der Vollmacht jenes Priesterthums des

Sohnes Gottes bekleidet sind, als Usurpatoren zu betrachten« -- und,

dürfen wir hinzusetzen, nur so lange auf Thron oder Tribune zu

dulden, als sie die Uebermacht für sich haben.

Siebentes Kapitel.

Die Vielweiberei der Mormonen, ihre Rechtfertigung und ihre Ausübung.

-- Auch Christus war mit drei Frauen vermählt. -- Verheirathete und

Versiegelte. -- Die Adoptivsöhne Brigham Youngs.

Schon seit geraumer Zeit wurde von den Mormonen berichtet, sie, oder

wenigstens einige von ihnen lebten in Deseret in Vielweiberei. Dieser

Vorwurf wurde von ihnen fortwährend in Abrede gestellt, und es schien

in der That unbegreiflich, wie in einer neugegründeten Colonie die

Hühnerehe möglich sein solle, da die Statistik nachweist, daß in

derartigen Niederlassungen die Zahl der Männer beträchtlich größer

als die der Frauen ist. Allein die Berichte waren aus guter Hand,

neuere Reisende erzählten, wie man in Neujerusalem selbst die

Thatsache nicht mehr verhehle, daß viele Mormonen und namentlich die

Häupter der Secte zahlreich besetzte Harems haben, und daß man

demnächst sich offen und ungescheut vor aller Welt zur Polygamie

bekennen werde. Dies geschah denn auch im Jahre 1853, wo Orson Pratt

in seinem zu Washington erscheinenden »Seer« eine ausführliche

Vertheidigung der »Pluralität« oder »himmlischen Vermählung,« wie man

das Institut euphemistisch genannt, veröffentlichte.

Allein schon zehn Jahre vorher hatte Joseph Smith eine Offenbarung

gehabt, in welcher ihm Jehova die Vielweiberei unter seinem Volke

einzuführen gebot, und die Anklagen, welche gegen den Propheten von

Nauvoo laut geworden waren, hatten ihre vollkommene Richtigkeit

gehabt. Wir theilen jene Offenbarung, die bis jetzt geheim gehalten

wurde, als ein Beispiel des kunterbunten Styls, in welchem der

Mormonengott redet, in einem ausführlichen, nur die eigenen Worte des

Propheten enthaltenden Auszuge mit. Sie wurde Smith am 12. Juli 1843

ertheilt, ist in Nummer 1 der ebengenannten Wochenschrift Pratts

abgedruckt und lautet wie folgt:

»Wahrlich, so spricht der Herr zu meinem Knechte Joseph, da Du von

mir zu erfahren gewünscht hast, worin ich der Herr meine Knechte

Abraham, Isaak und Jakob, desgleichen Moses, David und Salomo, meine

Knechte, in Betreff des Grundsatzes und der Lehre, daß sie mehrere

Weiber und Beischläferinnen gehabt, gerechtfertigt habe: siehe, so

will ich der Herr dein Gott Dir in dieser Sache antworten. Darum so

bereite Dein Herz, um die Unterweisungen, die ich Dir zu geben im

Begriffe bin, zu vernehmen und ihnen zu gehorchen; denn alle, welchen

dieses Gesetz offenbart wird, müssen ihm gehorchen. Denn siehe, ich

offenbare Dir einen neuen und ewigen Bund, und wenn Du diesen Bund

nicht hältst, so bist Du verdammt; denn Niemand kann diesen Bund

verwerfen und in meine Herrlichkeit eingehen. Denn alle, welche einen

Segen aus meiner Hand empfangen wollen, sollen dem Gesetze nach

leben, welches für diesen Segen bestimmt war, und die Bedingungen

erfüllen, welche festgestellt wurden vor Erschaffung der Welt, und

welche zu dem neuen und ewigen Bunde gehören. Das Gesetz wurde

gegeben, damit meine Herrlichkeit vollkommen werde, und der, welcher

dasselbe in seiner Fülle empfängt, muß und soll dem Gesetze

nachkommen, oder er wird verdammt, sagt Gott der Herr.

Und wahrlich, ich sage euch, daß die Bedingungen dieses Gesetzes

folgende sind: Alle Bündnisse, Verträge, Zusagen, Verpflichtungen,

Eide, Gelübde, Verbindungen, Vereinigungen oder Erwartungen, die

nicht vom heiligen Geiste der Verheißung, dem Geiste dessen, der

gesalbt ist, gemacht, eingegangen und besiegelt sind für Zeit und

Ewigkeit durch Offenbarung und Gebot, durch Vermittelung eines

Gesalbten, den ich bestimmt habe, auf Erden diese Gewalt zu haben

(und zwar habe ich meinem Knechte Joseph diese Gewalt übertragen, und

es ist immer nur einer auf einmal auf Erden, dem die Gewalt und die

Schlüssel des Priesterthums übergeben sind), sind ungiltig und

unkräftig in und nach der Auferstehung der Todten. Denn alle

Verträge, die nicht zu diesem Zwecke geschlossen sind, haben ein

Ende, wenn der Mensch todt ist.

Siehe, mein Haus ist ein Haus der Ordnung, sagt Gott der Herr und

nicht ein Haus der Verwirrung. Werde ich ein Opfer annehmen, sagt der

Herr, welches nicht in meinem Namen gebracht wird? Oder werde ich aus

euren Händen annehmen, was ich nicht bestimmt habe? Und werde ich

euch, sagt der Herr, etwas anders als durch das Gesetz bestimmen,

welches ich und mein Vater euch verordnete, ehe denn die Welt war?

Ich bin der Herr dein Gott, und ich gebe dir dieses Gebot, daß

Niemand zum Vater kommen soll als durch mich oder durch mein Wort,

welches mein Gesetz ist, sagt der Herr; und alles, was in der Welt

eingesetzt ist, sei es nun von Thronen, Fürstenthümern oder Gewalten

irgend welcher Art verordnet, soll, wenn es nicht durch mich, oder

durch mein Wort geweiht ist, umgeworfen werden und in und nach der

Auferstehung aufhören, sagt der Herr dein Gott. Denn was da übrig

bleibet, ist durch mich, und was nicht von mir ist, soll erschüttert

und vernichtet werden.

Darum so ein Mann sich in der Welt ein Weib nimmt und sie nicht durch

mich und mein Wort heirathet, und er mit ihr ein Bündniß eingeht auf

so lange, als er in der Welt ist, und sie mit ihm, so ist ihr Ehebund

ohne Kraft, wenn sie todt sind und wenn sie aus der Welt sind. Darum

so sind sie durch kein Gesetz gebunden, wenn sie aus der Welt sind.

Darum, wenn sie aus der Welt sind, so freien sie nicht, noch lassen

sie sich freien, sondern sind wie die Engel im Himmel, welche Engel

dienende Geister sind, die zu bedienen, welche einer weit größeren,

höheren und ewigen Herrlichkeit würdig befunden worden sind. Denn

diese Engel gehorchten meinem Gesetze nicht; deshalb kann ihre Zahl

nicht vermehrt werden, sondern sie bleiben für sich und

unverheirathet, ohne Erhöhung in ihrem erlösten Zustande in alle

Ewigkeit, und sind fortan keine Götter, sondern Engel Gottes ewiglich.

Und wiederum, wahrlich ich sage euch, wenn ein Mann eine Frau nimmt

durch mein Wort, welches mein Gesetz ist, und durch den neuen und

ewigen Bund, und wenn es ihnen besiegelt wird durch den heiligen

Geist der Verheißung, durch ihn, welcher gesalbt ist, dem ich diese

Gewalt und die Schlüssel dieses Priesterthums übertragen habe, so

soll zu ihnen gesagt werden, ihr sollt in der ersten Auferstehung

hervorgehen, und wenn es nach der ersten Auferstehung ist, in der

nächsten Auferstehung, und sollt ererben Throne, Königreiche,

Fürstenthümer, Gewalten und Herrschaften, alle Höhen und Tiefen. Dann

soll es in des Lammes Buch des Lebens geschrieben werden, daß er

keinen Mord begehen und kein unschuldiges Blut vergießen soll. Und

wenn sie meinem Bunde gehorsam sind und kein unschuldiges Blut

vergießen, so sollen sie die Engel und die Götter übertreffen an

Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, welche in einer Kraftfülle und in

ewiger Fortpflanzung ihres Samens bestehen soll. Dann werden sie

Götter sein, weil sie kein Ende haben. Darum sollen sie von Ewigkeit

zu Ewigkeit sein, weil sie fortdauern; dann sollen sie über Allen

sein, weil alle Dinge ihnen unterworfen sind. Dann sollen sie Götter

sein, weil sie alle Macht haben und die Engel ihnen unterthan sind.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ein Mann eine Frau nach

meinem Worte nimmt und sie durch den heiligen Geist der Verheißung

nach meiner Verordnung versiegelt sind, so werden sie, mögen sie auch

alle Sünde und Uebertretung begehen und allerlei Gotteslästerung,

ausgenommen Mord und Vergießung unschuldigen Blutes, dennoch in der

ersten Auferstehung hervorgehen und erhöhet werden; aber sie sollen

im Fleische vertilgt und dem Teufel übergeben werden bis auf den Tag

der Erlösung, sagt Gott der Herr.

Ich bin der Herr dein Gott und will dir das Gesetz meines heiligen

Priesterthums mittheilen, wie es von mir und meinem Vater verordnet

worden ist, ehe denn die Welt war. Abraham empfing alles, was er

empfing, durch Offenbarung und Geheiß meines Wortes, sagt der Herr,

und ist in seine Erhöhung eingegangen und sitzt auf seinem Throne.

Gott gebot Abraham und Sarah gab Hagar dem Abraham zum Weibe. Und

warum that sie dies? Weil es Gesetz war, und aus Hagar entsprangen

viele Völker. Das war darum Erfüllung der Verheißungen. War Abraham

deshalb zu verdammen? Wahrlich ich sage euch: Nein, denn ich der Herr

gebot es. Abraham wurde befohlen, seinen Sohn Isaak zu opfern, obwohl

geschrieben stand: Du sollst nicht tödten. Abraham aber weigerte sich

nicht, und es ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet. Abraham nahm

sich Beischläferinnen und sie gebaren ihm Kinder, und es wurde ihm

zur Gerechtigkeit angerechnet, weil sie ihm gegeben wurden und er

meinem Gesetze nach lebte, wie auch Isaak und Jakob, die nichts

anders thaten, als was ihnen geboten wurde. Sie sind erhöhet worden

nach der Verheißung und sitzen auf Thronen und sind nicht Engel,

sondern Götter. Auch David nahm viele Weiber und Kebsweiber,

desgleichen Salomo, und Moses mein Knecht und andere meiner Knechte

vom Anfange der Welt an.

Ich bin der Herr dein Gott und ich gab Dir, mein Knecht Joseph, den

Auftrag, alle Dinge wiederherzustellen. Bitte, was Du willst, und es

soll Dir gegeben werden nach meinem Worte. Und da du mich in Betreff

des Ehebruchs gefragt hast, wahrlich, wahrlich, so sage ich dir, wenn

ein Mann ein Weib nimmt nach dem neuen und ewigen Bunde und sie mit

einem andern Manne Umgang pflegt und ich habe es ihr nicht gestattet

durch meinen heiligen Gesalbten, so hat sie die Ehe gebrochen und

soll vertilgt werden. Und wenn sie dem neuen und ewigen Bunde nicht

angehört und mit einem andern Manne Umgang hat, so hat sie ebenfalls

die Ehe gebrochen; und wenn ihr Gatte mit einer andern Frau Umgang

pflegt, so hat er sein Gelübde verletzt und Ehebruch begangen. Und

wenn sie nicht Ehebruch begangen hat, sondern unschuldig ist, und sie

es weiß, und ich es Dir, mein Knecht Joseph offenbare, so sollst Du

durch die Gewalt meines heiligen Priesterthums die Macht haben, sie

zu nehmen und dem zu geben, der keines Ehebruchs schuldig ist.

Und wahrlich, wahrlich ich sage Dir, was Du versiegelst auf Erden,

soll im Himmel versiegelt sein, und was Du bindest auf Erden in

meinem Namen und durch mein Wort, das soll auf ewig im Himmel

gebunden sein, und welche Sünden Du erlässest auf Erden, die sollen

ewiglich erlassen sein im Himmel, und welchem Du die Sünde behältst

auf Erden, dem sollen sie im Himmel behalten sein. Wen du segnest,

den will ich segnen, und wem du fluchest, dem will ich fluchen,

spricht der Herr; denn ich der Herr bin Dein Gott.

Wahrlich ich sage dir, ich gebe ein Gebot meiner Magd Emma Smith,

Deiner Ehefrau, welche ich Dir verliehen habe, daß sie sich enthalte

und nicht genieße, was ich Dich ihr anbieten ließ. Denn ich that es,

sagt der Herr, um Euch zu prüfen, wie ich mit Abraham that. Und laß

meine Magd Emma Smith freundlich aufnehmen alle, die meinem Knechte

Joseph verliehen sind, und welche tugendhaft und rein vor mir sind.

Und die, welche sich für rein ausgegeben haben, und nicht rein sind,

sollen untergehen. Und ich gebiete meiner Magd Emma Smith, bei meinem

Knechte Joseph zu wohnen und ihm anzuhängen und keinem Andern. Wenn

sie aber diesem Befehle nicht gehorcht, so soll sie vertilgt werden.

Denn ich bin der Herr Dein Gott, und will sie wegen ihrer

Uebertretung meines Gesetzes vertilgen. Wenn sie aber diesem Geheiße

nicht folgen will, so soll mein Knecht Joseph alles für sie thun, wie

er gesagt hat, und ich will ihn segnen und mehren, und ihm geben

hundertfältig in dieser Welt, Vater und Mütter, Brüder und

Schwestern, Häuser und Ländereien, Weiber und Kinder und Kronen des

ewigen Lebens in jener Welt. Und wiederum, wahrlich ich sage euch,

lasset meine Magd Emma Smith meinem Knechte Joseph vergeben seine

Schuld, dann soll ihr ihre Schuld vergeben werden, mit der sie sich

gegen mich versündigt hat, und ich der Herr dein Gott will sie segnen

und sie mehren und machen daß ihr Herz jubelt.«

Die letzten Sätze gehen darauf, daß die Frau des Propheten, seiner

Untreue überdrüssig, sich von ihm zu trennen und mit einem Andern zu

verheirathen wünschte und bereits das Haus Smiths verlassen hatte.

Der Kernpunkt der Offenbarung aber liegt in den Paragraphen 23 bis

25, welche den Schluß bilden, und wo Jehova sich folgendermaßen

vernehmen läßt:

»Wahrlich, wenn Jemand von meinem Vater berufen ist, wie Aaron war,

durch meine Stimme und durch die Stimme dessen, der mich gesandt hat,

und ich ihn mit den Schlüsseln der Macht dieses Priesterthums belehnt

habe, so mag er in meinem Namen und nach meinem Gesetze und Worte

Alles thun, er wird keine Sünde begehen, und ich werde ihn

rechtfertigen. Greife darum Niemand meinen Knecht Joseph an. Denn ich

will ihn rechtfertigen, denn er soll das Opfer, das ihm möglich ist,

für seine Uebertretung darbringen, sagt der Herr, euer Gott.

Und abermals, was das Gesetz des Priesterthums betrifft, wenn Jemand

eine Jungfrau heirathet und begehrt eine andere zu freien, und die

erste giebt ihr Einwilligung, und wenn er die zweite heirathet und

sie Jungfrauen sind und haben sich keinem Andern verlobt, so ist er

gerechtfertigt. Er kann keinen Ehebruch begehen; denn sie sind ihm

gegeben. Denn er kann nicht Ehe brechen mit dem, das ihm gehört und

keinem Andern. Und wenn ihm durch dieses Gesetz auch zehn Jungfrauen

verliehen würden, so kann er doch keinen Ehebruch begehen; denn sie

gehören ihm und sind ihm gegeben, und darum ist er gerechtfertigt.

Wenn aber eine oder die andere von den zehn Jungfrauen, nachdem sie

ihm vermählt ist, mit einem andern Manne Umgang pflegt, so hat sie

die Ehe gebrochen und soll vertilgt werden. Denn sie sind ihm

gegeben, daß er sich mehre und die Erde fülle nach meinem Gebote, und

die Verheißung wahr mache, welche von meinem Vater vor Erschaffung

der Welt gegeben wurde, und zu ihrer Erhöhung in der ewigen Welt, auf

daß sie die Seelen der Menschen unterm Herzen tragen; denn hierin

wird das Werk meines Vaters fortgesetzt, daß er verherrlicht werde.

Und abermals, wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn Jemand, der die

Schlüssel dieses Priesterthums hat, ein Weib besitzt, und er lehrt

ihr das Gesetz meines Priesterthums in Betreff dieser Dinge, so soll

sie ihm glauben und ihm dienen, oder sie soll vertilgt werden, sagt

der Herr euer Gott. Denn ich will sie vertilgen und meinen Namen

verherrlichen an allen, welche mein Gesetz annehmen und ihm gehorsam

sind. Darum so soll es Gesetz sein, wenn sie dieses Gebot nicht

annimmt, soll er es annehmen, alles, was ich, der Herr, ihm geben

werde. Und sie wird dann zur Uebertreterin und ist ausgeschlossen vom

Gesetze Sarahs, welche Abraham diente nach dem Gesetze, als ich

Abraham gebot Hagar zum Weibe zu nehmen. Und nun, was dieses Gesetz

anbelangt, wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ich will euch später

mehr noch offenbaren; darum möge dies für jetzt genug sein. Siehe ich

bin Alpha und Omega. Amen!«

Die Mormonen, ihr Prophet, ihr Staat und ihr Glaube · 第 8 / 12 段