(lacht):
Vielleicht; wer weiß, Fräulein Majakin.
Fräulein Majakin:
Es liegt immer daran, wenn ein Mann so unstät ist, daß ihm die Frau, die
ihn versteht, bis in die geheimste Regung der Seele, noch nicht begegnet
ist.
Lucie:
Vielleicht wissen Sie eine Frau für ihn! Jede Frau denkt allerdings, sie
sei die rechte. Ich schwöre sogar, die arme Eveline ist überzeugt davon,
daß sie für Schilling die ausgesucht einzig richtige Gattin ist. Aber
man kann ja nicht wissen, ob Ihr Instinkt nicht wirklich das Richtige
trifft, Fräulein Majakin. (Kurzes Stillschweigen.) Finden Sie nicht, es
ist etwas so Verhaltenes, etwas, was förmlich beängstigt, in der Luft?
Fräulein Majakin:
Etwas Totes, ja. Das macht die Windstille.
Lucie:
Es drückt! Sehen Sie mal. Wie jedes Boot doppelt auf der absolut
spiegelglatten Fläche liegt. Ich möchte um Schillings willen, daß Wind
käme. Er hat sich so sehr einen Sturm gewünscht.
Fräulein Majakin:
Meistens erschrickt der Mensch vor die Natur; manchmal scheint die Natur
vor den Mensch zu erschrecken.
Lucie:
Mit Schilling, glaub ich, ist es aus.
Schon seit einiger Zeit hat man in der Ferne rufen gehört. Fischer
laufen unten am Strand hin und her. Lucie und Fräulein Majakin
schenken diesen Vorgängen keine Aufmerksamkeit. Sie sind nun immer
weiter nach vorn hin schreitend, rechts zwischen den Dünen
verschwunden. Der Tischlermeister Kühn kommt mit seinem Lehrjungen,
der eine Radwer führt. Sie beginnen Bretter aufzuladen.
Kühn:
Junge, mach fix, et gibt Wind!
Der Junge:
Wat haben denn de Fischers unten am Strande, Meester?
Kühn:
De Häring kommt.
Der Junge:
Sehen Se nicht de Lichter draußen uf See, Meester? Unsre Fischer sind
alle schon draußen.
Kühn:
Na, denn laß se man machen und lade de Bretter uf.
Der Junge:
Ob wohl der Kunstmaler aus Berlin sterben wird, Meester?
Kühn:
Halts Maul! wat jeht uns dat an!
Der Junge:
Ick dachte bloß, weil wir dem kienenen Sarg machen.
Kühn:
Für wen man so'n Sarg machen dut, det weeß Jott!
Der Junge:
Meester, Meester, dort kommt er ja.
Kühn:
Wer denn?
Der Junge:
Denn is er ja jar nich krank, Meester.
Gabriel Schilling kommt von links, aus den Dünen. Er ist
unzureichend bekleidet: Hemd, Beinkleider, Jackett, keine Weste,
kein Hemdkragen, keine Strümpfe in den Schuhen. Er geht schnell,
wie ein Nachtwandler, gerade auf die Gallionfigur zu, die im
Scheine des Blinkfeuers vom Leuchtturm in bestimmten Zwischenräumen
heller beleuchtet wird. Nahe herangekommen, steht er still und
blickt zu ihr hinauf.
Kühn:
'N Abend.