_Wilhelm Keller_ aus Grosheim.
(Aus den Annalen der Chemie und Pharmacie.)
Schon in der früheren Ausgabe von _Berzelius_’ Lehrbuch der Chemie (1831
Bd. ~IV.~ S. 376) hatte Herr Professor _Wöhler_ die Vermuthung
ausgesprochen, daß die Benzoesäure bei der Verdauung wahrscheinlich in
Hippursäure umgewandelt werde. Diese Vermuthung gründete sich auf einen
Versuch, den derselbe über den Uebergang der Benzoesäure in den Harn
angestellt hatte. Er fand in dem Harne eines Hundes, der mit dem Futter
¹/₂ Drachme Benzoesäure gefressen hatte, eine in nadelförmigen Prismen
krystallisirende Säure, die im Allgemeinen die Eigenschaften der
Benzoesäure hatte und die er auch für solche hielt (_Tiedemann’s_
Zeitschrift für Physiologie Bd. ~I.~ S. 142). Indessen waren diese
Krystalle offenbar Hippursäure, wie aus der Angabe, daß sie wie Salpeter
ausgesehen und bei der Sublimation Kohle hinterlassen hätten, deutlich
hervorgeht. Allein die Hippursäure war damals noch nicht entdeckt und es
ist bekannt, daß sie bis 1829, wo sie zuerst von _Liebig_ unterschieden
wurde, allgemein mit der Benzoesäure verwechselt worden ist.
[82] Zu den Beweisen, welche _Ure_ für die Umwandlung der Benzoesäure
in Hippursäure im menschlichen Körper angegeben hat, sind durch Herrn
_Keller_ einige ganz entscheidende gekommen, die ich ihrer
physiologischen Wichtigkeit wegen diesem Buche beigebe. Die Versuche
des Herrn _Keller_ sind in dem Laboratorium des Herrn Prof. _Wöhler_
in Göttingen angestellt worden; sie setzen die Thatsache außer allen
Zweifel, daß ein in der Nahrung genossener stickstofffreier Körper an
dem Act der Umsetzung der thierischen Gebilde und an der Bildung eines
Secretes durch seine Bestandtheile Antheil nehmen kann. Diese
Thatsache verbreitet auf die Wirkung der meisten Arzneimittel ein
unzweideutiges Licht, und wenn sich der Einfluß des Caffeins auf die
Bildung des Harnstoffs oder der Harnsäure in einer ähnlichen Weise
nachweisen läßt, so ist damit der Schlüssel zu der Wirkung des Chinins
und der anderen organischen Basen gegeben.