_Kraftmomente_ und _Bewegungsmomente_ sind demnach in der Mechanik

Ausdrücke oder Maßstäbe für Kraftwirkungen, die sich auf eine in

gegebener Zeit erlangte Geschwindigkeit oder auf einen gegebenen Raum

beziehen; in diesem Sinne lassen sie sich auf die Wirkungen aller

anderen Ursachen der Bewegung, Form- und Beschaffenheitsveränderung

übertragen, wie groß oder wie klein auch der Raum oder die Zeit sein

mag, in der sich ihre Wirkung für die Sinne offenbart.

Eine jede Kraft äußert sich demnach in der Materie als Widerstand gegen

äußere Ursachen der Orts- (Form- und Beschaffenheits-) Veränderung; als

Bewegung-erzeugende Kraft zeigt sie sich, wenn ihr keine Widerstände

entgegenstehen oder in der Ueberwindung von Widerständen.

Eine und dieselbe Kraft wirkt Bewegung mittheilend und Bewegungen

vernichtend; in dem einen Falle, wenn ihrer Thätigkeitsäußerung keine

Widerstände entgegenstehen; in dem andern, wenn sie selbst die Aeußerung

einer andern Ursache der Bewegung (Form- und Beschaffenheits-Aenderung)

aufhebt. Gleichgewicht (oder Ruhe) heißt der Zustand der Thätigkeit, wo

ein Kraft- oder Bewegungsmoment, durch ein entgegengesetztes Kraft- oder

Bewegungsmoment aufgehoben ist.

Beide Thätigkeitsäußerungen beobachten wir an der Kraft, welche den

belebten Körpertheilen ihre eigenthümlichen Eigenschaften giebt.

Durch Aufhebung der zwischen den Bestandtheilen der Nahrungsstoffe

wirkenden chemischen Kräfte (der Cohäsion und Affinität), durch

Aenderung der Lage oder des Ortes, in welchem sich ihre

Elementartheilchen befinden, giebt sich die Lebenskraft als bewegende

Kraft zu erkennen; sie äußert sich als Bewegung erzeugende Kraft durch

Ueberwindung der chemischen Anziehung der Bestandtheile der

Nahrungsstoffe und als die Ursache, die sie zwingt, sich in einer neuen

Ordnung mit einander zu vereinigen.

Es ist klar, daß einem belebten Körpertheil, welcher also die Fähigkeit

besitzt, Widerstände aufzuheben und den Elementartheilchen der

Nahrungsstoffe eine Bewegung mitzutheilen durch die in ihm frei sich

äußernde Lebenskraft, ein Bewegungsmoment zukommen muß, was ja nichts

anderes ist, als das Maß der eingetretenen Bewegung, Form- und

Beschaffenheits-Aenderung.

Wir wissen, daß dieses Bewegungsmoment der Lebenskraft in einem belebten

Körpertheil verwendbar ist, um ruhenden Materien Bewegung zu ertheilen

(Zersetzung zu bewirken, Widerstände aufzuheben), und wenn die

Lebenskraft in ihren Aeußerungen sich ähnlich verhält wie andere

Kräfte, so muß dieses Bewegungsmoment mitgetheilt oder fortgepflanzt

werden können durch Materien, die in sich selbst durch eine

entgegenwirkende Thätigkeit seine freie Aeußerung nicht aufheben.

Die durch irgend eine Ursache gewonnene Bewegung eines Stoffes oder

einer Materie kann in sich selbst nicht vernichtet werden, sie kann zwar

für die Wahrnehmung verschwinden, allein auch aufgehoben durch

Widerstände (durch entgegengesetzte Kraftwirkungen) wird ihr Effect

nicht vernichtet. Der fallende Stein übt durch seine im Fallen gewonnene

Bewegungsgröße, auf dem Tische angelangt, eine Wirkung aus; der

hervorgebrachte Eindruck auf das Holz, die Geschwindigkeit, welche von

der seinigen sich auf die Holztheile überträgt, ist sein Effect.

Uebertragen wir die Begriffe von Bewegung, Gleichgewicht und Widerstand

auf die chemischen Kräfte, die in ihrer Wirkungsweise der Lebenskraft

unendlich näher stehen, als die Schwere, so wissen wir mit der größten

Bestimmtheit, daß sie nur bei unmittelbarer Berührung sich thätig

zeigen; wir wissen, daß die ungleiche Fähigkeit chemischer Verbindungen,

Widerstand gegen äußere Störungen zu leisten, gegen die Einwirkung der

Wärme, der elektrischen Kraft, die ihre Theilchen zu trennen streben, so

wie ihr Vermögen Widerstände in anderen Verbindungen aufzuheben

(Zersetzung zu bewirken), daß mit einem Worte die in einer Verbindung

thätige Kraft, abhängig ist von einer gewissen Ordnung, in welcher sich

ihre Elementartheilchen berühren.

Die nämlichen Elemente in einer andern Ordnung mit einander vereinigt,

äußern mit anderen Verbindungen in Berührung eine höchst ungleiche

Fähigkeit Widerstand zu leisten oder Widerstände aufzuheben, in der

einen Form ist die zur Aeußerung gelangte Kraft verwendbar (der Körper

ist activ, eine Säure z. B.), in der andern nicht (er ist indifferent),

in einer dritten Form ist sein Kraftmoment der ersten entgegengesetzt

(er ist activ, aber eine Basis).

Aendern wir die Ordnung der Elemente, so sind wir im Stande, die

Bestandtheile einer Verbindung durch einen andern activen Körper zu

trennen, die, in einer andern Form vereinigt, seiner Action einen

unüberwindlichen Widerstand entgegensetzten.

Aehnlich wie zwei gleiche unelastische Massen von gleicher

Geschwindigkeit, die aus entgegengesetzter Richtung getrieben, mit

einander in Berührung kommend, zur Ruhe gelangen, ähnlich also wie zwei

gleiche aber entgegengesetzte Bewegungsmomente sich gegenseitig

aufheben, kann das Kraftmoment einer chemischen Verbindung, durch ein

gleiches aber entgegengesetztes Kraftmoment einer zweiten Verbindung

ganz oder zum Theil aufgehoben, allein es kann nicht vernichtet werden,

so lange die Ordnung nicht gestört wird, durch welche die in ihnen

wohnende Kraft zur Aeußerung gelangt ist.

Die chemische Kraft der Schwefelsäure ist im Gyps eben so ungeschwächt

vorhanden, als im Vitriolöl, aber für die Wahrnehmung ist sie

verschwunden; nehmen wir die Ursache hinweg, die ihre Aeußerung auf

andere Materien aufhob, so zeigt sie sich in ihrem Träger mit ihrer

ganzen Stärke.

So kann die Cohäsionskraft eines festen Körpers durch eine chemische

Kraft (in der Auflösung), durch Wärme (beim Schmelzen), für die

Beobachtung völlig verschwinden, ohne daß sie nur entfernt geschwächt

oder vernichtet wäre. Entfernen wir die ihr entgegenwirkende

Kraftäußerung (den Widerstand), so zeigt sie sich in der Krystallisation

unverändert.

Durch die elektrische Kraft, durch die Wärme, sind wir im Stande, der

chemischen Kraft in ihren Aeußerungen die mannigfaltigsten Richtungen zu

geben; wir stellen damit die Ordnung fest, in welcher sich die

Elementartheilchen vereinigen sollen. Nehmen wir die Ursache hinweg

(Wärme, elektrische Kraft), die ihrer schwächeren Anziehung nach der

einen Richtung hin das Uebergewicht gab, so wird die stärkere Anziehung

nach einer andern Richtung hin sich unausgesetzt thätig zeigen, und wenn

diese stärkere Anziehung das Beharrungsvermögen der Elementartheilchen

überwinden kann, so werden sich die Elementartheile in einer neuen Form

mit einander vereinigen, das ist, es wird eine neue Verbindung von

veränderten Eigenschaften gebildet werden müssen.

In Verbindungen dieser Art, in welchen also die freie Aeußerung der

chemischen Kraft, durch andere Kräfte gehindert wurde, kann ein Stoß,

eine mechanische Reibung, die Berührung mit einer Materie, deren

Elementartheile sich im Zustande der Bewegung (Umsetzung, Zersetzung)

befinden, irgend eine Ursache von Außen, deren Thätigkeit sich der

stärkeren Anziehung der Elementartheilchen nach einer andern Richtung

hinzufügt, hinreichen, um dieser stärkeren Anziehung das Uebergewicht zu

geben, das Beharrungsvermögen zu überwinden, ihre Form und

Beschaffenheit, welche sie der Mitwirkung fremder Ursachen verdanken, zu

ändern, ein Zerfallen der Verbindung in eine oder mehrere neue Körper

von veränderten Eigenschaften zu bewirken.

Umsetzungen, oder wenn man will, Bewegungserscheinungen, können in

Verbindungen dieser Classe, bewirkt werden durch die in einer andern

chemischen Verbindung frei und verwendbar wirkende chemische Kraft, und

zwar ohne daß ihre Aeußerung durch Widerstände erschöpft oder aufgehoben

wird. So wird das Gleichgewicht in der Anziehung der Elemente des

Rohrzuckers, durch Berührung mit einer sehr kleinen Menge Schwefelsäure

aufgehoben; er verwandelt sich in Traubenzucker; ganz ähnlich sehen wir

die Elemente des Amylons sich mit den Elementen des Wassers zu einer

neuen Form ordnen, ohne daß die Schwefelsäure, welche gedient hatte, um

diese Umsetzung zu bewirken, ihren chemischen Charakter verliert, sie

bleibt in Bezug auf andere Materien, auf die sie eine Wirkung äußert,

ebenso activ als wie vorher, grade so, als wenn sie keine Art von

Wirkung auf das Amylon ausgeübt hätte.

Ganz verschieden von der Aeußerung der sogenannten mechanischen

Kräfte haben wir in den chemischen Kräften Ursachen von

Bewegungserscheinungen, von Form- und Beschaffenheitsänderungen, ohne

wahrnehmbare Erschöpfung der Kraft, wodurch sie hervorgerufen werden,

erkannt; allein der Grund der fortdauernden Thätigkeitsäußerung bleibt

stets derselbe, es ist der Mangel einer entgegengesetzten Thätigkeit

(eines Widerstandes), der sie aufzuheben oder ins Gleichgewicht zu

setzen fähig ist.

Aehnlich wie die Aeußerungen der chemischen Kräfte (das Kraftmoment

einer chemischen Verbindung) abhängig erscheinen von einer bestimmten

Ordnung, in der sich ihre Elementartheilchen berühren, zeigt die

Erfahrung, daß die Lebenserscheinungen unzertrennlich von der Materie

sind, daß die Aeußerungen der Lebenskraft in einem belebten Körpertheil

bedingt werden durch eine gewisse Form des Trägers und durch eine

gewisse Ordnungsweise seiner Elementartheilchen; heben wir die Form oder

Zusammensetzung des Organs auf, so verschwinden alle Lebensäußerungen.

Nichts hindert uns, die Lebenskraft als eine besondere Eigenschaft zu

betrachten, die gewissen Materien zukommt, und wahrnehmbar wird, wenn

ihre Elementartheilchen zu einer gewissen Form zusammengetreten sind.

Diese Vorstellung nimmt den Lebenserscheinungen nichts von ihrer

wunderbaren Eigenthümlichkeit, man kann sie als einen Anhaltspunkt

betrachten, von dem aus sich eine Untersuchung derselben, sowie die

Erforschung ihrer Gesetze anknüpfen läßt, ganz so wie man die

Eigenschaften und Gesetze der Bewegungen des Lichts, als abhängig von

einer Lichtmaterie, oder einem Aether betrachtet, der mit den

erforschten Gesetzen nichts weiter zu thun hat.

In dieser Form gedacht, vereinigt die Lebenskraft in ihren Aeußerungen

alle Eigenthümlichkeiten der chemischen Kräfte und der nicht minder

wunderbaren Ursache, die wir als den letzten Grund der elektrischen

Erscheinungen ansehen.

Die Lebenskraft äußert sich nicht wie die Schwerkraft oder magnetische

Kraft in unendlichen Entfernungen, sondern sie ist, wie die chemischen

Kräfte, nur bei unmittelbarer Berührung thätig, sie wird durch einen

Complex materieller Theile wahrnehmbar.

Ein belebter Körpertheil erhält nach obiger Voraussetzung die Fähigkeit,

Widerstand zu leisten und Widerstände aufzuheben, durch das

Zusammentreten seiner Elementartheilchen in einer gewissen Form und er

muß, so lange diese Form und Ordnung durch entgegengesetzte Kräfte nicht

aufgehoben wird, seine Kraft unausgesetzt zu behaupten vermögen.

Wenn durch den Act der Thätigkeitsäußerung eines belebten Körpertheils

die Elemente der Nahrungsstoffe in der ihm gleichen Form und

Beschaffenheit zusammengetreten sind, so erlangen sie eine ihm gleiche

Fähigkeit; es gelangt durch dieses Zusammentreten die in ihnen wohnende

Lebenskraft zur freien Aeußerung, sie wird in gleicher Weise verwendbar.

Wenn man sich nun erinnert, daß alle Nahrungsstoffe belebter Organismen

Verbindungen zweier oder mehrerer Elemente sind, welche durch chemische

Kräfte zusammengehalten werden, wenn man erwägt, daß in dem Act der

Thätigkeitsäußerung eines belebten Körpertheils die Elemente der

Nahrungsstoffe in einer andern Ordnung zusammentreten, so ist völlig

gewiß, daß das Kraft- oder Bewegungsmoment der Lebenskraft stärker war,

als die zwischen den Elementen der Nahrung sich äußernde chemische

Anziehung[F14].

[14] Die Hände eines Mannes, welcher mit einem Seile 30 Pfund 100 Fuß

hoch hebt, legen einen Weg von 100 Fuß zurück, während seine

Muskelthätigkeit einem Widerstand (Druck) von 30 Pfunden das

Gleichgewicht hält. Wäre die von dem Manne anwendbare Kraft nicht

größer, als um dem Druck von dreißig Pfunden das Gleichgewicht zu

halten, so würde er nicht vermögend sein, das Gewicht zu der

angegebenen Höhe zu heben.

Die chemische Kraft, welche die Bestandtheile zusammenhielt, wirkte

gleich einem Widerstande, welcher überwunden wurde durch die active

Lebenskraft.

Wären beide gleich gewesen, so würde keine Art von wahrnehmbarer Wirkung

eingetreten sein; bei überwiegender chemischer Action würde der belebte

Körpertheil eine Veränderung erlitten haben.

Wenn wir uns nun denken, daß eine gewisse Quantität von Lebenskraft dazu

verwendet werden mußte, um sich mit der chemischen Kraft ins

Gleichgewicht zu setzen, so bleibt immer noch ein Ueberschuß von Kraft,

durch welchen die Zersetzung bewirkt wurde; in diesem Ueberschuß besteht

das Kraftmoment des belebten Körpertheils, durch den die Zersetzung

bewerkstelligt wurde; er erhält durch ihn ein dauerndes Vermögen,

weitere Zersetzungen zu bewirken und seinen Zustand, seine Form und

Beschaffenheit gegen äußere Actionen zu behaupten.

Wir können uns denken, daß dieser Ueberschuß hinweggenommen und in einer

andern Weise verwendet werden kann; das Bestehen des belebten

Körpertheils würde dadurch nicht gefährdet werden, eben weil in diesem

Falle ein Ruhe- und Gleichgewichtszustand eintreten würde; allein mit

der Hinwegnahme dieses Ueberschusses würde er seine Fähigkeit der

Zunahme an Masse, sein Vermögen weitere Zersetzungen zu bewirken,

äußeren Ursachen von Störungen zu widerstehen, verlieren. Wenn ihm in

diesem Gleichgewichtszustande Sauerstoff (eine chemische Action)

zugeführt werden würde, so würde dessen Streben, sich mit einem Elemente

des belebten Körpertheils zu vereinigen, kein Hinderniß entgegenstehen,

eben weil ihm das Vermögen, Widerstand zu leisten, durch anderweitige

Verwendung von Lebenskraft genommen worden ist. Je nach der Menge des

zugeführten Sauerstoffs würde eine entsprechende Menge des belebten

Körpertheils seinen Zustand des Lebens verlieren und die Form einer

chemischen Verbindung erhalten von einer dem belebten Stoff unähnlichen

Zusammensetzung, es würde mit einem Worte ein Wechsel in den

Eigenschaften der belebten Verbindung, ein Stoffwechsel entstehen.

Wenn wir erwägen, daß die Fähigkeit der Zunahme an Masse in der Pflanze

beinahe keine Grenze hat, daß hundert Weidenzweige, von einem Baume

genommen, zu hundert Bäumen werden, so kann man kaum einen Zweifel

hegen, daß mit dem Zusammentreten der Elemente des Nahrungsstoffs zu

einem Bestandtheil der Pflanze, zu dem vorhandenen Kraftmoment, in dem

neugebildeten Pflanzentheile ein neues Kraftmoment hinzukommt, in der

Art, daß mit der Zunahme an Masse die Summe von Lebenskraft wächst.

Je nach der Quantität verwendbarer Lebenskraft ändern sich die Producte,

die durch ihre Thätigkeit aus dem zugeführten Nahrungsstoff gebildet

werden. Die Bestandtheile der Knospe, der Wurzelfaser, des Blattes, der

Blüthe und Frucht sind höchst verschieden; die chemische Kraft, wodurch

ihre Elemente zusammen gehalten werden, ist sehr ungleich.

Von den stickstofffreien Bestandtheilen der Pflanzen kann man behaupten,

daß kein Theil des Kraftmomentes verwendet wird, um ihre Form und

Beschaffenheit zu behaupten, sobald ihre Elemente einmal in der Ordnung

zusammengetreten sind, in der sie zu Trägern der Lebenskraft werden.

Ganz verschieden verhalten sich die stickstoffhaltigen Pflanzenstoffe,

denn sie gehen, wie man gewöhnlich sagt, von der Pflanze getrennt, von

selbst in Gährung und Fäulniß über. Die Ursache dieser Zersetzung oder

Umsetzung ihrer Elemente ist die chemische Action, welche der Sauerstoff

auf einen ihrer Bestandtheile ausübt. Wir wissen nun, daß, so lange die

Pflanze Lebenserscheinungen zeigt, Sauerstoffgas von ihrer Oberfläche

abgeschieden wird, daß dieser Sauerstoff ohne alle Wirkung ist auf die

Bestandtheile der lebendigen Pflanze, zu denen er sonst die größte

Anziehung besitzt, und es ist klar, daß eine gewisse Quantität

Lebenskraft verwendet werden muß, theils um die Elemente der complexen

stickstoffhaltigen Bestandtheile, in der Form, Beschaffenheit und

Ordnung zu erhalten, die ihnen zukommt, theils als Widerstand gegen die

unaufhörliche Einwirkung des Sauerstoffs der Luft auf ihre Elemente, so

wie des Sauerstoffs, der in ihrem Organismus durch den Lebensproceß

abgeschieden wird.

Mit der Zunahme an diesen veränderlichen Bestandtheilen, in der Blüthe

z. B. und in der Frucht, wächst die Summe von chemischer Kraft, deren

freie Aeußerung durch ein entsprechendes Maß von Lebenskraft im

Gleichgewicht gehalten, als Widerstand verbraucht wird.

Die Pflanze nimmt so lange an Masse zu, bis sich die in ihr wohnende

Lebenskraft mit allen äußeren Ursachen, die ihrer Aeußerung

entgegenwirken, ins Gleichgewicht gesetzt hat, eine jede neue Ursache

von Störung, die sich den vorhandenen hinzufügt (Temperaturwechsel &c.),

nimmt ihr jetzt die Fähigkeit, Widerstand zu leisten, sie stirbt ab.

In den perennirenden Pflanzen (den Holzpflanzen z. B.) ist die Masse der

veränderlichen Bestandtheile (der stickstoffhaltigen), verglichen mit

den stickstofffreien, so klein, daß von der ganzen Summe von Kraft, als

Widerstand, nur ein verschwindendes Moment verbraucht wird; bei den

jährigen Pflanzen ist dieses Verhältniß umgekehrt.

In allen Perioden des Lebens einer Pflanze wird die vorhandene active

(durch Widerstände nicht aufgehobene) Lebenskraft nur zu einer Form von

Lebensäußerung verwendet, zur Zunahme an Masse nämlich, zur

Ueberwindung von Widerständen; kein Theil der Kraft wird zu anderen

Zwecken verbraucht.

In dem Organismus des Thieres zeigt sich die Lebenskraft, wie in der

Pflanze in der Fähigkeit der Zunahme an Masse, als die Ursache des

Widerstandes gegen äußere Einwirkungen, allein die Zunahme so wie der

Widerstand sind in gewisse Grenzen eingeschlossen.

Wir beobachten nämlich, daß der Uebergang der Nahrungsstoffe in Blut,

die Berührung des Blutes mit den belebten Körpertheilen bedingt wird von

einer mechanischen Kraft, deren Aeußerung von besonderen Organen ausgeht

und vermittelt wird durch ein besonderes System von Apparaten, denen die

Fähigkeit zukommt, die empfangene Bewegung fortzupflanzen und zu

verbreiten; von einem zweiten Systeme ähnlicher Apparate finden wir das

Vermögen des Thieres abhängig, den Ort zu wechseln und durch seine

Glieder mechanische Effecte hervorzubringen. Diese Apparate, so wie die

von ihnen ausgehenden Bewegungserscheinungen, fehlen in der Pflanze.

Um sich ein klares Bild über den Ursprung und die Quelle der

mechanischen Bewegungen im Thierkörper zu verschaffen, dürfte es eine

Erleichterung sein, sich an die Wirkungsweise anderer Kräfte zu

erinnern, welche der Lebenskraft in ihren Aeußerungen am nächsten

stehen.

Wenn wir eine Anzahl Zink- und Kupferplatten in einer gewissen Weise

geordnet mit einer Säure in Berührung bringen, so tritt, wenn man die

beiden äußersten Punkte des Apparates mit einem Metalldraht in

Verbindung setzt, eine chemische Action an den Zinkplatten ein, und der

Draht erhält in Folge dieser Action die merkwürdigsten und wunderbarsten

Eigenschaften.

Dieser Draht zeigt sich nämlich als der Träger einer Kraft, welche durch

ihn mit außerordentlicher Schnelligkeit nach allen Richtungen

hingeleitet und fortgepflanzt werden kann; er ist der Leiter oder

Fortpflanzer einer ununterbrochenen Reihe von Thätigkeits-Aeußerungen.

Eine solche Fortpflanzung von Bewegung ist nicht denkbar, wenn in dem

Drahte eine Ursache des Widerstandes zu überwinden wäre, jeder

Widerstand würde einen Theil der bewegenden Kraft zur ruhenden machen.

Wird der Draht in der Mitte zerschnitten, sein Zusammenhang

unterbrochen, so hört damit die Fortpflanzung der Kraft auf, und wir

sehen, daß in diesem Falle die Action der Säure auf das Zink

augenblicklich aufhört.

Stellen wir die Verbindung wieder her, so tritt die verschwundene Action

mit ihrer ganzen Energie wieder ein.

Wir können durch die in dem Drahte vorhandene Thätigkeit eine Menge der

verschiedenartigsten Effecte bewirken, Widerstände aller Art

überwältigen, Lasten heben, Schiffe in Bewegung setzen, und, was noch

weit merkwürdiger ist, dieser Draht verhält sich wie eine hohle Röhre,

in welcher ein Strom von chemischer Kraft frei und ohne Hinderniß

circulirt.

Die Eigenschaften, die wir als festgekettet an gewisse Materien mit dem

Ausdruck der stärksten und energischsten Verwandtschaft bezeichnen, wir

finden sie, dem Anschein nach, frei und ungebunden an diesem Drahte

wieder, wir können sie, von ihm aus, auf andere Materien übertragen und

ihnen damit eine Affinität (die Fähigkeit, Verbindungen einzugehen)

ertheilen, die ihnen für sich nicht zukommt; je nach der Quantität der

Kraft, die in dem Drahte circulirt, können wir damit Verbindungen

zerlegen, deren Elemente die mächtigste Verwandtschaft zu einander

haben, und an allen diesen Thätigkeitsäußerungen nimmt die Substanz des

Drahtes nicht den geringsten Antheil, er ist nur der Leiter der Kraft.

An diesem Drahte beobachten wir noch überdies Erscheinungen der

Anziehung und Abstoßung, die wir dem aufgehobenen Gleichgewichtszustande

der elektrischen und magnetischen Kraft zuschreiben müssen, und es

stellen sich bei der Wiederherstellung des Gleichgewichts des gestörten

elektrischen Zustandes, Licht und Wärme, als ihre nie fehlenden

Begleiter ein.

Alle diese merkwürdigen Erscheinungen werden hervorgerufen durch die

chemische Action, welche Säure und Zink auf einander ausüben, sie sind

begleitet von einer Form- und Beschaffenheitsänderung, welche beide

erleiden.

Die Säure verliert ihren chemischen Character, das Zink geht eine

Verbindung mit ihr ein. Die in dem Metalldrahte hervorgerufenen

Thätigkeitsäußerungen, sie sind eine unmittelbare Folge des Wechsels in

ihren Eigenschaften.

Ein Theilchen Säure nach dem andern verliert seine, ihm zukommenden,

chemischen Eigenschaften und wir sehen, daß in eben diesem Grade der

Draht eine chemische, mechanische, galvanische oder magnetische Kraft,

oder wie man sie nennen will, empfängt; je nach der Anzahl von Theilchen

der Säure, welche in einer und derselben Zeit diese Veränderung erfahren

(je nach der Oberfläche des Zinks), empfängt der Draht eine größere oder

geringere Quantität von diesen Kräften.

Die Fortdauer des Stromes von Kraft hängt ab von der Fortdauer der

chemischen Action, die Fortdauer der chemischen Action ist aufs engste

geknüpft, an die Ableitung der Kraft.

Hindern wir die Fortpflanzung der Kraft, so behält die Säure ihren

chemischen Character; wird sie zur Ueberwindung von chemischen oder

mechanischen Widerständen verbraucht, zur Zersetzung chemischer

Verbindungen oder zur mechanischen Bewegung, so dauert die chemische

Action fort, das heißt, ein Theilchen Säure nach dem andern wechselt

seine Eigenschaften.

Wir haben in dem Vorhergehenden diese merkwürdigen Erscheinungen in

einer Form aufgefaßt, welche unabhängig von den Erklärungen der Schule

ist. Ist die in dem Drahte circulirende Kraft, die elektrische Kraft?

ist es Affinität? pflanzt sie sich in dem Leiter wie eine in Bewegung

gesetzte Flüssigkeit, oder als eine Reihe von Bewegungsmomenten, wie

der Schall, das Licht, von einem Theilchen des Leiters zu dem andern

fort? Alles dieses weiß man nicht, und wird es nie ermitteln. Auf die

Wahrheit der Erscheinungen haben alle Vorstellungen, die man ihnen als

Erklärungen unterlegt, nicht den geringsten Einfluß, denn sie beziehen

sich lediglich auf die Form, in welcher sie sich äußern.

Nur darüber ist man nicht im Zweifel, daß nämlich alle Effecte, welche

durch den Draht hervorgebracht werden können, bedingt werden von dem

Wechsel in den Eigenschaften des Zinks und der Säure, denn der

Ausdruck »chemische Action« bezeichnet ja nicht mehr und nicht weniger,

als den Act ihrer Veränderung; daß sie abhängig sind, von dem

Vorhandensein eines Leiters, einer Substanz, welche die eintretende

Thätigkeitsäußerung, das Kraftmoment, fortpflanzt nach allen Richtungen

hin, wo es durch Widerstände nicht aufgehoben wird, daß es also in ein

Bewegungsmoment übergeht, mit dem man mechanische Bewegungen

hervorbringen kann, was, auf andere Körper übertragen, diesen alle

Eigenschaften giebt, deren letzte Ursache die chemische Kraft selbst

ist; sie erhalten das Vermögen, Zersetzungen und Verbindungen zu

bewirken, was ihnen, ohne Zufuhr an Kraft, durch den Leiter, völlig

abgehen würde.

Wenn wir diese wohlbekannten Erfahrungen als Mittel benutzen, um, durch

sie geführt, die letzte Ursache der mechanischen Effecte im

Thierorganismus zu erforschen, so giebt die Beobachtung zu erkennen, daß

die Bewegung des Blutes und der Säfte von ganz bestimmten Organen

ausgeht, welche, wie das Herz und die Eingeweide, die bewegende Kraft

nicht in sich selbst erzeugen, sondern von anderen Seiten her empfangen.

Wir kennen mit zweifelloser Gewißheit in den Nerven die Leiter und

Verbreiter mechanischer Effecte, wir wissen, daß durch sie die Bewegung

nach allen Seiten hin fortgepflanzt wird. Für jede Bewegung kennen wir

einen besondern Nerven, einen besondern Leiter, mit dessen

Leitungsvermögen, mit dessen Unterbrechung sich die Fortpflanzung

verändert oder eine Grenze findet.

Durch die Nerven empfangen alle Theile des Thierkörpers, die Glieder,

die zu ihren Functionen, zum Ortswechsel, zur Hervorbringung

mechanischer Effecte unentbehrliche Kraft der Bewegung, wo die Nerven

fehlen, vermissen wir Bewegung; die an einem Orte im Ueberfluß erzeugte

Kraft wird den anderen durch die Nerven zugeleitet, was das eine Organ

in sich selbst an Kraft nicht zu erzeugen vermag, wird ihm von anderen

Seiten zugeführt, was ihm an Lebenskraft fehlt, um Widerstand zu leisten

gegen äußere Ursachen von Störungen, um Widerstände aufzuheben, empfängt

es als Ueberschuß von einem andern Organe, welches ihn für sich selbst

nicht zu verwenden vermag.

Wir beobachten ferner, daß die willkührlichen und unwillkührlichen

Bewegungen, daß alle mechanischen Effecte im Thierorganismus begleitet,

daß sie abhängig sind von einer eigenthümlichen Form- und

Beschaffenheitsänderung in der Substanz gewisser belebter Körpertheile,

deren Zu- oder Abnahme im engsten Zusammenhange steht mit dem Maß von

Bewegung oder mit der Quantität von Kraft, welche durch die Bewegungen

verzehrt worden ist.

Als eine unmittelbare Folge der zur Aeußerung gelangten, mechanischen

Kraft sehen wir, daß ein Theil der Muskelsubstanz ihre vitalen

Eigenschaften, ihren Character des Lebens verliert, daß sie aus dem

belebten Körpertheile austritt, daß dieser Theil seine Fähigkeit der

Zunahme an Masse, sein Vermögen Widerstand zu leisten, einbüßt; wir

finden, daß dieser Wechsel in den Eigenschaften begleitet ist von der

Aufnahme eines fremden Elementes, des Sauerstoffs, in die

Zusammensetzung der belebten Muskelsubstanz (ähnlich wie die Säure ihren

chemischen Character durch Aufnahme von Zink verlor), und alle

Erfahrungen beweisen, daß dieser Uebergang der belebten Muskelsubstanz,

in Verbindungen ohne alle Lebensäußerungen, beschleunigt oder

verlangsamt wird, je nach der Quantität der verbrauchten Kraft zur

Bewegung; ja daß sie sich gegenseitig proportional sind, daß ein rascher

Uebergang der Muskelsubstanz, sagen wir, ein rascher Stoffwechsel, eine

größere Quantität von mechanischer Kraft und ein größeres Maß von

mechanischer Bewegung (verbrauchter, mechanischer Kraft) einen rascheren

Stoffwechsel gegenseitig bedingen.

Aus diesem ganz bestimmten Zusammenhange des Stoffwechsels im

Thierkörper mit der durch mechanische Bewegungen verzehrten Kraft kann

kein anderer Schluß gezogen werden, als daß die in gewissen, belebten

Körpertheilen active oder verwendbare Lebenskraft die Ursache ist der

mechanischen Effecte des Thierkörpers.

Die bewegende Kraft stammt zweifellos von belebten Körpertheilen, sie

besaßen ein Kraft- oder Bewegungsmoment, was sie in eben dem Grade

verloren, als andere ein Kraft- oder Bewegungsmoment empfangen haben;

sie verlieren ihre Fähigkeit der Zunahme an Masse, ihr Vermögen,

Widerstand gegen äußere Ursachen von Störungen zu leisten; es ist klar,

die letzte Ursache, die Lebenskraft, von denen sie diese Eigenschaften

erhielten, sie hat zur Hervorbringung der mechanischen Kraft gedient,

sie ist als Bewegung verzehrt worden.

Wie ließe sich in der That einsehen, daß ein belebter Körpertheil den

Zustand des Lebens verliert, daß er unfähig wird, der Einwirkung des im

arteriellen Blute ihm zugeführten Sauerstoffs zu widerstehen, daß er das

Vermögen einbüßt, chemische Widerstände aufzuheben, wenn das Kraftmoment

der Lebenskraft, was ihm alle diese Eigenschaften gab, nicht zu anderen

Zwecken verwendet worden wäre!

Durch das Vermögen der Leiter (der Nerven), das Kraftmoment eines

belebten Körpertheils, den Effect, den die in ihm thätige Lebenskraft

auf alle seine Umgebungen äußert, fortzupflanzen nach anderen Orten hin,

wo die Kraft (d. h. ihr Bewegungsmoment) ohne alle Widerstände verzehrt

wird (ohne Bewegung tritt kein Stoffwechsel ein, ist die Bewegung

eingetreten, so steht ihr kein Widerstand entgegen), wird offenbar in

dem belebten Körpertheil ein Gleichgewichtszustand zwischen den

chemischen Kräften und der noch in ihm wohnenden Lebenskraft

herbeigeführt, der ohne diesen Verbrauch an Lebenskraft zur mechanischen

Bewegung nicht eingetreten wäre.

Eine jede dem Organismus fremde Ursache, welche auf die Form,

Beschaffenheit und Zusammensetzung des Organs eine Wirkung auszuüben

vermag, findet jetzt keinen Widerstand mehr. Ohne die Ableitung der

Kraft und ihre Verwendung zu anderen Zwecken, ohne das Hinzutreten von

Sauerstoff würde das Organ seinen Zustand, aber ohne alle Lebensäußerung

behauptet haben, erst durch die chemische Action des Sauerstoffs findet

der Stoffwechsel, d. h. das Austreten in der Form einer unbelebten

Verbindung statt.

Stoffwechsel, mechanische Kraftäußerung und Sauerstoffaufnahme, stehen

in dem Thierkörper in so enger Beziehung zu einander, daß man die

Quantität von Bewegung, die Menge des umgesetzten, belebten Stoffes, in

einerlei Verhältniß setzen kann mit einer gewissen Menge, des, von dem

Thiere, in einer gegebenen Zeit aufgenommenen und verbrauchten

Sauerstoffs. Für ein bestimmtes Maß von Bewegung, für eine Proportion

als mechanische Kraft verbrauchter Lebenskraft, gelangt ein Aequivalent

von chemischer Kraft zur Aeußerung, d. h. es wird ein Aequivalent

Sauerstoff zum Bestandtheil des Organs, was die Lebenskraft verlor, und

ein ihm gleiches Verhältniß von der Materie dieses Organs tritt aus dem

Körpertheil, in der Form einer Sauerstoffverbindung aus.

Alle Theile des Thierkörpers, welche die Natur zum Stoffwechsel (zur

Hervorbringung von mechanischer Kraft) bestimmt hat, sind nach allen

Richtungen hin von den feinsten Kanälen durchzogen, in denen

unausgesetzt ein Strom von Sauerstoff in der Form von arteriellem Blut

circulirt, der zum Austreten ihrer Bestandtheile (zur Störung des

Gleichgewichtes) unumgänglich nöthig ist.

So lange die Lebenskraft dieser Körpertheile nicht zu anderen Zwecken

verbraucht und abgeleitet wird, äußert der Sauerstoff des arteriellen

Blutes nicht die geringste Wirkung auf ihre Substanz und stets wird nur

eine der Ableitung entsprechende (den hervorgebrachten mechanischen

Effecten correspondirende) Menge davon aufgenommen.

Der Sauerstoff der Atmosphäre ist die von außen her wirkende Ursache des

Verbrauchs an Stoff im Thierkörper, er wirkt wie eine Kraft, welche die

Aeußerung der Lebenskraft in jedem Zeitmomente stört und aufzuheben

strebt; als chemische Action wird aber seine Einwirkung, die von ihm

ausgehende Störung, im Gleichgewicht gehalten durch die in dem belebten

Körpertheile frei wirkende Lebenskraft, oder sie wird vernichtet durch

eine der seinigen entgegengesetzte, chemische Thätigkeit, deren

Aeußerung immer als abhängig angesehen werden muß von der Lebenskraft.

Nach chemischen Begriffen heißt die chemische Action des Sauerstoffs

vernichten, ihm Stoffe darbieten, Theile von Materien, die sich mit ihm

zu verbinden vermögen.

Die Action des Sauerstoffs (Affinität) wird entweder durch die

Bestandtheile des Organs (nach Ableitung der Lebenskraft), die sich mit

ihm zu verbinden vermögen, ausgeglichen, oder das Organ setzt ihr (der

Action des Sauerstoffs) die Producte von anderen Organen, oder gewisse

Stoffe entgegen, welche aus den Bestandtheilen der Nahrung, in Folge der

vitalen Thätigkeit gewisser Apparate entstanden sind.

Nur das Muskularsystem producirt in diesem Sinne, in sich selbst, einen

Widerstand gegen die chemische Action des Sauerstoffs und gleicht sie

vollständig aus.

Die Substanz der Zellen, Membranen und Häute, deren kleinste Theilchen

sich nicht im unmittelbaren Contact mit arteriellem Blut (mit

Sauerstoff) befinden, ist nicht zum Stoffwechsel bestimmt. Welche Art

von Veränderungen sie auch im Lebensprocesse erleiden mag, sie treffen

unter allen Umständen nur ihre Oberfläche.

Die Leimgebilde, Schleimhäute, Sehnen &c. sind nicht zur Hervorbringung

von mechanischer Kraft bestimmt, sie enthalten in ihrer Substanz keine

Leiter der mechanischen Effecte. Das Muskularsystem ist mit zahllosen

Nerven durchwebt. Die Substanz des Uterus ist von der übrigen

Muskelsubstanz chemisch, in keiner Weise verschieden, allein sie ist

nicht zum Stoffwechsel, zur Krafterzeugung bestimmt, sie enthält keine

Ableiter der bewegenden Kraft.

Den Membranen, Schleimhäuten und Zellen geht das Vermögen, sich bei

Gegenwart von Feuchtigkeit mit Sauerstoff zu verbinden, keineswegs ab,

wir wissen, daß sie im feuchten Zustande mit Sauerstoff nicht in

Berührung gebracht werden können, ohne eine fortschreitende Veränderung

zu erfahren. Die eine Oberfläche der Eingeweide, die Lungenzellen, sind

aber unausgesetzt in Berührung mit Sauerstoff; es ist klar, daß sie eine

eben so rasche Umsetzung, Veränderung durch seine chemische Action

erfahren müßten, wenn in dem Organismus selbst, nicht eine Quelle von

Widerstand existirte, der die Einwirkung des Sauerstoffs völlig

vernichtete. Unter diesem Widerstande lassen sich alle Materien

zusammenfassen, welche die Fähigkeit haben oder unter dem Einfluß der

Lebenskraft erhalten, sich mit Sauerstoff zu verbinden und in ihrem

Vermögen seine chemische Action auszugleichen, die Substanz der

Leimgebilde übertreffen.

Alle Bestandtheile des Thierkörpers, welche in sich selbst durch die

Lebenskraft, der Einwirkung des Sauerstoffs nicht zu widerstehen

vermögen, müssen sich zu diesem Zwecke weit mehr eignen, wie die unter

dem Einfluß der Lebenskraft, wenn auch nur durch die Nerven, stehenden

Gebilde; die Bedeutung der Galle für die Substanz der Eingeweide, der

Lungenzellen, so wie die des Fettes, Schleimes und der Secretionen

überhaupt, kann nach dieser Betrachtung nicht verkannt werden.

Wenn die Membranen durch ihre eigne Substanz Widerstand gegen die

Einwirkung des Sauerstoffs produciren müssen, wenn es also an den

Stoffen fehlt, welche die Natur zu ihrem Schutze bestimmt hat, so werden

sie, da ihre Erneuerung in enge Grenzen eingeschlossen ist, der

chemischen Action unterliegen müssen. Eingeweide und Lunge werden immer

gleichzeitig abnormale Veränderungen erfahren.

In dem Stoffwechsel selbst, in der Umsetzung der belebten Substanz des

Muskularsystems, erhalten diese Organe den zu ihrem Bestehen

unentbehrlichen Widerstand gegen die Einwirkung des Sauerstoffs; je nach

seiner Beschleunigung nimmt die Quantität der secernirten Galle zu, die

Menge des vorhandenen Fettes nimmt in gradem Verhältniß ab.

Zur Unterhaltung der unwillkürlichen Bewegungen im Thierkörper wird in

jedem Zeitmomente seines Lebens eine gewisse Quantität Lebenskraft

verbraucht und es findet deshalb ein unaufhörlicher Stoffwechsel statt,

allein die Menge der Substanz, welche in Folge der verbrauchten Kraft

ihren Zustand des Lebens, ihre Fähigkeit der Zunahme an Masse verliert,

ist in enge Grenzen eingeschlossen; sie steht in gradem Verhältniß zu

der, zu diesen Bewegungen, nöthigen Kraft.

Wenn wir uns nun auch denken können, daß die belebte Muskelsubstanz bei

hinreichender Zufuhr an Nahrung ihre Fähigkeit der Zunahme in keinem

Zeitmomente verliert, daß sich diese Form der Lebens-Aeußerung

unausgesetzt geltend macht, so kann dies keineswegs für diejenigen

Körpertheile angenommen werden, deren frei wirkende Lebenskraft zur

mechanischen Bewegung verbraucht worden ist. Der Verbrauch an Stoff

durch Bewegung und Anstrengung ist bei je zwei Individuen höchst

verschieden.

Wenn man nun erwägt, daß die unmerklichste Bewegung eines Fingers und

der Glieder Kraft verbraucht, daß, in Folge der verzehrten mechanischen

Kraft, ein correspondirender Theil der Muskeln an Volumen abnimmt, so

ist klar, daß _ein Gleichgewicht im Ersatz und Verbrauch_ an Stoff (an

belebten Körpertheilen) nur dann sich herstellen kann, wenn der

ausgetretene Körpertheil in dem nämlichen Augenblicke, wo er seinen

Zustand des Lebens verliert, wieder an einer andern Stelle erneuert

wird.

Die Fähigkeit der Zunahme an Masse ist abhängig von dem, einem jeden

Körpertheile zukommenden Kraftmomente, sie muß sich unausgesetzt äußern

können, so lange (bei hinlänglicher Zufuhr von Nahrungsstoff) er dieses

Kraftmoment nicht verliert (durch Verwendung z. B. zur mechanischen

Bewegung).

Unter allen Umständen ist die Zunahme selbst an die Zeit gebunden, d. h.

sie kann für eine begrenzte Zeit nicht unbegrenzt sein.

In dem nämlichen Augenblick, in welchem ein belebter Körpertheil seinen

Zustand des Lebens verliert und aus dem Organ in der Form einer

unbelebten Verbindung austritt, kann dieser Theil nicht zunehmen, seine

Masse, seine Volumen nehmen ja ab.

Durch die fortdauernde Verwendung der Kraftmomente belebter Körpertheile

zu mechanischen Effecten, wird demnach ein fortdauerndes Austreten von

Masse bedingt, und erst von dem Augenblicke an, wo die Ursache des

Verbrauchs nicht mehr wirkt, kann sich die Fähigkeit der Zunahme wieder

äußern.

Da nun verschiedene Individuen in 24 Stunden, je nach der zur

Hervorbringung willkürlicher, mechanischer Effecte verwendeten Kraft,

eine ungleiche Menge von ihren belebten Körpertheilen verbrauchen, so

muß für ein jedes, wenn die Bewegungserscheinungen nicht ihre Grenze

finden sollen, ein Zustand eintreten, in welchem alle willkürlichen

Bewegungen völlig unterdrückt sind, wo also für diese kein Verbrauch

stattfindet. Dieser Zustand heißt _Schlaf_.

Auf die Fähigkeit der Zunahme an Masse eines Körpertheils, dem sein

Kraftmoment nicht genommen worden ist, kann der Verbrauch desselben zu

mechanischen Effecten in einem andern Körpertheil, nicht den geringsten

Einfluß äußern (der eine kann an Masse zunehmen, während der andere

abnimmt, ohne daß sich beide Actionen stören), der Verbrauch in dem

einen kann den Ersatz in dem andern nicht vermindern und nicht steigern.

Da nun der Verbrauch an mechanischer Kraft zu den unwillkürlichen

Bewegungen im Schlafe fortdauert, so ist klar, daß auch ein Verbrauch an

Stoff im Schlafe fortdauert, und es muß, wenn das ursprüngliche

Gleichgewicht wieder eintreten soll, vorausgesetzt werden, daß während

des Schlafes eine eben so große Quantität von Kraft (in der Form

belebter Körpertheile) sich wieder sammelt, als in der vorhergegangenen

Zeit des Wachens zu den willkürlichen und unwillkürlichen mechanischen

Effecten verwendet worden ist.

Wird das Gleichgewicht in Ersatz und Verbrauch von Stoff im mindesten

gestört, so giebt sich dies sogleich in einem Unterschied von

verwendbarer Kraft zu mechanischen Effecten zu erkennen.

Es ist ferner klar, daß wenn ein Mißverhältniß in der Leitungsfähigkeit

der Nerven der willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen stattfindet,

so wird nach dem Grade, in welchem die einen oder die anderen dies

Bewegungsmoment, was sie durch Stoffwechsel empfangen haben,

fortzupflanzen vermögen, der Unterschied in den Bewegungserscheinungen

selbst bemerklich sein. Mit der Zunahme der Blutbewegung und der

Bewegung der Eingeweide wird die Hervorbringung mechanischer Effecte

durch die Glieder in gradem Verhältniß abnehmen müssen (wie bei den

sogenannten Fressern), und wenn in einer gegebenen Zeit für mechanische

Bewegung (durch Anstrengung, Laufen, Tanzen &c.) mehr Lebenskraft

verbraucht wird, als für die willkürlichen und unwillkürlichen

Bewegungen überhaupt verwendbar ist (als sich in der gegebenen Zeit an

Stoff umsetzen kann), so wird zur Ausgleichung der für die willkürlichen

Bewegungen mehrverbrauchten mechanischen Kraft ein Theil der Kraft, die

zu den unwillkürlichen Bewegungen nöthig ist, verwendet werden müssen.

Die Bewegung des Herzens, der Eingeweide muß verlangsamt werden oder sie

hört gänzlich auf.

Von dem ungleichen Grade der Leitungsfähigkeit der Nerven müssen die

Zustände abgeleitet werden, die man mit _Lähmung_, _Ohnmacht_, _Krampf_

bezeichnet. Die _Lähmung_ der Nerven der willkürlichen Bewegung kann

für sich keine Abmagerung nach sich ziehen; häufig wiederkehrende

epileptische Anfälle (Verbrauch von Lebenskraft zu mechanischen

Effecten) sind stets von einer außerordentlich raschen Abmagerung

begleitet.

Es muß die höchste Bewunderung erwecken, wenn man erwägt, mit welcher

unendlichen Weisheit der Schöpfer die Mittel vertheilt hat, die das

Thier, die Pflanze, zu seinen Functionen, zu seinen ihm eigenthümlichen

Lebensäußerungen befähigen.

Die ganze Richtung, die ganze Stärke der Lebenskraft behält der belebte

Pflanzentheil durch die Abwesenheit aller Leiter der Kraft. Durch sie

wird das Blatt befähigt, die stärksten chemischen Anziehungen zu

überwinden, die Kohlensäure zu zerlegen und sich die Bestandtheile ihrer

Nahrungsstoffe anzueignen.

Nur in der Blüthe der Pflanze findet ein dem Stoffwechsel im Thierkörper

ähnlicher Proceß statt, es zeigen sich Bewegungserscheinungen, allein

die mechanischen Effecte pflanzen sich nicht fort aus Mangel an Leitern

der Kraft.

Die nämliche Lebenskraft, die wir in der Pflanze als eine beinahe

unbegrenzte Fähigkeit der Zunahme an Masse kennen, verwandelt sich in

dem Thierkörper in bewegende Kraft (in einen Strom von Lebenskraft), und

eine wunderbare und weise Oekonomie bestimmt zur Ernährung des Thieres

nur solche Stoffe, die eine mit den Organen der Krafterzeugung (dem

Muskularsystem) identische Zusammensetzung besitzen. Der Aufwand von

Kraft, den ihre belebten Theile bedürfen, um aus dem Blute sich selbst

wiederzuerzeugen, der Widerstand der chemischen Kraft, welcher in den

Bestandtheilen der stickstoffhaltigen Nahrungsstoffe durch die

Lebensthätigkeit der Organe überwunden werden muß, welche bestimmt sind,

sie zu Bestandtheilen des Blutes zu machen, ist für nichts zu achten

gegen die Kraft und Energie, mit welcher die Bestandtheile der

Kohlensäure zusammenhängen. Eine gewisse Quantität Kraft könnte nicht in

bewegende Kraft übergehen, wenn sie zur Ueberwindung der chemischen

Kräfte verwendet werden müßte; das Bewegungsmoment der Lebenskraft wird

durch alle Widerstände verringert. Der Uebergang der Bestandtheile des

Blutes in Muskelfaser (in ein Organ der Krafterzeugung) ist nur eine

Formänderung, beide sind gleich zusammengesetzt; das Blut ist flüssig,

die Muskelfaser ist festes Blut; man kann sich denken, daß er vor sich

geht ohne allen Verbrauch von Lebenskraft, denn bei dem Uebergang eines

flüssigen Körpers in einen festen bedarf es keiner Kraftäußerung,

sondern nur der Beseitigung von Hindernissen (Wärme z. B.), die sich der

Kraft, welche der Zustand bedingt (der Cohäsionskraft), in ihren

Aeußerungen entgegensetzen.

In welcher Form, auf welche Weise die Lebenskraft die mechanischen

Effecte im Thierkörper bewirkt, ist gänzlich unbekannt und wird durch

Versuche so wenig ermittelt werden können, wie der Zusammenhang der

chemischen Action mit den Bewegungserscheinungen, die wir mit der

galvanischen Säule hervorzubringen vermögen; alle Erklärungen, die man

zu geben versucht hat, sind immer nur Bilder der Erscheinung, es sind

mehr oder weniger genaue Beschreibungen und Vergleichungen bekannter

Erscheinungen mit diesen unbekannten; es geht uns in dieser Beziehung

wie dem Unkundigen, dem das Aufundniedersteigen eines eisernen Stempels

in einem Gefäße, worin das Auge nichts Sichtbares erkennen kann, und

sein Zusammenhang mit dem Drehen und Bewegen von Tausenden von Rädern,

die sich in einer gewissen Entfernung von dem Stempel befinden,

unbegreiflich erscheint.

Wir wissen nicht, wie ein an sich unsichtbares, unwägbares Etwas, die

Wärme, gewissen Materien die Fähigkeit ertheilt, den ungeheuersten Druck

auf ihre Umgebungen zu äußern, wie überhaupt dieses Etwas hervorgebracht

wird, wenn wir Holz oder Kohlen verbrennen.

So ist es denn auch mit der Lebenskraft und den Erscheinungen, welche

belebte Körper darbieten; ihre Ursache ist nicht chemische Kraft, nicht

Elektricität, nicht Magnetismus, es ist eine Kraft, welche die

allgemeinsten Eigenschaften aller Ursachen der Bewegung, Form- und

Beschaffenheitsänderung der Materie besitzt, und eine eigenthümliche

Kraft, weil ihr Aeußerungen zukommen, welche keine der anderen Kräfte an

sich trägt.

~II.~

In der belebten Pflanze überwiegt die Intensität der Lebenskraft bei

weitem die chemische Action des Sauerstoffs.

Wir wissen mit der größten Bestimmtheit, daß der Sauerstoff durch den

Einfluß der Lebenskraft von Elementen abgeschieden wird, zu denen er die

stärkste Affinität besitzt; daß er in Gasform austritt, ohne die

geringste Einwirkung auf die Bestandtheile der Säfte auszuüben.

Wie groß muß in der That der Widerstand erscheinen, den die Lebenskraft

dem terpentinöl- oder gerbsäurehaltigen Blatte verleiht, wenn wir die

Verwandtschaft in Betracht ziehen, welche der Sauerstoff zu diesen

Bestandtheilen besitzt!

Diese Intensität der Wirkung oder des Widerstandes erhält das belebte

Blatt durch das Sonnenlicht, dessen Einfluß in chemischen Actionen mit

der eines hohen Wärmegrades (einer schwachen Glühhitze) vergleichbar ist

und verglichen wird.

In der Nacht zeigt sich in der lebendigen Pflanze ein entgegengesetzter

Proceß, wir sehen, daß sich die Bestandtheile der Blätter und grünen

Theile mit dem Sauerstoff der Luft verbinden, eine Fähigkeit, die ihnen

im Lichte abging.

Man kann hieraus keinen andern Schluß ziehen, als daß die Intensität der

Lebenskraft mit der Abnahme des Lichts sich vermindert, daß mit der

kommenden Nacht ein Gleichgewichtszustand eintritt und bei völliger

Abwesenheit des Lichts alle Theile der Pflanze, die während des Tages

die Fähigkeit besaßen, den Sauerstoff aus chemischen Verbindungen

auszuscheiden oder seiner Einwirkung Widerstand zu leisten, diese

Fähigkeit völlig verlieren.

Eine ganz ähnliche Erscheinung beobachten wir bei den Thieren.

Nur in gewissen Temperaturen zeigt der belebte Thierkörper die ihm

zukommenden Lebensäußerungen. Einem bestimmten Kältegrade ausgesetzt,

hören sie völlig auf.

Eine Entziehung von Wärme muß deshalb völlig gleichbedeutend angesehen

werden, einer Verminderung der Lebensthätigkeit; der Widerstand, den die

Lebenskraft belebten Körpertheilen gegen äußere Ursachen von Störungen

verleiht, muß in gewissen Temperaturen in dem nämlichen Verhältniß

abnehmen, wie die Fähigkeit ihrer Elementartheile zunimmt, sich mit dem

Sauerstoff der Luft zu verbinden.

Durch die Verbindung des Sauerstoffs mit den Bestandtheilen der Gebilde,

die sich umgesetzt haben, wird bei den fleischfressenden Thieren die zur

Aeußerung der Lebensthätigkeit nöthige Temperatur erzeugt. Bei den

grasfressenden Thieren wird eine gewisse Menge Wärme durch die

Bestandtheile ihrer stickstofffreien Nahrungsmittel entwickelt, welche

die Fähigkeit haben, eine Verbindung mit dem Sauerstoff einzugehen.

Es ist klar, daß die Temperatur eines Thierkörpers sich nicht ändern

kann, wenn die Menge des eingeathmeten Sauerstoffs mit dem Wärmeverlust

durch äußere Abkühlung in gradem Verhältniß zunimmt.

Zwei Individuen von gleichem Gewichte, welche ungleichen Kältegraden

ausgesetzt sind, verlieren in einer gegebenen Zeit, nach Außen hin, eine

ungleiche Menge Wärme. Die Erfahrung lehrt, daß sie, wenn die ihnen

eigenthümliche Temperatur und ihr ursprüngliches Gewicht sich nicht

ändern soll, einer ungleichen Menge Speise bedürfen; in der niedrigern

Temperatur mehr Speise wie in der höhern.

Das Gleichbleiben des Gewichts bei ungleicher Quantität genossener

Nahrung setzt, wie sich von selbst versteht, voraus, daß in derselben

Zeit eine der Temperatur proportionale Menge Sauerstoff aufgenommen

worden ist, in der niedern Temperatur mehr wie in der höhern.

Wir finden, daß das Gewicht beider Individuen nach 24 Stunden gleich ist

dem ursprünglichen Gewichte; angenommen, daß die Nahrung zu Blut wird,

daß das Blut zur Ernährung gedient hat, so ist klar, daß mit der

Wiederkehr des ursprünglichen Gewichtes ein den Bestandtheilen der

Speise gleiches Gewicht von den Bestandtheilen des Körpers seinen

Zustand des Lebens verloren und mit dem Sauerstoff verbunden wieder

ausgetreten ist.

Das eine Individuum, was bei dem höhern Kältegrade mehr Speise zu sich

nahm, hat auch mehr Sauerstoff aufgenommen, es ist eine größere Menge

seiner Körpertheile mit diesem Sauerstoff ausgetreten und in Folge der

Verbindung des Sauerstoffs mit den umgesetzten Bestandtheilen ist ein

größeres Maß von Wärme frei geworden, wodurch die entführte Wärme wieder

ersetzt und die seinem Organismus zukommende Temperatur erhalten wurde.

Durch die Wärmeentziehung muß demnach, bei hinreichender Nahrung und

ungehindertem Sauerstoffzutritt, der Stoffwechsel beschleunigt werden

und mit der, in einer gegebenen Zeit beschleunigten Umsetzung der

belebten Körpertheile muß gleichzeitig ein größeres Maß von Lebenskraft

zu mechanischen Effecten verwendbar geworden sein.

Mit der äußern Abkühlung verstärken sich die Athembewegungen, mit der

niedern Temperatur wird ein größeres Gewicht Sauerstoff dem Blute

zugeführt, der Verbrauch an Stoff nimmt zu und wenn der Ersatz mit

diesem Verbrauch nicht im Gleichgewicht (durch Zufuhr an Speise)

erhalten wird, so nimmt die Temperatur des Körpers allmählig ab.

In einer gegebenen Zeit kann aber keine unbegrenzte Menge Sauerstoff in

den Körper aufgenommen, es kann nur eine gewisse Quantität des belebten

Stoffs seinen Zustand des Lebens verlieren, es kann nur ein begrenztes

Maß von Lebenskraft als mechanische Kraft zur Aeußerung gelangen. Nur in

dem Falle wird also die Temperatur des Thierkörpers sich nicht ändern,

wenn Abkühlung, Krafterzeugung und Sauerstoffaufnahme sich einander im

Gleichgewichte halten. Nimmt die Wärmeentziehung über einen bestimmten

Punkt hinaus zu, so nehmen die Lebenserscheinungen in dem nämlichen

Verhältnisse ab, denn die Temperatur nimmt ab, welche als eine sich

gleichbleibende Bedingung, zu ihrer Aeußerung angesehen werden muß.

Die Erfahrung zeigt nun, daß bei der Abnahme der Temperatur des Körpers,

das Vermögen der Glieder, mechanische Effecte hervorzubringen (die zu

den willkürlichen Bewegungen nöthige Kraft) ebenfalls abnimmt, es tritt

der Zustand ein, den man Schlaf nennt, zuletzt hören alle

unwillkürlichen Bewegungen (des Herzens, der Eingeweide) auf, es tritt

ein Scheintod ein.

Es ist klar, daß die Ursache der Krafterzeugung, der Stoffwechsel

nämlich, deshalb abnimmt, weil mit der Entziehung von Wärme, ähnlich wie

durch Abnahme des Lichtes bei der Pflanze, die Intensität der

Lebenskraft sich vermindert; es ist klar, daß das Kraftmoment eines

belebten Körpertheils abhängig ist von der ihm zukommenden Temperatur,

ganz ähnlich, wie der Effect eines fallenden Körpers in einer bestimmten

Beziehung steht zu gewissen andern Bedingungen, die man Masse nennt oder

Geschwindigkeit.

Nimmt die Temperatur ab, so nimmt die Lebensthätigkeit ab; mit dem

Steigen der Temperatur muß das Kraftmoment belebter Körpertheile in

seiner ganzen Intensität wieder hergestellt werden.

Krafterzeugung zu mechanischen Effecten und Temperatur müssen deshalb,

in einer ganz bestimmten Beziehung stehen, zu der Menge des in einer

gegebenen Zeit von dem Thierkörper aufnehmbaren Sauerstoffs.

Die Menge von Sauerstoff, welche ein Wallfisch und ein Fuhrmannspferd

in einer gleichen Zeit einzuathmen vermögen, ist sehr ungleich. Die

Temperatur, sowie die Menge des Sauerstoffs, ist bei dem Pferde weit

größer.

Die mechanische Kraft, welche ein harpunirter Wallfisch entwickelt,

dessen Körper von dem umgebenden Medium getragen wird, so wie die Kraft

eines Fuhrmannspferdes, was seinen eigenen Körper und eine schwere Last

8-10 Stunden lang fortzubewegen hat, muß mit dem von beiden verzehrten

Sauerstoff in einerlei Verhältniß stehen. Wenn man die Zeit beachtet, in

welcher die Kraft zur Aeußerung gelangt, so ist sie offenbar bei dem

Pferde weit größer.

Beim Besteigen hoher Berge, wo durch das Einathmen einer sehr verdünnten

Luft, in gleichen Zeiten, weit weniger Sauerstoff dem Blute zugeführt

wird, wie in Thälern oder an dem Ufer des Meeres, nimmt der Stoffwechsel

in dem nämlichen Verhältniß und damit die zu mechanischen Effecten

verwendbare Kraft, ab; Neigung zum Schlaf, Mangel an Kraft für die

willkürlichen Bewegungen stellt sich meistens ein; nach zwanzig oder

dreißig Schritten zwingt die Ermüdung zu neuer Ansammlung von Kraft

durch Ruhe (Einsaugung von Sauerstoff, ohne Verbrauch an Kraft für

willkürliche Bewegungen).

Durch die Aufnahme von Sauerstoff in die Substanz belebter Körpertheile

verlieren sie ihren Zustand des Lebens und treten als formlose

Verbindungen aus, allein nicht aller eingeathmete Sauerstoff wird zu

dieser Umsetzung verwendet; der größte Theil dient zur Vergasung, zur

Entfernung aller dem Organismus nicht mehr angehörenden Stoffe, und wie

erwähnt, wird in Folge der Verbindung ihrer Elemente mit diesem

Sauerstoff, die dem Organismus zukommende Temperatur erzeugt.

Wärmeerzeugung und Stoffwechsel stehen in enger Beziehung zu einander,

allein obwohl im Thierkörper Wärme hervorgebracht werden kann ohne allen

Stoffwechsel, so kann der letztere dennoch nicht unabhängig von der

Mitwirkung des Sauerstoffs gedacht werden.

Nach allen bis jetzt gemachten Beobachtungen enthält nach dem Genuß von

geistigen Getränken, weder die ausgeathmete Luft, noch der Schweiß, noch

der Urin, Spuren von Alkohol, und es kann keinem Zweifel unterliegen,

daß seine Bestandtheile sich im Thierkörper mit Sauerstoff verbinden,

daß sein Kohlenstoff und Wasserstoff als Kohlensäure und Wasser wieder

austreten.

Der Sauerstoff, welcher diese Verwandlung bewirkt, muß nothwendig von

dem arteriellen Blute genommen worden sein, denn wir kennen keinen

andern Weg als die Blutcirculation, auf welchem Sauerstoff in das Innere

des Körpers gelangen kann.

Vermöge seiner Flüchtigkeit und der Leichtigkeit, womit der Alkoholdampf

von den Membranen und thierischen Geweben durchgelassen wird, kann er

sich überall nach allen Orten im Körper hin verbreiten.

Wäre die Fähigkeit der Bestandtheile des Alkohols, sich mit Sauerstoff

zu vereinigen, nicht größer, als die der Verbindungen, welche durch den

Stoffwechsel gebildet werden, oder als die der Substanz der belebten

Körpertheile ist, so würden sie (die Bestandtheile des Alkohols) sich

mit Sauerstoff nicht verbinden können.

Es ist deßhalb einleuchtend, daß durch den Genuß von Alkohol, dem

Stoffwechsel in gewissen Körpertheilen, eine rasche Grenze gesetzt

werden muß. Der Sauerstoff des arteriellen Blutes, der sich ohne die

Gegenwart des Alkohols mit belebtem Stoff verbunden haben würde, tritt

jetzt an die Bestandtheile des Alkohols, ein Theil des arteriellen

Blutes wird zu venösem Blut, ohne daß die Muskelsubstanz an dieser

Umwandlung Antheil nimmt.

Wir beobachten nun, daß die Wärmeentwickelung im Organismus nach dem

Genuß von Wein eher zu- als abnimmt, ohne daß damit ein entsprechendes

größeres Maß von mechanischer Kraft zur Aeußerung gelangt.

Eine mäßige Quantität Wein bedingt bei Frauen und Kindern, welche an

Weingenuß nicht gewöhnt sind, ganz im Gegentheil eine Abnahme der zu den

willkürlichen Bewegungen nöthigen Kraft; Müdigkeit, Abgeschlagenheit der

Glieder, Neigung zum Schlaf geben offenbar zu erkennen, daß die zu

mechanischen Effecten verwendbare Kraft, dies will sagen, daß der

Stoffwechsel abgenommen hat.

Gewiß kann an diesen Symptomen eine Verminderung der Leitungsfähigkeit

der willkürlichen Bewegungsnerven einen gewissen Antheil haben, allein

dies muß auf die Summe von verwendbarer Kraft ohne allen Einfluß sein.

Was die Leiter der willkürlichen Bewegungen an Krafteffecten nicht

fortzupflanzen vermögen, wird von den Leitern der unwillkürlichen

Bewegungen aufgenommen und dem Herzen, den Eingeweiden zugeführt werden

müssen. Die Blutbewegung wird in diesem Fall, auf Kosten der zu

willkürlichen Bewegungen durch die Glieder verwendbaren Kraft

beschleunigt erscheinen, ohne daß aber, wie bemerkt, durch den

Oxydationsproceß des Alkohols ein größers Maaß von mechanischer Kraft

erzeugt worden ist.

Wir beobachten zuletzt bei den Winterschläfern, daß während ihres

Winterschlafs die Fähigkeit der Zunahme an Masse (eine der

Hauptäußerungen der Lebenskraft), durch den Ausschluß aller Speise,

völlig unterdrückt ist; bei manchen tritt in Folge der niedern

Temperatur und der hierdurch herabgestimmten Lebensthätigkeit ein

Scheintod ein, bei anderen dauern die unwillkürlichen Bewegungen fort;

das Thier behält eine von der Umgebung unabhängige Temperatur. Die

Athembewegungen dauern fort, nach wie vor wird Sauerstoff als der

Bedinger der Wärme- und Krafterzeugung aufgenommen; wir finden vor dem

Winterschlaf alle Theile ihres Körpers, die in sich selbst keinen

Widerstand gegen die Einwirkung des Sauerstoffs zu produciren vermögen,

welche wie die Eingeweide und Membranen nicht zum Stoffwechsel bestimmt

sind, mit Fett bedeckt, mit einer Materie umgeben, welche diesen

Widerstand übernimmt.

Wenn wir uns nun denken, daß der während des Winterschlafs aufgenommene

Sauerstoff nicht in die Zusammensetzung der belebten Körpertheile,

sondern mit den Bestandtheilen des Fettes in Verbindung tritt, so wird

der belebte Körpertheil, obwohl ein gewisses Bewegungsmoment zu der

Unterhaltung des Blutumlaufs verwendet worden ist, nicht austreten.

Mit der höhern Temperatur wächst in gleichem Grade die Fähigkeit der

Zunahme an Masse, die Blutbewegung nimmt mit der Sauerstoffaufnahme zu.

Manche dieser Thiere magern während dem Winterschlafe, andere erst mit

dem Erwachen aus dem Winterschlafe ab.

Bei den Winterschläfern wird die in den belebten Körpertheilen thätige

Kraft ausschließlich nur zur Unterhaltung der _unwillkürlichen_

Bewegungen verbraucht, alle Kraftverwendung zu willkürlichen Bewegungen

ist völlig unterdrückt.

Im Gegensatz zu diesen Erscheinungen wissen wir, daß bei Uebermaß von

Bewegung und Anstrengung, die in den belebten Körpertheilen thätige

Kraft ausschließlich und vollständig zur Hervorbringung _willkürlicher_

mechanischer Effecte verzehrt werden kann, in der Art, daß für die

unwillkürlichen Bewegungen keine Kraft mehr zu verwenden übrig bleibt.

Ein Hirsch kann zu Tode gehetzt werden, aber dies kann nicht geschehen

ohne Umsetzung aller belebten Theile seines Muskularsystems, sein

Fleisch ist nicht genießbar; der Zustand der Umsetzung, in den es durch

einen enormen Kraft- und Sauerstoffverbrauch übergegangen ist, setzt

sich mit dem Aufhören aller Bewegungserscheinungen fort; in seinen

belebten Körpertheilen ist aller Widerstand der Lebenskraft gegen

äußere Ursachen und Störungen völlig aufgehoben.

So eng mit einander verknüpft nun auch die Bedingungen der Wärme- und

Krafterzeugung zu mechanischen Effecten sich der Beobachtung darstellen

mögen, so kann die Wärmeentwicklung für sich allein in keiner Weise als

die Ursache der mechanischen Effecte angesehen werden.

Alle Erfahrungen beweisen, daß es im Organismus nur eine Quelle von

mechanischer Kraft giebt und diese Quelle ist der Uebergang belebter

Körpertheile in leblose Verbindungen.

Von dieser Wahrheit ausgehend, welche unabhängig ist von jeder Theorie,

läßt sich das animalische Leben als bedingt durch die Wechselwirkung

entgegengesetzter Kräfte betrachten, von denen die einen als _Ursachen

der Zunahme_ (des Ersatzes an Stoff), die andern als _Ursachen der

Abnahme_ (des Verbrauchs an Stoff) angesehen werden müssen.

Die Zunahme an Masse wird in belebten Körpertheilen bewirkt durch die

_Lebenskraft_; ihre Aeußerung ist abhängig von der _Wärme_ (von einer

gewissen einem jeden Organismus eigenthümlichen Temperatur).

Die Ursache des Verbrauchs ist die _chemische Action des Sauerstoffs_,

ihre Aeußerung ist abhängig von einer Entziehung von Wärme, so wie von

der Verwendung der Lebenskraft zu _mechanischen Effecten_.

_Der Act des Verbrauchs heißt Stoffwechsel, er tritt ein in Folge der

Aufnahme von Sauerstoff in die Substanz belebter Körpertheile; diese

Aufnahme von Sauerstoff findet nur dann statt, wenn der Widerstand,

welchen die Lebenskraft belebter Körpertheile der chemischen Action des

Sauerstoffs entgegensetzt, kleiner ist als diese chemische Action

selbst, und dieser schwächere Widerstand wird bedingt durch Entziehung

von Wärme oder durch Verwendung der in den Körpertheilen thätigen Kraft

zu mechanischen Bewegungen_.

In Folge der Verbindung des im arteriellen Blute zugeführten Sauerstoffs

mit allen Bestandtheilen des Thierkörpers, die seiner chemischen Action

keinen Widerstand entgegensetzen, wird die zur Aeußerung der

Lebensthätigkeit nöthige Temperatur erzeugt.

Aus den Beziehungen des Sauerstoffverbrauches zu dem Stoffwechsel und

zur Wärmeentwickelung im Thierkörper ergeben sich die folgenden

allgemeinen Regeln.

Für jedes Verhältniß Sauerstoff, was in dem Körper in Verbindung tritt,

muß eine entsprechende Menge Wärme erzeugt werden.

Die Summe der zu mechanischen Effecten verwendbaren Kraft muß gleich

sein der Summe von Lebenskraft aller zum Stoffwechsel geeigneten

Gebilde.

Wenn in gleichen Zeiten eine ungleiche Menge von Sauerstoff verzehrt

worden ist, so zeigt sich dies in einem ungleichen Maß von

freigewordener Wärme und mechanischer Kraft.

Ein ungleiches Maß von verbrauchter mechanischer Kraft oder von Wärme

bedingt die Aufnahme einer entsprechenden Menge Sauerstoff.

Zum Uebergang belebter Körpertheile in leblose Verbindungen, sowie zur

Verbindung des Sauerstoffs mit den Bestandtheilen des Thierkörpers,

welche Verwandtschaft zu ihm haben, gehört _Zeit_.

In einer gegebenen Zeit kann nur ein begrenztes Maß von mechanischen

Effecten zur Aeußerung gelangen, es kann nur eine begrenzte Menge von

Wärme in Freiheit gesetzt werden.

Was in den mechanischen Effecten an Geschwindigkeit verbraucht wird,

geht an Zeit ab, d. h. je rascher die hervorgebrachten Bewegungen sind,

desto schneller wird die Kraft erschöpft.

Die Summe der im Thierkörper in einer gegebenen Zeit erzeugten

mechanischen Kraft ist gleich der Summe der in der nämlichen Zeit zur

Hervorbringung der willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen nöthigen

Kraft, d. h. alle Kraft, welche das Herz, die Eingeweide &c. zu ihren

Bewegungen bedürfen, geht für die willkürlichen Bewegungen verloren.

Die Menge der zur Herstellung des Gleichgewichts zwischen Verbrauch und

Ersatz nöthigen, stickstoffhaltigen Speise steht im graden Verhältniß zu

der Menge der umgesetzten Gebilde.

Die Menge des belebten Stoffs, welcher in dem Thierkörper seinen Zustand

des Lebens verliert, steht bei gleichen Temperaturen in geradem

Verhältniß zu den in der gegebenen Zeit hervorgebrachten mechanischen

Effecten.

Die Quantität der in einer gegebenen Zeit umgesetzten Gebilde ist meßbar

durch den Stickstoffgehalt des Harns.

Die Summe der bei gleichen Temperaturen in zwei Individuen

hervorgebrachten mechanischen Effecte ist proportional dem

Stickstoffgehalt ihres Harns, gleichgültig ob die mechanische Kraft zu

den willkürlichen oder unwillkürlichen Bewegungen verwendet, ob sie

durch die Glieder, oder das Herz und die Eingeweide verzehrt worden ist.

Der Zustand des Thierkörpers, den man mit _Gesundheit_ bezeichnet,

umfaßt den Begriff eines Gleichgewichts zwischen allen Ursachen des

Verbrauchs und den Ursachen des Ersatzes, und das Thierleben giebt sich

hiernach zu erkennen als die Wechselwirkung beider Ursachen, es zeigt

sich als eine sich wiederholende Aufhebung und Wiederherstellung des

Gleichgewichtszustandes.

Der Masse nach ist in den verschiedenen Lebensaltern der Ersatz und

Verbrauch an Stoff ungleich, allein im Zustand der Gesundheit muß die

verwendbare Lebenskraft stets als eine der Summe der belebten

Körpertheile entsprechende, unveränderliche Größe angesehen werden.

Die Zunahme an Masse steht in jedem Lebensalter in einem ganz bestimmten

Verhältniß zu der als bewegende Kraft verbrauchten Lebenskraft.

Die Lebenskraft, welche zu mechanischen Effecten verwendet wird, geht

von der Summe an Kraft ab, welche zur Zunahme verwendbar ist.

Die thätige Kraft, welche in dem Thierkörper zur Ueberwindung von

Widerständen, sagen wir zu _Bildungseffecten_ (zur Zunahme an Masse),

verwendet wird, ist gleichzeitig _nicht_ zur Hervorbringung mechanischer

Effecte verwendbar.

Hieraus folgt von selbst, daß wenn der Masse nach, wie in dem

Kindesalter, der Ersatz (die Zunahme an Masse) größer ist, als der

Verbrauch, daß die hervorgebrachten mechanischen Effecte in demselben

Verhältniß kleiner gewesen sein müssen.

Mit der Steigerung der mechanischen Effecte vermindert sich in dem

nämlichen Verhältniß die Fähigkeit der Zunahme oder des Ersatzes an

belebten Körpertheilen.

Ein vollkommnes Gleichgewicht in dem Verbrauch der Lebenskraft zu

Bildungseffecten und mechanischen Effecten findet demnach nur in dem

erwachsenen Zustande statt; es zeigt sich unverkennbar an dem

vollkommnen Ersatz von verbrauchtem Stoff. Im Greisenalter wird mehr

verbraucht, im Kindesalter wird mehr ersetzt als verbraucht.

Die zu mechanischen Effecten von einem erwachsenen Manne verwendbare

Kraft wird in der Mechanik zu einem Fünftel seines eigenen Gewichts

angenommen, was er acht Stunden lang mit einer Geschwindigkeit von 5 Fuß

in zwei Secunden fortbewegen kann.

Nehmen wir das Gewicht eines Mannes zu 150 Pfund an, so ist seine Kraft

gleich einem Gewicht von 30 Pfunden, die er 72000 Fuß weit trägt. Für

jede Secunde ist sein Kraftmoment 30 × 2,5 = 75 und für die ganze

Tageszeit sein Bewegungsmoment 30 × 72000 = 216000.

Durch die Wiederherstellung seines Körpergewichts sammelt der Mann nun

eine Summe von Kraft wieder an, die ihm den zweiten Tag gestattet, ohne

Erschöpfung eine gleiche Anzahl von mechanischen Effecten

hervorzubringen.

_Dieser Ersatz an Kraft geschieht in einem siebenstündigen Schlaf_.

In den Fabriken von gewalztem Eisen kommt es häufig vor, daß für den

gewöhnlichen Gang der Maschine ihr Druck nicht stark genug ist, um eine

Eisenstange von einer gewissen Dicke durch die Cylinder der Walze

durchgehen zu machen. Man hilft sich in diesem Fall, indem man die ganze

Kraft des Dampfs auf das Schwungrad wirken läßt und alsdann erst, wenn

dieses eine große Geschwindigkeit erlangt hat, die Eisenstange unter die

Walze bringt, wo sie dann (während das Schwungrad seine Geschwindigkeit

verliert) mit großer Leichtigkeit zu einer Tafel zusammengepreßt wird.

Was das Schwungrad an Geschwindigkeit zunahm, gewann die Walze an Kraft;

durch dieses Verfahren ist offenbar in der Geschwindigkeit Kraft

angesammelt worden; allein in diesem Sinne häuft sich im lebendigen

Organismus keine Kraft an.

Die Wiederherstellung der Kraft geschieht im Thierkörper durch die

Neubildung der ausgetretenen, zur Krafterzeugung bestimmten

Körpertheile, durch die Verwendung der thätigen Lebenskraft zu

_Bildungseffecten_ und mit der Wiederherstellung der ausgetretenen

Körpertheile, erhält der Organismus eine der verwendeten, gleiche Kraft

zurück.

Es ist einleuchtend, daß die während des Schlafs in Bildungseffecten

sich äußernde Lebenskraft, gleich sein muß, der ganzen Summe der im

wachenden Zustande zu allen mechanischen Effecten zusammengenommenen

verwendeten bewegenden Kraft, plus einer gewissen Quantität von Kraft,

welche zur Unterhaltung der im Schlafe fortdauernden, unwillkürlichen

Bewegungen erforderlich war.

Von Tag zu Tag erhält der arbeitende Mann bei hinlänglicher Nahrung

durch sieben Stunden Schlaf diese ganze Summe von Kraft zurück, und

abgesehen von der zu den unwillkürlichen Bewegungen nöthigen Kraft, die

in allen Individuen gleich ist, kann man annehmen, daß die zur Arbeit

verwendbare, mechanische Kraft in gradem Verhältniß steht zu der Anzahl

von Stunden Schlaf.

Der Mann schläft 7 und wacht 17 Stunden; bei _Wiederherstellung des

Gleichgewichtes_ nach 24 Stunden sind demnach die in 17 Stunden

geäußerten mechanischen Effecte gleich den in 7 Schlafstunden

verwendeten Bildungseffecten.

Wenn ein Greis nur 3¹/₂ Stunden schläft und alles übrige gleich wie bei

dem Manne gesetzt wird, so würde er jedenfalls nur die Hälfte der

mechanischen Effecte hervorzubringen vermögen, wie der Mann von gleichem

Gewicht, er würde nur 15 Pfund die nämliche Strecke weit tragen können.

Der Säugling schläft 20 Stunden und wacht 4 Stunden; die in ihm thätige

Kraft, welche zu Bildungseffecten verwendet wird, verhält sich zu der,

welche zu mechanischen Effecten (zur Bewegung der Glieder) verwendet

wird, wie 20 : 4; aber seine Glieder besitzen kein Kraftmoment, denn er

kann seinen eigenen Körper noch nicht tragen. Nehmen wir an, der Greis

und Säugling verbrauche zu mechanischen Effecten eine dem Verhältniß,

der von dem Manne verwendbaren, entsprechende Menge Kraft, so stehen die

mechanischen Effecte im Verhältniß zu der Anzahl der Stunden des

Wachens, die Bildungseffecte im Verhältniß zu der Anzahl der Stunden

Schlaf, und wir haben:

Kraftverbrauch Kraftverbrauch

zu zu

_mechanischen Effecten_ _Bildungseffecten_

beim Mann 17 7

beim Säugling 4 20

beim Greis 20,5 3,5

Bei dem Manne findet zwischen Verbrauch und Ersatz ein vollkommnes

Gleichgewicht statt, beim Säugling und Greis weichen Ersatz und

Verbrauch von einander ab. Setzen wir den Kraftverbrauch in den siebzehn

Stunden des Wachens gleich dem Kraftverbrauch zur Wiederherstellung des

Gleichgewichts im Schlaf = 100 = 17 Wachestunden = 7 Schlafstunden, so

ergeben sich folgende Verhältnisse.

Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie · 第 8 / 18 题