und Gebratene verzehrt hatten, reis'ten sie weiter, und Aschenbrödel
stand wieder als ihr Diener hinten auf dem Wagen. Nach sechs oder sieben
Stunden kamen sie zu einem andern Gasthause, und da kehrten die beiden
ältesten wieder ein; aber Aschenbrödel, der kein Geld hatte, mußte
draußen im Hof bleiben und auf ihre Sachen Acht geben. »Wenn Jemand Dich
fragt, Wer wir sind, so sage nur, wir wären zwei fremde Prinzen,« sagten
sie zu ihm. In diesem Gasthause ging es nun ungefähr wieder eben so,
wie in dem vorigen. Die Wirthsfrau kam ans Fenster und sah Aschenbrödel
auf dem Hof stehen, und da ward sie eben so verliebt in ihn, wie die
Frau des ersten Gastwirths, und sie konnte sich gar nicht satt an ihm
sehen. Als aber ihr Mann darauf zukam, sagte er: »Steh doch nicht da und
glotze, wie eine Kuh, die das neue Thor betrachtet, sondern scher' Dich
fort in die Küche zu Deinem Fischgrapen; denn Du weißt wohl, was wir
heut für Leute zu bewirthen haben.« -- »Ach, ich bekümmre mich den Henker
um das vornehme Pack!« sagte die Frau: »wenn's ihnen bei uns nicht gut
genug ist, so können sie ja hingehen, wo's ihnen besser gefällt. Aber
komm mal her und sieh den hübschen Burschen, der da draußen im Hof
steht; noch in meinem Leben hab' ich keinen so hübschen Menschen
gesehen. Willst Du, wie ich, so nöthigen wir ihn herein zu uns und
tractiren ihn; der arme Teufel kann's nöthig haben.« -- »Viel Verstand
hast Du nie gehabt, Frau,« sagte der Mann: »und das Bischen, das Du
hattest, glaub' ich, hast Du jetzt auch verloren. -- Fort mit Dir in
die Küche! und steh nicht länger da und guck nach dem fremden Kerl
aus!« rief er und war noch weit zorniger, als der erste Gastwirth. Sie
mußte nun wieder hinaus zu ihrem Fischgrapen, und so gern sie auch den
Burschen tractirt hätte, so durfte sie's doch nicht wagen, denn sie
fürchtete sich vor ihrem Mann. Da ersah sie aber die Gelegenheit und
machte sich ein Geschäft in dem Hof, und nun schenkte sie Aschenbrödel
ein Tuch, das hatte die Eigenschaft, daß es sich aufdeckte mit den
schönsten Gerichten, die man sich nur wünschen kann, wenn er es bloß aus
einander legte. »Das sollst Du haben, weil Du ein so schmucker Bursch
bist,« sagte die Wirthsfrau zu Aschenbrödel. Der bedankte sich und war
seelenvergnügt; denn ein solches Tuch, kannst Du wohl denken, war
besser, als viel Geld.
Nachdem nun die beiden Brüder gegessen und getrunken und Alles theuer
bezahlt hatten, reis'ten sie weiter, und Aschenbrödel stand wieder
hinten auf. Als sie so lange gereis't waren, bis sie wieder hungrig
wurden, kehrten sie in ein sehr vornehmes Gasthaus ein und verlangten
das Theuerste und Beste, was es gab. »Wir sind zwei reisende Könige,«
sagten sie: »und Geld haben wir wie Heu.« Als der Gastwirth das hörte,
ging es an ein Kochen und Braten, daß man's zehn Häuser davon bei den
Nachbaren riechen konnte. Aschenbrödel aber mußte wieder in dem Hof
bleiben und auf die Sachen Acht geben. Hier ging's ihm nun ungefähr eben
so, wie in den beiden vorigen Gasthöfen. Die Wirthsfrau sah durch das
Fenster den Diener, der draußen beim Wagen stand, und ein so schmucker
Bursch war ihr denn auch noch nicht vorgekommen; sie sah und sah, und
je länger sie ihn ansah, desto schöner, däuchte er ihr. Als aber der
Gastwirth kam und sie da stehen und gucken sah, sagte er: »Hast Du denn
nichts Besseres zu thun, als daß Du da stehst und guckäugelst? Weißt Du
denn nicht, was für Leute wir im Hause haben? Fort mit Dir in die Küche
zum Grützkessel, und das den Augenblick!« »Ach, es ist wohl nicht so
gefährlich,« sagte die Frau. »Wollen sie nicht warten, bis die Grütze
fertig ist, so können sie ja wieder reisen; es hält sie Niemand auf.
Aber komm mal her, dann sollst Du Was zu sehen kriegen. Sieh mal da
auf dem Hof! Ein so schmucker Bursch, sag' ich Dir, ist mir noch
nicht vorgekommen. Willst Du, wie ich, so nöthigen wir ihn herein
und tractiren ihn; denn er scheint's wohl nöthig zu haben.« -- »Ein
manntolles Weib bist Du all Dein Lebtag gewesen, und das bist Du auch
noch,« sagte der Mann und war entsetzlich böse: »Machst Du aber nicht
den Augenblick, daß Du hinauskommst zum Grützkessel, so sollst Du sehen,
wie ich Dir Beine machen werde!« Die Frau mußte nun wieder hinaus in die
Küche, denn sie wußte wohl, daß der Mann nicht mit sich scherzen ließ.
Nach einer Weile aber ersah sie die Gelegenheit, schlüpfte hinaus in
den Hof und schenkte Aschenbrödel einen allerliebsten Zapfhahn. »Wenn
Du bloß den Hahn umdreh'st,« sagte sie: »so bekommst Du die schönsten
Getränke, die Du Dir wünschest: Meth, Wein und auch Branntwein; Das will
ich Dir schenken, weil Du ein so schmucker Bursch bist.« Aschenbrödel
bedankte sich und war seelenvergnügt; denn ein solcher Zapfhahn war
nicht schlecht, kannst Du glauben.
Als nun die beiden Brüder ihre Mahlzeit verzehrt hatten, reis'ten sie
wieder fort, und Aschenbrödel stand wieder hinten auf dem Wagen. Sie
reis'ten nun ein weites Ende, und endlich kamen sie zu einem Königsschloß;
da gaben die beiden ältesten sich aus für zwei Kaisersöhne; und weil
sie viel Geld hatten und so stattlich gekleidet waren, wurden sie auf
das beste empfangen; sie mußten auf dem Schloß wohnen, und der König
wußte nicht, Was er ihnen alles zu Ehren thun wollte. Aber Aschenbrödel,
der noch dieselben Lumpen anhatte, die er von Hause mitgenommen, wurde
von der Schloßwache auf eine Insel gebracht, nach welcher man alle die
Bettler und Lumpenkerls hinausruderte, die auf's Schloß kamen; denn der
König konnte die Bettler und Lumpenkerls nicht leiden, sie störten nur
die Freude auf dem Schloß, sagte er. Auf der Insel aber bekamen sie nur
grade so Viel zu essen, daß sie sich das Leben damit erhalten konnten.
Die Brüder von Aschenbrödel sahen wohl, daß die Wache mit ihm nach der
Insel hinausfuhr, aber sie waren froh, daß sie ihn los wurden, und
bekümmerten sich nicht weiter um ihn. Als nun Aschenbrödel auf die Insel
zu den andern Bettlern und Lumpenkerls hinauskam, nahm er bloß seine
Schere und schnitt damit in die Luft, und da schnitt er die schönsten
Kleider herab, die man sich wünschen kann, von Sammt und von Seide, für
sie alle zusammen, so daß der gemeinste Bettler auf der Insel weit
stattlicher gekleidet war, als der König selbst und Alle, die auf dem
Schloß waren. Darauf nahm Aschenbrödel sein Tuch und breitete es aus,
und da deckte es sich mit einer Menge der schönsten Gerichte, so daß
Alle daran Mehr, als Genug hatten, und ein solches Gastmahl war noch
nicht gehalten worden auf des Königs Schloß. »Nun seid Ihr aber auch
wohl durstig,« sagte Aschenbrödel, nahm seinen Zapfhahn und dreh'te ihn
herum, und da bekamen alle Bettler auch Genug zu trinken; aber solchen
Meth und solchen Wein hatte der König selber noch in seinem Leben nicht
geschmeckt.
Als nun Die, welche das Essen nach der Bettlerinsel bringen sollten, mit
ihrer kalten Grütze und ihren sauern Molken ankamen -- denn das war das
Essen, was Die auf der Insel erhielten -- so wollten die Bettler es
nicht einmal kosten, worüber Die von dem Schloß sich sehr verwunderten,
aber noch mehr verwunderten sie sich, als sie sahen, wie Alle so stattlich
gekleidet waren, als wären es lauter Kaiser und Päbste gewesen, und sie
glaubten schon, sie wären zu einer unrechten Insel gekommen; als sie
aber besser zusahen, da war's denn doch ganz recht. Nun konnten sie sich
nicht anders denken, als daß Der, den sie gestern hinausgerudert hatten,
den Bettlern all den Staat und die Herrlichkeit verschafft haben müßte;
und als sie zurück aufs Schloß kamen, erzählten sie sogleich, wie Der,
den sie gestern hinausgebracht, alle Bettler so schön und so prächtig
herausgekleidet hätte, daß es nur so tröpfelte von Gold; »und die Grütze
und die Molken, die wir brachten, haben sie nicht einmal angerührt,«
sagten sie: »so hochmüthig waren sie geworden.« Nun hatte aber Einer von
den Leuten des Königs ausspionirt, wie der Bursch eine Schere hatte,
womit er all die schönen Kleider, welche die Bettler bekommen hatten,
aus der Luft geschnitten; das erzählte er sogleich auf dem Schloß und
sagte: »wenn er bloß mit der Schere in die Luft schneidet, so schneidet
er lauter Sammt und Seide herunter.« Als die Prinzessinn das hörte,
hatte sie keine Ruhe, ehe sie den Burschen sah, der die Schere hatte,
die lauter Sammt und Seide aus der Luft schnitt; eine solche Schere wäre
wohl werth zu haben, dachte sie, denn damit könnte sie sich all den Putz
verschaffen, den sie sich wünschte. Sie bat nun den König so lange, bis
dieser hinausschickte nach der Bettlerinsel und den Burschen holen ließ;
als dieser ankam, fragte die Prinzessinn ihn, ob es wahr sei, daß er
eine Schere hätte, die so und so wäre, und ob er ihr die nicht verkaufen
wolle. Ja, eine solche Schere hätte er wohl, sagte Aschenbrödel, aber
verkaufen wolle er sie nicht, und darauf nahm er die Schere und schnitt
damit in die Luft, daß die Sammt- und Seidenstoffe um ihn herumflogen.
»Ja, Du musst mir die Schere durchaus verkaufen,« sagte die Prinzessinn:
»Du kannst dafür verlangen, Was Du willst; denn haben muß ich sie.«
Nein, verkaufen könne er sie auf keine Weise, sagte der Bursch, denn
eine solche Schere bekäm' er nicht leicht wieder. Und während sie nun da
standen und um die Schere disputirten, betrachtete die Prinzessinn den
Burschen genauer, und da däuchte ihr, einen so schönen Menschen hätte
sie noch nie gesehen; darnach handelte sie wieder um die Schere und bat
Aschenbrödel, er möchte sie ihr doch verkaufen, er könne verlangen so
viele hundert Thaler er wolle, sagte sie. »Nein, verkaufen thu ich sie
nicht,« sagte Aschenbrödel: »aber es mag drum sein! willst Du mich eine
Nacht in Deiner Kammer bei der Thür schlafen lassen, so sollst Du sie
haben. Zu Leide will ich Dir Nichts thun,« sagte er: »und wenn Du Dich
fürchtest, so kannst Du gern zwei Mann Wache hinstellen.« Ja, das
wollte die Prinzessinn gern; wenn sie bloß die Schere bekam, so war sie
zufrieden. Und nun schlief Aschenbrödel die Nacht in ihrer Kammer, und
zwei Mann standen dabei Wache. Aber die Prinzessinn bekam nicht viel
Schlaf in die Augen, denn sie mußte die ganze Nacht hindurch Aschenbrödel
ansehen.
Am Morgen ruderte Aschenbrödel wieder hinaus nach der Bettlerinsel.
Als aber Die vom Schloß mit der Grütze und den Molken ankamen, wollte
wieder Keiner davon kosten. Nun hatte aber Einer von des Königs Leuten
ausspionirt, daß der Bursch ein Tuch hatte, das sich mit dem schönsten
Essen deckte, sobald er es nur aus einander legte; und als dieser
zurückkehrte, erzählte er es sogleich der Prinzessinn: »und solchen
Braten und solche Rahmgrütze,« sagte er: »giebt's nicht auf des Königs
Schloß.« Als die Prinzessinn das hörte, erzählte sie es dem König und
bat ihn so lange, bis er nach der Insel schickte und den Burschen holen
ließ. Wie nun Aschenbrödel aufs Schloß kam, wollte die Prinzessinn ihm
durchaus das Tuch abkaufen und bot ihm Geld über Geld; aber Aschenbrödel
wollt's nicht verkaufen für keinen Preis. »Willst Du mich aber die Nacht
auf der Bank vor Deinem Bett schlafen lassen, so sollst Du das Tuch
haben,« sagte er: »zu Leide will ich Dir Nichts thun, und wenn Du Dich
fürchtest, so kannst Du gern vier Mann Wache hinstellen.« Ja, darauf
ging die Prinzessinn sogleich ein; und Aschenbrödel lag nun die Nacht
auf der Bank vor ihrem Bett, und vier Mann standen Wache dabei. Hatte
aber die Prinzessinn die vorige Nacht nicht schlafen können, so konnte
sie es noch weniger diese Nacht; sie lag beständig und sah nur den
Burschen an.
Am Morgen ruderte Aschenbrödel wieder hinaus nach der Bettlerinsel. Als
aber Die vom Schloß mit der Grütze und den Molken ankamen, wollte Keiner
es wieder ansehen, so satt waren sie noch alle von gestern. Das fiel nun
den Leuten vom Schloß weiter nicht auf; jedoch verwunderte es sie, daß
sie noch gar nicht wieder durstig waren. Da bemerkte aber Einer, daß der
Bursch einen Zapfhahn hatte und immer die schönsten Getränke bekam: Meth
und Wein und auch Bier, wenn er bloß den Hahn umdreh'te. Wie nun dieser
zurückkam, erzählte er sogleich weit und breit von dem Zapfhahn des
Burschen: »und solches Bier und solchen Meth hat man nicht auf des
Königs Schloß,« sagte er: »denn das schmeckt noch süßer, als Honig und
Syrup.« Als die Prinzessinn das hörte, wollte sie durchaus den Zapfhahn
haben und ließ dem König nicht eher Ruhe, als bis er nach der Insel
schickte und den Burschen holen ließ.
Als nun Aschenbrödel aufs Schloß kam, fragte die Prinzessinn ihn, ob es
wahr sei, daß er einen Zapfhahn hätte, der so und so wäre. Ja, sagte
Aschenbrödel, einen solchen Zapfhahn hätte er; und als die Prinzessinn
ihm den nun mit aller Gewalt abkaufen wollte, sagte er wieder, verkaufen
könne er ihn auf keine Weise, wenn die Prinzessinn ihm auch das halbe
Reich dafür geben wollte. »Aber es mag drum sein!« sagte er: »willst
Du mich diese Nacht vorn in Deinem Bett schlafen lassen, so sollst
Du meinen Zapfhahn haben; Du kannst meinetwegen gern acht Mann Wache
hinstellen.« -- »Ach nein, das ist nicht nöthig,« sagte die Prinzessinn:
»denn dazu kenne ich Dich jetzt schon genug.« Und nun schlief Aschenbrödel
die Nacht bei der Prinzessinn im Bette, und hatte sie die beiden vorigen
Nächte nicht schlafen können, so that sie diese ganze Nacht kein Auge
zu.
Wie nun Aschenbrödel am Morgen wieder fort wollte nach der Insel, sagte
sie zu ihm: »Wart' noch ein wenig!« lief hinein zum König und bat ihn,
daß er ihr doch den Burschen zum Gemahl geben möchte; denn sie wäre so
verliebt in ihn, sagte sie, daß sie ohne ihn nicht leben könne. »Ei
nun,« sagte der König: »wenn er so herrliche Dinge hat, wie Du mir
erzählst, so ist er ja eben so reich, als Du; nimm ihn also nur hin!« Da
bekam Aschenbrödel die Prinzessinn und das halbe Reich, und das andere
halbe Reich sollte er nach des Königs Tode haben; und nun war Alles gut.
Seine Brüder aber, welche immer so schlecht gegen ihn gewesen waren,
ließ er hinausbringen auf die Bettlerinsel; da können sie nun erfahren,
Wer am besten daran ist: Der, welcher viel Geld in der Tasche hat, oder
Der, in welchen alle Weiber verliebt sind; -- und hat Aschenbrödel sie
nicht von der Insel zurückgeholt, so gehen sie noch da und essen kalte
Grütze und saure Molken den heutigen Tag.
9.
Die Lügenprobe.
Es war einmal ein König, der hatte eine Tochter, die konnte so gewaltig
lügen, daß Keiner es darin mit ihr aufnehmen konnte. Da ließ der König
bekannt machen, daß Der, welcher so lügen könne, daß die Prinzessinn
Nichts mehr dagegen zu lügen wüßte, sie und das halbe Reich haben
sollte. Es kamen darauf Viele an den Hof und machten den Versuch; denn
Alle wollten gern die Prinzessinn und das halbe Reich haben; aber sie
kamen alle schlecht davon. Nun waren aber auch drei Brüder, und die
wollten ebenfalls ihr Glück versuchen. Zuerst kamen die beiden ältesten;
aber es ging ihnen nicht besser, als all den Übrigen. Zuletzt machte
Aschenbrödel sich auf, und als er ankam, traf er die Prinzessinn im
Stall. »Guten Tag!« sagte er. »Schönen Dank,« sagte sie: »Ihr habt doch
nicht einen so großen Stall, als wir; denn wenn der Hirt an dem einen
Ende steht und auf dem Bockshorn bläs't, kann man's nicht hören am
andern Ende.« -- »Das ist auch was Rechtes!« sagte Aschenbrödel: »unsrer
ist weit größer; denn wenn eine Kuh an dem einen Ende trächtig wird,
kalbt sie erst an dem andern.« -- »Haha!« sagte die Prinzessinn: »Aber
Ihr habt doch nicht einen so großen Ochsen, als wir; denn wenn auf jedem
Horn Einer sitzt mit einer Meßstange, so können sie doch einander nicht
ablangen.« -- »Da kommst Du schön an!« sagte Aschenbrödel: »Wir haben
einen Ochsen, der ist so groß, daß wenn Einer auf jedem Horn sitzt und
auf dem Haberrohr bläs't, sie einander doch nicht hören können.« -- »Na
so!« sagte die Prinzessinn: »Aber Ihr habt doch nicht so viel Milch, als
wir; denn wir melken unsre Milch in große Eimer und tragen sie in große
Kessel hinein und machen Käse, so groß wie Tonnen.« -- »Und wir,« sagte
Aschenbrödel: »wir melken unsre Milch in große Küben und fahren sie mit
dem Wagen ins Haus und gießen sie in große Braupfannen und machen Käse,
so groß wie Häuser; und dann haben wir ein buntscheckiges Mutterpferd,
das den Käse zusammentritt; einmal aber fohlte es in dem Käse, und
als wir sieben Jahr davon gegessen hatten, trafen wir auf ein großes
buntscheckiges Pferd; mit dem sollte ich mal nach der Mühle fahren,
aber da brach ihm eine Rippe entzwei; nun wußte ich keinen andern Rath,
sondern nahm eine Tanne und setzte sie ihm ein statt der Rippe, und eine
andre Rippe hat's nachher nicht gehabt, so lange wir es hatten. Nun
schoß aber die Tanne auf und wuchs aus dem Rücken heraus und ward so
groß, daß ich daran zum Himmel hinaufklettern konnte. Da kam ich zu der
Jungfrau Maria, die saß da und spann Borstenstricke von Mehlbrei. Wie
ich nun da stand und zusah, brach unten die Tanne ab, und nun konnte ich
nicht wieder herunter; aber die Jungfrau Maria ließ mich an einem der
Stricke hinabgleiten, und da kam ich in einem Fuchsloch an; da saßen
meine Mutter und Dein Vater und flickten Schuh; aber eh' ich's mir
versah, schlug meine Mutter Deinen Vater, daß ihm die Perrücke vom Kopf
flog.« -- »Das lügst Du,« sagte die Prinzessinn: »denn das hat mein
Vater nie gethan.«
10.
Die drei Böcke Brausewind, die nach der Koppel gehen
und sich fett machen wollten.
Es waren einmal drei Böcke, die wollten nach der Koppel gehen und sich
fett machen, und alle drei hießen sie _Brausewind_. Auf dem Wege aber
war eine Brücke über einem Fluß, wo sie hinüber mußten, und unter der
Brücke wohnte ein großer, abscheulicher Troll, der hatte Augen, so groß
wie zinnerne Teller, und eine Nase, so lang wie ein Hackenstiel. Zuerst
kam der jüngste Bock Brausewind und wollte über die Brücke. »Tripp
trapp! tripp trapp!« sagte es auf der Brücke. »_Wer ist es, der auf
meiner Brücke trippelt?_« rief der Troll. »O, es ist der kleinste Bock
Brausewind; ich wollte nur nach der Koppel und mich fett machen,« sagte
der Bock mit ganz feiner Stimme. »_Nun komm ich und hole Dich!_« rief
der Troll. »Ach, hol' mich nicht, ich bin noch so klein!« sagte der
Bock: »wart bloß so lange, bis der andre Bock Brausewind kommt, der ist
viel größer, als ich.« -- »_Ja wohl!_« sagte der Troll.
Nach einer Weile kam der andre Bock Brausewind und wollte über die
Brücke. »_Tripp trapp! tripp trapp!_« sagte es auf der Brücke. »_Wer ist
es, der auf meiner Brücke trappelt?_« rief der Troll. »_O, das ist der
zweite Bock Brausewind; ich wollte nur nach der Koppel und mich fett
machen_,« sagte der Bock, der hatte aber keine so feine Stimme. »_Nun
komm ich und hole Dich!_« rief der Troll. »_Ach nein, hol' mich nicht!
wart' noch ein bischen, dann kommt der große Bock Brausewind, der ist
viel größer, als ich_,« sagte der Bock, »_Ja wohl!_« sagte der Troll.
Nun dauerte es nicht lange, so kam der große Bock Brausewind an: »TRIPP
TRAPP! TRIPP TRAPP!« sagte es auf der Brücke, daß es nur so krachte.
»_Wer ist es, der auf meiner Brücke trampelt?_« rief der Troll. »DAS
IST DER GROSSE BOCK BRAUSEWIND!« sagte der Bock mit einer groben Stimme.
»_Nun komm ich und hole Dich!_« rief der Troll.
»JA, KOMM NUR, ICH HABE ZWEI SPEERE BEIM SCHOPF,
DAMIT BOHR' ICH DIE AUGEN DIR AUS DEM KOPF;
ICH HABE ZWEI GROSSE KIESELSTEINE,
DAMIT ZERQUETSCH ICH DIR KNOCHEN UND BEINE!«
sagte der Bock, und damit fuhr er auf den Trollen zu, stach ihm die
Augen aus und zerquetschte ihm die Knochen im Leibe; darnach warf er ihn
in den Fluß und ging dann mit den andern nach der Koppel. Da wurden nun
die Böcke so fett, so fett, daß sie nicht wieder nach Hause gehen
konnten; und ist das Fett nicht wieder von ihnen gegangen, so sind sie
es noch.
Un ßnipp, ßnapp, ßnuut!
So is dat Leuschen uut.
11.
Östlich von der Sonne und westlich vom Mond.
Es war einmal ein armer Kathenmann, der hatte viele Kinder; er war aber
so arm, daß er ihnen weder ordentlich zu essen, noch Kleider auf den
Leib geben konnte; dennoch waren die Kinder alle sehr schön; aber am
schönsten von allen war doch die jüngste Tochter.
Nun war es einmal an einem Donnerstag-Abend im Spätherbst ein ganz
abscheuliches Wetter draußen; es war stockfinster, und dabei regnete und
stürmte es, daß die Fenster krachten. Die ganze Familie saß um den Kamin
herum, und Jeder war mit seiner Arbeit beschäftigt. Plötzlich klopfte es
dreimal laut ans Fenster. Der Mann ging hinaus und wollte zusehen, Was
es war, und als er hinauskam, stand da ein großer weißer Bär.
»Guten Abend!« sagte der Bär. »Guten Abend!« sagte der Mann. -- »Willst
Du mir Deine jüngste Tochter zur Frau geben,« sagte der Bär: »dann will
ich Dich so reich machen, als Du jetzt arm bist.« Dem Mann däuchte das
nicht übel; aber er meinte, er müßte doch erst mit seiner Tochter ein
Wort sprechen, ging hinein und erzählte, wie draußen ein großer weißer
Bär stände, der hätte ihm versprochen, ihn eben so reich zu machen,
als er jetzt arm wäre, wenn er ihm seine jüngste Tochter zur Frau geben
wolle. Das Mädchen sagte aber Nein und wollte Nichts von dem Handel
wissen. Da ging der Mann wieder hinaus, sprach gütlich mit dem Bären
und sagte, er solle nur am nächsten Donnerstag-Abend wiederkommen;
inmittlerzeit wolle er schon sehen, Was bei der Sache zu thun wäre. Sie
überredeten nun das Mädchen und schwatzten ihr Allerlei vor von dem
großen Reichthum, wozu sie gelangen würden, und wie gut sie es selbst
bekäme. Da gab sie denn endlich nach, wusch ihre paar Lappen, die sie
hatte, rein, putzte sich heraus, so gut sie konnte, und hielt sich
reisefertig.
Als am nächsten Donnerstag-Abend der Bär wiederkam, ja, da war's richtig;
das Mädchen setzte sich mit ihrem Bündel auf seinen Rücken, und fort
ging's. Als sie ein gutes Ende hinausgekommen waren, fragte der Bär sie:
»Bist Du auch bange?« Nein, das war sie ganz und gar nicht. »Halt Dich
nur immer gut an meinen Zotteln fest,« sagte der Bär: »dann hat's keine
Noth.«
Nun ritt sie auf dem Rücken des Bären weit, weit in die Welt hinaus,
-- kein Mensch kann sagen, wie weit es eigentlich war -- und zuletzt
kamen sie zu einem großen Felsen; da klopfte der Bär an, und nun öffnete
sich eine Pforte, durch welche sie in ein großes Schloß gelangten;
drinnen waren viele von Lampen erleuchtete Zimmer, und Alles strahlte
von Gold und von Silber; auch war da ein großer Saal, und in dem Saal
stand ein Tisch, der war mit den herrlichsten Gerichten besetzt. Nun gab
der Bär ihr eine silberne Glocke und sagte, wenn sie sich irgend Etwas
im Schloß wünsche, dann solle sie nur damit klingeln, alsdann würde
sie es sogleich bekommen. Wie sie nun gegessen und getrunken hatte und
gegen Abend müde wurde und sich zu Bett legen wollte, klingelte sie
nur mit der Glocke -- und sogleich öffnete sich eine Kammer, worin ein
aufgemachtes Bett stand, so schön, wie man's sich nur wünschen konnte,
mit seidenen Kissen und Vorhängen mit Goldfransen, und Alles, was sich
in der Kammer befand, war ebenfalls von Gold und von Silber. Wie sie
aber nun das Licht ausgelöscht und sich ins Bett gelegt hatte, kam ein
Mensch an und legte sich zu ihr, und so geschah es jede Nacht; aber sie
bekam ihn nie zu sehen, denn er kam immer erst, wenn sie schon das Licht
ausgelöscht hatte, und ging wieder fort, eh' es noch Tag wurde. So lebte
sie nun eine Zeitlang ruhig und zufrieden; aber endlich bekam sie eine
so große Sehnsucht, ihre Ältern und Geschwister wiederzusehen, daß sie
ganz still und traurig ward. Da fragte der Bär sie eines Tages, Was ihr
fehle, daß sie immer so still und sinnig wäre. »Ach,« sagte sie: »es
wird mir hier so öde im Schloß, denn ich möchte so gern meine Ältern und
meine Geschwister einmal wiedersehen.« -- »Dazu kann Rath werden,« sagte
der Bär: »aber Du musst mir versprechen, daß Du nie mit Deiner Mutter
allein reden willst, sondern nur, wenn die Andern zugegen sind; denn
sie wird Dich wohl bei der Hand nehmen und Dich in eine Kammer führen
wollen, um mit Dir allein zu sprechen; lässt Du Dich aber darauf ein, so
machst Du mich und Dich unglücklich.« Nein, sagte das Mädchen, sie wolle
sich schon in Acht nehmen.
Am Sonntag kam der Bär und sagte, jetzt könne sie die Reise zu ihren
Ältern antreten. Sie setzte sich nun auf seinen Rücken, und damit ging
es fort. Wie sie nun eine lange Zeit gereis't waren, kamen sie zu einem
großen weißen Schloß, da gingen ihre Geschwister aus und ein, und
spielten, und Alles war da so schön und prächtig, daß es eine Lust war,
es anzusehen. »Da wohnen Deine Ältern!« sagte der Bär: »Vergiß nun
nicht, Was ich Dir gesagt habe; denn sonst machst Du Dich und mich
unglücklich.« Nein, sie wollt's nicht vergessen, sagte das Mädchen und
ging ins Schloß; der Bär aber kehrte wieder um.
Wie nun die Ältern ihre Tochter wiedersahen, freu'ten sie sich so sehr,
daß es gar nicht zu sagen ist, und konnten ihr nicht genug danken für
Das, was sie für sie gethan hatte; und sie erzählten ihr, wie sie es nun
so außerordentlich gut hätten, und fragten sie, wie es denn ihr ginge.
O, ihr ginge es auch recht gut, sagte das Mädchen, sie hätte Alles, was
sie sich nur wünschte. Was sie noch weiter sagte, weiß ich nicht recht;
aber ich glaube, sie gab ihnen doch keinen ordentlichen Bescheid. Am
Nachmittag, als sie gegessen hatten, geschah es, wie der Bär ihr gesagt
hatte: die Mutter wollte mit der Tochter allein in der Kammer sprechen;
aber das Mädchen dachte an die Worte des Bären, und wollte nicht mit ihr
gehen, sondern sagte: »O, Das, was wir zu sprechen haben, können wir
immer hier sprechen.« Nun weiß ich aber nicht, wie es recht kam, die
Mutter überredete sie doch zuletzt, und da mußte sie ihr denn Alles
erzählen, was sie wußte. Sie erzählte ihr nun auch, wie des Abends, wenn
sie das Licht ausgemacht hätte, immer ein Mensch käme und sich zu ihr
ins Bett legte; aber sie bekäme ihn nie zu sehen, denn eh' es Tag würde,
wäre er immer wieder fort, sagte sie, und darüber wäre sie so betrübt;
denn sie wollte ihn doch so gern sehen, und der Tag würde ihr so lang,
weil sie immer so allein wäre. »Wer weiß! das ist gewiß ein Troll, der
bei Dir schläft,« sagte die Mutter: »Wenn Du aber meinem Rath folgen
willst, so steh mal des Nachts auf, wenn er eingeschlafen ist, und zünde
ein Licht an und sieh zu, was es für Einer ist; aber nimm Dich in Acht,
daß Du keinen Talg auf ihn tröpfelst.«