Stuten umsehen wollte, da war das Füllen so fett geworden, daß es glänzte
und blinkerte, und so groß war es, daß der Bursch nur mit genauer
Noth hinaufkommen konnte; alle Stuten aber hatten wieder ihr Füllen
bekommen. »Ja, es ist wahr, es hat sich gut gelohnt, daß ich Dich alle
zwölf Stuten saugen ließ,« sagte der Bursch zu dem Einjährigen: »aber
jetzt bist Du groß genug, nun muß ich Dich mithaben.« -- »Nein, laß mich
noch ein Jahr dazu gehen,« sagte das Füllen: »schlag' wieder die zwölf
andern Füllen todt, daß ich auch dieses Jahr alle zwölf Stuten saugen
kann; dann sollst Du mal sehen, wie groß und schön ich den nächsten
Sommer bin.« Der Bursch that wieder, wie das Füllen ihm sagte; und als
er das nächste Jahr in die Koppel kam, da hatte wieder jede Stute ihr
Saugfüllen; das scheckige Füllen aber war so groß geworden, daß der
Bursch gar nicht mehr hinauf konnte, und so fett und so blank war es,
daß es nur so glitzerte. »Groß und schön warst Du voriges Jahr,« sagte
der Bursch: »aber dieses Jahr bist Du noch stattlicher; ein solches
Füllen giebt es nicht in des Königs Schloß. Aber nun muß ich Dich mit
mir haben.« -- »Nein,« sagte die Schecke: »laß mich noch ein Jahr dazu
gehen! schlage wieder die zwölf andern Füllen todt, so daß ich auch noch
dieses Jahr alle Stuten saugen kann; dann sollst Du mich mal sehen zum
nächsten Sommer!« Der Bursch that wieder, wie das Scheckenfüllen ihm
sagte, schlug alle die andern Füllen todt, und damit ging er fort.
Als er aber nun das nächste Jahr wiederkam, und sich nach seinem Füllen
und seinen Stuten umsehen wollte, da war der Bursch ganz erschrocken. So
groß und so schwer, hatte er nie geglaubt, daß ein Pferd werden könnte;
denn die Schecke mußte sich auf allen Vieren niederlegen, wenn der Bursch
hinaufsteigen wollte, und dann hatte er noch Genug zu thun, daß er
nur hinaufkam; und so fett und so quabbelig war sie geworden, daß sie
glänzte und blitzte wie ein Spiegel; und das Mal hatte die Schecke
Nichts dagegen einzuwenden, daß der Bursch sie mitnahm. Er setzte sich
auf sie und ritt mit ihr nach Hause zu seinen Brüdern; die schlugen die
Hände über dem Kopf zusammen und kreuzten sich, denn ein solches Pferd
hatten sie weder gesehen, noch davon reden gehört. »Es mag drum sein,«
sagte der Bursch: »wollt Ihr mir einen so schönen Beschlag unter mein
Pferd, und so schönen Sattel und so schönes Gebiß verschaffen, als man's
nur haben kann, so mögt Ihr alle zwölf Stuten nehmen, so wie sie da in
der Koppel gehen, und ihre zwölf Füllen dazu« -- denn das Jahr hatte
jede Stute wieder ein Füllen bekommen. -- Ja, das wollten die Brüder
gern; und nun bekam der Bursch einen solchen Beschlag unter sein Pferd,
daß die Kiesel in die Luft flogen, wenn er über den Berg ritt, und einen
solchen Goldsattel und ein solches Goldgebiß, daß man den Glanz davon
schon von weitem sah. »Laß uns jetzt nach des Königs Schloß reisen!«
sagte die _Grimsschecke_ -- denn so hieß das Pferd --: »aber Du musst
den König um guten Stallraum und gutes Futter für mich bitten.« Ja, er
wollt's nicht vergessen, sagte der Bursch, und damit ritt er fort, daß
die Funken stoben; und da kannst Du Dir wohl denken, daß sie eben nicht
lange Zeit gebrauchten, um nach dem Schloß zu kommen.
Wie der Bursch dort ankam, stand der König draußen auf der Treppe; er
guckte und guckte und konnte nicht begreifen, was Das für Einer war, der
da geritten kam. »Nein!« sagte er: »einen solchen Kerl und ein solches
Pferd hab' ich noch mein Lebtag nicht gesehen!« Als darauf der Bursch
ihn fragte, ob er nicht einen Dienst im Schloß bekommen könnte, ward der
König so froh, daß er hüpfte und sprang, und da konnt' es denn nicht
fehlen, daß der Bursch einen Dienst bekam. »Ja, aber guten Stallraum für
mein Pferd will ich haben, und gutes Futter auch,« sagte der Bursch. Ja,
Stallraum für sein Pferd sollte er bekommen, und Hafer und Heu so viel
es nur verdelgen könnte; und darauf mußten die andern Ritter alle ihre
Pferde aus dem Stall führen; denn der sollte für die Grimsschecke allein
bleiben, damit sie gut Platz drin hätte.
Und nun, kannst Du Dir wohl denken, dauerte es nicht lange, daß die
Andern im Schloß neidisch wurden auf den Burschen, und nicht wußten,
was sie ihm all für Schabernack anthun sollten, wenn sie bloß gedurft
hätten. Endlich verfielen sie darauf, zu dem König zu sagen, der Bursch
habe sich gerühmt, die Prinzessinn befreien zu können, die der Troll bei
sich im Berg eingeschlossen halte, wenn er bloß wollte. Sogleich ließ
der König ihn zu sich rufen und sagte, so und so hätte er gesagt, und
nun sollte er Wort halten; könnte er es, so wüßte er wohl, daß er dann
die Prinzessinn und das halbe Reich haben solle, und das sollt' er denn
auch redlich bekommen; könnte er es aber nicht, so solle er das Leben
verlieren. Der Bursch sagte zwar, nein, das hätt' er nicht gesagt; aber
es half nichts, der König wollte auf dem Ohr nicht hören, und es war
kein andrer Rath für den Burschen, er mußte es versuchen. Er ging nun
hinunter nach dem Stall und war ganz traurig und muthlos. Die Grimsschecke
fragte ihn, Was ihm fehle, und da erzählte ihr denn der Bursch, Was der
König von ihm verlangte, und sagte, er wüßte nicht, wie er das anfangen
sollte, denn die Prinzessinn zu befreien, meinte er, wäre wohl ein Ding
der Unmöglichkeit. »Die Sache ist gar nicht so gefährlich,« sagte
die Grimsschecke: »ich will Dir schon helfen, aber Du musst mich gut
beschlagen lassen. Zwanzig Pfund Eisen und zwölf Pfund Stahl musst Du
verlangen, und einen Schmied zum Schmieden, und einen zum Beschlagen.«
Ja, das that der Bursch, und der König sagte nicht Nein, sondern gab ihm
Eisen und Stahl und zwei Schmiede, und die Grimsschecke wurde beschlagen
hinten und vorn, und darauf ritt der Bursch aus dem Schloß, daß der
Staub aufwirbelte. Als er aber nun zu dem Berg kam, galt es, die steile
Wand hinaufzukommen; denn die war so schroff, wie eine Mauer, und so
glatt, wie ein Spiegel. Bei dem ersten Anlauf kam der Bursch ein Ende
hinauf; aber da glitt die Grimsschecke mit den beiden Vorderfüßen aus,
und wieder herunter, daß es donnerte und krachte. Beim zweiten Anlauf
kam er ein Ende weiter hinauf; aber da glitt die Grimsschecke wieder mit
dem einen Vorderbein aus, und herunter, daß der alte Berg bebte. Das
dritte Mal sagte die Grimsschecke: »Jetzt muß es werden!« und damit
legte sie los, daß die Steine in die Wolken flogen, und das Mal kam
sie hinauf. Nun ritt der Bursch in vollem Galopp, erschnappte die
Königstochter und nahm sie vor sich auf den Sattel, und eh' der Troll
sich noch recht besann, waren sie auf und davon -- wenn ich aber nicht
irre, so lag der Troll damals und schlief -- und nun war die Prinzessinn
befrei't.
Als jetzt der Bursch zurückkam auf's Schloß, freu'te sich der König
nicht wenig, kannst Du glauben. Wie dem nun aber auch sein mochte, so
hatten die Andern auf dem Schloß dem König Allerlei vorgeredet, so daß
er gleichwohl zornig war auf den Burschen. »Ich danke Dir, daß Du meine
Tochter befrei't hast« -- das war Alles, was er sagte, und damit wollte
er seines Weges gehen. Der Bursch aber sagte: »Sie ist jetzt eben so gut
_mein_, als _Dein_, denn ich hoffe doch, daß Du ein Mann von Wort bist.«
-- »Nun ja,« sagte der König: »Du sollst sie haben, weil ich es Dir
versprochen habe; aber erst musst Du machen, daß die Sonne in mein
Schloß scheint« -- denn es lag ein großer Berg vor dem Schloßfenster,
der schattete, so daß die Sonne nicht hineinscheinen konnte. -- »Das war
nun freilich nicht mit im Accord,« sagte der Bursch: »aber es hilft
nicht, ich muß nur mein Bestes versuchen; denn die Prinzessinn wollt'
ich doch gern haben.« Er ging nun wieder hinunter zu der Schecke und
erzählte ihr, Was der König von ihm verlangte; die Grimsschecke meinte,
die Sache sei eben nicht so gefährlich; aber einen neuen Beschlag unter
den Füßen müßte sie haben, sagte sie, und dazu müßten zwanzig Pfund
Eisen und zwölf Pfund Stahl, und zwei Schmiede, einen zum Schmieden, und
einen zum Beschlagen, dann sollte schon nachher die Sonne in's Schloß
scheinen. Der Bursch bekam Alles, was er verlangte, denn das konnte der
König Schanden halber ihm nicht versagen, und es wurde nun ein neuer
Beschlag unter die Grimsschecke gelegt, und der war nicht schlecht. Wie
das geschehen war, setzte der Bursch sich auf, und bei jedem Schritt,
den die Grimsschecke that, sank der Berg dreißig Fuß tief in die Erde,
und das dauerte so lange fort, bis Nichts mehr vom Berg zu sehen war.
Wie nun der Bursch zurück nach dem Schloß kam, fragte er den König, ob
er ihm jetzt die Prinzessinn geben wolle; denn nun wisse er nicht
anders, sagte er, als daß die Sonne ins Schloß scheine. Aber da hatten
die Andern dem König wieder Allerlei vorgeredet, und er sagte zu dem
Burschen, die Prinzessinn sollte er allerdings haben, denn er hätte
seinen Sinn nicht geändert; aber erst sollte er ihm ein so stattliches
Brautpferd schaffen, als er ein Bräutigamspferd hätte, das wäre nicht
mehr, als billig. Der Bursch sagte, davon hätte der König nicht
gesprochen, und er meine, er habe die Prinzessinn jetzt verdient. Aber
der König blieb bei Dem, was er gesagt hatte; und wenn er ihm nicht ein
solches Brautpferd schaffen könne, sagte er: dann solle er das Leben
dazu verlieren. Der Bursch ging nun in den Stall, aber ganz traurig und
muthlos, und erzählte der Grimsschecke, wie der König von ihm verlange,
er solle der Prinzessinn ein so stattliches Brautpferd verschaffen, als
er ein Bräutigamspferd hätte, sonst solle er das Leben verlieren. »Wie
soll das aber angehen?« sagte er: »denn Deinesgleichen giebt es wohl
nicht mehr in der Welt.« -- »Ja, es giebt Meinesgleichen,« sagte die
Grimsschecke: »aber es hält schwer, sie zu bekommen, denn sie ist in der
Hölle; wir wollen indeß unser Bestes versuchen.« -- »Und Was muß ich
denn thun?« fragte der Bursch. »Erst musst Du zum König gehen,« sagte
die Grimsschecke: »und einen neuen Beschlag unter meinen Füßen verlangen,
und dazu müssen zwanzig Pfund Eisen und zwölf Pfund Stahl, und zwei
Schmiede, einer zum Schmieden, und einer zum Beschlagen, aber sieh ja
zu, daß die Eisen gut scharf werden; und dann musst Du zwölf Tonnen
Rocken und zwölf Tonnen Gerste verlangen, und zwölf geschlachtete
Ochsen müssen wir haben, dazu alle zwölf Ochsenhäute und in jeder Haut
zwölfhundert Lattenspiker; denn alles das müssen wir gebrauchen.«
Der Bursch ging nun hinauf zum König und verlangte Alles, so wie die
Grimsschecke ihm gesagt hatte, und der König konnte Schanden halber es
ihm nicht verweigern, sondern mußte ihm Alles geben.
Als nun die Grimsschecke gehörig beschlagen war, setzte der Bursch sich
auf und ritt aus dem Schloßhof. Wie er nun ein weites, weites Ende
geritten war über Berge und über Hügel, da fragte die Schecke ihn:
»Hörst Du Etwas?« -- »Ja,« sagte der Bursch: »ich höre ein gewaltiges
Sausen oben in der Luft, so daß mir angst und bange wird.« -- »Das
sind alle die wilden Vögel des Waldes, die geflogen kommen,« sagte die
Grimsschecke, »die sind ausgesandt, um uns aufzuhalten; aber schneide
jetzt ein Loch in die Kornsäcke, dann haben sie Genug zu thun mit dem
Korn und vergessen darüber uns.« Das that nun der Bursch: er schnitt
ein Loch in die Kornsäcke, so daß der Rocken und die Gerste auf allen
Seiten herauslief. Da kamen alle die wilden Vögel des Waldes in so
großer Menge, daß die Sonne davon verdunkelt ward; als sie aber das
Korn erblickten, schossen sie herunter und fingen an, die Rocken- und
Gerstenkörner aufzupicken; und zuletzt, glaub' ich, schlugen sie sich
sogar; doch das kann ich nicht mit Gewißheit sagen; aber so viel weiß
ich wohl, daß sie dem Burschen und der Grimsschecke Nichts thaten, denn
die hatten sie ganz vergessen.
Nun ritt der Bursch wieder eine lange Strecke, über Berge und Thäler,
durch Sumpf und Moor; da horchte plötzlich die Grimsschecke auf und
fragte den Burschen: »Hörst Du Etwas?« -- »Ja, ich höre ein entsetzliches
Krachen im Walde von allen Seiten her, so daß mir angst und bange wird,«
sagte der Bursch. »Das sind alle die wilden Thiere des Waldes,« sagte
die Grimsschecke: »die sind ausgeschickt, um uns aufzuhalten; aber wirf
jetzt nur die Rümpfe von den zwölf Ochsen hinaus, dann bekommen sie
Genug zu thun und vergessen uns.« Da warf der Bursch die Rümpfe hinaus,
und nun kamen alle wilden Thiere, so viel ihrer im Wald waren: Bären,
Wölfe, Löwen und andre Ungeheuer; als sie aber die Ochsenrümpfe sahen,
fielen sie alle darauf her und fingen an, sich zu schlagen, daß das Blut
floß; den Burschen aber und die Grimsschecke vergaßen sie ganz.
Darauf ritt der Bursch wieder ein weites, weites Ende, und die Wolken
flogen ihm jeden Augenblick vorüber; denn mit der Grimsschecke ging es
nicht langsam, wie man sich wohl denken kann. Plötzlich aber fing die
Schecke an zu wiehern und fragte: »Hörst Du Etwas?« -- »Ja, ich höre in
der Ferne ein leises Wiehern wie von einem Füllen,« sagte der Bursch.
»Nun, das war eben kein kleines Füllen,« sagte die Schecke: »es hört
sich nur so leise an, weil es noch so weit weg ist.« Darauf reis'ten sie
ein gutes Ende weiter. Endlich wieherte die Grimsschecke wieder. »Hörst
Du Etwas?« fragte sie. »Ja, nun hör' ich es deutlich wiehern, wie ein
großes Pferd,« sagte der Bursch. »Ja, Du musst es noch einmal hören,«
sagte die Schecke: »dann wirst Du's schon gewahr werden.« Nun reis'ten
sie wieder ein gutes Ende weiter; da wieherte die Grimsschecke zum
dritten Mal; aber ehe sie noch den Burschen fragen konnte, ob er Etwas
höre, wieherte es auf der Senne, daß der Bursch dachte, der alte Berg
würde bersten. »Nun ist es hier!« sagte die Grimsschecke: »Wirf jetzt
geschwind die Ochsenhäute mit den Lattenspikern auf mich, und die
Theertonne wirf auf die Erde, und dann klettre auf die große Tanne da.
Wenn dann das Pferd kommt, schnaubt es Feuer aus beiden Nüstern und
zündet die Theertonne an. Alsdann gieb wohl Acht: wenn die Flamme
_steigt_, so gewinne ich; _fällt_ sie, so verliere ich. Siehst Du
aber, daß ich gewinne, so wirf ihm schnell meinen Zaum über, dann
ist es zahm.« Kaum hatte der Bursch die Häute mit den Spikern auf die
Grimsschecke geworfen, die Theertonne auf die Erde gerollt und war auf
die Tanne geklettert, so kam das Pferd an, daß ihm die Flammen aus
beiden Nüstern fuhren, und sogleich fing die Theertonne Feuer. Darauf
begann die Grimsschecke einen Kampf mit dem andern Pferd, daß die Steine
bis an den Himmel flogen, sie bissen sich und schlugen aus mit den
Vorder- und den Hinterbeinen. Der Bursch sah bald nach ihnen, bald nach
der Theertonne, und endlich _stieg_ die Flamme; denn wo das andre Pferd
auch beißen und schlagen mochte, so traf es immer nur die Häute mit
den Spikern, und da mußte es sich denn endlich geben. Als der Bursch
das sah, sprang er schnell vom Baum herunter, nahm den Zaum von der
Grimsschecke und warf ihn auf das andre Pferd, und da war es so zahm,
daß er es mit einem Zwirnsfaden lenken konnte, und eben so scheckig
war es wie das Grimsfüllen, so daß man sie nicht von einander zu
unterscheiden vermochte. Nun setzte der Bursch sich auf das neue Pferd
und ritt wieder zurück nach dem Königsschloß, und die Grimsschecke lief
neben ihm her. Als er beim Schloß ankam, stand der König draußen auf dem
Hof. »Kannst Du mir jetzt sagen, was für ein Pferd ich gefangen habe,
und was für eins ich hatte?« sagte der Bursch: »kannst Du es nicht, so
gehört Deine Tochter mir.« Der König betrachtete beide Schecken von
unten bis oben; aber es war kein Haar anders an der einen, als an der
andern. »Nein,« sagte der König: »das kann ich nicht. Meine Tochter hast
Du jetzt, da Du ihr ein so stattliches Brautpferd verschafft hast, Dir
erworben; aber erst müssen wir sehen, ob es auch so bestimmt ist, daß
Du sie haben sollst: Meine Tochter soll sich zweimal verstecken, und
nachher sollst Du Dich auch zweimal verstecken; kannst Du sie nun
die beiden Male finden, aber sie nicht jedesmal Dich, dann ist es so
bestimmt, daß Du sie haben sollst.« -- »Das steht nun freilich auch
nicht mit im Accord,« sagte der Bursch: »aber weil's denn so sein muß,
wollen wir's versuchen.«
Nun sollte die Königstochter sich zuerst verstecken, und da verwandelte
sie sich in eine Ente und schwamm auf dem Wasser, das dicht bei dem
Schloß war. Der Bursch aber ging hinunter in den Stall und fragte die
Grimsschecke, wo sie sich versteckt hätte. »O, Du brauchst nur Dein
Gewehr zu nehmen und nach der Ente zu zielen, die auf dem Wasser
schwimmt,« sagte die Grimsschecke: »dann wird sie schon zum Vorschein
kommen.« Da nahm der Bursch sein Gewehr und ging damit nach dem Wasser.
»Ich will doch mal die Ente kappen,« sagte er und fing an zu zielen.
»Nein, nein! schieß nicht! das bin _ich_!« sagte die Prinzessinn; und
nun hatte er sie das erste Mal gefunden. Das zweite Mal verwandelte die
Prinzessinn sich in ein Brod und lag auf dem Tisch zwischen vier andern
Broden, und alle waren ganz gleich, so daß Keiner sie zu unterscheiden
vermochte. Aber der Bursch ging wieder in den Stall zu der Grimsschecke
und fragte, wo er jetzt wohl die Prinzessinn suchen sollte. »O, nimm
bloß ein Brodmesser und wetze es tüchtig und thu dann, als ob Du das
Brod, das, von der Linken gezählt, das dritte unter den vier andern
ist, die auf dem Küchentisch liegen, anschneiden wolltest,« sagte die
Grimsschecke: »dann wird sie schon zum Vorschein kommen.« Da ging der
Bursch in die Küche und nahm das größte Brodmesser, das er finden
konnte, und wetzte es tüchtig; dann ergriff er das Brod, welches, von
der Linken gezählt, das dritte unter den vier andern war, und setzte
das Messer an, als ob er's mitten durchschneiden wollte. »Ich muß mir
doch mal einen Knorren von diesem Brod abschneiden,« sagte er. »Nein,
schneide nicht! das bin _ich_!« sagte die Prinzessinn; und nun hatte er
sie auch das zweite Mal gefunden.
Jetzt sollte der Bursch sich verstecken; da sagte ihm aber die
Grimsschecke so guten Bescheid, daß er nicht leicht zu finden war.
Zuerst verwandelte er sich in eine Roßmücke und verbarg sich in die
linke Nüster der Grimsschecke. Die Prinzessinn ging und suchte überall,
und zuletzt wollte sie auch in den Raum hinein, wo die Grimsschecke
stand; aber die fing an zu beißen und um sich zu schlagen, daß sie sich
nicht nahen durfte, und da konnte sie ihn denn nicht finden. »Nein, ich
kann Dich nicht finden,« rief sie: »komm nur hervor!« und sogleich stand
der Bursch vor ihr in dem Stall. Das zweite Mal verwandelte er sich in
einen Klumpen Erde und legte sich zwischen den Huf und das Eisen an dem
linken Vorderfuß der Schecke. Die Königstochter ging wieder überall herum
und suchte, und zuletzt kam sie auch in den Stall und wollte wieder in
den Raum zu der Grimsschecke. Diesmal durfte sie sich auch nahen; aber
unter den Huf konnte sie nicht kommen, denn die Schecke stand allzu fest
auf ihren Beinen. Da ihr nun alles Suchen nichts half, sagte sie endlich;
»Komm nur hervor! denn ich kann Dich doch nicht finden,« und da stand
der Bursch sogleich wieder neben ihr im Stall. »Nun ist sie _mein_,«
sagte er zum König: »denn nun kannst Du sehen, daß es so bestimmt ist.«
-- »Ja, wenn es denn so bestimmt ist, so muß es wohl so bleiben,« sagte
der König. Und darauf wurde augenblicklich die Hochzeit gehalten; und
der Bursch setzte sich auf die Grimsschecke, und die Prinzessinn auf die
andre Schecke, und da kannst Du Dir denn wohl vorstellen, daß sie eben
nicht lange Zeit gebrauchten, um nach der Kirche zu kommen; und sie
lebten hiernach glücklich und vergnügt mit einander.
8.
Es hat keine Noth mit Dem, in welchen alle Weiber verliebt sind.
Es waren einmal drei Brüder; nun weiß ich nicht recht, wie das zugegangen
war, aber jeder von ihnen hatte einen Wunsch bekommen, so daß er sich
wünschen konnte, Was er wollte. Die beiden ältesten bedachten sich nicht
lange, sondern wünschten sich, daß es ihnen nie an Geld fehlen möchte,
so oft sie in die Tasche griffen; »denn wenn Einer immer Geld hat,«
sagten sie: »so kommt er schon fort in der Welt.« Der jüngste dagegen
wünschte sich, daß alle Weiber sich in ihn verlieben müßten, sobald sie
ihn sähen, sie möchten nun wollen, oder nicht; und das, sollst Du mal
hören, war weit besser, als Geld und Gut. Sobald die Brüder ihre Wünsche
gethan hatten, wollten die beiden ältesten fort in die Welt. Aschenbrödel
bat sie, ihn mit sich zu nehmen, aber von dem wollten die Andern Nichts
wissen. »Wo wir hinkommen, werden wir überall empfangen wie Grafen und
Prinzen,« sagten sie: »aber Du, der Du gar Nichts hast, Wer wollte sich
wohl um Dich bekümmern?« -- »Aber Ihr könnt mich darum ja gern mit Euch
reisen lassen,« sagte Aschenbrödel: »denn es wird wohl immer auch ein
Bissen für mich abfallen, wenn ich bei so hohen Herrschaften bin.«
Endlich und zuletzt erlaubten sie ihm denn, mitzureisen, wenn er ihr
Diener sein wollte, und darauf ging Aschenbrödel auch ein.
Als sie nun einen Tag, oder so ungefähr, gereis't waren, kamen sie zu
einem großen Gasthause; da kehrten die beiden ältesten Brüder, welche
Geld hatten, ein, und verlangten frischweg Braten und Fische und
Branntwein und Meth und Alles, was gut schmeckt; Aschenbrödel aber, der
Nichts hatte, mußte draußen im Hof bleiben und auf die Pferde und das
Gepäck der vornehmen Herren Acht geben, denn er war nun ihr Diener. Wie
er aber da im Hofe auf- und abging, bemerkte die Frau des Gastwirths ihn
durch das Fenster, und ein so schöner Bursch, däuchte ihr, wär' ihr noch
nicht vorgekommen; sie guckte und guckte, und je länger sie den Burschen
ansah, desto schöner kam er ihr vor. »Was Teufel hast Du da zu stehen
und zu glotzen!« sagte der Mann: »mir däucht, es wäre besser, Du säh'st
zu, daß das Spanferkel gut gebraten würde, als daß Du da stehst und
glotzäugst; Du weißt wohl, was für Herrschaften wir heut zu bewirthen
haben.« -- »Ach, ich schere mich den Henker um das vornehme Pack!« sagte
die Frau: »wollen sie nicht bleiben, so können sie wieder hinreisen, wo
sie hergekommen sind. Aber komm mal her und sieh bloß Den, der auf dem
Hof geht! einen so schmucken Burschen hab' ich noch mein Lebtag nicht
gesehn; willst Du, wie ich, so bitten wir ihn herein und tractiren ihn;
denn der arme Schelm hat wohl nicht Viel übrig.« -- »Weib, hast Du denn
ganz Dein Bischen Verstand verloren?« sagte der Mann und war so zornig,
daß ihm die Augen im Kopf glüh'ten. »Fort mit Dir in die Küche!« rief
er: »und stehe nicht hier und äugle nach fremden Kerls!« Da war nun
kein andrer Rath für die Frau, sie mußte wieder in die Küche und das
Essen bereiten; nach dem Burschen aber durfte sie sich nicht weiter
umsehen, und ihn tractiren durfte sie noch weniger. Da ersah sie aber
die Gelegenheit und machte sich ein Geschäft in dem Hof, und nun schenkte
sie Aschenbrödel eine Schere, die hatte die Eigenschaft, daß er sich
damit die schönsten Kleider von Sammt und von Seide herabschneiden
konnte, wenn er bloß damit in die Luft schnitt. »Die will ich Dir
schenken, weil Du ein so schmucker Bursch bist,« sagte sie.