Einen anderen, sehr schönen Doppelstern, an dem man auch die Sehschärfe

kleiner astronomischer Teleskope prüft, birgt das Sternbild des »großen

Bären«. Es ist der schon genannte Stern Mizar in der Deichsel des

»großen Wagen« oder in der Schwanzspitze des »großen Bären«. Über ihm

steht ein zweiter Stern, der den Namen Alkor (Reiterlein) hat. Wenden

wir auf die beiden Sterne ein genügend stark vergrößerndes Fernrohr an,

dann finden wir, daß sowohl Mizar, als auch Alkor Doppelsterne sind. In

Wirklichkeit stehen hier vier und nicht zwei Sonnen am Himmel!

Zahlreich sind die Doppelsterne in den Sternbildern des »Orion«, des

»Widder« und des »Perseus«. Man kennt ihrer bis jetzt über 15000 Stück!

An einigen Stellen des Raumes finden wir Sternsysteme, wo sich drei

und noch mehr Sterne umeinander, also um einen gemeinsamen Schwerpunkt

bewegen.

Im großen Orionnebel steht ein sechzehnfacher Stern, der das »Trapez«

heißt. Sechzehn Sonnen bilden hier ein einziges Sternsystem, und alle

diese sechzehn Sterne drehen sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt.

Die Doppel- und mehrfachen Sterne bilden den Übergang zu den

»Sterngruppen oder Sternhaufen«, die wir noch kennen lernen werden. Man

könnte, wenn man mit dem Fernrohre beobachtet, glauben, daß die beiden

Sonnen eines Sternpaares sehr eng beisammen stehen, denn oft ist der

Zwischenraum, der beide Sonnen voneinander trennt, nicht größer als die

Breite eines Haares. Indes diese Ansicht wäre falsch, denn die Sonnen

eines Doppelsternes sind oft viele Millionen Kilometer von einander

entfernt. So steht der Begleiter beim Doppelstern Pi im Bilde des

»Schlangenträgers« von seinem Hauptsterne etwa 4500 Millionen Kilometer

ab. Auch der nächste Nachbar unserer Sonne, -- der Stern Alpha im Bilde

des »Centauren« am Südhimmel, -- ist ein solcher Doppelstern, und die

beiden Sterne dieses Paares sind über 4000 Millionen Kilometer von

einander entfernt!

Die großen Abstände der beiden Sterne eines Paares schmelzen deshalb so

zusammen, weil die Sonnen ungeheuer weit draußen im Raume stehen, --

oft Hunderte von Lichtjahren weit von uns!

Wenn wir auf der Eisenbahn oder auf der Landstraße uns von einer Stadt

entfernen, dann sehen wir, wie die Türme kleiner werden und die Häuser

eng zusammenrücken. Je weiter wir nun kommen, umso mehr schmilzt alles

in einen dunklen Punkt zusammen. Das Gleiche ist in der Sternenwelt der

Fall. Auch wir sind von jenen Doppel- und mehrfachen Sternen ungeheuer

weit entfernt. Infolgedessen, schrumpfen die Abstände zwischen den

einzelnen Sternen eines solchen Paares zur Breite eines Haares oft

zusammen. --

Wir lernten im vorangegangenen als hauptsächlichste Farben der Gestirne

die weiße, die gelbe und die rote kennen.

Nun finden sich aber in den Doppel- und mehrfachen Sternsystemen

Farben, die uns ganz eigenartig anmuten. Wir sehen nämlich, wie weiße

Sonnen gelbe, blaue und rote umwandeln; aber wir finden auch Sonnen,

die in den Komplementär- oder Ergänzungsfarben rot und grün, blau und

gelb aufleuchten.

Knüpft man an das Objektiv des Fernrohres, mit dem man beobachtet,

einen dünnen Faden, und blendet man mit ihm nun bald die eine, bald die

andere Sonne des betreffenden Sternpaares ab, so findet man, daß beide

Sonnen des Paares die ihnen eigentümliche Färbung behalten. Die bunten

Farben sind also diesen Doppelsternen eigen. Das wird stets der Fall

sein, wenn sich eine weiße Sonne um eine blaue, rote oder grüne dreht

oder, wenn zwei blaue und zwei rote Sonnen einander umkreisen.

So ist bei dem schon genannten Doppelsterne Betha im »Schwan« der

Hauptstern rötlich, der Begleiter indes blau. Rot ist der Hauptstern

beim Sterne Nr. 2 in den »Jagdhunden« und blau sein Begleiter.

Wir besitzen sogar Doppelsterne, in denen die eine Sonne lila- oder

aschfarben, die andere aber weiß aussieht.

Im Sternbilde der »Andromeda« haben wir einen dreifachen Stern. Der

eine von ihnen ist grün, der andere blau und der dritte goldfarbig.

Wenn wir über das Licht solcher bunter Sonnen, die der Schöpfer zu

einem System vereinigte, nachdenken, dann muß es uns ergehen, wie dem

Derwisch im Märchen aus »Tausend und einer Nacht«!

Nehmen wir einmal an, wir erwachten eines Morgens nach erquickendem

Schlafe auf einem Planeten, der sich um eine solche buntfarbige Sonne,

-- wie wir sie hier kennen lernten, -- wälzt.

Anstatt unserer, in gelbem Lichte strahlenden Sonne wäre dort am

Frühmorgen eine blaue, oder eine grüne oder eine rote Sonne über den

östlichen Gehängen emporgestiegen und hüllte alles nun in die ihr

eigene Glut!

Ganz anders gefärbt würde das Erdreich aussehen, ganz anders der

Spiegel des Meeres, ganz anders der Pflanzenteppich und der Wald. Am

Mittag ginge diese bunte Sonne in Westen schon unter, und eine andere

stiege im Osten auf, um über die Stunden des Nachmittags zu gebieten.

Wieder würde alles in die Lichtfülle dieser anderen, bunten Sonne

getaucht sein.

Die Pracht und Schönheit, die diese beiden, bunten Sonnen in der

Landschaft jenes Planeten hervorriefen, wäre unbeschreiblich; aber eins

stünde fest, wir würden diese Lichtfülle, diesen Wechsel des Lichtes,

diese zweischattigen Tage und den höchst eigenartigen Zauber einer auf

einen solchen Tag folgenden Mondnacht nicht mit unsern irdischen Augen

zu ertragen vermögen. Unser ganzer Organismus würde sich gegen den

Einfluß solchen Sonnenlichtes sträuben!

Wir würden zugrunde gehen! --

Wenn der Schöpfer in das Reich solcher buntfarbigen Sonnen Lebewesen

gesetzt hat, damit sie unter dem Einflusse dieses Lichtes dort

gedeihen, dann müssen diese Lebewesen ganz anders aussehen und ganz

anders geartet sein, als wir Menschen, als unsere Tiere und Pflanzen es

sind.

Unmöglich wäre es nicht, daß sich im Reiche solcher Sonnen das Leben

entfaltet hat, denn wir sehen ja auf unserer Erde schon, daß es unter

Bedingungen gedeiht, die uns manchmal mit Staunen erfüllen. Der

Schöpfer hat viele Möglichkeiten, um seine Absichten geltend zu machen.

Infolgedessen können auch dort Wesen wohnen. Nur wissen wir es nicht

und können uns auch keine Vorstellung davon machen, wie sie beschaffen

sein müssen, um leben zu können!

Die beiden Sterne, -- nämlich der Hauptstern und der Begleiter, --

eines Paares stehen oft so eng beieinander, daß wir sie mit den

größten und schärfsten Teleskopen nicht zu trennen vermögen. In diesem

Falle müssen wir das Spektroskop zu Hilfe rufen. Das sagt uns, daß es

sich hier um Doppelsterne handelt. Wir nennen solche Doppelsterne,

die nur das Spektroskop in zwei einzelne Sterne aufzulösen vermag,

»spektroskopische«.

Spektroskopische Doppelsterne finden wir im Bilde der »Jungfrau«, des

»Stieres«, des »Fuhrmanns« und des »Perseus«.

Auf dem sehr interessanten Gebiete der modernen Doppelsternforschung

haben sich besonders die Astronomen Struve in Dorpat (Rußland),

Vogel in Potsdam und in jüngster Zeit der Amerikaner Burnham, -- ein

ehemaliger Zeitungsredakteur, -- rühmlichst hervorgetan.

Gerade Burnham war es, der, -- vermöge seiner vorzüglichen Augen, -- im

Fernrohre noch eine ganze Anzahl von Sternen in Doppelsterne auflöste,

die andere Beobachter als solche nicht mehr erkennen konnten.

Im Spektroskop ermittelt man die Doppelsterne dadurch, daß man Obacht

gibt, ob sich die sogenannten Spektrallinien verdoppeln. Von einem

jeden Sterne wird im Spektroskop nämlich ein aus den sieben Farben

des Regenbogens bestehendes Spektrum (Farbenband) erzeugt. In diesem

Farbenbande aber zeigen sich dunkle Linien, die man, -- nach ihrem

Entdecker Fraunhofer, -- die »Fraunhoferschen Linien« benannt hat.

Diese geben uns an, aus welchen Stoffen eine Sonne besteht und mit

welchen sie sich umhüllt. Die Fraunhoferschen Linien sagen uns, daß

unsere Sonne Eisen, Zink, Wasserstoff, Helium (Sonnengas) usw. besitzt.

Sie erzählen uns ferner, daß diese Stoffe sich auch auf den anderen

Sonnen, -- den Schwestern der unsrigen, -- vorfinden!

Verdoppeln sich nun die Fraunhoferschen Linien, wenn wir das

Spektroskop auf einen Stern einstellen, dann wissen wir, daß es sich

hier nicht um eine Sonne handelt, sondern um zwei, -- also um einen

Doppelstern! --

Überall da, wo wir an einer Stelle des Raumes sehr viele Sterne eng

beieinander finden, sprechen wir von einer Sterngruppe oder einem

Sternhaufen! Es sind Sonnengemeinschaften, in denen nicht eine Sonne

herrscht, sondern in denen mehrere Sonnen das Zepter schwingen.

Im Sternbilde des »Stieres« haben wir zwei solcher Sterngruppen oder

Sternhaufen. Es sind die Hyaden und die Plejaden. Sie wurden an anderer

Stelle des Buches bereits erwähnt.

Die mit bloßem Auge schon sichtbaren Hyaden sehen aus, wie ein großes

lateinisches ~V~. Der hellste Stern in dieser Gruppe heißt Aldebaran.

Er bildet das Auge des Stieres! --

Die Gruppe der Plejaden hatte in grauer Vorzeit eine Bedeutung. Sie war

das Schiffer- oder Siebengestirn, das der römische Dichter Ovid besang.

Mit dem bloßen Auge kann man sieben helle Sterne in dieser Gruppe

erkennen, -- daher der Name »Siebengestirn«. Ein schärferes Auge sieht

neun bis elf Sterne. Wendet man aber ein Teleskop zur Beobachtung der

»Plejaden« an, dann erkennt man mehrere hundert Sterne, eng beisammen

stehend.

Die hellsten Sterne in den »Plejaden« heißen Maja, Merope, Elektra,

Taygeta, Alkyone und Celaeno. Alle diese Sterne werden von lichten

Nebelmassen umgeben, die ihre feinen, strahligen Ausläufer weit in

den Weltenraum hinaussenden. Der Astronom Mädler war der Meinung,

daß der Stern Alkyone in den »Plejaden« die Zentralsonne sei, um

die alle Sonnen am Firmamente, -- auch die unsrige, -- kreisten.

Spätere Beobachtungen und Berechnungen haben aber ergeben, daß diese

Zentralsonne nicht bloß überflüssig, sondern sogar ganz unmöglich ist.

Die Photographien, die man von der Sterngruppe der »Plejaden« erhalten

hat und die die Nebelmassen um die einzelnen Sterne in ihr sehr

deutlich zeigen, gehören zu den schönsten, die wir besitzen.

Mit dem bloßen Auge kann man auch die Sterngruppe im Bilde des

»Krebses« erkennen. Sie wird die Krippe genannt.

Hyaden, Plejaden und Krippe bezeichnet man als sogenannte stark

zerstreute Sternhaufen. Sie sind also nichts anderes, als sternreiche,

aber eng begrenzte Gebiete am Himmel.

Von den stark zerstreuten, also den unregelmäßigen Sternhaufen

unterscheiden sich scharf die regelmäßigen oder kugelförmigen. Zu ihnen

gehört der im Bilde des »Centauren« am südlichen Himmel. Als nähere

Bezeichnung haben ihm die Astronomen den griechischen Buchstaben Omega

beigegeben.

Man hat diesen Sternhaufen wiederholt nach einzelnen Sternen in ihm

abgezählt und gefunden, daß er über 6000 Einzelsonnen enthält. Im

Fernrohre erscheint er in schöner Kugelform, und es sieht aus, als

hätte man Nadeln mit goldenen oder silbernen Köpfen eng nebeneinander

in ein rundes, schwarzsammtenes Kissen gesteckt. Dem bloßen Auge

erscheint die Gruppe als ein mattleuchtendes, verwaschenes Gebilde.

Zwischen den beiden hellen Sternen Etha und Zetha im Bilde des

»Herkules« haben wir einen anderen Sternhaufen von runder Form. Auch

er ist mehrfach nach einzelnen Sternen abgesucht worden, und man hat

gleichfalls über 6000 Einzelsonnen in ihm gefunden.

Sternhaufen haben wir fast in allen Sternbildern, die wir an unserem

Himmel kennen, und die meisten von diesen Gruppen sind photographisch

aufgenommen worden.

Bei den kugelförmigen Sternhaufen können wir sowohl im Fernrohre,

als auch auf den Photographien deutlich erkennen, daß sie am Rande

mattschimmernd und verwaschen aussehen, nach der Mitte hin aber an

Helligkeit zunehmen. Auch finden sich in den Sternhaufen sehr viele

»veränderliche Sterne«, also solche, die einem Lichtwechsel unterworfen

sind.

Manche Sternhaufen sehen im Fernrohre nicht größer aus, wie eine

Glaskugel, die die Kinder zum Spielen benützen; aber die einzelnen

Sonnen in diesen Gruppen stehen in Wirklichkeit doch viele Tausend und

Millionen Kilometer von einander entfernt.

Auch unsere Sonne steht inmitten eines solchen Sternhaufens, den wir

unseren »Sonnensternhaufen« nennen. Dieser liegt in der Nähe des

sogenannten Wirbelpunktes der Milchstraße, nicht weit vom Sternbilde

des »Schwanes«.

Noch eins fällt uns bei der genauen Betrachtung der Sterngruppen in

die Augen, nämlich, daß sie ungleich über den Himmelsraum verteilt

sind, und zwar in der Weise, daß wir überall da, wo viele Nebel sich

befinden, wenige oder gar keine Sternhaufen haben, und überall dort, wo

sich keine Nebel zeigen, viele Sterngruppen antreffen.

Ganz besonders zahlreich stehen sie in der Nähe der Milchstraße am

südlichen Himmel.

Hier haben wir zwei ganz eigenartig geformte Gebilde, die man die

»Kohlensäcke« genannt hat.

Auf den Photographien sehen diese »Kohlensäcke« aus, wie zwei neblige

Massen von dunkler Färbung. Einige Forscher sind der Meinung, daß

sie von einem dunkeln Körper herrühren, der zwischen uns und der

Milchstraße liegt. Sie stellen Unterbrechungen der Milchstraße dar.

Interessant ist auch der »Andromedanebel« -- ein großer Sternhaufen,

der alle Arten von Weltkörpern und diese wieder in allen Altersstufen

enthält! --

Wir finden in ihm noch völlig unberührte Materie, aus der sich in der

Folgezeit Sonnen bilden werden, ferner schon fertige Sonnen, die aber

noch von einem Glorienscheine aus weltbildenden Stoffen umgeben sind,

sogenannte »Nebelsterne«, weiter Sonnen im Erstlingszustande ihres

Daseins im Weltall, also noch in der Weißglut strahlend, dann Sonnen,

die im gelben oder roten Lichte flammen, und endlich Sonnen, die schon

dunkel geworden sind. Deren Dasein können wir nur aus der Tatsache

folgern, daß sich in diesen Sternhaufen auch »veränderliche Sterne«

aufhalten. Das Licht der hellen wird durch die dunklen Sonnen, wie wir

schon hörten, zeitweilig abgeblendet und verringert!

In diesen Sternhaufen werden sich auch Planeten befinden, die wir

gleichfalls nicht sehen können, weil sie in dem von der zu ihnen

gehörenden Sonne entlehnten Lichte leuchten, ferner werden Meteore

durch den Raum dort jagen und Kometen in die Reiche der einzelnen

Sonnen, die die Sterngruppe bilden, eindringen!

Sterngruppen, wie der »Andromedanebel« stellen also kleine Weltalle

(Universa) dar, inmitten des gewaltig großen Universums! --

Der »Andromedanebel« war den Sterndeutern des Altertumes bereits

bekannt. Er wurde im Jahre 1612 von Simon Marius in Ansbach von

neuem entdeckt und dann wiederholt beobachtet, beschrieben und in

neuerer Zeit auch photographiert. Wenn wir eine solche Photographie

des Nebels zur Hand nehmen, dann sehen wir in dem länglich geformten

Gebilde zunächst einen hellen Kern. Um diesen herum legen sich zwei

lichte Arme. Der ganze »Andromedanebel« hat also die Form einer

Spirale! Wenn wir noch schärfer zusehen und außerdem das Spektroskop

befragen, dann erfahren wir, daß dieser Nebel gar kein Nebel, also

kein Gasgebilde, sondern ein Sternhaufen in unermeßlicher Ferne von

uns ist. Die einzelnen Sterne in ihm können wir nicht mehr mit dem

Fernrohre erkennen, weil der »Nebel« viel zu weit von uns absteht;

aber das Spektroskop weist uns unzweifelhaft nach, daß es sich hier um

einen Sternhaufen handelt. Wie wir es bei den einzelnen Sternen in der

Gruppe der »Plejaden« hörten, so umgeben auch im »Andromedanebel« die

einzelnen Sterne dieser Gruppe lichte Nebelmassen. Auch hier haben wir

wie in unserem eigenen »Sonnensternhaufen« gasige Massen und Sterne eng

zusammengehörig miteinander verbunden.

Der »Andromedanebel« steht viele tausend Lichtjahre von uns ab, und es

gibt Forscher, die der Meinung sind, daß er ein All außerhalb unseres

Universums (Weltganzen) ist, und daß er nicht mehr von jenem silbernen

Bande umschlossen wird, das die Milchstraße heißt und die den Grenzwall

der für uns sichtbaren Welt bilden soll! --

Die _Milchstraße_, das größte unter dem Endlich-Großen im Kosmos

(dem Weltall) zieht sich durch die Sternbilder des »Schwanes«, des

»Fuchses«, des »Adlers«, des »Schlangenträgers« (Ophiuchus), des

»Schildes des Sobieski«, des »Schützen«, des »Skorpion«, des »Altar«,

des »Centauren«, des »Schiffes Argo«, des »Einhorn«, der »Zwillinge«,

des »Orion«, des »Fuhrmann«, des »Perseus«, der »Cassiopeja« und des

»Cepheus«.

Am südlichen Himmel spaltet sie sich in zwei Äste. Der eine von

ihnen geht über den »Adler« nach dem »Schwan« hin, der andere aber

vom »Skorpion« nach dem »Schlangenträger« und von hier gleichfalls

nach dem »Schwan«. In diesem Sternbilde vereinigen sich also die

beiden Teile miteinander und bilden den sogenannten »Wirbelpunkt der

Milchstraße!« --

Der Einheitsstrom des galaktischen Äquators (der Milchstraße)

geht durch den »Cepheus«, die »Cassiopeja«, den »Perseus« und den

»Fuhrmann«, windet sich dann zum »Orion« hinüber und durch das

Sternbild der beiden »Hunde« (großer und kleiner Hund) bis zum »Schiffe

Argo«.

Wenn man aufmerksam den Lauf der Milchstraße verfolgt, dann findet

man, daß sie einen großen Kreis bildet; aber diese Ringform ist

keine wirkliche, sondern nur eine scheinbare, denn die genauesten

Beobachtungen und Messungen haben ergeben, daß das »Sonnenband

der Milchstraße« eine spiralige Form besitzt, wie wir sie bei der

Besprechung der Spiralnebel im ersten Kapitel dieses Buches schon

kennen lernten!

In ihrem ganzen Verlaufe ist die Milchstraße von Buchten und Kanälen

durchsetzt. Es zeigen sich in ihr wolkenartige Verdickungen und dann

wieder von Sternen ganz leere Stellen, sogenannte »Sternwüsten«.

Sechzehn Sternwarten des Erdballes befassen sich zur Zeit damit,

das ganze Himmelsgewölbe photographisch aufzunehmen, und zwar zu

dem Zwecke, um einen großen Sternatlas zu schaffen. Wenn dieses

große Werk menschlichen Geistes und Fleißes fertig sein wird, dann

haben wir über hundert Millionen Sterne am Himmel in diesem Atlas

festgelegt; aber unter diesen einhundert Millionen Sternen werden die

der Milchstraße nicht enthalten sein. Man hat die Milchstraße poetisch

einen »Wasserfall von Sonnentropfen« genannt. Ist dieser Vergleich

berechtigt? Ganz gewiß ist er berechtigt, denn ein Wasserfall setzt

sich doch aus Millionen und Abermillionen von Wassertropfen zusammen! --

Wir wissen bereits, daß die Sonnen, welche die Milchstraße bilden,

unermeßlich weit von uns entfernt sind, und wir wissen auch, daß, --

von uns aus gesehen, -- in solchen Weiten alles eng zusammentritt, daß

Abstände, welche viele Millionen von Kilometern betragen, in einen

Punkt zusammenfließen!

Nun sehen wir aber einen breiten milchigen Schimmer, der das ganze

Firmament umspannt. Eine fabelhaft große Zahl von lichten Punkten muß

also dieses breite, lange Lichtband bilden.

Mögen der Sonnen dort auch noch so viele sein, man hat doch den Versuch

gemacht, sie zu zählen! Es klingt beinahe wie vermessen, wenn man dies

hört. Wie hat man das aber gemacht, und was hat man dabei gefunden? --

Nun, man hat die Milchstraße stückweise photographisch aufgenommen,

und unter einem stark vergrößernden Mikroskope die belichteten Platten

nach Sternpunkten abgesucht. Hierbei ergab sich, daß die Milchstraße

schätzungsweise etwa 200 Millionen Sonnen enthält.

200 Millionen Sonnen in der Größe der unsrigen! Das ist etwas, was wir

nicht begreifen und uns nicht vorzustellen vermögen!

Welcher unermeßlich große Raum ist nötig, um alle diese Sonnen

unterzubringen, -- Sonnen, die unsere schon recht große Erde

millionenmal an Größe übertreffen!

Und der Astronom sagt uns, daß man die Zahl der Sonnen in der

Milchstraße nicht genau schätzen könne! 200 Millionen Sonnen nimmt man

in ihr an; es können aber auch 400 oder 600 Millionen sein. Wir wissen

es nicht! Hier hört eben unsere Vorstellung und alles Grübeln auf! Hier

sind wir mit unserem Sehen, Prüfen und Forschen zu Ende! -- Ich höre

die Frage eines meiner Leser: »Was ist aber hinter der Milchstraße,

wenn diese die Grenze der für uns sichtbaren Welt sein soll?«

Ja, -- lieber Freund, wenn wir das wüßten! --

Ich nehme an, daß dort das Nichts ist; aber, was ist das Nichts? --

Hier sind wir fertig mit unserer Erkenntnis, denn, wenn wir das

»Jenseits der Milchstraße« ergründen könnten, würden wir vielleicht

die ganze Schöpfung übersehen! Das aber sollen wir nicht. Die letzten

Absichten hat sich der Ewige vorbehalten; aber er hat uns weit genug

hinein sehen lassen in seine Werkstatt. In diesem Einblick liegt jedoch

etwas anderes für uns mit begründet, das nämlich, daß unser Geist

wirklich göttlichen Ursprunges ist, denn wir reichen mit ihm bis zu

Gott und bis an seine Werke heran! Es gibt einige, die behaupten, daß

jenseits der Milchstraße sich neue Milchstraßen dehnen und so fort in

alle Ewigkeit! Das ist ganz schön; aber einmal muß auch das ein Ende

nehmen. Hinter diesem Ende aber steht Gott, der die Welten in die

Erscheinung rief und der sie wiederum vergehen lassen wird, wenn es ihm

gefällt!

Wie die Welten vergehen werden, das wissen wir nicht, ebenso wenig,

wann sie vergehen werden! Wir sehen nur, daß alles, was Gott in irgend

einer Form einst schuf, diese Form wieder ablegen muß! -- Wir sehen,

wie die Jahreszeiten wechseln, daß die Blütenpracht des Frühlings und

des Sommers vergeht, daß die Jahre eilen, und daß wir selbst aus der

Mitte unserer Lieben hier scheiden müssen. Nichts Erschaffenes kann

ewig dauern! --

Mithin müssen auch die Weltkörper die Form und Gestalt ablegen, in der

wir sie heute am Firmamente leuchten sehen. Auch sie müssen vergehen,

wenn ihre Zeit gekommen ist!

Die Himmelsforschung hat darüber Vermutungen angestellt, und im

folgenden Kapitel wird die Rede von diesem »Vergehen der Weltkörper« in

den Tiefen des Raumes sein! ...

Fünftes Kapitel.

Das Ende der Welten!

»Nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne verfinstert

werden, der Mond wird seinen Schein nicht mehr geben, die

Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels

werden erschüttert werden!«

(Matth. 24, 15--35.)

Als ich noch ein kleiner Knabe war, da ging ich eines Morgens in den

Osterferien einmal hinaus ins Feld.

Ein Bauersmann pflügte dort mit seinen Pferden. Als er mich sah, winkte

er mir! Ich ging zu ihm hin, und er zeigte mir drei große Kugeln, die

er ausgeackert hatte. Sie stammten aus den Tagen der Hussiten!

Diese hatten einst auch unser Dörflein von ihrer Wagenburg aus belagert

und mit ihren Lederkanonen beschossen.

Ich nahm mir eine Kugel mit und legte sie im Garten meines Vaterhauses,

-- des Schulhauses im Dorfe, -- auf einen steinernen Sims. Hier hat sie

viele Monate gelegen. Die Kugel war aus Sandstein und zeigte von dem

langen Liegen in der Erde tiefe Gruben. Sie sahen aus, wie Narben. Im

Winter hüllte die Kugel der Schnee ein und manchmal war sie, wenn es am

kalten Tage geregnet hatte, mit einer dicken Eisschicht überzogen. In

den Narben stand dann Wasser und auch dieses gefror hart. Im Frühjahre,

wenn die Sonne wärmer schien und die Kugel auftaute, dann erschienen

Sprünge auf ihrer Oberfläche die einige dieser Pockennarben miteinander

verbanden.

[Illustration:

~Tafel 14.~

Das astrophysikalische Observatorium auf dem Königsstuhl bei Heidelberg.

(Eine der bedeutendsten Sternwarten des Erdballes.)]

Eines Tages wurde in unserem Garten ein Baum gefällt, und man schleifte

ihn unvorsichtig hinaus. Die Äste kamen dem Sims und der Kugel zu nahe.

Sie wurde zur Erde geworfen und zerschellte in Stücke!

Ich war traurig, daß man mir eine unschuldige Freude zerstört hatte und

nahm die Scherben in die Hand. Sie waren morsch und schwammig und, da

sie wertlos waren, warf ich sie hinaus auf die Straße.

Heute, wenn ich an jene Geschichte mit der Kugel denke, weiß ich, daß

ich als Kind an der alten »Hussiten-Kugel« im kleinen einen Vorgang

sich vollziehen sah, der sich auch an den Weltenkugeln im großen

abspielt!

Betrachte ich einmal den Mond in meinem Fernrohre, dann muß ich an

meine alte Kugel aus der Hussitenzeit denken, denn auch sie zeigte

Pockennarben und Sprünge wie der Mond, weil sie morsch geworden war.

Sollte der Mond auch morsch und schwammig geworden sein, gleich jener

Steinkugel?

Vielleicht! --

Was mir das Sternenlicht erzählt: Eine populäre Himmelskunde für die Jugend · 第 7 / 8 段