Der Astronom sagt uns, daß er den Mond für einen erstorbenen und

verbrauchten Körper ansieht. Auf ihm ist alles Leben erloschen, und er

hat weder Luft noch Wasser, oder doch davon nur so wenig, daß es sich

kaum lohnt, darüber zu reden. Die Kälte des Weltenraumes, -- 273 Grad

Celsius unter Null, -- umgibt den Mond. Vierzehn Tage lang ist er

der Kälte ausgesetzt, und vierzehn Tage wieder hüllt ihn die feurige

Glut der Sonne ein. Dieser Kampf der Hitze gegen die Raumkälte muß

den Mond langsam aufreiben. Er wird also im Laufe der kommenden Zeit

allmählich zerbröckeln. Die abgebröckelten Stücke werden dann die ganze

Bahn bedecken, auf der der Trabant die Erde umwandert und, wenn der

Begleiter der Erde ganz zertrümmert ist, dann wird unser Planet von

einem Staub- oder Meteorring umgeben sein, wie wir es bei unserer Sonne

im Zodiakallicht und beim Saturn in seinem Ringsystem sehen können.

Oder, -- der Mond wird einst auf die Erde, aus der er sich bildete,

niederstürzen und auf ihr zerschellen. In diesem Aufprall wird er aber

auch die Erde in Stücke schlagen und dabei eine solch' enorme Hitze

erzeugen, daß beide Körper sofort verbrennen! --

Auf alle Fälle würde der Niedersturz des Begleiters unseres Planeten

auf diese einen schrecklichen Weltuntergang heraufbeschwören, und zwar

für die Lebewesen, die auf Erden dann noch wohnen.

Der Erde kann aber noch auf eine andere Weise das Ende drohen! --

Auch sie wird im Laufe der kommenden Zeiten Luft und Wasser verlieren

und, -- von der Raumkälte umgeben, -- zu einem Eisklumpen erstarren.

Wir wissen, daß unsere Gebirge immer mehr verwittern und abbröckeln.

Das Gleiche aber geschieht mit der Erde selbst. Sie wird ebenfalls

morsch werden und in Trümmer zerfallen, und diese werden dann, wie ein

Staubring, die Sonne umgeben.

Es wurde angedeutet, daß die Räume zwischen den einzelnen Körpern in

unserem Sonnenreiche mit einem feinen Staube angefüllt sind, der vom

Zodiakallicht herrührt und auch von den Überresten der Kometen (den

Meteoriten). --

Unter diesen, die ziel- und regellos das Reich unserer Sonne

durchwandern, kann es aber solche geben, deren Durchmesser mehrere

Kilometer beträgt. -- Träfe nun unsere Erde auf ihrer Wanderung um

die Sonne mit einem solchen Trümmerstücke zusammen, dann würde sie in

ihrem schnellen Laufe aufgehalten und eine unheilvolle Katastrophe wäre

unvermeidlich.

Man hat ausgerechnet, daß es genügen würde, die Erde, die 103mal

schneller als eine Kanonenkugel um die Sonne herum fliegt, dann sofort

in einen Gasnebel zu verwandeln, wenn man sie in ihrem Laufe nur um

einen Kilometer aufhält.

Wir hörten, daß die Bahnen der Planeten um die Sonne herum, -- also

auch die unserer Erde, -- nicht ganz kreisförmig, sondern elliptisch

sind.

Auf ihrer Wanderung um die Sonne muß die Erde nun unaufhörlich einmal

jenen überaus feinen Stoff verdrängen, der das ganze Weltall bis

zu den fernsten Sternen hin erfüllt und den wir Äther nennen. Sie

muß aber dann auch eine große Menge von Staub (Zodiakallicht- und

Meteoritenstoff überwinden, der unser Sonnenreich noch anfüllt. Die

Sonne übt eine sehr große, anziehende Kraft auf alle Körper aus, die

um sie herum kreisen. Sie will sie auf ihre Oberfläche herabziehen!

Damit dies aber nicht geschieht, besitzen die Körper, die um die Sonne

wandern, eine Kraft, die sogenannte »Fliehkraft«. Vermöge deren heben

sie die zu starke Anziehung der Sonne auf, und so kommt es wieder, daß

die Planeten in geordneten Bahnen um das Tagesgestirn herumwandern!

Die Erde hat also auf ihrer Reise um die Sonne unaufhörlich einen

Widerstand zu überwinden, den nämlich, den ihr Äther und Weltentrümmer

(Meteoriten) entgegenstellen. Sie wird demnach unaufhörlich, -- wenn

auch kaum merklich, -- in ihrer Bewegung gehemmt. Die Folge davon ist,

daß unsere Sonne die Erde immer näher an sich heranzieht. Mit andern

Worten ausgedrückt heißt dies, die Bahn der Erde wird eine Spirale!

Nun wissen wir aus der Küche unserer Mutter, daß der wie eine Spirale

aussehende Schneeschläger nach dem Stiele hin immer engere Windungen

zeigt. Denken wir uns an diesem Stiele die Sonne. Je enger also die

Bahn wird, die die Erde um die Sonne herum beschreibt, umso größer wird

die Anziehungskraft der Sonne. Eines Tages aber wird diese anziehende

Kraft der Sonne so groß sein, daß die Fliehkraft, die die Erde besitzt,

ihr nicht mehr Trotz zu bieten vermag. Unser Planet wird dann in die

Sonne hineingerissen werden und in diesem »Feuerpfuhle« sofort mit

allem, was auf ihm ist, verbrennen. In diesen Flammentod wird unserer

Erde der Mond folgen, wenn er noch am Leben sein sollte!

In der gleichen Weise, wie es hier von unserer Erde und von unserem

Monde geschildert wurde, werden alle Planeten und alle übrigen Monde im

Reiche unserer Sonne ihr Ende finden!

Sie müssen in der Form, in der wir sie heute am Firmamente prangen

sehen, vergehen.

Auch die Sonne kann nicht ewig dauern! --

Noch erblicken wir sie in einer zum Teil feurigflüssigen und zum

Teil gasigen Gestalt; aber sie wird einst erkalten, so wie die Erde

fest geworden und erkaltet ist. Wenn sie auch unvorstellbar lange

Zeiten in diesem erkalteten Zustande dann noch verharren kann, so

muß sie doch allmählich morsch werden und zerbröckeln. Sie wird also

ebenso zerfallen, wie die Kometen, die die Sonne auflöst, und, wie

meine Steinkugel aus der Hussitenzeit, die in der Erde und in deren

Feuchtigkeit morsch geworden und verwittert war.

Das wäre die eine Möglichkeit, die unsere Sonne vernichten könnte. Es

gibt aber noch andere!

Unsere Sonne eilt mit den Kindern ihres Hauses, -- den Planeten, --

durch den Raum, und zwar nach dem Bilde des »Herkules«, nach anderer

Ansicht nach dem Sternbilde der »Leier«, -- hin. Auf dem Wege nach dort

kann sie einer erkalteten, also nicht mehr leuchtenden Sonne begegnen

und mit ihr zusammenprallen. In diesem fürchterlichen Anpralle würden

beide Sonnen zertrümmert und in den Raum hinausgeschleudert werden!

Wahrscheinlicher aber ist es, daß durch den Zusammenstoß eine solch'

ungeheuere Hitze erzeugt würde, daß beide Sonnen samt allem, was zu

ihnen gehört, sofort verbrannt, also in einen Gasnebel verwandelt

würden.

Es wäre dies ein schrecklicher Weltuntergang für alle Lebewesen, die

sich auf den Planeten im Gefolge der beiden Sonnen befänden.

Unsere Sonne kann auf ihrer Reise durch den Weltenraum und nach

dem »Herkules« hin aber auch durch eine Wolke aus kosmischen Staub

(Meteorwolke) gehen. Dieses Hindurchgehen durch die Wolke kann

stunden-, tagelang andauern, wenn die Wolke sehr groß und dicht

ist. Die Sonne würde bei ihrer Wanderung durch diese »Wolke aus

Weltentrümmern« kaum merklich aufgehalten; aber die Hemmung würde sich

sofort, und zwar in großer Hitze verraten! Die Stäubchen, aus denen die

kosmische Wolke bestünde, würden zu glühen anfangen und die Glut, die

dadurch entstünde, genügte vollauf, um sowohl die Sonne, als auch die

Planeten, die zu ihr gehören, in die gasige, -- also in die Nebelform,

-- aufzulösen.

Was unsere Sonne aber treffen kann, das kann auch all' den übrigen

Sonnen am Firmamente zustoßen. Daß dies in Wirklichkeit geschieht,

lehren uns, -- wir hörten es ja, -- die »Neuen Sterne!« Diese sind

»Brand- und Totenfackeln« in den Räumen des Weltalls, die uns

verkünden, daß überall da, wo sie aufflammen, Sonnen zusammenstießen

und in diesem Zusammenstoße vernichtet wurden oder, daß Sonnen mit dem

Gefolge ihrer Planeten in eine Wolke aus kosmischem Staube eindrangen.

In der Hitze, die bei diesem Eindringen erzeugt wurde, nahmen sie

entweder einen schweren Schaden oder sie wurden in die Nebelform

umgewandelt!

Immer wieder sinken also Sonnen am Ende ihrer Tage in das Grab des

Nebels, -- in den Urzustand, -- zurück!

Solange es Sterne am Firmamente gibt, werden sich solche Katastrophen

ereignen!

Einmal aber muß der Tag kommen, an dem alle Sonnen am Firmamente

die Altersstufen durchschritten haben, die ihnen der Schöpfer in

seinem Willen gönnte. Ist diese Stunde für die letzte Sonne am Himmel

gekommen, dann wird auch sie in das »Grab des Nebels« hinabsinken und

alles, was einst in lichter Pracht den weiten Raum erfüllte, wird in

den Urzustand, -- in den Urnebel, -- zurückkehren!

Vielleicht wird Gott am Ende der Zeiten dann auch den Urnebel noch

vergehen lassen, und er, -- der große Allgeist, -- wird allein übrig

sein von Ewigkeit zu Ewigkeit! --

Wenn die letzte Sonne am Firmamente ihren letzten Lichtstrahl

ausgehaucht hat, dann ist die Sterbestunde der sichtbaren Welt

angebrochen und, wenn der Urnebel, der am Schluß der Zeiten übrig

bleibt, auch vergehen muß, dann wird in diesem Vergehen der »Tod des

Universums« gekommen sein! --

Das, was Gott mit dem Urnebel, in den alles wieder zurücksinkt, am Ende

der Welt und der Tage vor hat, das wissen wir nicht! Ob er Zeit, Raum

und Firmament weiter bestehen läßt oder, ob er aus dem Urnebel neue

lichte Sonnen hervorruft, ist sein Geheimnis! --

Die größten Denker aller Zeiten haben darüber nachgedacht; aber sie

sind zu keinem Ergebnis gelangt! Hier heißt es, zu schweigen und in

Andacht den zu verehren, der so Gewaltiges und Erhabenes, so Schönes

und Vollkommenes einst schuf, -- nämlich das Firmament mit allen seinen

Lichtern! --

Diese sind die »Augen Gottes«, mit denen er unaufhörlich zur Erde und

zu den Menschen herabblickt. Sie sind die sichtbare Offenbarung des

Ewigen, der die Sterne auf schweigender Bahn durch das Weltall führt,

-- uns zur Freude, -- viel mehr aber noch zum Nachdenken!

»Wie freut sich des Emporschauens zum Sternenheere, wer empfindet,

Wie gering er, und wer Gott, welch' ein Staub er, und wer Gott,

Sein Gott ist! O sei dann, -- Gefühl

Der Entzückung, -- wenn auch ich sterbe, mit mir!« --

(Klopstock.)

Inhalt.

Seite

Vorwort I-VIII

_Erstes Kapitel: Wie mögen die Sternenwelten entstanden sein?_ 1

Die Welt der kosmischen Nebel 8

_Zweites Kapitel: Unsere Sonnenwelt!_ 16

~A.~ Unsere Sonne! 16

~B.~ Die Welt der Planeten! 32

Der Merkur 32

Die Venus 33

Die Erde 36

Der Mond unserer Erde 40

Der Mars 49

Die kleinen Planeten, auch Planetoiden oder Asteroiden genannt 55

Der Jupiter 57

Der Saturn 59

Der Uranus 61

Der Neptun 63

_Drittes Kapitel: Die Welt der Kometen!_ 65

Sternschnuppen und Meteore 71

_Viertes Kapitel: Die Welt der Fixsterne!_ 74

_Fünftes Kapitel: Das Ende der Welten!_ 104

Von demselben Verfasser sind außerdem noch die folgenden astronomischen

Werke erschienen:

1. =Im Reiche der Sterne.= Verlag von W. Vobach & Comp. in

Leipzig, Berlin, Wien. 1911. Preis: ungeb. 3,60 Mk., geb.

4,60 Mk.

2. =In Weltallstiefen.= Verlag von Georg C. Bürkner (Inhaber:

Fritz Hanke) in Breslau. 1911. Preis: geb. 2,50 Mk.

3. =Leuchtende Welten.= Verlag von C. F. Neumanns

Stadtbuchdruckerei in Gleiwitz (Oberschl.) u. Berlin. 1912.

Preis: geb. 2 Mk.

4. =Illustrierte Himmelskunde.= Verlag des »Neuen Allgemeinen

Verlages« in Berlin ~W~ 9, Linkstr. 23. 1912. Preis: ungeb.

1,50 Mk., geb. 2 Mk.

In Kürze werden erscheinen:

»=In der Vorhalle der Ewigkeit!=« und

»=Aus dem Hohen-Liede der Natur!=«

Druck von Hermann Beyer & Söhne (Beyer & Mann) in Langensalza.

Verlag von Hermann Beyer & Söhne (Beyer & Mann) in Langensalza.

Heimatbüchlein für unsere Kleinen.

Neue Kinderlieder

von Wolrad Eigenbrodt.

Mit vielen Zeichnungen von _Hans v. Volkmann_.

68 Seiten. Preis eleg. kart. 4,50 M.

Hierzu sind auch Melodien erschienen. Preis 7,50 M.

Käthchen und ihre Freunde.

Eine Erzählung für heranwachsende Mädchen

von Gräfin Marta Freddi-Clausius.

205 Seiten. 2. Auflage. Preis geb. 6 M.

Auswahl neuerer Gedichte.

Für den Gebrauch in Schulen.

64 Seiten. 5. Auflage. 21.-25. Tausend. Preis 1 M.

Auswahl historischer Gedichte.

Für den Gebrauch in Schulen.

64 Seiten. Preis 40 Pf.

Weihnachtsgrüße.

Eine Sammlung der schönsten Weihnachtsgedichte aus alter und neuer Zeit.

Für die deutsche Jugend ausgewählt und mit Anmerkungen versehen

von August Lomberg,

Rektor in Elberfeld.

82 Seiten. Preis 40 Pf.

Aus einer vergessenen Ecke.

Beiträge zur deutschen Volkskunde

von Dr. Ludw. Friedr. Werner.

VIII und 208 Seiten. 1. Reihe. 4. Auflage. Preis 5,60 M., geb. 9,60 M.

VIII und 137 Seiten. 2. Reihe. 2. Auflage. Preis 5 M., geb. 9 M.

Der Garten des Bürgers und Landmannes.

von Joh. Wesselhöft.

XII und 373 Seiten. 6. Auflage. Preis 8 M., geb. 12 M.

Sämtliche Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag.

Zu beziehen durch jede Buchhandlung.

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die

Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Korrektur:

Werbeseite 2: 4 → 40

82 Seiten. Preis {40} Pf.

End of Project Gutenberg's Was mir das Sternenlicht erzählt, by Felix Erber

Was mir das Sternenlicht erzählt: Eine populäre Himmelskunde für die Jugend · 第 8 / 8 段