So senden auch die übrigen Gestirne im Lichte ihr Bild hinaus in den

Raum und aus allen diesen Lichtbildern, -- goldenen Lettern im großen

Buche der Ewigkeit, -- setzt sich die gesamte »Geschichte der Gestirne«

zusammen. Diese Geschichte ist aber die der ganzen Welt! -- Wie

wunderbar ist doch diese Erkenntnis, daß alles, was in der »Welt des

Großen« und in der »Welt des Kleinen«, -- auf unserer Erde nämlich, --

sich ereignet, im Lichte zusammenfließt, daß auch die Sterne am Himmel

durch das Licht miteinander so verbunden werden, -- wie wir Menschen

mit unseren Eltern, Geschwistern und Mitmenschen durch die Kraft des

Geistes verbunden sind, der uns denken und handeln läßt.

Das Sternenlicht redet eine gar wunderbare Sprache, die immer und

überall den preist, der die Sterne erschuf und der jene Harmonie über

seine Schöpfung legte, die den Kundigen am Firmamente in grenzenloses

Erstaunen versetzt! --

Mag der Naturforscher mit dem Mikroskop noch soviel Wunderbares

entdecken, mag er noch soviel Schönheit und Reichtum an Formen unter

seinen geschliffenen Gläsern auf Erden erblicken, das, was uns

Fernrohr, Spektroskop und photographische Platte am gestirnten Himmel

offenbaren, ist viel großartiger, viel wunderbarer und weihevoller!

Gerade deshalb hat man ja auch die Astronomie die »Königin der

Naturwissenschaften« genannt! Sie öffnet dem menschlichen Auge und der

Seele die Tür zur Werkstatt des Schöpfers!

Ist der Abend angebrochen und beginnt die Nacht ihre schwarzen

Schwingen auf die Erde zu legen, dann öffnen die Sterne am Firmamente

ihre kleinen Fenster und äugen zu uns hernieder! Immer einer nach dem

andern kommt mit seinem Lichte!

Erst erscheinen nur wenige. Es sind die hellsten Sterne, dann kommen

immer mehr zum Vorschein und, -- wenn es ganz dunkel geworden ist,

-- sieht der nächtliche Himmel aus, als wäre er mit lichten Punkten

übersät!

Durch all' diese Lichter an ihm windet sich ein zarter mattschimmernder

Schleier. Es ist die geästelte Milchstraße, -- ein »Wasserfall« von

glitzernden »Sonnen-Tropfen«, wenn wir irdisch und poetisch von ihr

reden wollen! --

Der Laie, der noch nie durch ein Fernrohr zum Himmel aufschaute und

auch sonst von den Errungenschaften der Astronomie wenig gehört hat,

nimmt stets an, daß die Zahl der Gestirne, die wir mit dem bloßen Auge

erblicken können, unbegrenzt sei!

Das ist aber ein arger Irrtum, denn wir sehen mit dem bloßen Auge am

ganzen Himmel nicht mehr als 5719 Sterne und von diesen in unseren

nördlichen Gegenden nur die Hälfte, denn die 5719 Sterne verteilen sich

auf beide Himmelshemisphären, -- auf die nördliche und die südliche! --

Wir erblicken also bei uns nur allerhöchstens 3000 Sterne am

Nachthimmel!

Diese, mit dem bloßen Auge sichtbaren Sterne teilt der Astronom, --

nach dem Grade ihrer Helligkeit, -- in sechs Klassen ein, und zwar

in der Weise, daß er in die erste Klasse die hellsten, in die zweite

Klasse die weniger hellen und in die sechste Klasse endlich die Sterne

zählt, die gerade noch so hell sind, daß er sie mit dem bloßen Auge

erkennen kann!

Was über die sechste Helligkeitsklasse hinausliegt, das ist dem

Fernrohre vorbehalten. Dies sieht schärfer, als das Auge, und zeigt uns

viele Millionen von Sternen!

Betrachten wir mit einem genügend stark vergrößernden Teleskope eine

Stelle am Himmel, an der mit dem bloßen Auge höchstens 3--4 Sterne zu

sehen sind, dann werden wir ungemein erstaunt sein. Im Fernrohre zeigen

sich uns nämlich dort mehrere hundert Sterne! --

Die Sterne, die uns das Fernrohr offenbart, teilen wir in zehn

Klassen ein. Wir sagen, das Teleskop zeigt uns Sterne bis hinab zur

sechzehnten Helligkeitsklasse. Dann aber versagt auch seine Kraft und

die photographische Platte, die wieder noch viel besser sieht, als das

Fernrohr, muß einspringen! Sie offenbart uns noch Sterne, die wir im

Fernrohre nicht mehr erkennen können; aber damit ist nicht gesagt, daß

der Sternenreichtum dort erschöpft sei, wo die photographische Camera

versagt! Ganz im Gegenteil! Es können Millionen von Gestirnen noch

vorhanden sein, die uns auf ewig verborgen bleiben, weil eben unsere

Sehwerkzeuge und Hilfsmittel nicht ausreichen, um sie uns erkennbar zu

machen.

Sterne am Himmel gibt es, wie Sand am Meere! Unzählige Sterne bevölkern

also den weiten Raum; aber mit dem bloßen Auge sehen wir von dieser

Unzahl nur einen ganz verschwindend kleinen Teil, im Ganzen 5719 Stück!

Tausende von Jahren ist der Menschheit diese Erkenntnis verborgen

geblieben. Alles, was man darüber wußte, war Vermutung! Was hat uns

Fernrohr und lichtempfindliche Platte schon offenbart und, was werden

die späteren Geschlechter noch erfahren? Wir wissen es nicht; aber das

eine wissen wir, daß der Geist des Menschen nicht still steht, sondern

rastlos vorwärts drängt zu neuen Erfolgen, zu immer größerer Einsicht

und Klarheit!

Über einhundert Millionen Sterne enthüllen die Riesenfernrohre, die

einige Sternwarten der Erde besitzen, unserem Anblick. Ein jeder

Stern ein leuchtendes Gottesauge, das erhaben und friedvoll zur Erde

niedersieht!

Muß sich nicht die Seele des Empfänglichen weiten, wenn er am Fernrohre

unter diesem nächtlichen Zauber sitzt, unter all' diesen Diamanten,

Rubinen, Topasen und Smaragden? Diese märchenhafte Pracht der

Sternennacht gehört zu dem Schönsten, was unser Auge genießen darf;

aber wie wenige Menschen vertiefen sich in sie, wie wenige blicken zum

gestirnten Firmamente auf und denken auch nur einmal über das nach,

was dort oben flammt und zittert! -- Die hellsten Sterne am Firmamente

stellen sich für unseren Anblick zu Bildern zusammen!

In einer schönen ~W~-Form zeigt sich uns das Sternbild der

»Cassiopeja«. Das Bild des »Schwans« sieht aus wie ein langgestrecktes

Kreuz, und das des »großen Löwen« wie ein umgekehrtes Fragezeichen.

Unsere Vorfahren lasen aus den Gestirnen mit Hilfe der Phantasie noch

mehr heraus als wir, und so entstanden Sternbilder, deren Namen an die

Götter- und Heldensagen der Alten gemahnen. In jenen Tagen hat das

Sternbild des »Orion« (des himmlischen Jägers) seinen Namen erhalten,

ferner das des »großen und kleinen Bären« (eigentlich das der »großen

und kleinen Bärin«), weiter das des »Herkules«, -- des gigantischen

Helden, -- das der »Andromeda«, -- der sagenhaften Königstochter, --

und endlich das des »Cepheus«, -- des Königs der Äthiopier!

Alle die Sternbilder, die man in mehr oder weniger phantastischer Weise

im Altertume benannt hat, teilte man in drei Klassen ein. In die erste

gehörten die Sternbilder des nördlichen Himmels, in die zweite die des

südlichen Firmamentes und in die dritte endlich die des Tierkreises

oder des Zodiakus. --

Zweiundzwanzig Sternbilder umfassen, -- diese Einteilung ist bis heute

verblieben, -- den nördlichen Himmel. Zu ihnen gehören die bereits

genannten des »großen und kleinen Bären«, des »Cepheus« und der

»Cassiopeja«. Aus vierzehn Bildern baut sich der südliche Himmel auf,

und dazwischen liegt der Gürtel des Tierkreises. Dieser setzt sich aus

den folgenden zwölf Sternbildern zusammen: »Widder, Stier, Zwillinge,

Krebs, Löwe, Jungfrau, Wage, Skorpion, Schütz, Steinbock, Wassermann

und Fische«. --

Die Sonne und die Planeten mit ihren Monden durchwandern im Laufe eines

Jahres diese zwölf Sternbilder des Tierkreises. Das Bild des »großen

Bären« an unserem Nordhimmel kennt heute jedes Schulkind. Vier helle

Sterne bilden den Leib des Tieres oder den Kasten des Wagens, da man

das Bild auch den »großen Wagen« nennt. Drei helle Sterne aber stellen

die Deichsel des Wagens oder den Schwanz des Tieres dar.

Verbinden wir nun die beiden hellen Sterne an der rechten Wagen- oder

Körperseite des Tieres durch eine gedachte Linie miteinander, und

verlängern wir diese um das Fünffache nach oben hinaus, dann gelangen

wir zu einem anderen hellen Sterne, der am Himmelspole steht, nämlich

zu unserem Polarsterne.

Er ziert die Deichselspitze des »kleinen Wagen« oder die Schwanzspitze

des »kleinen Bären«. Das Sternbild wird deshalb so genannt, weil es

Ähnlichkeit mit dem des »großen Bären« oder des »großen Wagen« hat.

Der mittelste Stern in der Deichsel des »großen Wagen« oder im Schwanze

des »großen Bären« heißt Mizar. Die Araber haben ihm diesen Namen

gegeben. Über ihm gewahren wir ein weniger helleuchtendes Sternchen,

das Alkor (Reiterlein) heißt.

Wenn wir eine klare Winternacht bis zum Frühmorgen im Freien verbringen

würden, dann gewahrten wir, daß sich einige Sternbilder im Kreise um

den Himmelspol, -- also um den Polarstern, -- herum bewegten. Man nennt

diese Sternbilder deshalb auch Circumpolarsterne. Zu ihnen gehören der

»große und kleine Bär«, der »Drache«, der »Cepheus«, die »Giraffe«,

die »Jagdhunde«, die »Zwillinge«, der »Fuhrmann«, der »Perseus«, die

»Cassiopeja«, der »Schwan«, der »Herkules«, der »Bootes« und die

»Jagdhunde«.

Durch diese scheinbare Bewegung des Sternenhimmels um den Pol, die nur

eine Folge der Drehung unserer Erde um ihre eigene Achse ist, wird

bewirkt, daß das Bild des »großen Bären« einmal links und einmal rechts

vom Pole, bald über und bald unter ihm steht!

Wir beobachten den gestirnten Himmel in einer klaren Winternacht bald

nach Weihnachten, und zwar etwa gegen zehn Uhr des Abends.

Der »große Bär« steht rechts vom Polarsterne und sein Schwanz hängt

nach unten zur Erde nieder. Gegen Morgen erblicken wir das Bild über

dem Himmelspole. Es ist also im Laufe der Nacht ein großes Stück nach

oben gerückt, und am kommenden Abend um zehn Uhr wird es wieder an der

alten Stelle zu finden sein.

Dem »großen Bären« gegenüber liegt das Bild der »Cassiopeja«, das, --

wie schon bemerkt wurde, -- die Form eines großen lateinischen ~W~

hat. Links vom »großen Bären« finden wir die »Jagdhunde« und unterhalb

beider Gestirne den »großen Löwen«. Rechts von diesem wieder sind der

»Krebs«, die »Zwillinge«, die »Wasserschlange« und der »kleine Hund«;

links vom »großen Löwen« aber der »Bootes«, die »nördliche Krone«, die

»Schlange«, die »Wage« und die »Jungfrau«.

Der hellste Stern im Bilde des »großen Löwen« heißt Regulus. Den beiden

hellen Sternen in den »Zwillingen« hat man den Namen Castor und Pollux

gegeben.

Der hellste Stern im »Bootes« wird Arktur genannt. Von ihm hörten wir

früher bereits!

Der hellste Stern in der »nördlichen Krone« heißt Gemma und der in der

»Jungfrau« Spica.

Im Südosten sehen wir an unserem Winterhimmel noch ein sehr schönes,

großes Sternbild. Es sieht aus, wie ein auseinandergezogenes Trapez

und heißt »Orion«. In seiner Mitte können wir drei helle Sterne dicht

nebeneinander gewahren. Sie bilden den »Jakobstab« oder den »Gürtel des

Orion«. Mit dem bloßen Auge noch erkennen wir unterhalb des Jakobstabes

eine mattschimmernde Stelle. Es ist die des großen Orionnebels!

Die hellsten Sterne im »Orion« heißen Beteigeuze, -- an der linken,

oberen Ecke des langgestreckten Trapezes, -- dann Bellatrix, -- an der

rechten oberen, -- und Rigel, -- an der rechten unteren Trapezecke.

In der Umgebung des »Orion« finden wir das Sternbild des »Perseus«

mit dem hellen Sterne Algol, dann das des »Stieres« mit den Hyaden

und den Plejaden, -- zwei sehr schönen Sternengruppen, die wir später

noch näher kennen lernen werden, -- weiter das des »Widders«, des

»Walfisches«, des »Eridanus« und des »Hasen«. Links vom Sternbilde des

»Orion« haben wir den »großen Hund« mit dem im Demantlichte funkelnden

Sirius, -- der schönsten und hellsten Sonne an unserem Winterhimmel!

Die Siriussonne war der Stern des Gottes Isis-Sothis, der im alten

Pharaonenlande Egypten eine hohe Verehrung genoß und dem zahlreiche

Tempel geweiht waren.

Man findet sich am gestirnten Himmel sehr bald zurecht, wenn man, --

mit Hilfe einer Sternkarte, -- die Sternbilder aufsucht. Am besten

wählt man als Ausgangspunkt das Bild des »großen Bären« und hält dann

nach jedem weiteren Sternbilde in der Richtung nach Norden, Osten,

Süden und Westen hin Ausschau.

Die Sternkarte hält man dabei über den Kopf, und zwar in der gleichen

Weise, wie es uns der Sternenhimmel mit seinen Bildern anzeigt.

Außer den Sternkarten gibt es noch Himmelsgloben, mit denen man sich am

gestirnten Firmamente zurechtfinden kann; aber man muß sich dann den

hohlen Himmelsglobus aus Glas und die Sterne auf ihm als dunkle oder

goldene Punkte denken. Der Beobachter versetzt sich im Geiste in den

Mittelpunkt dieser gläsernen Himmelshohlkugel und schaut in ihr nun

auf zur Kugelschale. Er wird dann an ihr die Sternenpunkte genau so

erblicken, wie wir sie am Firmamente von der Erde aus sehen können.

Im Altertume glaubte man, daß die Sterne an eine gläserne Kugelschale,

die sich über der Erde wölbte, fest angeheftet seien. Von dieser

Vorstellung rührt der Name »Fixsterne« her, der bis zur Stunde in der

Himmelskunde verblieben ist. Die »Fixsterne« (~Stellae fixae~) waren

die an den Himmel fest gehefteten Sterne, zum Unterschiede von der

Sonne, dem Monde und den Planeten, die an besonderen Kugelschalen aus

Kristall hingen und zugleich mit der »Fixsternsphäre« (der gläsernen

Kugelschale mit den Fixsternen) nun die in dem Mittelpunkte des

Weltalls ruhende, zylinderförmige Erde umkreisten.

Diese Anschauung hat die kommende Zeit aber als irrig gebrandmarkt und

durch eine bessere ersetzt. Sie hat nachgewiesen, daß die Erde nicht

still in der Mitte des Weltalls steht, sondern, daß sich Erde und Mond

und alle übrigen Planeten, die wir kennen, um unsere Sonne drehen, daß

diese also der Mittelpunkt des Reiches ist, in dem sie herrscht und in

dem die Planeten weilen.

Die moderne Forschung hat uns noch mehr über diese Bewegung verraten,

nämlich, daß die Sonne selbst nicht still im Raume steht, sondern in

ihm dahinschreitet.

Aber nicht bloß die Sonne hat diese Bewegung durch den Raum, sondern

alle ihre Schwestern am Firmamente haben sie, -- all' die Sterne, die

wir in dunkler Nacht im Äther funkeln sehen!

Man sagt, die Sterne am Himmel haben eine Eigenbewegung! --

Wir wissen heute, daß unser Tagesgestirn nach dem Sternbilde des

»Herkules« (nach der Meinung anderer Forscher nach dem hellen

Sterne Wega in der »Leier«), und zwar mit einer Schnelligkeit von

19 Kilometern in der Sekunde hineilt, ferner, daß ein heller Stern im

Bilde des »großen Bären« in einem Jahre eine Wegesstrecke zurücklegt,

die 11000 Millionen Kilometer lang ist. Mit einer Geschwindigkeit von

350 Kilometern in der Sekunde eilt dieser Stern also durch den Raum.

Wir erfuhren endlich, daß Sirius im Bilde des »großen Hundes« auf das

Sternbild der »Taube« zueilt und die helle Wega in der »Leier« auf

unsere Sonne hin. Andere Sterne wieder schwingen nach der Milchstraße.

Die Beobachtungen der letzten Jahre haben ergeben, daß diese

»Eigenbewegungen« die Gestirne am Firmamente uns erscheinen lassen,

wie einen großen Bienenschwarm, dessen einzelne Glieder nach allen

Richtungen der Windrose auseinanderfliegen; aber trotzdem herrscht auch

hier, wie überall im Weltall, die größte Ordnung!

Durch langwierige Rechnungen und unermüdliche Beobachtungen hat man

festgestellt, daß das ganze »Volk der Sterne« auf der weiten Himmelsau

sich unserem Anblick darstellt, wie zwei endlose Karawanenzüge, die

schweigend in der Wüste aneinander vorüberziehen. Keine von diesen

beiden Karawanen weiß, woher die andere kommt und wohin sie zieht!

Sie kennen nur den augenblicklichen Weg, auf dem sie an einander

vorüberwandern!

Von unserer Erde aus sehen wir dieses Vorüberziehen der beiden

»Stern-Karawanen« (der beiden Sternströme) und können es feststellen!

Staunend stehen wir und fragen uns: »Woher mögen diese beiden

Sternströme kommen und wohin mögen sie ziehen?« --

Nur die eine Antwort gibt es auf diese große Frage. Sie lautet: »Aus

der Ewigkeit, -- in die Ewigkeit!«

Wenn wir an einigen klaren Abenden, die aufeinander folgen, den

hellsten Stern Algol im Sternbilde des »Perseus« recht aufmerksam

beobachten, dann werden wir finden, daß er seine Helligkeit verändert.

Das Licht Algols nimmt einmal zu und dann wieder ab. Der Lichtwechsel

zeigt also eine Periode, und Sterne, die einem solchen Lichtwechsel

unterworfen sind, nennt man »veränderliche«.

Einer der merkwürdigsten »veränderlichen Sterne« neben Algol ist der

Stern Mira (der Wunderbare) im Bilde des »Walfisches«. Er strahlt

im roten Lichte! Interessant ist ferner noch ein Stern im Bilde der

»Leier« (~lyra~). Nach diesen drei genannten Sternen werden alle

»veränderlichen Sterne«, die wir kennen, -- es sind deren etwa 500,

-- in drei Klassen eingeteilt, nämlich in die »Algol-, Mira- und

Lyrasterne«.

Welches ist der Grund des Lichtwechsels bei diesen »veränderlichen

Sternen«? --

Bei den Algolsternen nimmt man an, daß eine leuchtende Sonne eine

andere, die bereits dunkel geworden ist und ihr Licht verloren hat,

umkreist. In diesem Umkreisen blendet die dunkle Sonne die helle ab;

sie raubt ihr also zeitweise das Licht. Die Dauer des Lichtwechsels

hängt von der Zeit ab, in der sich die dunkle Sonne um die helle bewegt.

Bei den Mirasternen indes liegt die Sache anders!

Am Eingang dieses Buches wurde gesagt, daß man aus der Farbe der

Gestirne auf ihr Alter Schlüsse ziehen könne.

Sterne, die, -- wie der Sirius im Bilde des »großen Hundes«, -- im

weißblauem Lichte leuchten, gehören zu den jungen Sternen. Wenn wir in

der Sprache der Dichter von ihnen reden wollen, dann müssen wir sagen,

daß sie die »Sternenkinder« sind!

Hat ein Stern aber lange genug das weißblaue Lichtkleid getragen, dann

vertauscht er es mit einem gelben. Er tritt in das zweite Stadium

des Sternenalters ein, nämlich in das Mannesalter. In diesem gelben

Lichtgewande sehen wir unsere Sonne am Himmel und auch den hellen Stern

Capella im Bilde des »Fuhrmann« am nördlichen Firmamente. Unsere Sonne

und die Capella sind also um vieles älter, als der Sirius.

Wenn unsere Sonne und die Capella lange genug das gelbe Gewand getragen

haben, dann werden sie es ab- und das rote anlegen. Dies ist das Kleid

der »Sternengreise«, und in ihm sehen wir nur sehr wenige Sterne am

Himmel. Zu ihnen gehört der bereits genannte Stern Mira im »Walfisch«.

Die roten Sterne sind also die ältesten, die wir im Weltall kennen.

Ihre einst feurigflüssige Oberfläche fängt an, sich mit einer dünnen

Kruste zu überziehen. Die rote Sonne beginnt zu erkalten. Nun kann es

aber vorkommen, daß heftige Strömungen im Innern dieser Sonne die dünne

Kruste durchbrechen. Wir hörten Ähnliches schon bei der Besprechung

der Sonnenflecken und Sonnenflammen (Protuberanzen). Glühende Gase und

metallische Massen strömen aus dem Innern des Sonnenkörpers hervor und

kühlen sich an seiner Oberfläche dann ab. Diese Auswürfe sehen wir von

unserer Erde aus auf der Oberfläche jener Sonnen, und wir deuten sie

als »Neue Sterne«!

Der »rote Flecken« auf dem Jupiter läßt auch diesen Weltkörper als

einen kleinen »Neuen Stern« in unserem Sonnenreiche erscheinen!

Auch bei den Mirasternen unterliegen diese Ausbrüche gasiger und

feurigflüssiger, metallischer Massen einer Periode.

Vielleicht sind die Sonnenflecken, die auf unserem Tagesgestirne ja

gleichfalls eine Periode von elf Jahren besitzen, Anzeichen dafür,

daß unsere Sonne in den Zustand der »Mirasterne« übergehen will. --

Vielleicht ist auch unsere Sonne ein »veränderlicher Stern« am Himmel.

Der Lichtwechsel der »Lyrasterne« ist in ähnlicher Weise zu erklären,

nur ist die Periode, in der sich dieser Lichtwechsel vollzieht, noch

größeren Schwankungen unterworfen.

In einem gewissen Zusammenhange mit den »veränderlichen Sternen« stehen

die »neuen Sterne« am Himmel, -- auch Novae genannt.

Ein solcher »neuer Stern«, -- eine Nova, -- die in der Geschichte

der Himmelskunde unserer Tage eine sehr große Bedeutung erlangt hat,

erschien im Monat Februar des Jahres 1901, und zwar im Sternbilde des

»Perseus«.

An jener Stelle des Himmels zeigte sich ganz plötzlich ein »neuer

Stern«, den man nie vorher dort gesehen hatte. Seine Helligkeit

war erst so groß, wie die der Venus oder des Sirius; aber sie nahm

allmählich wieder ab, und nach Verlauf einiger Wochen trat die Nova in

die Klasse der »veränderlichen Sterne« ein.

Die Photographien, die man von diesem »Neuen Sterne« im Bilde des

»Perseus« erhielt, zeigten weite, wallende Nebelmassen rings um

die Nova herum. Das Spektroskop verriet uns, daß dort zwei Sonnen,

die durch den Raum wanderten, aneinander gerannt waren. In diesem

Zusammenpralle waren beide Sonnen zerschellt worden und hatten sich in

die Nebelform aufgelöst.

Mit unseren feinen Hilfsmitteln, -- Fernrohr, Spektroskop und

photographischer Platte, -- konnten wir den Verlauf der Katastrophe

am Himmel so verfolgen, wie er sich zugetragen hatte; aber nicht in

jener Februarnacht des Jahres 1901 war sie erfolgt, sondern Hunderte

von Jahren früher. Das Licht war nur solange unterwegs, um uns die

Schreckenskunde zu bringen!

Wenn sich um jene beiden Sonnen, die im Bilde des »Perseus« aneinander

prallten und zerschellten, Planeten drehten und einer von diesen

Planeten bewohnt war, dann erlebten die Bewohner in der Katastrophe

einen schrecklichen Weltuntergang!

Außer diesem »neuen Sterne« im Bilde des »Perseus« sind ihrer eine

ganze Anzahl schon vorher erschienen. Man kann ruhig sagen, daß ein

jedes Jahrhundert seinen »neuen Stern« hatte. Die wichtigsten Novae

unter den uns bekannten waren die des Jahres 1572 und des Jahres

1604. Die erste erschien im Bilde der »Cassiopeja« und wurde von

dem berühmten Astronomen Tycho Brahe beobachtet und beschrieben. Er

hat diesen »neuen Stern« den »Pilgerstern« genannt. Die zweite Nova

erschien im Bilde des »Schlangenträgers« und wurde von Johannes Kepler

beschrieben.

Mit Hilfe der Photographie hat man in den letzten zehn Jahren

verschiedene »Neue Sterne« entdeckt, oft auf Platten, die schon vor

Jahren belichtet worden waren. Die meisten dieser so gefundenen »neuen

Sterne« flammten in der Milchstraße auf!

Das deutet wieder darauf hin, daß in ihr noch feurige Kämpfe zwischen

den einzelnen Sonnen herrschen, und daß diese Kämpfe notwendig sind,

um die Harmonie auch hier herzustellen, die wir sonst überall im

Weltall finden! Für eine harmonische Entwicklung der einzelnen Sonnen

sind große Abstände von einander sicher nötig. Diese aber werden durch

Katastrophen geschaffen, wie wir sie in den »neuen Sternen« kennen

lernten!

[Illustration:

~Tafel 13.~

Ein Teil der Milchstraße im Sternbilde des »Schwan«.

(Fast in der Mitte des Bildes gewahren wir den berühmten

Nordamerikanebel. Zerklüftete Kanäle und Höhlungen durchsetzen überall

den Sternenreichtum. Diese Gegend ist eine der interessantesten und

auffallendsten in der nördlichen Milchstraße. Originalphotographie von

Prof. Max Wolf in Heidelberg.)]

Nicht alle »neuen Sterne« lassen sich durch die Annahme von

Zusammenstößen zweier Sonnen erklären, sondern wir müssen andere

wissenschaftliche Deutungen suchen. Sie alle hier zu nennen, würde

zu weit führen. Nur eine sei erwähnt, die nämlich, welche will, daß

die größere Sonne auf der kleineren, -- vermöge ihrer stärkeren

Anziehungskraft, -- Erscheinungen hervorruft, welche denen ähnlich

sind, die der Mond, -- vermöge seiner Anziehungskraft, -- auf den

Meeren unserer Erde auch bewirkt. Auf der kleineren, feurigflüssigen

Sonne werden also durch die größere Sonne ebbe- und flutartige Vorgänge

erzeugt. Diese sehen wir in unseren Beobachtungsinstrumenten und deuten

sie als »Neue Sterne«! --

Wenn wir den Stern _Betha_ im Bilde des »Schwanes« mit einem Fernrohre

untersuchen, dann bemerken wir, daß dieser Stern aus zwei Sonnen

besteht, die sich umeinander drehen. Wir nennen ein solches Sternpaar

einen Doppelstern, und ihrer gibt es sehr viele in den Räumen des

Alls. Ja, -- man behauptet neuerdings sogar, daß jede zweite Sonne

am Firmamente ein Doppelstern sei, und unsere Sonne als Einzelstern

eine Ausnahme bilde. Aber, -- vielleicht ist auch sie mit dem großen

Jupiter, den wir ja eine »erlöschende Sonne« nannten, ein Doppelstern

und wird als ein solcher von den Bewohnern in den Systemen ferner

Sonnen gesehen!

Was mir das Sternenlicht erzählt: Eine populäre Himmelskunde für die Jugend · 第 6 / 8 段