Bei näherer Betrachtung des Planeten finden wir weiter, daß auf ihm

die Verteilung des Landes gleichfalls eine ganz andere ist, als bei

uns. Auf Erden läuft alles Land nach dem Südpole zu in Spitzen aus;

beim Mars aber dacht es sich sowohl nach dem Nord-, als auch nach dem

Südpole zu rückenartig ab. Alles Marsland zieht sich ferner, wie ein

schmaler Gürtel, um den Äquator der Marskugel herum, und es ist auf ihm

mehr Land vorhanden, wie auf Erden.

Ein Unterschied ist hier aber doch vorhanden, der nämlich, daß eine

allgemeine Ebnung des Geländes bereits eingetreten ist. Er ist ja auch

um vieles älter, als die Erde! Kordilleren, Anden und einen Himalaja

gibt es auf diesem Gestirne nicht, sondern nur Hügelland, denn die

Gebirge sind dort im Laufe der Jahrtausende abgebröckelt und kleiner

geworden. Auf Erden findet dieses Abbröckeln der Gebirge gleichfalls

statt, und unsere Alpen haben im Laufe vieler Jahrtausende bereits die

Hälfte ihrer einstigen Höhe eingebüßt.

Wir dürfen indes dem Mars einzelne hohe Berge nicht absprechen.

Er besitzt sicherlich solche, die Gletscher tragen, so z. B. die

»Schneeinsel« im Kepler-Ozean. --

Darauf deuten auch einzelne, im Lichte der Sonne grell aufblitzende

Punkte auf dem Marsfestlande hin, die man im Marsfrühlinge und -sommer

erkennen konnte.

Das Interessanteste aber, was uns heute dieses Marsfestland bietet, das

ist jenes rätselhafte Geäder, das allgemein die »Marskanäle« genannt

wird.

Der bereits erwähnte Astronom Giovanni Schiaparelli sah im Jahre 1877

auf der Sternwarte zu Mailand mit einem vorzüglichen Fernrohre und in

der klaren Luft Oberitaliens wie von dunklen Flecken, die wir Meere,

Seen und Sümpfe genannt haben, dunkle Linien ausgingen. Sie verbanden

Wasserfläche mit Wasserfläche schnurgerade. Niemals endigte eine solche

dunkle Linie mitten auf dem Festlande. Das ist das Seltsamste an

diesem ganzen »Kanalnetze«. Schiaparelli hat diesem Geäder den Namen

~canale~, -- d. h. Rinne, -- gegeben. »Kanäle« haben es später erst die

Phantasten genannt! --

Im Jahre 1882 erklärte derselbe Forscher, daß er bald nach der

Schneeschmelze am Marssüdpole gesehen habe, wie sich alle diese

Linien verdoppelten. Das ganze Marsland sah aus, als hätte man

es nach allen Richtungen hin mit Eisenbahnschienen belegt. Diese

Verdoppelungen traten stets sofort und in ihrer ganzen Länge auf.

Man hat gefunden, daß diese »Kanäle« bis zu 5000 Kilometern lang und

bis zu 1000 Kilometern breit sein können. Der Zwischenraum zwischen

einer solchen »Kanalverdoppelung« beträgt 500 bis 1000 Kilometer. Es

sind also gewaltig große Wasserstraßen, wenn wir in diesem Netzwerke

wirklich ein »Kanalsystem« vor uns haben! --

Die Linien zeigen sich, -- wie schon angedeutet wurde, -- stets

nach der Schneeschmelze an den Polen des Mars, und sie verschwinden

im Marssommer oft ganz. Stets verblaßt in dieser Jahreszeit die

Verdoppelung! --

Alle möglichen Deutungen sind zur Erklärung dieser rätselhaften Gebilde

gegeben worden. Es sollen hier nur die wichtigsten genannt werden, und

zwar nur die, welche wirklich die Aufmerksamkeit der Forscher erregten!

Hat der Mars Wasser wie die Erde, dann können diese dunklen Linien

sehr wohl Wasserstraßen sein. Sie sind dann eben Schöpfungen von

intelligenten Wesen, die jene Welt bewohnen!

Die Kanäle wurden von den Marsbewohnern angelegt, um die Gewalten des

Wassers, -- nach der Schneeschmelze an den Polen, -- einzudämmen oder

nach dem Innenlande zu leiten.

Hat der Mars kein Wasser mehr und auch keine Bewohner, dann können

diese »Kanäle« vielleicht die Überreste einer erloschenen Kultur sein!

Man hat die Marskanäle auch für eine optische Täuschung gehalten, die

unser Auge bei der Betrachtung des Planeten im Fernrohre erleidet.

Ein Forscher führt die »Kanäle« auf vulkanischen Ursprung zurück, wie

die schon genannten Lichtstreifen und Rillen auf unserem Monde.

Man hält sie auch für Erdbebenspalten! --

In jüngster Zeit hat ein Marsbeobachter erklärt, daß der Planet, --

von der Raumkälte (-273 Grad Celsius) umgeben, -- zu einem Eisklumpen

erstarrt sei. --

Die rätselhaften »Kanäle« seien nichts anderes, als Sprünge in dem

Eismantel, der den Mars umhülle. Die Sonne taue den Eispanzer zeitweise

auf, und so entstünden jene großen Sprünge, die wir von unserer Erde

aus im Fernrohre erkennen könnten und die wir als »Kanäle« deuteten!

Eigenartig ist es, daß Lowell, -- ein amerikanischer Astronom, -- die

Neubildung von »Marskanälen« auf photographischem Wege und zugleich

auch mit dem Fernrohre im letzten Marsfrühlinge, -- also nach der

großen Schneeschmelze am Südpole, -- feststellen konnte!

Dies würde darauf hindeuten, daß die »Marskanäle« tatsächlich Gebilde

der Marsoberfläche und als solche Erzeugnisse der Marsbewohner sind.

Wird diese Beobachtung Lowells später noch von anderer Seite bestätigt,

dann besteht gar kein Zweifel, daß der Mars mit intelligenten Wesen

bevölkert ist. Diese können uns Menschen durchaus ähnlich sehen, denn

der Planet zeigt fast die gleichen Bedingungen für das Dasein von

Lebewesen, wie unsere Erde.

Die rätselhaften Linien, die wir »Kanäle« nennen, wären dann

Wasserstraßen, welche die Marsbewohner mit Absicht, -- allerdings im

Laufe langer Zeiten, -- angelegt hätten!

Man nahm sogar an, daß die Marsbewohner uns Feuerzeichen geben, und

dachte allen Ernstes daran, solche Zeichen zu erwidern!

Der berühmte Physiker Tesla erklärte, daß er die Wasserkräfte des

Niagarafalles in Nordamerika ausnützen und mit deren Hilfe Lichtsignale

(Blitze) nach dem Mars hinaufschleudern wolle. Diese würden so stark

sein, daß die Marsbewohner sie, -- als ihnen von uns zugesandt, --

erkennen müßten.

Man hat sogar schon über ein Alphabet nachgedacht, das man, -- im

Teslaschen Funkenspruche mit den Marsbewohnern, -- in Anwendung

bringen könnte. Vielleicht ist der Tag nicht mehr fern, der uns den

Schleier auch vom »Marsgeheimnis« hinwegzieht und der Menschheit die

langersehnte Kunde bringt, daß jenes Gestirn bewohnt ist. Vielleicht

gelingt es der von Tag zu Tag sich verfeinernden Technik doch noch,

den Traum unserer Generation zu verwirklichen, daß wir mit den Wesen

anderer Himmelskörper in einen Gedankenaustausch treten!

Eine im Pyrenäenbade Pau in Frankreich verstorbene Dame hat

einhunderttausend Franken in ihrem Testamente demjenigen vermacht, der

die erste Verständigung mit den Bewohnern eines anderen Himmelskörpers

herbeiführt. Der kommenden Generation wird es vorbehalten sein, die

»Marsfrage« noch besser zu beantworten, als wir es heute vermögen!

[Illustration:

~Tafel 9.~

Süden.

Norden.

Ein Stück Marsoberfläche, von zahlreichen »Kanälen« bedeckt.

(Gezeichnet von ~Dr.~ Lampland, -- Flagstaffsternwarte zu Arizona [U.

S. A.].)]

Der Mars dreht sich in 24½ Stunden einmal um seine Achse. Die Tage

dort dauern also nur um ein weniges länger, als die irdischen. -- Zu

einem Umlaufe um die Sonne braucht der Weltkörper zwei irdische Jahre.

Infolgedessen sind seine Jahreszeiten etwas länger, als unsere.

Eine Abplattung seiner Pole hat man noch nicht genau feststellen

können; aber man nimmt sie an!

Der Mars wird von zwei Monden umkreist. Sie heißen Phobos und Deimos

und sind nach den beiden Rossen des Kriegsgottes, Furcht und Schrecken,

benannt worden. Sie sind die kleinsten Monde, die wir im Reiche unserer

Sonne kennen.

Phobos ist der Mond, der dem Mars am nächsten steht. Er umkreist

den Planeten in 7½ Stunden und hat bereits drei Umläufe um den Mars

vollendet, ehe sich dieser einmal um seine Achse drehte. Daher kommt

es, daß dieser Mond scheinbar im Westen auf- und im Osten untergeht.

Für die Marsbewohner, wenn es diese wirklich gibt, ist er eine große

Uhr am Himmel, an der sie die Tageszeiten ablesen können!

Die Winzigkeit der Marsmonde gab Anlaß zu der Vermutung, daß der Planet

ursprünglich gar keine Trabanten besessen hat, sondern daß es sich

bei ihm um eingefangene Monde handelt! Aller Wahrscheinlichkeit nach

stammen die beiden Marsmonde aus der großen Lücke zwischen Mars und

Jupiter. Sie ist mit einer sehr großen Zahl von kleinen und kleinsten

Weltentrümmern angefüllt. Wir haben diesen den Namen Asteroiden,

Planetoiden oder kleine Planeten gegeben!

Die kleinen Planeten, auch Planetoiden oder Asteroiden genannt.

Zwischen dem Mars und dem nächsten Planeten Jupiter müßte eigentlich

noch ein Planet um die Sonne kreisen, und dieser Körper müßte größer

als Mars und Erde sein.

Schon Kepler, -- der berühmte Hofastronom des Kaisers Rudolf II. von

Österreich, -- hat einen solchen Planeten in der Lücke zwischen Mars

und Jupiter vermutet, und er glaubte, daß der Weltkörper möglicherweise

in einer Katastrophe vernichtet worden sei.

Am Neujahrstage des Jahres 1801 entdeckte der Astronom Piazzi in

Palermo in jenem Zwischenraume zwischen Mars und Jupiter ein kleines

Sternchen, das seinen Standort am Firmamente unter den anderen Sternen

veränderte. Piazzi gab ihm den Namen Ceres. --

Einige Zeit später fand der Bremer Arzt Olbers in der genannten

Lücke einen zweiten beweglichen Stern. Im Verein mit dem Astronomen

Harding entdeckte Olbers dann noch drei weitere solche Sternchen, so

daß man durch einige Jahrzehnte hindurch in jener Lücke vier kleine

Himmelskörper kannte, die sich gleich den Planeten um die Sonne herum

bewegten.

Ihre Zahl vergrößerte sich von Jahr zu Jahr. Seit man die Photographie,

um sie zu entdecken, zu Hilfe genommen hat, ist ihre Zahl auf fast

achthundert bereits gestiegen. Aber, -- damit ist der Vorrat noch lange

nicht erschöpft. Es gibt ihrer sicher noch sehr viele, die so winzig

sind, daß sie weder mit dem Fernrohre noch mit der lichtempfindlichen

Platte aufgefunden werden können.

Der größte von diesen Körpern hat einen Durchmesser von etwa

800 Kilometern. Es ist die Vesta!

Die kleinsten fassen etwa 5 bis 10 Kilometer im Durchmesser.

Welche Bedeutung haben diese winzigen Himmelskörper, die wir als

»Weltentrümmer« ansprechen, in unserem Sonnenreiche?

Wir hörten bereits, daß der Astronom Johannes Kepler annahm, sie seien

die Überreste eines größeren Planeten, der entweder zerfiel, weil er

schon sehr alt war, oder der in einem Zusammenstoße mit einem anderen

Weltkörper zerschellt wurde. Wahrscheinlicher aber ist die folgende

Ansicht, die in jüngster Zeit zur Erklärung über die Herkunft dieser

kleinen Körper gegeben wird. Sie besagt, daß die kleinen Planeten,

Asteroiden oder Planetoiden sich durch Verdichtung aus dem Reste des

Urnebels gebildet haben, aus dem einst die Sonne, mit ihren Planeten

und deren Monden hervorging. All' diese kleinen Körper kreisen, -- es

wurde schon gesagt, -- wie die Planeten um die Sonne, deshalb auch ihr

Name »kleine Planeten«; aber viele halten ihre Bahn nicht ganz inne.

Sie verirren sich in das Machtgebiet der benachbarten Planeten, und auf

diese Weise kann es geschehen sein, daß der Mars sich seine zwei Monde

einfing, und daß auch der Jupiter und der Saturn, wie wir noch hören

werden, sich solche Monde, ehemalige kleine Planeten, angeeignet haben!

Einer von den kleinen Körpern hat eine »astronomische Berühmtheit«

erlangt! Es ist der kleine Planet »Eros«, der, außer dem Monde, unserer

Erde zu gewissen Zeiten am nächsten kommt. Eros wurde im Jahre 1898

auf der Berliner Uraniasternwarte vom Astronomen Gustav Witt auf

photographischem Wege entdeckt.

Die Astronomen benützen seine große Annäherung an unsere Erde, um mit

seiner Hilfe die genaue Entfernung der Sonne von uns zu bestimmen.

Die Asteroiden, Planetoiden oder kleinen Planeten besitzen keine

Atmosphäre. Man hat eine Zeitlang geglaubt, daß die Vesta einen

Luftmantel habe; aber die sehr sorgfältigen neueren Beobachtungen

ergaben das Gegenteil. Da diesen Körpern der Luftgürtel fehlt, so haben

sie auch kein Wasser. Für das Dasein von Lebewesen, -- wie wir sie auf

unserem Erdballe finden, -- kommen sie also nicht in Frage.

Der Jupiter.

Würde unsere Sonne plötzlich vom Himmelsgewölbe verschwinden, dann

übernähme der größte der Planeten, der Jupiter, die Führung über das

Sonnenreich. Alle Planeten, also auch unsere Erde würden sich dann um

ihn, -- als das Zentralgestirn des Systems, -- drehen.

Jupiter ist der »Riese unter den Planeten«!

Über 1300 Erdbälle könnte man aus ihm formen. In einem Abstande von

etwa 100 Millionen Meilen umkreist der gewaltige Körper die Sonne und

er gebraucht zu einem Umlaufe zwölf Jahre.

Mit dem Saturn, dem Uranus und dem Neptun bildet er die Gruppe der

sogenannten »äußeren Planeten«. An den Polen ist er stark abgeplattet.

Diese Abplattung rührt sicher von der sehr raschen Drehung des Planeten

um seine Achse her. In nur zehn Stunden erfolgt diese Achsendrehung.

Ein Tag auf dem Jupiter dauert also nur zehn Stunden.

Wenn wir den »König der Planeten« im Fernrohre betrachten, dann

gewahren wir im Luftgürtel des im gelben Lichte strahlenden Gestirnes

Streifen, Wolken und knotenartige Verdickungen. Diese Gebilde sind

starken Veränderungen unterworfen, und zwar, infolge seiner sehr

schnellen Achsendrehung. Sie lösen sich auch rasch immer wieder auf.

Das Spektroskop sagt uns, daß die Atmosphäre, in die der Planet sich

einhüllt, tief und dicht ist. Die Strahlen der Sonne vermögen also

nicht allzuweit in sie einzudringen. Das Spektroskop verrät uns ferner

noch, daß der Jupiter wahrscheinlich noch nicht völlig erkaltet ist,

sondern sicher noch etwas Eigenlicht ausstrahlt. Er würde demnach für

die »Welt seiner Monde« eine kleine Sonne sein! --

Nach allem, was die moderne Wissenschaft heute von diesem Planeten

weiß, ist er eine im »Erlöschen begriffene Sonne«. Er befindet sich

also in einem Zustande, der aus der Glut in die Erkaltung übergehen

will! In der Lufthülle des »Riesen unter den Planeten« erschien in

den Jahren 1872--1880 ein rotbrauner Flecken, den man auch den »roten

Flecken« genannt hat. Er machte die Umdrehung des Planeten um seine

Achse mit, verblaßte aber langsam und heute ist von ihm nicht mehr viel

zu sehen.

Zur Erklärung dieses eigenartigen Gebildes sind eine Reihe von

Deutungen gegeben worden. Die wahrscheinlichste ist die, daß es sich

hier um einen gewaltigen vulkanischen Ausbruch auf der im Erstarren

begriffenen Oberfläche des Jupiter handelt. Die dünne Oberflächenkruste

brach ein, und es trat ein feuriger Bergrücken zutage, der seinen

Lichtschein und seine glühende Asche hoch hinauf in die Luftschichten

warf, die den Planeten umgeben. Jupiter hat neun Monde!

Die ersten vier entdeckte der alte Galilei zu Pisa um die Mitte des

sechzehnten Jahrhunderts. Er gab ihnen den Namen »Mediceische Sterne«.

Die anderen Monde des Planeten wurden später entdeckt, zwei von ihnen

sogar erst in allerjüngster Zeit. Ein Mond des Jupiter ist fast so groß

wie der Mars. Man nimmt an, daß dieser Trabant eine Lufthülle, Wasser

und Festlande besitzt. Die Schar der Jupitermonde erzeugt naturgemäß

zahlreiche Sonnen- und Mondfinsternisse auf der Jupiterkugel, und diese

Finsternisse haben dem dänischen Astronomen Olaf Römer Anlaß zu der

Berechnung gegeben, daß der Lichtstrahl in der Sekunde 300000 Kilometer

Weges zurücklegt.

Der neunte Mond des Jupiter ist rückläufig, das heißt, er dreht sich

von links nach rechts um den Planeten. Man nimmt deshalb an, daß er

nicht von vornherein zum Reiche des Jupiter gehörte, sondern von dem

Planeten eingefangen und gezwungen wurde, als Mond um ihn zu kreisen.

Es handelt sich bei diesem Monde vermutlich um einen kleinen Planeten

oder Asteroiden.

Der Saturn.

Durch Jahrtausende hindurch galt dieser Planet als der »Grenzwächter

unseres Sonnenreiches«! Er war also der äußerste Planet, der um unser

Zentralgestirn kreiste. Der Saturn ist 200 Millionen Meilen von der

Sonne entfernt und umwandert sie einmal in 30 Jahren. An seinen beiden

Polen ist auch er stark abgeplattet und auch bei ihm rührt die starke

Abplattung von der schnellen Achsendrehung her. Diese dauert zehn

Stunden. Solange also währt ein Tag auf jener Welt!

Das Licht des Planeten ist bleifarben, und der Durchmesser der

Saturnkugel beträgt etwa 130000 Kilometer. Er ist demnach zehnmal

größer, als der irdische.

Der Saturn gehört zu den interessantesten und rätselhaftesten Körpern

in unserem Sonnenreiche, und zwar wegen seines höchst merkwürdigen

Ringsystems!

Dieses ist flach und umgibt die Saturnkugel in ihrer Mitte, -- frei --

schwebend. Indes dieser Ring ist nicht eine feste Masse, wie man leicht

annehmen könnte; sondern er besteht aus zahllosen kleinen Körperchen,

-- Möndchen, -- die um den Saturn herum kreisen.

Wenn man mit dem Fernrohre den Ring des Saturn betrachtet, dann gewahrt

man verschiedene Teilungen auf ihm. Es sieht aus, als hätte man mehrere

Ringe, die immer größer werden, ineinander gelegt, jedoch so, daß

zwischen jedem Ringe ein kleiner Abstand bleibt.

Manchmal erscheint uns das Ringsystem wie eine schmale Linie, manchmal

sehen wir die obere und manchmal die untere Seite des Ringes. Diese

verschiedene Lage des Ringes hängt mit der verschiedenen Stellung des

Saturn zur Sonne und zu unserer Erde zusammen. Im Fernrohre gewahren

wir in seiner, gleichfalls sehr hohen und dichten Atmosphäre ebenfalls

bandartige Streifen und Wolken, die mit der schnellen Drehung des

Planeten um seine Achse in einem ursächlichen Zusammenhange stehen.

[Illustration:

~Tafel 10.~

Süden.

Norden.

Der Planet Saturn mit seinem seltsamen Ringsysteme.

(Die Nordseite des Ringsystems ist weit geöffnet. Norden ist in der

Abbildung unten.)]

Ein großer Teil der Forscher nimmt an, daß auch der Saturn noch nicht

völlig erkaltet, sondern, ebenso wie der große Jupiter, eine kleine

Sonne für die Rotte seiner zehn Monde ist. Saturn würde dann noch etwas

Eigenlicht ausstrahlen.

Das reiche Gefolge der Monde ist im Verein mit dem Saturn ein Abbild

unseres ganzen Sonnensystems. Die Monde des Planeten heißen: Mimas,

Enceladus, Thetis, Dione, Rhea, Titan, Hyperion, Japetus, Phöbe und

Themis.

Saturn selbst stellt die »Sonne« dieses Systems dar. Der Ring, der

ihn umgibt, deutet das Tierkreis- oder Zodiakallicht an. Die zehn

Monde entsprechen zunächst den uns bekannten acht und dann den zwei

noch unbekannten, aber angenommenen Planeten unseres Sonnenreiches.

Zwischen dem fünften und sechsten Saturntrabanten zeigt sich ein

größerer Zwischenraum. Dieser entspricht der Lücke zwischen dem

Planeten Mars und Jupiter! Die Lücke ist, wie wir hörten, mit der

Schar der kleinen Planeten angefüllt. Moderne Astronomen vermuten, daß

auch der Zwischenraum zwischen dem fünften und sechsten Saturnmonde

eine Schar von kleinsten Körperchen, -- ähnlich den Asteroiden, --

besitzt. Ihrer Winzigkeit wegen können wir sie im Fernrohre nur nicht

sehen und auch nicht mit der Camera auffinden! Jupiter ist der »Riese

unter den Planeten« unseres Sonnenreiches, Titan der »Riese unter den

Saturnmonden«.

Der Saturnmond Phöbe ist rückläufig, gleich dem neunten Jupitermonde.

Infolgedessen hält man auch Phöbe für einen eingefangenen Mond, der

wahrscheinlich aus der Gruppe der kleinen Planeten stammt!

Der Uranus.

Als Wilhelm Herschel, -- der einstige Stadtmusikant von Hannover

und dann so berühmt gewordene Astronom, -- im Jahre 1788 den Uranus

mit einem seiner Riesenreflektoren (Spiegelteleskope) entdeckt

hatte, ahnte er nicht, daß es sich in dem »Findlinge« um einen neuen

Planeten handelte, der die alte Grenze unseres Sonnenreiches um ein

Beträchtliches weiter in den Raum hinausrückte.

Dem bloßen Auge erscheint der Planet als ein winziges Sternchen, und

man muß, -- will man ihn sehen, -- genau die Stelle am Himmel kennen,

an der er jeweilig steht. Er strahlt im gelblichen Lichte und ist von

der Sonne, von der er sein Licht noch erhält, 400 Millionen Meilen

entfernt. In 84 Jahren vollendet er einen Umlauf um sie! --

Eine Abplattung an seinen beiden Polen hat man bisher noch nicht

einwandsfrei feststellen können; aber man nimmt sie an, weil fast alle

Planeten, die wir kennen, diese Abplattung zeigen!

Über seine Oberflächenbeschaffenheit und über seine Lufthülle wissen

wir fast gar nichts, denn das Gestirn ist viel zuweit von uns entfernt,

als daß wir Einzelheiten auf ihm genau erkennen könnten. Man hat zwar

angenommen, daß er eine Lufthülle, und daß diese ebensolche wolkige und

bandartige Streifen, wie die des Jupiter und Saturn, habe; aber die

Beobachtungen dieser Art sind stets dann wieder verneint worden.

Uranus wird von den vier Monden Ariel, Umbriel, Titania und Oberon

umkreist. Alle diese Monde sind rückläufig, wie der Saturnmond Phöbe

und wie der neunte Jupitermond.

Entweder gehörten die vier Uranusmonde von Anfang an dem Reiche des

Planeten an, wie es die Weltbildungshypothese auch annimmt, die außer

der »Kant-Laplaceschen« am Eingang dieses Buches erwähnt wurde, oder

die vier Uranusmonde sind eingefangen worden und gehörten anfänglich

gar nicht zu dem Planeten.

Sie können also kleine Planeten sein, die sich in das System (den

Bereich) des Uranus verirrten oder auch Kometen, die eingefangen und

gezwungen wurden, als Monde nun um das Gestirn zu wandern.

Der Neptun.

Die Entdeckung dieses Planeten, des äußersten, den wir vorläufig in

unserem Sonnenreiche kennen, gehört zu den größten Triumphen der

rechnenden Astronomie! --

Neptun ist am Gelehrtenschreibtisch und nicht auf der Sternwarte

entdeckt worden, nicht mit dem Fernrohre, sondern mit der Feder! Das

klingt sehr sonderbar und doch verhält es sich so! Der Pariser Astronom

Leverrier war es, der ihn am Schreibtische errechnet hat, und der Name

dieses Gelehrten wird darum unsterblich bleiben!

In der Wanderung des Planeten Uranus um die Sonne zeigten sich nämlich

kleine Abweichungen. Man nennt dies Störungen! Diese konnte man sich

nur dann erklären, wenn man annahm, daß jenseits des Uranus noch ein

größerer Körper, -- also ein Planet, -- um die Sonne wandere. Zwei

Astronomen, -- nämlich der bereits genannte Franzose Leverrier, und

der Engländer Adams suchten diesen Planeten rechnerisch festzulegen.

Leverrier hat dann, ohne von Adams Arbeit eine Kenntnis zu besitzen,

seine Berechnungen früher als jener veröffentlicht, und so ist Adams

um den Ruhm der Entdeckung gekommen. Leverrier teilte an dem Tage, an

dem er seine Berechnungen fertig hatte, dem Berliner Astronomen Galle

das Resultat derselben mit und forderte Galle auf, an einer, ihm näher

bezeichneten Stelle des Firmamentes nach dem »Errechneten« zu suchen!

In der nächsten Nacht fand dann auch Galle den »Errechneten«, und zwar

sehr nahe bei dem Orte, den ihm Leverrier angegeben hatte.

Auf diese Weise ist der dem Meergotte geweihte Planet entdeckt

worden! --

Neptun ist 600 Millionen Meilen von der Sonne entfernt, und umkreist

sie einmal in 164 Jahren. Nur im Fernrohre ist er sichtbar, mit dem

bloßen Auge indes nicht. Er strahlt in grünlichem Lichte und wird von

einem Monde umwandert, der ebenfalls rückläufig ist. Über den Planeten,

seine Oberfläche und seinen Mond wissen wir so gut wie nichts, weil das

Gestirn ungeheuer weit von uns absteht. Wahrscheinlich ist auch er noch

in einem Übergangsstadium vom feurigflüssigen zum festen Zustande!

Die moderne Forschung nimmt an, daß Neptun sicher mehrere Monde, und

daß auch der Uranus deren wohl noch mehrere besitzt. Wir kennen sie nur

nicht. Sie entgehen unserer Beobachtung, weil sie zu winzig sind und zu

wenig Licht aussenden, als daß wir sie sehen könnten! --

Ein Teil der Astronomen ist der Meinung, daß der Neptun noch nicht

unser Sonnenreich nach außen hin abschließt, sondern daß auf ihn noch

ein Planet folgt. Dieser würde in einem Abstande von 1200 Millionen

Meilen von uns die Sonne umkreisen.

Man hat diesem mutmaßlichen Körper, nach dem man mit Fernrohr und

photographischer Platte seit Jahren eifrig sucht, bereits einen Namen

gegeben. Er heißt Hades!

Was mir das Sternenlicht erzählt: Eine populäre Himmelskunde für die Jugend · 第 4 / 8 段