in 24 Stunden einmal um ihre Achse herum. Dadurch wird der Wechsel von
Tag und Nacht erzeugt, denn, wenn wir Tag haben, dann ist die eine
Hälfte der Erde, in deren Achsendrehung, dem Lichte der Sonne zugewandt
und wird von dieser bestrahlt. Haben wir aber Nacht, dann ist die eine
Hälfte der Erde, in ihrer Drehung um die eigene Achse, von der Sonne
abgewandt. Sie empfängt also kein Licht von dieser.
In früheren Zeiten der Erdgeschichte waren die Tage kürzer. Sie
dauerten einmal vier, dann acht, dann zwölf und endlich zwanzig
Stunden. Daß sie immer länger wurden, hat vielleicht seine Ursache in
unserem Monde. Vermöge seiner Anziehungskraft hebt er das Wasser der
Ozeane empor. Er erzeugt dadurch zwei große Wellen, die sich stets nach
Westen hin bewegen. Nun dreht sich aber unsere Erde in der Richtung von
Westen nach Osten um ihre Achse. Die beiden Wellen sind also dieser
Achsendrehung gerade entgegengesetzt.
Sie üben somit eine hemmende Wirkung auf diese Achsendrehung aus, -- d.
h. mit anderen Worten ausgedrückt, sie bewirken, daß Tag und Nacht auf
Erden immer länger werden. Es wird einmal die Zeit kommen, wo die Erde
sich in zwei, zehn, zwanzig, hundert und endlich in 365 Tagen einmal um
ihre Achse drehen wird. Ist der letztgenannte Zeitpunkt eingetreten,
dann wird die Erde der Sonne immer nur die eine Hälfte ihrer Kugel
zukehren. Die hemmende Kraft, welche der Mond auf die Achsendrehung
unseres Planeten ausübt, nennen wir die »Gezeiten«! Die Bahn, welche
der Erdball um unsere Sonne herum beschreibt, ist nicht ganz kreis-
sondern eiförmig. Wir sagen, die Erdbahn ist eine Ellipse! Den Punkt
der Bahn, auf welchem die Erde unserer Sonne am nächsten steht, nennen
wir das Perihel. Der Punkt aber, in welchem sie auf ihrer Wanderung um
die Sonne von dieser am weitesten entfernt ist, heißt das Aphel! --
Verbinden wir die beiden Pole der Erde durch eine gedachte Linie
miteinander, dann erhalten wir die Achse der Erde. Sie zeigt auf
einen Stern in der Schwanzspitze des »kleinen Bären« hin. Die Alten
nannten diesen Stern »Kynosura«, d. h. »Hundsstern«. Wir nennen
ihn den Polarstern; aber er hat diese Stellung als »Stern am Pole«
nicht immer bekleidet. Vor vielen tausend Jahren war ein Stern im
Bilde des »Drachen« unser Polarstern. Aus jener Zeit rührt noch das
Drachenwappen der Chinesen her, und in etwa 14000 Jahren wird der
hellste Stern im Bilde der »Leier«, den wir die Wega nennen, unser
»Stern am Pole« sein.
Als unsere Erde aus dem glühendflüssigen Zustande in den der Erstarrung
überging, bildeten sich die Gebirge auf ihr. Diese sind nichts anderes,
als große Falten in der alten Haut unseres Planeten. In moderner
Zeit hat man wiederholt die Frage aufgeworfen, ob unsere Erde in
ihrem Innern gasförmig oder fest sei! Ein Teil der Forscher nimmt das
letztere an! Die übrigen aber behaupten, daß unter einer sehr dünnen
Kruste, die unsere Kugel nach außenhin abschließt, feurigflüssige
Massen lagern und der Erdkern gasförmig sei.
Dieser gasige Kern der Erde indes zeigt eine Starre, wie der Gaskern
der Sonne, und zwar aus dem Grunde, weil die über ihm lagernden
Schichten ungeheuer auf ihn drücken.
Unsere Erde besitzt einen Luftgürtel, -- eine Atmosphäre!
Die wirkliche Höhe dieser vermögen wir nicht genau zu bestimmen. Man
hat ihre Höhe auf 350 Kilometer geschätzt; aber dieses Resultat ist
ungenau. Der Luftgürtel unseres Planeten, der aus einem Gemenge von
Sauerstoff, Stickstoff und Kohlensäure besteht, ist für das Leben der
Pflanzen, Tiere und Menschen unbedingt erforderlich. Ohne ihn könnten
die Lebewesen auf Erden nicht existieren.
Unter den vielen Rätseln, welche unsere Erde der Forschung ausgibt,
seien noch zwei besonders erwähnt, -- der _Erdmagnetismus und die
Polarlichter_!
Alle Körper, die wir im Weltall kennen, sind mit jener wichtigen
Kraft ausgestattet, die wir die Anziehungskraft (Schwerkraft oder
Gravitation) genannt haben. Unsere Erde wirkt aber auch wie ein großer
Magnet. Dieser hat zwei Pole, nämlich einen Nordpol und einen Südpol.
Der magnetische Südpol unseres Planeten liegt indes neben seinem
geographischen Nordpole, und der magnetische Nordpol der Erde neben
dem geographischen Südpole derselben. Den magnetischen Südpol konnten
wir in Nordamerika, und zwar auf der Halbinsel Boothia-Felix entdecken.
Die Polarlichter sind elektromagnetische Erscheinungen. Sie beruhen
also auf starken, elektrischen Entladungen und stehen mit dem
Erdmagnetismus in einem bestimmten Zusammenhange, der indes noch nicht
genügend erklärt ist.
Blitzen sie am Nordpol der Erde auf, dann nennen wir sie Nordlichter.
Zeigen sie sich am Südpol, dann nennt man sie Südlichter. Sie
erscheinen oft in großer Pracht und in starkem Glanze, bald in Band-,
bald in Fächer- und bald in Wellenform. Sie treten zahlreich stets
dann auf, wenn unsere Sonne, -- wir hörten dies bereits, -- reichlich
mit Flecken besetzt ist. Interessant ist auch, -- man konnte dies
wiederholt beobachten, -- daß Erdbeben und vulkanische Erscheinungen
bei uns mit den Polarlichtern in einem ursächlichen Zusammenhange
stehen. --
Der Mond unserer Erde.
Die Nacht ist lind und lau! Glühwürmchen huschen durch das Dunkel,
und die Grillen konzertieren draußen auf der Wiese. Sie begleiten mit
ihrem Geigen den frohen Männerchor der Frösche. Am Himmel stehen einige
schwarze Wolken, und es sieht aus, als ob in der Nacht ein Gewitter
kommen wollte!
»Das wäre nicht gut,« meint der Landmann, der mit Frau und Kindern in
der Laube hinter seinem Hause sitzt, »denn wir haben heute das Getreide
gehauen! Ich denke, der Mond, der bald herauskommen muß, wird das
dunkle Gewölk fressen!« --
Das ist nun einmal ein alter Aberglaube unter den Landleuten, der
besagt, daß der gute, alte Mond am Himmel in der Sommernacht die
Gewitterwolken zerstöre!
Alle waren still, als der Vater so redete, und als er geendet
hatte, horchten sie wieder hinaus in das Dunkel, das belebt war vom
geschäftigen Treiben der Nachttiere!
Da mit einem Male veränderte sich die Szenerie!
Die Bäume im Garten, die man vorher in der Finsternis nicht hatte
erkennen können, traten, -- vom Mondlichte übergossen, -- schreckhaft
hervor, und ein altes Gemäuer hob sich in magischer Beleuchtung aus
dem Schwarz der Nacht ab. Das Licht des Mondes, der aufgegangen war,
umfloß alles! Es huschte durch die Blätter und das Geäst der Bäume, es
schlüpfte durch die Maschen der Gartenlaube und floh gespenstisch über
den Erdboden dahin. Der Mond war in voller Größe nun über dem Dorfe
emporgestiegen und begann seine Herrschaft über die Sommernacht!
Wie oft mag er schon auf- und untergegangen sein an unserem Himmel? Was
mag er alles schon mit angesehen haben unten auf der leidvollen Erde?
Könnte er doch reden, -- der alte schelmische Gesell! Er würde uns gar
vieles erzählen, was uns heute auch bei ihm noch ganz geheimnisvoll
anmutet!
Gar viele Rätsel umgeben ihn ja noch! --
Er, -- der Begleiter unserer alten Erde, -- ist kleiner, wie diese.
Er umwandelt sie in einem Abstande von 50000 Meilen, und zwar einmal
in 28 Tagen. Wir nennen diese Zeit einen Monat. Das ist eigentlich,
-- bürgerlich gesprochen, -- nicht ganz richtig, denn die Monate des
Jahres dauern etwas länger!
Er wendet unserer Erde immer nur die eine Seite zu. Trotzdem aber dreht
er sich in den 28 Tagen, die er zu einer Wanderung um die Erde herum
braucht, doch auch einmal um seine Achse.
Eine Abplattung an seinen Polen hat man nicht feststellen können.
Auch der Mond war einst ein selbstleuchtender Stern. Da er aber
kleiner, -- als die Erdkugel, -- ist, hat er sich auch viel rascher,
als diese, abgekühlt. Darum betrachten ihn die Himmelsforscher als
einen längst verbrauchten, erstorbenen Weltkörper!
Wenn der Mond sich uns als volle Scheibe zeigt, -- wenn wir also
Vollmond haben, -- dann können wir auf ihm dunkle Flecken erkennen.
Nehmen wir beim Betrachten derselben die Phantasie ein wenig zu Hilfe,
dann läßt sich aus diesen Flecken ein Gesicht zusammendeuten. Es ist
das »Mondgesicht«, mit Grübchen und Stirnfalte, schelmisch lächelnd
oder von heftigem Schmerze verzerrt!
Unsere Vorfahren haben aus diesen Flecken das Bild eines Mannes
herauslesen wollen, der eine Holzlast auf dem Rücken trägt, oder das
eines Hasen!
Im Fernrohre sehen wir die dunklen Flecken noch viel deutlicher, als
mit dem bloßen Auge. Wir nennen sie ~mare~, d. h. Meere, und glauben,
daß sie die wasserleeren Becken der einstigen Mondmeere seien.
So kennen wir auf unserer Nachbarwelt einen »Ozean der Stürme«, ein
»Regenmeer«, ein »Meer der Heiterkeit« und ein »Meer der Ruhe«, einen
»Meerbusen des Taues« und einen »Sumpf der Träume«.
[Illustration:
~Tafel 7.~
Süden.
Norden.
Unser Mond im photographischen Fernrohre (bald nach dem ersten Viertel).
(Photographiert mit dem ~Équatorial coudé~ [gebrochenem Fernrohre] von
Professor Loewy in Paris.)]
Heute besitzt der Mond alle diese Meere nicht mehr, denn seine
Wassermassen sind in seinen Körper längst eingesunken. Das bißchen
Feuchtigkeit, das er noch hat, ist nicht mehr der Rede wert. Wenn wir
den Mond mit dem Fernrohre noch aufmerksamer betrachten, dann können
wir auf ihm auch Gebirge entdecken. Man hat diesen zum weitaus größten
Teile den Namen irdischer Gebirge gegeben. Infolgedessen kennen wir
auf ihm die Alpen mit dem merkwürdigen Alpentale, den Vulkan, die
Kordilleren, die Karpathen und die Apenninen.
Der Satellit der Erde ist überhaupt sehr gebirgig, viel mehr, als die
Erde! Im Fernrohr sehen wir über seine Oberfläche zerstreut, -- ganz
besonders zahlreich aber um seinen Südpol herum, -- Gruben, die unseren
irdischen Vulkanen nicht unähnlich sind. Die größten von ihnen haben
wir Wallebenen, die größeren Ringgebirge, die kleineren Krater und die
kleinsten Kratergrübchen genannt. Wir kennen weit über 40000 dieser
seltsamen Bildungen. Auf unserer Erdoberfläche finden wir dergleichen
nicht!
Ein Teil dieser Krater, Ringgebirge und Wallebenen ist unter dem
Einfluß heftiger vulkanischer Kräfte dort ganz zweifellos entstanden,
ein anderer Teil durch Blasenbildung zu der Zeit, als der Mond noch
zähflüssig war. Die Blasen brachen ein, und so entstand der Ringwall
des Kraters und die Ebene, die der Wall umrandet. Die kleineren und
kleinsten dieser Gruben sind durch das Aufstürzen von Meteoriten
(Weltentrümmern) gleichfalls zu der Zeit gebildet worden, als der Mond
noch nicht völlig fest und erkaltet war.
Der Trabant der Erde hat fast gar keine Luft mehr, die ihn vor solchem
Niedergehen größerer Meteormassen hätte schützen können, wie unser
Luftpanzer die Erde schützt.
In der Nähe des Mondsüdpoles sehen wir einen sehr schönen Krater. Er
hat den Namen Tycho erhalten. Von ihm aus gehen zahlreiche Streifen
nach allen Richtungen der Mondkugel hin. Wir erkennen sie sehr gut
dann, wenn die Scheibe des Mondes voll beleuchtet ist. Sie geben ihm
an dieser Stelle das Aussehen einer abgehäuteten Apfelsine, und sie
leuchten im Strahle der Sonne hell auf. Solche lichte Streifen finden
wir auch noch bei einigen anderen Kratern, so bei Kopernikus und Kepler.
Diese Lichtstreifen sind dadurch entstanden, daß der Mond einmal an der
Stelle platzte. In seinem noch flüssigen Innern befanden sich Gase.
Diese wollten sich entladen und, da ihnen die Kruste der Mondkugel
einen Widerstand entgegensetzte, so sprengten sie diese. In die Sprünge
drang dann vom Mondinnern her Lava ein und füllte die Risse bis oben
hin an. Ja, -- es floß sogar Lava über, erhärtete und bildete so eine
Art Glasfluß, den wir bei den Ringgebirgen Tycho, Kopernikus und Kepler
deutlich erkennen können, wenn diese zur Vollmondszeit im Strahle der
Sonne grell aufleuchten.
Auch an anderen Stellen der Mondkugel zeigen sich solche Sprünge, --
so in der Nähe der Ringgebirge Sabine, Arago, Ritter und Triesnecker.
Diese Risse sind indes nicht mit Lava angefüllt worden, sondern in
ihrem ursprünglichen Zustande verblieben. Wir nennen diese Sprünge, die
oft durch Berg und Tal hindurchgehen, Rillen!
Man hat den Wallebenen, Ringgebirgen und Kratern auf dem Monde Namen
gegeben, meist die berühmter Astronomen und Naturforscher. Einer von
diesen Kratern hat eine ganz eigenartige Form. Er sieht aus wie ein
großer, flacher Käse. Seine seltsame Gestalt rührt davon her, daß
die ganze, vom Kraterrande umsäumte Ebene mit Lava bis oben hin vom
Mondinnern her angefüllt wurde.
An anderen Kratern hat man im Laufe der Jahre Veränderungen wahrnehmen
können, die auf eine noch nicht ganz erloschene, vulkanische Tätigkeit
auf jener Kugel hindeuten.
Wieder andere Krater sehen aus, als hätten sich zwei von ihnen
ineinander geschoben, als hätte man zwei Ringe ineinander gesteckt. Man
nennt solche Gebilde »Zwillingskrater«. Diese eigenartigen Formationen
der Krater gehören zu dem Schönsten, das wir auf dem Monde kennen. Wenn
der Begleiter der Erde sich uns als schmale Sichel zeigt, sehen wir im
Fernrohre einen Teil von diesen kreisförmigen Gruben an der Lichtgrenze
entlang liegen. Die eine Hälfte von ihnen ist dann stets noch in tiefe
Finsternis gehüllt; die andere aber wird bereits grell vom Strahle der
Sonne beleuchtet, oder der ganze Krater ist voller Licht, und die eine
Seite seiner Umrandung wirft einen langen Schatten in die Kraterebene
hinein, so daß diese fast ganz mit Schatten ausgefüllt wird.
Aus der Länge dieser Schatten vermag der Astronom die Höhe des
Kraterrandes zu bestimmen und in gleicher Weise auch die der übrigen
Gebirge auf jener Welt, denn sie werfen, -- von den Strahlen der Sonne
getroffen, -- lange Schatten!
Da wir eine Anzahl von Meeren und Gebirgen auf dem Monde kennen gelernt
haben, so vermögen wir nun das schelmisch lächelnde Antlitz des Mondes
aus ihnen zusammenzusetzen.
Die Nase dieses »Mondgesichtes« wird gebildet von dem Mond-Apennin, die
Nasenspitze von dem schon mehrfach genannten Krater Kopernikus und das
rechte Auge vom ~mare imbrium~ (dem Regenmeere).
Das linke Auge stellt ein anderes Meer dar, dem wir den Namen ~mare
serenitatis~ (Meer der Heiterkeit) gegeben haben.
Die Augenbrauen werden angedeutet durch die dunkle Fläche des ~mare
tranquillitatis~ (des Meeres der Ruhe) und des ~mare foecunditatis~
(des Meeres der Fruchtbarkeit).
Die Stirn des »Mondgesichtes« ziert ein dunkler Flecken. Diese
Stirnfalte also ist das ~mare frigoris~ (das Meer der Kälte).
Das ~mare nubium~ (das Meer der Wolken) bildet den Mund des
»Mondgesichtes« und die rechte Wange der ~oceanus procellarum~ (der
Ozean der Stürme, auch der »Stille Ozean des Mondes« genannt).
Die linke Wange indes wird durch eine große Zahl von Kratern und durch
wild zerklüftete Gebirgsketten dargestellt.
Im Laufe von 29½ Tagen zeigt uns der Mond nach und nach alle seine
Lichtgestalten. Wir trennen diese seine Phasen! Erscheint der
Begleiter der Erde in Sichelform, und zwar in der Gestalt der oberen
Schleife des großen Buchstabens Z[2], dann haben wir erstes Viertel.
Ist seine Scheibe voll erleuchtet, dann nennen wir dies Vollmond. Zeigt
er sich uns abermals in der Sichelform, und hat diese die Gestalt der
äußeren Schleife des großen Buchstaben A[2], dann haben wir letztes
Viertel.
[2] Gemeint ist die Form der Großbuchstaben A und Z in Kurrent-
bzw. Sütterlinschrift. Anm. zur Transkription.
Als Neumond sehen wir den Trabanten gar nicht! Die Reihenfolge der
Mondphasen ist also die, daß stets auf den Neumond das erste Viertel,
auf dieses der Vollmond, auf ihn das letzte Viertel und auf dieses
wiederum der Neumond folgt. Jede Phase umfaßt etwa sieben irdische Tage.
Wenn der Mond als schmale Sichel im ersten Viertel am westlichen
Horizonte hängt, dann können wir mit bloßem Auge schon gewahren, daß
der übrige, von der Sonne nicht erleuchtete Teil seiner Scheibe in
einen merkwürdigen Schimmer getaucht ist.
Wir nennen diesen Schein »Phosphoreszenz« und hörten von ihm
schon früher bei der Besprechung des Planeten Venus. Dieser
phosphoreszierende Schimmer heißt hier das »sekundäre Mondlicht«!
Ein im astronomischen Sehen geübtes Auge wird sehr bald erkennen, daß
dieses »sekundäre« Licht des Mondes eine ganz verschiedene Färbung
zeigt.
Einmal sieht es bläulich, einmal grünlich und dann wieder rötlich aus.
Diese verschiedene Färbung sagt uns, daß das »sekundäre Mondlicht«
nichts anderes ist, als das Licht, das unsere Erde nach dem
Monde hinstrahlt und das zum Teil von diesem wieder auf die Erde
zurückgeworfen wird.
Stehen dem Monde die Festlande auf Erden gegenüber, dann ist das
»sekundäre Licht« rötlich gefärbt, sind ihm die Ozeane der Erde
zugekehrt, dann zeigt es einen bläulichen Schimmer, und wendet unser
Planet die Urwälder Afrikas und Amerikas seinem Begleiter zu, dann
zeigt das »sekundäre Licht« eine grüne Farbe.
Wie interessant ist es doch, daß wir das Bild unserer Erde von unserer
Nachbarwelt, -- dem Monde, -- ablesen können, wie das Bild unseres
Antlitzes von einem Spiegel!
Da unser Mond der Erde nur die eine Seite zuwendet, so empfängt diese
vierzehn Tage lang das Licht der Sonne; die andere Hälfte aber umgibt
während dieser Zeit eine eisige Kälte, nämlich die des Weltenraumes
(-273 Grad Celsius).
Auf dem Monde dauert also ein Tag vierzehn irdische Tage und eine Nacht
währt dort die gleiche Zeit.
Könnten wir uns im Geiste auf unsere Nachbarwelt versetzen, dann würden
wir uns wie verzaubert vorkommen.
Über der wildzerklüfteten Landschaft, die uns auf jenem Gestirne
aufnimmt, wölbt sich ein rabenschwarzer Himmel, denn der Mond hat fast
keine Luft und auch kein Wasser mehr, die bewirken, daß sich über
unserem Haupte auf Erden ein oft tiefblaues Firmament ausspannt. Das
Fehlen der Luft würde ferner schuld sein, daß wir auf dem Monde nicht
einen Laut zu hören bekämen. Am schwarzen Himmel des Mondes hängt in
voller Pracht die sengende Sonne, umgeben vom Glorienscheine der Korona
und von der Staubwolke des Tierkreislichtes.
Neben der Sonne strahlen die beiden Planeten Merkur und Venus und
alle Sterne, die wir in dunkler, klarer Nacht auch an unserem Himmel
sehen. Auch unser Mond hat, -- wie schon bemerkt wurde, -- einen Mond!
-- Es ist dies unsere Erde. Diese erscheint am Firmamente des Mondes
gleichfalls im Wechsel ihrer Lichtgestalt. Sie zeigt sich also einmal
als Neuerde, dann im ersten Viertel, dann als Vollerde und endlich im
letzten Viertel.
Als Vollerde, -- also als »Vollmond des Mondes« --, aber ist sie
vierzehnmal größer, als uns der Mond an unserem Firmamente erscheint.
Auf dieser gewaltigen Scheibe des »Mondes unseres Mondes« würden wir
ebenfalls dunkle Flecken gewahren, -- die Meere, -- die Festlande, als
rötlich schimmernde Gebiete, und endlich zwei glänzendweiße Stellen an
den beiden Polen der Erde, -- die Schneezonen oder Polarkalotten.
Auf unserer Erde würden wir vom Monde aus in einem Riesenfernrohre auch
rillen- oder lichtstreifenartige Gebilde erkennen können, nämlich die
großen Ströme, -- so den Amazonenstrom und den Mississippi.
London, Newyork, Berlin und Paris würden als dunkle Punkte auf den
Festlanden der Erde erscheinen. -- Die Kriegsschiffe der europäischen
und Balkanstaaten, die kürzlich im Marmarameere vor Anker lagen, hätte
man gleichfalls auf der Scheibe der Erde erkannt; aber man hätte
nicht gewußt, was man aus diesen dunklen, sich hin- und herbewegenden
Punkten machen sollte! Man würde die Truppen der Balkanmächte, die
gegeneinander kämpften, vom Monde aus mit einem Riesenfernrohre haben
beobachten können, ohne aber eine Vorstellung davon zu erlangen, daß
dies ein schreckliches Menschenmorden bedeutete.
Die Astronomen, welche sich mit der Erforschung des Mondes
beschäftigen, nennt man Selenographen, zum Unterschiede von den
Geographen, die unserer Erde ihr Interesse widmen.
In der Neuzeit wendet der Himmelsforscher auch beim Monde die
lichtempfindliche Platte an, und zwar mit bestem Erfolge! Aus den
herrlichen Bildern, die man im Laufe der letzten dreißig Jahre mit der
Kamera vom Begleiter der Erde erhalten hat, wird in Kürze ein sehr
schöner Mondatlas erstehen. Dieser wird nicht bloß ein hervorragendes
Kunstwerk sein, sondern auch der Nachwelt zeigen, was menschlicher
Fleiß und menschliches Forschen zustande brachten.
In alter Zeit schon hat man die Frage aufgeworfen, ob der Mond bewohnt
sei. Man hat diese Frage in recht phantastischer Weise zu beantworten
versucht, ja sogar den Vorschlag gemacht, den Mondbewohnern (den
Seleniten) Zeichen zu geben! Indes die moderne Forschung neigt, --
nach allem, was sie vom Monde weiß, -- immer mehr der Ansicht zu, daß
es Mondbewohner, die uns Menschen ähnlich sind, nicht geben kann, weil
auf jener Kugel die Bedingungen fehlen, unter denen das menschliche
Leben auf Erden sich entfaltet und gedeiht. -- Indes auch der Mond kann
bewohnt sein; aber nur mit Wesen, die zu den Lebensbedingungen passen,
unter denen dieses Gestirn um unsere Erde und durch den Weltenraum
schwebt!
Wie diese Wesen aber aussehen, das wissen wir nicht und werden es auch
wohl niemals erfahren! ...
Der Mars.
Nimmt man heute eine illustrierte Zeitschrift zur Hand, dann findet
man sicher in der einen oder anderen Nummer derselben auch einen
astronomischen Aufsatz, der sich in gemeinverständlicher Form mit einem
der größten Rätsel in unserem Sonnenreiche beschäftigt, -- nämlich mit
dem Planeten Mars!
Wir sprechen heute von Marsbewohnern fast in der gleichen Weise wie
von den Buschmännern Australiens oder wie von den Leuten im Sudan.
Dieses Interesse an dem »Mars und seinen Bewohnern« ist ein durchaus
begreifliches! Es hat seinen Grund darin, daß der Planet eine große
Ähnlichkeit mit unserer Erde zeigt, und zwar hinsichtlich seiner Größe,
seiner Oberflächenbeschaffenheit, seiner Tage, seiner Jahreszeiten,
seiner Meere, Festlande und Pole. Indes dies alles würde ihn nicht so
sehr in den Vordergrund gerückt haben, wenn nicht der im Jahre 1910
verstorbene, berühmte Mailänder Astronom Giovanni Schiaparelli die
ganze gebildete Welt, vor allem aber die Wissenschaft, im Jahre 1877
zum ersten Male, auf das höchst merkwürdige Netz von dunklen, geraden
Linien aufmerksam gemacht hätte, mit dem das ganze Marsland bedeckt
erschien. --
Der Planet Mars ist kleiner, als die Erde und die Venus; aber er ist
größer, als unser Mond und der Planet Merkur.
Alle fünfzehn Jahre kommt er uns einmal bis auf 55 Millionen Kilometer
nahe. Dann können wir in unseren großen Fernrohren eine Fülle von
Einzelheiten auf seiner, im roten Lichte strahlenden Scheibe erkennen.
Wir sehen zunächst, daß er einen Luftgürtel hat, der allerdings nicht
so hoch ist, wie der unsrige; aber das Spektroskop sagt uns von diesem
Luftgürtel des Mars, daß er ganz ähnlich zusammengesetzt ist, wie der
irdische. Er enthält vor allem Wasserstoff, den wichtigsten Bestandteil
unseres Wassers!
Der kleine Lichtzerleger, -- das Spektroskop, -- sagt uns ferner, daß
die Marsluft etwa derjenigen entspricht, in welche die Spitzen unserer
höchsten, irdischen Gebirge eingetaucht sind.
Die Atmosphäre dort ist also ungemein zart und lichtdünn! --
Im Teleskope sehen wir ferner zwei stark weißglänzende Flecken an den
beiden Polen des Planeten. Diese sind also genau so mit Eis umgeben,
wie die irdischen. Weiße Flecken erblicken wir ferner auch noch auf
dem Festlande des Mars. Wir schließen daraus, daß einzelne hohe Berge
vorhanden sind, die Gletscher tragen.
Oder diese weißen Stellen deuten auf den Niedergang von Neuschnee im
Marsherbste und -winter hin.
[Illustration:
~Tafel 8.~
Süden.
Norden.
Karte der Marsoberfläche.
(Gezeichnet von Ed. Antoniadi, -- Sternwarte zu Juvissy bei Paris.)]
Wir können im Teleskope außerdem noch eine Reihe dunkler Flächen
erkennen, wie auf den Hörnerspitzen der Venus und auf der lichten
Scheibe des Vollmondes. Diese dunklen Gebiete auf der roten Marsscheibe
nennen wir »Meere«, und wir erkennen bei näherem Zusehen, daß unser
Nachbar im Weltenraume viel weniger Wasser besitzt, als der Erdball.
Er hat keine offenen Ozeane mehr, sondern nur Binnenmeere, Seen und
Sümpfe. Solche Marsmeere sind das ~mare Cimmerium~ (das cimmerische
Meer) und das ~mare Erythraeum~ (das erythräische Meer). Ein Meerbusen
ist der ~sinus Sabaeus~ (der sabäische Meerbusen). Durch ihn geht der
Nullmeridian des Mars!