zunächst die sogenannte »umkehrende Schicht«. Auf sie folgt dann die
Farbenschicht oder die Chromosphäre. Diese wird deshalb so genannt,
weil sie zum großen Teile aus glühendem Wasserstoff besteht, der diese
gasige Schicht rot färbt.
Auf die Chromosphäre folgt die Korona.
Diese erst ist die äußerste Umrandung des Sonnenkörpers. Sie sieht
ganz unregelmäßig geformt aus, und ihre äußersten Grenzen lassen sich
nicht bestimmen, weil die Strahlenspitzen der Korona unmerklich in den
Weltenraum übergehen.
Das Spektroskop, das in diesem Buche schon mehrfach erwähnt wurde, sagt
uns, daß die Korona ein uns noch unbekanntes Gas enthält. Wir nennen
dieses das Koronium!
[Illustration:
~Tafel 5.~
Süden.
Norden.
Das Bild der vom Neumonde teilweise verfinsterten Sonne.
(Originalaufnahme. Photographiert in der Ebro-Sonnenwarte der Jesuiten
bei Tortosa in Spanien am 17. April 1912. Dem Verfasser des Buches
zugeeignete Photographie.)]
Für gewöhnlich ist die Korona für das bloße Auge nicht sichtbar! Wir
sehen sie mit dem bloßen Auge nur, wenn der Neumond bei einer
totalen Sonnenfinsternis das Licht des Zentralgestirnes völlig
abblendet.
Sie umgibt dann die völlig verdunkelte Sonne wie ein silberner
Glorienschein. Auch die Farbenschicht können wir für gewöhnlich mit
bloßem Auge nicht sehen.
Bei einer totalen Sonnenfinsternis umrandet auch sie als ein farbiger
Lichtring das völlig verdunkelte Tagesgestirn. Mit Hilfe eines
verfeinerten Spektroskopes (Spektralapparates), an das man die
photographische Platte anschraubt, kann man täglich, -- wenn die Sonne
sichtbar ist, -- die Farbenschicht und auch die aus ihr emporsteigenden
Flammenzungen erkennen und im Bilde festhalten.
Die rosafarbenen Flammenzungen nennen wir »Sonnenflammen oder
Protuberanzen«. Sie steigen oft bis zu einer Höhe von 500000 ~km~ über
den Sonnenrand empor. Bald sehen sie aus wie Wolken, bald wie der
Rauchschwanz aus dem Schornstein einer dahinfahrenden Lokomotive, bald
wie Getreidegarben und bald wieder wie lange schmale Schilfblätter.
Sie bestehen entweder aus glühendem Wasserstoff oder aus glühenden,
metallischen Dämpfen. Alle Metalle, die wir auf Erden in fester Form
kennen, befinden sich auf der Sonne in glühendem oder gasigem Zustande.
Auch die Sonnenflammen oder Protuberanzen deuten auf heftige,
stürmische Vorgänge hin; die wir auf der Sonne und in ihrem Innern
schon kennen lernten! --
Wenn der Neumond sich einmal so zwischen Erde und Sonne stellt, daß
er das Licht der letzteren für uns vollständig abblendet, dann haben
bestimmte Orte auf der Erde das großartige Schauspiel einer totalen
Sonnenfinsternis! Diese gehört zu den schönsten Erscheinungen, die uns
die Natur am Firmamente zu bieten vermag!
Ist am klaren Tage der Augenblick der Verfinsterung gekommen, dann
sehen wir, wie der Neumond sich unmerklich von Westen her gegen die
Sonnenscheibe schiebt. Er macht in den Rand derselben zunächst eine
kleine Einkerbung. Diese wird immer größer, und das Tagesgestirn nimmt
infolgedessen eine Sichelform an. Letztere wird immer schmaler, je
weiter die Verfinsterung fortschreitet. Infolgedessen machen sich
auch gewisse Erscheinungen in der Luft und auf Erden bemerkbar. Das
Firmament nimmt eine grünliche Färbung an. Ein kühler Wind erhebt sich.
Dieser wird immer stärker. Die Temperatur sinkt um mehrere Grade. Die
Blumen neigen ihre Köpfchen und fangen an zu schlafen. Die Tiere des
Waldes und Feldes suchen kreischend ihre Schlupfwinkel auf. Die Vögel
flattern ängstlich umher und in ihre Nester. Auch des Menschen Herz
umfängt ein leichter Schauer! Aus der Höhe stürzen sich die sogenannten
»fliegenden Schatten« auf den Erdboden herab. Sie huschen auf ihm hin
und an Häusern und Mauern entlang!
Plötzlich ist der letzte Sonnenstrahl erloschen! Der Neumond bedeckt
völlig die Scheibe der Sonne! In diesem Augenblicke flammt jener
silberne Glorienschein, den wir Korona nannten, um die abgeblendete
Sonne herum auf. In ihm steigen die rosafarbenen Flammenzungen empor,
die wir als »Protuberanzen« kennen lernten.
Nur wenige Sekunden dauert dieses wundervolle Schauspiel, dann kommt am
westlichen Rande der erste Sonnenstrahl wieder zum Vorschein. Die Sonne
nimmt wieder eine Sichelgestalt an. Diese wird immer größer, bis die
volle Scheibe des Tagesgestirnes endlich am klaren Firmamente hängt.
Der Neumond hat die Sonne unmerklich verlassen!
Außer den totalen (völligen) Verfinsterungen unseres Zentralgestirnes
kennen wir noch partielle (teilweise) und ringförmige. Die teilweisen
entstehen dann, wenn der Neumond nur einen Teil der Sonnenscheibe
bedeckt, und die ringförmigen, wenn der Begleiter der Erde sich vor
unser Tagesgestirn so stellt, daß um ihn herum von der Sonne noch ein
feiner Lichtring übrig bleibt.
Teilweise Verfinsterungen des Sonnenballes treten öfters ein, und
zwar für einen großen Teil der Erdbewohner. Totale und ringförmige
Finsternisse hingegen sind schon seltener!
Eigentlich müßten wir bei jedem Neumonde eine totale Sonnenfinsternis
haben. Das dies aber nicht geschieht, liegt daran, weil der Mond
nicht immer genau auf der gedachten Linie steht, die Sonnen- und
Erdmittelpunkt miteinander verbindet. Er geht nämlich einmal ein
Stückchen oberhalb und einmal ein Stückchen unterhalb dieser gedachten
Linie an unserem Tagesgestirne vorbei.
Teilweise Verfinsterungen der Sonne dauern für bestimmte Erdorte
mehrere Stunden. Eine ringförmige und totale Verfinsterung des
Zentralgestirnes aber dauert für einen bestimmten Ort auf der Erde nur
kurze Zeit, allerhöchstens acht Minuten!
Unsere Sonne ist von der Erde zwanzig Millionen Meilen entfernt. Von
der Länge dieses Weges vermögen wir uns keinen rechten Begriff zu
machen. Wir wählen deshalb einige Beispiele! Ein Fußgänger, der täglich
zehn Meilen Weges zurücklegte, würde 6000 Jahre brauchen, ehe er auf
unserer Sonne ankäme. Ein Eilzug, der in der Stunde 90 ~km~ fährt,
müßte in unaufhörlicher Fahrt zweihundert Jahre auf eiserner Bahn
dahineilen, wollte er den Bahnhof »Sonne« erreichen.
Ungeheuer groß ist auch die Leuchtkraft (die Hitze), welche die Sonne
in ihrer Strahlung Tag für Tag in den Raum aussendet. Wir haben diese
Licht- und Wärmemenge, welche die Sonne täglich auch an unsere Erde
abgibt, gemessen und gefunden, daß sie 1600 Trillionen Pferdekräfte
beträgt. Wenn wir die Licht- und Wärmemenge unseres Tagesgestirnes in
Arbeitsleistung umwandeln, dann ergibt sich, daß jeder Quadratmeter
Sonnenoberfläche in einer Sekunde eine Wärme ausstrahlt, die in
Arbeitsleistung übertragen, der von 75000 Pferden in der gleichen Zeit
entspricht.
Die Lichtmenge eines Quadratmeters Sonnenoberfläche leistet also in
einer Sekunde ebensoviel Arbeit, wie 75000 Pferde in einer Sekunde! Man
fängt zur Zeit an, diese enorme Kraft der Sonne technisch auszunützen,
indem man gewaltige Sonnenmotore konstruiert und ihr so die Kraft
entlehnt.
Von der Größe unseres Tagesgestirnes können wir uns gleichfalls keinen
richtigen Begriff machen!
Wenn wir hören, daß man aus dem Sonnenkörper über eine Million Erdbälle
formen könnte, dann schütteln wir wohl erstaunt den Kopf; aber es ist
so! Wir wählen deshalb auch in diesem Falle ein Beispiel!
Wir denken uns die Sonne als eine Hohlkugel. In die Mitte
dieser stellen wir die Erde. Wir werden später hören, daß der
Mond 50000 Meilen von unserer Erde entfernt ist. Im Innern der
Sonnenhohlkugel aber könnte er bequem um unsere Erde kreisen, ja es
könnte sogar noch ein zweiter Mond die Erde umwandern. Er müßte von
unserem Monde weitere 45000 Meilen entfernt sein. --
Unsere Vorfahren im Altertume glaubten, daß die Erde fest im
Weltenraume stünde, und die Sonne sich um dieselbe herumdrehe. Der
Frauenburger Domherr, Nikolaus Kopernikus, hat diese irrige Ansicht
richtig gestellt. Er wies nämlich auf Grund seiner Beobachtungen nach,
daß die Sonne still stehe, und daß die Erde und alle übrigen Planeten
unseres Sonnensystems um sie kreisen. In moderner Zeit hat man dann
noch gefunden, daß die Sonne überhaupt nicht still stehe, sondern sich
mit einer Schnelligkeit von neunzehn Kilometern in der Sekunde durch
den Weltenraum bewege. Sie eilt mit ihren Planeten nach dem Sternbilde
des »Herkules« hin.
Auf dem Wege dahin oder in diesem Sternbilde wird unser Tagesgestirn
einmal auch sein Ende finden!
Unter ihren Schwestern, -- den anderen Sonnen am Firmamente, --
nimmt die unsrige eine Ausnahmestellung ein. Man hat gefunden, daß
die meisten Sonnen Doppelsterne sind, d. h., daß immer zwei Sonnen
umeinander kreisen, daß also, wenn sich um diese zwei Sonnen noch
Planeten drehen, letztere ihr Licht von zwei Sonnen empfangen. --
In unserer engeren Weltheimat aber herrscht nur eine Sonne, -- die
unsrige. Unser Sonnenreich wird also, irdisch gesprochen, monarchisch
verwaltet!
Die moderne Sonnenforschung nimmt an, daß das Tagesgestirn einen festen
Kern besitze, um den sich feurigflüssige und gasige Hüllen legen. Wir
können deren äußerste Teile sehen.
Dieser Sonnenkern wird allerdings nicht aus festen Gesteins- und
metallischen Massen gebildet, sondern aus Gasmassen. Diese nehmen unter
dem ungeheueren Drucke, der auf ihnen ruht, die Starre des Glaserkittes
an.
Die moderne Astrophysik (das ist der Zweig der Astronomie, der sich mit
der Physik der Gestirne beschäftigt) weiß aus dem Leben unserer Sonne
sehr viel; aber noch mehr ist unserer Erkenntnis verborgen und einer
späteren Zeit vorbehalten.
In der Gegenwart spielt auf dem Gebiete der Sonnenforschung die
Photographie eine große Rolle.
Der lichtempfindlichen Platte verdanken wir ungeheuer viel, wie auf
allen übrigen Gebieten der Himmelsforschung. Sie sieht mehr als unser
Auge und ermüdet nicht so leicht, als dieses, -- im Gegenteil, je
länger wir die Kamera auf einen Gegenstand am Himmel richten, umso mehr
Einzelheiten verrät sie uns.
Der Astronom photographiert Gestirne in der Weise, daß er an sein
Fernrohr, und zwar an die Stelle, an die er sonst sein Auge hält,
-- man nennt dieses Fernrohrende das Okular, -- die Kasette mit
der lichtempfindlichen Platte bringt. Diese wird an das Okularende
angeschraubt. Der Astronom richtet nun das so ausgerüstete Fernrohr
auf die Sonne. Weil diese aber ungeheuer viel Licht aussendet, viel
mehr als zu einem guten Bilde von ihr nötig ist, so muß man noch eine
Vorrichtung am Teleskope anbringen, damit die Platte nicht verdorben
wird.
Der Astronom setzt deshalb vor die lichtempfindliche Platte eine
zweite, die dunkel ist und feine geradlinige Einschnitte enthält.
Man nennt diese Platte einen Schlitzverschluß! Während der
photographierende Astronom die Kasette mit der photographischen Platte
öffnet, bringt er den Schlitzverschluß in eine sehr rasche Drehung.
Dadurch wird es ermöglicht, daß nur so viel Sonnenlicht auf die
lichtempfindliche Platte durch die Einschnitte im »Schlitzverschlusse«
gelangt, als zur Erzeugung eines guten Sonnenbildes erforderlich ist.
Um die Sonne herum liegt auch noch ein Ring von feinen Stäubchen, aus
Weltenstoff. Das vom Tagesgestirne ausgehende Licht bestrahlt diesen
Staubring. Er erscheint uns deshalb am Firmamente, und zwar als ein
pyramidenförmiger Lichtkegel. Wir nennen diesen Schein Tierkreis- oder
Zodiakallicht, weil er sich durch die Sternbilder des Tierkreises oder
des Zodiakus erstreckt. --
In den ersten beiden Monaten des Jahres sehen wir diesen Lichtkegel
bald nach Sonnenuntergang im Westen, im Spätherbste aber vor
Sonnenaufgang im Osten. Von dem Lichtkegel (dem Hauptscheine) geht
dann noch in der entgegengesetzten Richtung ein Gegenschein aus, so
daß Tierkreislicht (Hauptschein) und Gegenschein den östlichen und
westlichen Horizont miteinander verbinden.
[Illustration:
~Tafel 6.~
Die Sonnenwarte auf dem Mount-Wilson bei Pasadena (U. S. A.).
(Eine Stiftung Andrew Carnegies, des bekannten Menschenfreundes
und Multimillionärs. -- In dem eigenartigen Gebäude ist das große
Snow-Teleskop untergebracht.)]
Auf hohen Bergen und in den Tropen sieht man den zarten Lichtkegel in
jeder Nacht. Er leuchtet dann oft so stark wie die Milchstraße.
Das Tierkreislicht stellt, -- nach allem, was wir bis zur Stunde von
ihm wissen, -- den Überrest des Urnebels dar, aus dem Sonne, Planeten
und Monde einst wurden. Es reicht mit seinen äußersten Ausläufern
weit über die Bahn des Planeten Mars hinaus, so daß Merkur, Venus,
Erde und auch Mars, die der Sonne am nächsten stehenden Planeten, --
in diese Staubwolke noch eingehüllt sind. Man nimmt an, daß größere
Teilchen des Zodiakallichtes einst auf den Mond niederschlugen, und
zwar zu einer Zeit, als er noch zähflüssig war. Sie schufen so einen
Teil jener Pockennarben, die wir im Fernrohre heute überall auf seiner
Oberfläche erkennen können. Ferner nimmt man noch an, daß die Materie
des Zodiakallichtes einst auch Anteil genommen hat an der Bildung der
kleinen Planeten, die in der großen Lücke zwischen dem Mars und dem
Jupiter um die Sonne kreisen.
Um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts glaubte man, daß zwischen der
Sonne und dem sonnennahesten Planeten Merkur noch ein Planet um jene
wandere, -- ein sogenannter intramerkurieller. Man hat diesem, bisher
noch nicht entdeckten Planeten schon den Namen Vulkan gegeben. --
Alle Versuche, ihn mit dem Fernrohre und mit der photographischen
Platte aufzufinden, sind bisher mißlungen. Man neigt deshalb der
Ansicht zu, daß dieser Planet überhaupt nicht existiert. Sein Dasein
hat man daraus folgern wollen, daß Merkur in seiner Wanderung um die
Sonne gewisse Verzögerungen, die man Störungen nennt, erleidet. Heute
glaubt man in astronomischen Fachkreisen aber fast allgemein, daß an
diesen Störungen nicht ein Planet zwischen Merkur und Sonne schuld ist,
sondern der Staubring des Tierkreislichtes. Merkur muß auf seiner Bahn
um die Sonne herum durch diesen Staubring hindurch und ihm wird dadurch
ein, wenn auch ganz unmerklicher, aber doch bedeutsamer Widerstand
entgegengesetzt. Vielleicht bildet sich in der Folgezeit aus der
Staubwolke des Tierkreislichtes einmal ein intramerkurieller Planet! --
B. Die Welt der Planeten!
»Ein kleines Wörtlein sprach Gott aus,
Klein unter alle Maßen:
Da spranget ihr aus nichts heraus
Auf die bestimmten Straßen.
Auf diesen laufet ihr nun fort
Und webet uns die Zeiten,
Und unaufhörlich helft ihr dort
Uns Tag und Nacht bereiten!« -- (F. Spee.)
Unsere große Sonne umwandern in fast kreisförmigen Bahnen acht Planeten!
Sie heißen: »Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und
Neptun!«
Zwischen dem Mars und dem Jupiter bewegen sich, wie schon erwähnt
wurde, noch eine große Anzahl von kleinen Körpern. Wir nennen sie
kleine Planeten, Planetoiden oder Asteroiden.
Ebenso, wie die Namen der Wochentage sind auch die der Planeten aus
alter Zeit auf uns herübergekommen.
In der Regel teilt man die sieben Körper, welche mit unserer Erde zu
unserem Sonnensystem gehören, in zwei große Klassen ein, nämlich in
innere und äußere Planeten. Zu den ersteren gehören Merkur und Venus.
Zu den äußeren aber zählt man den Mars, den Jupiter, den Saturn, den
Uranus und den Neptun.
Der sonnennaheste Planet ist
der Merkur.
Er beschreibt um die Sonne herum eine kleine Bahn und braucht für diese
seine Wanderung 88 Tage. Ein Merkurjahr dauert also nur solange. Der
Planet ist viel kleiner, als unsere Erde; aber er ist größer als der
Erdmond.
Von seiner Oberfläche sehen wir nur sehr wenig, denn einmal steht er
so nahe bei der Sonne, daß sie ihn fast immer in ihren Strahlenmantel
einhüllt; das anderemal aber wendet er ihr, wie die jüngeren
Beobachtungen dargetan haben, stets nur die eine Seite zu.
Ob der Merkur eine Atmosphäre, -- also einen Luftgürtel, -- wie ihn die
Erde besitzt, hat, wissen wir nicht genau.
Ein Teil der Forscher nimmt an, daß der Planet eine sehr hohe und
dichte Atmosphäre habe; andere Beobachter wieder sprechen ihm den
Luftgürtel ab.
Merkur hat keinen Mond. Wir könnten den Planeten eher einen »Mond der
Sonne« nennen. Von dieser ist er acht Millionen Meilen entfernt. Der
Planet ist ähnlich wie unser Mond, einem Phasenwechsel unterworfen. Wir
sehen ihn also einmal als eine schmale Sichel im ersten und im letzten
Viertel, das anderemal als vollbeleuchtete Scheibe und endlich gar
nicht.
Die Venus.
Sie ist das schönste Gestirn an unserem Firmamente. Wir sehen sie bald
am östlichen Horizonte, und zwar vor Sonnenaufgang, bald am westlichen
Himmel und dann nach Sonnenuntergang. Im erstgenannten Falle ist sie
unser Morgenstern, im anderen unser Abendstern!
Ihr goldgelbes und starkes Licht hat zu allen Zeiten die Aufmerksamkeit
der Menschen auf sich gelenkt.
Im Altertume war der Planet der Göttin Venus geweiht und im Mittelalter
der Jungfrau Maria. Er ist der »Dunkelstern der deutschen Dichter« und
das Gestirn der Hirten.
Die Venus ist fast so groß wie unsere Erde, also größer als der Planet
Merkur und unser Mond.
Sie ist ebenfalls einem Phasenwechsel unterworfen.
Von der Sonne ist sie 14 Millionen Meilen entfernt und umwandert sie
in 225 Tagen. Ein Venusjahr ist also über 100 Tage kürzer, als ein
irdisches.
Über die Dauer der Tageslänge sind sich die Astronomen noch nicht
einig. Die einen behaupten, daß ein Venustag gleich einem Venusjahre,
also 225 irdische Tage lang sei. Hierbei gibt man der Vermutung Raum,
daß der Planet die Drehung um seine Achse verlangsamt habe.
Die anderen Forscher aber erklären, daß die Venus zu der Drehung um
ihre Achse 24 Stunden brauche, daß also ein Venustag die Länge eines
irdischen habe.
Diese Annahme wird durch die neuesten Beobachtungen eines Astronomen
der Sternwarte zu Pulkowa bei St. Petersburg, -- mit Namen Belopolsky,
-- bestätigt. Man hat den Planeten Venus mit dem Spektroskop untersucht
und dabei gefunden, daß er eine hohe und dichte Lufthülle besitzt.
Diese ist so dicht, daß wir mit unseren Teleskopen nicht allzutief
in sie einzudringen vermögen. Infolgedessen sehen wir auch fast gar
nichts von der Oberfläche des Planeten. Die Flecken, die man auf den
Hörnerspitzen seiner Sichel hat beobachten können, deuten wohl mehr auf
Wolken in seiner Lufthülle hin, als auf Festlande und Meere auf seiner
Oberfläche.
Die Beobachtungen, die wir von dem Planeten Venus bisher gewonnen
haben, sagen, daß die Atmosphäre jener Welt deshalb wohl so dicht und
etwas anders, als die unsrige, zusammengesetzt ist, damit die Strahlen
der nur 14 Millionen Meilen von ihm entfernten Sonne nicht allzusehr in
seinen Luftgürtel eindringen. Auf diese Weise wäre es möglich, daß das
Klima auf jenem Gestirne dem irdischen entspräche. Nach allem, was wir
vom »Schwestergestirne der Erde« wissen, dürfen wir annehmen, daß es
fast so groß wie unsere Erde ist, daß es Tag und Nacht besitzt, daß die
Tage und Nächte dort ebenso lange dauern, als die unsrigen, und daß
auch die Venus sicher Festlande, Gebirge und Meere hat wie die Erde.
Unsere Nachbarwelt kann mit Lebewesen bewohnt sein! Diese Wesen können
uns Menschen ähnlich sein. Man hat dieses Bewohntsein jener Kugel
sogar aus Beobachtungen schließen wollen. Wenn die Venus nämlich als
schmale Sichel am Firmamente hängt, dann sehen wir ihren übrigen, --
nicht von der Sonne beleuchteten Teil ihrer Scheibe, -- in mattes Licht
eingehüllt. Er ist in eine Art »Phosphoreszenz« getaucht, -- in einen
Lichtschimmer, -- von dem wir bei der Besprechung der Nebelflecken
bereits erfuhren. Dieser seltsame und uns noch ganz rätselhafte Schein,
den wir auf jenem Planeten gewahren können, nennt der Astronom das
»sekundäre Venuslicht«! Wir werden später bei der Beschreibung unseres
Mondes etwas Ähnliches kennen lernen, -- nämlich das »sekundäre
Mondlicht«! Dieses hat aber eine ganz andere Entstehungsursache als
das »sekundäre Venuslicht«. Um das letztere zu erklären, hat man
angenommen, daß die Wesen auf dem »Schwestergestirne der Erde« den
Pflanzenwuchs der großen Steppen dort zeitweilig anzündeten, daß man
diesen Feuerschein bei uns auf Erden im Fernrohre sehen könne und ihn
als »sekundäres Licht« deute.
Andere Astronomen glauben, daß die Oberfläche des Planeten teilweise
mit einem Gestein bedeckt sei, das ähnlich unserem Bergkristall
das Licht der Sonne stark breche. Diese Lichtbrechung vermögen wir
in unseren Teleskopen als »sekundäres Licht« zu erkennen. Wieder
andere Himmelsforscher behaupten, daß dieser Lichtschein von starken
Polarlichtern herrühre, und diese Erklärung scheint die annehmbarste
von allen zu sein, denn sie läßt sich noch auf eine andere Weise
stützen.
Ist die Sonne nämlich reichlich mit Flecken bedeckt, dann flammen an
den Polen unserer Erde prachtvolle Nordlichter auf. Die Beobachtungen
haben nun gezeigt, daß das »sekundäre Venuslicht« auch stets stärker
schimmert, wenn viele Flecken auf der lichten Scheibe der Sonne
sich befinden. Das »sekundäre Venuslicht« kann also sehr wohl von
Polarlichtern herrühren.
Der Planet hat keinen Mond, obgleich man eine Zeitlang dies annahm. Er
ist also, -- wie der Merkur, -- ein »Mond unserer Sonne«!
Manchmal kommt es vor, daß die Venus als ein kleines, schwarzes
Scheibchen über die Scheibe der Sonne hinwegzieht. Wir können dies
mit unseren Fernrohren erkennen und nennen einen solchen Vorübergang
des Planeten an unserem Tagesgestirn einen »Venusdurchgang«. Diese
Venusdurchgänge sind überaus selten. Kaum zwei ereignen sich in einem
Jahrhundert!
Sie bieten dem rechnenden Astronomen aber ein sehr willkommenes
Hilfsmittel, um die genaue Entfernung unseres Zentralgestirnes von der
Erde zu bestimmen.
Die Erde.
Wenige Menschen denken über die Bedeutung des Planeten, auf dem wir
wohnen, und über seine Stellung im Weltenraume nach. Sie gehen Tag für
Tag auf ihm ihren Geschäften nach, freuen sich ihres Daseins oder sind
traurig über so manches, das ihren Wünschen zuwider ging. So geht die
Zeit dahin und mit ihr werden wir alt und gehen selbst aus dieser Welt.
Tausende von Menschen verließen sterbend die Erde, ohne zu wissen und
zu erfahren, daß sie nichts anderes, als ein Stern unter den anderen am
Himmel ist. Als solcher gehört sie zunächst zum großen Reiche unserer
Sonne. Sie ist ein Planet und umwandelt den Sonnenball in 365 Tagen.
Wir nennen diesen Zeitraum ein Jahr!
Wir haben früher schon bei der Beantwortung der Frage: »Wie mögen die
Sternenwelten entstanden sein?« gehört, daß unsere Erde einst selbst
eine kleine Sonne, -- ein leuchtender Stern, -- war, daß sie sich
aber im Laufe langer Zeiten allmählich abkühlte und endlich ein Planet
wurde. Als solcher nahm sie den Zustand an, in dem wir sie heute um die
Sonne herum schweben sehen.
Trotzdem sie erkaltet und dunkel geworden ist, sendet sie doch noch
Licht in den Raum hinaus, und könnten wir uns im Geiste einmal auf
unsere Nachbarwelt, -- den Mond, -- versetzen, dann würden wir sehen,
daß unsere Erde als leuchtender Stern am Firmamente des Mondes hängt.
Dies ist aber nur aus dem Grunde möglich, weil unser Planet sein Licht
von der Sonne erhält. Die Erde erstrahlt als »Mond unseres Mondes« in
rotem Lichte.
Alle Planeten unseres Sonnenreiches, -- also auch die Erde, leuchten in
solchem, von unserer Sonne entlehnten Lichte. Auch unser Mond und alle
anderen Monde, die wir in unserem Sonnensystem kennen, empfangen ihr
Licht von der Sonne. Nur dadurch werden sie für unser Auge sichtbar!
Unsere Erde ist eine an den Polen abgeplattete Kugel. Bei dem Planeten
Merkur und Venus hat man eine solche Abplattung an den Polen noch nicht
einwandsfrei feststellen können; aber man nimmt trotzdem an, daß beide
abgeplattet sind, weil auch die anderen Planeten unseres Sonnenreiches
diese Abplattung an den Polen zeigen.