Der ganze Nebel schimmert in grünlichem Lichte, und das klei

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Buches.

Was mir das Sternenlicht erzählt!

Eine populäre

Himmelskunde

für die Jugend

von

Felix Erber

Mit 14 Abbildungen

[Illustration]

Langensalza 1914 ·· Hermann Beyer & Söhne

(Beyer & Mann) Herzogl. Sächs. Hofbuchhändler

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Übersetzung in eine andere

Sprache, vorbehalten.

Nachdruck wird gerichtlich verfolgt.

~Copyright by~

Hermann Beyer & Söhne (Beyer & Mann)

Herzogl. sächs. Hofbuchhändler in Langensalza.

[Illustration:

~Tafel 1.~

Das photographische Doppelfernrohr des astrochemischen und

-physikalischen Laboratoriums der Technischen Hochschule zu

Charlottenburg.]

Seiner Hochwürden,

Herrn Gymnasialoberlehrer, Geistlichen Rat,

Professor Maliske,

seinem hochverehrten Religionslehrer,

in Dankbarkeit zugeeignet

vom

Verfasser.

Meine Leser!

»Wer Gott in allem sieht, der fühlt den seligen Herzschlag

des Unendlichen, den niemand beschreiben kann!«

Einmal in jedem Jahre, -- wenn der Spätsommer wieder ins Land will und

auf den Gehängen der Glatzer Berge die Getreidefelder reifen, suche ich

meine Jugendheimat auf! --

Am letzten Nachmittage meines Dortseins gehe ich stets in einen großen

Garten, der hinter den alten Festungsmauern der Stadt Glatz auf einer

kleinen Anhöhe gelegen ist.

Von dieser aus genießt man einen prachtvollen Fernblick auf die

südwestlichen Berge des Ländchens.

Sinnend bleibe ich lange stehen und blicke hinüber zu ihnen, denn am

Fuße jener Berge liegt die Stätte meiner Geburt, ruhen all' die Träume

einer seligen Kinderzeit.

Habe ich mich satt genug gesehen am Blau meiner heimatlichen Berge,

habe ich lange genug geträumt vom Glücke und vom inneren Frieden längst

verklungener Tage und Jahre, dann trete ich in den großen Garten ein,

der die Anhöhe ziert.

Mit zahllosen Hügeln ist er übersät, von denen viele kahl sind, viele

aber das Grün des Waldes und die sommerliche Blütenpracht der Flur

tragen! Diese Hügel, die sich hier eng aneinanderreihen, sind -- die

Bergspitzen einer anderen Welt!

Nur zwei von ihnen gilt mein Aufenthalt an dieser Stätte, nur zwei von

ihnen habe ich in mein fühlendes Herz geschlossen! --

Unter dem einen Hügel schläft mein toter Vater den ewigen Schlaf, und

wenn ich an diesem Hügel stehe, dann zieht eine unsichtbare Hand leise

den Schleier fort, der die Tage der Kindheit, die Träume der Jugend

verhüllt. Ihm, der unter dem grünen Rasen ruht, danke ich es, daß er

die Begeisterung für die Schönheiten in der Natur in mir, dem Kinde, zu

fördern und zu immer größerer Glut zu entfachen verstand. Nicht vieles,

sondern viel ließ er mich, -- den regen Geist, -- darüber lesen, und er

zeigte mir manches, was ich in kindlichem Unverstande draußen in der

Welt nicht zu begreifen vermochte.

Meine Gedanken eilen zu ihm hinüber ins Jenseits, das uns Lebende von

den Toten trennt, und meine Seele flüstert ihm zu, daß seine Mühe und

seine Lehren nicht vergeblich waren.

Und nun trete ich zu dem anderen, mit Blumen und sattem Grün

geschmückten Hügel. Auch er deckt einen mir lieben Toten, -- meinen

alten naturwissenschaftlichen Lehrer auf dem Gymnasium zu Glatz.

Er war es, der zu uns Schülern einmal sagte, daß jene geheimnisvolle

Macht, die in das Getriebe der Welt und auch in das Räderwerk unseres

Daseins weisheitsvoll hineingreift und die wir »göttliche Vorsehung«

nennen, jeden im Leben an den rechten Platz stellt, -- ob früh oder

spät. Er war es, der durch die Art seines Lehrvortrages und durch das

»Wie er uns in die Geheimnisse der Natur« einführte, jene unbegrenzte

Liebe zu ihr auch in mir entfachte, die mich bis zur Stunde nicht

verlassen hat und mich auch bis an mein Lebensende niemals verlassen

wird.

An diesem Grabe steigt immer, wie ein hoher Schein, vor meiner Seele

eine Stunde auf, die im physikalischen Kabinett des Glatzer Gymnasiums

einst verfloß. Dort sagte mir mein Lehrer: »Die vornehmste Aufgabe des

Naturforschers, -- vielleicht wirst auch Du einmal ein solcher, -- ist

die, der Menschheit das zu geben, was Du in der Natur als richtig

erkannt hast! Wer die Schönheiten der Natur dem Volke so mitteilt, wie

er sie in seiner Seele empfindet, der steht auf einer ebenso hohen

Kanzel als der Priester!« --

Diese Worte meines Lehrers sind in jener Stunde mit unvergänglichen

Lettern in meine Seele geschrieben worden, und ich werde nicht müde

werden, -- da mich die Vorsehung an den rechten Platz gestellt hat,

-- den Lesern meiner Schriften, vor allem aber der Jugend das mit

Freude und Begeisterung mitzuteilen, was ich in meiner Seele draußen im

unergründlichen All und in seiner erhabenen Schönheit empfinde.

Als darum der Verlag an mich die Aufforderung richtete, ein Büchlein

über den »Sternenhimmel für die Jugend«, -- die begeisterungsfähige, --

zu schreiben, da habe ich mit Freuden zugesagt -- und auf jeder Seite

des Buches mich bemüht, nur das _Schöne und das Unendliche_, das die

»Welt der Gestirne« umgibt, in den Vordergrund treten zu lassen!

Ich wäre glücklich, würden alle Leser mit dem Inhalt dieses Büchleins

zufrieden sein, würden sie durch dasselbe _die_ Anregungen erhalten,

die ich ihnen so gern geben möchte!

Das »Licht der Sterne«, das vom Himmel herab in die Nacht der

menschlichen Sorgen und Kümmernisse fällt, es erzählt uns so viel, --

unendlich viel mehr, als ich hier sagen durfte. Es erzählt uns von der

Ewigkeit, die das Gewand der Gottheit ist, und von den unermeßlichen

Räumen, in denen die Sterne schweben, -- die heiligen Leuchten im Hause

des gütigen Schöpfers!

»Brüder, über'm Sternenzelt

muß ein ein guter Vater wohnen!« --

Nichts in der Natur vermag den Menschen, der Gott nicht sehen kann und

will, von dessen Dasein so zu überzeugen, als der mit Sternen besäte

Himmel. An diesen Lichtern, die auf dem Pfade zur Ewigkeit stehen,

schleicht der menschliche Geist mit seinen Zweifeln entlang, bis er

an die Stelle kommt, wo sein Zweifeln und sein Grübeln zerrinnt, wo

er sich sagen muß: »Entweder ist alles, was mir das Licht der Sterne

offenbart, Unsinn, oder es muß ein höheres Wesen, -- ein Gott, -- da

sein, der alle die Wunder und Rätsel schuf, die dem Himmelsforscher auf

jeden Schritt in jenen Tiefen und Räumen begegnen!« --

Die Sterne am Himmel, sie sind die großen Zeiger, die uns den Weg zu

Gott, -- dem Schöpfer des Firmamentes, weisen!

_Alt-Batzdorf_ (in der Grafschaft Glatz),

den 25. Februar 1914.

=Felix Erber.=

[Illustration]

Erstes Kapitel.

Wie mögen die Sternenwelten entstanden sein?

»Es ist nicht die ganze Welt, o Mensch, die Du siehst, und

was Du fühlst und erkennst, ist nur die Oberfläche der

Dinge!« --

(Psalmen des Westens.)

Zu den weihevollsten Stunden meines Lebens gehört eine, die mich einst

vor jenes wundervolle Gemälde Rafaels führte, auf welchem der Meister

den Schöpfer darstellt, wie er die flammenden Sonnen formt und sie

hinaus in den Raum wirft! --

Lange habe ich vor diesem herrlichen Bilde gestanden und mich in

den Gedankengang des genialen Malers vertieft, der die Seele des

Bewunderers bis an den Uranfang der Zeiten zurückführt, und sie einen

Blick hinein werfen läßt -- in die Werkstatt Gottes!

Welche erhabene und großartige Tat einer uns ganz unfaßbaren Allmacht

ist in diesem Gemälde Rafaels doch zum Ausdruck gebracht, -- die

Erschaffung der Welt, der sichtbaren nämlich, mit allem, was in ihr

ist, -- der Welt, in der auch wir leben und weben. Wer von uns das

Salzbergwerk zu Wieliczka bei Krakau besuchte, der wird staunend durch

die langen Gänge und Stollen gewandert sein, deren mit Salz bedeckte

Wände im Strahle der Grubenlampe in allen Farben erglühen. Kristall

hat sich hier zu Kristall gesellt, um in Jahrtausende langer Arbeit

diese grotesken und gigantischen Gebilde zu schaffen, die das Herz des

Besuchers dieser Stätte mit Freude und Entzücken erfüllen!

Aus der Ostsee ragen hoch die Kreidefelsen Rügens empor, und seit

Jahrtausenden schon tönt zu ihnen herauf das »Lied der Welle«, das dem

Kundigen in der Natur so manches Geheimnis des Meeres offenbart. Dieses

Lied erzählt uns, daß die Kreidefelsen der Insel Rügen sich nach und

nach aus mikroskopisch kleinen Skeletten von winzigen Stabtierchen

(Diatomeen) aufbauten. Wir schütteln den Kopf über eine solche

Riesenarbeit und vermögen kaum zu fassen, wie das geschehen konnte.

Welche Zeit war zum Aufbau dieser Kreidefelsen doch nötig, und wie

viele Milliarden Skelette waren dazu erforderlich!

Wir stehen vor einem Bienenstock und betrachten die kleinen Tierchen

bei ihrer mühsamen Arbeit. Unermüdlich fügen sie, -- kunstgeübt, --

Zelle an Zelle und fertigen so die Waben an, in die sie den süßen Honig

legen.

Wir essen ihn und wie wenige mögen dabei an die Kunstfertigkeit und

die Arbeit denken, die die Bereitung der köstlichen Speise den kleinen

Bienen macht und die sie hierbei leisten müssen!

Eine große Bücherei birgt tausende von Büchern!

Welche Fülle von Wissen, von Zeit, Arbeitskraft und Mühe steckt

in allen diesen Werken, die oft zu dem Bedeutendsten gehören, was

menschlicher Geist hervorzubringen vermochte.

Wie wenige erinnern sich daran, sondern staunen nur die Unmenge der

Bände an, die hier aneinandergereiht in den Fächern und Regalen

stehen. --

Wir bewundern die Kunstwerke unserer Maler und Bildhauer, die in

ihnen die Schönheit der Natur nachzuahmen versuchten; aber noch weit

großartiger als alles, was Kristall, Pflanze, Tier und Mensch zu

schaffen vermochten und noch vermögen werden, ist das, was Gott einst

getan hat, als er die Weltenkörper ins Dasein rief! --

Kristall, Pflanze, Tier und Mensch sind in ihrem Tun und Handeln

erfüllt von jenem großen: »Es werde!«, das der Schöpfer einst in den

weiten Weltenraum hinausrief!

An jenes Einst, -- also an den Uranfang der Zeiten, -- wollen wir uns

einmal in Gedanken zurückversetzen! --

Über Gott und die Absichten nachzugrübeln, die er hatte, als er die

sichtbare Welt erschuf, wäre ein eitles Unterfangen, wäre Vermessenheit

und Torheit!

Töricht wäre es auch, wollten wir behaupten, wir wüßten genau, wie Gott

die sichtbare Welt erschaffen hat. Dieses »Wie« wird ewig den Schleier

des Geheimnisses tragen! --

Wohl aber dürfen wir Vermutungen darüber äußern! Wir dürfen sagen:

»Gott kann die für uns sichtbare Welt in dieser oder in jener Weise

geschaffen haben!« Ob das aber so ist, das wissen wir nicht! Das, was

wir mit unseren wissenschaftlichen Hilfsmitteln vom Firmamente ablesen,

und das, was uns das Leuchten der Sterne am Himmel verrät, lassen

diesen oder jenen Schluß zu! --

Unsere Vorfahren, -- die alten Sterndeuter in Babylon, die

sternkundigen Priester der Ägypter, die Weisen Griechenlands und Roms,

die Philosophen des Mittelalters, -- haben sich um das: »Wie die Welt

entstanden ist« nicht allzuviel gekümmert.

Sie lebten zu einer Zeit und in einer wissenschaftlichen Vorstellung,

die eine solche Frage nicht unbedingt nötig machte. Erst die Neuzeit

hat angefangen, über die großen Rätsel, die uns überall in der Welt

der Gestirne begegnen, mehr, als es bisher der Fall war, nachzudenken,

und so lag es in der Natur der Sache, vom modernen, wissenschaftlichen

Standpunkte aus, auch einmal den Versuch zu machen, eine Antwort auf

jene Frage: »Wie mag die Welt entstanden sein?« zu geben!

Sehen wir also einmal zu, wie die Wissenschaft der Gegenwart, -- und

zwar die Astronomie, -- die diese Frage und ihre Beantwortung ja am

allermeisten interessiert, darüber denkt! --

Ein Teil der Himmelsforscher (der Astronomen) nimmt an, daß im

Uranfange der Zeiten der für die sichtbare Welt bestimmte Raum

mit einem großen Gasball (dem Urnebel) angefüllt war. Dieser

besaß Kugelform und drehte sich um eine Achse. Der sich drehende

Riesengasball war die Erstlings- oder die Ursonne!

Infolge der schnellen Drehung dieser Ursonne, drängte sich der größte

Teil der Materie (des Weltenstoffes), aus dem sie bestand nach ihrem

Äquator hin, und bildete hier rings um sie herum einen dicken Wulst.

Dieser platzte an einer Stelle, löste sich von der sich weiter

drehenden Ursonne ab und wurde in Streifenform -- wie ein schmales

Band, -- hinaus in den Weltenraum geschleudert.

Hier rollte sich dieses »Band aus Urstoff« zu einer Kugel zusammen.

Diese stellte nun die zweite Sonne im Raume dar. Sie hatte sich aus der

Ursonne gebildet. Sowohl von der Ursonne, als auch von der zweiten so

entstandenen Sonne bildeten sich dann in gleicher Weise, wie es eben

geschildert wurde, weitere Sonnen -- alle, die wir heute am Firmamente

erblicken.

Aus den Sonnen wurden dann später in derselben Weise die Planeten und

aus diesen wiederum die Monde.

So hat sich auch unsere Sonne aus der Ursonne einst gebildet, aus ihr

einst die Erde und aus dieser endlich auch unser Mond!

Die kugelförmige Ursonne war im Anfange dunkel. Als sie sich aber um

ihre Achse zu drehen begann, erhitzten sich die einzelnen Teilchen des

Weltenstoffes durch die entstehende Reibung bis zur Weißglut. --

Auch bei den übrigen Sonnen trat dieser Zustand des Leuchtens und

Glühens ein.

Die Planeten, die sich um die Sonnenkörper bewegen, und die Monde, die

wiederum die Planeten umkreisen, stellten anfangs selbst kleine Sonnen

dar und erstrahlten infolgedessen gleichfalls erst in der Weißglut.

Von der sich drehenden Ursonne haben alle Sonnen, die sich einst aus

ihr formten, auch ihre Bewegung erhalten.

Den Planeten wurde ihre kreisende Bewegung von den Sonnen, zu denen sie

gehören, verliehen, und die Monde erhielten ihre Achsendrehung von den

Planeten, die sie umwandern.

Daher kommt es auch, daß die Planeten unseres Sonnenreiches in der

Richtung um das Tagesgestirn kreisen, in der sich dieses selbst um

seine Achse dreht. Das müßte eigentlich auch bei allen Monden, die wir

in unserem Sonnensystem (Sonnenreiche) kennen, der Fall sein; aber es

hat sich herausgestellt, daß einige Monde von der allgemeinen, hier

erörterten Regel abweichen. Die moderne Himmelsforschung nimmt deshalb

an, daß entweder diese Monde früher nicht zu den Planeten gehörten, die

sie heute umkreisen, oder, daß die soeben hier ausgesprochene Ansicht

über die Entstehung der Himmelskörper aus dem Urstoffe nicht richtig

ist.[1]

[1] In der rechnenden Astronomie spricht man von linksläufigen

Planeten. Ihre Neigung ist größer als 90 Grad. Damit wird die

Linksläufigkeit in einfacher Weise erklärt.

Der Zweifel, den die Himmelskunde der Gegenwart an dieser Ansicht hat,

stützt sich dabei noch auf Verschiedenheiten in der Verteilung und

Bewegung einiger Himmelskörper, von denen später noch in diesem Buche

die Rede sein wird.

Um diese Irrtümer möglichst zu erklären, hat man zu einer anderen

Meinung über den Ursprung der Weltkörper seine Zuflucht genommen.

Sie erklärt ziemlich restlos die Fehler, welche die ältere Hypothese

(Meinung) übrig läßt! --

Diese Ansicht nimmt an, daß der für die sichtbare Welt bestimmte

Raum im Uranfange der Zeit mit einem überaus feinen Stoffe (dem

Weltenstoffe), angefüllt war.

Dieser ist so ungemein zart und dünn, daß wir uns von ihm keine rechte

Vorstellung machen können. Er ist ein Mittelding zwischen dem »Nichts

und dem Etwas!« --

In dieser Wolke aus Urstoff bildeten sich einst an verschiedenen

Stellen Verdichtungen, -- kleine Ballen. Diese stellten dann die

zukünftigen Sonnen dar. In ihrem Erstlingszustande waren diese Ballen

aus Urstoff noch dunkel, wie die ganze, große Nebelwolke selbst; aber

die einzelnen Teilchen in diesen Ballen preßten sich immermehr zusammen

und dadurch entstand allmählich ein Zustand des Leuchtens in ihnen,

wie wir ihn auch bei den Glühwürmchen am schwülen Sommerabend gewahren

können. -- Dieses Leuchten ist ein Phosphoreszieren! --

Das Leuchten wurde indes immer stärker, und zwar, infolge der stärkeren

Zusammenpressung der einzelnen Urstoffteilchen. Endlich trat der

Zustand der Weißglut ein. Die Sonne war fertig! Sie war herausgeboren

aus dem großen Urnebel, der weithin den Raum erfüllte.

Auf diese Weise haben sich alle Sonnen, -- im Willen dieser

wissenschaftlichen Ansicht, -- aus dem Urnebel gebildet, auch die

unsrige. Nun blieb aber um die so entstandenen, glühenden Sonnen herum

anfangs noch etwas Weltenstoff übrig!

Es sah aus, als hätten sich die einzelnen Sonnen mit einem

Glorienscheine umgeben, und man nennt solche Sonnen »Nebelsterne«. In

dem Glorienscheine, der die fertigen Sonnen umgab, bildeten sich nun

abermals Verdichtungen -- kleine Ballen, aus Weltenstoff -- nämlich die

Planeten.

[Illustration:

~Tafel 2.~

Der große und schöne Nebel im Sternbilde des »Orion«.

(Originalphotographie. Aufgenommen mit dem photographischen Fernrohre

der Kaiserl. Universitätssternwarte zu Wien, am 11. Januar 1912, von

~Dr.~ Josef Rheden. Belichtungsdauer 3 Stunden.)]

Auch unsere Sonne umgab einst, -- wie wir später noch eingehender

besprechen werden, -- ein solcher Glorienschein aus Urstoff. Aus diesem

Glorienschein (Aureole) haben sich dann die acht Planeten geformt,

die heute noch unser Tagesgestirn umwandern.

Ferner bildeten sich aus dieser Aureole um unsere Sonne herum alle

Weltenkörper, die, außer den Planeten, noch zu unserem Sonnenreiche

gehören, also die Monde, die Kometen, die Meteoriten und die kleinen

Planeten. Von ihnen werden wir an anderer Stelle dieses Buches noch

mehr erfahren!

Die Planeten umgab gleichfalls in ihrem Urzustande ein solcher

Glorienschein aus Weltenstoff. Aus ihm wurden genau so, wie es bei den

Sonnen geschah, die Monde.

Bewegung kam in alle Sonnen, -- nach der Meinung dieser

Weltbildungshypothese, -- in der Weise, daß kleine Ballen von Urstoff,

-- die wir Kometen nennen können, -- aus fernen Räumen in die Aureole

dieser »Nebelsterne« stürzten, sie seitlich trafen und so die fertigen

Weltkörper in die Drehung um ihre Achse versetzten, die ihnen bis zur

Stunde verblieben ist! --

Durch diese Ansicht wird auch erklärt, warum die Monde einiger

Planeten unseres Sonnenreiches sich nicht in der gleichen Richtung um

ihre Achse drehen, wie die Planeten, zu denen sie gehören, sondern

in der entgegengesetzten! Ferner wird, nach Karl Braun, durch diese

wissenschaftliche Meinung noch erörtert, warum der Planet Mars, von dem

wir später noch hören, kleinere Monde hat, als er eigentlich besitzen

dürfte.

In den ungeheuer langen Zeiten, die seit der Schöpfung der

Erstlingssonne aus dem Urnebel vergangen sind, haben sich auch die

übrigen Sonnen aus ihm geformt, die wir heute am Firmamente prangen

sehen; aber es ist nicht aller Urstoff dabei verbraucht worden!

Eine andere Erklärung dafür, wie sich Himmelskörper aus dem Urstoffe

bildeten und noch immer bilden, hat der schwedische Physiker Svante

Arrhenius gegeben.

Er nimmt an, daß der Stoff, aus dem die Himmelskörper einst wurden, aus

winzigen Stäubchen besteht.

Die von den Sonnen ausgehenden Lichtstrahlen drücken diese

Weltenstoffstäubchen hinaus in den Raum. Überall da, wo die von den

Sonnen kommenden Lichtstrahlen sich treffen und sich schneiden, werden

diese Weltenstoffstäubchen aufgehalten und zusammengeballt.

Auf diese Weise entstehen neue Weltenkörper! --

Der Astronom hat ein kleines Instrument. Es besteht in der Hauptsache

aus einem Glasprisma, das dazu dient, einen Lichtstrahl in seine sieben

Regenbogenfarben, -- also in ein Farbenband, -- zu zerlegen oder

auseinanderzuziehen.

Mit diesem Glasprisma, das wir Spektroskop nennen, vermag der

Himmelsforscher das Dasein von Urstoff im Weltenraume festzustellen.

Wir nennen diese Schwaden (Wolken aus Urstoff), die wir überall heute

noch in den Sternenräumen antreffen, kosmische Nebel!

Die Welt der kosmischen Nebel!

Wenn wir mit einem genügend stark vergrößernden astronomischen

Fernrohre, das -- nebenbei sei es gesagt, -- das Bild des Gestirnes

umkehrt, den gestirnten Himmel durchmustern und die Sternbilder an ihm

nach Einzelheiten absuchen, dann werden wir da und dort auf kleine,

lichte Stellen stoßen, die sich scharf vom dunklen Himmelsuntergrunde

abheben.

Manchmal haben diese lichten Stellen das Aussehen von Sternen; in den

meisten Fällen aber erscheinen sie ganz eigenartig geformt.

Sie haben einen milchigen Schimmer und sehen an ihren Rändern

undeutlich und verwaschen aus.

Lange vor der Erfindung des Spektroskopes, hat man diese seltsamen

Gebilde am Himmel schon gekannt und ihnen den Namen »Nebelflecken«

gegeben; aber das Spektroskop war es, das uns zuerst verriet, daß diese

»Nebelflecken« keine Ansammlungen von Sternen in unendlicher Entfernung

von uns, sondern gasige Massen, -- also weltbildender Stoff -- seien.

Diese Gasmassen -- das erzählte uns das Spektroskop noch, -- enthalten

sehr viel Wasserstoff, der ja ein Hauptbestandteil unseres Wassers

ist, und ferner das Sonnengas (Helium), das sich auch auf unserem

Tagesgestirne vorfindet.

Endlich finden sich in ihnen einige Gase vor, von denen wir auf Erden

eine Kenntnis noch nicht besitzen.

Wenn wir ein Stück Eisen bis zur Weißglut erhitzen und die Hitze noch

weiter steigern, dann geht das ursprünglich feste Eisen in die Gasform

über. Vergastes Eisen finden wir auch in den kosmischen Nebeln und auf

den meisten Sonnen im Weltenraume, ganz besonders auf der unsrigen,

wie wir später noch hören werden. Ihrer äußeren Gestalt nach teilt man

diese, oft gewaltig großen Gasmassen in folgende Klassen ein:

1. in planetarische oder Ringnebel,

2. in unregelmäßige Nebel,

3. in Doppelnebel,

4. in veränderliche Nebel und

5. in Spiralnebel.

Planetarische oder Ringnebel werden sie genannt, weil sie, -- der Name

sagt es uns schon, -- die Form eines Planetenscheibchens oder eines

Ringes haben.

Sehen sie aus wie ein Ring, dann ist in der Mitte des dunklen Raumes,

den der lichte Nebelring einschließt, noch ein heller Stern. Es ist

dies meist ein »Nebelstern«, also eine Sonne, die von einer Aureole aus

weltbildender Materie noch umrandet wird.

Der berühmteste Ringnebel, den wir am Firmamente kennen, ist der im

Sternbilde der »Leier«.

Dieses glänzt an unserem nördlichen Firmamente, und der Nebel ist in

kleineren astronomischen Instrumenten schon sichtbar.

Man hat diesen Nebel auch photographiert, und die lichtempfindlichen

Platten zeigen uns, wie feine, gasige Strahlen von dem Sterne in der

Mitte des Ringes ausgehen und diesen mit dem inneren Rande des Ringes

verbinden.

Ein anderer, schöner Ringnebel befindet sich im Sternbilde des

»Schwans«! --

Der schönste, unregelmäßige Nebel ist der im Sternbilde des »Orion«.

Das Sternbild ist bei uns in klaren Winternächten tief am südöstlichen

Himmel sichtbar. Mitten in ihm stehen drei helle Sterne nebeneinander.

Man hat diesen den Namen die heiligen Dreikönige gegeben; die

Astronomen nennen sie indes den »Jakobstab« oder den »Gürtel des

Orion«, -- des himmlischen Jägers. --

Etwas unterhalb des mittelsten Sternes im »Jakobstabe« sehen wir mit

dem bloßen Auge schon eine mattschimmernde Stelle. Es ist die des

großen »Orionnebels«.

Wenn man ein genügend stark vergrößerndes Fernrohr zur Beobachtung

dieses Nebels anwendet, dann enthüllt sich dem Auge ein entzückendes

Bild.

Der Nebel erscheint, wie ein wogendes Meer. Er ist ganz bizarr geformt

und an seiner Vorderseite tief eingebuchtet. Diese Einbuchtung sieht

aus, wie ein »Löwenrachen«. Man hat sie auch so benannt. In die

Gasmassen um diesen »Löwenrachen« herum sind viele Sterne eingestreut.

Man hat diese Sterngruppe das »Trapez« genannt.

Wenn man den »Orionnebel« photographiert, dann kann man auf den

Photographien ganz deutlich erkennen, daß die Nebelmassen weithin

gasige Ausläufer in den Raum aussenden.

Der ganze Nebel schimmert in grünlichem Lichte, und das kleine

Glasprisma, mit dem man das Licht der Gestirne in ein Farbenband

zerlegt, sagt uns von diesem Gasgebilde, daß in ihm sich ein uns noch

nicht bekannter Weltenstoff befindet. Dieser nimmt am Aufbau der Sterne

aus dem Nebel dort Anteil.

Das Wogen und Wallen der gasigen Massen, die den »Orionnebel« bilden,

deutet darauf hin, daß die schöpferischen Kräfte dort bereits am Aufbau

von Sonnen, Planeten und Monden aus dem Urstoff tätig sind.

Ein anderer, unregelmäßiger Nebel im Universum (Weltenraume) sieht aus,

wie ein Baumkuchen!

Man nennt ihn den »Crabb-Nebel«, und er steht im Sternbilde des

»Stieres«.

Ein dritter, unregelmäßiger Nebel hat die Gestalt eines Fisches.

Man hat ihn deshalb auch den »Fisch- oder Heringsnebel« genannt. Er

leuchtet im Sternbilde des »Haares der Berenice«.

Wieder ein anderer Nebel im Sternbilde des »Fuchses« hat das Aussehen

einer Hantel, wie sie die Schüler beim Turnen gebrauchen. Man hat

diesem Nebel deshalb den Namen »Hantelnebel« gegeben.

Noch ein anderer Nebel gleicht in seiner Gestalt einem zusammengelegten

Fischernetze mit groben Maschen. Es ist der berühmte »Netznebel« im

Sternbilde des »Schwans«.

An einer Stelle des Raumes können wir erkennen, wie zwei planetarische,

-- also wie lichte Planetenscheibchen aussehende Nebel, -- sich

miteinander verbunden haben. Wir nennen solche Nebel »Doppelnebel«

und finden einen sehr schönen Vertreter dieser Gattung zwischen dem

Sternbilde des »großen Bären« und des »Haares der Berenice«.

In den Räumen des Firmamentes hat man dann noch beobachtet, daß solche

gasige Massen ihre Gestalt verändern. Dies ist der Fall bei einem, dem

griechischen Buchstaben Omega ähnlichen Nebel, dem man auch diesen

Namen verliehen hat.

Bei diesem Nebel hat man nämlich gefunden, daß der eine Arm des

hufeisenförmig aussehenden Gasgebildes seine Lage ab und zu verändert.

Das »Warum« dieser Veränderung ist uns aber bis zur Stunde ein

Geheimnis! --

Bei anderen Nebeln wiederum fand man, daß sie Licht-Schwankungen

unterliegen, das heißt, einmal leuchten diese Nebel in hellerem

Lichte, als zu anderer Zeit, -- ja es kommt sogar vor, daß solche

»veränderliche Nebel« zeitweilig ganz unsichtbar werden.

Auch diese Licht-Schwankungen sind uns bis zur Stunde ganz rätselhaft!

Endlich finden wir unter den Sternen am Himmel noch gasige Massen,

welche die Form einer Spirale haben.

Sie sehen aus, wie ein Schaumschläger, den unsere Frauen im Haushalte

verwenden.

Der schönste Nebel dieser Art ist der im Sternbilde der »Jagdhunde«.

Er steht unterhalb der Tatzensterne des »großen Bären« oder der drei

Deichselsterne im »großen Wagen«. --

Dieses Bild grenzt nämlich an das der »Jagdhunde«.

Man sieht auf den Photographien, die man von diesem Nebel gewonnen hat,

wie von einem lichten Knoten zwei helle Arme ausgehen. Diese winden

sich um den lichten Knoten in ihrer Mitte herum. Am äußersten Ende

des äußeren, größeren Armes ist dann noch ein zweiter, lichter Knoten

zu sehen, und ein Teil der Astronomen nimmt an, daß dieser einst in

die Masse des »Jagdhundnebels« vom Sternenraume her eindrang. Er hat

dadurch dem ganzen Gasgebilde die Spiralform verliehen!

Einen zweiten, schönen Spiralnebel besitzt das Sternbild des »großen

Bären«.

Wir alle kennen dieses Sternbild an unserem nördlichen Himmel. Unsere

Vorfahren nannten es den »Wagen Karls des Großen« oder auch den »Wagen

des Königs David«.

Dieser Spiralnebel im Sternbilde des »großen Bären« hat einen

bedeutenden Himmelsforscher, mit Namen _Easton_, Anlaß zu der

wissenschaftlichen Meinung gegeben, daß alle Gestirne, die wir am

Firmamente sehen, -- mit Einschluß unserer Erde, -- und die zwischen

den Sternen befindlichen Nebelmassen in einer Spiralform angeordnet

seien, -- daß also die ganze, für uns sichtbare Welt nichts anderes,

als eine riesige Spirale sei! --

Die moderne Himmelsforschung ist endlich noch zu der Ansicht gelangt,

daß alle Gasgebilde (kosmischen Nebel), die wir am Firmamente kennen,

eine Spiralform haben, -- daß also die Ring-, die planetarischen,

die Doppel-, die unregelmäßigen und die veränderlichen Nebel, nichts

anderes, als Spiralnebel seien!

Bis zur Stunde sind wir allerdings noch nicht in der Lage, mit unseren

Hilfsmitteln (Fernrohr, Spektroskop und photographischer Platte)

die Spiralform bei allen diesen Nebeln festzustellen. Noch ein sehr

interessanter, sowohl im Fernrohre, als auch auf den photographischen

Platten ungemein reizvoll aussehender Nebel verdient hier unsere

Erwähnung!

Es ist eigentlich kein ausgesprochenes Gasgebilde, weil sich zahllose

Sterne in ihm befinden; aber er zeigt, -- wie alle Spiralnebel, -- die

wir kennen lernten, die gleiche Form, und die Sterne in ihm sind von

ungeheuer großen Gasmassen umgeben!

Es ist der Nebel im Sternbilde der »Andromeda« am Nordhimmel! --

Nächst dem großen »Orionnebel« ist er einer der schönsten, den wir

kennen. Im Fernrohre erscheint er als eine milchige und verschwommene

Masse. Es sieht aus, als ob man die Flamme einer Kerze durch ein

Hornblättchen betrachte. Das Spektroskop sagt uns, daß dort am Himmel

fertige Sonnen und Gasmassen eng miteinander verbunden sind. Die

photographische Platte aber verrät uns, daß der »Andromedanebel« eine

große Spirale ist.

Die Astronomen zählen ihn zu den Sternhaufen, die wir später in diesem

Buche noch eingehender behandeln werden! --

Die Himmelsphotographie hat uns noch etwas anderes enthüllt! Eines

Tages nämlich photographierte Professor Max Wolf, -- der Direktor

der Sternwarte auf dem Königsstuhl bei Heidelberg, -- eine Stelle im

Sternbilde des »Schwans« am nördlichen Himmel.

Als er dann die belichtete Platte entwickelte, fand er zu seiner

Überraschung auf ihr ein großes, wolkiges Gebilde, das aussah, wie das

Festland von Nordamerika auf unseren Landkarten. Es war ein großer

Nebelflecken, den der Gelehrte im Sternbilde des »Schwans« mit der

Camera entdeckt hatte. Professor Max Wolf hat ihn »Nordamerikanebel«

genannt. Dieses ganz merkwürdig geformte Gasgebilde aus Urstoff wäre

uns niemals im Teleskope (Fernrohre) zu Gesicht gekommen, weil es Licht

aussendet, das unsere Augen nicht mehr zu erkennen vermögen.

Der Astronom sagt, der »Nordamerikanebel« strahlt in ultraviolettem

Lichte, und dieses liegt jenseits des violetten Teiles im Farbenbande

des Regenbogens. Die photographischen Platten aber, die viel

empfindlicher sind, als das menschliche Auge, vermögen dieses

ultraviolette Licht, das der große »Nordamerikanebel« besitzt, im Bilde

festzuhalten. Die lichtempfindliche Platte der photographischen Camera

hat uns dann noch gezeigt, daß es viele solcher Gasmassen am Himmel

gibt, die ultraviolettes Licht ausschicken! --

[Illustration:

~Tafel 3.~

Der prachtvolle Spiralnebel M. 101 im Sternbilde des »großen Bären« an

unserem nördlichen Himmel.

(Originalaufnahme. Photographiert von Prof. Max Wolf in Heidelberg.)]

Die Zahl der Nebelflecken am Firmamente ist ungeheuer groß! -- Einige

Sternwarten, -- es sind das Gebäude, in denen die Astronomen mit dem

Fernrohre, mit dem Spektroskop und mit der photographischen Platte

die Gestirne beobachten und untersuchen, -- beschäftigen sich

damit, den ganzen Himmel nach solchen Gasgebilden zu durchforschen. Zu

ihnen gehört auch die bereits genannte Heidelberger Sternwarte. Wenn

diese Nebelfleckendurchmusterung beendet ist, dann wird die Zahl der

uns bekannten Gasgebilde am Himmel sicherlich auf über 150000 Stück

gestiegen sein.

Einhundertfünfzigtausend Nebelflecken, -- also Wolken aus Urstoff,

-- der noch niemals benützt wurde, sind im All aufgestapelt; aber in

Wirklichkeit sind ihrer noch viel mehr. Wir kennen nur die fehlenden,

anderen nicht, weil sie unseren Instrumenten noch verborgen bleiben.

Eine jede dieser Gaswolken hat viele tausend Meilen im Durchmesser und

aus ihnen werden sich, -- es wurde bereits erwähnt, -- im Laufe der

kommenden Zeiten noch Sonnen, Planeten, Monde und alle jene Weltkörper

bilden, die wir schon kennen.

Wenn unsere Sonne mit ihren Planeten, zu denen ja auch unser Erdball

gehört, längst nicht mehr ist, dann werden aus diesen Nebelschwaden

neue Sonnen am Firmamente hervorgehen und den weiten Raum bevölkern!

»Wie alt mögen diese Nebelschwaden sein?« -- höre ich im Geiste meine

Leser fragen!

Wir wissen es nicht!

Nur das eine wissen wir, daß Millionen und Abermillionen von Jahren

vergangen sind, ehe alle diese Sonnen entstanden.

Millionen von Jahren waren schon vergangen, als unsere Erde das Licht

unserer Sonne erblicken durfte. Millionen von Jahren vergingen dann

wieder, bis der Mond sich von unserer Erde ablöste und zur großen

»Leuchte der Nacht« wurde.

Älter, als Mond und Erde, älter, als unsere Sonne und all' die anderen

Sonnen im Raume, sind jene gasigen Massen, die der Astronom die

»kosmischen« Nebel nennt!

Jene Wolken aus Urstoff, aus dem sich alle Himmelskörper formten, sind

die »Wiegen der Welten«!

Am Ende der Zeiten wird alles Geschaffene wieder in das »Grab des

großen Urnebels« zurücksinken.

Wenn der Himmelsforscher zu diesen Gebilden am Firmamente aufsieht und

sich mit seinen feinen Instrumenten in ihr Dasein vertieft, dann wirft

er stets einen Blick hinein in die große Werkstatt des Schöpfers, in

der einst auch unsere Sonne mit den Kindern ihres Hauses wurde!

Zweites Kapitel.

Unsere Sonnenwelt!

»Tiefes Dunkel ist mein Dunkel!

Zur Sonne blicke auf, die strahlend

uns das Leben gibt!«

(Inschrift am Dianatempel in Ephesus.)

A. Unsere Sonne!

Vor einigen Jahren besuchte ich um die Osterzeit herum die »Hohe-Tatra«!

Am letzten Tage meines Aufenthaltes zu Poprad-Felka war ich früh am

Morgen ausgestanden, um mit dem Eilzuge nach Budapest zu fahren.

Als ich von meinem Hotel hinaus nach dem Bahnhofe ging, lag alles

noch im Morgengrauen. Die Sterne am Himmel hatten soeben, -- müde von

der langen Nachtwache, -- ihre funkelnden Augen geschlossen, und den

Regentag, der vorangegangen war, hatte ein klarer Frühmorgen abgelöst.

[Illustration:

~Tafel 4.~

Süden.

Norden.

Unsere Sonne mit Flecken und Kalziumfackeln (~Calciumflocculi~).

(Originalphotographie von Professor Campbell, Licksternwarte.

Aufgenommen mit dem Spektroheliographen im Lichte der Kalziumlinie.

1912.)]

Vor mir lag das wuchtige Massiv der »Hohen-Tatra«. Wie ein Riesenbau,

den Titanen in Vorweltstagen aufgeführt haben, erhob sich der

massige Gebirgsstock aus der Zipser Ebene mit seinen schnee- und

gletscherbedeckten Spitzen, Zacken und Graten.

Mit einem Male erglühten die höchsten, mit Firnfeldern bedeckten

Kämme in rosigem Schimmer, -- ein unvergleichlich schönes und

unbeschreibliches Bild! --

Die Sonne wollte kommen, und in diesem Aufglühen der eisumhüllten

Tatraspitzen verkündete sie den Bewohnern der Täler ihre Ankunft.

Allmählich verblaßte der Purpurschein auf dem Gebirge und ließ die

Gletscher und Kuppen und endlich auch die tiefer gelegenen Wälder im

Sonnenlichte erscheinen, bis die ganze Ebene mit den goldenen Strahlen

des im Osten aufgehenden Tagesgestirnes erfüllt war.

Ich werde jenen Frühmorgen und jenen Sonnenaufgang in der Hohen-Tatra

sobald nicht vergessen; aber nicht bloß ich allein hatte mich auf ihn

gefreut, sondern die ganze Natur harrte ihm an jenem Morgen entgegen! --

Wenn nach harter Winternot der Frühling ins Land geht, dann kam er

nicht plötzlich, sondern die Sonne hat ihn langsam in die Fluren

geleitet. Sie hat die jungen Keime in monatelanger Vorarbeit geweckt,

damit sie im Lenzeswalten aus der Erde hervorsprossen, und sie hat

die Landschaft wieder in jene Farbenpracht gehüllt, die uns im

Blütengewande der Blumen von den Wiesen und Rainen entgegenschaut.

Die Sonne ist es, welche dem Frühlinge alle seine Pracht verleiht. Sie

ist es, die den Sommer mit Glut und Glanz übergießt und auch im Herbste

jenes wundervolle Gemälde auf die große »Leinwand des Waldes« wirft,

vor dem wir dann mit Staunen und Entzücken stehen.

Sie ist es auch, die selbst dem harten und frostigen Winter Schönheit

verleiht, wenn wir diese Schönheit auch nicht immer an dieser

Jahreszeit erkennen wollen!

Von der Sonne hängt also alles ab, was uns in den Jahreszeiten auf

Erden umgibt.

Von unserer Sonne hängen auch wir Menschen, die Tiere, die Pflanzen und

das Gestein ab. Die Erde selbst, auf der wir wohnen und leben, steht

unter ihrem allgewaltigen Einflusse.

Diese Abhängigkeit des Erdballes und dessen Lebewesen von der Sonne

hat man in grauer Vorzeit schon innig empfunden! Deshalb erwies man

der Sonne eine göttliche Verehrung! Unsere Vorfahren haben aber nicht

erkannt, was die Sonne eigentlich ist, und welche Bedeutung sie im

Rahmen des Naturgeschehens hat. Darum machten sie sich von ihr auch

eine ganz phantastische Vorstellung! --

In den Schriften der Völker im Altertume lesen wir, daß man glaubte,

die Sonne sei ein lichter Gott, der tagtäglich im feurigen Wagen über

die blaue Himmelau fahre. Die Glut des Sonnenwagens dringe zur Erde

herab und erhelle diese.

Andere indes hielten die Sterne am Himmel für Löcher, die in eine

große, kristallene Kugelschale, -- das Himmelsgewölbe, -- eingelassen

waren. Durch sie drang das Licht aus dem Hause der Götter zu uns

hernieder, und so hielt man auch die Sonne für eine Leuchte, die sich

über den Himmel täglich bewege.

Diese Anschauung unserer Vorfahren haben aber einige scharfsichtige

Menschen jener Tage nicht geteilt. Zu ihnen gehört in erster Linie

der griechische Philosoph (Weltweise) Anaxagoras, der eines Tages auf

dem Marktplatze zu Athen, einer seinen Worten schweigend lauschenden

Volksmenge erklärte, für ihn sei die Sonne weder ein Gott, noch eine

Leuchte im Hause der Götter, sondern ein glühender Stein, um vieles

größer, als die ganze griechische Halbinsel.

Das Volk der Athener war empört ob solcher Rede, und man wollte den

weisen Mann wegen Lästerung der Götter öffentlich steinigen. Nur dem

Einflusse des Perikles, -- jenes berühmten Staatsmannes, -- dem Athen

und Griechenland viel zu verdanken hatte, gelang es, den Anaxagoras vor

dem Schlimmsten zu bewahren!

Der Philosoph hatte mit seiner Rede nicht ganz Recht; aber er ist der

Wahrheit doch näher gekommen, als mancher andere. Wenn wir den modernen

Himmelsforscher fragen, was die Sonne sei, dann wird er uns antworten:

»Eine große Gaskugel!« --

Allerdings vermögen wir uns über diese Gaskugel keine rechte

Vorstellung zu machen!

Wir hörten bereits am Eingang dieses Buches, daß unser Tagesgestirn

einst mit vielen anderen Sonnen am Firmamente aus dem großen Urnebel

hervorgegangen ist.

Der Ball aus Urstoff, der in seinem Erstlingszustande unsere Sonne

darstellte, war im Anfange dunkel; aber die einzelnen Teilchen dieses

Balles drängten nach dessen Mittelpunkte hin.

Durch dieses Zusammendrängen der Teilchen im Balle wurde ein Leuchten

hervorgerufen, das wir Phosphoreszieren genannt haben. Dieses Leuchten

wurde immer stärker und stärker, bis der ganze Sonnenball in der

Weißglut erstrahlte.

Unsere Sonne war fertig! --

Um die nun kugelförmige und lichte Sonne herum war eine Aureole aus

Materie übrig geblieben. Aus ihr haben sich dann in der gleichen Weise,

-- wie wir es bei der Beschreibung des Urnebels gehört haben, -- die

Planeten unseres Sonnenreiches und die Monde in ihm, gebildet.

Die Sonnenkugel war in ihrem Anfangszustande um vieles größer, als

sie es heute ist. Man nimmt an, daß der Riesengasball unserer Sonne

sich einst bis zur Bahn des äußersten, uns bekannten Planeten Neptun

erstreckte und sich von dort aus dann langsam bis zu seiner heutigen

Größe zusammenzog.

Wie viele Millionen von Jahren mögen dabei vergangen sein? -- Im Laufe

unvorstellbar langer Zeiten verlor die Sonne dann ihre Weißglut, -- wie

so manche ihrer Schwestern am Himmel. Sie nahm eine gelbe Farbe an,

und in dieser erstrahlt sie auch heute noch. Indes, es wird die Zeit

kommen, wo unser Zentralgestirn auch diese Färbung verliert und sie mit

der roten vertauschen wird. Hat die Sonne dann das rote Lichtgewand

lange genug getragen, dann wird sie auch dies ablegen und ganz dunkel

werden. Sie wird ihr Licht verlieren und erkalten, wie es unser Erdball

seit langem schon ist.

Auch unsere Erde war einst ein selbstleuchtender Stern, der

nacheinander im weißen, im gelben und im roten Lichte prangte, der

endlich sein Licht verlor und seinen heutigen Zustand annahm, damit die

Pflanzen, die Tiere und der Mensch auf seiner Oberfläche erscheinen

konnten. Aus einer kleinen Sonne ist unser Erdball im Laufe langer

Zeiten zu einem dunklen Körper, -- einem Planeten, -- geworden!

Diesen »Werdegang der Sonne«, den wir hier geschildert haben, müssen

alle Sonnen am Firmamente durchmachen. Viele haben ihn bereits hinter

sich, viele ihn noch vor sich! Die Farbe der Sterne verrät uns, -- wir

werden davon später noch Näheres hören, -- also ihr Alter! -- Wenn

unsere Sonne im wolkenlosen Blau des Firmamentes dahinschwimmt, und

wir sie durch ein dickes, buntes oder stark berußtes Glas (niemals mit

dem bloßen Auge) betrachten, dann erscheint sie uns als eine goldgelbe

Scheibe, die etwas größer als der Vollmond aussieht.

Nehmen wir aber ein genügend stark vergrößerndes Fernrohr, das mit

einem _Schutzglase_ versehen sein muß, zur Hand, und betrachten mit ihm

das Tagesgestirn, dann werden wir ein wenig erstaunt über das sein, was

wir auf der Sonne sehen!

Die goldgelbe Scheibe der Sonne sieht im Fernrohre aus wie ein

wogendes Meer. Sie löst sich auf in zahllose Schäfchenwolken, und diese

haben meist eine eiförmige Gestalt.

Sie verändern rasch ihre Größe und ihr Aussehen. Man hat dieses wogende

»Meer von Schäfchenwolken«, das die Oberfläche unserer Sonne bildet,

mit einer Schicht dachziegelförmig übereinander gelegter Weidenblätter

verglichen, oder mit Reiskörnern, die man über einen flachen Teller

ausschüttet.

Man spricht deshalb in der modernen Sonnenforschung von der

»Weidenblätter- oder Reiskörnerschicht« unserer Sonne.

Der Astronom indes nennt diese Körnung der Sonnenoberfläche die

Granulierung. Er weiß, daß ein jedes Korn dieser Granulierung einen

Durchmesser von etwa zweihundert Meilen hat, -- daß also einzelne

dieser Körner zwanzigmal so groß sind, wie das Königreich Bayern.

Der Sonnenforscher weiß ferner, -- seine feinen Beobachtungsinstrumente

sagen es ihm, -- daß die Körner all' das Licht ausstrahlen, welches

wir Sonnenlicht nennen. Dieses ist schuld an der großen Hitze der

Hundstage, am Wachstum der Pflanzen, am Sturm und Regen auf Erden.

Die einzelnen Lichtkörner sind voneinander durch ein dunkles Geäder,

ein Netzwerk, getrennt. Man hat diesem den Namen das »photosphärische

Netz«; der gekörnten Sonnenoberfläche aber den Namen »Photosphäre

oder Lichthülle« gegeben. Zuweilen kommt es vor, daß mehrere solcher

Lichtkörner auf der Oberfläche unseres Tagesgestirnes sich zu einem

einzigen, großen Korne vereinigen, -- also eine verschwommene

Lichtmasse bilden.

Diese sehen wir dann im Fernrohre sich von dem gelben Untergrunde stark

weißglänzend abheben.

Man nennt solche Stellen auf der Sonnenoberfläche Fackeln, und wir

finden diese, die oft eine ganz seltsame Form annehmen, am häufigsten

am Rande des Tagesgestirnes, -- niemals aber in dessen Mitte.

Dann wieder zeigt es sich, daß solche Fackeln eine tiefdunkle Stelle

auf der lichten Sonnenscheibe umranden.

Wir nennen diese dunklen Gebiete Sonnenflecken!

Daß diese der Oberfläche unseres Tagesgestirnes angehören, unterliegt

gar keinem Zweifel, denn sie nehmen an der Drehung des Sonnenballes um

seine Achse von Westen nach Osten hin Anteil. 25½ Tage dauert es, bis

sich der Riesenball »Sonne« einmal um seine Achse herumgewälzt hat. So

lange währt es auch, bis ein Sonnenflecken wieder an dieselbe Stelle

zurückkehrt, an der wir ihn zum ersten Male auf der Sonnenscheibe

gesehen haben. Jeder Sonnenflecken besteht aus einem dunklen Kerne und

einem matteren Halbschatten.

Der dunkle Kern besitzt meist eine rundliche Form. Der Halbschatten ist

fadenartig durchzogen und umrandet den Kern, wie die Regenbogenhaut die

Pupille unseres Auges. Das fadenartige Aussehen des Halbschattens rührt

davon her, daß Lichtkörner und dazwischen liegendes, dunkles Geäder mit

in den Sonnenflecken hineingesogen werden.

Nicht immer ist es nötig, daß ein Flecken aus einem Kerne und einem

Halbschatten besteht. Es kommt vielmehr oft vor, daß Kerne ohne

Halbschatten auftreten.

An den Polen und am Äquator der Sonne treffen wir keine Flecken,

sondern sie halten sich nur in einer bestimmten Zone zu beiden Seiten

des Sonnenäquators auf. Sie ähneln darin unseren Zyklonen (heftigsten

Wirbelstürmen).

Vielleicht haben wir in den Sonnenflecken auch Stürme von ungeheuerer

Kraft vor uns!

Die Flecken auf der Oberfläche des Tagesgestirnes treten nicht immer

einzeln, sondern weit mehr in Gruppen auf. Solche Gruppen haben oft

eine gewaltige Ausdehnung, von 150000 und mehr Kilometern. In den

Jahren 1905 bis 1913 konnte der Verfasser dieses Buches wiederholt

einzelne Flecken und Fleckengruppen beobachten und vermessen, die

so groß waren, daß man 8 bis 15 Erdkugeln, -- nebeneinander gereiht,

wie Perlen an einer Schnur, -- in einer solchen Gruppe bequem hätte

versenken können.

Da die Sonnenflecken sich rasch verändern, so halten sie auch nicht

allzulange Stand auf der Oberfläche des Tagesgestirns. Flecken, die

mehrere Tage oder gar Wochen andauern, sind eine große Seltenheit. Auch

die Gruppen halten nicht allzulange an. Wenn eine solche im Begriffe

ist, zu verschwinden, dann fließen die einzelnen Flecken, die diese

Gruppe bilden, zusammen, verblassen allmählich und lassen an der Stelle

ein weißglänzendes Geäder zurück. Wir haben dies »Fackel« genannt.

Die dunklen Kerne der einzelnen Flecken und der Fleckengruppen sind

keineswegs dunkel, wie man meinen könnte; sondern sie strahlen immer

noch 500mal mehr Licht aus, als unser Vollmond. Es ist ganz natürlich,

daß diese seltsamen Gebilde, die auf eine überaus stürmische Tätigkeit

im Innern unseres Zentralgestirnes (deshalb so genannt, weil es das

Zentrum unseres Weltsystems ist), hindeuten, auch einen großen Einfluß

auf die Körper ausüben, die zum Reiche unserer Sonne gehören.

Daß dies der Fall ist, können wir aus verschiedenen Erscheinungen auf

unserer Erde folgern. Diese machen sich dann bemerkbar, wenn die Sonne

reichlich mit Flecken bestanden ist.

So haben wir in dieser Zeit meist heftige Gewitter, trockene Sommer

und grell leuchtende Polarlichter. Ferner werden dadurch auch die

überseeischen Kabelleitungen, unsere elektrischen Anlagen beeinflußt,

und die Polarlichter erscheinen in größerer Häufigkeit! --

Die Flecken auf der Oberfläche des Tagesgestirnes gehören zweifellos zu

den interessantesten Gebilden, die wir auf ihm kennen! Was sind diese

Flecken?

Die Astronomen vergangener Jahrhunderte haben sie für Löcher in der

Atmosphäre unserer Sonne gehalten, durch die wir auf ihre dunkle

Oberfläche herabsehen könnten. In moderner Zeit aber glaubt man,

daß sie Täuschungen seien, die sich leicht unserem Auge aus solcher

Entfernung vorspiegeln. Andere Astronomen halten sie für starke,

elektromagnetische Erscheinungen, denn in und auf der Sonne spielen

heftige elektrische Prozesse eine große Rolle.

Wieder andere, -- und das dürfte wohl die richtige Ansicht sein,

-- nehmen an, daß, infolge heftiger Gasströmungen vom Innern des

Sonnenkörpers her, die Lichthülle, -- die Photosphäre, -- durchbrochen

wird, daß also die ausströmenden Massen aus dieser Öffnung hoch über

das Tagesgestirn emporsteigen. Die Öffnung schließt sich entweder

inzwischen von selbst, oder die herabstürzenden, abgekühlten Massen

fallen wieder in sie hinein, oder sie schaffen eine neue Öffnung in der

Sonnendecke. Die goldgelbe Schicht, die wir auch »Photosphäre« nennen,

ist keineswegs die äußerste Umrandung des Sonnenballes!

Was mir das Sternenlicht erzählt: Eine populäre Himmelskunde für die Jugend · 第 1 / 8 段