Sie lächelte traumhaft. »Schon drüben -- in der Schlucht!«

»In der Schlucht?« wiederholte er, »so warst du die fremde dunkle

Erscheinung -- und du hast mich nicht begrüßen wollen; aber, Sibylle,

warum das?«

Tränen stürzten ihr aus den Augen. »Ach, Arno, die Vergangenheit ... es

war zu schmerzlich --«

Düster sah er sie an. »Ja, ja, du hast recht, o Sibylle, es hätte

alles, alles anders werden können!«

»Und du --?« fragte sie scheu, »hast du mich denn auch gleich erkannt?«

»Nicht gleich ...« sagte er heiß; »ich sah von weitem eine Dame mitten

auf der Straße liegen, Herrgott, dachte ich, eine Ohnmacht oder

ein Raubüberfall, ich sprang herzu, ich stand und sah dich an. Du

schliefst wie ein Kind, du hattest geweint, die Tränen hingen dir noch

an den Wimpern, und aus deinen schlafenden Zügen stieg mit einem Male

die kleine Silly vor mir auf. Ich erschrak -- an dieses Glück wagte ich

ja kaum zu glauben -- da sprach ich --«

»Ach ja,« murmelte Sibylle selig, »ein Glück, ein Glück ...«

Er kauerte neben ihr nieder, schlang seinen Arm um sie und küßte sie

auf die Stirn. »Wir haben uns ja noch gar nicht begrüßt, Sibylle.«

In trunkener Selbstvergessenheit nestelte sie sich näher an ihn heran,

ihre Lippen fanden sich -- ein langer, heißer, seliger Kuß --

Der Silbergarten. Der Stein des Pietro. Zwei Erzählungen · 第 8 / 15 题