Da doch die verschiedenen Kakteen für alle wasserarmen und daher

für eine andere Vegetation als diese ungeeigneten Gegenden so

überaus wertvoll sind, ist es sehr zu verwundern, daß man sie nicht

eigentlich durch systematische Züchtung zu verbessern suchte. Den

ersten vielverheißenden Anfang dazu hat neuerdings der berühmte

Pflanzenzüchter Luther Burbank in Santa Rosa in Kalifornien gemacht,

dem es gelang, eine stachellose, großstengelige und überaus saftige

Abart der Opuntie zu züchten, die sich außerordentlich einfach,

durch Stecken eines Stückchens des fleischigen Stengels in den

Boden, fortpflanzen läßt und außerdem ebenfalls stachellose, sehr

wohlschmeckende und nahrhafte, feigengroße, rötliche Früchte zeitigt.

Ein solches Zuchtprodukt ist für die Menschheit von unschätzbarem

Wert, da es ihr auch die sterilsten Wüsten zu besiedeln gestattet.

Erst mit einer solchen Nutzpflanze, die auch ohne Bewässerung gedeiht,

kann sie sich mit ihren Haustieren in den ihr bisher verschlossenen

Gebieten festsetzen und so weite Länderstrecken der Kultur erschließen,

die bisher lebenfeindliche Öde und Wildnis waren. Durch solche

Neuerungen ist der Menschheit, mag sie sich noch so sehr vermehren,

auf unübersehbare Zeiten hinaus Raum genug zur Ausdehnung auf unserem

Planeten gegeben. Welch herrliche Gärten werden dann die unendlichen,

bisher toten Wüsten der Erde sein, wenn der Mensch auch die Sonnenwärme

sich als Energiequelle dienstbar gemacht und überall durch Staubecken

oder Pumpen Wasser zu seinen leiblichen und industriellen Bedürfnissen,

wie auch zum Tränken seiner Haustiere und Nutzpflanzen, die desselben

zu ihrer Existenz bedürfen, zur Verfügung haben wird!

Außer den Kakteen gibt es noch viele andere wenig bekannte

Wüstenpflanzen, die schon heute in ihrer unveredelten, wilden Form

dem Menschen von teilweise recht großem Nutzen sind. Es seien hier

nur einige der wichtigsten kurz angeführt. So wächst im Gebiet der

Kakteen, speziell auch in Mexiko, die noch auf trockenem, sandigem

Boden gedeihende ~Yucca baccata~, von den Spaniern ~bayonett~ genannt.

Sie liefert alle Jahre 1-6 Früchte, die in reifem Zustande in Form

und Größe Bananen ähneln. Deren Farbe ist grünlichgelb und das

Fruchtfleisch, in welchem große, schwarze Samen eingebettet sind, ist

süß und schmackhaft. Ihre unreifen Früchte werden wie Kartoffeln in der

Asche geröstet. Die kurz vor dem Aufbrechen gepflückten Blütenknospen

werden ebenfalls geröstet und in diesem Zustande als Leckerbissen

betrachtet. Aus den Blättern wird ein grober, aber sehr dauerhafter

Faserstoff gewonnen.

Von dem Werte der auf dürrem, vulkanischem Boden Mexikos, Arizonas

und Südkaliforniens wachsenden +Agaven+, die von den Mexikanern im

großen kultiviert werden, ist an anderer Stelle bereits die Rede

gewesen. An ihnen ist mancherlei nutzbar. Die Wurzeln werden geröstet

genossen. In Wasser gekocht gibt die frisch geschnittene, kopfgroße

Blütenstengelknospe einen guten Sirup und ein sehr angenehmes Gericht.

Meist wird sie aber vor dem Ausbrechen vertieft abgeschnitten und der

sich reichlich in die Höhlung ergießende Zuckersaft gesammelt, um durch

Vergärung eine Art Wein, den Pulque, das Nationalgetränk der Mexikaner,

daraus zu gewinnen.

In den westlichen Steppen Nordamerikas wächst die +Kama+ (~Camassia

esculenta~), deren walnußgroße Zwiebelknollen von den Indianern

sehr geschätzt sind, da sie wie Kartoffeln, nur süßer schmecken.

Ihr Zuckergehalt muß ein beträchtlicher sein, da sie zerstampft und

in Wasser gekocht einen guten Sirup liefern. Noch vor kaum mehr als

einem Menschenalter hat diese bevorzugte Speise der Indianer im Staate

Idaho zu einem blutigen Kriege, dem berüchtigten Kamakriege, geführt.

Das Vieh der Ansiedler vernichtete diese Pflanze, welche sie, die

Indianer, für ihren Lebensunterhalt nicht entbehren könnten. So lautete

wenigstens die Begründung der Kriegserklärung gegen die Weißen. Aber

auch die Blaßgesichter essen die Kamawurzel gern; denn nicht wenige

Farmer lassen zur Erntezeit dieser Knollen im Juni und Juli von ihren

Kindern Vorräte für die Küche sammeln.

Sehr geschätzt in den Wüsten um den Salzsee von Utah sind die

walnußgroßen, äußerst schmackhaften Wurzelknollen der als +wilder Sago+

bezeichneten Liliazee ~Calochortus luteus~, die von den Indianern

eifrig ausgegraben und gesammelt werden. Deren Kinder schätzen sie um

des süßlichen Geschmackes willen wie Zuckerzeug. Als die Mormonen,

die sich selbst „Heilige des Jüngsten Tages“ nennen, von ihren

„heidnischen“ Nachbarn im Staate Illinois fortwährend befehdet, 1847

nach Westen über das Felsengebirge auswanderten, um sich in dem später

als Utah in die Union aufgenommenen Territorium am großen Salzsee eine

neue Heimat zu gründen, die sie der Wüste abringen mußten, da bildeten

diese Wurzeln im ersten Jahre ihres dortigen Aufenthaltes einen sehr

wichtigen Bestandteil ihrer Nahrung. Was das Manna der Wüste den nach

dem Lande Kanaan ziehenden Juden war, das wurde der wilde Sago den

unter dem Präsidenten Brigham Young (1801-1877) das Land der Verheißung

suchenden Mormonen.

Eine andere ausdauernde Lilienart, die in Nordamerika und Texas

weite Strecken steiniger, unfruchtbarer Hügelhänge hauptsächlich in

Erhebungen von 150-200 m mit ihren hellgrünen, 0,9-1,2 m langen,

schmalen Blättern bedeckt, ist der +Sotol+ (~Dasylirion texanum~).

Alle 3-4 Jahre treibt er einen saftigen, zuckerreichen, starken

Blütenstengel bis zu 3 m Höhe empor. Dieser ist das für den Menschen

Wertvollste an der Pflanze, da er vorzugsweise zu Schaffutter, aber

auch zur Nahrung des Menschen dient. Der Schäfer, der seine Herde auf

eine Sotolweide führt, geht ihr mit dem langen Haumesser, ~machete~

genannt, voraus und spaltet die Stengelköpfe, deren weiches, saftiges

Mark von den Schafen gerne gefressen wird. Nach einiger Vertrautheit

mit diesem Futter wissen sich die Schafe selber zu helfen; sie

warten die Vorbereitung ihres Hirten nicht ab, sondern zerreißen

selbst die Blätter des Sotol und dringen nagend in den Stengelkopf

ein. Dieses Futter ist nahrhaft und zugleich durstlöschend, so

daß es überflüssig wird, die Schafe, die sich von diesem Futter

ernähren, zur Tränke zu führen. Während der heißen Monate wird der

Sotol in seinem Verbreitungsgebiet als das wertvollste Schaffutter

betrachtet. Jedenfalls würde ohne sein Vorhandensein die Ernährung des

gegenwärtigen bedeutenden Schafbestandes in jenen sonst so dürren und

pflanzenarmen Gegenden nicht möglich sein.

Die Mexikaner verspeisen die jungen Stengelköpfe des Sotol gekocht

oder geröstet. Die letztere Zubereitung ist weitaus die beliebteste

und geschieht in folgender Weise: Es wird ein Loch gegraben, das 6-8

Köpfe aufnehmen kann, und mit einem darin angezündeten und längere

Zeit unterhaltenen Feuer gründlich erhitzt. Alsdann wird das Feuer

herausgeschaufelt, bis auf ein Bett glühender Kohlen, auf das die Köpfe

geworfen und mit Erde bedeckt werden. Nach 10-12 Stunden sind sie

gar. Sie haben dann ein braunes, saftiges Aussehen und schmecken ganz

angenehm süßlich.

Nach diesem Bratprozeß können die zuckerreichen Köpfe auch zur

Destillation eines als Sotolmescal bezeichneten Branntweins benutzt

werden, was sehr häufig geschieht. Dieser ist sehr stark, hat einen

eigentümlichen durchdringenden Geruch und ist bei den niederen

Volksklassen Mexikos sehr beliebt. Er wird etwa für 1¼ Mark per Liter

ausgeschenkt und berauscht sehr schnell, was als ein Vorzug angesehen

wird. Endlich kann aus den Blättern des Sotol ein grober Faserstoff

gewonnen werden, der zur Herstellung von allerlei Flechtwerk und Seilen

dient.

Die fleischigen, als Wasser- und Reservenahrungsbehälter dienenden

Wurzeln der verschiedensten Wüstenpflanzen liefern dem Menschen wie

den Tieren eine willkommene Nahrung, so auf den trockenen Plätzen

der nordamerikanischen Steppen die hühnereidicke, zarte, weiße,

stärkemehlreiche, einen angenehmen süßlichen, an Rüben erinnernden

Geschmack besitzende Wurzel der +Brotwurzel+ genannten ~Psoralea

esculenta~ und die zarte, spindelförmige Wurzel einer von den

Indianern +~yampah~+ genannten Umbellifere, die von den Shoshone-

und Schlangenindianern geradezu als die beste Nahrung aus dem

Pflanzenreiche betrachtet wird. Sie bildet bei mehreren nordwestlichen

Indianerstämmen einen geschätzten Handelsartikel und wird auch von den

weißen Bewohnern dieser Gegenden als Suppenwürze benutzt.

Die Nez Percés-Indianer sammeln die saftigen, fingergroßen Wurzeln

der an den öden Gebirgsabhängen des östlichen Oregon wachsenden

Umbellifere ~Carum gairdneri~, um sie wie Kartoffeln zu kochen. Sie

schmecken dann sehr angenehm rahmartig. Übrigens haben auch wir eine

in der Rheingegend als Unkraut gemeine Kümmelart, den knolligen Kümmel

oder die +Erdkastanie+ (~Carum bulbocastanum~), deren bis 5 cm dicke

Wurzelknollen kastanienähnlich schmecken und gekocht, gebraten und als

Salat gegessen werden. Besonders in der Moldau-Walachei sind sie eine

sehr geschätzte und viel gesammelte Nahrung, deren Anbau sich sehr

lohnen würde. Dieselben Indianer Oregons sammeln auch die schwarzen

Wurzeln einer andern auf dürrem, vulkanischem Erdreich wachsenden

Umbellifere, ~Oenanthe sarmentosa~, einer nahen Verwandten unseres

Roßkümmels (~Oenanthe phellandrium~), um sie geröstet zu verspeisen.

Beim Kochen berstet sie und zeigt einen weißen, stärkemehlartigen

Inhalt. Sie schmeckt süß, rahmartig und gilt deshalb bei den Indianern

als ein Leckerbissen ersten Ranges.

Ferner sammeln die Indianer die Wurzeln der in der Südhälfte des

Felsengebirges und im Wasatchgebirge vorkommenden Umbellifere

~Peucedanum ambiguum~, die von den Weißen als +Biskuitwurzel+

bezeichnet wird. Die Pflanze wächst auf so dürren Gehängen, daß sie

nicht einmal dürftiges Gras hervorbringen. Die Wurzeln werden im

Mai, zur Zeit der Blüte, gegraben und sind so außerordentlich reich

an Stärkemehl, daß dieses auch ohne Mahlen beim Trocknen förmlich

herausfällt. Es ist sehr weiß und angenehm zu essen, besitzt einen

milden Selleriegeschmack und hält sich viele Monate hindurch.

Ebenso sammeln sie die großen, spindelförmigen Wurzeln der in öden

Gebirgsgegenden Kaliforniens wachsenden weißblühenden Portulakart

~Lewisia rediviva~, die als sehr nahrhaft gilt und auch für den

Winterbedarf getrocknet wird.

Eine andere Knollenpflanze der dürren Gegenden von Neu-Mexiko, Arizona

und Kalifornien, die tiefe Sandansammlungen weithin bedeckt, ist eine

von den Spaniern als ~canaigre~ bezeichnete Sauerampferart, ~Rumex

hymenosepalus~. Die dunkelbraunen, im Durchschnitt zitronengelben,

batatenähnlichen Knollen von 10-20 cm Länge und 2-5 cm Dicke

schmecken stark zusammenziehend durch einen Gehalt von 9,6 Prozent

Gerbsäure und können deshalb auch zum Gerben verwendet werden. Dieser

Gerbstoffreichtum macht sie allerdings für den Menschen nur im Notfalle

eßbar.

In diesen dürren Gegenden bieten auch allerlei wildwachsende Samen eine

erwünschte Speise. So gedeiht an den trockenen, felsigen Hängen der

Gebirgswüsten von Mexiko, Kalifornien und Arizona bis zu 2700 m Höhe

eine nur unter günstigen Verhältnissen 9 m Höhe erreichende Fichte

(~Pinus edulis~), die von der spanisch redenden Bevölkerung ~piñon~,

von der amerikanischen jedoch +Nußfichte+ genannt wird, weil ihre

bohnengroßen, öligen Samen in Menge gesammelt und als vortreffliche

Speise wie Nüsse gegessen werden. Sie haben einen süßen, angenehmen

Geschmack, der durch Rösten bedeutend verfeinert wird. Sie dienen auch

vielfach zur Gewinnung eines guten Speiseöles, dessen Überschuß über

den Selbstgebrauch einen nicht unwichtigen örtlichen Handelsartikel

bildet. Nur hat es den einen Nachteil, bald ranzig zu werden. Das

leichte und weiche, aber sehr dauerhafte Holz dient vorzugsweise zur

Bereitung geschätzter Kohlen.

Auch die sehr eiweiß- und mehlreichen Samen eines in den Wüsten

von Utah, Colorado, Arizona und Nordamerika an tiefgelegenen

sandigen Stellen wachsenden strauchartigen Hülsenfrüchtlers, der

+Schraubenbohne+ (~Prosopis strombulifera~), von der spanisch redenden

Bevölkerung ~tornilla~ genannt, werden gesammelt und geben gekocht eine

ausgezeichnete, selbst vom verwöhnten Weißen gern gegessene Grütze.

Wegen dieser Samen schätzen die Indianer diesen Bohnenstrauch hoch, und

auch viele Soldaten der Union halten ihn in dankbarem Andenken; denn

auf den strapaziösen Kriegszügen gegen die Indianer in der trostlosen

Wildnis, die seine Heimat bildet, hat er es ihnen ermöglicht, nicht

nur Feuer anzuzünden, sondern hat auch ihren erschöpften, hungrigen

Pferden und Maultieren in den Blättern und mehr noch in den Samen eine

wohltätige Labung geboten. Alles Vieh frißt diese Bohnen, selbst wenn

es in gutem Futterstande gehalten wird und sonst genug zu fressen hat,

mit augenscheinlicher Begierde; deshalb dürfte auch dieser Strauch sich

zur Besiedelung sandiger Wüsten eignen.

Ein noch viel weiter südlich, nämlich vom Coloradofluß bis nach

Chile vorkommender und bei einiger Pflege einen bis 12 m hohen

Baum bildender Verwandter dieses Bohnenstrauches ist der +Mesquite+

(~Prosopis juliflora~). Mit seiner runden Krone und seinen

dornenbewehrten Ästen erinnert er lebhaft an unsere, übrigens derselben

Familie angehörende Akazie. An den trockenen Hügelhängen seiner

Heimat wächst er oft als einziger Vertreter der Pflanzenwelt so weit

das Auge reicht und läßt im Juni und Juli seine 15-20 cm langen,

flachen, etwas gekrümmten und zwischen den Samenkörnern eingeschnürten

Schoten in ganzen Büscheln reifen. Diese enthalten, wie diejenigen der

verwandten Tamarinde, ein süßes, schwach säuerliches Fruchtfleisch,

das nicht weniger als 26 Prozent Traubenzucker enthält und, grob

zerstoßen und mit Wasser übergossen, zur Herstellung eines nahrhaften

und erquickenden Aufgusses dient. Um ihren angenehm schmeckenden Atole

zu bereiten, verfahren die Mexikaner etwas anders. Zunächst kochen sie

die Schoten in Wasser, dann ersetzen sie das warme Wasser durch kaltes,

zerquetschen die Schoten in demselben und seihen nach einiger Zeit die

Flüssigkeit ab. Durch Stehenlassen kann man die zuckerreiche Abkochung

in alkoholische Gärung bringen und erhält dadurch ein berauschendes

Getränk, das viele Liebhaber findet.

Die reifen Schoten, die gerne vom Vieh aufgesucht und gefressen

werden, sind sehr der Entwicklung von Maden ausgesetzt, so daß die

Mexikaner und Indianer keine andere Abwehr dieser lästigen Gäste

kennen, als die gesammelten Schoten samt den Bohnen sofort in einem

Mörser zu feinem Mehl zu zerstoßen und dasselbe möglichst gut

verschlossen aufzubewahren, bis sie es zum Backen eines groben Brotes

gebrauchen wollen. Die Maden sind jedenfalls schon bei der Ernte in

den Schoten, worein sie wohl durch eine Art Kleinschmetterling gelegt

worden sind, vorhanden und werden durch das Mahlen getötet und so in

ihrer weiteren Entwicklung zerstört. So erklärt es sich, daß sich

das so gewonnene Mehl viel länger als die Schoten aufbewahren läßt.

Übrigens ist den Indianern das Auftreten der Maden durchaus nicht

unlieb, denn sie sehen in ihnen einen erwünschten Nahrungszuwachs; nur

die kultivierten Mexikaner denken anders und treffen entsprechende

Vorkehrungen. Diese Schoten bilden begreiflicherweise eine wichtige

Nahrung für die Indianer und mexikanischen Mischlinge, wie für ihre

Pferde und Maultiere. Auch die Unionssoldaten haben sie auf ihren

Kriegszügen gegen die Indianer als Pferdefutter schätzen gelernt,

und ein mit Vermessungen betrauter Offizier der Vereinigten Staaten

ging in seinem Bericht an das Kriegssekretariat sogar so weit, zu

behaupten, der Erfolg seiner Expedition wäre ohne das Vorhandensein der

Mesquiteschoten überhaupt nicht möglich gewesen.

Das läßt uns den ungeheuren Wert des Mesquite für die Bewohner der

unfruchtbarsten Gegenden seines Verbreitungsgebietes begreifen. Diese

wüßten wohl kaum, wie sie sich ohne ihn durchs Leben schlagen sollten.

Ratlos würden sie sich auch nach Brennmaterial umsehen, wenn er nicht

vorhanden wäre; denn solches wird an vielen Orten ausschließlich vom

Mesquite geliefert. Und welch treffliches Brennmaterial bietet er

nicht! Beim Verbrennen seines Holzes strömt eine Hitze aus wie aus

Steinkohlen. Für die Kohlenbrennerei wird schwerlich ein besseres Holz

aufzufinden sein als das seinige. Zudem liefert er, wenn die Stämme

eine genügende Dicke erreicht haben, ein für die Möbeltischlerei sehr

gesuchtes Werkholz, dessen Kernholz gelbrot bis purpurn leuchtet und

scharf gegen den fahlgelben Splint absticht. Beide nehmen eine schöne

Politur an, was ihren Wert als Nutzholz erhöht. Außerdem ist es so

hart, daß es verschiedenen mexikanischen Städten zur Pflasterung der

Straßen dient und sich dabei sehr bewährt hat.

Vom Mai bis September schwitzt ein bernsteingelber Gummi aus den

Mesquitestämmen, das wie arabischer Gummi schmeckt, sich leicht in

drei Teilen Wasser auflöst und dann einen guten Klebstoff bildet, der

den arabischen Gummi völlig ersetzt. Von diesem unterscheidet er sich

chemisch dadurch, daß er nicht wie jener von essigsaurem Blei gefällt

wird und damit einen weißen Niederschlag gibt. Je älter der Stamm und

je dicker und geborstener die Rinde ist, um so reichlicher ist die

Ausschwitzung von Gummi, der auch aus allen Astlöchern sickert. Ein

großer Baum liefert eine Ernte von etwa 120 g; doch kann dieselbe bis

auf 400 g erhöht werden. Als Mesquite- oder Sonoragummi wird er zu

etwa 10000 kg jährlich hauptsächlich nach Mexiko exportiert, wo ihn

viele Apotheken als Ersatz des arabischen Gummis führen.

Auch die an Erbsen erinnernden braunen Samen eines andern, zu den

Leguminosen gehörenden Baumes, des +Eisenholzes+ (~Olneya tesota~),

der an öden, felsigen Stellen in den wasserärmsten Gegenden des

nordwestlichen Mexiko und in Arizona wächst, werden von den Indianern

roh und geröstet gegessen. In letzterem Zustande sollen sie wie

Erdnüsse schmecken. Das Stammholz liefert gutes Brennmaterial und

eignet sich zur Anfertigung von allerlei Geräten. Schon um dieser

Eigenschaft willen verdient der Baum Beachtung zur Nutzbarmachung von

Wüsten.

Ein anderes nicht unwichtiges Wüstengewächs ist die die öden,

sandigen Strecken von Texas und Arizona bewohnende, 0,6-1,8 m hohe

strauchartige +Zwergpflaume+ (~Prunus fasciculata~), deren karminrote,

süße, etwas größer als die der Schlehe werdenden Früchte sowohl frisch

als gedörrt und zu Mus verarbeitet gerne gegessen werden. Wenn sie zu

reifen beginnen, wandern die Indianer von weit her zur Ernte herbei, um

möglichst große Vorräte von ihnen einzuheimsen.

Endlich ist noch als ein höchst zierliches Blumenkind der

nordamerikanischen Wüste die +Coloradolilie+ (~Hesperocallis undulata~)

zu erwähnen, deren 3-5 cm dicke Wurzelknollen 30 cm tief in der

Erde ruhen, bis ein alle 10-12 Jahre eintretender gründlicherer Regen

sie aus ihrem Scheintod zu neuem Leben erweckt. Dann treiben sie aus

dem nackten, schattenlosen Sande je einen 60-90 cm langen, mit

dunkelgrünen, tiefgekerbten Blättern umkränzten Blütenstengel, der im

Laufe von wenigen Wochen 30 bis 40 aus 6 weißen Blumenblättern mit

einer grünlichpurpurnen Mittelrippe bestehende Blüte hervortreibt.

Milchweiß, wenn sie sich öffnen, werden sie im Laufe des Tages perlweiß

und am Abend -- der Zeit ihrer größten Schönheit -- halb durchsichtig.

Die märchenschönen Glocken schließen sich um Mitternacht, um dann

abzusterben und jüngeren Geschwistern Platz zu machen, die am frühen

Morgen in entzückender Jugendfrische aus den gesprengten Knospen

hervortreten. Eine große Pflanze treibt 5-6 Blüten im Tage, die vom

Augenblicke ihrer Entfaltung an, zumal am Abend, einen starken,

süßen Duft ausströmen lassen. Daher hat man dieser Gattung den Namen

Hesperocallis, d. h. Abendschön, gegeben. Nach der Befruchtung zeitigen

die Blüten eine 3 cm lange, mit schwarzen Samen dichtgefüllte Kapsel.

Besonders wenn die Mesquiteschoten knapp sind, graben die Indianer

eifrig nach den Wurzelknollen der in ihrer Sprache ~ethulia~ genannten

Blume, um sie als willkommene Speise zu verzehren.

Wenn nun allein die nordmexikanische Wüste eine solche Menge nutzbarer

Pflanzen beherbergt, die es verdienten, vom Menschen in anderen,

dieselben ungünstigen Lebensbedingungen aufweisenden Wüsten angesiedelt

zu werden, so kann man sich denken, was für wertvolles Pflanzenmaterial

die verschiedenen Wüstengebiete der Erde zusammen darbieten. Es sei

hier beispielsweise nur an die südafrikanische Kalahariwüste erinnert,

auf der nach den ersten Schauern der kurzen Regenzeit eine ihre Ranken

weithin über den Wüstensand treibende Cucurbitazee, die +Zamamelone+

(~Cucumis zama~), eine Verwandte unserer aus Wüsten desselben Erdteils

Afrika stammenden Wassermelone, hervorsprießt. Bald erscheinen an

ihr gelbe Blüten, aus denen außerordentlich saftige Früchte von

der Größe eines Straußeneis hervorgehen. Diese dienen Tieren und

Menschen als willkommene Nahrung und besonders auch durstlöschendes

Mittel, das ihnen das fehlende Wasser ersetzt. Den Buschmännern,

jenen zwergartigen, gelbhäutigen, unstet dem Wilde als ihrer

Hauptnahrung nachwandernden Jägern der weiten Kalahari, ist diese wilde

Wassermelone, die nach einer guten Regenzeit strichweise die wasserarme

Steppe bedeckt, neben den saftigen Wurzeln verschiedener Pflanzen die

wichtigste pflanzliche Nahrung, die sie eifrig aufsuchen und von der

sie Depots im Boden anlegen, um sie sich bei ihrer Rückkehr von der

Jagd zu sichern. In Zeiten, da sie nicht zu haben sind, vergraben die

Buschmänner mit Wasser gefüllte Straußeneier als Reservewasserbehälter

in den Sand, um sich damit zur Zeit der Dürre vor dem Verdursten zu

schützen.

Im Norden der Kalahari wächst eine von den Betschuanen -- wie diese

behaupten -- dort eingeführte +süßliche Melone+, von ihnen ~mangotan~

genannt, die ihnen mühelos Stillung des Hungers, wie des Durstes

gewährt. Sollen solche Melonen, an denen der Mensch durch künstliche

Zucht noch größere und wohlschmeckendere Früchte zu erzielen vermöchte,

planmäßig angebaut, nicht die Wüste bewohnbarer machen helfen? Man

sollte denken, daß die Zeit nicht mehr fern ist, da solche Schätze der

Natur von dem sich über immer weitere Gebiete der Erde ausbreitenden

Menschen willig in Kulturpflege genommen und durch systematische

Veredlung noch nutzbarer gemacht werden dürften. Denn wir sind noch

lange nicht am Ende der menschlichen Entwicklung angelangt. Wir

befinden uns vielmehr erst am Anfange derselben und unsere Nachkommen

werden weiterführen, was wir und unsere Vorfahren begonnen haben, bis

die ganze Erde mit allen ihren Wüsten dem Leben und der menschlichen

Kultur erobert ist.

Außer diesen Melonen dienen noch mancherlei andere Pflanzen dem

Menschen, der diese dürren, pflanzenarmen Gebiete jagend durchstreift,

zur Nahrung. So graben die Buschmänner und Betschuanen besonders nach

den schmackhaften Zwiebeln von Ixias und anderen Lilienarten. Diese

bilden neben dem fleischigen Kern der gewaltigen, sehr tiefgehenden

Wurzel des Elefantenfußes (~Testudinaria elephantipes~) und dem

stärkemehlreichen Mark des Palmfarns Zamia einen Hauptbestandteil ihrer

Nahrung.

In den Wüsten Nordafrikas und Westasiens gedeiht ein kleiner, dorniger

Baum von abschreckendem Aussehen aus der Familie der Simarubazeen aus

der engeren Verwandtschaft der Terebinthe und des Weihrauchbaums.

Dieser von den Arabern +Zachun+ genannte ~Balanites aegyptiaca~ mit

einpaarig gefiederten Blättern, grünlichweißen Blüten und walnußgroßen,

im reifen Zustande grünlichen, ölreichen Früchten wehrt sich so tapfer

wie irgend ein anderes Wüstengewächs gegen die verheerenden Sandstürme,

die mit ihrem Gluthauch alles Lebendige zu verschlingen drohen. Seine

Früchte waren schon von den alten Ägyptern, denen doch besseres Obst

als Nahrungsmittel zu Gebote stand, geschätzt und wurden von ihnen

ihren Toten als Speise für das Geisterreich mitgegeben. Als solche

hat man sie öfter in Gräbern der 12. Dynastie (2000-1788 v. Chr.) im

Gräberfelde von Kahun und in anderen Nekropolen des mittleren Reichs

gefunden. Aus den Samen pressen die Araber heute noch ein Öl, dem

sie heilende Wirkung zuschreiben. Aus dem Verkaufe dieses Öls an die

Reisenden, zumal an die Pilger, machen die in Palästina wohnenden

Araber ein einträgliches Geschäft. Und das sehr harte Holz des Zachuns

wird von den Drechslern Jerusalems zu den verschiedensten Gegenständen,

hauptsächlich aber zu Spazierstöcken verarbeitet.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 79 / 81 段