Ebenfalls in Zentralamerika heimisch ist das +echte Gelbholz+ oder der

+Fustik+, der vom Färbermaulbeerbaum (~Machusa tinctoria~) stammt und

den gelben Farbstoff Morin enthält, der heute noch trotz der Konkurrenz

der Anilinfarben mit Vorteil zu gelben, braunen und olivengrünen Beizen

dient. Als +ungarisches Gelbholz+ oder +Fiset+ kommt dagegen das Holz

des Färbersumachs oder Perückenbaums (~Rhus cotinus~) zur Verwendung.

Es enthält denselben gelben Farbstoff wie die Quercitronrinde

der nordamerikanischen Färbereiche (~Quercus tinctoria~), das

Quercitrin. Ohne extrahierbaren Farbstoff gelb gefärbt und deshalb oft

fälschlicherweise Gelbholz genannt ist das +gelbe Sandelholz+, das

von dem in Ostindien heimischen Sandelbaum (~Santalum album~) stammt.

Es ist gelblich, stellenweise rötlich und besitzt einen starken,

angenehmen Geruch durch das in ihm enthaltene und durch Destillation

daraus gewonnene offizinelle Sandelöl.

Zu den bekanntesten, schon seit Anfang des 18. Jahrhunderts in Europa

verwendeten ausländischen Hölzern gehört das +Mahagoniholz+, das von

verschiedenen, nur im tropischen Amerika vertretenen 25-30 m hohen

Bäumen der nach dem Leibarzte der Kaiserin Maria Theresia Gerard van

Swieten (1700 zu Leiden geboren, starb in Wien 1772) ~Swietenia~

genannten Meliazeengattung aus der Familie der Terebinthen oder

Balsamgewächse stammt. Das frische Holz ist gelbrot bis bräunlich,

färbt sich aber mit der Zeit dunkelbraun bis fast schwarz. Es ist

schwer und hart und bildet auch wegen des geringsten Schwindens

unter allen technisch verwendeten Hölzern ein hochgeschätztes

Möbel-, Kunstschreiner- und Furnierholz. Die wichtigste Art ist die

in Westindien und im tropischen Amerika in einer verhältnismäßig

schmalen Zone zwischen dem 11. und 23. Grad nördlicher Breite

heimische ~Swietenia mahagoni~, die bei einem Stammdurchmesser von

4 m bis 33 m hoch wird. Der Baum besitzt einen weit ausgebreiteten,

dicht belaubten Wipfel, trägt paarig gefiederte Blätter, kleine,

gelblichweiße Blüten in achselständigen Rispen mit beinahe faustgroßen,

braunen, holzigen Kapseln mit zahlreichen flachen Samen. Er wächst

außerordentlich langsam und soll seine volle Größe erst im Alter von

200 Jahren erreichen. Man findet den Baum nirgends in geschlossenen

Beständen, vielmehr steht er einzeln als ein Riese unter den anderen

Bäumen des tropischen Waldes. Fünf Mahagonibäume auf den Hektar

gelten schon als ein dichtes Vorkommen; meist sind die Bäume noch

spärlicher verteilt. Das Fällen derselben wird von Juni bis Januar

vorgenommen, und zwar verlegt man wegen der drückenden Hitze, welche

tagsüber herrscht, die Arbeit gern auf die mondhellen Nachtstunden.

Die gefällten Stämme werden vierkantig behauen und auf Ochsen- oder

Maultierkarren dem nächsten Wasserlaufe zugeführt, wo sie entweder

einzeln oder zu Flößen verbunden nach dem Meere geflößt werden. Während

sie aber im Süßwasser ohne Schaden beliebig lange verbleiben können,

muß ihr Aufenthalt im Meerwasser so kurz als möglich sein, da sie darin

leicht vom Bohrwurm angegriffen werden. Zur Ausfuhr kommen in der Regel

nur die besten und größten Stämme, die kleineren Stücke und die Abfälle

verarbeitet man an Ort und Stelle.

Die erste Bekanntschaft mit dem Mahagoniholz machten die Europäer bald

nach der Entdeckung Amerikas. Schon zur Zeit des Fernando Cortez und

seiner Begleiter soll das Holz zum Bau von Schiffen benutzt worden

sein. Ebenso verwendete es der britische Seefahrer Walter Raleigh

in Westindien zur Ausbesserung seiner Fahrzeuge. In unbearbeitetem

Zustande gelangte es erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts als Ballast

eines von Westindien zurückkehrenden Schiffes nach England. Der

Schiffskapitän schenkte die großen Blöcke seinem Bruder, einem

angesehenen Arzte in London, der sie lange Zeit unbenutzt in seinem

Hof lagern hatte, bis seine Gattin durch den Schreiner Wollaston

einen Kasten daraus verfertigen ließ. Dieser gefiel so gut, daß der

Doktor sofort noch einen Schreibtisch für sich daraus herstellen

ließ. Die schöne Farbe und glänzende Politur des Möbels ließen in der

Herzogin von Buckingham den Wunsch aufkommen, für sich auch solche

zu bestellen. Es war dies im Jahre 1724. Die Nachfrage nach diesem

ausländischen Zierholz nahm dann in der Folge langsam zu, so daß

schon im Jahre 1773 allein aus Jamaika 520000 Kubikfuß davon nach

England eingeführt wurden. Da es damals noch sehr selten war, sahen

sich die Tischler schon aus Sparsamkeitsgründen dazu gezwungen, es

fast nur als Furnierholz zu gebrauchen. Besonders schöne Stücke

desselben erzielen heute noch recht hohe Preise; so bezahlte eine

Pianofortefabrik vor nicht sehr langer Zeit für einen einzigen, in

drei Blöcke zerschnittenen Mahagonifurnierstamm die ansehnliche Summe

von 60000 Mark. Besonders geschätzt ist das geflammte, sogenannte

Pyramidenmahagoni. Es kommt in verschiedener Qualität aus Kuba, Mexiko

und Zentralamerika zu uns. Britisch-Honduras führt jährlich für gegen

3 Millionen Mark davon aus. Als +weißes Mahagoni+ wird das Holz des in

Westindien heimischen Acajoubaums (~Anacardium occidentale~) verwendet,

während das +afrikanische Mahagoni+ von verschiedenen Khajaarten aus

Westafrika gewonnen wird. Das +australische+ oder +Bastardmahagoni+

dagegen stammt von verschiedenen Eucalyptusarten Australiens. Diese

bis zu 150 m erreichenden Bäume, die somit zu den höchsten Bäumen

der Erde zählen, haben ein rotbraunes, sehr hartes und dauerhaftes,

von Insekten nicht angegangenes Holz. In Südeuropa wird wegen seiner

Schnellwüchsigkeit und der aromatischen Ausdünstung seiner Blätter

seit der Einführung durch Ramel im Jahre 1856 der +blaue Gummibaum+

(~Eucalyptus globulus~) angepflanzt, der 1792 von Labillardière

in Tasmanien entdeckt wurde, eine Höhe von 110 m erreicht und

ein vorzügliches Bauholz liefert, das mit Vorteil zum Schiffsbau

dient, da es im Wasser nicht leicht fault. Durch die Fähigkeit, auch

auf sumpfigem Boden schnell zu wachsen und zu dessen Entwässerung

beizutragen, soll der Baum günstig zur Bekämpfung des Wechselfiebers

wirken. Ein aus ihm hergestelltes ätherisches Öl wird vielfach in der

Medizin verwendet.

Eines der wertvollsten Zierhölzer für Drechsler und zur Herstellung

von Einlegearbeiten ist das schön rötlichbraune +Schlangen-+ oder

+Tigerholz+, so genannt, weil es einer Schlangenhaut ähnlich, mit

größeren und kleineren dunkelbraunen Flecken gezeichnet ist. Es ist

sehr hart, dicht und schwer und kostet pro 100 kg wenigstens 1600

Mark. Es kommt in mittelstarken Stämmchen von Nordbrasilien und Guiana

in den Handel und wird zur Anfertigung von Spazierstöcken, Geigenbogen,

Furnieren und eingelegten Arbeiten benutzt. Ob es von der Morazee

~Brosimum aubletti~, von der Leguminose ~Machaerium schomburgki~ oder

von einem andern Baum stammt, ist ungewiß. Ebensowenig sind die Bäume

bekannt, die das +Ferolia-+ oder +Satinholz+ liefern, das aus Ost- und

Westindien zu uns gelangt. Mit Rücksicht auf die Farbe unterscheidet

man gelbes, rotes und braunes Satinholz. Letzteres ist am häufigsten

und wird als „Nußsatin“ für Möbel fast allgemein verwendet. Es ist

leicht, weich, von mattbrauner Farbe und unserem Nußholz sehr ähnlich,

doch von feinerem Gefüge, während das gelbe Satinholz schwer, hart,

wunderschön atlasglänzend und in manchen Arten auch wohlriechend ist.

Mit diesem letzteren wird vielfach das +Zitronenholz+ (von ~Citrus

medica~) verwechselt, das in neuerer Zeit wegen seiner schönen

gelben Farbe und seidenartig geflammten Struktur ein sehr beliebtes

Furnierholz für Möbel geworden ist.

Ein sehr schönes und wertvolles Zierholz kommt unter dem Namen

+Königsholz+ von Sumatra und Java, aber auch aus Westindien, namentlich

Jamaika, nach Europa. Es stammt vom Tembesubaume (~Fagrea peregrina~),

doch werden noch verschiedene andere Arten als Königshölzer bezeichnet.

Der Name stammt daher, daß die Häuptlinge der betreffenden Gegenden den

Handel mit diesen Holzsorten als ihr Monopol betrachten. Ihre Farbe ist

violett bis schwarzbraun, oft mit rötlichen Adern durchzogen. Aus dem

tropischen Amerika kommt das kaffeebraune, mit dunkleren, unregelmäßig

verteilten Längsstreifen schön gezeichnete +Ziricota-+ oder echte

+Zebraholz+, ferner das tief rötlichbraune mit teils helleren, teils

dunkleren, oft auch welligen Tupfen gezeichnete +Patridge-+ oder

+Rebhuhnholz+, sowie das im frischen Schnitte lebhaft gelbrote, später

braunrot werdende, äußerst schwere und harte +Kokoboloholz+ in den

Handel. Die Abstammung aller dieser drei Hölzer ist ungewiß. Sie dienen

hauptsächlich für Einlegearbeiten, als Bürstenhölzer und für die

Stockindustrie.

Ein wegen seiner prächtig hellroten Farbe für Möbel, Einlegearbeiten

usw. sehr geschätztes Holz ist das aus Indien und von den Sundainseln

stammende +Padukholz+ von ~Pterocarpus macrocarpus~, während das aus

dem tropischen Amerika kommende +Panakoko-+ oder +Pferdefleischholz+

von ~Robinia tomentosa~, so genannt, weil es frischem Pferdefleisch

ähnlich bräunlich mit roten oder grünschwarzen Schattierungen

ist, hauptsächlich zu Geigenbögen, Einlegearbeiten, sowie in der

Stockindustrie Verwendung findet.

Als das wichtigste Holz für den Schiffbau muß das im tropischen

Asien heimische +Tiekholz+ bezeichnet werden, das einen bedeutenden

Handelsartikel bildet. Es ist hell braunrot mit starkem, an Kautschuk

erinnerndem Geruch. Weil manche Sorten äußerlich unserem Eichenholze

ähnlich sind, wird es auch als „indisches Eichenholz“ bezeichnet. Es

ist aber dauerhafter als dieses und hat vor ihm den Vorzug, daß es von

Insekten nicht angegangen wird und vor allem auch dadurch, daß mit ihm

in Verbindung gebrachte eiserne Nägel, Schrauben, Bolzen usw. nicht

rosten, was beim Eichenholz nicht vermieden werden kann. Daneben ist es

außerordentlich fest und schwindet kaum. Der echte Tiekbaum (~Tectona

grandis~, aus der malabarischen Bezeichnung ~tekka~ für diesen Baum

entstanden) ist ein in Ostindien, Hinterindien von Birma bis Malakka,

und auf Java heimischer, sehr großer Baum mit gegenständigen, großen,

eiförmigen, unterseits weißfilzigen Blättern, weißen Lippenblüten in

großen, endständigen Rispen und im vergrößerten Kelch eingeschlossenen,

haselnußgroßen Früchten. Er gedeiht am besten auf trockenem Waldboden,

meidet aber die immergrünen Bergwälder, wie auch das Meeresufer und

steigt in den Gebirgen bis zu 1300 m empor, gedeiht aber schon bei

1000 m Meereshöhe nicht mehr so gut wie am Fuße der Gebirge. Auf

angeschwemmtem Boden erreicht er in 80 Jahren, im Gebirge dagegen

kaum vor 200 Jahren seine höchste Entwicklung. Der Stammumfang mißt

dann bis 7 m und die großen Äste stehen bis 30 m über dem Boden.

Der Baum wird seines Holzes halber viel kultiviert und ist auch auf

Sumatra, Cochinchina und in Südchina eingeführt worden. Sehr ausgedehnt

sind die Tiekwälder in Birma und Siam. Gewöhnlich fällt man die Bäume

zwischen dem 40. und 60. Jahr, wenn sie eine Höhe von 17-20 m und

eine Stammstärke von 1 m erreicht haben. Um recht trockenes Holz

zu erhalten, ringelt man in Indien am untern Teil des Stammes Rinde

und Splintholz ab und läßt den schnell absterbenden Baum zwei Jahre

lang stehen. Da aber dadurch das Rissigwerden des Holzes begünstigt

wird, ist diese Methode neuerdings auf Malabar verlassen worden. Das

Holz wird in Indien vielfach benutzt, aber auch in großen Mengen nach

Europa und Nordamerika eingeführt, wo es außer als Schiffbauholz zu

großen Konstruktionen und zum Bau von Eisenbahnwagen verwendet wird. Es

enthält in frischem Zustande ein Öl, das in Indien häufig das Leinöl

ersetzt. Die Rinde benützt man zum Gerben, mit den Blättern färbt man

Seide und Baumwolle purpurrot, auch dienen sie wie die Blüten als

Heilmittel.

Ein sehr leichtes und weiches Holz kommt von Nordamerika in großer

Menge nach Europa und findet hier hauptsächlich als Blindholz für

furnierte Arbeiten, dann zu Wagenkastendecken und als Füllungen

im Wagenbau, wie auch zu leichten Möbeln ausgedehnte Verwendung.

Es ist dies das +amerikanische Pappelholz+ oder ~white wood~, das

von dem auch bei uns als Zierbaum angepflanzten nordamerikanischen

+Tulpenbaum+ (~Liriodendron tulipifera~) stammt. Auch das Holz des in

China heimischen +Kampferbaums+ (~Laurus camphora~) findet außer zur

Kampfergewinnung wegen seiner schön blaßrötlichen Farbe, vornehmlich in

gemaserten Stücken, als Furnierholz vielseitige Benutzung.

Die +Palmenhölzer+, deren Farbe im Querschnitt gewöhnlich einen

hellbräunlichen Grundton mit einer Menge kleiner, tiefschwarzer Punkte

zeigt, die wie Fliegenkot aussehen, finden meist nur als Furnierhölzer

zu Einlegearbeiten Verwendung. Damit hätten wir die für uns in Betracht

kommenden Nutzhölzer erschöpft.

[6] Siehe das Nähere über die „Pilzwurzel“ oder ~Mycorrhiza~ im 13.,

die Pflanzengenossenschaften behandelnden Abschnitt meines

Werkes: Das Leben der Erde, Verlag von Ernst Reinhardt, München

1908.

XXXII.

Die Nutzpflanzen der Wüste.

Nicht nur die mit atmosphärischen Niederschlägen gesegneten Gebiete

der Erde haben ihre Nutzpflanzen, sondern auch die niederschlagsarmen

und infolge ihrer Trockenheit allem Leben so feindlichen Wüsten.

Und in diesen Wüsten sind solche begreiflicherweise von Tieren und

Menschen, die ihnen begegnen, doppelt geschätzt. Nun sind alle

Wüstenpflanzen vor allem darauf angewiesen, möglichst haushälterisch

mit dem ihnen so spärlich zu Gebote stehenden Wasser umzugehen. Deshalb

haben sie alle stark das Wasser verdunstenden Organe, so namentlich

die Blätter, vielfach ganz abgeschafft oder doch bis auf kleine,

bedeutungslose Schüppchen reduziert und haben außerdem, sei es in

den unterirdischen Zwiebelknollen, wie bei den Lilienarten, sei es

im oberirdischen Stamm, wie bei den sämtlich in Amerika heimischen

Kakteen, teilweise sehr umfangreiche Wasserspeicher angelegt, während

bei den altweltlichen, fast ausschließlich in Afrika vorkommenden

Euphorbiazeen oder Wolfsmilchgewächsen und Aloëarten der Stamm auf

ein Minimum reduziert ist und dafür die fleischigen Blätter zu Wasser

aufspeichernden Organen geworden sind. In diesen schwammigen Geweben,

die als Wasserreservoire dienen, ist das Wasser, um es nach Möglichkeit

zurückzubehalten, an einen dicken, gallertartigen Schleim gebunden.

Die ganze Pflanze ist von einer lederartigen, festen Oberhaut umgeben,

die die Atmungsöffnungen auf das geringste Maß vermindert hat, um dem

angesammelten Wasser keinen Durchlaß zu gewähren. Außerdem schränken

Haare, Stacheln und Wachsüberzüge die Verdunstung fast bis zur

Unmöglichkeit ein.

[Illustration:

Tafel 167.

(Nach Photogr. von O. B. Waite in Mexiko.)

Säulenkaktus (~Cereus~) als Wegeinfassung auf dem Hochlande von Anahuac

in Mexiko.]

[Illustration:

Tafel 168.

(Nach Photogr. von ~Dr.~ H. Roß.)

Typische Kakteenlandschaft in den Bergen östlich von Tehuacan in

Mexiko.]

[Illustration:

(Nach Photogr. von O. B. Waite.)

Baumartig verzweigter Säulenkaktus (~Cereus~) am Wege von Oaxaca nach

Mitla in Mexiko.]

Die +Kakteen+ sind der Typus solcher Wüstenpflanzen. Sie sind

lebende Wasserreservoire in der trockenen Wüste und deshalb für

ihre wasserlosen Standorte so überaus bedeutsam. Die Hauptmasse

eines jeden besteht aus an Schleim gebundenem Wasser, was ihnen in

den wasserfreien Gegenden, auf die sie beschränkt sind, für Tiere

und Menschen die größte Wichtigkeit verleiht. In Mexiko und in den

mittel- und südamerikanischen Bergländern entscheiden sie durch ihr

Vorhandensein oder ihre Abwesenheit geradezu über Leben und Tod. Und

was dort der Mensch mit seinem langen Buschmesser, dem ~machete~,

bewirkt, nämlich die zu ihrem Schutze an der Pflanze haftenden

Stacheln abschlagen, um sie ergreifen und essen zu können, das erzielt

das Maultier mit seinen Hufen. Mit derselben Leidenschaft, wie bei

uns die Esel den Spuren der Disteln folgen, so geben sich dort die

Maultiere mit wahrer Virtuosität dem Sport des „Kaktusschlagens“

hin, um in der wasserlosen Gegend zum allzu verlockenden saftigen

Bissen zu gelangen. Allerdings werden sie dabei nur zu oft zu

Krüppeln, indem die eisenharten, langen Stacheln tief in den Huf der

Tiere eindringen, so daß viele dieser Einhufer mit gelähmten Beinen

herumhumpeln. Nichtsdestoweniger müssen sie meist mit Gewalt von ihrer

leidenschaftlichen Begierde nach dem leckeren Mahle abgehalten werden.

Für den Menschen gibt es zwar angenehmere Getränke als den schleimigen,

kühlen Saft der Kakteen; nichtsdestoweniger hat dieser klebrige Trunk

verschmachtende Reisende, ja, ganze Expeditionen oft genug vom Tode des

Verdurstens gerettet.

Außer durch ihr saftiges Mark sind die Kakteen auch durch ihre Früchte

Tieren und Menschen in der Wüste nützlich. Unter diesen Kakteenfrüchten

sind am bekanntesten diejenigen des von den Mexikanern Tuna genannten

+Tuna-Feigenkaktus+ (~Opuntia tuna~). Sie sind bis apfelgroß, hellrot,

angenehm säuerlich und werden nach Entfernung der dicken, stacheligen

Schale frisch oder gedörrt in Menge vom Menschen gegessen; aus den

unreifen Früchten gewinnt man durch Kochen ein an Apfelmus erinnerndes

Kompott. Einige Indianerstämme rösten auch die saftigen, süßen Stengel,

bevor sie sie essen. Ein naher Verwandter von ihm ist der +gemeine

Feigenkaktus+ (~Opuntia ficus indica~), der bald nach der Entdeckung

Amerikas von den Spaniern nach ihrer Heimat gebracht wurde und sich

von da über das ganze Mittelmeergebiet, Nordafrika und Westasien

verbreitete und dem Menschen ein geschätztes Obst liefert.

Die weitaus wohlschmeckendsten Früchte unter allen Kakteen besitzt

aber der in Westindien heimische ~Cereus triangularis~. Man nennt sie

+Erdbeerbirnen+, da sie an beide Früchte erinnern. Sie haben die Größe

eines Gänseeis und sind außen und innen scharlachrot. Der in Mexiko

heimische, 6-13 m hohe und 0,6-1,3 m dicke +Riesenkaktus+ (~Cereus

giganteus~) besitzt birnenförmige, grünlichgelbe Früchte in der Nähe

des Wipfels, die innen schön rot und schmackhaft sind und viele kleine,

schwarze Samen enthalten. Ihre Schale ist weichfaserig, saftig und

süß. Für die Indianer sind die Früchte, die in bezug auf Geschmack an

Feigen erinnern, nur viel saftiger sind, wahre Leckerbissen, mit denen

sie sich als einziger Nahrungsquelle begnügen, solange sie solche haben

können. Das Mark der Früchte wird von ihnen in luftdicht verschlossenen

irdenen Töpfen konserviert, auch wird daraus ein klarer, lichtbrauner

Sirup gepreßt.

Noch besser als die Früchte des Riesenkaktus sollen nach dem Urteil

der Mexikaner diejenigen des +Thurberschen Kaktus+ (~Cereus thurberi~)

schmecken, die ebenfalls in großen Mengen von ihnen gegessen werden.

Sie sind etwa hühnereigroß und mit langen, schwarzen Stacheln besetzt.

Sobald sie reif sind, was an ihrer rötlichen Farbe erkennbar ist,

fallen die Stacheln ab, die Schalen bersten und lassen reichlich ein

rotes, saftiges Mark, mit kleinen, schwarzen Samen durchsetzt, zutage

treten. Dieser, wegen seiner süßen Früchte von den Mexikanern ~pitahaja

dolce~ genannte Kaktus wird 5,5-6 m hoch und 15-20 cm dick und

wird nach den Begriffen der Indianer und Mexikaner kultiviert, d. h.

diese streuen den Samen der von ihnen gegessenen Früchte irgendwohin

und überlassen das übrige der Natur. Auch aus dem saftigen, süßen

Fruchtfleisch dieser Kaktusart läßt sich ein feiner Sirup gewinnen.

Ebenso nützlich ist der +Seeigelkaktus+ (~Echinocactus wislizeni~), der

bei einem Durchmesser von 0,5 m nur 3 m hoch wird. Das Stengelmark

dieses von den Mexikanern ~visnaga~ genannten, sehr stark bestachelten

Kaktus schmeckt im Innern angenehm säuerlich und den Durst löschend,

wenn es gekaut wird, während das Mark der Früchte sauer ist und deshalb

nur selten als Speise dient; dagegen wird aus den kleinen schwarzen

Samen durch Mahlen ein schmackhaftes Mehl bereitet. Die Reisenden in

den Wüsten des nördlichen Mexiko und südlichen Arizona sind höchst

erfreut, wenn sie ihm begegnen, da sie bei ihm ihren Durst auf

angenehme Weise zu löschen vermögen. Fast alle an beiden Seiten der

Wüstenwege wachsenden Seeigelkaktusse zeigen große Löcher, die von den

durstigen Reisenden gebohrt wurden. Einzelne Abschnitte des Stammes

werden als Kochgeschirr benutzt. Wenn ein wandernder Indianer sich ein

Mahl zu bereiten wünscht, sucht er einen großen Echinokaktus, haut ein

etwa 1 m langes Stammstück ab und höhlt es zu einem Troge aus. In

diesen wirft er den weichen Markkern, welchen er bei der Aushöhlung

gewann, und was er sonst Genießbares an Wurzeln oder Fleisch besitzt

und fügt Wasser hinzu. Dann erhitzt er einen Feldstein im offenen

Feuer so stark wie möglich und wirft ihn in den Trog. Ist der Stein

abgekühlt, so wird er abermals erwärmt und ein zweites Mal in den Trog

geworfen. Das genügt gewöhnlich zum Durchkochen der Masse; nur selten

ist eine dritte Erwärmung des Steines notwendig.

Die Papajoindianer schälen die Rinde mit den Stacheln vom Stamm

dieses Kaktus ab ohne ihn umzuhauen, lassen ihn einige Tage der

Sonne ausgesetzt, spalten dann den Stamm, um den weichen Markkern zu

gewinnen, den sie in Stücke schneiden und in dem aus den Früchten des

Riesen- und Thurberkaktus bereiteten Sirup kochen. Wenn diese Stücke

getrocknet sind, sollen sie einen Geschmack wie Zitronat besitzen.

Der in Zentralamerika heimische +Melonenkaktus+ (~Melocactus

communis~), der eine 30-60 cm hohe, runde oder ovale, längsgefurchte

Masse bildet, wird in Zeiten der Dürre besonders vom Vieh aufgesucht,

das ihn mit den Hörnern von den Stacheln zu befreien und aufzubrechen

sucht, um sich am saftigen Stamme zu laben. Seine angenehm säuerlich

schmeckenden Beeren werden nicht bloß in Zentralamerika, sondern auch

in Westindien häufig gegessen.

Alle Sorten von Kakteen dienen dem Vieh als Futter. Auf den großen

Hazienden des nordwestlichen Mexiko wäre auf dem grasarmen Boden die

als einzig lohnender Zweig der Landwirtschaft betriebene Viehzucht

nicht möglich, wenn die Kakteen nicht wären, die die Rinder, Pferde

und Maultiere geradezu am Leben erhalten. Und auch getrocknet

dienen die Stämme als Nutz- und Brennholz, das nicht nur gegen alle

Witterungseinflüsse unempfindlich, sondern auch so überaus leicht ist,

daß ein Maultier die zehnfache Menge desselben an Stelle gewöhnlichen

Holzes tragen kann.

Endlich hat einst zur Blütezeit der Cochenillezucht eine bestimmte

Art derselben, die ~Nopalea coccinellifera~ in Mexiko, dem Dorado

aller Kakteen, und in der Folge auch in anderen Tropenländern, wo

diese lukrative Industrie eingeführt wurde, als Nährpflanze der

Cochenilleschildlaus eine große wirtschaftliche Bedeutung gehabt;

gehört doch das aus jenen Läusen gewonnene Karmin auch heute noch zu

den edelsten Farbstoffen. Dadurch aber, daß die billigen Anilinfarben

mit ihm in Konkurrenz traten, wurde der Cochenillekarmin als nicht mehr

konkurrenzfähig in den Hintergrund gedrängt.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 78 / 81 段