Vorberge und Ebenen, während die Sommerlinde auch in trockeneren
Lagen wächst. Beide gedeihen schlecht im Nassen. Sie bilden bei uns
keine reinen Waldbestände wie in den russischen Ostseeprovinzen,
sondern finden sich immer nur einzeln in Wäldern, werden bis 30 m
hoch und erreichen ein tausendjähriges Alter. Die Winterlinde ist
in Deutschland überall die gemeinere, die Sommerlinde dagegen wird
häufiger angepflanzt und geht auch höher in die Gebirge. Wegen ihres
schnellen Wuchses, ihres dichten Schattens und angenehmen Geruches
der Blüten sind sie als Alleebäume beliebt. Ihr rasches Wachstum,
die Fähigkeit vom Stamm und der Wurzel wieder auszuschlagen und
gleich der Buche den Boden zu verbessern, machen sie auch forstlich
wichtig. In 8-10 Jahren sind sie als Reißholz, in 20-25 Jahren als
Schlagholz und in 60-80 Jahren als Bauholz verwendbar. Doch legt der
Forstmann wenig Wert auf Linden, weil der Brennwert ihres Holzes
nur ein Drittel desjenigen des Buchenholzes beträgt und die Linde
gleichwohl denselben Boden fordert, wie die edleren Harthölzer. Das
weißlichgelbe bis rötlichweiße, feine, weiche, gut zu bearbeitende und,
wenn richtig getrocknet, wenig arbeitende Holz eignet sich vermöge
der Eigenschaft, sich in jeder Richtung schnitzen, drehen und hobeln
zu lassen, vorzüglich als Bildhauer- und Modellschreinermaterial.
Namentlich werden Heiligenbilder aus Lindenholz geschnitzt, weshalb
es früher als „Heiligenholz“ bezeichnet wurde. Noch mehr dient es zum
Schnitzen von Spielwaren, Löffeln, Wurfschaufeln usw., zu Reißbrettern,
massiven Möbeln, die besonders in Rußland sehr beliebt sind, und als
Blindholz für furnierte Arbeiten. Dauer behält das dem Wurmfraß nur
wenig ausgesetzte Holz bloß im Trockenen, für freie Lagen dagegen,
in denen es dem Wechsel unterworfen ist, ist es unbrauchbar. Die
festen, leichten Lindenkohlen dienen als Reißkohle zum Zeichnen,
zur Fabrikation von Schießpulver, Zahnpulver und Räucherkerzen.
In Rußland und Westamerika benutzt man mit Maschinen geschnittene
Lindenholzfasern als Füllmaterial für Bettmatratzen fürs gemeine Volk.
Die Rinde verwendet man in Rußland zu Schlittenkörben, Wagen, Kisten
und zum Dachdecken. Der innere Bast wird im Mai von 20-30 jährigen
Stangenhölzern in Streifen von 6-9 cm Breite abgeschält, wie Flachs
in Wasser gerottet, im Oktober dann durch Klopfen und Waschen von den
leichter zersetzbaren Bestandteilen befreit, so daß nur die ein feines
Maschennetz bildenden, sehr dickwandigen Bastzellen zurückbleiben,
worauf man die einzelnen Jahreslagen voneinander trennt. In Rußland,
das den meisten Lindenbast liefert, verfertigt man daraus Körbe,
Decken, Stricke, Siebe, besonders aber die zum Verpacken von Waren
dienenden Bastmatten; man verwendet ihn auch zum Anbinden von Blumen.
Ein Baum von 10 m Höhe und 30-40 cm Stammumfang liefert 45 kg
Bast, für 10-12 Matten ausreichend. Rußland liefert jährlich 14
Millionen Stück Matten. Die herrlich duftenden Lindenblüten erfreuen
nicht nur den Menschen, sondern liefern eine treffliche Bienenweide
und einen vielbenutzten schweißtreibenden Tee, auch das offizinelle
Lindenblütenwasser. In trockenen Jahren schwitzen die Blätter, auch
ohne daß Blattläuse im Spiele sind, den Honigtau als eine süße,
klebrige, bald an der Luft verdickende Flüssigkeit aus, welche ihnen
das Aussehen gibt, als seien sie mit Firnis überstrichen. Nach einigen
Tagen wird diese Ausschwitzung teerartig und schwarz, dabei werden
die Blätter ganz schlaff. Da sich leicht Schmarotzerpilze darauf
entwickeln, wenn der Honigtau nicht bald vom Regen abgewaschen wird, so
ist er für die Pflanze schädlich.
Auf den griechischen Gebirgen wächst die von Ungarn bis Westasien
heimische +morgenländische Silberlinde+ (~Tilia argentea~) mit an der
Oberseite matten, unterseits aber dicht weißfilzigen Blättern. Sie
ist die ~phílyra~ der Griechen, die Theophrast beschreibt. Sie ist
jedenfalls auch der Baum, den die Römer als ~tilia~ bezeichneten; denn
die Winter- und Sommerlinde kommen als Südgrenze ihrer Verbreitung
nur noch auf den Bergen Norditaliens vor. Plinius schreibt von ihr:
„Man unterscheidet bei den Linden (~tilia~) männliche und weibliche
Bäume. Der Saft der Blätter und Rinde ist süß, aber die Frucht rührt
kein Tier an. Zwischen Rinde und Holz liegt ein häutiges Gewebe, der
Bast, aus welchem man Bänder macht, die ~tiliae~ heißen die feinsten
nennt man ~philyrae~, braucht sie zum Binden von Kränzen und hält sie
seit alter Zeit in Ehren. Das Holz ist dem Wurmfraß nicht unterworfen,
mäßig hoch, aber nützlich. Die Blätter dienen als Arznei.“ Außer
dieser morgenländischen wird auch die +abendländische Silberlinde+
(~Tilia alba~) aus Nordamerika mit auf der Unterseite schwach filzig
behaarten Blättern und großen Blüten neben der von ebendort stammenden
+Schwarzlinde+ (~T. americana~) in Anlagen gepflanzt, doch nur
ausnahmsweise bei uns als Nutzholz gezogen.
Sehr beliebte Alleebäume sind auch die +Ulmen+ oder +Rüstern+
(~Ulmus~), deren Zweige lange, starre Ruten bilden, die mit zwei
Reihen gleichlaufender Kurztriebe, an ihrem jüngsten Teile mit ebenso
laufenden eiförmigen, scharf zugespitzten und gesägten Blättern besetzt
sind. Leider sind letztere sehr oft von Blattläusen dicht besetzt und
unterseits eingerollt, auch häufig durch Gallen verunstaltet. Abgesehen
von diesen Nachteilen gehören die Ulmen zu den schönsten Zierbäumen und
wachsen unter günstigen Umständen sehr rasch. Ihr ziemlich schweres,
hartes, schwer spaltbares, aber glattes, elastisches, zähbiegsames,
im Splint gelblichweißes, im Kern hellbraunes bis dunkelrotbraunes,
oft fleckiges und maseriges Holz gehört mit zu den festesten und
dauerhaftesten Holzarten, sowohl bei Verwendung im Trockenen, als
auch im Freien und unter Wasser. Es ist ein ausgezeichnetes Wagner-
und ein in neuerer Zeit auch viel verwendetes Möbelholz; doch ist es
seiner schwierigen Bearbeitung wegen bei den Tischlern nicht besonders
beliebt. Da es in der Dauer dem Eichenholze kaum nachsteht und auch
dem Wurmfraße fast gar nicht ausgesetzt ist, eignet es sich besonders
zu Bau- und Werkholz, ist auch der auffälligen Maserung wegen zu
feinen Furnieren sehr gesucht, liefert ferner gute Kohlen. Das Holz
gibt Pottasche; die getrockneten und frischen Blätter geben ein gutes
Schaffutter. Die jüngere Rinde dient zum Gerben und Gelbfärben. Am
häufigsten ist bei uns die +Feldulme+ (~Ulmus campestris~), ein bis
30 m hoher, ein Alter von mehreren hundert Jahren erreichender
Baum, der im Gebirge bis 800 m hoch steigt und sich von Nordafrika
durch Europa bis Sibirien und Kleinasien findet. Man kultiviert ihn
in zahlreichen Varietäten. Noch höher steigt die +Bergulme+ (~U.
montana~), bei der die Flughaut statt am oberen Rande der Frucht
in der Mitte derselben liegt. Bei beiden sitzen die Früchte dicht
am Zweige, bei der +Flatterulme+ (~U. effusa~), die in Wäldern und
Vorhölzern von Gebirgsgegenden wächst und bei uns häufig in der Nähe
von Ortschaften angepflanzt wird, flattern sie an einem langen Stil und
tragen außerdem am Rand einen feinen Wimperkranz. Letztere nimmt mit
ärmeren Böden als die beiden erstgenannten vorlieb und ist vornehmlich
im Flachland zu Hause. In neuester Zeit werden aber die meisten
Anpflanzungen von der +Waldulme+ (~U. scabra~) gemacht, die in Europa
und Nordasien bis zum Amur heimisch ist.
Auch das Holz der schon im Jahre 1600 aus Virginien nach Frankreich
gebrachten nordamerikanischen +gemeinen Robinie+ oder +falschen
Akazie+ (~Robinia pseudacacia~) wäre ein vorzügliches Bau- und
Konstruktionsholz und würde jedenfalls auch als Wagner-, Drechsler-
und Möbelholz benutzt, wenn es in größerer Menge zur Verfügung stände.
Der Kern zeigt ein gelb- bis rötlichbraunes Holz, das schwer, hart,
elastisch, zähe und schwierig zu bearbeiten ist, aber eine große
Festigkeit und sehr große Dauer besitzt. Wenn sich diese Holzart in
unsern Gegenden überhaupt gehalten hat, so ist daran nur ihre große
Anspruchslosigkeit an die Bodenverhältnisse schuld, nicht aber der
Mensch, der zu ihrer Verbreitung nur wenig getan hat und sie nur selten
rationell zu großen Bäumen zieht, sondern sie stets noch jung abholzt,
um sie zu Rebstöcken und Stützen anderer Pflanzen zu verwerten.
Dem Ulmen- und Akazienholz sehr ähnlich ist dasjenige der
+Maulbeerbäume+ (~Morus~). Es ist sehr hart, schwer, dauerhaft und
wird in der verschiedensten Weise, in Südeuropa und Asien auch
als Faß- und Schiffsbauholz, zu Straßenpflaster und Hafenbauten
verwendet. Ebenso hart und fest, doch leider stark reißend und sich
werfend ist das Holz der verschiedenen Sorbusarten. Dasjenige des
+Vogelbeerbaums+ (~Sorbus aucuparia~) liefert ein vorzügliches Holz für
den Wagner, auch für Drechsler und Holzschnitzer, während dasjenige
von +Spierling+ (~S. domestica~) und +Mehlbeerbaum+ (~S. aria~)
besonders für Maschinenbauer, Formstecher und Instrumentenmacher hohen
Gebrauchswert besitzt. Auch unsere Obstbäume liefern vorzügliche und
vielseitig verwendbare Hölzer. Das Holz des +Birnbaums+ ist schwer,
dicht und hart, sehr fein und im Trockenen dauerhaft, es wirft sich
zudem wenig und nimmt eine vorzügliche Politur an. Es ist deshalb
ein hochgeschätztes Schreinerholz, das besonders schwarz gebeizt als
Ebenholzimitation für feine Möbel viel verwendet wird, ferner ein
gutes Drechsler- und vorzügliches Schnitzholz, vornehmlich für den
Holzschneider bildet, der es als Surrogat für das seltenere und teurere
Buchsbaumholz in Verwendung nimmt; deshalb wird das Birnbaumholz auch
als „deutscher Buchsbaum“ bezeichnet. Das Holz des +Apfelbaums+ ist
zwar härter und fester, aber weniger beliebt, da es sich stärker
wirft und reißt. Man verwendet es mit Vorliebe für Werkzeuge. Das
rötlichweiße +Kirschbaumholz+ ist mäßig hart und schwer, sehr fein, gut
zu beizen und zu polieren, schwindet aber sehr stark. Gut getrocknet
ist es ein schönes, in neuerer Zeit wieder sehr beliebtes Möbel- und
Drechslerholz. Das rotbraune Holz der +Pflaumen+- und +Zwetschenbäume+
ist auch sehr fein, hart und ausgezeichnet polierbar, aber sehr spröde
und stark reißend. Es wird vornehmlich für feine Kunstschreiner-,
namentlich aber für Drechsler- und Holzschnitzarbeiten verwendet.
Sehr schwer, fest, hart und zähe ist auch das Holz von
+Kornelkirsche+, +Hartriegel+ und +Weißdorn+; man verwendet es zu
kleineren Dreharbeiten, Hammerstielen, Radkämmen, Spazier- und
Regenschirmstöcken. Ein sehr brauchbares Wagner- und Drechslerholz
liefert der schwarze +Holunder+. Aus seinen Wurzelstöcken, die
häufig schönes Maserholz besitzen, werden mit Vorliebe Pfeifenköpfe
geschnitzt. Zu letzterem Zwecke werden namentlich auch die Wurzelstöcke
der in Südfrankreich und auf Korsika vorkommenden +Baumheide+ (~Erica
carnea~), die unter dem Namen Bruyèremaser im Handel sind, benutzt.
Vorteilhafte Verwendung zu feineren Drechsler- und Einlegearbeiten,
Zahnstochern und dergleichen findet das, wenn zur richtigen Zeit
gefällt, schön gelbe, ziemlich harte, feine und leicht zu schneidende
Holz des +Spindelbaums+ oder +Pfaffenhütchenstrauchs+ (~Euonymus
europaeus~). Ein unübertreffliches Material für Räder, Wagendeichseln,
besonders aber Peitschenstöcke liefert der in Südeuropa wachsende
+Zürgelbaum+ (~Celtis australis~), dessen Holz demjenigen der ihm
sehr nahe verwandten Ulme ähnelt, aber zäher und elastischer als
dieses ist. Auch der +gemeine Flieder+ (~Syringa vulgaris~), die
+Stechpalme+ (~Ilex aquifolium~), die +Berberitze+ (+Berberis
vulgaris+), der +Goldregen+ (~Cytisus laburnum~) und der +Essigbaum+
(+Rhus coriaria+) liefern vorzügliches Holz für kleinere Drechsler- und
Kunstschreinerarbeiten.
Neben all diesen heimischen Holzarten werden eine Menge
außereuropäischer Hölzer als Schmuckhölzer bei uns eingeführt, um
zu Klaviergehäusen, Salonmöbeln, Billardtischen usw. verarbeitet zu
werden. Unter ihnen ist wohl das +Ebenholz+, das seit ältester Zeit
im Gebrauch stehende und teilweise wertvollste aller Schmuckhölzer.
Unter diesem Namen faßt man eine Menge schwerer, dunkler und äußerst
harter Hölzer von hoher Politurfähigkeit, aber großer Sprödigkeit
zusammen, die von verschiedenen in den wärmeren bis tropischen
Regionen gedeihenden Bäumen der Gattung ~Diospyros~ abstammen. Das
gebräuchlichste derselben ist dasjenige des +indischen Ebenholzbaums+
(~Diospyros ebenaster~), eines Baumes aus der Familie der Ebenazeen mit
bis 26 cm langen wechselständigen Blättern, achselständigen, auch
aus altem Holze entspringenden, gelblichweißen oder grünlichen Blüten
in Trugdolden und bis 10 cm langen olivengrünen, als „Mehläpfel“
bezeichneten eßbaren Früchten mit gelbem, schleimigem, säuerlichem
Fleisch. Der in Vorder- und Hinterindien, wie auch im indischen
Archipel sehr verbreitete Baum wird auf Mauritius kultiviert und ist
neuerdings auch im tropischen Amerika eingeführt worden. Er liefert
einen Teil des indischen Ebenholzes, besonders des Ceylonebenholzes.
Das Splintholz junger Bäume ist weißlich und hin und wieder mit weißen,
nach dem Kerne hin sich vermehrenden schwärzlichen Adern durchzogen.
Bei alten Bäumen jedoch ist das Weiße kaum fingerdick, alles übrige
ist schwarz und von so gleichmäßiger Textur, daß man die Spiegel und
Jahresringe nicht leicht bemerkt. Dadurch und durch die größere Schwere
unterscheidet sich das echte Ebenholz leicht von schwarzgebeizten
hiesigen Holzarten, namentlich vom Eichenholz.
Neben dem indischen gibt es auch afrikanisches Ebenholz, von dem das
+Madagaskarebenholz+ von ~D. haplostylis~ mit weißem Splint und tief
blauschwarzem Kern als das schönste gilt. Das +Sansibar+-, +Kamerun+-
und +Makassarebenholz+ von verschiedenen anderen Diospyrosarten ist
weniger schön, von oft grauer bis braunschwarzer Farbe. Ein reh-
bis kaffeebraunes, oft regellos schwarz gestreiftes, wie mit Tinte
übergossenes, aber schönes und seltenes Holz ist unter dem Namen
+buntes+ oder +streifiges Ebenholz+, auch +Koromandelebenholz+ von
~D. hirsuta~, so genannt, weil es zumeist von der Koromandelküste in
Ostindien ausgeführt wird, im Handel. Alle diese Ebenhölzer kommen
in Stämmen von oft gewaltiger Größe zu uns, gehören zu den schönsten
und teuersten Schmuckhölzern und waren das geschätzteste Holz des
Altertums. Schon im Alten Testament wird es als Luxusholz erwähnt. Im
5. Jahrhundert schreibt der griechische Geschichtschreiber Herodot:
„Die Abgaben, welche die an Ägypten grenzenden Neger dem Perserkönig
Dareios alle zwei Jahre entrichteten und noch entrichten, bestehen in
Gold, 200 Stämmen Ebenholz (~ébenos~), 5 Negerknaben und 50 großen
Elefantenzähnen. Überhaupt ist das Negerland reich an Gold, Elefanten
und Ebenholz.“ Strabon und Plinius sagen, daß in dem südlich von
Ägypten gelegenen Negerland die Wälder nebst Palmen vorzüglich aus
Ebenholzbäumen bestehen. Des letzteren Zeitgenosse, der griechische
Arzt Dioskurides, schreibt in seiner Arzneimittellehre: „Für das beste
Ebenholz gilt das aus dem Negerland stammende schwarze, aderlose, das
so glatt ist wie poliertes Horn und, zerbrochen, wie eine dichte Masse
erscheint. Gekaut schmeckt es beißend und schwach zusammenziehend. Auf
Kohlen gelegt brennt es mit Wohlgeruch und ohne Rauch. Frisch ans Feuer
gebracht, brennt es wegen seines Ölgehaltes an; an einem Wetzstein
gerieben, wird es blaßgelblich. Es gibt auch indisches Ebenholz,
das weiße und gelbliche Striche und Flecken hat, aber das schwarze
(afrikanische) ist besser. Manche Leute verkaufen Holz vom Maulbeerbaum
oder von Mimosen als Ebenholz, weil es durch seine Ähnlichkeit täuscht.
Das Ebenholz wird gegen einige Krankheiten in Anwendung gebracht.“
Der Grieche Strabon und der Römer Vergil nennen Indien als die Heimat
des schwarzen Ebenholzes, das im Lateinischen in Anlehnung an das
Griechische ~ebenum~ hieß, woraus dann die deutsche Bezeichnung
hervorging. Ersterer fügt hinzu, daß sich die Inder ihren Körper mit
glatten Walzen von Ebenholz zu streichen pflegen, weil sie das für
gesund halten, und Theophrast sagt in seiner Pflanzenkunde: „Ein
eigentümlicher Baum Indiens ist der Ebenholzbaum (~ebénē~). Übrigens
gibt es davon zwei Arten, wovon die seltenere mit glattem Stamm (der
echte Ebenholzbaum) schönes, die häufige, ein Strauch, schlechtes Holz
liefert. Die schöne Farbe des Ebenholzes ist von Natur vorhanden und
erscheint nicht erst beim Aufbewahren.“
[Illustration:
Tafel 163.
Lindenallee am Kanal vor dem Nymphenburger Schloß bei München.]
[Illustration:
Tafel 164.
Ein gefällter Mahagonistamm in den Urwäldern von Zentralamerika.]
[Illustration:
Tafel 165.
(~Copyright by Underwood & Underwood.~)
Eisenholzbäume am Isthmus von Tehuantepec in Mexiko.
Im Vordergrund eingeborene Fruchtverkäufer.]
[Illustration: Junger Tiekbaum (~Tectona grandis~) im Botan. Garten von
Buitenzorg auf Java. (Nach einer in der Sammlung des Botan. Institutes
der Universität Wien befindlichen Photogr. von C. Lang.)]
[Illustration:
Tafel 166.
(Nach Phot. von H. Dopfer.)
Kohlenmeiler vor der Verkohlung.]
[Illustration:
(Nach Phot. von H. Dopfer.)
Torfstich am Schluifelder Moos bei München.]
Als +grünes Ebenholz+ kommt neuerdings ein sehr hartes und schweres
Holz in dünnen Stämmchen aus Südamerika nach Europa. Es stammt von
~Bignonia leucoxylon~ und besitzt in frisch geschnittenem Zustand eine
bräunliche Farbe mit einem Stich ins Grüne, der sich aber an der Luft
etwas verliert. Trotz seiner Härte ist es gut schneidbar und kann wie
das echte Ebenholz, jedoch nur für kleinere Gegenstände, verwendet
werden. Unter demselben Namen oder als +Grünherzholz+ kommt ein Holz
von Britisch-Guinea in großen, roh behauenen Blöcken auf den Markt.
Es stammt von ~Nectandra rodiaei~ und wird meist zur Stockfabrikation
und im Schiffbau verwendet. Für Möbel- und Schreinerarbeiten ist
es nicht nur seiner großen Härte wegen, sondern vor allem, weil es
den Leim schlecht hält, ungeeignet. Ein sehr wertvolles Holz zu
Kunstschreiner- und Drechslerarbeiten, Fächern, Parkettböden (z. B. im
Schloß Herrenchiemsee) ist das +blaue Ebenholz+ oder +Veilchenholz+.
Es stammt von der südaustralischen ~Acacia homalophylla~, ist
dunkelblaubraun bis olivengrün und besonders im frischen
Zustande durch den Veilchengeruch ausgezeichnet. Ebenso beliebt als
Kunstholz für Drechsler, Holzbildhauer, Parketböden und die Stock- und
Bürstenindustrie ist das im frischen Schnitt unscheinbar rötlichgraue,
unangenehm riechende, an der Luft aber durch Sauerstoffaufnahme sich
schön violett bis blutrot färbende +violette Ebenholz+, +Purpur-+
oder +Amarantholz+. Es ist hart, sehr schwer und stammt von
südamerikanischen und westindischen Bäumen, wie ~Copaifera bracteata~
und ~Machaereum violaceum~. Als +rotes+ oder +braunes Ebenholz+, auch
+Grenadille-+ oder +Kongoholz+ kommen rötliche bis kaffeebraune, sehr
schwere und harte, aber elastische und schöne Politur annehmende Hölzer
meist aus Afrika zu uns, die zumeist von ~Dalbergia melanoxylon~
stammen.
Unter +Eisenholz+ versteht man eine Menge sehr harter, mit gewöhnlichen
Äxten nicht angreifbarer Hölzer verschiedener botanischer Abstammung,
welche von Ostindien, Australien, der Südsee und von Madagaskar nach
Europa gelangen und besonders in der Kunsttischlerei und Drechslerei
Verwendung finden. Das wichtigste derselben ist dasjenige des in
feuchten Wäldern Ostindiens wild wachsenden +Eisenholzbaums+ (~Mesua
ferrea~), dessen Blüten auch getrocknet veilchenartig riechen
und in der Parfümerie verwendet werden. Ebenfalls dunkelrot bis
schokoladebraun mit oft tiefschwarzen Adern, schwer, hart und gut
polierbar ist das amerikanische +Palisander-+ oder +Jakarandaholz+, das
von verschiedenen Bäumen des nördlichen Südamerika und Mittelamerikas
stammt. Als Stammpflanze des echten Palisanderholzes gilt ~Jacaranda
brasiliana~, ein schöner Baum mit doppelt gefiederten Blättern,
unterseits wolligfilzigen Fiederchen, mit großen Blüten in lockeren
Rispen und rundlichen, zusammengedrückten Kapseln mit geflügelten
Samen. Das Holz zählt zu den edelsten Kunsthölzern und liefert
vornehmlich Furnierholz zu Luxusmöbeln, Klavierkästen, Billardtischen
u. dgl. m.
Als Möbel- und Kunstschreinerholz unbrauchbar, aber für Kegelkugeln,
zu Lagern an Maschinen, die eine starke Reibung auszuhalten haben, zu
Tischen für Gerber usw. sehr geschätzt ist das +Guajakholz+, von dem
bereits im Abschnitt für Arzneipflanzen die Rede war. Sehr wertvolle
Zierhölzer sind die +Rosenhölzer+, die von verschiedenen Bäumen
des Tropenwaldes stammen. Sie haben diesen Namen teils von ihrer
rosenroten Farbe, die von hellrosa oder fleischrot bis tief karminrot
wechselt, teils von dem kräftigen und angenehm rosenähnlichen Geruche.
Interessant ist die Tatsache, daß die Farbe aller stark riechender
Rosenhölzer im Lichte verblaßt, während die geruchlosen, zu denen
vornehmlich das +ostindische Rosenholz+ von ~Dalbergia latifolia~
zählt, meist lichtecht und deshalb zu Möbeln besser geeignet ist. Das
+echte Rosenholz+ stammt von der von Brasilien bis Peru heimischen
~Physocalymna scaberrima~, einem 6-8 m hohen Baum mit gegenständigen
Blättern und großen Blütentrauben, die schon zur Zeit der Entlaubung
erscheinen. Es ist sehr hart, dicht und schwer mit rosen- bis tief
karminroten Streifen.
Rothölzer sind auch das +Pernambuk-+ oder +echte Brasilholz+ von dem im
nördlichen Südamerika und auf den Antillen einheimischen bestachelten
Schmetterlingsblütler ~Caesalpinia echinata~, ferner das +ostindische
Rotholz+ von der verwandten ~Caesalpinia sappan~, deren beste Sorte
aus Siam in den Handel kommt (es ist in Europa schon zu Anfang des 14.
Jahrhunderts als ~lignum presillum~ nachweisbar), das +afrikanische
Rotholz+, Cambal- oder Camwoodholz von ~Baphia nitida~, einem 12-16 m
hohen Schmetterlingsblütler in Sierra Leone, und das ostindische
+rote Sandel-+ oder +Kaliaturholz+ von ~Pterocarpus santalinus~. Alle
diese Arten besitzen ein Holz mit teilweise angenehmem Geruch und
zeigen auf der frischen Schnittfläche gelbrote bis intensiv rote Farbe,
die jedoch durch Einwirkung der Luft hell- bis dunkelrot, ja selbst
bräunlichschwarz wird. Außer Nutzhölzer sind sie vor allem Farbhölzer.
Die Caesalpiniaarten enthalten den durch Oxydation sich bildenden
Farbstoff Brasileïn, welcher zum Rot- und Violettbeizen dient, während
beim ostindischen roten Sandelholz der rote Farbstoff Santalin wirksam
ist, der mit verschiedenen Metallsalzen rote bis braune Farbbeizen
liefert; beide werden heute vielfach durch Anilinfarben ersetzt.
Ein ähnliches Farbholz ist das +Campesche-+ oder +Blauholz+ von der
zentralamerikanischen Caesalpiniazee ~Haematoxylon campechianum~, von
dem, wie vom Pernambuk- oder Brasilholz, bereits auf Seite 127 die
Rede war. Es ist ein hartes, feines, schwer zu bearbeitendes, doch
gut polierbares Holz von angenehmem Geruch im frischen Schnitte und
kräftig blutroter Farbe, die an der Luft violett bis schwärzlich wird.
Als Werkholz verwendet man es zu Drechsler- und Galanteriewaren, wie
auch zu Violinbögen. Die Hauptmasse jedoch wird in den Fabenfabriken
verraspelt, um den blauen Farbstoff, das Hämatoxylin zu gewinnen,
das sich in Alkalien mit violetter Farbe löst und außer als
Kernfärbungsmittel in der mikroskopischen Technik hauptsächlich zum
Schwarzfärben dient.