Die Weißbirken bilden östlich der Weichsel ausgedehnte reine

Bestände. Ihr Anbau in Deutschland datiert erst aus dem Beginne des

19. Jahrhundert, als man die durch lange Mißwirtschaft ermüdeten und

verödeten Waldbestände wieder aufzufrischen suchte. Jetzt werden

sie als Nutzholz häufig gepflanzt. Ihr dichtes, feines, sehr zähes,

gelblichweißes Holz bildet keinen Kern, besitzt geringe Härte,

arbeitet stark und wird in feuchter Luft sehr schnell morsch. Es dient

hauptsächlich zu Leiterbäumen, Felgen, Deichseln, Zahnrädern und zu

groben Schnitzwaren, wie Trögen, Holzschuhen usw.; als Brennholz

rechnet man es zu den Harthölzern. Es brennt hell, gibt viel Hitze

und, wie auch die daraus gebrannte Kohle, ein beständig lebhaftes

Feuer. Die Ruten liefern das Material zu unsern gewöhnlichen braunen

Besen, werden auch zu Strafruten, zu Dachreisig und als Wieden zum

Binden gebraucht. Oft werden die Birken speziell zur Gewinnung von

Reisig angepflanzt und die Bäume dann geschneitelt, d. h. die einzelnen

Äste werden abgehauen, um ähnlich wie bei Kopfweiden jährlich die

Schößlinge ernten zu können. Die harzreiche weiße Rinde ist fast

unverweslich, man legt sie unter die Schwellen und Balken, die feucht

oder auf Steinen zu liegen kommen, und benutzt sie zur Unterlage der

Rasendächer, auch stellt man Körbe, Schnupf- und Tabaksdosen daraus

her. Wegen ihres hohen Gerbstoffgehaltes wird sie auch zum Gerben

benutzt. In Rußland wird aus der Birkenrinde und Birkenwurzel durch

trockene Destillation der Birkenteer gewonnen, der zur Bereitung

des Juchtenleders dient, dem er den eigentümlichen Geruch verleiht.

Die Blätter dienen als Schaffutter, sind als harntreibendes Mittel

beliebt und geben mit Alaun eine grüne Farbe, das Schüttgrün, und mit

Kreide das Schüttgelb. Birkenknospen geben Birk- und Auerhühnern ein

angenehmes Futter und den Finnländern einen beliebten Tee. Alte Stämme

liefern beim Anbohren im Frühjahr einen durch 2 Prozent Traubenzucker

süßen Saft, der zur Bereitung von Birkenwein und Birkenbier verwendet

wird. Ein aus dem Stamm gewonnenes Harz dient in Rußland gegen Gicht

und scheint schon in vorgeschichtlicher Zeit als Amulett zu gleichem

Zwecke benutzt worden zu sein. Gemasertes Birkenholz gibt schönes

Furnierholz, das meist unter dem Namen „schwedische Birke“ im Handel

ist. Der bei der Verbrennung des Holzes entstehende Ruß findet zur

Bereitung von Buchdruckerschwärze und Malerfarben Verwendung. Aus

der Asche gewinnt man eine gute Pottasche. Zu Pfingsten abgehauene

Birken werden als „Maien“ vor die Häuser, Kirchen und selbst in die

Stuben gesetzt. Dieser Gebrauch ist ein Nachklang des Frühlingsfestes

der alten Germanen. Daß die Birke bei diesen in hohem Ansehen stand,

beweist, daß der zweite Buchstabe der Runenschrift ~b~ seinen Namen

~biârkan~ von der Birke hatte. Nach altem Volksglauben reiten die

Hexen auf einem Birkenbesen zum Blocksberg. Die bis in unsere Zeit bei

Studenten beliebten, „Birkenmaier“ genannten Becher aus Birkenstämmen

mit der Rinde bildeten die Trinkgefäße der alten Germanen. Da die Birke

in Griechenland, wie überhaupt im südöstlichen Europa, nicht wächst,

kannten die Griechen diesen Baum nicht, wohl aber die Römer, die ihre

~fasces~ genannten Strafruten außer aus Ulmenzweigen gelegentlich

auch aus Birkenreisig herstellten. Sie kommt in Norditalien noch auf

der Nordseite hoher Berge wild vor. Der ältere Plinius schreibt in

seiner Naturgeschichte: „Der Spierlingsbaum (~sorbus~) und die Birke

(~betulla~) lieben einen kalten Standort. Die Birke ist eigentlich ein

gallischer Baum; ihre Rinde ist blendend weiß und dabei sehr dünn.

Die Obrigkeiten gebrauchen ihre Ruten zum Strafen; sie dienen auch

zu Reifen und Korbrippen. In Gallien kocht man aus Birken auch Teer

(~bitumen~).“

Außer den besprochenen Baumbirken wächst als Vertreter der im

Hochgebirge heimischen Strauchbirken auf den Mooren Norddeutschlands

und auf den kalten Hochmooren Bayerns, wie der Alpen die +Strauchbirke+

(~Betula humilis~), während ebenfalls als Relikt der Eiszeit auf den

Alpen und auf den höchsten Mooren des Riesengebirges, des Erzgebirges

und des Harzes die +Zwergbirke+ (~B. nana~) als ein fast kriechender

Strauch von höchstens 1 m Höhe mit selten über fingerdick werdendem

Stämmchen gedeiht. In ihrer eigentlichen Heimat Nordeuropa, Nordasien

und Kanada kann sie gelegentlich 6 m Höhe erreichen, während sie

in Grönland und auf Spitzbergen sehr klein bleibt. Aus ihren feinen

Wurzelfasern verfertigen die Lappländer ganz schöne Decken.

In Kanada und in den nördlichen Staaten der Union, aber auch in

Sibirien und Japan wächst als ein bis 25 m hoher Baum mit weißen, in

dünnen Häuten sich ablösender Rinde die +Papierbirke+ (~B. papyracea~),

aus deren Gesamtrinde man sehr leichte und dennoch dauerhafte Boote

(~canoes~) verfertigt. Ebenfalls in Nordamerika, und zwar im östlichen

Teile jenes Kontinents sind die +weißbuchenblätterige Birke+ (~B.

carpinifolia~) mit bräunlichgelber bis dunkelbrauner, selten hellgrauer

Rinde, die 20 m hohe +Schwarz+- und +Gelbbirke+ (~B. nigra~ und

~lutea~) mit schon sehr bald rissiger, schwarzer beziehungsweise

gelber Rinde und die +Zuckerbirke+ (~B. lenta~) zu Hause, werden aber

oft in unseren Anlagen als Zierbäume kultiviert. Die Zuckerbirke wird

24 m hoch und besitzt eine braunschwarze, in dicken, breiten Stücken

sich ablösende Rinde von gewürzhaftem und süßem Geschmack, weshalb sie

den Indianern als Kaumittel und zur Bereitung erfrischender Getränke

dient. Sie liefert bei der Destillation ein ätherisches Öl, das als

+Gaultheria-+ oder +Wintergrünöl+ in den Handel gelangt. In Japan und

in der Mandschurei sind die +pappelblätterige Birke+ (~B. populifolia~)

und die +ulmenblätterige Birke+ (~B. ulmifolia~) zu Hause, während im

Himalaja die zur Anfertigung von Papier dienende +Bhojpatra-+ oder

+Churjibirke+ (~B. utilis~) mit brauner Stammrinde heimisch ist. Damit

wären die wichtigsten Birkenarten aufgezählt.

Ihres Holzwertes wegen verdienen auch die bei uns meist nur als

Zierbäume gepflanzten +Platanen+arten (~Platanus~) Beachtung. Das

ziemlich feine, feste, harte und gut polierbare Holz dieser Kernbäume

ist von zahlreichen ansehnlichen Markstrahlen durchsetzt und in

Farbe und Eigenschaften unserem Rotbuchenholz sehr ähnlich. Wie

dieses ist es des lästigen Arbeitens wegen in massiver Verwendung zu

besseren Möbeln wenig brauchbar, wohl aber zu Furnieren, sowie zu

Galanterie- und Drechslerwaren, ist aber weniger haltbar als jenes. Die

überall bei uns verbreitete, durch Stecklinge vermehrte Art ist die

+ahornblätterige Platane+ (~Platanus acerifolia~), ein Kreuzungsprodukt

der wetterhärteren nordamerikanischen und griechischen Platane (~Pl.

occidentalis~ und ~orientalis~). Ihre großen Blätter sind dem Ahornlaub

ähnlich handförmig gelappt und der schlanke Stamm stößt fortwährend die

Borke in unregelmäßigen, dünnen Schuppen ab, so daß der Schaft glatt

bleibt und gelblich gefleckt erscheint.

Vielseitiges Nutzholz liefern die +Ahorn+arten (~Acer~), von denen

wir den +Bergahorn+ (~Acer pseudoplatanus~), den +Spitzahorn+ (~A.

platanoides~) und den +Feldahorn+ oder +Maßholder+ (~A. campestre~)

unterscheiden. Die handförmig fünflappigen Blätter erinnern beim

Bergahorn durch ihre abgerundeten Ecken lebhaft an das Weinlaub,

während sie beim Spitzahorn scharf ausgezogene Spitzen besitzen

und etwas denjenigen der Platane ähneln. Während letzterer die

abwärts hängenden Blütentrauben erst nach der Entfaltung der Blätter

entwickelt, läßt ersterer seine aufrechten gelben Blütendolden schon

im April und Mai leuchten. Die Früchte sind einsamige Nüßchen, die je

zu zweit miteinander verwachsen sind und sich in lange grüne Flügel

fortsetzen, damit sie der Wind in spiraliger Bahn um sich selbst

wirbelnd davontrage. Diese Flügel der Doppelfrucht stehen beim

Bergahorn in spitzem Winkel zusammen, beim Spitzahorn dagegen bilden

sie einen stumpfen Winkel und beim Feldahorn, bei dem die Früchte

filzig behaart sind, stehen sie wagrecht auseinander. Bei letzterem,

der nur selten zum stattlichen Baum heranwächst und uns in der Regel

nur als Buschwerk am Waldrand und in Feldhölzern entgegentritt,

sind die ebenfalls fünflappigen Blätter kleiner als bei den andern

beiden Arten, die Lappen der letzteren sind abgerundet und ziemlich

ganzrandig. Wie der Name schon sagt, ist der Bergahorn ein echter

Gebirgsbaum, der in den Alpen bis 1600 m hoch steigt und nördlich

bis Dänemark und Gothland geht; der Spitzahorn, der ebenfalls 20-25 m

hoch wird, steigt weniger hoch, geht aber weiter nach Osten und Norden

als ersterer. Das Holz dieser Ahornarten ist gelblichweiß, beim

Feldahorn meist ins Rötliche übergehend, mittelschwer, mäßig hart, sehr

fein mit oft kaum sichtbaren Jahresringen, glatt zu bearbeiten und

leicht polierbar; vermöge seiner Eigenschaft, nur mäßig zu schwinden

und zu reißen, ist es für furnierte und massive Möbel, Tischplatten

und zur Herstellung musikalischer Instrumente vorzüglich geeignet. Es

ist auch ein gutes Drechslerholz und findet in der Hausindustrie zu

Schnitzwaren, Küchengeräten, Laubsägearbeiten und Schuhmacherleisten

vielseitige Verwendung. Seine Dauerhaftigkeit ist aber nur im Trockenen

eine gute; doch wird es hier, wenn nicht luftig gehalten, gern von

Würmern angegangen. Der Ahornmaser ist sehr schön, ebenso das wellige

(flammige) Holz, das meist dem Spitzahorn eigen ist und an alten

Stämmen durch Welligwerden der Jahresringe, entsprechend den Rissen der

rötlichbraunen Borke, entsteht. Trotzdem das Holz des Feldahorns seiner

schönen Maserung wegen sehr gesucht ist, wird der Baum seines langsamen

Wuchses wegen nicht im Hochwald angepflanzt, dagegen sichert ihm seine

Ausschlagsfähigkeit im Niederwaldbetrieb einen Platz. Der besonders

im Frühjahr stark zuckerhaltige Saft der Ahornarten wird bei uns kaum

genutzt, wohl aber in Nordamerika, wo der im Herbst ein orangefarbenes

Laubwerk aufweisende +Zuckerahorn+ (~A. saccharinum~) zu Hause ist

und vorzugsweise dazu verwendet wird. Dieser Baum ist als durchaus

winterhart auch in unsere Wälder eingeführt worden, spielt aber darin

noch keine nennenswerte Rolle. Noch weniger ist dies beim ebenfalls

aus Nordamerika bei uns eingeführten +Silberahorn+ (~A. dasycarpum~)

der Fall, dessen zierliches, scharf eingeschnittenes Laubwerk ihn

als Park- und Straßenbaum empfiehlt. Als solcher ist er besonders in

Süddeutschland eingebürgert, ferner der gleichfalls nordamerikanische

+Eschenahorn+ (~Acer negundo~), so genannt wegen seiner unpaarig

gefiederten Blätter. Außer diesen ist er an seinen lange vor dem

Ausbruch des Laubes erscheinenden, hängenden Blütenbüscheln und den

kleinen, mit den Flügeln sich berührenden Doppelfrüchten erkenntlich.

Auch er wird wie der gleicherweise nordamerikanische +Schwarz-+ und

+Rotahorn+ (~A. nigrum~ und ~rubrum~) in seiner Heimat zur Gewinnung

von Ahornzucker angezapft und ist eine Zierde unserer Anlagen und

Alleen. Die Spielart des Eschenahorns mit weißbunten und gelbbunten

Blättern wird als die Krone unserer panachiertblätterigen Bäume

angesehen. Zu den schönsten Schmuckhölzern zählt eine Maserbildung des

Ahorns, die besonders häufig und in großer Schönheit am amerikanischen

Zuckerahorn auftritt und unter dem Namen „Vogelaugenmaser“ als

Furnierholz die höchsten Preise erzielt. Da die Maserbildung für

gewöhnlich nur in den äußeren Stammschichten auftritt, erfolgt das

Schneiden der Furniere durch Abschälen um den Stamm. Grau gebeizt sind

diese Furniere unter dem Namen „Maple“ im Handel.

Von den 39 in der gemäßigten und subtropischen Zone der Nordhemisphäre,

besonders in Nordamerika, Ostasien und dem Mittelmeergebiet, heimischen

+Eschen+ (~Fraxinus~) ist die bei uns vorkommende +gemeine Esche+

(~Fraxinus excelsior~, d. h. die hochragende) einer unserer schönsten

Waldbäume mit hohem, schlankem Stamm, in der Jugend hellgrauer,

glatter, im Alter braungrauer, rauher, durch quere Borkenrisse

ausgezeichneter Rinde, großen, schwarzen Knospen an den glatten,

graugrünen Trieben, mit 3-6paarigen Fiederblättern und vor dem Laub

erscheinenden, nackten, d. h. kronenlosen Zwitterblüten, die mit ihren

roten bis violetten Staubgefäßen in dichten Büscheln an den alten

Trieben sitzen und nach der Befruchtung in einen zungenförmigen,

deutlich geaderten Flügel auslaufende längliche Früchte hervorgehen

lassen. Als große Seltenheit trifft man auch Eschen mit ungefiederten,

höchstens am Grunde gelappten Blättern, die als Rückbildung zur

ursprünglichen, einfachen Form angesehen werden müssen. Ist die

Gipfelknospe eines Triebes durch Frost oder Insekten zerstört worden,

so übernehmen zwei gleichstarke Seitenknospen die Führung und

verursachen eine typische Zwieselbildung.

Die gemeine Esche findet sich in ganz Europa bis 60° nördlicher Breite,

ebenso in Nordasien und im Orient in feuchten Wäldern, dann an Fluß-

und Bachufern. Sie gedeiht noch in Sümpfen, nicht aber auf Sandboden,

erreicht eine Höhe von 40 m und steigt in den Alpen bis 1200 m

hinauf. Sie verlangt frischen, fruchtbaren Boden, kann aber dank

ihres außerordentlich weit verzweigten Wurzelsystems, das überall das

versinkende Oberflächenwasser aufzunehmen vermag, auch auf lockeren

Schutthalden von Kalkgebirgen, wie z. B. auf der Schwäbischen Alp und

im Schweizer Jura, fortkommen. Die Wurzel dringt nicht weit in den

Boden, breitet sich aber nach allen Seiten weit aus, so daß sie den

Boden dennoch von aller in ihm enthaltenen Feuchtigkeit auszusaugen

vermag. Außer Bodenfeuchtigkeit braucht sie Licht, ist aber gegen

Frost und Hitze empfindlich. Sie meidet daher wie den Sandboden, so

auch die rauheren Gebirgslagen. Man pflanzt sie in Laubholzbeständen

an, kultiviert sie aber am häufigsten im Niederwaldbetrieb. Ihr von

jungen Bäumen weißes, von älteren dagegen bräunlichgelbes, mit breiten

Jahresringen, aber feinen Spiegeln versehenes Holz ist dicht, hart,

sehr zähe und elastisch, gut spaltbar, nicht leicht reißend und sehr

tragfähig. Diese Eigenschaften machen es zur Herstellung von Axt- und

Hammerstielen, von Drechsler- und Wagnerarbeiten, landwirtschaftlichen

Werkzeugen, Turn- und Sportgeräten, besonders Schneeschuhen und

Schlitten, aber auch als Tischlerholz vorzüglich geeignet. Vornehmlich

geschätzt ist der ungarische Eschenmaser von alten Stämmen mit

welligem Verlauf der Holzfasern. Furniere mit solchem Maser werden

mit 10-12 Mark pro Quadratmeter bezahlt. Im Brennwert rangiert das

Eschenholz dicht hinter dem Eichenholz. Das Laub wird von Schafen und

Ziegen gerne gefressen und ist ein gutes Viehfutter, das als solches

besonders in Steiermark und Kärnten, aber auch in den grasarmen

Mittelmeerländern viel benutzt wird. Wie das junge Eschenholz auch zu

Faßreifen, werden die jungen Triebe zu Lanzenschäften, Peitschenstielen

usw. verwendet. Schon Homer, der allerdings von der weiter im Süden

wachsenden +Blumen-+ oder +Mannaesche+ (~Fraxinus ornus~) als ~melíē~

in Ilias und Odyssee mehrfach spricht -- die gemeine Esche wächst nur

auf den Gebirgen Makedoniens und am Südabhang der Alpen -- sagt von

der Esche, sie wachse in Gebirgstälern und diene zu Speerschäften,

Türschwellen und -Pfosten. Auch die Römer haben diese im Auge, wenn sie

von ~fraxinus~ sprechen. So sagt der Ackerbauschriftsteller Columella:

„Die Esche gibt ein Laub, das Schafen und Ziegen sehr angenehm und

auch für Rindvieh recht brauchbar ist. Man zieht sie deswegen in

eigenen Pflanzungen.“ Sein Zeitgenosse Plinius aber schreibt in seiner

Naturgeschichte: „Die Esche wurde ihres Holzes wegen geschaffen. Ihr

Wuchs ist hoch und schlank; ihre Blätter sind gefiedert (~pinnatus~).

Sie ist durch Homer und des Achilles Lanze berühmt geworden. Das

Holz ist jedenfalls zu vielerlei Gebrauch gut. Das Holz der auf dem

Ida in der Landschaft Troas wachsenden Eschen ist dem Cedernholze so

ähnlich, daß es kaum davon unterschieden werden kann, wenn es geschält

ist. Griechische Schriftsteller behaupten, Eschenlaub sei Pferden

und Maultieren tödlich; in Italien ist dies jedenfalls nicht der

Fall. Dagegen ist der aus ihnen gepreßte Saft, getrunken und auf die

schwellende Bißwunde gelegt, das beste Mittel gegen Schlangengift.

Die Wirkung ist so groß, daß jede Schlange den Eschenbaum von weitem

flieht und seinen Schatten selbst dann meidet, wenn er früh und abends

am längsten ist. Ich habe selbst gesehen, daß eine Schlange, welche

in einen Kreis zwischen Eschenblätter und Feuer gelegt wurde, sich

lieber ins Feuer stürzte, als die Blätter berührte. Es ist eine große

Wohltat der Natur, daß die Eschen früher blühen, als die Schlangen

erscheinen, und daß sie nicht eher die Blätter abwerfen, als bis die

Schlangen zur Winterruhe gegangen sind.“ Natürlich ist dies Aberglaube,

wie er in damaliger Zeit selbst bei den Gebildetsten weit verbreitet

war. Die Blumen- oder Mannaesche, von der hier die Rede ist, findet

sich in Bergwäldern Südeuropas, waldbildend namentlich im Karst, in

Kroatien, Slavonien, Dalmatien und im Orient und wird besonders in

Sizilien kultiviert, da sie durch im Frühjahr in ihre Rinde gemachte

Einschnitte die +Manna+ als einen süßen, an der Luft erhärtenden Saft

liefert. Bei uns findet sie sich nur als Zierholz angepflanzt. Sie ist

ein buschiger kleiner Baum oder Strauch, dessen Blüten grüne Kelch- und

weiße Kronblätter tragen.

Von der gemeinen Esche, die in der germanischen und nordischen

Mythologie eine bedeutende Rolle spielt -- man denke nur an die

Weltesche Ygdrasil und die Abstammung des Mannes von der Esche,

während die Frau aus der Erle hervorging -- kultiviert man als

Zierbäume verschiedene Abarten, wie die +einblätterige Esche+, die

+Trauer-+ oder +Hängeesche+, die +Goldesche+ mit rötlichgelber Rinde

usw. In Parkanlagen werden auch mehrere nordamerikanische Arten, wie

die +Weiß-+, +Rot-+, +Schwarz-+ und +Blauesche+ angepflanzt. Unter

ihnen ist besonders die Weißesche (~Fraxinus americana~), weil viel

frosthärter und später als die gemeine Esche austreibend, neuerdings

auch in einzelnen Versuchspflanzungen als Waldbaum bei uns angesiedelt

worden. Auf einer Esche (~Fraxinus chinensis~) in Südchina und

Annam wird die Wachsschildlaus (~Coccus pe-la~) gezüchtet, die das

chinesische Wachs liefert.

Der Baum, der am innigsten mit dem deutschen Volksleben verwachsen

ist, ist die +Linde+ (~Tilia~). Sie galt den alten Germanen und Slaven

als heiliger Baum und war der weiblichen Gottheit Herka oder Frau

Holle, bei den Slaven der Liebesgöttin Krasopani geweiht. In Sitte

und Sage spielt sie eine sehr wichtige Rolle. Wie heute noch alle

Volksfeste sich unter der alten Dorflinde abspielen, so kamen unsere

Vorfahren mit Vorliebe unter ehrwürdigen Lindenbäumen zusammen. So gibt

es in Deutschland noch viele Gerichts-, Vehm-, Blut-, Geisterlinden

usw. An Gerichtsstätten standen wenigstens drei, meist aber sieben

Linden. Das in der Regel am Hauptbaume befestigte roh geschnitzte

Götterbild hieß Wigbild, woraus später Weichbild, im Sinne von Grenze

des Gerichts, später Stadtgrund, entstand. Berühmt ist namentlich die

altehrwürdige Vehmlinde bei Dortmund. Auf Burgen und in Klöstern war

die Linde Hausbaum. Dort wurde der Gast im Sommer bewirtet, dort wurde

erzählt, gezecht, gespielt und der fahrende Spielmann oder Sänger

angehört. Wie auf den Burgen war die Linde auch im Kloster der Baum

der Erholung und als solcher meist am Brunnen gepflanzt. Weil der

Baum als Bildstock für Marien- und Heiligenbilder benützt zu werden

pflegte, wurde er wie diese selbst mit dem Nimbus der Heiligkeit und

Wundertätigkeit umgeben, zu dem man nicht selten Wallfahrten unternahm.

Am meisten beschäftigen sich Lindensagen mit der Mutter Gottes als der

Nachfolgerin der heidnischen Herka oder Frau Holle. Außer religiösem

Aberglauben hat die Volksmeinung, wonach der Blitz nicht in Linden

einschlagen soll, viel dazu beigetragen, daß häufig Linden an Feldwege

und auf Viehtriften zum Schutze der Hirten und Feldarbeiter gepflanzt

wurden. Auch zum Verbrennen der Toten wurde, wie uns die Kohlenreste

alter Grabhügel beweisen, mit Vorliebe Lindenholz als dasjenige eines

heiligen Baumes genommen. Zahlreiche Ortschaftsnamen weisen auf die

Linde, so vor allem auch Leipzig, das Lindenstadt bedeutet. Der Name

ist aus dem slavischen Worte Lipsk entstanden, das aus ~lipa~ Linde

gebildet ist. Die berühmteste Linde Deutschlands ist die zu Neustadt

am Kocher in Württemberg, von welcher die Stadt auch Neustadt an der

Linde heißt. Sie hat an ihrem Fuße 12 m Umfang. Ihre mächtigen Äste

wurden schon im Jahre 1392 durch 60 steinerne Säulen gestützt, und ein

Gedicht von 1408 sagt: „Vor dem Thor eine Linde staht, die 67 Säulen

hat.“ Im Jahre 1831 wurden diese Stützsäulen auf 166 vermehrt. Ein

abgebrochener Ast gab 7 Klafter Holz. Diese Linde muß gegen 800 Jahre

alt sein. Die stärkste Linde Deutschlands ist aber diejenige auf der

Burg zu Nürnberg, welche bei nur 18 m Höhe einen Stammumfang von 14 m

aufweist. Ihr Stamm ist so weit hohl, daß man durch ihn wie durch ein

Tor zu Pferde hindurchreiten kann. Sie ist wohl über 800 Jahre alt.

Unter der Schirmfläche der Linde zu Vilsen im Hannoverschen versammeln

sich jeden Sonntag 13 Gemeinden zum Gottesdienst. Unter der Linde von

Augustusburg, die einen Stammumfang von 12 m besitzt, hatten einst

120 Speisetische Platz. Vom Kurfürsten August von Sachsen, der das

Schloß Augustusburg baute, existieren noch viele Verordnungen, die mit:

„Gegeben unter der Linde“ unterzeichnet sind. In alten Linden, die in

der Nähe von Kirchen stehen, findet man zuweilen noch eiserne Ringe und

Klammern. Diese dienten einst als Klammern für diejenigen, die hier

öffentlich Kirchenbuße zu leisten hatten.

Man unterscheidet bei uns zwei Arten von Linden: Die +kleinblätterige+

oder +Winterlinde+ (~Tilia parvifolia~) und +großblätterige+ oder

+Sommerlinde+ (~T. grandifolia~). Letztere ist in Deutschland weniger

verbreitet als erstere. Beide haben eine weitverzweigte, tiefgehende

Wurzel, einen kräftigen Stamm mit im Alter ziemlich dicker, graubrauner

oder schwarzgrauer, rissiger Rinde. Die Innenrinde liefert einen

trefflichen Bast. Die Äste beginnen schon tief unten am Stamm und

breiten sich ringsum nach allen Seiten hin aus. Die unteren halten sich

fast wagrecht; je weiter nach oben, desto mehr streben auch die Äste

aufwärts. An den wagrecht ausgebreiteten oder niederhängenden Zweigen

stehen die rundlichen, zugespitzten, scharf gesägten und am Grunde

ausgeschnittenen Blätter, die bei der Winterlinde kleiner, oberseits

dunkelgrün, unterseits blaugrün und kahl sind, während sie bei der

anfangs Mai, statt wie die vorige Mitte Mai, ausschlagenden Sommerlinde

unterseits hellgrün und kurz behaart sind. In den Winkeln der

Blattnerven der Unterseite stehen als Acarodomatien oder Milbenhäuschen

kleine Haarbüschel, die bei der Winterlinde rostfarbig, bei der

Sommerlinde dagegen gelblichweiß sind. Die gelblichen Zwitterblüten

hängen in Trugdolden geordnet an langem, mit zungenförmigem Deckblatte

verwachsenem Stiele zu 5-7 bei der Winterlinde und zu 2-3 an der 14

Tage später, d. h. Ende Juni bis Mitte Juli blühenden Sommerlinde. Sie

liefern einen als Hausmittel vielgebrauchten Tee. Die filzig behaarten

Nußfrüchtchen benutzen das gemeinsame Deckblatt als Flugapparat,

bleiben aber, besonders bei der später reifenden Winterlinde, oft bis

zum Frühjahr am Baume. Die Keimung erfolgt wie bei manchen anderen

Bäumen erst im zweiten Frühjahr. Die zwei Keimblätter sind handförmig

geteilt, im Gegensatz zu der sonst gültigen Regel, nach der sie

einfacher geformt sind als das spätere Laubblatt. Die zweijährigen

Pflänzlinge werden umgepflanzt: damit sie recht erstarken, empfiehlt

es sich, sie etwa im fünften Jahre ein zweites Mal im Pflanzbeet

umzulegen. Die Linde zeigt von Jugend an ein freudiges Wachstum und

bildet einen anfangs fast immer walzenrunden, glänzend bräunlichen, mit

weißlichen Warzen überstreuten Stamm, der schon in geringer Höhe Äste

ausstreckt, welche sich gern flach ausbreiten. Die Krone wölbt sich

frühzeitig ab und wird mit dem Alter immer dichter und umfangreicher.

Die tiefgreifende und sich weithin verzweigende Wurzel befähigt die

Linde den stärksten Stürmen zu trotzen.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 76 / 81 段