(~Castanea vesca~), die aber bei uns nur im Rheintal am Fuß des
Schwarzwaldes und der Vogesen in wärmeren Lagen, wo der Weinstock
und feinere Obstarten gezogen werden, gedeiht. Hier wird sie im
Niederwaldbetrieb bewirtschaftet, um aus den jungen Schößlingen
sehr brauchbare Rebstecken zu gewinnen. Ihr Holz besitzt fast alle
Eigenschaften, wie auch die Farbe des Eichenholzes, ist jedoch durch
das Fehlen der mit freiem Auge deutlich sichtbaren Markstrahlen sofort
von jenem zu unterscheiden. Im Gegensatz zum Holze der Edelkastanie
ist dasjenige der +Roßkastanie+ (~Aesculus hippocastanum~) von nur
geringem Werte, da es leicht, schwammig, weich und von sehr geringer
Dauer ist, namentlich in der Nässe rasch fault. Andererseits reißt und
wirft es sich wenig, nimmt Farbe und Politur gut an und wird nicht von
Würmern heimgesucht. Es wird von Drechslern und Tischlern ähnlich wie
das Lindenholz verwendet, kann auch zu Holzschuhen verarbeitet werden.
Sonst wird für letztere das weiche Linden- und noch häufiger Erlenholz
verwendet.
Auch die +Erlen+ (~Alnus~), von denen es 14 Arten auf der nördlichen
Halbkugel gibt, sind Kätzchenblütler und dadurch bemerkenswert,
daß sie wie die Schmetterlingsblütler in Symbiose mit Rhizobien
genannten Knöllchenbakterien leben, die an den Wurzeln orangefarbene,
knollenförmige Auswüchse erzeugen. Indem diese Bakterien den
Stickstoff der im Boden enthaltenen Luft binden und in salpeter-
und schließlich salpetrigsaure Verbindungen überführen, leisten sie
der Erle außerordentlich wichtige Dienste zur Gewinnung dieses für
ihr Gedeihen so notwendigen Nährmaterials. Mit Hilfe dieser kleinen
Wohltäter vermögen diese Bäume auf stickstoffarmem Boden gut zu
gedeihen und durch Stickstoffanreicherung diesen zu verbessern. Von
den vier deutschen Erlenarten ist die an Bachufern und in feuchten
Niederungen wachsende +Schwarzerle+ (~Alnus glutinosa~) die häufigste.
Sie bildet ihren schlanken, dunkeln Stamm von 4-25 m Höhe bis zum
Gipfel aus und trägt an den schräg abstehenden Ästen die im ersten
Frühjahr sich entfaltenden männlichen und weiblichen Blütenstände. Aus
den weiblichen Kätzchen gehen eine Menge brauner Zäpfchen hervor, aus
denen im Winter die ungeflügelten Samennüßchen ausfallen. Die Blätter
sind glänzend dunkelgrün, fühlen sich klebrig an und sind an der Spitze
stark abgestumpft im Gegensatz zu den zugespitzten, weichhaarigen,
niemals klebrigen Blätter der +Weiß+- oder +Grauerle+ (~Alnus
incana~), die im übrigen der Schwarzerle sehr ähnlich ist. Sie hat
ihren Namen von der glänzend silbergrauen, glatten Rinde, wächst meist
strauchartig, erreicht aber als Baum eine Höhe von 10 m. Sie liebt
weniger nassen humosen Boden als die vorige, gedeiht auch an Berghängen
und auf Gebirgskämmen. Sie spielt in der nordischen Mythologie eine
große Rolle: aus ihr soll die Frau hervorgegangen sein, während aus
der Esche der Mann hervorging. Varietäten beider Arten werden als
Ziergehölze kultiviert.
Beide Erlenarten sind durch ganz Europa verbreitet, doch steigt die
Weißerle im Gebirge höher hinauf als ihre Verwandte und geht auch
weiter nach Norden, was ihr den Namen „nordische Erle“ eintrug. Die
+weichhaarige Erle+ (~A. pubescens~) ist wahrscheinlich ein Bastard
dieser beiden Arten. Ihre Rinde ist graubraun und ihre mehr stumpfen
Blätter sind nur zu äußerst spitz auslaufend. Eine besonders auf
Granit in der Knieholzregion des Gebirges, namentlich der Alpen, des
Schwarzwaldes, des Jura und Böhmerwaldes, wachsende strauchartige, sich
am Boden schmiegende Art ist die +Grünerle+ (~A. viridis~), die, was
ihre Verwertung betrifft, nur als Brennholz in Betracht kommt. Alle
Erlen verfügen über ein starkes Ausschlagsvermögen, indem sie nach dem
Verlust von Ästen aus „schlafenden“ Knospen neue hervorzubringen und so
Schädigungen leicht auszugleichen vermögen. Das Holz der Schwarzerle
ist frisch gelbrot, trocken rostrot, das der Grauerle dagegen heller
und das der Grünerle weiß. Es ist leicht, weich und fest, aber
ziemlich grob, leicht brüchig und wenig elastisch. Es verträgt keinen
Wechsel, ist aber im Wasser dauerhaft und wird deshalb außer zum
Brennen hauptsächlich als Wasserbauholz verwendet. Außerdem dient es
zum Schnitzen und Drechseln, wird zu Bürsten und Zigarrenkistchen
verarbeitet und in Nachahmung von Mahagoni und Ebenholz gebeizt, auch
zu Galanteriewaren, Pfeifenköpfchen usw. verwendet.
Neben Haselnuß und Erle gehören die ihnen nahe verwandten +Weiden+
und +Pappeln+ zu den ersten Verkündern des Frühlings, indem sie wie
jene sehr früh ihre schon im Herbst unter der Knospenhülle ziemlich
weit entwickelten Blüten hervortreten lassen. Beide Arten von
Kätzchenträgern sind zweihäusig, indem jedes Individuum entweder nur
männliche oder nur weibliche Blüten hervorbringt. In Europa, Mittel-
und Nordasien bis China und Japan heimisch und teilweise in Nordamerika
verwildert sind Silber-, Schwarz- und Zitterpappel. Die +Silber+-
oder +Weißpappel+ (~Populus alba~), die sich in unseren Anlagen neben
der Schwarzpappel in wundervollen, 28-30 m hohen Exemplaren findet,
hat auf der Unterseite weißfilzige, an den jungen Trieben handförmig
gelappte, an den älteren Zweigen rundlich eiförmige Blätter. Ihr Holz
ist sehr geschätzt, da es sich wegen seines gleichmäßigen Baues sehr
wenig verzieht und deshalb vorzügliche Reißbretter liefert. Ähnlich
ist dasjenige der +Schwarzpappel+ (~P. nigra~), die wir hauptsächlich
im lockeren, feuchten Boden der Flußufer und an feuchten Waldrändern,
aber auch häufig in Anlagen angepflanzt treffen. Sie ist die ~aígeiros~
der alten Griechen, die siebenmal in der Odyssee und einmal in der
Ilias genannt wird, während die Weißpappel bei diesen ~acherōís~ hieß.
Ein Scholiast, d. h. Grammatiker des Altertums, erklärt letzteren
Namen daher, daß Herakles den Baum aus der Unterwelt, dem ~achérōn~,
an die Oberwelt gebracht habe. In Anlehnung an diesen Mythus nennt
der römische Dichter Vergil in seinen Eklogen die Pappel (~populus~)
dem Herkules, den Weinstock aber dem Bacchus angenehm. Diese Sage
von der Herkunft aus der Unterwelt rührt von der düsteren Rinde
her, die schon sehr früh eine dicke, schwärzliche Borke bildet, im
Gegensatz zu der lange glatt bleibenden Rinde der +Zitterpappel+ oder
+Espe+ (~P. tremula~). Dieser in feuchten Laubwäldern und an Bächen
häufige, bis in die Alpen und auf den Brocken hinaufgehende Baum
ist dadurch bekannt und sprichwörtlich, daß seine an einem dünnen,
langen, seitlich abgeplatteten Stiel sitzenden rundlichen, gebuchteten
Blätter beim geringsten Lufthauch zittern. Während er sich bei uns
vorzugsweise in den Flußniederungen angesiedelt findet, bildet er in
Ostpreußen und Rußland als Waldbaum reine Bestände und erreicht eine
Höhe von 20 m. Er ist der ~kerkís~ der alten Griechen, findet sich
aber in Griechenland sehr selten. Sein grauweißes, glänzendes, eine
glattere Bearbeitung als dasjenige der vorgenannten Arten erlaubendes,
weiches Holz wird besonders zur Herstellung von Zündhölzchen und
Zündholzschachteln, daneben auch in der Holzstofffabrikation verwendet.
Vielleicht nur ein Bastard von Zitter- und Silberpappel ist die
im Orient heimische, nicht selten in unsern Anlagen kultivierte
+Graupappel+ (~P. canescens~), die 20-30 m hoch wird, während die
bis 35 m hoch wachsende +Pyramidenpappel+ (~P. pyramidalis~) mit
purpurnen Kätzchen und steilaufstrebenden Ästchen, die dem Baum eine
säulenförmige Gestalt verleihen, wahrscheinlich nur eine Abart der
Schwarzpappel ist. Wenn wir von Pappeln sprechen, so meinen wir sie.
Dennoch ist sie kein Kind unserer Heimat, sondern hat ihre Heimat
in Zentralasien; sie kam zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Persien
nach Europa und gelangte im Jahre 1740 in einem männlichen Exemplar
aus Norditalien in den Garten nach Wörlitz. Bis auf acht erst viel
später eingeführte weibliche Exemplare stammen alle deutschen
Pyramidenpappeln, die seit der napoleonischen Zeit sich reihenweise
den Flüssen und Landstraßen Mitteleuropas entlangziehen und der
Landschaft ein äußerst charakteristisches Gepräge verleihen, von diesem
+einen+ männlichen Baume ab und wurden durch Stecklinge erzielt. In
den Boden gesteckte abgeschnittene Zweige schlagen sehr leicht Wurzel.
Wahrscheinlich ist diese ungeschlechtliche Vermehrung in Verbindung mit
der Senkung des Grundwasserspiegels infolge Regulierung der Wasserläufe
der Grund des in letzter Zeit häufig zu bemerkenden frühzeitigen
Absterbens der Pyramidenpappeln. Dieses beginnt mit Wipfeldürre und
läßt schließlich den ganzen Baum eingehen. Neuerdings pflanzt man außer
der etwas kleineren +Balsampappel+ (~P. balsamifera~) besonders die
ebenfalls aus Nordamerika zu uns gebrachte, bis 20 m hohe +kanadische
Pappel+ (~P. monilifera~). Beide sind außerordentlich raschwüchsig und
liefern dabei vielseitig brauchbares Holz, sind daher nicht bloß als
Zierpflanzen, sondern auch für die Forstwirtschaft von Bedeutung. Alle
Pappelhölzer sind leicht, weich, wenig werfend und liefern deshalb
vorzügliches Blindholz für furnierte Möbel und Packkisten, sind auch
treffliche Papierstofflieferanten. Nur ganz im Trockenen lassen sie
sich längere Zeit unzersetzt aufbewahren, im Wasser faulen sie rasch.
Dieselbe geringe Bedeutung wie das Pappelholz besitzt auch im
allgemeinen das Holz der +Weiden+ (~Salix~), das ebenfalls sehr
weich und leicht, wenig fest und dauerhaft ist, also als Bauholz
gleicherweise unbrauchbar ist. Die Farbe des Kernholzes ist rötlich,
braun- oder rötlichgelb. Es wird wie das Pappelholz vorzugsweise
als Blindholz, dann zu Packkisten, Spielwaren usw. verwendet. Von
den 160 Weidenarten finden sich gegen 50 in Deutschland. Um sie
alle auseinander zu halten, braucht es ein besonderes Studium. Eine
der bekanntesten derselben ist die von allen Weiden zuerst blühende
+Salweide+ (~Salix caprea~), die in Mittel- und Nordeuropa, wie auch in
Nordasien heimisch ist. Ihre Zweige sind es, die unser katholisches
Volk an Stelle der in unserem Klima fehlenden Palmzweige am Palmsonntag
zur Weihe bringt, weshalb diese Weidenart auch Palmweide heißt. Nach
altgermanischem Glauben schirmen ihre Zweige das Haus, in welchem
sie aufbewahrt werden, gegen Zauber, Hexenspuk und böse Geister.
Dieser heute noch beim Volke geltende Glaube ist ein Nachklang aus
germanischer Vorzeit, in der die Weiden mit der Geisterwelt der
Verstorbenen in Zusammenhang gebracht wurden.
Neben der Salweide wird besonders auch die +Weißweide+ (~Salix alba~)
mit fein behaarten, schmalen Blättern den Bächen und Wegen entlang
als „Kopfweide“ gezogen, d. h. der Stamm wird in bequem erreichbarer
Höhe, etwa an der Gabelungsstelle von Leitästen, geköpft. Die dann aus
der Wundstelle hervorbrechenden dünnen, schmiegsamen Ruten werden als
beliebtes Flechtmaterial für Körbe und andere geflochtenen Gegenstände
verwendet, während das Holz des Stammes als Nutz- oder Brennholz dient.
Die weiße Weide galt im Altertum als Symbol der Keuschheit, weshalb
die Frauen in Hellas bei den Thesmophorien ihr Lager mit unfruchtbaren
Zweigen von männlichen Bäumen dieser Weidenart bestreuten. Es war
dies ein zu Anfang November, nach der Bestellung der Wintersaat zu
Ehren der Demeter ~thesmóphoros~, d. h. der Gesetze gebenden Göttin
der fruchtbaren mütterlichen Erde gefeiertes Fest. Diese galt als
die Gründerin des Ackerbaus, der bürgerlichen Gesellschaft und der
rechtmäßigen Ehe und ihr Fest wurde von den Frauen unter strengem
Ausschluß der Männer gefeiert.
Während die Zweige der +Bruch+- oder +Knackweide+ (~S. fragilis~)
sehr leicht brüchig sind und deshalb nur als Brennholz Verwendung
finden, sind die dottergelben Zweige der nur deretwegen angepflanzten
+Dotterweide+ (~S. vitellina~), weil durch besondere Zähigkeit
ausgezeichnet, als Material zum Binden sehr geeignet. Ebenfalls zum
Binden und zur Korbflechterei sehr geeignet ist die +Band+- oder
+Korbweide+ (~S. viminalis~), die in Europa und Nordasien sehr gemein
ist und häufig an fließenden und stehenden Gewässern angebaut wird.
Sie hat eine grünlichgelbe Zweigrinde und sehr lange, zugespitzte,
unterseits weißhaarig glänzende Blätter. Sie besitzt ein sehr kräftiges
Ausschlagsvermögen, so daß die Korbruten jährlich geerntet werden
können. Um Reifstäbe für Bandholz um Fässer und Kübel zu erhalten, sind
dagegen 3-6 Jahre nötig. Ihr weit ausstreichendes Wurzelwerk macht
Bandweidenpflanzungen zur Befestigung von Uferböschungen vorzüglich
geeignet. Noch besser als sie erträgt den jährlichen Schnitt eine
Bastardform zwischen ihr und der +Purpurweide+ (~S. purpurea~), so
genannt wegen ihrer purpurnen, statt wie sonst gelben Staubbeutel. Auch
sie wird an feuchten Stellen und Ufern häufig angebaut, ebenso die
aus Rußland bei uns eingeführte +kaspische Weide+ (~S. acutifolia~)
und die feine Flechtware liefernde einheimische +Mandelweide+ (~S.
amygdalina~), so genannt nach ihrem an die Mandelblätter erinnerndem,
unterseits bläulichweiß bereiftem Laubwerk. Auch von diesen gibt
es verschiedene in Kultur stehende Bastarde. Alle diese werden
ausschließlich durch Stecklinge vermehrt, da sich abgeschnittene und in
den Boden gesteckte Zweige sehr rasch bewurzeln und es zu langwierig
wäre, diese Weidenpflanzen aus Samen zu ziehen.
Besonders in Nieder-Österreich, im Neckartal und in Holland werden
diese Weiden für die Flechtindustrie im großen gezüchtet und liefern
als Nebenprodukt eine zum Gerben geeignete Rinde mit einem mittleren
Gerbstoffgehalt von 8 Prozent, außerdem zum Flechten von Matten und
Taschen und zum Drehen von Stricken dienenden Bast. Das leichte, weiche
Weidenholz dient im Oderbruch zum Schnitzen von Holzschuhen und wird
sonst viel benutzt, auch zum Brennen von Kohle. Nach Theophrast gaben
die alten Griechen dem leichten Weidenholz zu Schilden den Vorzug.
Derselbe Autor sagt in seiner Pflanzengeschichte, daß die Weide
(~itéa~) am Wasser wachse und in vielen Arten vorkomme, doch seien die
Ruten der Purpurweide schöner und besser zu Flechtwerk als diejenigen
der weißen Weide. Die Griechen und besonders die Römer pflanzten die
Weiden in bedeutender Menge zu den verschiedensten Zwecken. Nach
Plinius hielt der ältere Cato die Weidenzucht für einen der wichtigsten
Teile der Landwirtschaft und nannte die Weide die nützlichste aller
Wassergewächse. Er schreibt: „Es gibt verschiedene Arten von Weiden
(~salix~). Die einen liefern Stangen für Weinberge und in ihrer Rinde
Material zum Binden; andere geben Ruten, welche durch ihre Biegsamkeit
und Zähigkeit zum Binden tauglich sind; andere liefern zarte Ruten
zu feinem Flechtwerk, wieder andere starke Ruten zu Körben und
anderem Gebrauch in der Landwirtschaft. Werden die Weidenruten durch
Schälen weiß und behandelt man sie sorgfältig, so geben sie Körbe,
die nachgiebiger sind, als wenn sie aus Leder gemacht wären, liefern
auch die besten Lehnstühle. Geköpfte Weiden treiben neue Äste, und
diese wachsen sogar aus den Köpfen um so dichter. Jedenfalls ist die
Weide ein Baum, dessen Anpflanzung bei geringen Kosten einen sicheren,
auch von jeder Witterung unabhängigen Ertrag gibt.“ Sehr ausführlich
behandelt sein Zeitgenosse Columella die Weidenkultur durch Stecklinge,
die, bevor sich noch die Blattknospen geöffnet haben, in 2,5 Fuß tief
umgegrabenem feuchten Boden je zwei Fuß auseinander gepflanzt werden
sollten. In den ersten drei Jahren lockere man in den Weidenpflanzungen
den Boden öfters durch Graben auf, später genüge es, solches dreimal
jährlich zu tun. Bei Unterlassung dieser Pflege verkümmerten die Weiden
bald.
Heute ist die Kultur und Verarbeitung von Korbweiden zu Korb- und
Stuhlarbeiten eine sehr ausgedehnte und beschäftigt viele Tausende von
Menschen. Deshalb verdienen sie noch häufiger, als dies geschieht,
angepflanzt zu werden, da die Flechtreiser in manchen Gegenden
Deutschlands noch vom Auslande bezogen werden müssen. Die Flechtruten
müssen einjährig, 1,3-2,8 m lang, gerade, möglichst dick und
ohne Knoten und Abzweigungen sein. Sie werden um die Mitte August
geschnitten und dann entweder noch mit der Rinde oder vorteilhafter
schon entrindet (weiß) in den Handel gebracht, indem man sie vorher
in Wasser gelegt und dann durch eine mit der Hand zusammengepreßte
Holzklammer gezogen hat, um die als Bast bezeichnete Rinde von ihnen
zu entfernen. Letztere wird zum Gerben benutzt. Die Ruten aber dienen
weiß oder gefärbt zum Flechten. Durch das Abschneiden der jährigen
Triebe schwillt das obere Ende der Kulturweiden unverhältnismäßig
an und wird als Kopf bezeichnet; häufig bersten sie oben und faulen
durch den eindringenden Regen. Nicht geköpfte Baumweiden, namentlich
Bruch- und Weißweiden, können etwa 150 Jahre alt werden und dienen
dann in 10-15jährigem Umtriebe und als Kopfholz in 1-2jährigem Abhiebe
zu Brennholz. Das Weidenlaub dient heute noch, wie im Altertum, auch
getrocknet, als gutes Viehfutter und die Bienen, welche die Ursache
der so häufigen Verbastardierung der Weiden sind, finden in den
frühblühenden Weidenarten eine wertvolle Nahrung. Als Zierbaum steht
die +Trauerweide+ (~Salix pendula~) obenan. Dieser 3-7 m hohe Baum
mit überhängenden Ästen und Zweigen stammt aus Japan und China, kam
vor 200 Jahren nach dem Orient und von da zu uns, aber nur in einem
weiblichen Exemplar, so daß alle unseren, aus Stecklingen gezogenen
Trauerweiden weiblich sind. Er wird bei uns vorzugsweise als Trauerbaum
kultiviert.
Ebenfalls zu den Amentazeen oder Kätzchenbäumen gehören die +Birken+
(~Betula~, aus dem ~betulla~ der Römer), die in 35 Arten die
Nordhemisphäre in der gemäßigten und kalten Zone bewohnen und die
nördlichsten Holzpflanzen überhaupt repräsentieren. Außerordentlich
malerisch ist der Anblick der nordischen Birkenwälder. Auf hohen,
schlanken, bis zu einer Höhe von 18 m kaum eine Spur von Astbildung
zeigenden, blendend weißen Stämmen wiegt sich eine leichte Krone von
zarten, hängenden Blättern. Dabei ist der Boden mit einem weichen
Teppich von Moos und Flechten bedeckt, zwischen denen, soweit das
Licht eindringen kann, eine blaße, dem Edelweiß naheverwandte
Immortelle (~Gnaphalium dioicum~) üppig emporsprießt. Ähnlich den ihnen
nahestehenden Erlen bilden auch die Birken die männlichen, zu zweit am
Ende der Zweige hängenden Kätzchen schon im Vorwinter aus; die zarten,
grünlichen Kätzchen der Fruchtblüten aber erscheinen erst im Frühjahr
und ragen seitwärts oder aufrecht an kleinen Seitentrieben hervor. Im
Herbst fallen dann die nunmehr hängenden Samenkätzchen auseinander und
überlassen dem Wind, wie die Befruchtung, so auch die Ausbreitung der
gelben, geflügelten Samenkörnchen, die oft weithin den Boden bedecken.
Oft werden sie vom Winde auf weite Strecken fort und bedeutend hoch in
die Luft gewirbelt. Deshalb trifft man nicht selten junge Birken hoch
oben auf Felsenspitzen, auf Mauern von Ruinen und auf Dächern; sie
können da, wenn man sie gewähren läßt, recht groß werden, da die Birke
von allen Bäumen die kleinste Wurzelverbreitung besitzt und auch im
freien Stand mit einer kleinen Menge Erde vorlieb nimmt.
Sämtliche drei Baumbirken, die zu den Nutzhölzern gehören, wachsen in
Deutschland. Der nördlichste Baum Europas, der bis in die Nähe des
Nordkaps unter 71 Grad nördlicher Breite geht, ist die +Warzen-+ oder
+Weißbirke+ (~Betula verrucosa~), ein 20-25 m hoher Baum Mittel-
und Nordeuropas, der östlich bis Kamtschatka geht und auch in ganz
Nordasien außerordentlich verbreitet ist. Bei uns in Mitteleuropa
häufiger als diese mehr nordische Weißbirke ist die wahrscheinlich
nur eine Abart derselben bildende +Hänge-+ oder +Trauerbirke+ (~B.
pendula~), deren dünne Äste im Gegensatz zur vorigen weit herabhängen.
Diese liebt einen sandigen, etwas lehmigen Boden, findet sich bei uns
in kleinen Hainen und wird in Gartenanlagen angepflanzt, häufig auch
im Mischwald und als Gesträuch im Buschwald, kommt auch auf Hochmooren
vor. Sonst ist auf sumpfigen, moorigen Stellen und in feuchten Feldern
die +Haar-+ oder +Ruchbirke+ (~B. pubescens~) heimisch, die als
mäßig hoher Baum oder noch häufiger, namentlich in höheren Lagen,
strauchartig in den Alpen und den mitteldeutschen Gebirgen bis an die
Baumgrenze geht, in Norddeutschland aber auch in der Ebene wächst.
Während, wie die Blätter, auch die jungen Triebe der erstgenannten
beiden gemeinen Birken kahl, höchstens von Wachsausschwitzungen rauh
und warzig sind, sind diese bei der Haarbirke in der Jugend mit einem
dichten, weichen Haarfilze überzogen, der im erwachsenen Zustande
ganz schwindet oder nur auf die bärtigen Aderwinkel der Unterseite
der Blätter beschränkt bleibt. Die Rinde von Weiß- und Hängebirke ist
reinweiß, während sie bei der Haarbirke etwas ins Graue geht. Dafür
behält letztere ihre glatte, in papierdünnen Bändern sich ablösende
Rinde bis ins Alter am ganzen Stamm, während Weiß- und Hängebirke
im höheren Alter am unteren Stammteil eine dicke, tiefrissige Borke
von schwärzlicher Farbe und außerordentlicher Härte bilden. Da die
Borke einen Schutz gegen Erwärmung und Verdunstung bildet, ist es
begreiflich, daß die auf nassem Boden wachsende Haarbirke dieses
Schutzes weniger bedarf als jene. Die Form der ziemlich dünnen,
langgestielten Blätter sind bei Weiß- und Hängebirke dreieckig bis
rautenförmig, bei der Haarbirke dagegen mehr oval.
Alle drei Birkenarten sind, besonders in der Jugend, sehr raschwüchsig
und vermögen bei ihrer leichten Verbreitungsfähigkeit durch den Wind im
Wald entstandene Lücken schnell auszufüllen. Dabei können aber Weiß-
und Hängebirke durch das Hin- und Herpeitschen ihrer warzenbedeckten,
lang herabhängenden Zweige im Winde die Nachbarpflanzen ziemlich
belästigen, während die Zweige der Haarbirke sperriger und weniger
hängend sind. Sie wird deshalb als Mischholz vorzugsweise zwischen
Nadelbäume gepflanzt, da es wegen dieses Umsichschlagens der Zweige
im Winde selten ein Laubbaum in ihrer Nachbarschaft aushält. Auch
als Oberholz im Mittelwald und als Schutzbäume leisten die Birken
gute Dienste. Sie bedürfen nur wenig Sonnenwärme, um ihr Wachstum zu
beginnen, belauben sich schon, wenn die Tageswärme über 7° C. steigt,
und verlieren ihre Blätter im Herbst, wenn dieser Wärmegrad nicht mehr
erreicht wird. Dies befähigt sie, wenigstens zu Sträuchern verkrüppelt,
bis zu den baumlosen Polarländern vorzudringen. Sie gedeihen am besten
in frischen, nicht zu windigen Lagen auf feuchten, humusreichen
Sandböden. Ihre Polargrenze stimmt mit derjenigen der Nadelhölzer nahe
überein. Man erzieht die Birken leicht und sicher durch Pflanzung zwei-
bis fünfjähriger Pflänzlinge, welche aus den Schlägen genommen werden,
wo sie aus angeflogenem Samen von selbst wachsen.