verwendet, die früher allgemein mit der Hand, neuerdings aber
vorzugsweise mit Maschinen geschnitten werden. Der Verlust an Material
ist dabei ein sehr großer und beträgt bis zu 60 Prozent. Doch finden
auch die Abfälle Verwendung, so besonders zur Herstellung von Linoleum
und vielen andern technischen Erzeugnissen, wie Umhüllungsmassen von
Dampfröhren, Amboßunterlagen, Stoßkissen auf Schiffen, Schwimmgürteln
usw. Außer Korkstöpseln werden auch Korksohlen, Korkjacken,
Schwimmer von Fischernetzen und Angelhaken und dergleichen aus Kork
hergestellt. Der beste Kork, der ausschließlich zur Herstellung von
Champagnerkorken benutzt wird, kommt aus den spanischen Provinzen
Catalonien und Andalusien in den Handel. Er darf beim Einpressen
in die Flaschenmündung keine Haarrisse bekommen, durch welche die
Kohlensäure entweichen könnte, und muß so elastisch sein, daß er selbst
nach jahrelangem Gebrauch, mit Wasser gekocht, seine ursprüngliche
zylindrische Gestalt und seinen ursprünglichen Umfang wieder erhält. Er
kann bis zu 60 Jahre im Dienst aushalten.
Der Kork ist ein Artikel, den schon die alten Ägypter, Griechen und
Römer kannten und zu verschiedenen Zwecken verwandten. So benutzten ihn
die erstgenannten zur Herstellung von Särgen, die letzteren dagegen
zu Bienenstöcken, wie uns Varro mitteilt, der im 1. Jahrhundert
v. Chr. schreibt: „Die besten Bienenstöcke sind die aus Rinde
(~cortex~) gemachten.“ Unter dem lateinischen ~cortex~, das zunächst
Rinde im allgemeinen bedeutet, ist in diesem Falle vorzugsweise die
Rinde der Korkeiche zu verstehen. Aus dem lateinischen ~cortex~ ist
dann unser deutsches Wort Kork entstanden. Obschon die Korkeiche
nicht mehr in Griechenland wächst, beschreibt sie Theophrast im 4.
Jahrhundert v. Chr. allerdings nur vom Hörensagen und deshalb nicht
ganz richtig. Er sagt von ihr: „Die Korkeiche (~phellós~) wächst in
Tyrrhenien (Etrurien), hat einen einfachen Stamm, wenig Äste, ist hoch
und hat festes Holz. Die Rinde ist sehr dick, zerrissen wie bei der
Pinie (~pítys~), jedoch in größere Stücke gespalten. Das Blatt ist
wie bei der Esche (~melíē~), dick und länger (damit meint er wohl die
einzelnen Blättchen des Eschenblattes). Der Baum ist nicht immergrün
(tatsächlich sind die Blätter der Korkeiche immergrün), sondern
läßt die Blätter fallen. Die Frucht ist eichelartig wie diejenige
der Ariaeiche (~aría~). Man schält die Rinde ab und behauptet, sie
müsse ganz abgeschält werden, sonst leide der Baum. Diese ersetzt
sich in etwa drei Jahren.“ Besonders wurde die schon von Theophrast
hervorgehobene Fähigkeit des Schwimmens auf dem Wasser als die
schätzenswerteste Eigenschaft dieses Produktes ausgenutzt. So erzählt
Plinius, daß der Kork, den er als ~suber~ bezeichnet, von den Fischern
als Schwimmer für ihre Netze und sonst allgemein als Bojen für die
Anker der Schiffe benutzt werde.
Mögen nun auch die Völker des Altertums den Kork zu den verschiedensten
Zwecken benutzt haben, so ist doch das eine sicher, daß sie ihn nicht
wie wir zum Stopfen brauchten. Erstens hatten sie keine enghalsigen
Flaschen wie wir im Gebrauch, wozu er sich in erster Linie eignet, und
für die später von den Römern Galliens von den keltischen Einwohnern
des Landes angenommenen Holzfässer aus Dauben war ein hölzerner
Spund das gegebene Verschlußmaterial. Die Vorratsgefäße der Alten
waren große amphorenartige Tonkrüge, von den Griechen ~píthos~, von
den Römern ~dolium~ genannt, die mit Deckeln aus demselben Material
mit Zuhilfenahme einer dicht verschließenden Masse wie mit Wasser
angerührtem Lehm oder gebranntem Gips, auch mit einem Kitt aus Harz,
Kreide und Öl luftdicht verschlossen wurden. Wurde der Deckel nicht
luftdicht verschlossen, damit man jeweilen vom Vorrate seinen Bedarf
zu holen vermochte, so wurde die Verdunstung durch Aufgießen einer
Schicht Öl, also in der Regel Olivenöl, z. B. auf Wein, verhindert,
wie wir dies noch auf den Chianti- und anderen Weinflaschen Italiens
sehen. Erst als die enghalsigen Glasflaschen aufkamen, die vor dem 15.
Jahrhundert nirgends in Europa erwähnt werden, fand der Kork seit dem
17. Jahrhundert zur Herstellung von Pfropfen zum Verschließen derselben
zunehmende Verbreitung und bald allgemeine Verwendung, nachdem auch
hier vorher Wachs- und Holzpfropfen zu deren Verschluß gedient
hatten. Dank seiner Wasserdichtigkeit, Elastizität, Dauerhaftigkeit
und Leichtigkeit hat sich der Kork nunmehr den Kulturvölkern der
ganzen Erde vollkommen unentbehrlich gemacht und wird auch in seiner
herrschenden Stellung nicht so leicht von einem andern Stoffe verdrängt
werden können. Allerdings ist dem Korkstopfen im letzten Jahrzehnt
ein nicht zu unterschätzender Konkurrent entstanden in dem bekannten
Patentverschluß mit Gummidichtung, der namentlich bei Bierflaschen
fast allgemeine Verwendung findet und den Vorteil bietet, daß die
Flasche ohne Zuhilfenahme einer Korkmaschine verschlossen und ohne
weiteres geöffnet werden kann. Diese Leichtigkeit, den Verschluß zu
öffnen, hat aber auch ihre Schattenseiten, zu denen sich noch andere
Nachteile gesellen, so daß gleichwohl für sehr viele Zwecke der
Flaschenverschluß durch Kork dauernd beibehalten wird. Was durch
diesen Patentverschluß, der auch für die Flaschen zum Sterilisieren
der Kindermilch allgemeine Aufnahme gefunden hat, der Korkrinde an
Absatz verloren geht, wird reichlich ersetzt durch die von Jahr zu
Jahr steigende Verwertung gemahlener Korkrinde zur Herstellung des
Linoleums. Dieser Stoff wird als Fußbodenbelag, der leicht zu reinigen
ist und sonst viele Vorteile bietet, sich immer mehr die Wertschätzung
aller Schichten der Bevölkerung erobern und bald in jeder Wohnung zu
finden sein.
[Illustration:
Tafel 159.
Korkeiche (~Quercus suber~) bei Cannes an der Riviera.
(Nach einer in der Sammlung des Botan. Institutes der Universität Wien
befindlichen Photographie.)]
[Illustration:
Tafel 160.
Waldstudie von J. van Ruisdael.]
[Illustration:
Tafel 161.
Nadelholzwälder an der oberen Isar bei Schäftlarn.]
[Illustration:
Tafel 162.
Holzflößerei auf der Isar.]
Vor allem wird die Champagnerfabrikation sich voraussichtlich noch
lange des Korkzapfens als unvergleichlich wertvollem Verschlußmaterial
ihres Produktes bedienen. Hat doch die Einführung desselben in Europa
überhaupt erst die Champagnerfabrikation möglich gemacht. Der Erfinder
des Champagners, der Benediktinermönch Dom Pérignon (1636-1715),
Pater Kellermeister in der Abtei von Hautvilliers in der Champagne,
war zugleich der Erfinder des Champagnerkorkes, der ihm den unbedingt
erforderlichen festen Verschluß zur Zurückhaltung der sich bildenden
Kohlensäure verbürgte.
Von neuweltlichen Eichen mit im ersten Jahre reifenden Früchten und im
Herbst abfallenden Blättern ist die wegen ihrer grauweißen, in breiten,
dünnen Stücken sich ablösenden Rinde als +Weißeiche+ (~white oak~ --
~Quercus alba~) bezeichnete Art zu nennen. Der schöne, bis 25 m hohe
Baum bildet in den Vereinigten Staaten ausgedehnte Wälder und liefert
viel Gerbrinde. Seine Blätter verfärben sich nicht im Herbst. Auch die
+großfrüchtige Eiche+ (~Q. macrocarpa~) mit mildschmeckenden Früchten
und die +Kastanieneiche+ (~Q. prinus~) sind in Nordamerika sehr
verbreitet und liefern zum Gerben sehr geschätzte Rinden. Zu den Eichen
mit im zweiten Jahre reifenden Früchten haben wir in der Neuen Welt
die auf der Westseite Nordamerikas heimische +weidenblätterige Eiche+
(~Q. phellos~). Der etwa 20 m hohe Baum hat der Silberweide ähnliche
Blätter. Ebenfalls im westlichen Nordamerika gedeiht an feuchten
Stellen die +Wassereiche+ (~Q. nigra~). Im östlichen Teil Nordamerikas
dagegen wachsen die +Färbereiche+ (~Q. tinctoria~), die ihr ähnliche
+Scharlacheiche+ (~Q. coccinea~) mit braunroten Blättern, die sich im
Herbst scharlachrot verfärben. Sie bildet in den Vereinigten Staaten
große Wälder und ihr Holz wird vielfach nach England ausgeführt. Ferner
die nach der prächtigen scharlachroten Verfärbung ihrer Blätter so
genannte +Roteiche+ (~Q. rubra~), die vom Huronensee bis Florida und
Texas in ausgedehnten Beständen wächst und wegen ihrer Raschwüchsigkeit
auch in unsere Forsten eingeführt wurde. An feuchten Stellen gedeiht
dort die ebenfalls sehr schnellwüchsige +Sumpfeiche+ (~Q. palustris~),
die, wie alle vorgenannten, viel Gerbrinde liefert. In Südeuropa bis
Syrien dagegen wachsen von den Eichen mit im zweiten Jahre reifenden
Früchten die +Zerreiche+ (~Q. cerris~), ein großer Baum mit ungemein
festem, hartem Holz, eßbaren Früchten und gerbstoffreicher, zum
Gerben dienender Rinde, und in Rumelien, Griechenland und Kleinasien
die ebenfalls bis 19 m hohe +Knopperneiche+ (~Q. vallonea~), deren
schuppige, 3-4,5 cm im Durchmesser haltende Fruchtbecher als Valonen
in den Handel kommen und zum Gerben und Schwarzfärben dienen.
Wie die Eichen gehören die +Buchen+ (~Fagus~) in die Familie der
Cupuliferen oder Näpfchenfrüchtler. Unter ihnen ist die +gemeine Buche+
oder +Rotbuche+ (~Fagus silvatica~) der schönste und für uns wichtigste
Vertreter der Gattung. Dieser stattliche Baum, dessen glatter Stamm mit
hellsilbergrauer Rinde emporstrebt, um hoch oben die volle Besonnung
verlangenden grünen Blätter an zierlichen Ästen auszubreiten, bildet
den von den Dichtern viel besungenen „grünen Waldesdom“ und soll
die Anregung zur gotischen Bauart gegeben haben. Die Buche ist der
Hauptrepräsentant des deutschen Laubholzwaldes und gedeiht am besten in
nicht zu feuchtem, aber auch nicht zu trockenem, kalkhaltigem Hügel-
und Bergland, bildet aber auch auf dem frischen, humösen Sandboden
der norddeutschen Ebene mächtige Bestände. Im sandigen Flachlande hat
sie allgemein den Nadelhölzern weichen müssen; nur vereinzelt und
deshalb vom Naturfreund doppelt geschätzt ragen dort die Buchenwälder
wie Oasen aus dem Einerlei der Kiefern. Der Buchenhochwald bedeckt in
ganz Deutschland rund 15 Prozent der gesamten Waldfläche. Die Buche
eignet sich forstlich für den Hoch-, Mittel- und Niederwaldbetrieb. Das
weißliche bis braunrötliche, harte, dichte, schwere, gut spaltbare,
aber wenig elastische, stark schwindende und arbeitende Holz weist
zahlreiche wie Atlas glänzende Spiegel als Reservestoffbehälter
des Holzkörpers auf und verstockt leicht im Wechsel von Nässe und
Trockenheit, ist aber stets im Wasser oder stets im Trocknen ziemlich
dauerhaft. Absolut unbrauchbar ist es zur Verwendung im Freien, dagegen
wird es von Wagner und Drechsler, wie auch zum inneren Ausbau unserer
Häuser vielfach verwendet. In heißem Wasserdampf erweicht, wird es
biegsam und dient zur Herstellung gebogener Möbel. Österreich-Ungarn
besitzt etwa 40 Fabriken zur Herstellung solcher gebogener Möbel,
denen 350000 Hektar Buchenwaldungen das Material liefern, die 35000
Menschen beschäftigen und gegen 230000 Meterzentner gebogener
„Wiener Möbel“ jährlich exportieren. Deutschland besitzt nur wenige
solcher Fabriken, da das Buchenholz hier weit schwieriger zu haben
ist und die Arbeitslöhne teurer als in Österreich-Ungarn sind.
Imprägniert dient Buchenholz neben dem dafür weit besseren Eichenholz
zu Eisenbahnschwellen, gebeizt und gefärbt als Zigarrenkistenholz. Es
liefert ein vorzügliches Brennholz, dessen Wert als solches aber durch
die Einführung der Steinkohle als üblichstem Heizmaterial bedeutend
herabgesetzt wurde. Es gibt auch die besten Holzkohlen und dient
zur Darstellung von Holzessig und künstlichem Indigo. Die chemische
Fabrik Laufach im Spessart verwendet zur Holzessigfabrikation jährlich
etwa 25000 Ster Spessarter Buchenholz. Endlich liefert es auch den
vortrefflichen Buchenholzteer mit reichem Gehalt an Kreosot, der meist
daraus gewonnen wird. Der Gehalt des Buchenholzrauches an Kreosot ist
es, der als viel angewandtes Konservierungsmittel beim Räuchern von
Schinken und Würsten dient. Die gerbstoffhaltige Buchenrinde kann als
Lohe beim Gerben benutzt werden: die Buchenholzasche gibt die beste
Pottasche und Lauge zum Waschen. Die ölreichen Buchennüsse (Bucheln
oder Bucheckern) bilden nicht nur eine treffliche Schweinemast, sondern
liefern auch dem Menschen ein gutes Speiseöl. Nicht im Öl, wohl aber
in den Häuten und im zurückbleibenden Kern der Nüsse ist ein Fagin
genanntes Gift enthalten, das in größeren Dosen, namentlich bei Kühen
und Pferden, lähmend auf das Rückenmark und die Atmung wirkt.
Die im Herbste abfallenden eiförmigen, in der Jugend weißhaarig
bewimperten, glatten, leicht gewellten Blätter geben eine gute Streu
für den Waldboden. Sie brauchen zu ihrer Verwesung etwa drei Jahre und
bilden dann eine schwärzliche, von Pilzfäden durchzogene Modermasse,
die von zahllosen Regenwürmern und anderen kleinen Tieren gefressen
und verarbeitet wird. An ihrer Auflösung und chemischen Umsetzung
arbeiten auch zahlreiche Fadenpilze und Bakterien. Die so zugerichtete
Bodenschicht, der Humus, ist der Nährboden für die höheren Pflanzen,
für deren Ansiedlungsmöglichkeit die Buche mit ihren abfallenden
Blättern einen wichtigen Faktor bildet. In milden, warmen Lagen
gewinnen die das Laub schnell zersetzenden Bakterien die Oberhand
und reiche Humusböden schaffen üppiges Gedeihen für Feld und Wald.
Bei allzuviel Sonne und zuviel Niederschlägen, wenn ihnen der Boden
ungeschützt preisgegeben ist, wird ihr Wachstum gehemmt, nur Fadenpilze
vermehren sich weiter und durchziehen die oberen Schichten, mit deren
Zersetzung sie aber allein nicht fertig werden. So entsteht fester,
saurer „Rohhumus“, den die Regenwürmer nicht mehr zu verzehren und
in ihrem Darmkanal durchzuarbeiten vermögen, und der einst stämmige
Hochwald wird zu unfruchtbarem Heide- und Moorland. Gegen diese
Gefahren ist gerade die Buche eine treffliche Pionierin und ihr
reichliches Laub ist besonders im Nadelwald ein vortreffliches Material
für die Humusbildung. Dabei vermag ihr an der Spitze fein verästeltes
und mit zarten Pilzfäden, die ihr zur Gewinnung des Stickstoffs
behilflich sind, umsponnenes Wurzelwerk überallhin durch den Boden zu
dringen und die zum Gedeihen und Wachstum nötige Nahrung zu schöpfen.[6]
Auch die Buche erträgt wie Stiel- und Traubeneiche bis 31° C. Kälte.
Sie findet sich hauptsächlich in Mitteleuropa, geht westwärts bis
Mittelspanien und Nordportugal, südlich bis Sizilien und Apulien,
östlich bis zum Kaukasus. Hier überall ist sie ein entschiedener
Gebirgsbaum, der je südlicher, um so höher hinangeht. Am Ätna steigt
sie bis 1880 m, in den bayrischen Alpen bis 1300 m, in den
norddeutschen Gebirgen aber bis etwa 650 m. In Norwegen findet sie
sich bis zum 59.° nördlicher Breite. Ihre nördliche Grenze berührt
die schwedische Westküste von Gothenburg, geht an der Ostküste nur
bis Kolmar bei 57° und durchschneidet fast geradlinig den Kontinent
von Königsberg aus über Polen bis Podolien und zur Krim. Jenseits
dieser Linie würde die Vegetationsperiode auf weniger als fünf Monate
beschränkt werden, was die Buche nicht verträgt.
Im Frühjahr zersprengt das Keimpflänzchen die Buchennuß, streckt
zuerst das Würzelchen heraus und sucht sich im Boden zu befestigen und
Nahrung und Wasser daraus zu holen. Das Öl der zwei zusammengefalteten
Keimblätter verwandelt sich zunächst in Zucker und allmählich in neue
Pflanzensubstanz. Sobald die Wurzel hinreichend lang ist, entfalten
sich die Keimblätter, werfen die sie einzwängende Schale ab, breiten
sich aus und werden grün, um mit Hilfe des Chlorophylls neuen Zucker
zu bereiten. Bis zum 6. Jahre wächst die Buche langsam, dann aber
streckt sie sich bedeutend und nimmt jährlich 16-24 cm an Länge
zu. Vor dem 60. Jahre blüht sie selten. Die Blüten finden sich an
heurigen Trieben und entfalten sich gleichzeitig mit dem Ausbruch
des Laubes. Seitensprosse haben fast nur langgestielte, hängende,
kugelige, männliche Blütenstände in Form von Kätzchen, der Gipfeltrieb
trägt männliche und weibliche Blüten, wobei wiederum die männlichen
am unteren, die weiblichen dagegen am oberen Teil des Sprosses sich
befinden. Mit 120-150 Jahren vollendet die Buche gewöhnlich ihr
Wachstum und kann dann bei 0,9-1,25 m Stammdurchmesser über 30 m
hoch sein. Sie liebt volle, geschlossene Bestände und gedeiht nur,
wenn der Boden vollständig gedeckt ist. Sie war einst mit der Eiche
im ganzen westlichen und in ausgedehnten Waldgebieten des südlichen
und mittleren Deutschland der herrschende Baum. Seit 1780 ist sie aber
vielfach den rascher wachsenden und früher einen nutzbaren Holzertrag
liefernden Nadelhölzern gewichen. Die Begründung von Beständen erfolgt
unter dem Schatten der den Samen abwerfenden Mutterbäume. Man erzieht
die Buchen leicht in Saatbeeten und verpflanzt sie drei- bis vierjährig
zu mehreren zusammen ins Freie, wo sie aber gegen Sonnenbrand geschützt
werden müssen. Gegenwärtig erzieht man nicht reine Buchen-, sondern aus
Eichen, Buchen, Ahorn, Eschen usw. gemischte Bestände, in welchen die
Buche den Boden schützt und ihn durch reichlichen Blattfall verbessert,
daneben auch die genannten Nutzholzarten durch kräftigen Bestandsschluß
zu günstiger Stammausbildung zwingt. Die Buche ist auch wichtig als
Bodenschutz oder Treibholz im älteren Eichen- und Kiefernbestand
und gibt bis 10 Prozent der gesamten Holzmasse als Nutzholz. In
guten Jahren sammelt man pro Hektar etwa 100 Scheffel Buchnüsse im
120jährigen Betrieb.
Eine sehr große Anzahl Insekten und Pilze leben auf der Buche, doch
lange nicht so viel als auf der Eiche, die darin weitaus an erster
Stelle unter allen Holzgewächsen steht. Obgleich die Rotbuche nicht
im alten Griechenland vorkam, kannte sie doch Theophrast als ~oxýa~.
Auf den Gebirgen Norditaliens wuchs sie dagegen häufig und wird von
den römischen Autoren mehrfach als ~fagus~ erwähnt, eine Bezeichnung,
die aus Verwechslung von der griechischen Bezeichnung ~phēgós~ für
Speiseeiche (von ~phágein~ essen) abzuleiten ist. Macrobius rechnet die
Buche zu den glücklichen Bäumen (~felices arbores~), weil man aus ihrem
Holze Opfergeschirre mache. Bei den alten Germanen war die Buche der
Göttin des Herdes und der Ehe, Freya, geweiht. In Nordamerika und Japan
wird die Buche durch verschiedene nahe Verwandte vertreten, die wir
hier übergehen können.
Ebenfalls zu den Kätzchenträgern gehört die +Hain+- oder +Weißbuche+
(~Carpinus betulus~), von den vorgenannten Cupuliferen durch das
Auftreten einer falschen, aus einem Blatte gebildeten ~cupula~
ausgezeichnet. Sie ist am nächsten mit den Haselnußarten verwandt. Mit
der Rotbuche hat sie wenig Merkmale gemein, außer daß der Stamm bei
beiden dieselbe glatte, silberweiße Rinde mit fehlender Borke aufweist.
Beide Baumarten wollen im Schatten des Waldes leben und aufwachsen.
Müssen sie trotzdem sich in freiem Stande entwickeln, so schützen
sie sich durch tief bis zum Boden herabreichendes Astwerk gegen die
allzu warm scheinende Sonne. Besonders auf alten Weideplätzen stehen
oft solche prächtige, rings beastete „Weidebuchen“. Ist aber der
Baum im Bestand erwachsen und wird er plötzlich durch eine Lichtung
der Sonne ausgesetzt, ohne daß er Zeit hat, sich allmählich daran zu
gewöhnen, so wird die Rinde auf der Sonnenseite gar bald schwarz und
brandig, sie stirbt und löst sich ab und der Baum geht an sogenanntem
„Rindenbrand“ langsam zugrunde. Der bis 6 m hohe Stamm ist selten
gerade, sondern mehr oder weniger eckig, durch tiefe Furchen der Länge
nach eingeschnitten, mit deutlichen, den Stamm spiralig umziehenden
Längswülsten, wie man sagt „spannrückig“, zudem oft mit starken Beulen
und Buckeln versehen. Schon bei 2-3 m Höhe teilt sich der Stamm in
starke Äste und setzt sich nach der Astteilung zwar gerade, aber nur
schwach fort. Alte Bäume zeigen Astlöcher mit tiefen Aushöhlungen
und weisen einen wunderlich gekrümmten Astbau auf. Die Belaubung ist
infolge der feinen Verzweigung dicht. Die Krone bildet an jüngeren,
kräftig wachsenden Bäumen eine breite, stumpfe Pyramide mit so vielen
tiefeckigen Einschnitten, als Hauptäste vom Stamme ausgehen. Mit
zunehmendem Alter krümmen sich die Zweige infolge der schweren, fast
alljährlichen Fruchtlast abwärts, welchem Drucke endlich auch die Äste
folgen, und so mildert sich die vorher etwas starre Form der Krone
durch Abrundung der Spitzen und Ausgleichung der Einschnitte.
Gleichzeitig mit dem Ausbruch der Blätter erscheinen im April und
Mai die männlichen und weiblichen Blütenstände. Die Frucht ist eine
sehr hartschalige, flache Nuß mit Längsrippen. Die Früchte fallen im
November und später, nach den Blättern, wie Kreisel sich drehend zu
Boden. Die Hainbuche wächst in der Jugend lange buschig und trägt
frühzeitig und reichlich Samen. Sie ist unempfindlich gegen Frost
und periodische Überschwemmungen und hat wenig von Krankheiten zu
leiden. Sie erträgt viel Schatten und dient daher als Bodenschutzholz
in lichten Eichenwaldungen. Im Niederwaldbetrieb ist die Hainbuche
durch ihre bedeutende Ausschlagsfähigkeit von Wert; auch ist sie, weil
sie den Schnitt gut erträgt, zur Anlage von Hecken geeignet. Sie kann
ein Alter von 300-400 Jahren erreichen, steht aber im Massenertrage
von Holz der Rotbuche weit nach. Ihr gelblichweißes Holz ist sehr
schwer, hart und schwierig zu spalten und zu bearbeiten, arbeitet
stark und besitzt nur im Trockenen lange Dauer. Es ist ein gutes
Werkholz zur Herstellung von Hobelkästen, Kammrädern in Mühlen,
Maschinenbestandteilen usw., überhaupt von allem, was Reibung und Stoß
auszuhalten hat. An Brennkraft kommt es demjenigen der Rotbuche gleich,
gibt auch gute Kohlen und reichlich Pottasche. Die Rinde kann zum
Gerben benutzt werden, die Blätter geben Ziegen, Schafen und Pferden
ein gutes Futter.
Die Hainbuche war den alten Griechen und Römern nicht bekannt, wohl
aber die bei ihnen wachsende +Hopfenbuche+ (~Carpinus ostrya~) --
~ostrýa~ von den Griechen und ~carpinus~ von den Römern genannt.
Cato preist deren Holz als das beste zur Herstellung von Ölpressen.
Die Festigkeit und Zähigkeit des Holzes der Hainbuche hat die
Redensart vom „hanebüchenen Mann“ entstehen lassen, der aber oft auch
„hanebüchen grob“ sein kann. In Ostpreußen sollen einzelne Hainbuchen
einen Stammumfang von 5 m besitzen. Eine selbständige Art ist
die +orientalische Hainbuche+ (~Carpinus orientalis~), während die
+amerikanische Hainbuche+ (~C. americana~) bei uns als Zierpflanze
kultiviert wird.
Der als Fruchtbaum aus dem warmen Süden zu uns gekommene +Nußbaum+
(~Juglans regia~) hat ein hochgeschätztes braunes Holz, das mit
Vorliebe zu Möbeln, Gewehrschäften, Drechsler- und Bildhauerarbeiten
verwendet wird. Es ist gleichmäßig schwer und hart, leicht zu
bearbeiten und polierfähig, schwindet aber stark und ist nur im
Trockenen dauerhaft. Der Nußbaum liefert auch das meiste Furnierholz.
Die Wurzelstöcke, welche gleichfalls zu Furnieren geschnitten werden,
besitzen oft eine herrliche Maserung. Die getrockneten Schalen der
grünen Nüsse enthalten einen zum Braunbeizen vielverwendeten Farbstoff,
die Nuß- oder Körnerbeize. Sein ausgezeichnetes Holz hätte dem Nußbaum
den Weg in den Wald geöffnet, wenn nicht seine große Empfindlichkeit
hindernd im Wege stünde. An seine Stelle tritt deshalb im Wald vielfach
die aus Nordamerika stammende, weniger empfindliche +Schwarznuß+
(~Juglans nigra~), die ebenso wie die +Graunuß+ (~J. cinerea~) wegen
ihres schönen, gleichmäßig rotbraunen Holzes besonders zur Herstellung
von Möbeln hochgeschätzt ist und dem Holz der einheimischen Walnuß
vorgezogen wird. Ein hervorragend zähes und elastisches Holz, das
für den Wagenbau große Bedeutung erlangt hat, liefert die ebenfalls
aus Nordamerika in verschiedenen Arten in unsere Wälder verbrachte
+Hickorynuß+ (besonders ~Carya alba~). Von allen dreien, die durch ihre
Fiederblätter gekennzeichnet sind, bedarf sie bei uns allerdings der
größten Pflege.