Auch auf die Größe des Stammes kommt viel an, und man liebt die Tische,

die aus einem einzigen großen Stück bestehen, jedoch auch solche,

die aus mehreren Stücken von großen Stämmen zusammengesetzt sind.

Fehlerhaft sind diejenigen Citrustriebe, die nicht gemasert sind,

sondern wie gewöhnliches Holz aussehen, ferner wenn Spältchen oder

haarförmige Ritzchen vorhanden sind, wie das durch Einwirkung von

Hitze und Wind leicht vorkommt. Fehlerhaft ist ferner ein schwarzer,

muränenartiger Streifen, überhaupt jede schwarze oder sonst unangenehme

Farbe.

Die Barbaren bestreichen die frisch gefällten Stämme mit Wachs und

vergraben sie in die Erde; die Kunsttischler dagegen legen sie

wiederholt 7 Tage lang auf Getreidehaufen und nehmen sie dann wieder

7 Tage herunter, wodurch sie merkwürdig viel an Gewicht verlieren.

Neulich ist man durch Schiffbrüche auf die Entdeckung gekommen, daß

auch dieses Holz durch Seewasser austrocknet und so dicht, hart und

unverwüstlich wird, wie auf keine andere Weise. Reibt man solche

Tische mit trockener Hand, besonders nach dem Bade, so fördert das

ihre Schönheit. Wein schadet ihnen nicht und man gebraucht sie

besonders gern bei Tischgelagen. Die Citrusbäume sind, was Stamm,

Blätter und Geruch anbetrifft, der wilden Cypresse ähnlich. Der Berg

im diesseitigen Mauretanien, der sonst das berühmteste Citrusholz

lieferte, jetzt aber erschöpft ist, heißt Ankorarius.“ Da, wo es

heimisch und in größerer Menge zu haben ist, wird das Holz der

Cypressen, wie auch der Lebensbäume (~Thuja~), das von Farbe im Kern

meist graubraun, sehr leicht, weich, und von aromatischem Geruch ist,

wegen seiner Dauerhaftigkeit gern zu feineren Schreiner-, Drechsler-

und Schnitzarbeiten verwendet.

Von außereuropäischen Nadelhölzern liefert die in sumpfigen

Flußniederungen der Südoststaaten der nordamerikanischen Union

wachsende +Sumpfcypresse+ (~Taxodium distichum~) ein sehr wichtiges

Nutzholz. Es ist braun, leicht, weich, sehr tragkräftig und

außerordentlich dauerhaft und wird in Deutschland vielfach zu Decken-

und Wandvertäfelungen gebraucht. Noch riesenhafter als sie werden

die in Kalifornien heimischen +Wellingtonien+ (~Sequoia giganta~),

die eine Höhe von über 100 m bei einem Stammdurchmesser bis zu 16 m

und einem nachweisbaren Alter von über 4000 Jahren erreichen, somit

zu den ältesten und höchsten Bäumen der Erde zählen. Bei diesen

Riesen erscheint das Innere, vor Jahrtausenden gebildete Holz noch

so absolut gesund, als wäre es erst vor wenigen Jahren entstanden.

Von dieser Baumgattung kommt vornehmlich das Holz der ~Sequoia

sempervirens~ als ~redwood~ oder „amerikanisches Rotholz“ nach Europa.

Es besitzt einen lebhaften roten Kern, ist leicht, weich, hat sehr

enge, scharf gezeichnete Jahresringe und ist ebenfalls durch große

Dauer ausgezeichnet. Wegen seiner Politurfähigkeit ist es besonders

zu Vertäfelungen, Deckenkonstruktionen usw. beliebt, wird aber auch

vielfach zu Bleistiftfassungen verwendet. Zu letzteren dient aber

in der Regel, wie wir im vorhergehenden Abschnitt sahen, das trotz

seiner Leichtigkeit sehr dauerhafte und kaum je vom Wurm angegriffene

rotbraune, wohlriechende Holz des +virginischen Wacholders+

(~Juniperus virginiana~), das auch mit Vorliebe zur Herstellung von

Zigarrenkistchen benutzt wird.

Als +falsches „Cedernholz“+, +Cedrelen+- oder Zigarrenkistchenholz

kommt aus Mittelamerika ein wohlriechendes, rotbraunes Holz nach

Europa, das in der Struktur dem Mahagoniholz sehr nahe kommt, aber

von ~Cedrela odorata~ stammt. Es ist dies ein den Mahagonibäumen

sehr nahe verwandter, mit jenen in die Familie der Terebinthen

oder Balsamgewächse gehörender hoher Baum des brasilianischen und

mittelamerikanischen Urwaldes mit 3-5paarig gefiederten Blättern. Es

kommt als westindisches oder spanisches Cedernholz oder ~Cedrelate~,

d. h. Cedertanne (vom griechischen ~kédros~ Ceder und ~eláté~ Tanne)

in den Handel, ist leichter und weicher als Mahagoni und wird

hauptsächlich zu Kisten für Zigarren, Zucker und Gewürze verwendet.

Britisch-Honduras allein führt davon für 150000 Mark jährlich aus. Doch

kann der heutige Bedarf nicht mehr mit Cedrelenholz gedeckt werden, so

daß einheimische Arten wie Erle und Rotbuche dafür eintreten müssen.

Aus Australien kommt unter dem Namen „+Pinkosknollen+“ nicht selten

ein Holz auf den europäischen Markt, das von rotgelber bis dunkelroter

Farbe, schwer, sehr zähe und harzreich ist, sich aber nach allen

Richtungen gut bearbeiten läßt, daher ein vorzügliches Material

für Drechsler und Holzschnitzer bildet. Die Abstammung ist noch

unbekannt; doch sind es wahrscheinlich die Ast- und Wurzelknoten einer

Schmucktanne.

Von allen Laubhölzern Europas liefert die +Eiche+ (~Quercus~) das

in fast allen Gewerben am meisten gebrauchte Holz, da es unser

bestes und dauerhaftestes Nutzholz ist, gleich vorzüglich im Hoch-

und Wasserbau, wie auch als Möbelholz. Und wenn die Eiche nicht so

langsamwüchsig und so anspruchsvoll an den Boden wäre, würden die

Eichenwälder heute noch so verbreitet sein, wie im Mittelalter. Da

die Eiche sehr lichtbedürftig ist, bildet sie allein nur lichte

Wälder, in denen reichlich Unterwuchs, auch Gras, gedeiht. Sie war

also der geeignetste Baum für die Waldweide, die vor Einführung der

Stallfütterung für Mitteleuropa außerordentlich wichtig war. Außerdem

bot sie den Schweineherden in ihren nahrhaften Früchten neben den

Bucheckern das beste Mastfutter, eine Nutzung, die einst viel wichtiger

war, als der Wert des damals noch im Überfluß vorhandenen Holzes.

Durch die Ausdehnung der Landwirtschaft seit 1750 sind inzwischen

viele frühere Eichenböden an die Landwirtschaft übergegangen, und die

mehrhundertjährigen Eichenbestände, wie sie z. B. noch im Spessart

stehen, stellen ein riesiges Vermögen dar. Man kultiviert die Eiche

als Hochwald mit 120-180jährigem Umtriebe oder als Oberholz des

Mittelwaldes, daneben aber auch im Niederwaldbetrieb von meist

15-20jährigem Umtrieb als Eichenschälwälder zur Gewinnung von

Eichenrinde.

Die malerische Gestalt alter Eichen, die als mächtige Riesen ihre

Nachbarn weit überragen und mit ihren knorrigen Ästen Wind und Wetter

Jahrhunderte hindurch Trotz geboten haben, lassen die Verehrung

begreifen, die nicht nur die Deutschen, sondern auch andere Völker

diesem Baume zollten. Schon in Homers Ilias heißt es, die Eiche sei

dem Zeus geheiligt, und in der Ilias wird erzählt, daß man im ältesten

griechischen Orakelsitze Dodona „den Willen des Göttervaters Zeus

aus dem Rauschen einer hochwipfligen Eiche (~drýs~) höre.“ Auch in

Italien war die Eiche dem Jupiter ~fulgurator~, wie bei den Germanen

dem Donnergotte Thor, geweiht, weil der Blitz mit Vorliebe in solche

hochragende Eichen schlug, während er andere Bäume, wie beispielsweise

die Buche, ganz verschonte. In heiligen Eichenhainen opferten die

alten Kelten und Germanen und hielten dort ihre Opferschmäuse ab.

Unter einer großen Eiche, der Mahleiche, versammelte sich die Sippe zu

Beratungen, und, wie bei den Römern die Bürgerkrone (~corona civica~),

die einem Bürger verliehen wurde, wenn er einen andern Bürger in der

Schlacht gerettet hatte, aus Eichenlaub gewunden war, so war der Kranz

aus Eichenlaub bei den alten Deutschen eine Auszeichnung, die heute

noch in dauerhafter Nachahmung bei Freischießen an die besten Schützen

verliehen wird. Auch bei den slavischen Volksstämmen hielt man die

Eiche für heilig und gebrauchte nur Eichenholz zu Opferfeuern. Als dann

das Christentum nach Deutschland und in die Länder der Ostsee drang,

wurden zur Ausrottung der heidnischen Opfergebräuche viele alte heilige

Eichen umgehauen. So soll insbesondere eine heilige Eiche bei Geismar

in Hessen berühmt gewesen sein, die vom angelsächsischen Apostel der

Deutschen, Bonifazius (eigentlich Winfried 680-755), gefällt wurde. Im

Mittelalter spielte das Eichenlaub in der gotischen Ornamentik eine

wichtige Rolle.

Die etwa 200 Eichenarten sind vorwiegend in Nordamerika und

Westasien heimisch. Man unterscheidet bei ihnen je nach der Zeit der

Fruchtreife zwei Hauptgruppen, nämlich Eichen mit im ersten Jahre

reifenden Früchten und solche, deren Früchte erst im zweiten Jahre

reifen. Erstere sind die verbreitesten, und unter ihnen unterscheidet

man wiederum Arten mit im Herbst fallenden Blättern und immergrünen

Blättern. Unter den altweltlichen Eichen mit im Herbst fallenden

Blättern unterscheiden wir als nur ganz abgesprengte Posten der

zahlreichen Eichenfamilie die beiden wichtigsten bei uns wachsenden

Arten nach der Beschaffenheit der weiblichen Blüten als Stiel-

und Traubeneiche, wenn diese, wie bei der letzteren, in kleinen

traubenförmigen Knäueln dicht an der Spitze des neuen Triebes, oder,

wie bei der ersteren, vereinzelt an einem besonderen Stiele sitzen.

Die +Stiel-+ oder +Sommereiche+ (~Quercus pedunculata~) ist ein bis

57 m hoch werdender Baum mit kurzgestielten Blättern. Der Stamm ist

während der ersten 50 Jahre glatt, bildet aber im höheren Alter eine

rissige Borke. Die Krone ist nie dicht und wird von vielfach gekrümmten

und geknickten Ästen und Zweigen gebildet. Die Pfahlwurzel dringt

bis 2,5 m tief in den Boden, außerdem treibt der Stamm zahlreiche

Seitenwurzeln, die ihn außerordentlich fest verankern. Am besten

gedeiht die Stieleiche auf fruchtbarem, lockerem Auboden der Ebene,

wächst aber noch in lehmigem, frischem Sandboden, während sie in

höheren Lagen der Traubeneiche weicht. Sie findet sich in ganz Europa

und Westasien, bildet in Ungarn und Kroatien ausgedehnte Wälder und im

russischen Tiefland einen breiten Waldgürtel zwischen dem Finnischen

Meerbusen und der Steppengrenze. Wie nach Norden geht sie im Osten über

die Buche, doch nicht über den Ural hinaus. Sie fordert zur Belaubung

eine etwas höhere Temperatur -- nämlich 11-12 Grad Celsius -- als die

Buche, verliert aber im Herbst die Blätter erst, wenn die tägliche

Wärme tiefer gesunken ist als zu Anfang der Vegetationsperiode. In den

Alpen geht sie etwa bis 1000 m. In Deutschland kommen die schönsten,

wenn auch niemals ganz reinen Stieleichenwälder in der fruchtbaren

mitteldeutschen Ebene und am Niederrhein vor. Die Stieleiche wird bis

2000 Jahre alt und weist häufigere Samenjahre als die Buche auf. Ihr

Holz hat sehr breite und dicke Markstrahlen, sogenannte Spiegel, d.

h. Streifen, in denen die Gefäße radiär zum Mark verlaufen, ist sehr

dauerhaft und dient in der Technik als sehr geschätztes Bau-, Nutz-

und Werkholz. Besonders gern wird es zu Möbeln und Furnieren, und das

Holz der slovenischen Stieleiche als bestes Faßholz verwendet. Unter

Wasser wird es dunkler, fester, schwerer. Stämme, die sehr lange unter

Wasser lagen, sind als Wasser- oder Mooreichenholz zur Herstellung von

Möbeln sehr geschätzt. Man lagert deshalb auch absichtlich Eichenholz

mehrere Jahre unter Wasser, beizt freilich auch frisches Eichenholz, um

es dem Wassereichenholz ähnlich zu machen. Als Brenn- und Kohlenholz

steht es dem Buchenholze etwas nach. Die Rinde wird wegen des großen

Gehaltes an Gerbstoff als wichtiges Gerbmaterial benutzt. Aus demselben

Grunde werden auch die infolge ihres Gerbstoffgehaltes zusammenziehend

schmeckenden Eicheln zu Eichelkaffee und Eichelkakao verarbeitet. In

der Kultur befinden sich zahlreiche Varietäten der Stieleiche.

Ihr gegenüber bleibt die +Trauben-+ oder +Wintereiche+ (~Quercus

sessiliflora~), die man wegen ihres härteren Holzes auch als

+Steineiche+ bezeichnet, niedriger, gedrungener. Sie hat langgestielte

Blätter, wird nur 30-40 m hoch, erreicht kein so hohes Alter und

verbreitet sich nicht so weit nach Osten und Norden als die vorige,

geht auch in unsern Gebirgen nicht über 700 m Höhe. Beide ertragen

bis -31 Grad Celsius Kälte und öffnen zuletzt von unsern Waldbäumen die

Knospen. Dabei entfalten sie gleichzeitig Blätter und Blüten, und zwar

die Traubeneiche meist 10-14 Tage später als die Stieleiche. Auch von

ihr werden mehrere Varietäten angepflanzt.

In Süddeutschland kommt vereinzelt die in Südeuropa heimische, östlich

bis zum Kaspischen Meer reichende, in besonderem Formenreichtum

in Ungarn und Siebenbürgen wachsende +weichhaarige Eiche+ (~Q.

lanuginosa~) vor, so genannt, weil ihre Blätter in der Jugend auf

beiden Flächen grau behaart sind, später aber kahl werden. Sie bleibt

kleiner als unsere Eichen. Noch kleiner, meist strauchartig, ist die

in Rumelien, Griechenland, Cypern und Persien heimische +Galleiche+

(~Q. infectoria~), die zu den Eichen mit im zweiten Jahre reifenden

Früchten gehört. Sie ist sehr buschig, wird 2 m hoch und liefert

an den kurzgestielten Blättern die durch die Gallwespe (~Cynips

gallae tinctoriae~) erzeugten, 1,5-2,5 cm im Durchmesser haltenden

Galläpfel, während die ihr sehr ähnliche südeuropäische +Kermeseiche+

(~Q. coccifera~) in den durch die Kermesschildlaus (~Coccus ilicis~)

hervorgerufenen erbsengroßen, braunroten, mit rotem Safte gefüllten

Kermeskörnern einen ebenfalls wichtigen Handelsartikel erzeugt. Ihre

Wurzelrinde wird wie die weniger wertvolle Stammrinde zum Gerben

benutzt. Sie gehört zu den Eichen mit immergrünen Blättern, desgleichen

die in den Küstenländern Südeuropas wachsende +immergrüne Eiche+ (~Q.

ilex~), die außer gutem Nutzholz eßbare Früchte hervorbringt. Sie ist

die ~drýs~ der alten Griechen, eine Bezeichnung, die von ~drýssein~

einzäunen herrührt. Noch heute wird ihr Holz in Griechenland zum

Umzäunen der Schäferhürden benutzt. Auch die Früchte der ebenfalls in

den Mittelmeerländern heimischen +langfrüchtigen Eiche+ (~Q. ballota~)

und der +Speiseeiche+ (~Q. esculus~) -- der ~phēgós~ der alten Griechen

von ~phágein~ essen -- werden noch heute wie im Altertum roh und

geröstet gegessen. Die Rinde dieser sparrigen, 2,5-3,8 m hohen Eichen

wird gleicherweise zum Gerben benutzt.

Bedeutend wichtiger als diese ist die +Korkeiche+ (~Quercus suber~),

ein 10-12, höchstenfalls bei einem Stammdurchmesser von 0,8-1 m 16 m

Höhe erreichender und etwa 200 Jahre alt werdender, immergrüner Baum

des westlichen Teils des Mittelmeergebiets, der noch in Istrien

und Thessalien, aber nicht mehr weiter östlich wild vorkommt. Die

Nordgrenze seiner Verbreitung fällt mit der Linie einer mittleren

Jahreswärme von +13,5 Grad Celsius zusammen. Er verlangt ein warmes

oder doch gemäßigtes Klima; daher steigt er nirgends hoch ins Gebirge.

In Spanien, Portugal und Südfrankreich wird er bis zu 500 m, in Algier

und Marokko bis zu 1000 m Meereshöhe angetroffen. Ein lebhafter

Luftwechsel und eine Fülle von Licht ist ihm sehr zuträglich, daher

zieht er die Abhänge den Ebenen und die Küste dem Binnenlande vor.

Dabei ist eine Südlage seinem Wachstum am günstigsten; doch hindert

auch eine andere Lage sein Gedeihen durchaus nicht, vorausgesetzt, daß

die übrigen Wachstumsbedingungen erfüllt sind. In wildem Zustande soll

der Baum nach den Angaben eines erfahrenen französischen Forstmannes

nur auf Granit- oder Schieferboden angetroffen werden. Tatsächlich

bildet er auf solchem Boden die beste Rinde. Jedenfalls darf der Boden

nicht kalkreich und nicht sumpfig oder gar brackig sein. Wie schon aus

den klimatischen Verhältnissen seines Verbreitungsgebietes hervorgeht,

stellt er in bezug auf Boden- und Luftfeuchtigkeit recht bescheidene

Ansprüche, liefert aber auf feuchtem Boden eine für technische Zwecke

unbrauchbare Rinde.

Heute wird der Baum, dessen teilweise recht süße Eicheln eine sehr

gute Schweinemast bilden -- so wird der Wohlgeschmack der berühmten

Schinken von Bayonne auf die Mästung der Schweine mit den Früchten der

Korkeiche zurückgeführt, während in Spanien diejenigen der immergrünen

Eiche (~Quercus ilex~) zur Schweinemast vorgezogen werden -- zum

Zwecke der Korkgewinnung in seiner Heimat vielfach angepflanzt und

wurde neuerdings auch in den Südstaaten und an der atlantischen Küste

südwärts von Virginien eingeführt. Die Anpflanzung erfolgt durch Legen

der frisch gereiften Eicheln, was meist im Herbst geschieht. Da die

jungen Bäumchen die ersten Jahre hindurch beschattet werden müssen,

benutzt man dazu Reben, die zu gleicher Zeit in Reihen gepflanzt

werden. Die Bodenbearbeitung, die für die Reben unerläßlich ist und

sich durch deren Erträgnisse lohnt, kommt auch den jungen Korkeichen

zugute. Mit dem 20. Jahr sind letztere so weit gediehen, daß die Reben

durch deren Beschattung leiden und deshalb ausgerottet werden müssen.

Zu dieser Zeit sind die Korkeichen ertragsfähig geworden und bleiben es

ununterbrochen bis wenigstens zum 150. Jahr. Dann leben sie zwar noch

fort, aber mit ihrer Rindenproduktion geht es scharf bergab, so daß sie

dann bei geregeltem Forstbetrieb umgehauen werden.

Bis zum 4. Jahre sind Stamm und Äste mit der glatten Oberhaut bedeckt.

Diese wird dann durch den sich von da an bildenden Korkmantel

gesprengt. Läßt man diesen natürlichen Korkmantel bestehen, so

bleibt er dünn, brüchig und für technische Zwecke unbrauchbar. Er

wird deshalb, sobald der Stamm eine Dicke von 5-10 cm erreicht

hat, mit Messern und Hacken entfernt, ein Vorgang, den man im

Hauptproduktionsgebiet des Korkes, in Algerien, als ~démasclage~

bezeichnet. Diese erste Rinde hat einen sehr geringen Handelswert und

wandert gewöhnlich in die Gerbereien. Die vom Baume neugebildete Rinde

erreicht eine bedeutendere Dicke als die erstgebildete und besteht aus

weicheren, gleichmäßigen Korkelementen. Mit jeder folgenden Ernte wird

die Qualität des Korkes besser.

Nach etwa 8-10 Jahren ist die Korkschicht so mächtig -- etwa 5-20 cm

dick -- geworden, daß sie geschält wird, und dies kann am Stamm in

regelmäßigen Intervallen von 8-9 Jahren, an den Hauptästen von 10-12

und an den kleinen Ästen von 16-20 Jahren wiederholt werden. Um eine

natürlich wertvollere dickere Rinde zu erhalten, die zur Herstellung

von Champagnerpfropfen geeignet ist, wartet man auch am Stamm 10,

12, ja 18 Jahre mit der Abschälung der Korkrinde. Diese geht in der

Weise vor sich, daß im Juni oder Juli, wenn der Saftfluß des Baumes in

lebhaftem Gange ist, der Stamm in weiten Abständen am Fuß und unter

den Hauptästen mit einer am Stielende keilförmig zugeschärften Axt

geringelt wird. Diese Ringschnitte werden bei dünneren Stämmen durch

zwei, bei dickeren durch drei bis vier Längsschnitte miteinander

verbunden. Diese Arbeit wird mit der größten Vorsicht ausgeführt, denn

nur die tote Borke, nicht der lebende Bast darf dabei angeschnitten

werden. Dann wird die Rinde mit Hilfe des Beiles gelöst, an der

Außenseite gereinigt, indem man die Epidermis abschabt und eine Rinde

nach der andern, oder auch mehrere nebeneinander mit ihrer Hohlseite

nach unten über eine mit glühenden Kohlen gefüllte Grube legt und

mit Steinen oder Holz beschwert, damit sie flach werden. Sobald sie

angekohlt sind, werden sie auf die andere Seite gelegt, damit auch

diese, aber in geringerem Grade, angekohlt werde. Das Ankohlen gibt dem

Kork das, was die Stopfenschneider „Nerv“ nennen; es bewirkt ferner ein

Schließen der Poren, welche sonst Feuchtigkeit aufnehmen und damit den

Kork untauglich zur Verwendung als Stopfen machen würden. Zu stark darf

aber die Rinde nicht angekohlt werden, da sie sonst ihre Elastizität

verliert. Ist sie dagegen zu wenig angekohlt, dann ist sie nicht fest

genug für das Messer des Korkschneiders. Seltener wird die Rinde vor

dem Ankohlen in Wassergruben geworfen und mit großen Steinen beschwert,

bis sie platt geworden sind. Die geringwertige Korkrinde, welche nicht

für die Stopfenschneidereien bestimmt ist, wird einfach auf Haufen an

der Luft getrocknet. Nach zwei Monaten haben sie ein Fünftel ihres

Gewichtes verloren und werden dann als verkäuflich betrachtet, während

die angekohlten Rindenstücke sofort nach der Behandlung mit Feuer auf

beiden Seiten oberflächlich mit rauhen Tüchern gereinigt und auf Haufen

gesetzt werden, bis die benachrichtigten Käufer erscheinen und sie

übernehmen.

Sofort nach der Aberntung werden zwei Längsschnitte, zuweilen auch

drei oder vier in den Bast gemacht, soweit er entblößt ist. Dies

geschieht, um zu verhüten, daß die sich bildende neue Rinde an der

Oberfläche berstet. Doch dürfen die Schnitte niemals an der Nordseite

gemacht werden. Wenn die Korkeiche auf einmal geschält wird, bildet

sich ihre neue Rinde langsamer, sie wird aber von besserer Qualität,

als wenn sie abteilungsweise in Pausen geschält würde. Wenn die Rinde

nicht abgeschält wird, so verliert sie nach einer gewissen Zeit ihre

Brauchbarkeit. Dieser wertlose Zustand kündigt sich durch Risse und

Löcher an, die immer zahlreicher werden, bis die Rinde im 50. oder 60.

Lebensjahre gleich derjenigen anderer Bäume in kleinen Stücken abfällt.

Solange die Korkeiche lebt, fällt ihre Rinde niemals insgesamt oder

in großen Streifen ab, wie manchmal behauptet wird. Wäre dem so, dann

würde die Korkeiche eine in dieser Hinsicht einzig stehende Ausnahme in

der Pflanzenwelt bilden.

Alle erstgeschälte Rinde ist, wie gesagt, zur Verwendung als Kork

wertlos und muß zu einem Spottgeld hauptsächlich als Gerbmaterial

verkauft werden. Auch wenn Korkeichen ein reifes Alter erlangt haben,

ohne daß sie abgeerntet werden, und sie sollen fortan ausgenutzt

werden, so ist ihre Rinde ebensowenig wert als diejenige junger Bäume.

Erst durch das Geschältwerden wird sie in der Weise verändert, daß sie

sich als Kork verwenden läßt, und zwar wird die Qualität des Korkes,

wie gesagt, mit jeder folgenden Ernte besser.

Die in verschiedener Weise zu Ballen vereinigte Korkrinde kommt in

verschiedenen Qualitäten in den Handel. Die beste ist elastisch, weder

holzig, noch löcherig und von rötlicher Farbe. Die gelb gefärbte ist

geringwertiger, am schlechtesten aber ist die weiße. Kork, der Risse

hat, wird als Ausschuß betrachtet; ebenfalls solcher, der weich und

schlaff ist. Letzteres ist gewöhnlich ein untrügliches Zeichen dafür,

daß er auf feuchtem Boden erzeugt wurde.

Ein in gutem Zustande gehaltener Korkeichenwald liefert in jedem 10.

Jahr eine Ernte, die zu zwei Dritteln aus ordinärem und Bastardkork

und zu einem Drittel aus zur Stopfenfabrikation brauchbarem dickem

und dünnem Kork von 5-20 cm Dicke besteht. Die Korkrinde enthält so

viel Gerbsäure wie die beste Rinde anderer Eichen; aus diesem Grunde

färben sich eisenhaltige Flüssigkeiten, die in Berührung mit dem Kork

kommen, durch Bildung von gerbsaurem Eisen mit der Zeit schwärzlich.

Die spanischen Gerber, namentlich diejenigen von Cadix, verwenden

Korkrinden mit Vorliebe zum Gerben; doch wird sie ihnen nur in sehr

beschränktem Maße zugänglich gemacht. Es ist begreiflicherweise viel

einträglicher, die Korkeichen zur Korkgewinnung als zu Lohschlägen

zu verwenden. Nach einer zuverlässigen französischen Quelle werfen

so benutzte Korkeichenwälder eine viermal höhere Rente ab als andere

Eichenwälder. Während die Jungfernernte von einem Baume nur etwa

5 kg Kork liefert, beträgt die Ernte von einem vollkräftigen Baum

einschließlich der Äste 100-150 kg. Der Durchschnittspreis für 100 kg

Kork schwankt zwischen 170 und 180 Mark. Die Gesamtkorkproduktion

der Welt läßt sich nicht genau feststellen; doch ist das sicher, daß

es sich dabei um einen Wert von gegen 100 Millionen Mark handelt.

Verbraucht doch England allein für weit über 20 Millionen Mark dieses

für die moderne Kultur ganz unentbehrlichen Rohmaterials jährlich,

Deutschland und Frankreich nicht viel weniger.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 73 / 81 段