Von nordamerikanischen Kiefern, die eine über ihr Vaterland

hinausgehende Bedeutung erlangt haben, ist die hauptsächlich das

amerikanische Terpentin liefernde +Weihrauchkiefer+ (~Pinus taeda~)

mit fast weihrauchartigem Harz, dann die ebenfalls im atlantischen

Gebiet der Union ausgedehnte Wälder bildende +Pechkiefer+ (~P.

rigida~), ferner die +Terpentinkiefer+ (~P. palustris~) zu nennen,

deren gelbrotes Holz als ~pitchpine~ wegen des verhältnismäßigen

billigen Preises in großer Menge bei uns eingeführt und besonders zu

Fußböden, Vertäfelungen, Innenausstattung von Trambahnwagen, seltener

zu Möbeln Verwendung findet. Unter demselben Namen wird auch das

Holz der auf dem Felsengebirge noch in großen Beständen vorkommenden

+Gelbkiefer+ (~P. ponderosa~) in den Handel gebracht, während das

ebenfalls gelbe Holz der in den Südstaaten der Union und in Mexiko

wachsenden +Besenkiefer+ (~P. australis~) als ~yellow pine~ reiche

Verwendung findet. Auch sie liefert viel Harz und Pech sowie Terpentin.

Noch größer als sie werden +Coulters-+ und +Sabines-Kiefer+ (~P.

coulteri~ und ~P. sabineana~), die wie die vorigen als Zier- und

Nutzbäume bei uns kultiviert werden. Die größte Bedeutung kommt aber

als Zier- und Nutzholz der schlanken +Weymouthskiefer+ (~P. strobus~)

aus dem atlantischen Gebiet Nordamerikas zu, die seit 1705, als sie

Lord Weymouth nach Europa brachte, das Bürgerrecht bei uns erworben

hat. Sie besitzt 10-16 cm lange, hellgrüne, fein geriefte Nadeln und

langgestreckte, großschuppige Fruchtzapfen. Sie ist durch ihr rasches

Wachstum ausgezeichnet und liefert ein weißes, geradfaseriges Holz, das

bei uns hauptsächlich zu Kisten, Rolläden usw. verarbeitet wird.

Noch weit größer als sie wird die 80-96 m Höhe bei einem

Stammdurchmesser von 4,8 m erreichende kalifornische +Riesenkiefer+

(~P. lambertiana~), die durch blaugraue, 10-13 cm lange, am Rande

fein gezähnelte Nadeln ausgezeichnet ist. Bei ihr entspringen wie bei

der Weymouthskiefer und den folgenden Kieferarten einschließlich der

Arve die Nadeln zu 5 aus einer Scheide. Nur etwa 38 m hoch mit

8-10 cm langen, gekielt dreikantigen Nadeln und 40 cm langen Zapfen

wird die im Süden der Union und in Mexiko wachsende +Acahuitfichte+

(~P. ayacahuitle~) -- bei den alten Mexikanern ~ayaquahuitl~ genannt

--, deren Holz außerordentlich harzreich ist und aus deren Zapfen ein

klares, wohlriechendes Terpentin tropft, das in seiner Heimat vielfach

Verwendung findet.

Wie die Pinie eßbare, als Zirbelnüsse bezeichnete Samen, hat auch

die +Zirbelkiefer+ oder +Arve+ (~P. cembra~) genießbare Früchte.

Dieser stattliche Baum mit 10-13 cm langen, steifen, dreikantigen

Nadeln und 8-10 cm langen, eiförmigen Zapfen ist bei uns ein

ausgesprochener Bewohner des Hochgebirges, der bis an die Baumgrenze

(über 2000 m) hinansteigt und hier dem Wanderer als eine prächtige

Erscheinung entgegentritt. Leider ist aber dieser Baum in den Alpen

entschieden im Rückgang begriffen, da er den erfolgreichen Wettbewerb

lebenskräftigerer Arten nicht aushält. In den Karpaten steigt er tiefer

hinab als in den Alpen und bildet in Sibirien auf dem flachen Lande

ausgedehnte Wälder. Auf den Gebirgen Asiens und im äußersten Nordosten

Sibiriens bildet die Arve eine der Legföhre entsprechende, als Legarve

bezeichnete Form. Diese nordische Arve ist durch gewisse biologische

Unterschiede von der alpin-karpatischen verschieden, sie keimt und

wächst rascher, wird höher (35-42 m, während sie im ersteren Gebiet

sehr selten 20 m hoch wird und nie über 24 m hinausgeht), ist mit

einem Wort noch lebenskräftiger als die mehr im Süden vorkommende.

Ihr rötlich gelbes Holz dient mit Vorliebe zum Bau der Alphütten, zur

Vertäfelung der Zimmer der Gebirgsbewohner (z. B. im Engadin) und

liefert wegen seiner Gleichmäßigkeit ein vortreffliches, viel benutztes

Material zu Schnitzarbeiten.

Gleicherweise ein Hochgebirgsbewohner wie die Arve, aber ein solcher,

der im Gegensatz zu jener von seinem ursprünglichen Wohngebiet

hinabstieg und vom Menschen weithin auch in den Niederungen angesiedelt

wurde, ist die +Lärche+ (~Larix decidua~), die insofern von allen

europäischen Nadelhölzern eine Ausnahmestellung einnimmt, als sie

nicht immergrün ist, sondern im Herbst regelmäßig ihre Nadeln abwirft.

Diese müssen also viel zarter gebaut sein, als die der übrigen

Nadelhölzer. Sie sind nur 2,5 cm lang und stehen an den jungen

Trieben einzeln in spiraliger Anordnung; im zweiten Jahr aber bilden

sich kurze, knopfförmige Seitentriebe, an denen die Nadeln, zu 15-30

vereinigt, hellgrüne Büschel bilden. Sowohl die hängenden, gelben

Pollenblüten, als die aufrechten, roten Fruchtblüten bilden sich an

älteren Zweigen, und die 4 cm langen, eiförmigen Zapfen bleiben

mehrere Jahre am Baum; die Samen aber werden an dem auf die Blüte

folgenden Frühjahr daraus entlassen. Die ursprüngliche Heimat dieses

25-45 m hohen Baumes mit anfangs gelbbrauner, später grauer, rauher,

rissiger Rinde ist Nordrußland und Sibirien, von wo sie zur Eiszeit

mit der weniger anpassungsfähigen Arve nach Süden kam und mit dem

Wärmerwerden des Klimas sich wiederum nach Norden und auf die kühlen

Gebirgslagen zurückzog. Im Flachlande leidet sie sehr durch einen Pilz

(~Peziza willkommi~), der krebsige Wucherungen am Holze hervorruft,

und durch die Lärchenminiermotte (~Coleophora laricinella~), deren

Larve die Nadeln ausfrißt. Wenn sie trotzdem immer wieder bei uns

angepflanzt wird, so ist daran die hervorragende Güte ihres im

Kern auffallend braunroten Holzes schuld, das seiner Festigkeit

und durch seinen reichen Harzgehalt bedingten außerordentlichen

Dauerhaftigkeit wegen ein vortreffliches Bauholz liefert. Die junge

Rinde wird als Gerbmaterial derjenigen der Fichte vorgezogen, und

durch tiefe Bohrlöcher wird der hauptsächlich im Kernholz enthaltende

„venezianische“ Terpentin in den Südtälern der Alpen, vorzugsweise

um Meran, Bozen und Triest, gewonnen. Von der im mitteleuropäischen

Gebirge wachsenden Lärche ist die +sibirische Lärche+ (~L. dahurica~)

nur durch die nicht überhängenden Zweige, durch die weniger zahlreich

gebüschelten Nadeln und durch die am Rande etwas eingebogenen

Zapfenschuppen verschieden. In Japan wächst die +zartschuppige Lärche+

(~L. leptolepis~), während im westlichen Nordamerika die 40 bis

80 m hohe ~Larix occidentalis~ von schlankem Wuchs und festem Holz

ausgedehnte Waldungen bildet. Im östlichen Nordamerika dagegen bildet

von Virginien bis Kanada die zierliche, leicht bezweigte ~Larix

pendula~ von 30 m Höhe große Bestände und liefert ein gutes Nutzholz.

Mit der Lärche verwandt und hauptsächlich durch auch im Winter

bleibende Nadeln und größere, 9 cm lange, mehrere Jahre zur Reife

bedürfende Fruchtzapfen, sowie ihre schirmförmige Krone verschieden

ist die +Ceder+ (~Larix cedrus~). Die bekannteste Art ist die auch als

~Cedrus libani~ bezeichnete Libanonceder, die einst auf allen Gebirgen

Syriens und Kleinasiens ausgedehnte Waldungen bildete, welche aber im

Laufe der Zeit bis auf geringe Reste dem Menschen zum Opfer fielen, da

ihre mächtigen Stämme ein treffliches Bau- und Schiffsholz abgaben,

das sehr gesucht war und weithin ausgeführt wurde. Das Cedernholz,

das schon im Gesetze des Moses als Opfergabe genannt wird, ist das

weißeste und am wenigsten harzhaltige unter allen Nadelhölzern; es

ist sehr geradfaserig und deshalb leicht spaltbar. Noch zur Zeit

des Königs Hiram von Tyrus (1001-967 v. Chr.), des Freundes und

Bundesgenossen der jüdischen Könige David und Salomo, war der ganze

Libanon, wie der Antilibanon, das Taurus- und Amanusgebirge von

ausgedehnten Cedernwäldern bedeckt, aus denen die umliegenden Fürsten

das nötige Bau- und Schiffsholz holen ließen. Schon der altbabylonische

Priesterkönig Gudea von Lagasch ließ nach den uns erhaltenen

Inschriften um 2000 v. Chr. Cedernholz zur Bedachung seines Tempels vom

Amanusgebirge an der Küste des Mittelmeers holen. Dasselbe berichten

uns mehr als 1000 Jahre später die großen Assyrerkönige. In der Bibel

wird erzählt, wie König Salomo das Gebälk zu dem von ihm erbauten

herrlichen Tempel Jahves in Jerusalem von den Cedernhainen des Libanons

beschaffen ließ.

Wie im holzarmen Mesopotamien war auch in Ägypten die Ceder das die

größten Balken liefernde Nutzholz. Die hier vorkommenden Baumarten,

die Sykomore, Dattelpalme, Akazie und Tamariske gaben ein für größere

Bauobjekte durchaus ungeeignetes Material, und so wurde schon zur Zeit

des alten Reiches Cedernholz aus Syrien und Ebenholz aus Nubien auf

den großen, zum Transport von Getreide und Vieh dienenden Lastschiffen

nach Ägypten zum Bau der großen Tempel eingeführt. Auch zur Herstellung

der größeren Fahrzeuge wurde mit Vorliebe Cedernholz benutzt. Daraus

war nicht nur das jetzt im Fieldmuseum in Chicago befindliche, 9 m

lange, 2 m breite und 1,2 m tiefe Totenschiff des von 1887-1849

v. Chr. regierenden Sesostris III. aus der 12. Dynastie gemacht --

es stammt aus seiner Ziegelpyramide bei Daschur --, sondern auch die

großen Handels- und Kriegsschiffe, mit denen bereits die Könige des

alten Reichs bis weit ins Mittel- und Rote Meer hinausfahren ließen, um

allerlei kostbare Erzeugnisse zu holen oder Kriege zu führen. So besaß

schon Snofru, der Erbauer der ältesten Pyramide (2930-2906 v. Chr.),

Flußschiffe von 50 m Länge, und sein Vorgänger, der letzte König

der 3. Dynastie, trieb bereits einen regen Handel mit dem Norden und

entsandte eine Flotte von 40 Schiffen nach der phönikischen Küste, um

von den Abhängen des Libanon Cedernbalken für seine Bauten in Memphis

zu holen.

[Illustration:

Tafel 157.

Gruppe von Libanon-Zedern im kilikischen Taurus. (Nach einer in der

Sammlung des Botan. Institutes der Universität Wien befindlichen

Photogr. von W. Stehe, Mersina.)]

[Illustration: Momentaufnahme der Fällung der Mammutkiefer (~Sequoia

gigantea~) „Mark Twain“ in Kalifornien. Der im folgenden Bilde

dargestellte Querschnitt der Stammbasis desselben ist im ~American

Museum of National History~ in New York aufgestellt (nach Sherwood).]

[Illustration:

Tafel 158.

Querschnitt durch die im Jahre 1891 gefällte Mammutkiefer „Mark Twain“,

deren Alter sich nach den Jahresringen auf 1341 Jahre bestimmen läßt.

Dieser Baum begann demnach sein Dasein im Jahre 550 n. Chr., als

Kaiser Justinian I. das Reich der als Arianer für ihn den Athanasianer

ketzerischen Ostgoten in Italien durch den Obereunuchen Narses mit

starker Heeresmacht zerstören ließ. Die oberste Reihe von Karten gibt

die wichtigsten Daten der Weltgeschichte von diesem Jahre an wieder,

die folgende die Geschichte der Philosophie, die dritte dunklere Reihe

die Aufeinanderfolge der Jahrhunderte, die vierte die Entwicklung der

Biologie, die fünfte diejenige der vergleichenden Anatomie, die sechste

(eine einzige Karte) die Begründung der Paläontologie, die siebente die

Entwicklung der Embryologie (nach Sherwood).]

Weiter entnehmen wir auf uns gekommenen Inschriften von Amenemhet I.

aus der 12. Dynastie, der von 2000-1970 v. Chr. regierte, daß er auf

einem Feldzuge nilaufwärts nach Aethiopien 20 große Cedernschiffe

mit sich führte. Später erfahren wir von Thutmosis IV. aus der 18.

Dynastie, der von 1420-1411 über Ägypten herrschte, daß er aus dem

von ihm eroberten Syrien eine Ladung Cedernholz für die heilige

Barke des Gottes Amon nach Theben mitbrachte. Ferner wird uns durch

inschriftliche Urkunden von Ramses III. aus der 20. Dynastie, der

von 1198-1167 v. Chr. regierte, bezeugt, daß er, wie seine mächtigen

Vorgänger besonders der 18. und 19. Dynastie, zahlreiche große

seetüchtige Schiffe bis nach Cypern und dem Land Punt in Südarabien

beziehungsweise Ostafrika sandte, um die Erzeugnisse jener Länder gegen

einheimische Waren umzutauschen. Damals besaßen auch die mächtigen,

mit ungeheurem Besitze und einem entsprechenden Einkommen von

den siegreich aus ihren Feldzügen nach Vorderasien und Aethiopien

zurückkehrenden Pharaonen ausgestatteten Priesterschaften der großen

Tempel des Amon, Ra und Ptah je ihre eigenen Flotten auf dem Mittelmeer

und im Roten Meer, welche die Erzeugnisse von Phönikien, Syrien und

Punt in die Schatzkammern der betreffenden Gottheiten lieferten. Ramses

III. spricht in einer Tempelinschrift von einer von ihm gestifteten

heiligen Barke des thebanischen Amon von mehr als 67 m Länge, die aus

ungeheuren Cedernbalken vom Libanon auf seinen Werften gebaut worden

war.

Auch die Phöniker und Chethiter verwendeten das Cedernholz viel, wie

zu Bauten und Schiffen, so auch zur Herstellung großer Götterbilder.

So erbeutete der ägyptische König Thutmosis III., wie uns in einer

Inschrift seines daraufhin errichteten Tempels bezeugt ist, nach seinem

ruhmvollen Siege vor Megiddo am Ostabfall des Karmel über das Heer

der vorderasiatischen Verbündeten unter dem Oberbefehl des Königs von

Kadesch am 14. Mai 1479 v. Chr. außer 924 Kriegswagen, 2238 Pferden und

202 Waffenrüstungen auch das prachtvolle Zelt des Königs von Kadesch

mit dessen reicher Einrichtung, darunter sein Königszepter, eine

silberne Statue -- wahrscheinlich die seines Gottes -- und eine Statue

von ihm selbst aus Cedernholz, mit Gold und Lapislazuli verziert, sowie

ungeheure Mengen an Gold und Silber. Der Grieche Theophrast kennt die

Ceder Syriens und sagt, daß deren Holz zu Schiffen mit drei Reihen von

Ruderbänken übereinander verwendet werde: „Auf den Gebirgen Syriens

wachsen gewaltig hohe und dicke Cedern (~kédros~); es gibt einzelne,

die von drei Männern nicht umspannt werden können, und in den Parks

werden sie noch größer und schöner.“ Der ältere Plinius berichtet:

„Die Könige von Ägypten und Syrien sollen in Ermanglung von Tannen

(~abies~) Cedern zu ihren Flotten verwendet haben. Die größte davon

soll auf der Insel Cypern gestanden haben; Demetrius ließ sie zu einem

Schiffe verwenden, das 11 Reihen von Ruderbänken übereinander besaß;

sie war 130 Fuß hoch und so dick, daß sie gerade von drei Mann umspannt

zu werden vermochte.“ Wie das Dach des Dianatempels zu Ephesus, ruhten

auch diejenigen zahlreicher großer Tempel der hellenistischen und

christlichen Zeit im Orient, so beispielsweise der Kirche, die die

Mutter Kaiser Konstantins des Großen (274-337 n. Chr.), Helena, über

dem Heiligen Grab erbauen ließ, auf mächtigen Cedernbalken.

Bei allen Kulturvölkern des Altertums war das Cedernholz durch seine

Unverwüstlichkeit bekannt und überaus geschätzt. Deshalb verwendete

man es mit Vorliebe zur Herstellung von Götterbildern, von Särgen und

Kisten, zum Aufbewahren von kostbaren Gegenständen, besonders auch

Schriftrollen. So spricht der römische Dichter Horaz von ~carmina

linenda cedro~ im Sinne von der Unsterblichkeit werte Gedichte, und

Pausanias im 2. Jahrhundert n. Chr. berichtet: „In Olympia befindet

sich ein berühmter Kasten aus Cedernholz; er ist mit Bildern bedeckt,

die teils aus Gold und Elfenbein, teils aus dem Cedernholze selbst

gearbeitet sind. In diesem Kasten ist Kypselos, der später König von

Korinth wurde (657-629 v. Chr.), als Kind von seiner Mutter versteckt

worden, als er von seinen Feinden überall gesucht wurde.“ Heute kommt

das syrische Cedernholz kaum mehr in den Handel, wohl aber dasjenige

der im nordafrikanischen Atlasgebirge heimischen +Atlasceder+ (~Cedrus

atlantica~) und der am Südabhang des Himalaja wachsenden +Deodarceder+

(~Cedrus deodara~), die sich nur wenig von der Libanonceder

unterscheiden. Wie alle Cedernarten besitzen auch sie ein leichtes,

weiches, sehr wohlriechendes Holz von hell braunrötlicher Farbe und

sehr großer Dauer; soll es doch selbst von den gefürchteten Termiten

nicht angegriffen werden. Es findet für viele Zwecke, namentlich zu

Furnieren, Galanterie- und Drechslerarbeiten Verwendung. Aus ihm werden

auch die Rennbote gebaut, die zu den berühmten Wettfahrten auf der

Themse zwischen auserwählten Mannschaften der Universitäten Cambridge

und Oxford im Gebrauch stehen.

Die alten Griechen bezeichneten mit dem Worte ~kédros~ auch noch

andere kostbare Nadelhölzer, die sich durch stark balsamischen Geruch

ihres Holzes auszeichneten, und stellten sich aus ihnen mottensichere

Kisten zur Aufbewahrung ihrer Wollkleider her. Darunter war vor

allem dasjenige einer heute noch im westlichen Nordafrika, auf dem

Atlasgebirge und seinen Vorbergen, wachsenden stattlichen Cypressenart,

die wir bei der Besprechung des Sandaraks im Abschnitt über Harze als

+Sandarakcypresse+ (~Callitris quadrivalvis~) kennen lernten, in hohem

Ansehen. Durch die Griechen Süditaliens wurden die Römer mit diesem

kostbaren Holze bekannt, wobei sie aus dem griechischen ~kédros~ das

lateinische ~citrus~ machten. Außer durch seine Unverwüstlichkeit

war es vor allem durch seine prächtige Maserung berühmt und wurde

zur Herstellung von Luxusmöbeln und zum Furnieren gebraucht.

Letzteres besteht darin, daß man minderwertige Hölzer (Blindhölzer)

mit dünngeschnittenen Blättern (Furnieren) wertvollerer Holzarten

überkleidet. Als Blindhölzer dienen weichere, wenig arbeitende und sich

werfende Hölzer, wie Fichte, Tanne, magere Kiefer, Linde, vornehmlich

aber die verschiedenen Pappel- und Weidenarten. Das Furnieren ist

nicht sowohl aus Gründen der Billigkeit so beliebt, sondern aus

Zweckmäßigkeit, weil dadurch dem Werfen und Reißen entgegengewirkt

wird. Zudem sind die am schönsten gemaserten und gewellten Holzarten

zur Verwendung in massiven Stücken unbrauchbar, können aber auf

diese Weise leicht verwendet werden. Diese Kunst des Furnierens ist

übrigens keine Errungenschaft der Neuzeit, sondern wurde schon bei den

Kulturvölkern des Altertums, besonders bei den Griechen und Römern

geübt. So schreibt der ältere Plinius in seiner Naturgeschichte:

„Zu dünnen Platten, womit man anderes Holz überzieht, verwendet man

vorzugsweise das Holz der (schönmaserigen) Citrum-Cypresse (eben

der Sandarakcypresse), der Terpentinpistazie, der Ahornarten, des

Buchsbaums, der Stechpalme, der Ilexeiche, der Holunderwurzel, der

Pappel; auch die Erle liefert, wie Lebensbaum (~Thuja~) und Ahorn

Knorren zum Furnieren.“

Im 4. Jahrhundert v. Chr. erwähnt der pflanzenkundige Theophrast die

Sandarakcypresse als ~thýon~. Der Baum gleiche in allen Teilen der

wilden, jetzt auf Kreta, Bithynien und Persien wachsenden Cypresse

mit seitwärts ausgebreiteten Ästen (~Cupressus expansa~) und wachse

im Gebiet von Kyrene und beim Tempel des Amon. „In großer Menge stand

der Baum früher da, wo jetzt die Stadt steht, auch sollen dort noch

einige alte Dächer von ihm gebaut sein. Sein Holz widersteht der

Fäulnis für immer, und besonders die Wurzel ist gemasert; man macht

aus ihr die herrlichsten Kunstwerke.“ Spätere Schriftsteller bemerken,

daß das schön gemaserte Holz vorzugsweise zu Tischplatten, die weithin

Liebhaber fanden, und andern schönen Möbeln verwendet wurde. So erzählt

uns der römische Dichter Lucanus, der Neffe Senecas (39-65 n. Chr.):

„Kleopatra (68-30 v. Chr.) besaß große, scheibenförmige, aus den

Wäldern des Atlas stammende Tische“, und in seiner Geschichte Roms

berichtet der uns 19 v. Chr. geborene Vellejus Paterculus, der als

~praefectus equitum~ (Reiteroberst) Tiberius auf dessen Feldzügen in

Germanien und Pannonien begleitete: „Julius Cäsar (100-44 v. Chr.) hat,

als er über Gallien triumphierte, gallische Geräte aus ~citrus~, als

die Hauptmerkwürdigkeit dieses Landes zur Schau tragen lassen“. Damals

(51 v. Chr.) müssen solche Möbel in Rom noch selten gewesen sein, sonst

hätte Cäsar nicht damit prunken können. Späterhin allerdings haben

auch die Vornehmen Roms solche kostbare Möbel, besonders Tische, aus

dem Holz der Cypresse des Atlas gerne in ihren Häusern aufgestellt und

damit ihren Reichtum kund gegeben; denn sie waren, wie wir gleich hören

werden, außerordentlich teuer und nur für sehr Reiche erschwingbar.

Die Schriftsteller der römischen Kaiserzeit erwähnen diese Citrusmöbel

sehr häufig, so der witzige römische Epigrammendichter Martialis (um

40 n. Chr. zu Bilbilis in Spanien geboren, kam unter Nero nach Rom,

Schmeichler und Günstling der Kaiser, starb um 102) nicht weniger als

8 Stellen seiner auf uns gekommenen Gedichte, die sämtlich bezeugen,

welchen hohen Wert die Römer seiner Zeit auf diese Citrusmöbel

legten. Unter ihnen waren besonders die Tische beliebt, denen man

vielfach Füße von Elfenbein gab. Der östliche Teil des Atlasgebirges

scheint schon damals von den großen dazu erforderlichen Exemplaren

der Callitriscypresse völlig beraubt gewesen zu sein, so daß man

sich solches Rohmaterial aus den fernen Wäldern Maurusiens, auch

Mauretanien genannt, kommen lassen mußte. Deshalb schreibt der vorhin

erwähnte Geschichtschreiber Lucanus (39-65 n. Chr.): „In die Wälder des

entlegenen Maurusien sind die römischen Äxte eingedrungen, und dort

werden für die Römer Tische geholt.“ Und der um 25 n. Chr. gestorbene

weitgereiste griechische Geograph Strabon aus Amasia am Pontos sagt in

seiner Geographika: „Maurusien ist ein gesegnetes Land, hat nur wenig

Einöden, dagegen einen Reichtum an Flüssen und Seen. Namentlich liefert

es den Römern die größten Tische aus +einem+ Stück, die auch herrlich

bunt sind.“

Am ausführlichsten spricht sich der gelehrte ältere Plinius (geb. 23

n. Chr. in Como, bekleidete unter Nero und Vespasian mehrere höhere

Zivil- und Militärämter, war zuletzt Befehlshaber der Flotte bei

Misenum und kam als solcher, als er dem bedrohten Pompeji zu Hilfe

kommen wollte, 79 beim Ausbruch des Vesuvs um) über den Citrusbaum

aus. Er schreibt in seiner Naturgeschichte darüber: „Der Citrus ist

bei Leuten, welche die Pracht lieben, außerordentlich beliebt. Er

kommt aus dem Atlasgebirge, das noch sehr wenig bekannt ist, obgleich

schon öfter römische Feldherren dahin vorgedrungen sind und sich 5

römische Kolonien in dieser Provinz befinden. Besonders häufig findet

er sich noch in Maurusien. Aus seinem Holz werden Tische gemacht,

nach deren Besitz die römischen Männer ebenso unsinnig gierig sind,

wie die römischen Frauen nach Perlen. Es ist noch jetzt ein solcher

Tisch vorhanden, den Cicero (106-43 v. Chr.) zu jener Zeit, da das

Geld (in Rom) noch gar nicht im Überfluß vorhanden war, mit einer

Million Sesterzien (= 150000 Mark) bezahlte. Es wird auch ein anderer

erwähnt, der dem Gallus Asinius gehörte und 1100000 Sesterzien (165000

Mark) kostete. Es sind ferner zwei vom Könige Juba (II., der von

Kaiser Augustus einen Teil des von seinem Vater Juba I. im Jahre 46

v. Chr. nach der Schlacht bei Thapsus, in welcher er sich das Leben

nahm, verlorenen Reiches Numidien zurück erhielt) versteigert worden,

von denen der eine 1200000 Sesterzien (= 180000 Mark), der andere

etwas weniger kostete. Noch kürzlich ist ein solcher Tisch, der von

den Cethegen stammte und 1400000 Sesterzien (= 210000 Mark) gekostet

hatte, durch eine Feuersbrunst verloren gegangen. Für einen solchen

Preis könnte man die schönsten Landgüter kaufen. Der größte bis

jetzt bekannte Tisch von Citrusholz stammt vom mauretanischen Könige

Ptolemäus; er ist aus zwei Halbkreisen zusammengesetzt, hat 4½ Fuß

Durchmesser und ¼ Fuß Dicke. Das wunderbarste an ihm ist der Umstand,

daß er so zusammengefügt ist, daß man davon durchaus keine Spur sieht.

Ein anderer derartiger Tisch, welcher von einem Freigelassenen des

Kaisers Tiberius den Namen hat, besteht aus einem einzigen Stücke,

ist fast 4 Fuß breit und ½ Fuß dick. Derjenige, den Kaiser Tiberius

selbst besaß, hatte 4 Fuß 2¼ Zoll Durchmesser, jedoch nur 1½ Zoll

Dicke. Solche Prachttische werden aus dem angeschwollenen Wurzelstock

gemacht und um so höher geschätzt, wenn dieses unter der Erde gewachsen

ist. Dergleichen Wurzelmasern sind seltener als die am Stamm oder an

Ästen. Übrigens sind alle diese Masern eigentlich ein Erzeugnis des

fehlerhaften Wachstums dieser Bäume, deren Dicke man natürlich nach

diesen Querschnitten beurteilen kann.

Die Hauptschönheit dieser Tische besteht darin, daß die Masern wie

gekräuseltes Geäder oder kleine Wirbel aussehen. Bildet das Geäder in

die Länge gezogene Streifen, so heißt das Holz getigert (~tigrinus~),

besteht es aber aus geschlossenen Wirbeln, so heißt es gepanthert

(~pantherinus~). Manches Citrusholz ist auch wellenförmig gekräuselt

und wird um so höher geschätzt, je mehr die Figuren den Augen des

Pfauenschweifs ähneln. Nächst diesen gemaserten Holzarten steht

dasjenige im höchsten Preise, das wie dicht mit Körnern besät aussieht;

man nennt dieses gebient (~apiatus~). Bei all diesen Sorten kommt es

übrigens vorzugsweise auf die Schönheit der Farbe an. Hierzulande

gefällt diejenige am besten, die wie Met aussieht und glänzende Adern

hat.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 72 / 81 段