Das bei uns in Süddeutschland und der Schweiz weitaus populärste

Nadelholz ist die +gemeine Fichte+ oder +Rottanne+ (~Picea excelsa~).

Sie ist eine der schönsten und ergiebigsten Waldbäume, die bei

einem Alter von 700-800 Jahren eine Höhe von 64 m bei einem

Stammdurchmesser von über 2 m an der Basis erreichen kann. Am

rötlichbraunen Stamm mit pyramidenförmig spitzer Krone hängen die

unteren langen Hauptäste fast herab oder sind niedergebogen, während

die kürzeren oberen kräftiger und aufgerichtet sind. Die 15-25 mm

langen, geraden oder schwachgekrümmten, zweischneidig vierseitigen,

spitzen, dunkelgrünen Nadeln bleiben bis zum 7. Jahre stehen und

fallen im Gegensatz zu denjenigen der Weiß- oder Edeltanne beim

Trocknen des Zweiges ab. Die (männlichen) Staubblüten sitzen zu

eiförmigen gelben, bei der Fichte im Gegensatz zur Weißtanne allmählich

rot werdenden Knäueln hoch oben am Ende starker Äste zwischen den

Nadeln der letztjährigen Triebe, bei der Fichte mehr vereinzelt, bei

der Weißtanne zahlreicher. Wenn sie im Mai den gelben Blütenstaub

entlassen, weht ihn der Wind zwischen die Schuppen der bei der Fichte

roten bis dunkelvioletten, bei der Weißtanne dagegen grünlichgelben

(weiblichen) Samenblüten. Nach der Befruchtung schließen sich die

geöffneten Zäpfchen der letzteren, senken sich nach abwärts und

öffnen sich erst im Oktober, wenn der Same voll ausgereift ist und

sie braun geworden sind, wieder, um die geflügelten Samen durch den

Wind verbreiten zu lassen. Doch fliegen sie meist erst im folgenden

Jahre aus, wonach erst die leeren Zapfen als Ganzes abfallen. Bei der

Weißtanne dagegen bleiben die Fruchtzäpfchen aufrecht auf ihren Zweigen

stehen; zwischen den einzelnen, breiten Schuppen wachsen die Enden

der Deckblätter (Brakteen) zierlich heraus, und im September, nach

der Reife, öffnet sich der Zapfen nicht, sondern er entblättert sich

allmählich und verliert seine graubraunen Schuppen, bis zuletzt nur die

kahle Spindel übrig bleibt. Wer also einen richtigen Tannenzapfen der

Weißtanne zu haben begehrt, der muß warten, bis etwa ein Baum vor der

Samenreife gefällt wird oder der Sturm einige Äste mit Fruchtzapfen

herunterreißt. Samenjahre kehren bei der Fichte durchschnittlich alle

fünf Jahre wieder. Dabei bleibt der Samen 3-5 Jahre keimfähig. Auch

im Alter erreicht die Fichte wie die Lärche nie eine eigentliche

Kronenabwölbung. Sie wächst ziemlich schnell, hört aber in der Ebene

mit 60-80 Jahren auf zu wachsen; im Gebirge dagegen wächst sie weiter

und wird nicht selten 400-600 Jahre alt.

Die Fichte ist nämlich mehr ein Baum des Gebirges als der Ebene, geht

nach Norden nicht so weit als die genügsamere Kiefer, liebt einen

frischen, steinigen, humusreichen, nicht zu flachgrundigen Boden und

viel Bodenfeuchtigkeit, da sie ausgiebig Wasser verdunsten läßt.

Während sie erst in Nordostdeutschland, besonders in der Niederlausitz,

in Schlesien, Ostpreußen und jenseits der Weichsel in die Niederungen

steigt, ist sie mehr südlich und westlich durchaus ein Gebirgsbaum.

Im deutschen Mittelgebirge ist sie der herrschende Baum. Auch im

deutsch-österreichischen Bergland hat sie bedeutende Massenverbreitung

und dringt bis in die italienischen Alpen und in Frankreich bis zu den

Pyrenäen vor. In Serbien erreicht sie etwa bei 43° nördlicher Breite

ihre Südgrenze, geht aber durch Südsibirien östlich bis zum Amurlande.

In den Alpen steigt sie bis in die Legföhrenregion hinauf, höher als

die Kiefer, reicht aber in Lappland nicht über den 69. Grad hinaus,

während die Kiefer hier bis zum äußersten Saum der Wälder reicht. In

Westdeutschland, Belgien, den Niederlanden und den britischen Inseln

war sie ursprünglich nicht heimisch, sondern wurde hier erst seit 1780

zur Aufforstung großer Ödflächen eingeführt. Sie eignet sich nämlich

vorzüglich dazu, verödeten und verwilderten Boden rasch zu decken und

zu verbessern. Sie ist eine der zähesten Waldbaumarten, ganz besonders

dazu geeignet, auf kümmerlichen Standorten den Kampf ums Dasein mit

Erfolg zu beginnen und, wenn auch nicht siegreich zu beenden, so

doch nicht zu unterliegen und als energischer Pionier der nächsten

Generation von Bäumen eine bessere Stätte zu bereiten.

Man bewirtschaftet die Fichtenbestände meist in 70-100jährigem

Umtriebe. In Norddeutschland verjüngt man wegen der Sturmgefährlichkeit

in kleinen Kahlschlägen, in denen der herrschenden Windrichtung

entgegen fortgeschritten wird. Im mittleren und südlichen Deutschland

ist man aber bei der „Fichten-Dunkelschlagwirtschaft“ geblieben.

Wegen des Rüsselkäfers läßt man das zu bebauende Land ein Jahr ruhen.

Dann pflanzt man die drei- oder vierjährigen, in Saatbeeten erzogenen

Pflänzchen in das Kulturfeld, und zwar je 3 oder 4 Exemplare zusammen.

Man mischt sie auch zweckmäßig mit Buchen und Tannen, aber nicht mit

Kiefern oder Eichen. Bei 100jährigem Umtriebe rechnet man auf den

mittleren Fichtenstandorten ungefähr 6 Festmeter vom einzelnen Baum.

Kaum eine andere Holzart ist zur Massenerzeugung so geeignet und

liefert ein so günstiges Resultat als die Fichte. Das weiche Holz

schwindet stark und ist außer als Brennstofferzeuger besonders als

Bau- und Werkholz beliebt. Die Rinde nicht zu alter Bäume dient zum

Gerben. Erzeugung und Verbrauch dieser Materialien lassen sich nicht

überblicken.

Im Gegensatz zur flachbewurzelten Fichte läßt die +Weiß+- oder

+Edeltanne+ (~Abies pectinata~) ihre Wurzeln tief in den Boden

eindringen und ist dadurch sturmfest; auch ist sie dem Schneebruch

und Insektenschäden weniger ausgesetzt als jene. Sie kann 10-15 Jahre

von andern Bäumen unterdrückt stehen und gedeiht, freigestellt,

dennoch gut. Sie erholt sich leicht, wenn sie jung vom Wild beschädigt

wird, und ihre verlorene Spitze ersetzt sie sofort durch eine oder

zwei andere. Ihre glatte, graue, innen braune, ziemlich dicke Rinde

ist an den Stellen, an denen sich Terpentin ansammelt, beulenartig

aufgetrieben. An dem bis über 45 m hoch werdenden Stamm stehen

die Haupt- und Seitenäste zu drei bis sechs quirlförmig horizontal

ausgebreitet. Die 13-26 mm langen, 2 mm breiten, flachen Nadeln

mit stumpfer, eingekerbter Spitze sind oben glänzend dunkelgrün mit

vertiefter Mittellinie, unten dagegen blaugrau mit zwei deutlichen,

aus je einer Reihe weißer Punkte -- den Spaltöffnungen -- gebildeten

Längslinien. Sie starren nur an den aufrechten Gipfeltrieben rings um

den Trieb herum, an den Seitenzweigen ordnen sie sich kammförmig zu

beiden Seiten des Triebes, so daß sämtliche Nadeln ihre blattgrünreiche

Oberseite dem Lichte zuwenden. Auf die Eigentümlichkeiten der

Fruchtbildung wurde bereits hingewiesen. Da die Fruchtzapfen bei

der Reife, wenn der Samen ausfällt, verblättern, werden sie für die

Forstnutzung im September gepflückt. Die junge Pflanze erscheint

zeitig im Frühjahr, oder 3-4 Wochen nach der Frühjahrssaat mit 4-8

Keimblättern, die sich von denjenigen der Fichte durch ihre breitere,

flachere Form unterscheiden. Sie wird im ersten Jahre etwa 2,6 cm,

im zweiten 5,2 cm hoch. Der Zuwachs ist auf die Dicke des Stämmchens

und auf ein oder zwei Seitenästchen gerichtet, die sich in horizontaler

Richtung über den Boden hin verbreiten. Das Längenwachstum aber ist

in dieser Zeit sehr unbedeutend. Im 14. oder 15. Jahre hat die junge

Weißtanne erst eine Höhe von 15-60 cm erreicht, während die viel

schneller wachsende Fichte in dieser Zeit bedeutend größer geworden

ist. Bis zum 100. Jahre wächst nun die Weißtanne jährlich um etwa

30 cm, von da an weniger. Vom 30. Jahre an beginnt sie Früchte zu

tragen. Auch sie kann 400 bis 600 Jahre alt werden und eine Höhe von

63 m bei einem Umfang von gegen 6 m erreichen.

Die Weißtanne fordert wie die Rotbuche einen höheren Feuchtegrad der

Atmosphäre und gemäßigtere Temperatur als die Fichte. Sie liebt daher

im Gebirge vorzugsweise die westlichen und nördlichen Einhänge. Den

besten Weißtannenboden liefern die feldspatreichen Urgebirgsarten,

Granit und Gneis, ferner tonreiche Schiefer und Konglomerate. Der

Boden muß tiefgründig und humusreich sein. Als Waldbaum gehört

sie den höheren Stufen des mitteleuropäischen Berglandes und den

südosteuropäischen Gebirgslandschaften meist in einer Höhe von

800-1200 m über Meer im mittleren, von 1200-1700 m im südlichen Europa

an. Zur höchsten Vollkommenheit gedeiht sie nur im „Bestandsschluß“,

da sie einen erheblichen Schneedruck erträgt und in der Jugend

des Schutzes durch Altstämme bedarf. Wird sie in reinen Beständen

angepflanzt, so gehört ein Umtrieb von 140 bis 160 Jahren dazu.

Häufiger mischt man sie unter Buchen und Fichten. Die Tannenbestände

werden am besten in frostfrei liegenden Samenschlägen verjüngt. Man

sät wegen der Frostgefahr und des Mäusefraßes im Frühjahr und bedeckt

die Samen höchstens 0,8 cm tief mit Erde. Sind die Pflänzlinge 2 Jahre

alt, so werden sie umgepflanzt, werden aber erst mit 6 Jahren an ihren

definitiven Standort gebracht. Verwendet man Wildlinge, so sind sie mit

Ballen einzusetzen.

Aus der Weißtanne gewinnt man das beste Terpentin von hellgelber Farbe,

mit zitronenartigem Geruch und einem Gehalt von 34 bis 35 Prozent

Terpentinöl. Das weiße, leicht spaltbare Holz steht im Verbrennungswert

um 0,2 niedriger als dasjenige der Fichte, dagegen um 0,14 höher als

dasjenige der Kiefer und um 0,16 höher als dasjenige der Rotbuche. Es

gibt ein treffliches Bauholz, das an Dauer, Tragkraft und Elastizität

ein wenig hinter dem Fichtenholz zurücksteht und darin ungefähr dem

Kiefernholz gleichkommt. Es wird besonders zu Span- und Schnitzholz,

zu Schachteln, Siebrändern, Böttcherarbeiten und gedrechselten Waren

sehr geschätzt. Da die Stämme, soweit sie astrein sind, ziemlich

gleichstark bleiben, eignen sie sich vorzüglich zu Mastbäumen. Das Holz

junger Stämme gibt die besten Resonanzböden für Musikinstrumente. Meist

benutzt man junge Weißtannen mit farbigen Bändern geziert zu Maibäumen

und beim Aufpflanzen auf den Giebel neu aufgerichteter Häuser, ebenso

als Weihnachtsbaum, da diese Baumart vor den Fichten den Vorzug hat,

beim Trocknen die Nadeln nicht zu verlieren. Schon die alten Germanen

schmückten beim Julfest ihre Behausung mit Tannenzweigen als Symbol

der Unvergänglichkeit des Naturlebens. Dieses heidnische Julfest wurde

nach der Einführung des Christentums zum Weihnachtsfest umgedeutet, das

aber erst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts durch einen geschmückten

Weihnachtsbaum mit angezündeten Kerzchen gefeiert wird. Der erste

nachweisbare Weihnachtsbaum brannte in Straßburg.

In Skandinavien, Nord- und Ostrußland und ganz Nordasien ist die

+Altaifichte+ (~Picea obovata~) heimisch, während im Morgenlande

die +Sapindusfichte+ (~P. orientalis~) als ein 30 m hoher Baum

mit dichter, feiner Verzweigung, sehr gedrängt stehenden, kurzen,

glänzend dunkelgrünen Nadeln und harzreichem Holz auf dem Taurus

und Kaukasus dichte Wälder bildet. In Serbien, Bosnien, Montenegro

und Bulgarien bildete die über 40 m hoch werdende +Omorikafichte+

(~P. omorika~) von sehr schlankem Wuchs, mit silberweißen Streifen

auf der Unterseite der glänzend dunkelgrünen Nadeln große Wälder,

ist aber heute durch anhaltende Raubwirtschaft auf wenige Standorte

beschränkt. Diese, wie auch die im Kaukasus und im pontischen

Gebirge heimische +Nordmanns-Weißtanne+ (~Abies nordmanniana~) mit

schwärzlichgrauer Rinde, unterseits bläulichweiß gestreiften Nadeln

und sehr großen, mit Harz bedeckten Fruchtzapfen, die in Griechenland

heimische +griechische Tanne+ (~A. cephalonica~) mit spitzen

Nadeln, die schöne, über 60 m hoch werdende +spanische Tanne+ (~A.

pinsapo~), die in den Gebirgen Südspaniens und Nordafrikas noch

Bestände bildet, und die +sibirische Tanne+ (~A. sibirica~) werden

bei uns kultiviert. Desgleichen kultiviert man von amerikanischen,

die in ihrer Heimat eine große Bedeutung als Nutzhölzer haben, die

+Schwarzfichte+ (~Picea nigra~), einen etwa 25 m hohen Baum mit

schwärzlicher Rinde, dunkelgrünen, durch die weißlichen Spaltöffnungen

blaugrün erscheinenden Nadeln und 3 cm langen, in der Jugend schön

violetten Zapfen. Sie bildet mit der +Rotfichte+ (~P. rubra~), einem

bis 20 m hohen Baum mit rötlichem Holz und frischgrünen Nadeln,

und der +Weißfichte+ (~P. alba~), einem 25-30 m hohen Baum mit

graugrünen, blaugrün erscheinenden Nadeln und 3-4 cm langen Zapfen im

nordöstlichen Nordamerika größere Bestände. Ihr Holz ist dauerhafter

als das der beiden zuletzt genannten Arten.

Während in unsern Mittelgebirgen die mehr wärmeliebende Tanne die

tieferen Lagen, die meist auch besseren Untergrund haben, einnimmt,

und die Fichte höher hinaufsteigt, vermögen beide nicht auf sonnigen,

trockenen Hängen oder auf schlechtem, steinigem Boden zu gedeihen.

Dagegen tut dies die +Kiefer+ oder +Föhre+ (~Pinus silvestris~), die

ihre Wurzeln tief durch die engsten Felsspalten zu zwängen versteht und

wie im kargen Felsboden, so auch im magersten Sandboden fortzukommen

vermag. Nicht weniger als ⅖ der gesamten Waldfläche Deutschlands,

besonders die von der letzten Eiszeit herrührenden sandigen Gebiete

des Nordostens, sind mit ihr bestanden. Durch sie ist es überhaupt

für den Menschen möglich geworden, die unfruchtbaren Sand-, Heide-

und Moorgegenden Norddeutschlands zu besiedeln. Im Naturwald kommt

die Kiefer nur auf ganz nahrungsarmem Boden rein vor. Überall auf

den mittleren und besseren Bodenarten sind die Bestände mit Eichen,

Birken und Buchen durchsprengt. Von den Grenzen Italiens bis Lappland

wird sie gefunden und reicht von Frankreich bis nach Sibirien. Sie

gedeiht im hohen Norden Rußlands noch, wo kein Baum mehr fortkommt,

und geht in Norwegen bis zum 70. Grad nördlicher Breite, wo die

nördlichsten Kiefernwaldungen der Erde sind. In Südeuropa wächst

sie nur auf Gebirgen; in Griechenland, namentlich auf den Gebirgen

Makedoniens, wird sie in über 2000 m Höhe, wie an der Baumgrenze im

Norden, strauchartig. Der 25-33 m hohe Baum bildet nach erreichtem

Höhenwachstum seine zuvor pyramidenförmige Krone schirmförmig aus. Der

0,6-1,2 m dicke Stamm ist mit dicker, längsrissiger Borke bedeckt,

die unten schwarzgrau, weiter oben rotbraun und zu oberst leuchtend

braungelb gefärbt ist. Im freien Stande ist sie der Länge nach mit

Ästen besetzt und blüht vom 15. Jahre an, während sie in geschlossenen

Beständen bis hoch hinauf die infolge Lichtmangels abgestorbenen Äste

abwirft, nur eine unbedeutende, lockere Krone bildet und erst vom 50.

Jahre an blüht. Durch die tief in den Boden eindringenden Wurzeln ist

die Kiefer sturmfester als die nur ein oberflächliches Wurzelwerk

ausbildende Fichte, leidet aber an ihrer weit ausgreifenden, fast

kuppelförmig gewölbten Krone mehr durch Schneedruck als jene. Die

Nadeln der Kiefer sind länger und dünner als diejenigen der Fichte und

Tanne, 2,5 bis fast 8 cm lang, matt blaugrün, sind im Querschnitt

halbkreisförmig und kommen, mit der abgeflachten Seite gegeneinander

gestellt, zu je zweien aus einer häutigen Scheide, die eigentlich ein

stark verkürzter Seitentrieb ist. Sie werden im Alter dunkler grün,

sind von mehreren Harzgängen durchzogen und fallen im Herbst des

dritten oder vierten Jahres ab. An der Spitze der hellgrünen, jungen

Triebe erscheinen im April und Mai gestielte, kugelige Zäpfchen von

bräunlichroter Farbe, die Samenblüten, während am Grund anderer die

reich mit goldgelbem Pollen gefüllten grünen, männlichen Blütenkätzchen

hervorbrechen. Dieser ergießt sich so reichlich, um vom Winde auf die

weiblichen Blüten getragen zu werden, daß er nach einem Gewitterregen

die Oberfläche von Wasserrinnen und Gräben dicht überzieht; so ist

es begreiflich, daß man einst, bevor man die Natur dieses Überzuges

erkannt hatte, die Fabel vom Schwefelregen erfinden konnte. Die Zapfen

der Kiefer sind erst im Spätherbst des zweiten Jahres ausgereift, sie

sind dann mattgrau, eiförmig, öffnen sich aber erst im März des dritten

Jahres durch Auseinanderweichen der holzigen Fruchtblätter, um die nach

oben in einen langen, häutigen Flügel auslaufenden Samen vom Winde

entführen zu lassen. Aber auch wenn sie geleert sind, bleiben sie noch

lange am Baume hängen, bis sie der Wind abreißt. Dann werden sie als

„Kienäpfel“ vielfach gesammelt und geben ein gutes Brennmaterial.

Die junge Kiefer braucht zu ihrem Gedeihen reichliche Belichtung und

ist deshalb mit sehr raschem Jugendwachstum ausgestattet, das ihr

erlaubt, sich bald über die langsamer wachsenden Holzarten ihrer

Umgebung hinauszuheben. Dabei kommt der regelmäßige Aufbau der

jährlichen Astquirle besonders klar zum Ausdruck, zumal die Kiefer

niemals Ästchen zwischen den Quirlen entwickelt. Auch ihre lichte

Zweigstellung weist darauf hin, daß sie mehr Sonne und Licht bedarf

als Tanne und Fichte. Da in diesem Falle der Stamm besonders der

Erwärmung ausgesetzt ist, kann ihm die dicke Schutzborke, durch die

sich die Licht liebenden Hölzer im allgemeinen von den Schatten

ertragenden Baumarten unterscheiden, nur von Vorteil sein. Um junge

Kiefernpflanzen zu erzielen, sät man den Samen in Rillen und verpflanzt

in der Regel die einjährigen, seltener die zweijährigen Pflänzchen

in die Bestände, die vierjährigen müssen, wenn sie nicht eingehen

sollen, sorgfältig mit Ballen versehen sein. In Mischbeständen bleibt

die Kiefer gesunder als in reinen Beständen. Sie wächst in der ersten

Hälfte ihres Lebens viel schneller als in der zweiten, vom 50. bis 80.

Lebensjahre wächst sie langsamer, aber gleichmäßiger fort und erreicht

ein Alter von ungefähr 300 Jahren. Das gelbliche bis rötlichweiße

Holz besonders der nicht zu rasch aufgeschossenen Stämme ist infolge

seines Harzreichtums sehr dauerhaft und deshalb besonders zu Erd- und

Wasserbauten viel begehrt. Früher wurden mit Vorliebe Schiffsmasten aus

ihm hergestellt, während man es neuerdings mehr zu Eisenbahnschwellen

und zur Holzpflasterung verwendet. Besonders gut eignet sich dazu das

engringige skandinavische Kiefernholz, während als Zimmerholz dasjenige

der amerikanischen Kiefern, besonders das ~pitchpine~, vorgezogen wird.

Aus dem harzreichen Stockholze gewann man früher mehr als heute Kienöl

und Kienruß; außerdem liefert die Kiefer Terpentin, Teer und Pech, die

Rinde Gerbstoff. Die gallertartige, süße Borke wird in Schweden roh und

zubereitet gerne gegessen. Die Kiefer hat besonders unter den Insekten

eine große Anzahl gefährlicher Feinde, unter denen der Kiefernspinner,

die Nonne, die Kieferneule, der Kiefernspanner, der große und kleine

Kiefernrüsselkäfer, die große und kleine Kiefernblattwespe und der

Kiefernmarkkäfer zu nennen sind.

Im Gebirge ist die Kiefer durch die +Bergkiefer+, auch +Knieholzkiefer+

oder +Legföhre+, +Latsche+ genannt (~Pinus montana~ früher ~P.

pumilio~) vertreten. Sie ist außerordentlich anpassungsfähig an die

verschiedensten Standorte, wechselt dementsprechend außerordentlich

in bezug auf Wuchs, Form und Aussehen, so daß schon Sachkenntnis

dazu gehört, sie unter allen Umständen zu erkennen. In der baumlosen

Hochgebirgsregion -- in den Alpen von 1400-2000 m Höhe -- überzieht

sie als niederes, dem Boden angedrücktes Knieholz sehr weite Flächen

und bildet einen vortrefflichen Schutz gegen Lawinengefahr, da sie,

wegen ihrer großen Biegsamkeit den Schneedruck aushaltend, große

Schneemassen festzuhalten vermag. Andererseits gedeiht sie auch

im lockeren Flugsande der Dünen, wo sie, besonders in Dänemark,

zur Festhaltung des Sandes angepflanzt wird. Zu ihren natürlichen

Standorten gehören auch die ausgedehnten Hochmoore des Alpenvorlandes,

wo sie bald strauchartig ihre Äste bogenförmig vom Boden erhebt, bald

als aufrechter, bis 15 m Höhe erreichender Baum mit Kiefern und

Birken vermischt kleine Bestände bildet. Diese letztere Form wird auch

als „Spirke“ bezeichnet, während bei der eigentlichen Legföhre der

Stamm dem Boden anliegt und erst gegen die Spitze zu sich allmählich

aufrichtet, um der Sonne entgegenzustreben.

Alle Formen der Bergkiefer unterscheiden sich von der gemeinen Kiefer

durch eine nach Stärke und Färbung viel mehr an die Fichte als an die

Kiefer erinnernde Borke, durch gedrungenen Wuchs, durch dauerhaftere,

dunkelgrüne, kürzere und dickere Nadeln und kleine nicht mattgraue,

sondern glänzend braune, nach dem Aufspringen fast kugelige Zapfen. Das

dichte, feine Holz dient zu Drechslerarbeiten und Schnitzereien; auch

gewinnt man aus ihm statt Terpentinöl das besonders zu Inhalationen bei

Bronchitis beliebte Latschenöl, das ein altes Volksheilmittel ist und

besonders in Bayern und Tirol viel angewandt wird.

Vom Wienerwald bis Sizilien, von Südspanien bis nach Kleinasien findet

sich, zumeist in Korsika, im Apennin und in Bithynien, die der gemeinen

Kiefer ähnliche, aber mit grauschwarzer Borke und dunklen, grünen

Nadeln versehene, 30-38 m hohe +Schwarzkiefer+ (~Pinus laricio~) mit

pyramidenförmiger Krone, die sich erst im Alter wölbt. Sie ist der

schon mehrfach in der Ilias als ~peúkē~ genannte Baum, der schon bei

den alten Griechen zur Terpentin- und Harzgewinnung ausgebeutet wurde.

Das harzreiche Holz wurde, weil nicht faulend, besonders zu Pfählen,

dann aber auch zur Herstellung von Fackeln verwendet. Die Fackelmacher

bildeten im alten Griechenland ein besonderes Gewerbe. In derselben

Weise wurde sie bei den Römern ausgebeutet. Heute wird sie besonders in

Frankreich zur Harzgewinnung kultiviert, wie in den österreichischen

Alpen ihre Abart, die +österreichische Kiefer+ (~Pinus nigricans~).

Bei uns wird neuerdings die aus Österreich eingeführte Schwarzkiefer

infolge ihrer überaus großen Genügsamkeit in bezug auf den Boden zur

Aufforstung von Ödland verwendet; doch kann sich ihr Holz an Güte mit

demjenigen unserer gemeinen Kiefer nicht messen.

Ebenfalls zur Harznutzung wird die in Südeuropa und Kleinasien im

Gebirge nahe der Meeresküste häufig angetroffene +Strandkiefer+ (~P.

maritima~) benützt. Im Westen von Algerien bildet sie noch ausgedehnte

Wälder. Der schöne, 25-30 m hohe Baum mit pyramidenförmiger Krone,

langen, dunkelgrünen, etwas gekrümmten Nadeln und braunen Zapfen ist in

fast alle am Meere gelegene Länder eingeführt worden. Vornehmlich aber

der Terpentingewinnung dient die als +Terpentinkiefer+ (~P. pinaster~)

bezeichnete Abart derselben. Der sehr hoch werdende Baum hat einen

grauschwarzen Stamm, sehr rauhe Äste mit ziemlich dicken, lebhaft

grünen Nadeln und grauen Zapfen und wird auf dem dürren Heideboden

der Landes in Südwestfrankreich im großen zur Terpentingewinnung

kultiviert. Ihr wurde von der Wissenschaft die Bezeichnung der alten

Römer für Kiefer, ~pinaster~, gegeben.

Den lateinischen Namen ~pinus~ dagegen erhielt von den Römern die in

Südeuropa heimische +Pinienkiefer+ oder +Pinie+ (~Pinus pinea~), ein

12-16 m hoher Baum mit malerischer Schirmkrone, 13-20 cm langen

Nadeln mit 11-13 cm langen Zapfen mit eßbaren Samen, Piniennüsse

oder, nach dem italienischen ~pignoli~, als Pignolen bezeichnet. Er

bildet heute noch stellenweise in Griechenland und Italien Wälder, von

denen der Pineta genannte Pinienwald bei Ravenna der bekannteste ist.

(Taf. 97.) Der ältere Plinius gibt uns eine eingehende Beschreibung

der Kultur der Pflanze, von der der Dichter Vergil sagt: „Die Pinie

(~pinus~) ist der schönste Baum der Gärten, die Esche (~fraxinus~)

der schönste Baum der Wälder, die Pappel (~populus~) der schönste der

Flüsse, die Tanne (~abies~) aber der schönste der Hochgebirge.“ Das

häufigste und nützlichste Nadelholz Griechenlands aber war die von den

alten Hellenen ~pítys~ genannte +Aleppokiefer+ (~Pinus haleppensis~)

mit 7-9 cm langen, fadenförmigen Nadeln und 8-10 cm langen,

übergebogenen, kegelförmigen Zapfen. Mit letzterem, der auch von der

gemeinen Pinie genommen wurde, war der mit Efeu und Weinlaub umwundene

Thyrsosstab der Bacchanten gekrönt, weil mit dem von diesem Baume

gewonnenen Harz der Wein zur Konservierung „resiniert“, d. h. geharzt

wurde. Mit einem Kranze aus seinen Zweigen wurden die Sieger der dem

Meergotte Poseidon zu Ehren alle zwei Jahre abgehaltenen Isthmischen

Spiele an der den Peloponnes mit dem übrigen Griechenland verbindenden

Meerenge von Korinth geschmückt. Seine Stämme lieferten den Griechen

außer Harz und Terpentin das beste Schiffsbauholz.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 71 / 81 段