Die +Berberitze+ (~Berberis vulgaris~) wird zum erstenmal im

Drogenverzeichnis des Platearius aus dem 12. Jahrhundert erwähnt;

ihr Name scheint arabischen Ursprungs zu sein. Im 16. Jahrhundert

erfreute sie sich großer Beliebtheit und wurde aus ihren Beeren in

Frankreich und Deutschland ein Wein gemacht. Der +Brombeerstrauch+

(~Rubus fruticosus~), dessen Früchte ein beliebtes Kompott geben und

von jeher vom Menschen gerne gegessen wurden, hieß bei den Griechen

~bátos~, bei den Römern dagegen ~rubus~ und seine Frucht wegen deren

Ähnlichkeit mit der Maulbeere ~morum~. Dioskurides und Plinius sagen,

daß der Brombeerstrauch den Menschen die eßbaren Früchte liefere, die,

wie auch die Blätter, zu Heilzwecken gebraucht werden. Und Palladius im

4. Jahrhundert n. Chr. schreibt: „Im September sammelt man Brombeeren,

preßt ihren Saft aus, läßt ihn etwas gären, mischt dann ein Drittel

Honig hinzu und kocht die Mischung bis zur Honigdicke ein.“ Wie im

Altertum wurden auch im Mittelalter neben den Früchten die Blätter und

jungen Schößlinge der Brombeere als Arznei benutzt. In Karls des Großen

~Capitulare de villis~ vom Jahre 812 wird ein mit Honig und Gewürzen

bereiteter Brombeerwein als ~moratum~ erwähnt, der ebenso wie das aus

Maulbeeren hergestellte gleichlautende Getränk das ganze Mittelalter

hindurch in Klöstern wie in Bürgerhäusern gerne getrunken wurde.

In den lateinischen Glossen des Abtes Caesarius von Heisterbach im

Siebengebirge bei Bonn aus dem 13. Jahrhundert heißt es: „Unsere Leute

werden gehalten, Brombeeren zu sammeln zur Bereitung des Moratum für

Feierlichkeiten, kranke Klosterbrüder und hohen Besuch.“

Im Altertum wie im Mittelalter wurde sprachlich nicht zwischen

Brombeere und Himbeere unterschieden. Der griechische Arzt Dioskurides

nennt beide ~bátos~ und unterscheidet letztere von der ersteren durch

den Zusatz ~idaía~, weil sie in Menge auf dem (Berge) Ida wachse.

Er sagt von den beiden: „Der Himbeerstrauch ist viel zarter als der

Brombeerstrauch, hat nur kleine Stacheln und findet sich auch ganz ohne

Stacheln (was übrigens auch jetzt noch der Fall ist). Man benutzt beide

Sträucher in derselben Weise.“ Nach dem griechischen Beispiele nannten

auch die Römer (z. B. Plinius) die Himbeere im Gegensatz zur Brombeere

~rubus idaeus~. Die +Himbeere+ (~Rubus idaeus~), aus deren Früchten

ebenfalls ein wohlschmeckender Beerenwein gekeltert werden kann, wurde

teilweise schon im Mittelalter in Klostergärten angepflanzt. Vom 16.

Jahrhundert an wurde sie dann auch sehr häufig in den Gärten der

Bürgersleute kultiviert. Der im Jahre 1560 in Basel als Sohn eines

Refugianten aus Amiens in der Picardie geborene Kaspar Bauhin sagt in

einem 1598 in Frankfurt a. Main erschienenen Werke botanischen Inhalts,

daß die Himbeere in Böhmen aus den Wäldern in die Gärten verpflanzt

sei, und Clusius unterscheidet in seiner 1610 in Antwerpen erschienenen

Geschichte seltener Pflanzen rote und weiße (gelbe) Himbeeren. Zu

unserer einheimischen kam im 19. Jahrhundert die +kanadische Himbeere+

(~R. odoratus~), deren große, rote, in Doldentrauben gehäufte Blüten

mit leichtem Wohlgeruch flache, rötliche Früchte hervorgehen lassen,

die aber zum Essen keinen besonderen Genuß gewähren. Deshalb wird der

mit großen, mehrlappigen Blättern besetzte Strauch bei uns nur als

Zierpflanze kultiviert.

Die +Erdbeere+ (~Fragaria vesca~) finden wir zum erstenmal bei Ovid

und Vergil im 1. Jahrhundert v. Chr. als ~fragum~ erwähnt. Plinius der

Ältere vergleicht die Frucht mit derjenigen des Erdbeerbaums (~unedo~)

und sagt, daß beide sich durch ihre Substanz unterscheiden. Nutzpflanze

war sie auch im Mittelalter nicht bloß ihrer Früchte, sondern auch

der Blätter wegen, die vielfach als Heilmittel benutzt wurden.

Kulturpflanze aber wurde sie erst im 16. Jahrhundert. In einem 1537 in

Basel erschienenen botanischen Werke erzählt Ruellius, daß die Erdbeere

in die Gärten verpflanzt werde, damit sie größere Früchte gebe, und

daß dabei die roten Früchte sich teilweise in weiße umgeändert hätten.

Ähnliche Angaben finden sich auch bei den deutschen Vätern der Botanik.

Bei Elsholtz 1690 werden noch dieselben Varietäten der Walderdbeere als

Gartenpflanzen genannt, ebenso bei Weinmann in Regensburg 1737. Es hat

also lange gedauert, bevor amerikanische Erdbeeren nach Deutschland

gelangten; denn nach Alphonse de Candolle wurde die frühreife

+nordamerikanische Erdbeere+ (~Fragaria virginiana~) mit großen, fast

kugeligen, tiefgrubigen, scharlachroten Früchten aus Virginien erst

1629 in englische und die +chilenische Erdbeere+ (~F. chilensis~) mit

den größten Früchten unter allen Erdbeerarten 1715 in französische

Gärten eingeführt. Letztere Art wurde zuerst am ~Musé d’histoire

naturelle~ in Paris gepflanzt und von da verbreitete sie sich nach

England, Deutschland und den übrigen Ländern Europas. Bastardformen

beider hat dann die europäische Gartenkultur in den Ananaserdbeeren

hervorgebracht, deren große, wohlschmeckende Früchte heute in solchen

Mengen auf den Markt kommen, daß sich auch der Unbemittelte an ihnen

für wenig Geld erlaben kann.

Über die chilenischen Erdbeeren schreibt Professor Otto Bürger in

seinem 1909 erschienenen Buche: Acht Lehr- und Wanderjahre in Chile:

„Die erste Frucht des Frühlings ist die +Erdbeere+. Ende Oktober bis

in den Dezember hinein hört man schon früh morgens die Frutilleros,

die Erdbeerenverkäufer, welche von Renca und Conchali kommen, ihre

Ware, die in zwei Körben aus rohen Häuten über einem Maultiere hängt,

ausrufen: „~la frutilla, la frutilla~“ oder „~el frutillero, el

frutillero; compra la frutilla~!“ Und dann kann man 100 Mammuterdbeeren

anfänglich für 60-50 (1 Mark bis 85 Pfennige), später für 40-30

Centavos (68-51 Pfennige) erstehen.“

„Die Frutilla (~Fragaria chilensis~) ist eine einheimische Art, in den

mittleren und südlichen Provinzen, vornehmlich in der Vorkordillere

von Nuble und im Bereich der Küste von Concepción bis zum Rio Palena

und vielleicht bis zur Magelhaensstraße verbreitet. Die Erdbeere ist

das einzige chilenische Gewächs, welches wegen seiner Früchte nach

Europa verpflanzt wurde. Dem französischen Gelehrten und Reisenden

Frezier gebührt solches Verdienst. Er nahm im Jahre 1712 oder 1713

fünf Pflänzchen von Concepción mit, von denen er aber zwei dem Kapitän

seines Schiffes als Vergütung für das zum Begießen erforderliche süße

Wasser zu belassen hatte. Die übrigen drei brachte er nach Frankreich,

und sie riefen alle jene großen Kulturen ins Leben, welche es bis

1820 gab; dann erst gestattete die größere Handelsfreiheit einen

Nachschub (Cl. Gay, ~Agricultura~, Bd. 2, S. 113-114). Nachdem sich

die chilenische Erdbeere in Europa veredelt hatte und zu riesigen

Dimensionen gezüchtet worden war, wurde sie wiederum nach Chile

verschifft und gab hier jenen ausgedehnten Erdbeerchacras (~chacra~,

aus der indianischen Quetschuasprache Perus entnommener Ausdruck

für kleines Landgut) den Ursprung, wie sie bereits in der Mitte des

vorigen Jahrhunderts um Santiago herum bestanden. Namentlich von

Kindern wird noch eine kleine Sorte als ~fresa~ angeboten, die der

Chilene gern zur Bowle nimmt -- er braut sich ein solches Getränk aus

zerquetschten Erdbeeren und Weißwein. Diese stammt von der gemeinen

europäischen Erdbeere ab, die 1830 nach Chile eingeführt wurde.“ Von

den über 400 Erdbeerarten, die von unseren Gärtnern durch Kreuzungen

und Kulturpflege erzielt wurden, ist außer den vorgenannten besonders

auch die +großblumige+ oder +Ananaserdbeere+ (~Fragaria grandiflora~)

aus Surinam mit großen, scharlachroten, verschieden geformten, meist

breiter als hohen, unregelmäßigen, oft fast gelappten Scheinbeeren zur

Bastardierung benutzt worden.

Die +rote Johannisbeere+ (~Ribes rubrum~) war den Griechen und Römern

unbekannt. In Griechenland wächst dieser Strauch überhaupt nicht und

in Italien nur auf den Gebirgen im Norden des Landes und dort auch

nur spärlich. Sonst ist diese Pflanze in ganz Mittel- und Nordeuropa,

in Skandinavien, Nordrußland und Sibirien, wie auch auf dem Himalaja

heimisch. Der Johannisbeerstrauch soll angeblich durch die Normannen

nach Frankreich, von da nach Spanien und der Schweiz gekommen sein,

was aber sicher unrichtig ist. In den Schriften des Mittelalters wird

die Johannisbeere vor dem 15. Jahrhundert nicht erwähnt. Überhaupt

hat man in Mitteleuropa, wie Lauenstein feststellte, bis zur ersten

Hälfte des 13. Jahrhunderts noch keinerlei Beerensträucher kultiviert,

dafür sammelte man die wildwachsenden Beeren. Erst zu Beginn des 15.

Jahrhunderts wird die Johannisbeere zum erstenmal in einem Manuskript

genannt, das die Glosse „~ribes sunt Johannesdrübel~“ enthält. Noch in

den Jahren 1484 und 1494 wird sie in einem Mainzer und Passauer Herbar

als ~sant johans trublin~ sehr mangelhaft abgebildet. Der aus den

zerdrückten Früchten ausgepreßte Saft wurde zu Sirupdicke eingekocht

und gegen Magenleiden und Fieber gegeben. Noch im Jahre 1557 wurde sie

in England nicht kultiviert, da sie nicht auf der Liste der damals dort

angebauten Beerenobstarten figuriert, und selbst im Jahre 1597 war

sie in Frankreich eine Seltenheit und besaß noch keinen Eigennamen.

Sie wurde damals dort als ~groseille d’outremer~ bezeichnet, wie sie

jetzt noch in Genf ~raisin de mare~ und im Kanton Solothurn in der

Schweiz Meertrübli genannt wird, indem man sich einbildete, sie sei

übers Meer in die betreffenden Gegenden gekommen, was sicher unrichtig

ist. Nur das eine läßt sich aus solchen Ausdrücken erkennen, daß die

Johannisbeere als etwas Fremdes, von auswärts Importiertes in diese

Länder kam.

Der Name ~ribes~, den die Pflanze in den Arzneibüchern des 16.

Jahrhunderts erhielt, beruht auf einer Verwechslung. Die Araber

benutzten nämlich unter dieser Bezeichnung eine auf den Gebirgen

Syriens wachsende Rhabarberart (~Rheum ribes~), die in Europa

vollständig fehlt, als geschätztes Heilmittel. Der Arzt Serapion,

der im 13. Jahrhundert in Spanien oder Marokko gelebt haben soll,

weiß noch, daß der echte ~ribes~ in Syrien wächst, aber er sagt, daß

einige Autoren den Sauerampfer, ~acetosa~, darunter verständen. Der

Arzt Mattheus Sylvaticus führt außer Sauerampfer auch noch ~coccus~

als Surrogat des echten ~ribes~ der Araber an. Letzteres sind aber

die Kermeskörner, die durch den Stich der Kermesschildlaus (~Coccus

ilicis~) hervorgerufenen Auswüchse der in Südeuropa und im Orient

einheimischen Kermeseiche (~Quercus coccifera~), die als rote,

runde, etwas säuerliche Kermeskörner bis vor etwa hundert Jahren in

den Apotheken gebräuchlich waren und deren frischer Saft mit Zucker

eingekocht als Alchermeskonfekt feilgeboten wurde. Beim weiteren Suchen

nach der arabischen Heilpflanze ~ribes~ kam man dazu, die Beeren des

Johannisbeerstrauches in Nordeuropa arzneilich zu verwenden und der

Pflanze diesen Namen zu geben, der ihm als ~ribs~ im Dänischen und

~rips~ im Schwedischen bis auf den heutigen Tag verblieb.

Gegen das Ende des 14. Jahrhunderts kam der Johannisbeerstrauch

zuerst in Süddeutschland in Kultur, indem seine Beeren medizinische

Verwendung fanden. Hier reift er schon um Johanni (24. Juni) und wurde

deshalb in Verbindung mit seiner Ähnlichkeit mit den Trauben als ~sant

johannis trübelin~ bezeichnet. In dem 1539 zum erstenmal in Straßburg

herausgegebenen „Kreuterbuch“ des Hieronymus Bock heißt es von ihm:

„Das holdselige beumlin, daz die wolschmeckende rohte Johanns Treublein

bringet, würt fast inn den Lustgärten gepflantzet.“ Von hier aus hat

sich die Kultur des Beerenobstes nach Westen und Norden verbreitet.

In Norddeutschland finden wir es zum erstenmal im niederdeutschen

„Gaerde der suntheit“, Lübeck 1492, wo es Ribes und Sunte Johansdruuen

genannt wird. Von Frankreich, wo die Johannisbeere zuerst in einem

1536 in Basel gedruckten dreibändigen lateinischen Werke von J.

Ruellius erwähnt wird, kam sie nach Belgien und Holland und von da nach

England. Gegen das Ende des 16. Jahrhunderts kannte man verschiedene

Kulturrassen der Johannisbeere, und C. Clusius erhielt im Jahre 1589

aus Amsterdam eine vermutlich in England gezüchtete weißbeerige Form,

die vorher nicht bekannt war.

Im 16. Jahrhundert, als man überall bestrebt war, neue Pflanzen in

die Gärten aufzunehmen, hat man die Johannisbeere zuerst nach Italien

gebracht. In einem 1561 in Straßburg gedruckten lateinischen Werke

des Zürchers Konrad Gesner wird erwähnt, daß in Florenz eine rote

Johannisbeere vorkomme mit haselnußgroßen Früchten von sehr saurem

Geschmack. Heutigentags wird die Johannisbeere in Italien so gut wie

gar nicht kultiviert, denn sie gedeiht dort sehr schlecht. Das gleiche

ist in Griechenland der Fall, wo die Früchte ~tá phrangkostáphyla~,

d. h. Frankentrauben, genannt werden. Da nun die Griechen alle

Westeuropäer Franken nennen, so gibt dieser Name an, woher die

Johannisbeere nach Griechenland gelangte.

Die +schwarze Johannisbeere+ (~Ribes nigrum~), gleich der vorigen mit

Blütentrauben versehen, von ihr aber durch schwarze Beeren verschieden,

war im Altertum den Griechen und Römern ebensowenig als die rote

Johannisbeere bekannt. Sie hat wie diese ihre Heimat weiter nördlich

in Mittel- und Nordeuropa, durch ganz Sibirien bis zum Amur und im

Westhimalaja und wächst in feuchten Wäldern. Erst in der zweiten Hälfte

des 16. Jahrhunderts wurde man auf sie aufmerksam, zunächst wohl durch

ihre Ähnlichkeit mit der roten Johannisbeere. Aber die Früchte, die

einen entschiedenen Geschmack nach Wanzen haben, fand man zunächst

durchaus nicht angenehm. Erst später gewöhnte man sich daran und

viele fanden ihn sogar höchst angenehm, so daß man seine Früchte wie

diejenigen der roten Johannisbeere zu Konfitüre und Gelee einmachte.

R. Dodonaeus gibt in seiner 1583 zuerst erschienenen Botanik eine gute

Abbildung von ihr, sagt aber, daß sie nur selten in Gärten angebaut

werde. Le Grand d’Aussy berichtet in seinem 1782 veröffentlichten

Buche ~Histoire de la vie privée des Français~, daß der von ihm

~cassis~ genannte Strauch seit kaum 40 Jahren in den Gärten Frankreichs

gepflanzt werde, und zwar nur infolge einer Broschüre, die dieser

Pflanze alle nur erdenkbaren guten Eigenschaften andichtete. Aus seinen

Früchten wird ein beliebter, sehr wohlschmeckender Likör bereitet.

Wie die rote und schwarze Johannisbeere ist die +Stachelbeere+ (~Ribes

grossularia~) im gemäßigten und nördlichen Europa und im sibirischen

Waldgebiet bis zur Mandschurei und Nordchina, ebenso im westlichen

Himalaja und auf dem Atlasgebirge einheimisch. Die Griechen und Römer

kannten sie nicht, auch nicht in wildem Zustande. Der Strauch wird

zuerst in einem Psalmenbuch des 12. Jahrhunderts als ~groiselier~ zur

Bezeichnung eines Dornenstrauchs und die Frucht vom Trouvère (= dem

provenzalischen Troubadour) Rutebeuf im 13. Jahrhundert als ~groiselle~

erwähnt. Die Umstände, unter denen dies geschieht, sind aber solcher

Art, daß diese Bezeichnung nach den Ausführungen von Fischer-Benzon

eher auf den Weißdorn als auf die Stachelbeere zu beziehen sind.

Jedenfalls kann in diesen beiden Fällen nur eine wildwachsende Pflanze

gemeint sein. Die erste unzweideutige Erwähnung des Stachelbeerstrauchs

finden wir im bereits erwähnten, 1536 in Basel gedruckten lateinischen

Buche von J. Ruellius, der darin von ihr folgendes sagt: „Die Beere

des dornigen Strauches wird im unreifen Zustande wegen einer nicht

unangenehmen Säure statt saurer Trauben zu Saucen oder Suppen benutzt.

Da sie gleichsam das Aussehen einer Feige (~grossulus~) aufweist,

nennt das Volk den Strauch ~grossularia~ (~groseillier~) und die

Frucht ~grossula~ (~groseille~). Nach erlangter Reife wird die Beere

so süß, daß sie gegessen werden kann; dennoch wird sie bei üppigen

Mahlzeiten verschmäht, wohl aber von schwangeren Frauen begehrt.“

Weiter sagt er, daß die Stachelbeere in den Gärten häufig zu finden

sei. Da er 1474 geboren wurde, so reicht seine Erinnerung bis in das

15. Jahrhundert zurück, und wir müssen annehmen, daß er sie allerdings

in sehr wenig veredelter Form schon als Kind kannte. In Deutschland

erwähnen sie zuerst Hieronymus Bock 1539 und Konrad Gesner 1542 als

noch wenig bekannte Gartenpflanze. Sie nennen sie Grosselbeere und

~grossularis~ und empfehlen sie in erster Linie als Heckenpflanze. Erst

gegen das Ende des 16. Jahrhunderts war die Kultur der Stachelbeere

in Deutschland ziemlich allgemein geworden und erzog man bald

bessere, großfrüchtige Sorten. Im Jahre 1589 erhielt der Franzose

Carolus Clusius, Botanikprofessor in Leiden, von Carolus de Tassis,

Bürgermeister von Amsterdam, eine aus England erhaltene Stachelbeere

mit roten Früchten und 1514 sah er im Garten zu Leiden eine Sorte mit

dunkelroten Früchten, während er vorher nur grüne Stachelbeeren mit

größeren Früchten als die wilden Arten gekannt hatte. Das eine steht

fest, daß die Stachelbeere als Kulturpflanze von Westen nach Osten

und Norden wanderte. In Leiden gedeiht sie schlecht, noch schlechter

als die Johannisbeere. Das französische ~groseillier~ und ~groseille~

bezeichnete ursprünglich den Stachelbeerstrauch und seine Frucht,

während die Johannisbeere durch die Zusätze ~rouge~ und ~d’outre mer~

von ihm unterschieden wurde, heute bedeutet es die Johannisbeere, von

der man die Stachelbeere als ~grosseille à maquereaux~ unterscheidet.

Gegenwärtig werden als reife Speisebeeren die zum Teil taubeneigroßen

Formen bevorzugt, welche ursprünglich in England gezüchtet wurden

und gern hochstämmig gezogen werden. Hierzu pfropft man die Stachel-

wie die Johannisbeeren auf Stämmchen der früher besprochenen,

1812 aus Nordamerika in unsere Gärten verpflanzten goldgelb

blühenden Johannisbeere (~Ribes aureum~). Mehrere amerikanische

Stachelbeersträucher werden bei uns als Ziersträucher kultiviert.

Wie Johannis- und Stachelbeere hat der Mensch auch die Himbeer- und

Brombeerstaude in Pflege genommen und durch Kulturauslese bedeutend

veredelt, während Heidel- und Preißelbeeren nach wie vor nur im wilden

Zustande bekannt sind und noch immer wie in der Urzeit dem Menschen

reichen Ertrag liefern. Die +Heidelbeere+ (~Vaccinium myrtillus~)

durchzieht den Waldboden mit ihren unterirdischen braunen Sprossen wie

ein dichtes Netzwerk, treibt grüne, kantige Stengel, deren jeweilige

Triebspitze bald das Wachstum einstellt, während seitlich unter ihr ein

neuer Trieb abzweigt. Dadurch erhalten die beblätterten Stengel ihre

eigenartige Verzweigung. Die rötlichgrünen, kugeligen Blüten hängen

einzeln an den Ästchen und lassen nach der Befruchtung durch Insekten

jene wohlbekannten schwarzblauen, dunkel bereiften Beeren hervorgehen,

die vermöge der Färbekraft ihres dunkelroten Saftes vielfach der

„Rotwein“fabrikation dienen. Die eiförmigen, dünnen Blätter der

Heidelbeere fallen im Herbste ab, während dies bei den lederigen

Blättern der immergrünen +Preißelbeere+ (~V. vitis idaea~) nicht der

Fall ist. Letztere ist nicht nur im Walde zu Hause, wie erstere,

sondern bedeckt auch weite Strecken auf dürrem Heideboden. Ihre

rötlichweißen, glockigen Blüten drängen sich in Trauben am Triebende

zusammen. Die leuchtendroten Beeren reifen erst nach den Heidelbeeren

und werden weniger frisch verwendet als diese, um so mehr aber in

eingemachtem Zustande.

Seltener ist die auf Moorboden wachsende +Rauschbeere+ oder

+Sumpfheidelbeere+ (~V. uliginosum~), deren große, schwarze,

hellbereifte Früchte ebenfalls eßbar, aber von fadem Geschmack, wenn

auch nicht berauschend sind, wie man früher fälschlicherweise glaubte,

weshalb man sie Rauschbeeren nannte. Sie sind indessen narkotisch

und bewirken, in Menge genossen, Kopfschmerzen und Erbrechen. Die

Pflanze mit viel größeren und kantigen, braunroten Zweigen wie bei

der Heidelbeere und bläulichgrünen, ganzrandigen Blättern, trägt viel

zur Torfbildung bei. Die +Moosbeere+ (~V. oxycoccos~) dagegen, die

besonders auf den mit Torfmoos überzogenen Moorgründen der Hochmoore

gedeiht, ist ein kleines Sträuchlein mit fadenförmigem Stengel,

zierlichen, immergrünen Blättchen und an langem Stiele nickenden

rosenroten Blüten. Die roten, erst nach einem Froste genießbaren Beeren

sind nur für Nordeuropa, wo die Pflanze häufig vorkommt, wichtig und

werden wie die Preißelbeeren eingemacht. Eine größere Bedeutung hat

neuerdings die in Nordamerika einheimische, unserer Moosbeere sehr

ähnliche, nur größere +Kronsbeere+ (~V. macrocarpum~) erlangt, welche

ihrer genießbaren Früchte wegen auch bei uns zum Anbau auf Torfboden

empfohlen worden ist. In ihrer Heimat hat man sie, die man dort

~cranberry~ nennt, auf feuchtem Gelände in größerem Maße angepflanzt.

Sie gibt dort reiche Erträge an Beeren, die größer und billiger als

die Preißelbeeren sind. Viel kürzere Zeit sind zwei Brombeerarten

in Kultur, nämlich die nordamerikanische +Loganbeere+, die 4-6 cm

lange rotbraune Früchte von angenehmem Geschmack liefert, und die

japanische +Weinbeere+, die hellrote, von einem rotbraun behaarten

Kelch eingeschlossene, wohlschmeckende Beeren von der Größe einer

Himbeere liefert. Auch um die Veredelung des Beerenobstes hat sich

der Amerikaner Luther Burbank in Kalifornien in hohem Maße verdient

gemacht. Welch große volkswirtschaftliche Bedeutung die einheimischen

Waldbeeren besitzen und welchen Verdienst sie der sie meist kostenlos

einsammelnden ärmeren Bevölkerung bringen, kann man aus der Angabe

ermessen, daß der Ertrag daran in besonders guten Jahren für das Gebiet

einer einzigen Oberförsterei bis 100000 Mark betragen kann.

[Illustration:

Tafel 155.

Johannisbeer-Anpflanzung, teils buschig, teils hochstämmig gezogen, mit

dazwischen gepflanzten Erdbeeren.

(Anlage der Konservenfabrik Lenzburg.)]

[Illustration:

Tafel 156.

Zierbäume und Sträucher des Botanischen Gartens zu München. Im

Hintergrund der Glaspalast.]

Von weiteren Beerenfrüchten sind endlich noch diejenigen der +Mistel+

(~Viscum album~) zu nennen, deren zähschleimiger Inhalt bei uns zur

Herstellung von Vogelleim benutzt wird, während in Südeuropa hierzu

derjenige der +Riemenblume+ (~Loranthus europaeus~) dient. Dieser

Schmarotzer wächst vorzugsweise auf Eichenarten und Kastanien. Schon im

Altertum wurden die Beeren des Loranthus, der bei den Griechen ~ixía~

und bei den Römern ~viscum~ hieß, in dieser Weise verwendet, weshalb

der Vogelleim selbst bei jenen ~íxos~ und bei diesen ~viscum~ hieß. So

schreibt Dioskurides: „Der beste Vogelleim wird von der runden Frucht

eines Strauches bereitet, der auf der Eiche wächst und dessen Blätter

dem Buchsbaum (~pýxos~) ähnlich sind. Die Frucht wird zerstoßen, dann

gewaschen und in Wasser gekocht. Manche stellen den Vogelleim auch

kurzweg durch Kauen der Frucht her.“ Sein Zeitgenosse Plinius drückt

sich ihn ähnlicher Weise aus. Er sagt: „Der beste Vogelleim kommt

vom ~viscum~ der Steineiche (~robur~). Diese werden zur Erntezeit

gesammelt, wenn sie noch unreif sind; denn bei später folgenden

Regengüssen wachsen sie zwar noch, aber der Leimstoff nimmt ab. Man

trocknet sie, zerstößt sie in einem Holzmörser und kocht sie in Wasser,

bis nichts mehr obenauf schwimmt. Die zähe Masse wird dann, bevor sie

zum Vogelfang verwendet wird, mit Nußöl zusammengeknetet. Sie wird auch

zu erweichenden Pflastern verwendet. Manche glauben, das ~viscum~ werde

durch religiöse Einwirkung kräftiger, wenn man es nämlich bei Neumond

und ohne Eisen anzuwenden von der Steineiche sammle. Es sei dann auch

in andern Fällen wirksam, vorausgesetzt, daß es die Erde nicht berührt

habe.“

Daß diese Schmarotzer nur auf Bäumen und nicht auf der Erde gedeihen,

hat schon die Gelehrten des Altertums beschäftigt. Interessant ist, daß

schon Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. von der Verbreitung dieser

Misteln wußte, daß sie durch Vögel (vorzugsweise von der Misteldrossel)

bewirkt wird. Er schreibt in seiner Pflanzengeschichte: „Jedenfalls ist

es ein Wunder, daß die Ixia-Arten, welche doch eine tüchtige Frucht

haben, durchaus nicht in der Erde keimen. Sie wachsen nur auf Bäumen

und entstehen jeweilen aus Samen, die von Vögeln verschluckt worden und

mit deren Kot auf die Bäume gekommen sind. Manche Eichen tragen sowohl

die Riemenblume (~ixía~) als die Mistel (~hýphear~), und zwar wächst

erstere auf der Nordseite und letztere auf der Südseite des Baumes.“

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 69 / 81 段