Alleebaum im Innern der Städte die bisher dazu bevorzugten Linden zu
verdrängen, die gegen die zahlreichen sie treffenden Schädigungen
besonders empfindlich sind und deshalb sehr leicht eingehen, wenn
sie nicht von alters her standen und schon stark genug waren, um den
modernen Gefahren, besonders den Ausströmungen von Leuchtgas, zu
trotzen. Wie wenige der zahlreichen Lindenalleen und Gruppen alter
Linden bleiben am Leben, wenn die wachsende Stadt sie erreicht. Nicht
nur ist die +Linde+ (~Tilia~) dem Deutschen durch Sage und Sitte teuer,
sondern auch wegen ihres schnellen Wachstums, ihrem dichten Schatten
und dem angenehmen Duft ihrer Blüten. Sie bildet bei uns keine reinen
Waldbestände, sondern findet sich auch im Walde immer nur einzeln;
dagegen wächst sie in den russischen Ostseeprovinzen in größeren
Beständen. Überall in Deutschland ist die +kleinblätterige+ oder
+Winterlinde+ (~Tilia parvifolia~) mit beiderseits kahlen, unterseits
meergrünen, schon Mitte Mai ausschlagenden Blättern und einem größeren
Blütenreichtum die gemeinere, während die schon anfangs Mai ihr Laub
hervortreibende +großblätterige+ oder +Sommerlinde+ (~T. grandifolia~)
mit unterseits kurzbehaarten, beiderseits grünen Blättern und weniger
zahlreichen Blüten häufiger angepflanzt wird, da sie eine größere
Stärke und ein höheres Alter erreicht. Die guten Eigenschaften beider,
Blattgröße und Blütenreichtum, vereinigt ein durch Kreuzung beider
Arten gezogener Bastard, noch mehr aber eine andere Gartenform, die
als Kreuzung zwischen Winterlinde und der besonders großblätterigen
nordamerikanischen +Schwarzlinde+ (~T. americana~) aus Kanada
aufzufassen ist. Größere Bedeutung hat von fremden Arten außer der
+abendländischen Silberlinde+ (~T. alba~) aus Nordamerika mit auf der
Unterseite schwachbehaarten Blättern und großen Blüten hauptsächlich
die in Ungarn, der Türkei, in Griechenland und Kleinasien heimische
+morgenländische Silberlinde+ (~T. argentea~), die ~philýra~ der alten
Griechen, von der Plinius sagt, daß man sie zum Binden von Kränzen
gebrauche und seit alter Zeit in Ehren halte. Der niedere Baum ist
durch seine wunderbar regelmäßige, eiförmige Krone von unterseits dicht
weißfilzigen Blättern ein ganz besonderer Parkschmuck und hat zudem
den Vorzug, erst anfangs Mai zu blühen, wenn die einheimischen Linden
schon längst verblüht haben. Er verlängert also die Herrlichkeit der
Lindenblüte um einen vollen Monat, was nicht nur der Naturfreund,
sondern auch der Imker zu schätzen weiß. Die nicht selten gepflanzte
+grüne Linde+ (~T. euchlora~) aus dem Orient ähnelt der Winterlinde,
trägt aber größere, nicht rostfarbene Bärtchen in den Aderwinkeln wie
sie, sondern graue Haare und bleibt im Herbste länger grün.
Statt der Linden werden in den Straßen unserer Städte, wie auch
auf Dorfplätzen vielfach +Ulmen+ oder +Rüstern+ (~Ulmus~, aus
dem Keltischen ~elm~) angepflanzt. Wenn ihnen auch der Reiz des
Blütenduftes fehlt, so sind sie dafür widerstandsfähiger gegen
die Gefahren der Großstadt; doch dürfen sie nicht zu nahe an die
Häuserreihen angepflanzt werden, da ihre Wurzeln mit Vorliebe in die
Grundmauern dringen und da eine bedeutende Sprengwirkung ausüben
können. Leider werden deren Blätter sehr häufig von Blattläusen
besiedelt und durch allerlei Gallen verunstaltet. Von unseren
heimischen Arten ist die +Feldulme+ (~Ulmus campestris~) mit kurz
zugespitzten, eiförmigen Blättern weniger verbreitet als die +Bergulme+
(~U. montana~) mit verkehrteiförmigen, lang zugespitzten Blättern.
Beide bilden mancherlei Spielarten, von denen besonders die hängenden
Formen für kleine Gärten sehr geeignet sind, in denen sie mit ihrer
dichten, nach allen Seiten überhängenden Schirmkrone jede künstliche
Laube überflüssig machen. Daneben finden sich Formen mit streng
pyramidenförmigem Wuchse, bei andern ist das Laub dunkelrot oder
weißgefleckt oder eigenartig gekräuselt. Bei den alten Griechen hieß
die auch in Südeuropa noch gedeihende Feldulme ~pteléa~, bei den
Römern dagegen +ulmus+, und wurde hauptsächlich gepflanzt, um den
Weinreben als Stütze zu dienen. Mit Ulmenstöcken peitschten die Alten
ihre Sklaven, wenn sie sich etwas hatten zuschulden kommen lassen. Ihr
Holz, das in bezug auf Dauerhaftigkeit dem Eichenholze kaum nachsteht,
eignet sich vorzüglich als Bau- und Werkmaterial. Da es sich nicht
wirft, wurden aus ihm nach Theophrast besonders Türen angefertigt.
Columella unterscheidet außer der inländischen eine gallische Ulme,
die er ~atinia~ nennt und vorzugsweise anzupflanzen rät, da sie
üppiger als die italienische wachse und ihr Laub vom Rindvieh viel
lieber gefressen werde. Deshalb diente sie den Alten als wichtigster
Futterbaum und wurde als solcher nie aus Samen gezogen, sondern durch
Wurzelsprossen vermehrt. Außer den altweltlichen Ulmen werden in unsern
Anlagen auch noch einige amerikanische Arten, wie ~Ulmus americana~ und
~fulva~, angepflanzt. Zu ihnen kam neuerdings die +japanische Ulme+
(~Zelkowa keaki~), die ein treffliches Nutzholz liefert. Sie ist daran
erkenntlich, daß ihr scharf gezacktes Laub im Herbst sich prächtig rot
färbt und so einen überaus malerischen Anblick gewährt.
Den Ulmen nahe verwandt ist die als Zierstrauch bei uns angepflanzte
+hainbuchenblätterige Planere+ (~Planera carpinifolia~), nach dem
Erfurter Professor Joh. Jakob Planer (1743-1789) so genannt. Sie ist
im Kaukasus heimisch, gleicht den Ulmen, hat aber ungeflügelte Samen.
Ebenso wird in unsern Anlagen der winterharte +nordamerikanische
Zürgelbaum+ (~Celtis occidentalis~) kultiviert, der sich von den echten
Ulmen hauptsächlich durch seine Früchte unterscheidet. Diese sind
kirschenähnliche, orange- bis braunrotgefärbte, säuerlich schmeckende
Steinfrüchte. Größere, schwarze, süßliche Früchte hat der ihm sonst
ähnliche nordafrikanische, auch noch in Südeuropa wildwachsende
+gemeine Zürgelbaum+ (~C. australis~), der in Oberitalien und Südtirol
nicht selten angetroffen wird, zumal sein festes Holz von der
Landbevölkerung zu Peitschenstöcken und Blasinstrumenten begehrt wird;
bei uns gedeiht er aber nur in den wärmeren Lagen.
Gleichfalls in Südeuropa regelmäßig angebaut, um das Laub den
Seidenraupen zu verfüttern, wird der ostasiatische +weiße Maulbeerbaum+
(~Morus alba~). Bei uns wird er neben dem westasiatischen +schwarzen
Maulbeerbaum+ (~M. nigra~) mit schwarzvioletten statt wie bei jenen
weißen, süßlich sauer schmeckenden Früchten als Zierbaum in Parks
angepflanzt, kommt aber auch nur in wärmeren Lagen fort. Ebenso verhält
es sich mit dem aus dem südlichen Nordamerika als Zierbaum bei uns
eingeführten +amerikanischen Amberbaum+ (~Liquidambar styraciflua~)
mit handförmig gelappten Blättern. In seiner Heimat liefert er durch
Auskochen der zerkleinerten Zweige den zu Ofenlack und Räucherkerzen
verwendeten weißen Liquidambar.
Sehr beliebte Parkpflanzen sind auch die verschiedenen +Ahorn+arten
(~Acer~), deren doppelte Flügelfrucht die Kinder als Nasenreiter
benutzen. Sie sind am nächsten mit den Roßkastanien verwandt und
besitzen verschieden gelappte Blätter. Mehr in der Ebene und
auf niedrigem Gebirge bis zu einer Höhe von 1100 m wächst der
+spitzblätterige Ahorn+ (~Acer platanoides~), auch +deutscher
Zuckerahorn+ genannt, da sein Frühjahrssaft Zucker gibt, dessen
Gewinnung indessen nicht lohnt. Er ist ein allgemein beliebter
Alleebaum, der im Harze bis zu 450 m hinaufgeht und hier die
Nordgrenze seiner Verbreitung in Deutschland erreicht. Dagegen
ist der ebenfalls 20-25 m Höhe erreichende +Bergahorn+ (~Acer
pseudoplatanus~) ein echter Gebirgsbaum, der auf den Alpen bis 1600 m
gefunden wird, nördlich bis Dänemark und Gothland geht und bei uns als
einer der schönsten Bäume in Parkanlagen kultiviert wird. Sein Saft
enthält ebenfalls Zucker, der aber nicht ausgebeutet wird. Sein hartes,
weißes Holz mit vielen bräunlichen Spiegeln nimmt sehr leicht Politur
an und ist als Werkholz geschätzter als das mehr gelbliche, weniger
feine des spitzblätterigen Ahorns. Von ihm sind mehrere Spielarten
mit weißgescheckten, gelb panachierten und dunkelroten Blättern
vorhanden. Letztere Form ist nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls
bei uns kultivierten nordamerikanischen +Rotahorn+ (~A. rubrum~), der
den Namen von den schon im April vor dem Erscheinen der dreispitzigen
grünen Blätter erscheinenden roten Blüten erhielt. Als Ziersträucher
pflanzt man den oft nur 3 und nur ausnahmsweise 10 m hoch werdenden
einheimischen +Feldahorn+ (~A. campestre~) und den nur 2,5-3 m hohen
+südfranzösischen Ahorn+ (~A. monspessulanum~, d. h. von Montpellier),
der an felsigen Orten am Mittelrhein wild wächst.
Sehr häufig findet sich bei uns auch der 1734 durch Collinson zuerst
nach England gebrachte und von da auf den europäischen Kontinent
herübergekommene nordamerikanische +Zuckerahorn+ (~A. saccharinum~),
der seinen Namen davon hat, daß sein Frühjahrssaft auf Zucker
verarbeitet wird. Er hat unserm Spitzahorn ähnliche, nur unten
statt glatte grüne, leicht behaarte, bläulichgrüne Blätter, die im
Herbst eine prachtvolle orangerote Färbung annehmen, woran der Baum
leicht zu erkennen ist. Trotz seiner Schönheit und Winterhärte hat
aber dieser Zuckerahorn bei uns nicht die Verbreitung gefunden, die
er verdient, wohl weil ihm frühzeitig schon in dem nicht minder
prächtigen, ebenfalls bereits im 18. Jahrhundert aus Nordamerika bei
uns eingeführten +Silberahorn+ (~A. dasycarpum~) mit außerordentlich
zierlichem, tiefeingeschnittenem, unterseits silberhaarigem Laub ein
gefährlicher Mitbewerber entstand. Auch unsere +Mistel+ (~Viscum
album~) hat bereits von dem schönen Fremdling Besitz ergriffen, ja, sie
ist auf wenigen Bäumen so häufig wie auf dem Silberahorn. Er hat eben
ein sehr weiches Holz, so daß er wegen des geringen Holzwertes nicht
für den Anbau im Walde in Betracht kommt, während der Zuckerahorn dafür
vielfach empfohlen wird.
Auch der nordamerikanische, ebenfalls zur Zuckergewinnung benutzte
+schwarze Ahorn+ (~A. nigrum~) ist häufig in unsern Anlagen zu
treffen; ebenso der strauchartige, in ganz Rußland, besonders an
der Wolga, wildwachsende +tatarische Ahorn+ (~A. tataricum~) mit
herzförmigen, gesägten Blättern und lange nach diesen in dichten Rispen
hervorbrechenden weißen Blüten, die unsern Ahornarten ähnliche rote
Früchte hervorgehen lassen, und der sich durch dreiteilige Blätter mit
langem Mittellappen von ihm unterscheidende +mandschurische Ahorn+ (~A.
ginnala~). Südeuropa lieferte uns die ebenfalls strauchartigen ~Acer
italicum~ und ~A. creticum~. Diese nannten die Griechen ~sphéndamnos~,
während die Römer unter ~acer~ wohl den noch in Norditalien
vorkommenden Spitz- und Bergahorn verstanden. Aus dem lateinischen
Eigenschaftsworte ~acernum~ (ahornen) soll die deutsche Bezeichnung
Ahorn entstanden sein.
Am meisten vom Ahorntypus weichen die Blätter des ebenfalls aus
Nordamerika in unsere Anlagen gebrachten, bis 12 m hohen zweihäusigen
+Eschenahorns+ (~Acer negundo~) ab. Sie sind 3-5zählig gefiedert, haben
aber gleichwohl keine besondere Ähnlichkeit mit dem Eschenblatte.
Dieser Baum wird in seiner Heimat nächst dem Zuckerahorn am meisten
zur Zuckergewinnung benutzt und weist verschiedene Spielarten mit
weißbunten und gelbbunten Blättern auf. Diese panachierten Formen
werden bei uns noch viel häufiger als die normale Form des Eschenahorns
kultiviert. Die kronenlosen Blüten erscheinen lange vor dem Ausbruch
der Blätter, und die in langen, schlaffen Trauben herabhängenden
Doppelfrüchte sind sehr klein und ihre Flügel krümmen sich so weit
gegeneinander, daß sie sich am freien Ende nahezu berühren.
Prächtige Zierbäume unserer Anlagen bilden auch die verschiedenen
Arten von +Eschen+ (~Fraxinus~). Die in feuchtem Humus-, nicht aber
auf Sandboden gedeihende +gemeine Esche+ (~Fraxinus excelsior~),
die ~melía~ der Griechen und der ~fraxinus~ der Römer, spielt in
der nordischen Mythologie eine große Rolle. Sie ist der mit seinen
weitreichenden Wurzeln alles umfassende Weltenbaum Ygdrasil, und der
altgermanischen Sage nach ging aus ihr der Mann hervor, während aus
der Erle das Weib entstand. Bei den alten Deutschen hieß nach der
Esche ~ask~ der allgemein benutzte (eschene) Speer ~asks~. Noch im
Mittelalter pflanzte man in der Nähe der Burgen Eschen an, um aus
ihrem Holze Lanzenschäfte, Streitaxtstiele und andere Waffenteile und
Geräte anzufertigen. Schon in der Ilias ist der eschene Speerschaft der
vorzugsweise gebräuchliche. Da ihr Laub vom Vieh, besonders von Schafen
und Ziegen, gerne gefressen wird, pflanzte man sie nach Columella bei
den Römern in besondern Plantagen an. Außer der gewöhnlichen Form
werden in unsern Gärten verschiedene Zierformen derselben gezogen;
so die +Traueresche+ mit im Bogen abwärts gekrümmten Seitenästen.
Sie wird häufig in der Weise verwertet, daß solche Hängezweige auf
einen 2-3 m hohen Stamm gepfropft werden, so daß mit der Zeit eine
dichte, nach allen Seiten gleichmäßig abwärts gewölbte Schirmlaube
entsteht, für die ein weiteres Höhenwachstum natürlich ausgeschlossen
ist. Dann die +Goldesche+ mit goldgelb gescheckten, die +Krausesche+
mit faltig gekräuselten Blättern, eine einfachblätterige Spielart mit
der eiförmigen, ungeteilten Urform des Blattes mit allen Übergängen
zum fiederteiligen Eschenblatte und eine solche mit weißgescheckten
Blättern.
Von fremden Eschen begegnen wir am häufigsten der auch in unsern Wald
eingeführten +Weißesche+ (~Fraxinus americana~), die durch rostbraune
Knospen und gelbliche Triebe kenntlich ist, der +pennsylvanischen+ oder
+Rotesche+ (~Fr. pennsylvanica~) und der +Schwarzesche+ (~Fr. nigra~),
alle drei aus dem atlantischen Gebiete Nordamerikas. Ebenso finden
wir als Zierbaum in unsern Anlagen die 6-9 m hohe südeuropäische
+Blumen-+ oder +Mannaesche+ (~Fr. ornus~) mit dreipaarig gefiederten
Blättern und unverkümmerten, sondern als Kelch und Blumenkrone
vierspaltig ausgebildeten weißen oder rötlichen Blüten. Aus ihrer Rinde
fließt durch das Anstechen der Mannazikade, am häufigsten aber durch
täglich ausgeführte Kreuzschnitte ein süßer, an der Luft erhärtender
Saft, der getrocknet den Mannazucker liefert, welcher in großer Menge
von Südeuropa, besonders von Sizilien und Kalabrien, wo der Baum
in großen Plantagen angebaut ist, in den Handel gebracht wird, um
besonders als gelindes Abführmittel für Kinder zu dienen.
Nahe mit den Eschen verwandt sind die Forsythien, der Jasmin und der
Flieder. Die erstgenannten haben ihren Namen vom englischen Botaniker
W. A. Forsyth, der 1791 über Krankheiten der Bäume und 1802 über die
Kultur der Obstbäume schrieb, und stammen aus China und Japan. Die bei
uns häufigste Art ist die zu Frühjahrsbeginn, oft schon im März, ihre
großen, vierzipfligen, gelben Blüten vor dem Ausbrechen der einfachen,
leichtgesägten Blätter hervortreibende +hängende Forsythia+ (~F.
suspensa~) mit anfangs aufstrebenden, später überhängenden braunen
Zweigen. Seltener ist die gegen Kälterückschläge empfindlichere +grüne
Forsythie+ (~F. viridissima~) mit grünen Zweigen, an denen die Blätter
fast gleichzeitig mit den ebenfalls gelben Blüten erscheinen. Wie
sie stammt auch als weiterer Frühblüher der mit ihr verwandte +gelbe
Jasmin+ (~Jasminum nudiflorum~), den man in geschützten Lagen häufig
mit ihr zusammen antrifft, aus China. Dessen grüne, vierkantige Zweige
schmiegen sich gern an Mauern und Zäune an. Die dreiteiligen Blättchen
brechen erst hervor, wenn die an Schlüsselblumen erinnernden gelben
Röhrenblüten verblüht haben.
Ähnliche, nur viel kleinere, dafür aber viel zahlreichere, in Rispen
vereinigte, sehr wohlriechende, meist violette Blüten hat der +gemeine
Flieder+ (~Syringa vulgaris~), auch +türkischer+ oder +spanischer
Flieder+ und nach der türkischen Benennung der Pflanze ~lilas~ auch
+Lila+ genannt. Dieser 3-7 m hohe Strauch mit herzförmigen Blättern
und den schönen, angenehm duftenden „Lilablütensträußen“ stammt aus
Vorderasien und ist schon so lange in Kultur, daß von ihm eine Menge
auch weiß und rötlich blühender Varietäten gezüchtet wurden. Ja, es
gibt von ihm sogar eine gefüllte Form, die der Gärtner Lemoine in Nancy
zuerst in den Handel brachte; dieselbe stammt von einem ungefüllten
Flieder und entstand als Sprungvarietät im Garten eines Privatmannes in
Luxemburg, von dem sie Lemoine erwarb. Dieser im modernen Park wie im
altmodischen Bauerngarten gleich beliebte Zierstrauch stammt von einem
Exemplar, das Ghislenius Busbequius, der Gesandte Kaiser Ferdinands I.,
1560 aus der Türkei zuerst nach Wien brachte. Seitdem ein französischer
Gärtner in Vaugirard bei Paris vor 60 Jahren durch Zufall fand, daß
sich beim Flieder leicht die winterliche Ruhezeit abkürzen läßt, so daß
er schon im Winter wieder zum Blühen gebracht werden kann, wird er in
ausgedehntem Maße „getrieben“. Hierzu dient entweder vorübergehendes
Betäuben durch Ätherisieren, d. h. Einwirkenlassen von Ätherdämpfen,
oder eine genau abgestimmte Hitzewirkung, meist ein Bad in warmem
Wasser. Jetzt ist die Fliedertreiberei besonders in Frankreich sehr
ausgedehnt. So bringt beispielsweise eine einzige Gärtnerei bei Paris
von Mitte November bis zum Mai 100000 Fliederpflanzen zum Treiben. Zur
Anzucht dieser gewaltigen Pflanzenmasse dient eine Baumschule von 80
Hektaren, in welcher die Stecklinge bis zum 5. bis 9. Jahre gezogen
werden. Dann kommen die Fliederbüsche in ausgedehnte Treibhäuser,
wo sie bei 28-30° C. zuerst im Dunkeln gehalten werden. Man läßt
an jedem Zweig nur 2-4 Blütenknospen und 2 Blattknospen stehen und
entfernt alle übrigen Knospen, damit der Saft die Blüten und Blätter
der stehenbleibenden Knospen möglichst kräftig ernähre. Nach 20 Tagen
sind die reinweißen Blüten erschlossen, strömen einen köstlichen
Wohlgeruch aus und können in der an Blumen so armen Winterszeit zu
guten Preisen verkauft werden. Auch in Südfrankreich und an den
übrigen Orten der Parfümgewinnung wird der Flieder zur Gewinnung des
Blütenduftes im großen angepflanzt. Dabei dient die daraus gewonnene
Fliederessenz häufig als Ersatz der Tuberosenessenz.
Auch im Freien hat man mehrfach beobachtet, daß Fliederbüsche, die im
Herbst, etwa bei einer Feuersbrunst, großer Hitze ausgesetzt waren,
soweit sie dadurch nicht zerstört wurden, bald darauf wieder zu treiben
und zu blühen begannen. Frühblühend und zum Treiben verwendbar ist auch
der sonst zartere +persische Flieder+ (~Syringa persica~), an dessen
mit schmaleren Blättern besetzten Zweigen sich mehr lockere, duftigere
Blütenbüschel wiegen. Vom +chinesischen Flieder+ (~S. chinensis~),
dessen reichblühende Zweige sich unter der Last der dichten, schwach
duftenden Blüten zur Erde neigen, steht nicht fest, ob er nicht
nur eine Gartenform, ein Kreuzungsprodukt darstellt. Während alle
diese frühblühenden Fliederarten durch glatte, unbehaarte Blätter
ausgezeichnet sind, gibt es auch späterblühende Arten mit behaarten
Blättern, die uns noch im Juli mit ihrem Blütenschmuck erfreuen. Zu
ihnen gehört der wohlriechende +Emodi-Flieder+ (~S. emodi~), so genannt
nach seiner Heimat, dem Distrikt Emodi im westlichen Himalaja. Er trägt
länglichlanzettliche Blätter, deren weißliche Unterseite die zum Teil
rauhbehaarten Blattnerven deutlich hervortreten läßt. Ferner der in
Siebenbürgen vorkommende, nach seiner Entdeckerin, der ungarischen
Freifrau Rosalie von Josika, benannte +Josika-Flieder+ (~S. josikea~)
mit bewimperten Blättern und sehr langen, dunkelvioletten Blütenrispen.
In der heimischen Pflanzenwelt ist dem Flieder am nächsten verwandt der
wenigstens in Süddeutschland wildwachsende +Liguster+, auch +Rainweide+
genannt (~Ligustrum vulgare~), der im Juni in weißen Rispen blüht und
als „Tintenbeeren“ bezeichnete schwarze, beerenähnliche Steinfrüchte
hervorgehen läßt. Wie diese werden verschiedene fremde Arten, so
besonders die sehr reichblühende +japanische Rainweide+ (~L. ibota~),
gerne zu Hecken benutzt, da sie sich leicht schneiden lassen, ihr
grünes Laub zum Teil im Winter behalten und durch ihren dichten Wuchs
den Vögeln vollkommene Nistplätze, daneben in ihren Beeren auch Futter
spenden.
Ein beliebter Gartenzierstrauch ist endlich auch die +Tamariske+
(~Tamarix~), die ~myríkē~ der Griechen und Römer, die nach Plinius --
von manchen für einerlei mit der ~tamarice~ gehalten -- beim Volke
als Unglücksbaum galt, „weil sie nichts trägt und nirgends gepflanzt
wird“. Viel häufiger als die 1-2,5 m hohe, buschige +deutsche
Tamariske+ (~Myricaria germanica~) mit kleinen rosenroten Blüten
in langen Ähren an den Zweigenden, deren Samen von den Bergbächen
in die Ebene herabgeschwemmt wird, so daß sie neben dem bereits
besprochenen Sanddorn (~Hippophaē rhamnoides~) ein häufiger Gast auf
den Flußgeschieben des Alpenvorlandes ist, wird die in Südeuropa an
feuchten Plätzen häufige +französische Tamariske+ (~Tamarix gallica~)
zur Verzierung von Strauchgruppen in Gärten gepflanzt. Ihre fein
zerteilten, überaus zarten Blätter trugen ihr den begründeten Namen
„Federstrauch“ ein. Wenn sie blüht, stehen die in außerordentlich
dichten Ähren hervorbrechenden kleinen, blaßvioletten Blüten so
gehäuft, daß darunter das Grüne der Blätter vollkommen verschwindet.
Nachdem wir nun die um ihrer Schönheit willen gewürdigten
Ziersträucher einer eingehenden Besprechung unterzogen haben, wollen
wir noch kurz die nützlichen unter denselben würdigen, die in ihren
Früchten nicht nur den Vögeln, sondern auch dem Menschen eine
willkommene Speise darbieten. Unter ihnen ist zunächst der +Holunder+
(~Sambucus nigra~) zu nennen, von den Griechen ~aktḗ~, von den Römern
~sambucus~ genannt. Er war schon im frühesten Altertum eine bekannte
und geschätzte Heilpflanze, deren Blüten als schweißtreibender Tee und
deren schwarze Beeren als Hustenmittel genossen werden. Daneben sind
letztere vielfach auch, so besonders in Norddeutschland, ein beliebtes
Genußmittel geworden. Die Früchte des +Zwergholunders+ (~Sambucus
ebulus~) sind nur in vorgeschichtlicher Zeit, so von den anspruchslosen
Pfahlbauern der neolithischen Zeit, zusammen mit den Beeren des
gemeinen Holunders als Obst genossen worden, doch waren sie nebst
andern Teilen der Pflanze schon im Altertum als Heilmittel geschätzt.
Bei Dioskurides um die Mitte des 1. christlichen Jahrhunderts heißt er
~chamaiáktē~, d. h. niederer Holunder, bei den Römern ~ebulus~ und bei
den Deutschen ~atich~, das sich später in Attich verwandelte. Seine
Beeren sollen nach dem schweizerischen Botaniker Oswald Heer, der die
Samenkerne in neolithischen Pfahlbauten der Ostschweiz fand, schon
von den Pfahlbauern am Ende der Steinzeit zum Färben mit einem hellen
Blau verwendet worden sein. Jedenfalls wurden sie, wie diejenigen des
gemeinen Holunders, noch im klassischen Altertum zum Färben benutzt. So
sagt Theophrast, daß der weinfarbige Saft der unreif rötlichen, reif
aber schwarzen Beeren des Holunders den Leuten dazu dient, um sich
Hände und Kopf zu färben. Nach Plinius dienten sie besonders zum Färben
der Kopfhaare, und in einer Ekloge Vergils heißt es: „Das Gesicht des
Gottes Pan war mit den blutigen Beeren des Zwergholunders (~ebulus~)
gefärbt.“