Auch die trockene, sonnige Standorte liebenden +Ginsterpflanzen+

sind in den Macchien reich vertreten. Verwandt mit dem +Gaspeldorn+

(~Ulex europaeus~), der als englischer Ginster (jetzt ~broom~ genannt)

dem englischen Königsgeschlecht der Plantagenet -- von ~planta

genista~ Ginsterpflanze -- seinen Namen gab, und dem +Besenstrauch+

(~Sarothamnus vulgaris~), welche beide prächtig gelb gefärbte

Blütentrauben hervorbringen, mit denen sie einen wirklichen Schmuck

mancher sonst an Vegetation armer Gegenden bilden, sind die früher

besprochenen Cytisusarten, zu denen unser Goldregen gehört.

Ebenso typische Repräsentanten der mediterranen Strauchvegetation

sind die bis 1,6 m hoch werdenden +Cistrosen+ (~Cistus~), von den

alten Griechen ~kístos~ und in Anlehnung daran von den Römern ~cistus~

genannt. Sie besitzen an reichverzweigten Ästen bräunlichgrüne,

klebrige Blätter und weiße bis rosenrote Blüten mit zahlreichen gelben

Staubfäden. Gepflückt welken sie äußerst rasch, doch entfalten sich

an Zweigen, die man ins Wasser steckt, alsbald neue Blüten. Diese

aromatisch duftenden Ciststräucher tragen nicht wenig dazu bei,

den Macchien ihren charakteristischen Geruch zu verleihen, den die

Schiffer, z. B. in der Nähe von Korsika, im offenen Meer schon aus

weiter Ferne riechen zu können angeben. Nach diesem würzigen Duft

seiner Heimatinsel sehnte sich auch Napoleon I. auf St. Helena vor

seinem Ende zurück. Das Gummiharz, das die Ciststräucher ausschwitzen,

war unter dem Namen ~ladanum~ oder ~labdanum~ früher ein berühmtes,

von orientalischen und griechischen Ärzten vielbenutztes Heilmittel.

Heute wird es nur noch zum Räuchern verwendet. An den Wurzeln der

Cistrosen schmarotzt die brennend gelbrote, große Blüten ohne Blätter

entwickelnde Rafflesiazee ~Cytisus hypocystis~, der nördlichste

Vertreter der sonst auf die Tropen beschränkten Familie, die in der auf

Sumatra heimischen und von Elefanten verbreiteten ~Rafflesia Arnoldi~

die größte Blüte der Welt mit 1 m Durchmesser hervorbringt.

Ebenfalls sehr häufig in den Macchien ist die +Mastixpistazie+

(~Pistacia lentiscus~), die hier nur als Strauch auftritt, während sie

unter anderen Bedingungen, vor allem freistehend, zu einem etwa 4,5 m

hohen Baume emporwächst. Sie hat dunkelgrüne, paarig gefiederte,

lederartig zähe, oben glänzende Blätter, die sich durch einen harzigen

Geruch auszeichnen, und in roten Trauben beieinanderstehende kleine

Blüten. Die Frucht ist eine kugelige, schwärzliche Steinfrucht. Als

ein Hauptbestandteil der immergrünen Macchien ist sie im ganzen

Mittelmeergebiet heimisch und wird vielfach kultiviert, so besonders

im nördlichen Teile der Insel Chios, wo durch Einschnitte in den Stamm

und die Zweige der aus kleinen, weißen oder gelben, durchscheinenden,

in der Hitze wohlriechenden Körnern bestehende Mastix gewonnen

wird. Seinen Namen, im Griechischen ~mastíchē~ (von ~mastázo~ ich

kaue) hat er von der im Orient von alters her besonders bei den

Frauen gebräuchlichen Sitte, ihn zur Kurzweil zu kauen, wie es die

Nordamerikaner mit ihrem ~gum~ tun. Er erweicht nämlich im Munde und

soll das Zahnfleisch stärken und den Atem parfümieren. Jährlich kommen

etwa 500000 kg Mastix im Werte von einer halben Million Mark in den

Handel; bei uns findet er vornehmlich zur Bereitung von Räucherpulver,

Firnissen und Lacken Verwendung. Das harte Holz dient zur Anfertigung

von Zahnstochern und Einlegearbeiten, aus den Blättern bereitet man in

Algerien einen als ~lentisque~ bezeichneten Gerbstoff und aus den Samen

preßt man Öl.

Mit der Mastixpistazie ist die +Terpentinpistazie+ (~Pistacia

terebinthus~) verwandt. Auch sie ist durch das ganze Mittelmeergebiet

verbreitet, entfernt sich aber mehr von der Küste als die vorige Art

und wird in Tirol noch bei Bozen angetroffen. Sie wächst auf trockenen,

sonnigen Hügeln, ist in den Macchien gewöhnlich strauchartig, wird

aber sonst zu einem kleinen Baum und trägt auffallende, unpaarig

gefiederte Blätter, große, aus zahlreichen Blüten zusammengesetzte

Trauben und kleine, dunkelrote Früchte. Durch Einschnitte in die Rinde

liefert sie den cyprischen Terpentin oder den Terpentin von Chios,

ein feines, flüssiges Harz, das besonders früher als ein geschätztes

Heilmittel verwendet wurde. An den Enden der Äste entstehen durch

die Stiche einer Blattlaus (~Aphis pistaciae~) große bockshornartig

gestaltete, dickwandige, harte, grünrote, harzreiche Gallen, die 60

Prozent Gerbsäure und 15 Prozent Gallussäure enthalten. Früher wurden

auch sie als Medikament benutzt, doch dienen sie heute fast nur noch

zum Färben von Seide und Wein. Aus den angenehm bitteren Samen, die in

Griechenland heute noch als ~kokonetza~ gegessen werden, preßt man ein

fettes Öl.

Schon die Jugend der alten Perser wurde angehalten, im freien Felde

zu leben und sich von Terebinthenfrüchten, Eicheln und wilden Birnen

zu ernähren. Als der Mederkönig Astyages auf dem Throne sitzend sah,

wie sein Heer von den Scharen des Cyrus geschlagen wurde, rief er

entsetzt aus: „Wehe uns, wie tapfer sind diese terebinthenessenden

Perser.“ In Syrien und Palästina wird die Terpentinpistazie zu einem

stattlichen Baum, dem in den ältesten Zeiten göttliche Ehren gespendet

wurden. Schon Abraham schlug sein Zelt unter den Terebinthen Mamre zu

Hebron auf und baute dem Herrn daselbst einen Altar. Dort erschien

ihm der Herr und gab ihm seine Verheißung, er werde trotz des hohen

Alters der Sarah einen Sohn bekommen und ein großes Volk werde aus

ihm hervorgehen, das werde gesegnet sein unter allen Völkern. Die

Stätte, wo der Hain Mamre gestanden, wurde noch viele Jahrhunderte

nach Abrahams Tod als geweihter Ort verehrt, an welchem man Opfer

darbrachte und wo die Umwohner Markt abhielten. Eine andere heilige

Terebinthe war die des Jakob zu Sichem, unter der zu Josuas Zeit die

Bundeslade stand und von Josua ein steinerner Altar errichtet wurde.

Dort versammelten sich noch zur Zeit der Richter alle Männer von Sichem

und erhoben Abimelech zum König. Auch zu Gideon kam der Engel des Herrn

unter einer Terebinthe zu Ophra, und Gideon baute daselbst einen neuen

Altar, nachdem er die hölzerne Bildsäule der Aschera der Midianiter

umgehauen hatte. Endlich hat auch die Terebinthe zu Jabes historische

Berühmtheit durch ihre Erwähnung im Alten Testamente erlangt. In

späterer Zeit, als der Jahvekultus geistiger geworden war, stießen sich

die Propheten besonders an diesem sonst heidnischen Baumkult speziell

der Terebinthe, unter der auch die Toten -- es sei hier nur an Rebekkas

Amme Debora erinnert -- mit Vorliebe begraben wurden.

Während diese wärmeliebenden Kinder des Südens nicht zu uns gelangten,

ist die +gemeine Roßkastanie+ (~Aesculus hippocastanum~) einer

unserer häufigsten Parkbäume geworden. ~Aesculus~ oder ~esculus~ (vom

lateinischen ~edere~ essen) hieß bei den alten Römern die immergrüne

Speiseeiche (~Quercus aesculus~), welchen Namen Karl von Linné auf

diesen, den Alten unbekannten Baum übertrug. ~Hippokástanon~, d. h.

Pferdekastanie, nannte er sie, weil die denjenigen der eßbaren Kastanie

(~Castanea vesca~) ähnlichen Samen von den Türken, gemahlen und unter

das Futter vermengt, ihren Pferden gegen Husten und Dämpfigsein

(Schweratmen infolge Lungenemphysem) mit gutem Erfolg gegeben werden

sollen. Trotz der Ähnlichkeit der Früchte hat aber die Roßkastanie,

die zu den Sapindazeen oder Seifenbaumgewächsen gehört, keinerlei

Verwandtschaft mit der Eßkastanie, die mit Eiche und Rotbuche die

Familie der Fagazeen bildet. Dieser 19-25 m hohe Baum mit den

bekannten 5-7zählig gefingerten Blättern und weißen, rot und gelb

gefleckten Blüten hat, wie erst neuerdings nachgewiesen werden konnte,

seine Heimat in den Gebirgen von Nordgriechenland, Thessalien und

Epirus unterhalb der Tannenregion in einer Meereshöhe von 1000-1300 m

und wächst auch in der Berglandschaft von Imeretien im Kaukasus wild.

Die Türken brachten ihn ums Jahr 1557 nach Konstantinopel, von wo 1576

der österreichische Gesandte Freiherr von Ungnad die ersten Früchte

nach Wien sandte. Dort pflanzte Clusius die Roßkastanie zuerst im

kaiserlichen Garten und beschrieb Matthiolus die Pflanze als ~Castanea

equina~, auch bildete er einen Fruchtzweig derselben ab. Erst um 1616

gelangte der Baum von Konstantinopel nach Frankreich, von wo er sich,

wie auch aus Wien, über ganz Mitteleuropa verbreitete und so gemein

wurde, daß er hier heute der häufigste Schatten- und Alleebaum ist. Um

die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er auch in Nordamerika angesiedelt

und fand hier ebenfalls weite Verbreitung, da er sehr rasch wächst,

durch seine weit ausgebreitete, dichte Krone ausgiebigen Schatten

spendet, durch seine prächtigen Blütenkerzen im Frühjahr das Auge

erfreut und im Herbst die großen, glänzendbraunen Samen liefert, die 60

Prozent Nährstoffe, darunter 40 Prozent Stärkemehl enthalten. Trotzdem

haben sie als menschliches Nahrungsmittel bis jetzt keine Verwendung

gefunden, da sie durch einen ziemlichen Gehalt an Saponin unangenehm

schmecken. Dieser kann nun durch Behandeln mit Alkohol entfernt werden,

wodurch man ein wertvolles Nährpräparat beziehungsweise Stärkemehl zur

Spiritusfabrikation gewinnt. Unverändert bilden sie ein treffliches

Viehfutter, das durch den Gerbstoffreichtum der Schale ein treffliches

Gegenmittel für die unvermeidlichen Folgen der Fütterung mit

Grünfutter bildet. Sie lassen sich leicht aufbewahren, indem man sie

an einem luftigen Ort gut trocken hält; doch dürfen sie nicht zu hoch

aufeinander liegen, da sie dann schwer trocknen und leicht schimmeln.

Die hart gewordene Frucht läßt man vor dem Verfüttern 24 Stunden in

Wasser aufquellen, wodurch ihre Bitterkeit teilweise verschwindet. Aus

den rohen Samen kann man einen trefflichen Kleister für Buchbinder

und Tapezierer bereiten, der den Vorteil hat, wegen seiner Bitterkeit

vor der Einnistung von Insekten geschützt zu sein. Aus den zu Kohle

verbrannten Schalen gewinnt man eine ganz schöne schwarze Farbe. Die

Blüten sind eine sehr ergiebige Bienenweide; das gelblichweiße oder

rötliche, weiche und schwammige Holz dagegen ist wenig als Werkholz

geschätzt, da es grobfaserig ist und leicht fault. Trotz ihrer langen

Züchtung hat die Roßkastanie keine nennenswerten Spielarten oder

Kulturformen hervorgebracht.

Kleiner als sie und mit röhrigem statt glockigem Kelch, mit

zusammengeneigten statt wie bei jener ausgebreiteten Blumenblättern ist

die schmutzigrot blühende +rote Pawie+ (~Pawia rubra~), ein aus dem

südwestlichen Nordamerika bei uns eingeführter Zierbaum von nur 4-7 m

Höhe und glatter brauner statt stacheliger grüner Samenkapsel. Letztere

sind gleich den Blättern und Samen giftig und deshalb unbrauchbar als

Viehfutter, was bei der altweltlichen Roßkastanie nicht der Fall ist.

Mit ihren zerriebenen und zu einem Teige geformten Früchten betäubt

man beim Fischfang die Fische. Die zerstoßene und gekochte Wurzel

und Rinde enthält viel Saponin und wird in Amerika statt Seife zum

Waschen von Wollzeug gebraucht. Ihren Namen erhielt sie zu Ehren des

um die Mitte des 17. Jahrhunderts als Professor der Botanik in Leiden

verstorbenen Peter Paw. Sie wird bei uns recht selten angepflanzt

und bildet nur selten größere Bäume. Sehr häufig dagegen treffen

wir in den Gärten und Anlagen die +rotblühende Kastanie+ (~Aesculus

carnea~), ein Kreuzungsprodukt der altweltlichen Roßkastanie mit der

neuweltlichen Pawie. Der Bastard hält in seinen Merkmalen so ziemlich

die Mitte zwischen seinen Eltern inne. Seine rote Blumenkrone ist nicht

ausgebreitet wie bei der Roßkastanie, sondern leicht zusammengeneigt

und die bräunlichgrüne Fruchthülle nur spärlich bestachelt. Er wird

größer als die Pawie, wenn auch nicht so groß wie die Roßkastanie; er

wächst nicht so schnell wie letztere, blüht auch 2-3 Wochen später

als diese. Da die rotblühende Kastanie durch Pfropfung auf den jungen

Stamm der gemeinen Roßkastanie vermehrt wird, aber weniger in die Dicke

wächst als diese, so entsteht meist eine sehr auffallende Stammform,

indem sich dieser an der Pfropfstelle plötzlich verschmälert, eine

Erscheinung, die man nicht selten auch bei Obstbäumen, besonders

Apfelbäumen -- aus derselben Ursache entstanden -- beobachtet.

Etwas größer als die rote Pawie wird die +gelbblühende Pawie+ (~Pawia

lutea~) mit langen gelben Blumenblättern und unbehaarten Staubbeuteln,

während die +glattblätterige Pawie+ (~P. glabra~) mit kurzen gelben

Blumenblättern und behaarten Staubbeuteln kleinwüchsig ist. Diese sind

ebenfalls Bewohner des südwestlichen Nordamerika und lassen sich am

Laube nur schwer voneinander unterscheiden. Durch schlankere Form der

glatten Blättchen zeichnet sich bloß die strauchartige +kleinblütige

Roßkastanie+ (~Aesculus parviflora~) aus den Bergwäldern des östlichen

Nordamerika aus. Sie blüht später als die andern Arten und an den erst

im Sommer erscheinenden auffallend langen und schmalen Blütenrispen

treten die Staubfäden weit aus den großen, weißen Blüten heraus.

An allgemeiner Beliebtheit als prächtiger Schattenbaum wetteifert mit

der Roßkastanie die +Platane+. Sie wächst rasch, bildet einen mächtigen

Stamm mit kraftvoll ausgestreckten Ästen und hellgrünen, gelappten,

handnervigen Blättern, die, wie diejenigen der Roßkastanie, im Herbst

abgeworfen werden. Sie vereinigt die Schnellwüchsigkeit der Pappel mit

dem Brennwert der Buche, weshalb es sich empfiehlt, sie besonders

als Alleebaum anzupflanzen. Die dunkle, in beständiger Erneuerung

begriffene Borke des Stammes blättert fortwährend in regellosen Stücken

ab, so daß die jüngere, hellgefärbte Rinde zutage tritt und der Stamm

malerisch gefleckt erscheint. Unscheinbar hängen die kleinen gelben

männlichen und tiefroten weiblichen Blüten getrennt am Baume, bevor die

Blätter zum Vorschein kommen. Aus letzteren gehen zu beinahe nußgroßen

Kugeln vereinigte Früchte hervor, die noch im Winter am Baume pendeln.

Aus ihnen lösen sich die mit zarten Flughaaren versehenen Früchte ab,

um vom Winde verbreitet zu werden. Da der Baum sich leicht in den Ästen

zurückschneiden läßt, wird er vielfach stark gescheitelt. Wer aber nur

die mißhandelten, durch übermäßiges Stutzen nieder und breit gehaltenen

Bäume, wie sie vielfach vor den Gasthäusern und in den Biergärten zu

sehen sind, kennt, der ahnt nicht, welche Schönheit die Platane da

entfaltet, wo man ihr frei und unbehindert ihre breit ausladenden Äste

aus dem schlanken Stamme herauszustrecken erlaubt.

Das Geschlecht der mit den Feigen-, Brotfrucht- und Ulmenbäumen zu

den Nesselgewächsen gehörenden Platanen besaß zur Tertiärzeit mit den

ihnen sehr nahe verwandten Liquidambarbäumen eine viel ausgedehntere

Verbreitung als heute. Während des mittleren und oberen Tertiärs waren

sie durch ganz Europa, Nordasien und Nordamerika bis weit über den

Polarkreis hinaus verbreitet und wuchsen sogar in Grönland und auf

Spitzbergen. Vom spättertiären ~Platanus aceroides~ dürften die beiden

heute noch existierenden und in der Kulturwelt angepflanzten, 10-20 m

hohen Platanenarten stammen: die +morgenländische Platane+ (~Pl.

orientalis~) der Alten Welt und die +abendländische Platane+ (~Pl.

occidentalis~) von Nordamerika. Erstere hat stärker gelappte Blätter

mit grünen Blattstielen und ein mehr in die Breite wachsendes Astwerk,

während letztere nur schwach gelappte, unterseits flaumhaarige Blätter

mit braunen Blattstielen besitzt und ihre Zweige mehr aufrecht stellt.

Da die neuweltliche Platane die Winterkälte viel besser erträgt als

die dagegen weit empfindlichere altweltliche, wird sie in Mitteleuropa

häufiger als jene angepflanzt. Doch ist die bei uns fast ausschließlich

gepflanzte Form das Kreuzungsprodukt beider Arten, die +ahornblätterige

Platane+ (~Pl. acerifolia~), die der amerikanischen Form näher steht

und wie diese winterhart ist. Ihre Vermehrung erfolgt stets durch

Stecklinge.

Die morgenländische Platane findet sich an Gebirgsbächen in Wäldern

unterhalb der Cedernregion bis zu 1600 m Höhe vom Himalaja bis

Griechenland und Makedonien, auch auf Zypern, dem südlichen Anatolien

und Persien. Sie hieß bei den Griechen ~plátanos~, von ~platýs~ breit,

weil sie ihre Äste weit ausreckt. Schon in der Ilias wird sie erwähnt.

Als nämlich die Griechen sich mit ihren Schiffen in der Stadt Aulis

am Euripos in Böotien zum Zuge nach Troja sammelten, da lagerten

sie sich „an einer Quelle unter einer schönen Platane.“ Nach Homer

erwähnt dann der Dichter Theognis aus Megara um 560 v. Chr. einen

Platanenhain in Lakonien, der an einem Teiche stand, mit dessen Wasser

ein Winzer seine Reben tränkte. Durch ihre Größe und durch ihr Alter

ehrwürdige Exemplare galten den Umwohnern als heilig. Solche heilige

Platanen werden uns von alten Schriftstellern aus Lykien und Karien in

Kleinasien erwähnt. Eine ähnliche Sitte muß auch in Persien geherrscht

haben; denn Herodot berichtet uns vom persischen Großkönig Xerxes, daß,

als er auf seinem Kriegszuge gegen Griechenland 485 v. Chr. auf dem

von Phrygien nach der Hauptstadt von Lydien, Sardes, führenden Wege

eine prächtige Platane traf, „er ihr einen goldenen Schmuck schenkte

und einen besonderen Wächter für sie einsetzte.“ Bis in unsere Zeit

findet man in Persien, Kleinasien und Griechenland solche ehrwürdige

alte Platanen von einer Höhe von 30 m und einem Stammumfang bis

16 m, deren ausgehöhlter Stamm Hirten und Jägern zu vorübergehendem

Aufenthalte dient. Auch der Grieche Pausanias, der im 2. Jahrhundert

n. Chr. den Bädeker des Altertums schrieb, weiß auf seiner Wanderung

durch Griechenland und Kleinasien hin und wieder von solchen

Riesenplatanen zu erzählen, die noch mit der Heroenzeit in Verbindung

gebracht wurden. So berichtet er von der bei Kaphyai in Arkadien

wachsenden hohen und herrlichen Menelais, so genannt, weil sie, nach

der Sage der Umwohner, vom Könige Menelaos selbst vor der Abfahrt

nach Troja an der betreffenden Quelle gepflanzt worden sein soll. Und

beim Flusse Pieros bei Pharai in Achaja sah er Platanen von solcher

Größe, daß man in der Höhlung der Stämme einen Schmaus halten und nach

Belieben darin auch schlafen konnte.

Der griechische Pflanzenkundige Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr.

sagt: „In Griechenland wächst die Platane an einigen Stellen sehr

häufig. Am Adriatischen Meere dagegen sollen kleine Platanen wachsen,

ausgenommen beim Heiligtum des Diomedes (auf der Insel Diomedea an der

apulischen Küste). In ganz Italien soll der Baum selten sein, obgleich

es reich an Flüssen ist; das dortige Klima ist ihm nicht günstig. Der

ältere Dionysios (431-367 v. Chr.), der Tyrann, hatte einige Platanen

in einen Garten bei Rhegion (das er 387 erobert hatte) gepflanzt, wo

man sie jetzt in der Ringschule sieht; aber sie wollen trotz aller

Pflege nicht recht gedeihen. Auf Kreta soll bei Gortyna eine Platane

stehen, welche ihr Laub nicht abwirft, während alle benachbarten es

abwerfen. Eine ähnliche soll auf Zypern stehen.“

Zweifellos ist die Platane durch Griechen zuerst nach Unteritalien

und von da später nach Mittelitalien zu den Römern gekommen, die

zugleich mit dem Baum deren griechische Benennung übernahmen. Zu

Ende der römischen Republik war es eine Liebhaberei der Vornehmen,

raschwüchsige Platanen in den Gärten ihrer Villen anzupflanzen und

sie, statt mit Wasser, mit Wein zu begießen, da ein Aberglaube solchen

Trank den Fremdlingen heilsam erklärte. So wird beispielsweise vom

berühmten Redner Hortensius berichtet, er habe einmal bei einer

Gerichtsverhandlung seinen Kollegen Cicero gebeten, mit ihm die Reihe

im Reden zu tauschen, da er notwendig auf seine Villa nach Tuskulum

hinaus müsse, um seine Platane eigenhändig mit Wein zu begießen. Mit

Vorliebe ruhte man in der Kaiserzeit im Schatten solcher liebevoll

aufgezogener Platanen und gab sich, wie die römischen Dichter es

mehrfach besangen, der Ruhe und dem Genusse des Weines hin. So

bezeichnet Ovid die Platane als einen dem Lebensgenuß dienenden Baum,

und Horaz empfindet es als eine Entweihung des heiligen Bodens, die

fruchtspendende Erde statt mit einem nützlichen Obstbaum mit solch

einem nutzlosen Schönheitsbaum zu bepflanzen. Auch Plinius bemerkt in

seiner Naturgeschichte: „Die Platane (~platanus~) ist wunderbarerweise

nur ihres Schattens wegen aus weiter Ferne zu uns verpflanzt worden.

Erst wurde sie über das Ionische Meer auf die Insel des Diomedes

gebracht, um des Helden Grab zu beschatten; von da gelangte sie nach

Sizilien und von dort endlich nach Italien. Jetzt steht sie sogar im

Lande der Moriner (am belgisch-französischen Strand -- doch ist dies

wohl eine Verwechslung mit dem nordischen Ahorn, den Plinius selbst den

gallischen oder weißen Ahorn nennt), also auf zinspflichtigem Boden, so

daß auch ihr Schatten versteuert werden muß. -- Die Platanen sind jetzt

zu so hohen Ehren gekommen, daß sie nun sogar mit reinem Wein begossen

werden. Die Erfahrung lehrte, daß der Wein den Wurzeln gut bekam, und

so hat man sie denn in der Kunst des Weintrinkens unterrichtet.

In früherer Zeit waren die Platanen der Akademie in Athen berühmt,

deren 33 Ellen lange Wurzeln noch über die Zweige hinausgingen. Jetzt

ist eine Platane in Lykien berühmt. Sie steht bei einer lieblichen,

kühlen Quelle, neben einer Straße. Ihr Inneres gleicht einem Hause;

denn sie ist hohl und ihre Höhlung mißt 81 Fuß. Ihr Wipfel gleicht

einem Haine, ihre langen Äste gleichen Bäumen und werfen ihre Schatten

weithin über die Felder. Ihre Höhlung ähnelt einer Felsengrotte,

enthält auch rings eine Bank von bemoostem Tuffstein. Sie ist so

wunderbar, daß Licinius Mutianus, der dreimal Konsul und noch neulich

Legat in Lykien war, für die Nachwelt die Bemerkung hinterließ, er

habe mit 18 Begleitern im Baume einen Schmaus abgehalten. Zu Polstern

habe man das Laub des Baumes genommen. Vor jedem Windhauch war die

Gesellschaft sicher. Dann habe er noch im Baume geruht und sei da

besser aufgehoben gewesen, als in Sälen mit schimmernden Marmorwänden,

bunten Gemälden und vergoldeten Prachtdecken.

Zu Gortyna auf der Insel Kreta steht eine Platane, die in griechischen

und lateinischen Schriften besprochen wird; unter ihr soll nach

der Sage selbst Jupiter einst geruht haben. Sie besitzt die

Eigentümlichkeit, ihre Blätter nie zu verlieren. Junge Platanen, die

man von ihr auf Kreta zog, haben diesen Fehler ihres Stammbaumes

beibehalten; denn es ist ja ein Vorzug jedes Baumes, wenn er im Winter

die Sonnenstrahlen durchläßt. Unter der Regierung des Kaisers Claudius

(41-54 n. Chr.) hat Aeterninus, der Freigelassene des Marcellus, diese

Platanensorte auf seine Güter bei Rom verpflanzt. Diese ausländischen

Wunder stehen noch jetzt in Italien neben anderen, die in diesem Lande

selbst durch Kunst erzeugt wurden. -- Durch eigentümliche Fortpflanzung

und Beschneidung zwingt man die Platanen zu unglückseligen

Verkrüppelungen. Ganze solche Krüppelwälder stammen von ihrem Erfinder,

dem Ritter Gajus Matius, einem Freunde des Kaisers Augustus.“

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 67 / 81 段