großen weißen, außen rot überhauchten Blüten sind die +Magnolien+
sehr beliebte Gartenzierbäume. Sie haben ihren Namen nach dem
Botanikprofessor Pierre Magnol in Montpellier (1638-1745). Die
Stammformen der am meisten gezüchteten Arten sind hauptsächlich zwei
ostasiatische Arten, die angenehm duftende, rein weiße ~Magnolia yulan~
und die geruchlose, rote ~Magnolia obovata~. Später erst kamen die
nordamerikanischen Magnolien zu uns, die aber weniger beliebt als die
vorgenannten sind, obschon sie frosthärter sind, weil sich ihre Blüten
erst nach dem Aufbrechen der großen ovalen Blätter entfalten. Doch ist
ihr vorzügliches Holz für die Möbelindustrie von einiger Bedeutung.
Neuerdings wird sogar eine Art, die japanische Ho-Magnolie (~M.
hypoleuca~), als Nutzholz zur Anpflanzung im deutschen Walde empfohlen.
Nahe verwandt mit den Magnolien ist der ebenfalls seines Holzes wegen
wichtige nordamerikanische +Tulpenbaum+ (~Liriodendron tulipifera~),
der, wie die mächtigen Stämme unserer Parks beweisen, schon früh --
und zwar aus Virginien -- zu uns kam. Die tulpenähnlichen rotgelben
Glockenblüten treten erst an älteren Exemplaren auf und sind daher
meist weniger bekannt als die auffallend geformten Blätter. Letztere
tragen an den Aderwinkeln ihrer Unterseite in der Art der von unsern
Linden her bekannten Milbenhäuschen,[5] deren zahlreiche Bewohner
nächtlicherweile die Reinigung der Blattoberfläche besorgen.
Sehr häufig begegnet man in unseren Ziergärten der 1796 in Europa
eingeführten strauchartigen +japanischen Scheinquitte+ (~Chaenomeles
japonica~), deren büschelweise vereinigte scharlachrote Blüten im
ersten Frühjahr zwischen dem spärlichen Grün der häufig bedornten
Zweige hervorschauen. Bei uns bilden sich die Früchte nur in heißen
Sommern aus und sind ungenießbar, während sie in Japan zu Konfekt
eingekocht, zur Herstellung von Gelee und einer Art Likör benutzt
werden. Andere Arten von als Zierbäume zu uns gebrachten wilden Quitten
blühen blaßrot oder mennigfarben. Noch entzückender ist der aus China
zu uns gekommene +dreilappige Pfirsich+ (~Prunus triloba~), der auch
Mandelaprikose oder Röschenmandel genannt wird. An schlanken, fast
unverzweigten Ruten des meist in hohen Stämmchen gezogenen Strauches
erscheinen zuerst in dichten Reihen die zart rosafarbenen, meist
gefüllten und daher kleinen Röschen vergleichbaren Blüten und erst nach
deren Verblühen die länglichen, gesägten Blätter. Selten trifft man bei
uns die +echte Mandel+ (~Amygdalus communis~), die nur in besonders
geschützten Lagen ihre Früchte reifen läßt. Häufig dagegen ist die von
Ungarn bis Südsibirien heimische +Zwergmandel+ (~A. nana~), ein kleiner
Strauch mit lanzettlichen, feingesägten Blättern und dicht an den
vorjährigen Zweigen gedrängten, kleinen Rosablüten, denen zuliebe sie
vielfach in Gärten gepflanzt wird.
Auch unsere beiden als Obstbäume gezüchteten Kirschenarten, die
+Süß-+ und +Sauerkirsche+ (~Prunus avium~ und ~P. cerasus~) haben in
Formen mit weißen, gefüllten Blüten prächtige Zierbäume für unsere
Parks geliefert. Dabei können die Blumenblätter teilweise vergrünen,
d. h. wieder das Aussehen von Laubblättern annehmen, aus denen sie
sich ja stammesgeschichtlich entwickelt haben. Weniger der weißen,
rosaüberhauchten Blüten, als ihres schönen Laubwerkes wegen wird
eine +rotblätterige Form+ der +Kirschpflaume+ (~P. cerasifera var.
pissardi~) bei uns gepflanzt. Während die Blätter der gewöhnlichen
Kirschbaumarten nur bei der Entwicklung im Frühjahr zum Zwecke der
Wärmesteigerung und als Schutz gegen zu grelle Besonnung durch
Einlagerung des in saurer Lösung roten Anthocyans prächtig braunrot
gefärbt sind, behalten diejenigen dieser Art diese Verfärbung den
ganzen Sommer über. Solche einmal entstandene Varietäten werden auf
vegetativem Wege durch Pfropfung vermehrt, können aber gelegentlich,
wie besonders bei der Blutbuche beobachtet wurde, auch durch Samen
weitergezüchtet werden, indem der Samen eines rotblätterigen Baums zu
einem großen Teile rotblätterige Pflänzlinge liefert.
Wie die einheimische +Traubenkirsche+ und +Steinweichsel+ (~P. padus~
und ~P. mahaleb~) wird neuerdings vielfach auch die aus Virginien
in Nordamerika bei uns eingeführte +spätblühende Traubenkirsche+
(~P. serotina~) kultiviert. Sie unterscheidet sich von unserer
einheimischen Form durch lorbeerähnliche, glänzende Belaubung und
aufrechte Blütentrauben. Außer der bereits erwähnten flammendrot
blühenden Scheinquitte hat uns Ostasien in seinem +Blütenapfel+ (~Malus
floribunda~) und dessen Verwandten einige der schönsten Blütensträucher
des Frühjahrs geschenkt. Europa selbst bietet in verschiedenen Formen
der +Mehlbeeren+ (~Sorbus aria~ und ~suecica~), vor allem aber in deren
Bastardbildungen mit +Vogelbeere+ (~S. aucuparia~) und +Elsbeere+ (~S.
torminalis~) hübsche Zierbäume. Die Vogelbeere oder gemeine Eberesche,
die sich im Herbst mit den von den Vögeln bevorzugten prächtigroten
Früchtebüscheln schmückt, ist wegen ihres schönen Aussehens und raschen
Wuchses in Parks und als Alleebaum sehr beliebt und wird auch in einer
Varietät mit hängenden Ästen als Trauerbaum gezogen. Das weißlich oder
bräunlich geaderte, gegen den Kern zu oft dunkler geflammte, ziemlich
harte, feine Holz nimmt gute Politur an und ist deshalb von Tischlern
und Drechslern gesucht. Mit Vogelbeerzweigen besteckte man früher am
Walpurgisabend (1. Mai) die Stalltüren, um Hexen abzuhalten. Auch
peitschte man am nächsten Morgen die Kühe mit diesen Zweigen, damit
sie reichlicher Milch gäben. In Mecklenburg war das Quitzern, d. h.
das Schlagen mit den Zweigen des als Quitz bezeichneten Mehlbeerbaums,
noch im 18. Jahrhundert Sitte. Dabei mußte der Gequitzte dem, der ihn
quitzte, ein Geschenk geben.
Auch die beiden +Weißdorn+arten (~Crataegus oxyacantha~ und
~C. monogyna~) sind sowohl in der wilden Form, zu Hecken und
Einfriedigungen zugeschnitten, als besonders mit gefüllten roten Blüten
als Hochstamm gezogen in Park und Garten beliebt. Dieser rotblühende
Weißdorn wird häufig als „Rotdorn“ bezeichnet. Von Rot- und Weißdorn
hat man in den Gärten eine Varietät mit hängenden Zweigen und eine
solche mit gescheckten Blättern gezüchtet. Von den zahlreichen
fremden Arten ist besonders der aus dem östlichen Nordamerika zu
uns gekommene +scharlachfrüchtige Weißdorn+ (~C. coccinea~) mit
großen, rundlich gesägten Blättern beliebt, ebenso der virginische
+Hahnensporn-Weißdorn+ (~C. crusgalli~) und die gleichfalls von Kanada
bis Karolina gemeinen ~C. glandulosa~, ~prunifolia~, ~rotundifolia~,
~salicifolia~, ~punctata~, ~grandiflora~ u. a., während ~C.
sanguinea~ aus Sibirien, ~C. nigra~ aus Ungarn und ~C. melanocarpa~
aus dem Orient zu uns kamen. Ebenfalls wird der mit mispelgroßen,
glänzend roten oder gelben, eßbaren Früchten versehene und deshalb
in Vorderasien und in den Mittelmeerländern häufig kultivierte
+Azarol-Weißdorn+ (~C. azarolus~) mit weißen Blüten häufig in unsern
Gärten als Zierpflanze gezogen. Alle Weißdornarten haben nach ihrem
Weichwerden im Oktober nicht nur von den Vögeln begehrte, sondern
auch von den Kindern gerne gegessene, inwendig gelbe, mehlige Früchte
und ein hartes, von Drechslern gesuchtes Holz. Da aber viele Insekten
auf ihnen leben, die gerne von ihnen auf die Obstbäume übergehen, so
sollten sie nicht in der Nähe der letzteren gepflanzt werden.
Außer der süddeutschen +gemeinen Zwerg+- oder +Steinmispel+
(~Cotoneaster vulgaris~) und der +filzigen Steinmispel+ (~C.
tomentosa~), beide mit rosenroten Blüten und prächtigroten Früchten,
werden auch die aus Nordeuropa und Sibirien bei uns eingeführte
+schwarzfrüchtige Zwergmispel+ (~C. nigra~), die aus dem Orient
stammende +doldentraubige Zwergmispel+ (~C. racemiflora~) mit roten
Früchten, der bei uns im Winter schutzbedürftige südeuropäische
+immergrüne Feuerdorn+ (~C. pyracantha~ -- nach der schon von
Dioskurides genannten Bezeichnung ~pyrákantha~, d. h. Feuerdorn)
mit weißen Blüten und den Winter über hängenbleibenden feuerroten
Früchten, wie auch die immergrüne, rotfrüchtige +rundblätterige
Zwergmispel+ (~C. rotundifolia~) aus dem Himalaja in unsern Gärten und
Anlagen als Ziersträucher gepflanzt. Weiße Blüten, wie alle zuletzt
genannten, haben auch die gleicherweise wie jene in unsern Parks
gezogenen +Felsenmispeln+ (~Aronia~), von denen die laubarme +gemeine
Felsenmispel+ (~A. rotundifolia~) mit haselnußgroßen, schwarzblauen,
rundlichen Früchten und die +kanadische Felsenmispel+ (~A. canadensis~)
angenehm schmeckende Früchte liefern, welche besonders in Frankreich
als ~amélanches~ häufig gegessen werden.
Von den Rosenblütlern sind ferner die meist weiß, seltener rot
blühenden +Spiersträucher+ (~Spiraea~) zu nennen, von denen gegen
50 Arten und zahllose Kreuzungen dieser anspruchslosen Sträucher
bei uns angepflanzt werden, obschon sich ihre Blüten weder durch
Farbenpracht, noch durch Wohlgeruch auszeichnen. Als Gartenzierpflanzen
und zu Hecken beliebt sind der 1-2 m hohe rosenrot, aber auch weiß
blühende +weidenblättrige Spierstrauch+ (~Spiraea salicifolia~),
und der weißblühende +gamanderblätterige Spierstrauch+ (~S.
chamaedryfolia~), beide aus Sibirien, dann der +hainbuchenblätterige+
(~S. carpinifolia~), der +schneeballblätterige+ (~S. opulifolia~), der
+doldentraubige+ (~S. corymbosa~), der rotblühende +filzblätterige+
(~S. tomentosa~), alle aus dem östlichen Nordamerika, der
+Douglasische+ (~S. douglasii~) aus dem westlichen Nordamerika,
der hübsche +pflaumenblätterige+ (~S. prunifolia~) mit roten und
der +dreilappige+ und +prächtige Spierstrauch+ (~S. trilobata~ und
~callosa~) aus Ostasien, speziell Japan, beide mit weißen Blüten. Die
meisten dieser Formen trifft man nicht selten verwildert auch außerhalb
der Gärten an.
Statt der einfachen, meist gezähnten Blätter der Spiräen besitzen die
+Fiederspieren+ (~Sorbaria~) gefiederte Blätter. Die am häufigsten
angepflanzte Form derselben ist die 2-2,6 m hohe +vogelbeerblätterige
Fiederspiere+ (~S. sorbifolia~) mit bis 30 cm langer pyramidaler
Rispe von weißen Blüten aus Sibirien und Nordchina. Ebenfalls aus
Ostasien kam die bis 2 m hohe +japanische Kerrie+ (~Kerria japonica~)
-- zu Ehren des englischen Gärtners Kerr so genannt, der zu Anfang des
vorigen Jahrhunderts nach China und Japan reiste und viele Pflanzen
von da in Europa einführte -- als Zierstrauch zu uns und wird wegen
ihrer schönen, goldgelben, fast immer gefüllten, vom Frühling bis zum
Herbst fortblühenden Blüten und der geringen Pflege, die sie verlangt,
fast überall in den Gärten angepflanzt. Da die Blüten nach Form und
Farbe sehr an diejenige der Hahnenfüße (~Ranunculus~) erinnern, wird
das Ziergewächs auch als Ranunkelstrauch oder japanische Honigrose
bezeichnet. Nahe mit diesen verwandt ist die auch bei uns als
Rasenzierstrauch kultivierte, nach dem deutschen Arzte Arnold Gillen,
der 1627 ein lateinisches Botanikbuch in Kassel herausgab, genannte
+dreiblätterige Gillenie+ (~Gillenia trifoliata~) aus dem östlichen
Nordamerika.
Von ebendort stammt der bei uns häufig in Anlagen zu treffende und
schon fast verwilderte, bis 5 m hohe ~Hirschkolben-Sumach~ oder
+nordamerikanische Essigbaum+ (~Rhus typhina~), so genannt, weil
seine sauren roten Früchte zur Verstärkung des Essigs dienen. Seine
weitreichenden, mit ihrem braunen Filz an ein im Bast stehendes
Hirschgeweih erinnernden Schößlinge und Wurzelausläufer sind
außerordentlich zäh und schlagen immer wieder aus. Das schöngefiederte,
sattgrüne Laub nimmt im Herbste wie dasjenige der gleichfalls aus dem
östlichen Nordamerika stammenden Jungfernrebe und zahlreicher anderer
Pflanzen jenes Erdteils eine prachtvolle rote Färbung an. Das Holz
dient als Nutzholz, und in seiner Heimat werden die Blätter zum Gerben
benutzt. Ebenfalls in Nordamerika heimisch ist der +glatte Sumach+
(~Rh. glabra~), dessen Fiedern unterseits nicht fein behaart, sondern
glatt sind. Seine Rinde wird in den Vereinigten Staaten zum Gerben
benutzt. Ihm ähnlich, aber in allen Teilen kleiner, ist der in den
Mittelmeerländern heimische +Gerber-Sumach+ (~Rh. coriaria~), dessen
zu Pulver zerkleinerte Zweige und Blätter unter dem Namen +Schmack+ in
den Handel gelangen und zum Gerben der Häute und Schwarzfärben dienen.
In Spanien wird damit das Saffian- und Korduanleder bereitet, dessen
Herstellung die christlichen Spanier von den Arabern übernahmen. Schon
die alten Griechen, namentlich die Bewohner von Megara, gerbten mit
seinem Holze Leder und färbten Wolle goldgelb. Außerdem benützten sie
die säuerlich schmeckenden, ebenfalls gerbstoffhaltigen Beeren zum
Stopfen bei Durchfall und als Gewürz, besonders zu Fleischspeisen.
Seiner Giftigkeit wegen gefürchtet und dennoch nicht selten zur
Bekleidung von Lauben angepflanzt wird der +Giftsumach+ (~Rh.
toxicodendron~). Er ist ein ebenfalls aus Nordamerika stammender
Kletterstrauch mit dreizähligen Blättern und kleinen, grünlichen
Blütenrispen. Alle Teile desselben enthalten einen gelblichweißen,
an der Luft schwarz werdenden Milchsaft, der bei der Berührung eine
Hautentzündung hervorruft, bei empfindlichen Personen sogar Schwindel-
und Krampfanfälle erzeugt. Ähnlich giftig ist der gleichfalls an der
Luft schwarzwerdende Saft des früher besprochenen ostasiatischen
+Firnis-Sumachs+ (~Rh. vernificera~), aus dem die Japaner ihren
berühmten Lack herstellen. Aus den Früchten des in China und Japan
heimischen +Wachs-Sumachs+ (~Rh. succedanea~) wird das in großen Mengen
aus Japan exportierte Japanwachs hergestellt, während vom ebenfalls in
Ostasien heimischen +geflügelten Sumach+ (~Rh. semialata~) die durch
Blattläuse (~Aphis chinensis~) erzeugten, langgezogenen, blasenförmigen
Gallen gewonnen werden. Von diesen, als Gerbmaterial wichtigen,
chinesischen Galläpfel erfuhren wir bereits, daß sie seit der Mitte des
vorigen Jahrhunderts einen wichtigen Handelsartikel bilden und in Menge
aus China ausgeführt werden. Auch diese Sumachart ist in unsere Gärten
eingeführt worden und an den eleganten, großen Blättern zu erkennen,
deren Spindel etwas geflügelt ist.
Viel gepflanzt wird bei uns auch der in Südeuropa und im Orient
bis nach China heimische +Perückenstrauch+ (~Rh. cotinus~), dessen
lockere Rispen von grüngelben Blüten zur Fruchtzeit die Blütenstiele
außerordentlich verlängern und aus den unfruchtbaren Blüten zahlreiche
rotbraune Wollfäden hervorsprossen lassen, so daß der Fruchtstand wie
eine wildzerzauste Perücke auf dem Strauche sitzt. Theophrast nennt
ihn ~kokkygéa~ und Plinius in Anlehnung an die griechische Bezeichnung
~coccygia~. Die gerbstoffreiche Rinde und die Blätter dienten schon im
Altertum zum Gerben und das Holz zum Gelbfärben von Leder zu Gürteln
und Schuhen. Noch heute wird es als ungarisches Gelbholz oder Fisetholz
zum Fournieren und Gelbfärben gebraucht.
Nahe verwandt mit den Sumacharten ist der +ostindische Tintenbaum+
(~Semecarpus anacardium~), welcher in seinen Früchten die
ostindischen Elefantenläuse liefert, die unreif zur Herstellung einer
unverlöschlichen schwarzen Tinte und eines Firnis, reif dagegen
zur Heilung von Hautkrankheiten benutzt werden. In der ganzen
Gattung sind scharfe Stoffe sehr verbreitet und zum Teil von so
gefährlicher Wirkung, daß man z. B. sich während des Regens fürchtet,
unter einen Baum von ~Semecarpus heterophylla~ zu treten, weil die
davon abfließenden Tropfen auf der Haut Entzündung hervorrufen. Am
allerbösartigsten in dieser Beziehung ist der an den Flußmündungen des
malaiischen Archipels nicht seltene +Renghasbaum+ (~Gluta rhengas~),
der Arbeitern, die ihn zu fällen versuchen, mit seinem Safte geradezu
lebensgefährliche Geschwüre verursacht, so daß ihn in seiner Heimat
kein Mensch anrührt, geschweige denn verletzt.
Mit den verschiedenen Sumacharten, speziell dem amerikanischen
Essigbaum, wird vielfach wegen der Ähnlichkeit der Blätter der
ebenfalls in unseren Parkanlagen als Schattenbaum angepflanzte
südchinesische +Götterbaum+ (~Ailanthus glandulosa~) verwechselt.
In seiner Heimat heißt er wegen der Höhe von 16-19 m Götter- oder
Himmelsbaum. Er wäre einer unserer wertvollsten Parkbäume, wenn er
nicht gar zu leicht das Opfer strenger Winter würde. Die Pflanze
besitzt ein außerordentlich rasches Wachstum und läßt sich, so
lange sie jung ist, in rohem, frisch aufgeschlossenem Boden leicht
versetzen, ist also für Neuanlagen von Gärten wie geschaffen. Dabei
sind die großen, rotüberlaufenen Fruchtstände im Herbst ein prächtiger
Schmuck, so unscheinbar auch die gelbgrünen, im Juli in dichten Rispen
erscheinenden Blüten sind. Neben den gewöhnlichen zwitterigen Bäumen
gibt es auch getrenntgeschlechtige, so daß nicht alle blühenden Bäume
auch Früchte tragen können. Die ölreichen Samen sitzen in der Mitte
eines schraubig gedrehten, zungenförmigen Flugblattes und werden durch
den Wind verbreitet. In China lebt auf diesem Baume die Raupe des
prächtigen, großen Ailanthus-Spinners (~Saturnia cynthia~), welche
in zwei Ernten jährlich so viel Seidenmaterial liefert, daß es dort
seit Jahrhunderten zur Herstellung von Kleidern vewendet wird. Die
Raupe ernährt sich von den bis 1 m langen gefiederten Blättern und
wurde zur Seidengewinnung mit seinem Nährbaum auch in Südfrankreich
und Algerien eingeführt. Ab und zu kann der Schmetterling auch bei uns
angetroffen werden.
Ein ebenfalls sehr schöner, 10-15 m hoher, sehr rasch wachsender,
aber wegen seiner Empfindlichkeit gegen Frost nur an geschützten
Stellen vorkommender und auch da nur selten blühender ostasiatischer
Baum ist der +japanische Kaiserbaum+ (~Pawlonia imperialis~ -- nach
Anna Pawlona, der Tochter des russischen Kaisers Paul I. und Gemahlin
Wilhelms II., Königs der Niederlande, so genannt). Er besitzt große,
langgestielte, ganzrandige, behaarte Blätter und aufrecht gestellte
Rispen von großen, hell blauvioletten, angenehm duftenden Blüten.
Drei kleeförmig geordnete Blätter desselben bilden das japanische
Kaiserwappen. Das leichte Holz findet vielfache Verwendung, und aus
dem Samen gewinnt man ein Öl, das in Japan zur Herstellung gewisser
durchsichtiger Papiersorten dient.
Dem ostasiatischen Ailanthus sehr nahe verwandt ist der aus dem
südlichen Nordamerika stammende und bei uns als Gartenzierstrauch
beliebte +gemeine Lederbaum+ (~Ptelea trifoliata~). Dieser bis 5 m
hohe Strauch mit dreizähligen Blättern, die beim Reiben unangenehm
riechen, bildet kreisrunde Flügelfrüchte aus, die an diejenigen der
Flatterulme erinnern.
Wegen noch größerer Frostempfindlichkeit bei uns in Töpfen kultiviert
und den Winter über im Keller oder Kalthaus aufgestellt wird der in
allen Teilen einen bitteren, giftigen Saft enthaltende +Oleander+
oder +Rosenlorbeerbaum+ (~Nerium oleander~). Diese, dem Immergrün
(~Vinca~) nahe verwandte, beliebte Schmuckpflanze unserer Wohnungen
und Gärten ist ein in den warmen Mittelmeerländern wildwachsender,
sehr leicht durch Stecklinge zu vermehrender baumartiger Strauch,
der von seiner in die Augen fallenden Eigenschaft, die Wasserläufe
und kiesigen Rinnen oder Schluchten, in denen sich nur vorübergehend
die Wildbäche nach heftigem Regen gegen das Meer hinabwälzen, zu
begleiten und einzufassen, von den Griechen den Namen ~nérion~, von
~nerós~ fließend -- es sei hier nur an Nereus, den Wassergott, und
die Nereiden, die Göttinnen des flüssigen Elements erinnert --,
erhielt. Diese Bezeichnung übernahmen dann die Römer. Trotz dieses
bevorzugten Standortes ist aber der Oleander durchaus keine eigentliche
Wasserpflanze und ersteigt auch die steinigen Halden der Berge, an
denen oft Nebel lagern. Merkwürdig ist, daß die Alten bis auf Plinius
und Dioskurides die so charakteristische Pflanze der südlichen
Landschaft nicht nannten, so daß V. Hehn auf die falsche Vermutung
kam, der Oleander sei in der Zeit zwischen Theophrast († 286 v. Chr.)
und dem Ende der römischen Republik (das auf den 2. September 31
v. Chr. durch den Sieg von Cäsar Octavianus, seit 27 v. Chr. Augustus
beigenannt, über Antonius und Kleopatra fällt) vermutlich aus dem
pontischen Gebirge zuerst nach Griechenland und von da später auch
nach Rom gekommen. Es ist dies offenbar eine Verwechslung mit der
pontischen Alpenrose (~Rhodondendron ponticum~), denn der von den
Griechen auch als ~rhododéndron~, d. h. Rosenbaum oder ~rhododáphnē~,
d. h. Rosenlorbeer, bezeichnete Oleander kommt im pontischen Gebirge
überhaupt nicht wild vor.
In der römischen Kaiserzeit war der Rosenlorbeer bei den Ärzten und dem
Volke in Italien so bekannt und als Gift gefürchtet wie heute, wo er in
Süditalien ~amazzo l’asino~, d. h. Eselmörder, heißt. Der aus Kilikien
gebürtige Arzt Dioskurides sagt in seiner Arzneimittellehre: „Der
bekannte Strauch ~nérion~ oder ~rhododáphnē~ oder ~rhododéndron~, der
längere und dickere Blätter hat als der Mandelbaum -- hier folgt die
weitere Beschreibung -- wächst in Paradiesen (vom persischen ~pardes~,
d. h. Park) und in Ufergegenden und an den Flüssen. Seine Blüten und
Blätter wirken schädlich auf Hunde, Esel, Maultiere und die meisten
Vierfüßler; den Menschen aber sind sie, mit Wein getrunken, heilsam
gegen den Biß von Tieren, besonders wenn man Raute hinzumengt. Kleinere
Tiere aber, wie Ziegen und Schafe, sterben, wenn sie einen Aufguß
davon trinken.“ Palladius, der im 4. Jahrhundert n. Chr. ein noch im
Mittelalter vielfach benutztes Werk über den Landbau in 14 Büchern
schrieb, erwähnt ihn als Mittel die Mäuse damit zu vertilgen, indem man
deren Gänge und Löcher mit Blättern dieses Baumes verstopft.
Während der Oleander in Südeuropa eine Höhe von 5, ja selbst 7 und
8 m erreicht, sieht man ihn in Deutschland in den Kübeln kaum über
3 m hoch werden. Die von Juni bis September erscheinenden duftlosen
Blüten sind bei der wildwachsenden Pflanze karminrot, doch hat man aus
Samen zahlreiche Spielarten mit einfachen und gefüllten, verschieden
nuancierten roten und weißen Blumen gezogen. Aus Indien stammt der
+wohlriechende Oleander+ (~N. odoratum~), der längere und schmälere
Blätter von frischem Grün und sehr angenehm duftende größere, weiße,
rosenrote oder fleischfarbene Blüten mit purpurnen Linien in der Röhre
besitzt. Die gelb blühenden Varietäten sind empfindlicher als diese und
deshalb auch weniger bei uns verbreitet. Der in Ostindien wachsende
+Färberoleander+ (~N. tinctorium~) liefert eine Art Indigo.
Ebenfalls ein Mitglied der immergrünen, mediterranen Strauchvegetation,
der wegen seiner schönen Belaubung häufig auch als Zierstrauch
kultiviert wird, bei uns aber über den Winter im Kalthaus untergebracht
werden muß, ist der zu den Erikazeen gehörende gemeine +Erdbeerstrauch+
(~Arbutus unedo~), dessen erdbeerähnliche, aber etwas fade schmeckenden
Früchte vom gelehrten römischen Schriftsteller Varro (116-27 v. Chr.)
mit Eicheln, Brombeeren und Holzäpfeln zu den Nahrungsmitteln der
Urzeit, also zu denen, die die jungfräuliche Erde dem Menschen von
selbst darbot, gerechnet wurde. Jetzt, da man bessere Früchte in Menge
besitzt, verschmäht man seine 2-2,5 cm dicken, scharlachroten Früchte
trotz ihres säuerlich-süßen Geschmacks, sowohl in Griechenland als auch
in Italien und überläßt sie den Vögeln, für die sie ja ursprünglich
von der Pflanze bestimmt waren; nur in Spanien, wo der schöne Strauch
namentlich in der Sierra Morena häufig zu finden ist, werden sie
zahlreich auf den Markt gebracht. In sehr großer Menge genossen, sollen
sie betäubend wirken und Kopfschmerzen verursachen. Sie enthalten
ziemlich viel Zucker und können auch zur Branntweinfabrikation benutzt
werden. Der stattliche Strauch oder kleine Baum von 3-5 m Höhe, mit
rotberindeten Zweigen und großen, lederartigen, denjenigen des Lorbeers
ähnlichen, immergrünen Blättern und hängenden Trauben von weißen oder
rosenroten Blüten findet sich in ganz Europa wild und wird wie sein
Verwandter, der in Griechenland und im Orient heimische ~Arbutus
andrachne~, in wärmeren Gegenden in Gärten kultiviert. Letztere Art
fällt durch ihren glatten, rötlichen Stamm auf. Die lateinische
Bezeichnung ~arbutus~ hängt wohl nicht mit ~arbor~ Baum, sondern
mit einer noch im althochdeutschen ~ertberi~ (Erdbeere) erhaltenen
indogermanischen Benennung der Frucht nach ihrer Ähnlichkeit mit der
Erdbeere zusammen.