Der von den Griechen ~dáphnē~ genannte Lorbeerbaum war, weil er durch

den Duft seiner Blätter Moder und Verwesung verscheuchen sollte, dem

Apollon geweiht, der aus einer Personifikation der die Seuche sendenden

und daher auch von dieser befreienden Sonnenglut allmählich zum Gott

der Sühne für sittliche Befleckung und Erkrankung geworden war. Die

Sage meldet, daß, als der Sohn Agamemnons, Orestes, um sich vom Blut

der von ihm mit ihrem Buhlen Ägisthos in Mykenä erschlagenen Mutter

Klytaimnestra zu sühnen, sich mit seinem Freunde Pylades auf Apollons

Geheiß nach Taurien begab, das Bild der Artemis zu holen, und dort von

seiner als Priesterin waltenden Schwester Iphigeneia nach Landesbrauch

mit seinem Freunde geopfert werden sollte, er von ihr erkannt und

gerettet wurde. An seiner Stelle sei dann ein anderes Sühnopfer der

Göttin dargebracht worden, und, als die Reste desselben im Boden

vergraben wurden, sei aus ihnen der Lorbeerbaum hervorgesproßt. Apollon

soll, als er nach der Erlegung des die Gegend um Delphi am Fuße des

Berges Parnaß hausenden Drachen Python selbst der Sühne bedurfte, auf

Befehl des Zeus sich im Tal Tempe gebadet, sich mit Lorbeer bekränzt

und auch einen Lorbeerzweig in seine Rechte genommen haben und sei so

nach Delphi gezogen, wo er das dortige Orakel übernahm. In der Folge

hat sich der Lorbeer mit dem Kult des Apollon als diesem Gotte heilige

Pflanze überallhin verbreitet, wo jenem reinigenden, sühnenden Gotte

Heiligtümer errichtet wurden. Bei allen gottesdienstlichen Handlungen

des Apollonkultes wurden Zweige von ihm symbolisch verwendet, und

er verlieh dem im Dienste des Gottes stehenden Seher die Kraft,

Verborgenes zu schauen und den um ein Orakel Bittenden die Zukunft zu

enthüllen. So ward der Lorbeer auch das Abzeichen des im Dienste des

Gottes zur Begleitung der Leier seine Lieder singenden Sängers und,

da der Gott der Anführer der neun Musen war, auch aller mit diesen

zusammenhängenden Künste. Und wie zur ~Corona triumphalis~ geflochtene

Lorbeerzweige die Stirne des Siegers schmückten, so zierte der

Lorbeerkranz auch den im Dienste der Musen sich auszeichnenden Dichter

oder Künstler.

Der Lorbeer brennt, nach Plinius, nur widerwillig und zeigt dies durch

sein Knistern an. Der feuerabwehrenden Kraft des Lorbeers wurde es

zugeschrieben, daß bei dem großen Brande Roms unter den Konsuln Spurius

Postumius und Piso, als die Regia in Flammen stand, das ~Sacrarium~,

d. h. der Tempel des Apollo, unversehrt blieb, weil ein Lorbeer vor

ihm stand. Dann aber war es gerade das Lorbeerholz wegen seiner Härte,

das nach Theophrastos und demselben Plinius als Quirl zum Erzeugen des

Feuers durch Reiben diente, während als Unterlage, auf der gerieben

wurde, das weiche Holz des Efeus oder des Wegdorns (~Rhamnus~)

benutzt wurde. Ein reines Feuer zu den Opfern der Griechen und Römer

durfte nur der Reibung zweier wie dieser glückbringender Hölzer

entstammen, während man in späterer Zeit es vorzog, das reine Feuer zum

Gottesdienste mit Hilfe von Brenngläsern, vielfach aus Bergkristall,

oder von metallischen Hohlspiegeln zu gewinnen. Der Lorbeer sollte

auch die Blitze abwehren. Um vor dieser Gefahr beschützt zu sein,

bekränzte sich der abergläubische Kaiser Tiberius, der Schwiegersohn

und seit dem Jahre 4 n. Chr. auch Adoptivsohn des Augustus, der nach

dessen Tode im Jahre 14 zur Herrschaft gelangte und bis zum Jahre 37

n. Chr. regierte, wie der Geschichtschreiber Suetonius berichtet, mit

Lorbeer, wenn ein Gewitter am Himmel nahte. Solche Vorstellungen wurden

durch die vielfach gemachten Erfahrungen geweckt, daß nicht alle Bäume

gleichmäßig vom Blitze getroffen werden. Auch bei uns schlägt der

Blitz fast niemals in Walnußbäume und Buchen, am häufigsten aber in

Eichen, welch letztere deshalb von den alten Germanen dem Donnergotte

geheiligt waren. Es hängt dies mit der elektrischen Leitungsfähigkeit

des Holzkörpers zusammen, das bei den einzelnen Baumarten eine ganz

verschiedene ist. Ionesco hat auf Grund von genauen Untersuchungen

festgestellt, daß tatsächlich Bäume, die zur Jahreszeit der Gewitter

verhältnismäßig viel fettes Öl, wie auch der Lorbeer, in ihrem

Holzkörper führen, dem Blitzschlag am wenigsten ausgesetzt sind.

Abgestorbene Äste an einem Baume erhöhen für denselben die Blitzgefahr.

Wie der Lorbeer dem Apollon, so war die +gemeine Myrte+ (~Myrtus

communis~) bei den Griechen als Symbol der Jugend und Schönheit

der Liebesgöttin Aphrodite geweiht und wurde um ihre Heiligtümer

herum angepflanzt und bei ihren Festen und den Eleusinien vielfach

als Schmuck getragen. Schon von den alten Persern wurde sie bei

gottesdienstlichen Handlungen benutzt und galt deshalb bei ihnen

als heilige Pflanze. Sie ist ein immergrüner, 2-4 m hoher Strauch

oder kleines Bäumchen mit lanzettförmigen, wohlriechenden Blättern,

weißen, seltener auch rötlichen oder gefüllten Blüten und schwarzen,

aromatischen Beeren, die früher, bevor man den Pfeffer kannte, als

Gewürz und Arznei dienten. Bei den Römern gab es einen mit diesen

Beeren bereiteten Leckerbissen, der ~myrtatum~ hieß; vielfach wurde,

wie Columella berichtet, damit gewürzter Wein getrunken. Die Myrte

ist im ganzen Mittelmeergebiet heimisch und wächst hier mit Vorliebe

auf sumpfigem Boden. Der griechischen Sage zufolge soll sie, die von

den Hellenen ~myrsínē~ genannt wurde, in Attika entstanden sein. Hier

liebte einst Aphrodite eine schöne und mutige Jungfrau, und als diese

starb, schuf die Göttin zu ihrem Andenken die Myrte. Seither ist sie

das Ehrenabzeichen jungfräulicher Bräute bei ihrem Hochzeitsfeste, ein

Brauch, der sich bis auf unsere Tage erhielt.

Schon im Altertum wurden auch Myrtenwunder mit der Aphrodite, wie im

Mittelalter Rosenwunder mit der Gottesmutter Maria in Zusammenhang

gebracht. So schreibt der um 200 n. Chr. in Alexandreia und Rom lebende

griechische Grammatiker Athenaios aus Naukratis in Ägypten in seinen

~Deipnosophistai~, in denen er uns wichtige Nachrichten über das Leben

und die Sitten der alten Griechen überlieferte: „In dem Buche des aus

Naukratis stammenden Polycharmos, das von der Aphrodite handelt, habe

ich über den sogenannten Naukratitenkranz Aufschluß erhalten. Dort

heißt es: In der 23. Olympiade (im 7. Jahrhundert v. Chr. um 686)

reiste Herostratos, Bürger von Naukratis, in die Fremde, kam weit

umher und kaufte zu Paphos auf Cypern ein Bild der Aphrodite, das eine

Spanne hoch und uralt war, um es mit nach Naukratis zu nehmen. Auf der

Rückreise, als das Schiff in die Nähe Ägyptens kam, trat plötzlich

ein solches Unwetter ein, daß man das Land nicht mehr sehen konnte,

und keiner von der Bemannung des Schiffes wußte, wo er war. In der

Not nahmen sie alle ihre Zuflucht zum kleinen Bilde der Aphrodite

und flehten um Rettung. Da ließ die Göttin plötzlich auf dem ganzen

Schiff Myrten emporwachsen, und das Schiff füllte sich mit Wohlgeruch,

während die Mannschaft eben noch in Verzweiflung gewesen war, an

Seekrankheit stark gelitten und entsetzlich gespieen hatte. Mit einem

Male hörte das Erbrechen auf, die Sonne zeigte sich wieder, und das

Schiff gelangte glücklich nach Naukratis. Dort sprang Herostratos mit

dem Bilde der Göttin und mit Zweigen von Myrten ans Land, opferte der

Aphrodite, berief seine Verwandten und Freunde in den Tempel selbst zum

Gastmahl, gab jedem Gaste einen Myrtenkranz und nannte einen solchen:

Naukratitenkranz.“ Der jonische Dichter Anakreon, der in Samos und

Athen lebte (550-478 v. Chr.), spricht von mit Rosen durchflochtenen

Myrtenkränzen, die man bereits zu seiner Zeit zu Ehren der Aphrodite

trug.

Wie der Lorbeerkranz bei den Römern als Sühne für einen blutigen

Sieg getragen wurde, so zogen in Rom mit dem Myrtenkranze geschmückt

diejenigen Feldherrn ein, denen statt eines Triumphes eine Ovation

zukam. Dies war der Fall, wenn der Sieg mit wenig Blutvergießen oder

über verächtliche Feinde, wie Sklaven und Seeräuber, erfochten wurde.

Als Marcus Crassus im Jahre 71 v. Chr. die unter Spartacus fechtenden

Sklaven, die durch zahlreiche Zuzüge, besonders aus Fechterschulen,

ein Heer von 120000 Mann zusammenbrachten, besiegt und die den Kampf

Überlebenden sämtlich gekreuzigt hatte, erlangte er als besondere

Gunst vom Senat die Erlaubnis, bei seiner Ovation einen Lorbeerkranz

statt des Myrtenkranzes zu tragen. Marcus Valerius dagegen trug

infolge eines Gelübdes bei seinem Triumph in Rom neben dem Lorbeer-

auch einen Myrtenkranz. Und zwar wurde wie zu Vermählungen, so auch zu

Ovationen die kleinblätterige, kultivierte Myrte verwendet, während

man die großblätterige als die gewöhnliche Form der wildwachsenden

Pflanze zu Kränzen und Girlanden für Verstorbene verwendete, weshalb

sie auch Totenmyrte hieß. Die erbsengroßen Beeren der kleinblätterigen

+peruanischen Myrte+ sind zuckersüß und wohlschmeckend und werden

ebenso gegessen wie die schmackhaften Beeren der +Lumamyrte+ in Chile

und Peru. Die Beeren und Blüten der zentralamerikanischen ~Myrtus

caryophyllus~ kommen als mexikanisches Piment in den Handel.

Im Südwesten Mitteleuropas sind die +Stechpalme+ (~Ilex aquifolium~)

und der +Buchs+ (~Buxus sempervirens~) zu Hause. Beide erreichen in

Deutschland selten große Stärke. Der erstere ist besonders im Winter,

wenn die leuchtend roten Beeren reif sind, ein so dekorativer Strauch,

daß es sehr begreiflich ist, wenn er in verschiedenen Spielarten in

unseren Gärten gezogen wird. Letzterer ist in einer stets beschnittenen

Zwergform zur Einfassung der Wege in Gärten sehr beliebt. In Südeuropa

dagegen wächst der Buchs zu einem 6-8 m hohen Baum, dessen äußerst

schweres, hartes Holz seit der neolithischen Zeit zu Kämmen, Flöten,

Kreiseln, Büchsen usw. verarbeitet wurde. Unser Wort Büchse heißt:

aus Buchsholz hergestellt. Das deutsche Buchs kommt vom lateinischen

~buxus~, das seinerseits wieder vom griechischen ~pýxos~ sich ableitet.

~Pýxis~ hieß bei den alten Griechen Büchse (aus Buchsbaum). Schon

bei Homer wird in der Ilias erzählt, daß das Joch der Maultiere des

troischen Königs Priamos aus Buchsholz (~pýxinon zygón~) hergestellt

und mit schönen Ringen geziert gewesen sei. Der römische Dichter Ovid

(43 vor bis 7 n. Chr.) spricht vom Triller der Buchsflöte und vom

Buchskamme, mit dem das Haar gekämmt werde, während Vergil (70-19

v. Chr.) vom flott unter den Peitschenhieben herumtanzenden Kreisel aus

Buchsholz (~volubile buxum~) redet. Auch Claudianus spricht von der

Buchsflöte, die ein Sterbelied stöhne, wenn er sie blase, und Columella

sagt, daß bei der Käsebereitung der geronnene Käsestoff in eine Form

aus Buchsholz gespannt werde. Der ältere Plinius nennt das Buchsholz

als wegen seiner Härte hochgeschätzt, aber schlecht brennend und nur

geringwertige Kohlen gebend. Der auf den Pyrenäen häufig wachsende Baum

werde auf Korsika am dicksten, aber seine Blüten machen dort den Honig

bitter. Er sei in den Gärten veredelt worden, lasse sich zu dichten

Wänden ziehen und gut beschneiden. Martialis und Firmicus sprechen wie

der jüngere Plinius vom Buchsbaum, der in den römischen Gärten zu den

verschiedensten Gestalten, besonders von großen Tieren, beschnitten

wurde. Noch heute wird das harte Holz als das brauchbarste Material zu

Holzschnitten, zu Blasinstrumenten, wie Flöten und Klarinetten, wie

auch zu Dosen und Kämmen verarbeitet. Die Blätter wurden früher als

gelindes Abführmittel gebraucht.

Verwandt mit dem Buchs sind die +Rauschbeeren+ (~Empetrum~), von denen

der nur 0,3-0,5 m hohe +schwarze+ oder +Alpenrausch+ (~E. nigrum~)

eins der vorzüglichsten torfbildenden Gewächse ist und vielfach zur

Einfassung von sogenannten Moorbeeten in Gärten Verwendung findet.

Dieser hochnordische Strauch wächst als Relikt der Eiszeit auf Moor-

und Torfboden Norddeutschlands und der höheren Gebirge bis Grönland und

steigt in den Alpen bis 2300 m Höhe. Den Namen hat er davon, daß die

saftigen, aber sauer schmeckenden Beeren im Übermaß genossen berauschen

und Schwindel erregen sollen. Von den Nordvölkern werden sie roh und

als Mus gerne gegessen und dienen auch zur Bereitung eines Getränks.

Von den +Kreuzdorn+arten (~Rhamnus~) kam der +immergrüne Wegdorn+

(~Rh. alaternus~, mit letzterem Namen nennt ihn der ältere Plinius,

indem seine Blätter und Beeren im Altertum als Heilmittel dienten)

aus Südeuropa in unsere Gärten, während der einheimische +gemeine

Wegdorn+ (~Rh. carthartica~) zu Hecken benutzt wird, den Bienen

Nahrung und den Menschen ein treffliches, hartes Holz zu Drechsler-

und Tischlerarbeiten liefert. Die noch grünen Früchte dienen zum

Gelbfärben, die reifen schwarzen dagegen, wie auch diejenigen des

+Faulbaums+ (~Rh. frangula~), als Abführmittel. Von letzterem ist die

innere Rinde als Laxans offizinell, während das Holz zu Schuhstiften,

feinen Drechsler- und Tischlerwaren dient und die beste Kohle zu

Schießpulver bildet. Die Samenkerne liefern ein gutes Brennöl. Der

bis 2,5 m hohe Faulbaum ist ein beliebter Zierstrauch in Anlagen,

wo man außerdem auch die höchstens 2 m hohe ~Rh. alpina~ von den

Alpen und süddeutschen Gebirgen, sowie die ähnliche, aber größere

~Rh. grandifolia~ aus Persien und dem Kaukasus kultiviert. In Italien

wird der im Orient und in Südeuropa heimische +gemeine Stechdorn+

(~Paliurus aculeatus~) seiner starken Dornen wegen häufig zu Hecken,

bei uns aber wie die verwandte +Säckelblume+ (~Ceanothus americanus~)

aus den Vereinigten Staaten als Gartenzierstrauch angepflanzt. Aus den

Zweigen des nur in Palästina im Jordantale und am Toten Meer heimischen

+Judendorns+ (~Zizyphus spina Christi~) -- von den Arabern ~nebeg~

genannt -- soll die Dornenkrone Christi geflochten gewesen sein.

Der Stechpalme steht auch die +wirtelblütige Winterbeere+ (~Prinus

verticillatus~), ein 1-2 m hoher Strauch aus Virginien mit in

Wirteln gestellten, weißlichen Blüten nahe. Er wird wie die ebenfalls

nordamerikanische ~P. glabra~ besonders an feuchten Standorten unserer

Lustgärten gepflanzt. Als Gebüschpflanzen unserer Parks finden wir

außer den einheimischen Arten: dem +gemeinen Spindelbaum+ oder

+Pfaffenhütchen+ (~Evonymus europaeus~) Mitteleuropas, dem größeren,

bis 5 m hohen +breitblätterigen Spindelbaum+ (~E. latifolius~)

aus den süddeutschen Kalk- und Voralpen und dem nur bis 2 m hohen

+warzigen Spindelbaum+ (~E. verrucosus~) -- so genannt, weil seine

Äste dicht mit Korkwarzen besetzt sind -- aus den Gebirgswäldern des

östlichen Deutschland besonders auch den +japanischen Spindelbaum+

(~E. japonicus~) mit immergrünen, elliptischen Blättern angepflanzt.

Alle haben schön rot bis gelb gefärbte, heftig abführende und

Brechen erregende Früchte und ein hellgelbes, zu Drechslerwaren und

Schnitzwerk, zu Schusternägeln und besonders Zahnstochern beliebtes

Holz, das verkohlt auch zur Herstellung von Schießpulver dient und

die beste Zeichenkohle liefert. Besonders dient solchen Zwecken der

gemeine Spindelbaum, der auch zu Hecken gezogen wird, und von dem eine

Varietät mit hängenden Zweigen als Zierstrauch dient. Dem Spindelbaum

sehr nahe steht die in Gebirgswäldern Süddeutschlands heimische

+gemeine Pimpernuß+ (~Staphylea pinnata~), ein 3-6 m hoher Strauch

mit gefiederten Blättern und weißlichen, hängenden Blütentrauben,

die ebenfalls bei uns in Anlagen kultiviert wird. Das feste Holz

dient gleicherweise zu Drechslerarbeiten, die Früchte wirken gelinde

abführend und die Samen enthalten ein gutes Brennöl. Sehr nahe damit

verwandt ist der nordamerikanische +kletternde Baumwürger+ (~Celastrus

scandens~), ein 2-5 m hoher Schlingstrauch, der als Zierpflanze in

unseren Gärten vornehmlich zu Lauben und Wandbekleidungen dient.

Ebenfalls aus Nordamerika kam die als „+wilder Wein+“ allgemein

bekannte +Jungfernrebe+ (~Ampelopsis quinquefolia~) zu uns, deren

fünfzähliges Laubwerk mit seiner prächtigen, blutroten Herbstfärbung in

unserer einheimischen Pflanzenwelt einzigartig dasteht und deshalb sehr

häufig zur Bekleidung von Mauern und schattigen Lauben benutzt wird.

Zu seiner Befestigung an der Unterlage dienen zu verholzenden Ranken

ausgebildete Seitenzweige, deren Aufgabe darin besteht, geeignete

Stützen aufzusuchen, zu umwickeln und dann durch korkzieherartige

Einrollung den Hauptzweig nachzuziehen. Vermag aber eine solche

Pflanze, etwa an einem glatten Baumstamm, keinen Stützpunkt zu finden,

so findet in der Weise eine Anpassung statt, daß sich die Tastspitzen

der Ranken zu Saugscheiben verbreitern, die an der glattesten Unterlage

sich anzupressen und fest zu haften vermögen. Solche Haftscheiben

werden von manchen Arten des wilden Weins sogar regelmäßig gebildet.

Solche „selbstklimmende“ Formen sind zur Bekleidung von Hauswänden

und Mauern ganz besonders geeignet. Als solche findet besonders die

aus Ostasien zu uns gekommene, ebenfalls im Spätherbst, vor dem

Blätterfall, herrlich rot sich färbende +dreispitzige Jungfernrebe+

(~A. tricuspidata~) -- auch in der Abart ~A. veitchi~ -- mit

dreigelappten Blättern neuerdings weite Verbreitung.

An die Jungfernreben schließen sich als einheimische Lianen die

zu den Hahnenfußgewächsen gehörenden +Waldreben+ (~Clematis~) an,

die in verschiedenen importierten großblütigen Formen prächtige

Gartenzierpflanzen zur Bekleidung von Wänden und zum Überziehen von

Lauben bilden. Während die mitteleuropäische +gemeine Waldrebe+ (~Cl.

vitalba~) ganz bescheidene grüngelbe Blüten hat, besitzen schon die

südeuropäischen Arten viel größere und farbenprächtigere Blüten.

Von ihnen hat die +italienische Waldrebe+ (~Cl. viticella~), die

in vielen Varietäten zur Bekleidung von Lauben und Wänden bei uns

gepflanzt wird, einzeln stehende, langgestielte, blauviolette Blüten,

die in einer Abart purpurrot sind, während eine andere, ebenfalls

im Mittelmeergebiet heimische Art fast weiße, nur schwach riechende

Blüten aufweist. Die +glockenblütige Waldrebe+ (~Cl. viorna~) ist in

Nordamerika bis Mexiko heimisch, rankt 3-4 m empor und besitzt außen

purpurviolette, innen grünlichgelbe, 2,6 cm lange glockenförmige

Blüten, während die als Schlingstrauch nicht minder beliebte ~Clematis

coccinea~ aus Texas eine Unterart derselben mit zinnoberroten

glockenförmigen Blüten darstellt. Ebenfalls nordamerikanischen

Ursprungs sind die bis zu 2 m hoch rankende ~Clematis flammula~, die

von Juli bis Oktober ihre milchweißen, nach Orangenduft riechenden

Blüten entfaltet, die ebenso hohe, von Juli bis in den Herbst hinein

große weiße, rote, violette und blaue Blüten entwickelnde ~Cl.

jackmanni~ und die bis 15 cm große, halbgefüllte weiße, leicht lila

gefärbte, angenehm duftende Blüten entfaltende ~Cl. fortunei~. 3-4 m

hoch ranken die ebenfalls nordamerikanische ~Cl. campaniflora~, die von

Juli bis August bläuliche bis lilaweiße überhängende glockenförmige

Blüten entwickelt, die japanische ~Cl. lanuginosa~ mit großen

herzförmigen Blättern und hellblauen Blüten von 16 cm Durchmesser

und die ebenfalls aus Japan stammende ~Cl. patens~ mit schönen blauen

Blüten von 8 cm Durchmesser. Während alle vorgenannten bei uns des

Winterschutzes bedürfen, hält letztere den Winter Süddeutschlands sehr

wohl im Freien aus. Alle diese Arten wie auch die japanische ~Cl.

florida~ hat man untereinander und mit der italienischen Waldrebe (~Cl.

viticella~) gekreuzt und damit viele neue Formen mit sehr großen,

prachtvoll gefärbten Blüten gewonnen.

Durch ihre Genügsamkeit und Winterhärte ausgezeichnet ist die ebenfalls

als Gartenzierpflanze zur Bekleidung von Lauben beliebte +gemeine

Alpenrebe+ (~Atragene alpina~), die in den süddeutschen Alpen und

Voralpen heimisch ist und nur kleine violette oder weiße Blüten

aufweist.

Ein ebenfalls sehr beliebter windender Zierstrauch unserer Gärten ist

der aus dem südlichen Nordamerika zu uns gekommene und zur Bekleidung

von Lauben häufig angewandte +Pfeifenstrauch+ (~Aristolochia sipho~),

ein naher Verwandter unserer an Zäunen und in Gärten als Unkraut aus

Südeuropa eingewanderten +gemeinen Osterluzei+ (~A. clematitis~). Sie

trägt große, runde, schattenspendende Blätter und wie Tabakspfeifen

gekrümmte bräunlichgrüne Fallenblüten, die durch ihren Aasgeruch kleine

Fliegen zur Befruchtung anlocken und sie erst wieder entlassen, wenn

sie sich mit dem nach der Befruchtung der Stempelblüten ausstäubenden

Pollen beladen haben. Sie ist verwandt mit den in Warmhäusern gezogenen

Nepenthazeen oder Kannensträuchern aus dem tropischen Südasien und

Indonesien, die mit verdauendem Saft gefüllte Fallgruben an den

entsprechend umgewandelten Spitzen der Blätter besitzen und die darin

erbeuteten Insekten wie die Tiere in ihrem Magen verdauen.

Ein mit gruppenweise zusammengestellten kurzen, zu Haftorganen sich

umbildenden Luftwurzeln bis 16 m hoch kletternder immergrüner Strauch

ist der häufig in Europa und Asien an Bäumen und Mauern in bis zu

armdicken Stämmen emporsteigende +Efeu+ (~Hedera helix~), in alten

Schriften wegen seiner immergrünen Blätter auch Ewigheu genannt. Daraus

oder aus dem daneben gebräuchlichen Eibenheu hat sich das deutsche

Efeu gebildet. Bei den alten Griechen hieß die Pflanze ~kissós~,

bei den Römern ~hedera~ und diente, als dem Gotte des Weins und des

Natursegens, Dionysos-Bacchus, geweiht, zu Kränzen bei Festgelagen

und zur Umwindung des mit einem Pinienzapfen gekrönten Thyrsosstabes.

Um den reichen Bedarf danach zu decken, wurde der Efeu im Altertum

gepflanzt, und zwar rät Columella hochwachsenden Efeu (~orthocissus~)

und gemeinen Efeu (~edera~) in der letzten Hälfte des Februar zu

pflanzen. Alle Teile der Pflanze, auch das nur in südlichen Gegenden

ausfließende Harz, wurden arzneilich benutzt. Der ältere Plinius

wundert sich über die ihr erwiesenen Ehre, daß man sie als beliebtestes

Kranzmaterial verwende, „da sie den Bäumen schadet, Grabmäler und

Mauern sprengt und den Schlangen einen kühlen Zufluchtsort bietet.“

Diese noch heute weitverbreitete Meinung ist aber unrichtig, da

durch den Efeu niemals gesunde Mauern zerstört werden können, er

vielmehr die Unterlage vor Verwitterung schützt. Nur da, wo sich seine

Stämmchen durch bereits bestehende Fugen drängen, vermag er, wie alle

Holzpflanzen, im Laufe der Zeit durch sein geradezu unwiderstehliches

Dickenwachstum Steine auseinander zu sprengen. Der eigentlich dem

Dionysos geweihte heilige Efeu war ursprünglich der im Orient heimische

und mit dem Kulte des Gottes nach Südeuropa gelangte +goldfrüchtige

Efeu+ (~H. chrysocarpa~), ein sonst wie der gemeine Efeu benutzter

Strauch, der sich statt durch bereifte, schwarze, wie unser Efeu, durch

goldgelbe Beeren auszeichnet und vornehmlich zur Bekränzung der Dichter

diente. Auch bei ihnen blühen nur ältere Stämme.

Nahe Verwandte des Efeus sind die +Aralien+, von denen die in

China heimische ~Aralia edulis~ dort und in Japan kultiviert wird,

um die Wurzel und jungen Stengel als angenehmes Gemüse zu essen.

Die +japanische Aralie+ (~A. japonica~) ist eine der schönsten

Freiland-Dekorationspflanzen, muß aber Winters eingebunden werden. Auch

~A. spinosa~ ist ein hervorragendes Blattziergewächs, das im Warmhause

kultiviert und Sommers im Freien gehalten wird. Ebenso ~A. papyrifera~,

ein 2-4 m hoher Strauch Chinas, dessen bis 17 cm dicker Stamm in

seinem spiralig in dünne Blättchen geschnittenen Mark das samtweiche

+Reispapier+ liefert, das erst 1804 von ~Dr.~ Livingstone von China

nach England gebracht wurde.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 65 / 81 段