riechenden, honigreichen, weißen Schmetterlingsblüten in langgestielten
Trauben als Zierpflanze in Anlagen, aber auch als Nutzbaum auf
Eisenbahndämmen und Schutthalden, die sie mit seinem ausgedehnten
Wurzelsystem festzuhalten vermag, wird die +gemeine Robinie+ oder
+falsche Akazie+ (~Robinia pseudacacia~) gezogen. Sie erhielt ihren
Namen vom Gärtner Heinrichs IV. und dessen Nachfolgers Ludwig XIII.,
Jean Robin, der diesen Baum im Jahre 1600 aus Virginien nach Frankreich
brachte. Ein später, 1635, von seinem Sohne Vespasian Robin gepflanztes
Exemplar steht jetzt noch im botanischen Garten in Paris in voller
Kraft. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam dieser nordamerikanische
Fremdling nach Deutschland, wo sich besonders Friedrich der Große
(regierte von 1740-1786) für seine Verbreitung verwendete. Doch
erfüllte er nicht die auf ihn als Nutzbaum gesetzte Hoffnung, obschon
sein gelbliches, oft rötlich geadertes, ziemlich hartes Holz zähe, sehr
widerstandsfähig und leicht polierbar ist und zu feinen Tischler-
und Drechslerarbeiten dient. Zudem ist der bis 25 m hohe Baum
sehr genügsam, wenig empfindlich und zur Befestigung von Dämmen und
Flußufern sehr geeignet. Das Holz liefert eine ebenso schöne gelbe
Farbe als das Quercitronholz, die Rinde dient zum Gerben, die durch je
ein scharfes Dornenpaar in den Achseln geschützten Blätter kann man
als Viehfutter verwenden und die Samen geben ein fettes Öl. Unter den
verschiedenen, durch Kultur entstandenen Spielarten des vom Volke auch
als „Silberregen“ bezeichneten Baumes ist die +unbewehrte Robinie+
(~R. inermis~) mit fast glatten Ästen und die +Kugelrobinie+ (~R.
umbraculifera~) mit kurzen, unter der Blättermasse zusammengedrängten
Zweigen hervorzuheben. Der falsche Name +Akazie+ hat sich so sehr für
diese Baumart eingebürgert, daß sie meist unter diesem bekannt ist. Und
doch hat sie mit den echten Akazien fast keine Ähnlichkeit. Diese in
warmen Gegenden lebenden artenreichen Bäume, die u. a. den arabischen
Gummi und den Katechu liefern, kommen bei uns im Freien nicht fort,
werden aber im Gewächshaus und als Zimmerpflanzen in manchen Arten
gezogen. Im Vorfrühling werden die mit goldgelben, kugeligen Blüten
geschmückten Zweige verschiedener australischer Akazienarten in Menge
von der Riviera bei uns eingeführt, aber -- um den Wirrwarr noch
größer zu machen -- als „Mimosen“ verkauft. Die richtige +Mimose+
oder +Sinnpflanze+ (~Mimosa pudica~) ist ein in Brasilien heimischer
Schmetterlingsblütler, dessen zarte, gefiederte Blättchen so überaus
empfindlich sind, daß sie bei der geringsten Berührung zusammenklappen,
wobei die Blattstiele sich senken. Es ist dies also eine Stellung,
die sie bei den ersten sie treffenden Regentropfen und im Schlafe zum
Schutz gegen den Tau einnehmen. Erst wenn die Pflanze sich völlig
beruhigt hat, richten sich die Blattstiele wieder auf und legen
sich die Fiederblättchen auseinander. Diese zierliche, krautartige
Pflanze ist in vielen Gegenden der Tropen, so namentlich in Ostindien
verwildert und zu einem förmlichen Unkraut geworden, dessen man sich
kaum mehr zu erwehren vermag.
Unter den echten Akazien ist die wahrscheinlich aus Westindien
stammende, jetzt in den wärmeren Gegenden aller Weltteile gepflanzte
~Acacia farnesiana~ zu nennen, die bei uns als Topfpflanze kultiviert
wird, in Südeuropa jedoch im Freien gedeiht und häufig in den Gärten
Italiens, Griechenlands und Spaniens anzutreffen ist. Dieser dornige
Strauch mit doppeltgefiederten Blättern und gelben, langgestielten
Blütenköpfchen wird wegen des köstlichen veilchenartigen Duftes der
letzteren auch in Südfrankreich und an der Riviera gezogen, um die
fälschlich als Kassienblüten bezeichneten Blüten in der Bukettbinderei
und Parfümerie zu benutzen. Ihren Namen hat sie davon, daß sie in
Europa zuerst im Garten der Villa Farnese in Rom angepflanzt wurde.
Wie bei der Mimose sind übrigens auch bei der gemeinen Robinie die
Blätter in gewisser Beziehung reizbar. Ihre gewöhnlich, um das Licht
möglichst auszunutzen, flach ausgebreiteten Fiederblättchen stellen
sich bei zu starker Beleuchtung senkrecht, mit der Kante gegen das
Licht, so daß die Verdunstung in denselben herabgesetzt wird. Bei
kühler Witterung und abends, wenn die Sonne untergegangen ist, senken
sie sich nach unten und legen sich gewißermaßen, um sich gegenseitig
zu erwärmen, leicht gegeneinander. Steigt bei andauernder Hitze
der Wasserverbrauch in bedrohlichem Maße, so wirft der Baum, wie
übrigens noch verschiedene andere Pflanzen unter solchen Umständen
zur Verringerung der Transpirationsfläche, einen Teil seiner Blätter
ab. Gleich ihr kamen ebenfalls aus Nordamerika, und zwar Südkarolina,
die bis 25 m hohe +klebrige Robinie+ (~R. viscosa~) mit klebrigen
Drüsenhaaren an Zweigen und Hülsen und rötlichen Blüten, und die
+borstige Robinie+ (~R. hispida~), deren Äste und Zweige dicht mit
braunen Stachelborsten überzogen sind, mit größeren rosaroten Blüten,
zu uns.
Wichtiger noch als die Robinien sind für unsere Gärten der +Goldregen+
(~Cytisus laburnum~), ein mitunter baumartig werdender Strauch, der in
Südfrankreich und längs des Südfußes der Alpen bis nach Ungarn wild
wächst. Er ist unstreitig einer unserer schönsten Blütensträucher
und wird deshalb allgemein in den Gärten und öffentlichen Anlagen
angepflanzt, obschon er in fast allen Teilen, namentlich aber in den
kugeligen schwarzen Samen ein Cytisin genanntes, Erbrechen erregendes
und stark die Gedärme reizendes, abführendes Alkaloid enthält, das in
großen Dosen selbst den Tod herbeiführen kann. Deshalb sollten Kinder
unbedingt auf die Giftigkeit des Strauches aufmerksam gemacht werden.
Die geruchlosen, goldgelben, hängenden Blütentrauben gleichen in der
Form denjenigen der gemeinen Robinie, dagegen sind die Blätter nicht
gefiedert, sondern kleeartig dreigeteilt. Das dunkelbraun bis schwarz
gefärbte Kernholz wird an Stelle von Ebenholz verwendet und deshalb
falsches Ebenholz genannt.
In Norditalien, Kärnten und Kroatien wächst der +purpurne Goldregen+
(~Cytisus purpureus~) als ein niedriger Strauch mit meist unbehaarten
Blättern und seitenständigen roten Blüten. Auch er wird als Zierstrauch
kultiviert und ist, besonders auf den Stamm des eigentlichen
Goldregens gepfropft, ein schöner Kronbaum. An einem solchen
Pfropflinge fand der Pflanzenzüchter Adam in Vitry bei Paris an der
Verwachsungsstelle beider einen Trieb, der ein richtiger vegetativer
Bastard war und ohne ein Produkt geschlechtlicher Kreuzung zu sein,
in allen seinen Merkmalen die Mitte zwischen seinen Eltern hielt. Das
Entstehen solcher Pfropfbastarde ist eine sehr seltene Erscheinung und
verdient deshalb hier genannt zu werden.
Wie der Goldregen sind verschiedene seiner Verwandten, so die süd- und
mitteleuropäischen +Geißklee+- und +Ginster+arten, in den Garten geholt
worden. Der +Geißklee-+ oder +Bohnenstrauch+ (~C. arboreus~) wurde in
seiner Heimat am Mittelmeer seiner dreizähligen, kleeähnlichen, ein
treffliches Futter für Ziegen, Schafe und Rinder bildenden Blätter
wegen schon im Altertum kultiviert. Nach den römischen Autoren sollte
er besonders auf die Milchabsonderung günstig wirken, so daß selbst
säugende menschliche Mütter gerne eine Abkochung seiner Blätter mit
Wein vermischt zur Förderung der Milchabsonderung genossen. Der
Ackerbauschriftsteller Columella und der gelehrte Naturkundige Plinius
um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. verwundern sich beide darüber,
weshalb diese für die Viehzucht so nützliche Futterpflanze nicht noch
häufiger in Italien gepflanzt werde. Acht Monate lang liefere der Baum
den Tieren grünes Futter und den Rest des Jahres noch gute Nahrung
in getrockneter Gestalt. Nicht bloß dem eigentlichen Vieh, auch den
Hühnern sei er zuträglich und seine Blüten bildeten eine treffliche
Bienenweide. Dabei mache seine Kultur nur geringe Kosten, da er sich
mit dem magersten Boden begnüge und lange Trockenzeiten ertrage.
Man köpfte ihn und zog ihn niedrig, benutzte also vorzugsweise den
immer erneuten Stockausschlag. In der modernen Landwirtschaft der
Mittelmeerländer bildet der Strauch keine Rolle mehr, ist aber wie der
dieselben Landstriche Südeuropas bewohnende +kopfblütige Bohnenstrauch+
(~Cytisus capitatus~) eine geschätzte Zierde unserer Gärten geworden.
Ein vereinzelt schon in Süddeutschland wildwachsender
Schmetterlingsblütler ist der nicht sowohl durch seine wenig
zahlreichen braungelben Blüten, als vielmehr durch seine an Fischblasen
erinnernden häutigen Hülsen auffallende, 3-5 m hohe +gemeine
Blasenstrauch+ (~Colutea arborescens~). Die Hülse, an deren Innenwand
die Samen hängen, wird nämlich durch die von der Pflanze ausgeschiedene
sauerstoffreiche Luft zu einer Blase prall aufgetrieben, die nach der
Reife vom Wind entführt wird, bis sie, allmählich zerreißend, die
Samen entläßt und so für die Ausbreitung der Art sorgt. Die Knaben
pflegen sie mit starkem Knall zu zerdrücken. Die jungen Triebe färben
gelb, die Blätter führen wie die Sennesblätter ab und dienen deshalb
auch zu deren Verfälschung. Als Gartenzierstrauch kam aus Vorderasien
der etwas kleinere, nur 1,5-3 m hohe +blutrote Blasenstrauch+ mit
Trauben schmutzig blutroter Blüten und an der Spitze klaffenden
Fruchtblasen zu uns, während der verwandte, 2-3 m hohe +silberweiße
Salzstrauch+ (~Halimodendron argenteum~) mit seidenhaarigen
Fiederblättern und schönen, fleischroten bis lilafarbenen Blüten
wegen der letzteren aus den Salzsteppen am Irtisch in Westsibirien
in unseren Anlagen angesiedelt wurde. Ebenso kamen aus Sibirien der
+strauchartige+ und der +baumartige Erbsenbaum+ (~Caragana frutescens~
und ~arborescens~) zu uns. Der erstere wird bis 2 m, der letztere bis
5 m hoch. Beide haben gelbe Blüten und werden, weil anspruchslos,
häufig gepflanzt und besonders zu Hecken verwendet. Aus den Blättern
kann man eine blaue Farbe gewinnen, und die erbsenartigen Samen sind
als Geflügelfutter verwendbar. Von ihnen gibt es auch eine hängende und
eine buntblätterige Varietät.
Ab und zu trifft man in Ziergärten auch noch andere
schmetterlingsblütige Sträucher, doch hat sich keiner derselben auch
nur annähernd eine solche Beliebtheit erworben, wie der über 7 m
lange Schlingstrauch Chinas, die unter dem Namen +Glycine+ bekannte
~Wistaria chinensis~, die jetzt den Namen ~Kraunhia floribunda~
führt. An nach Süden gerichteten, einigermaßen geschützten Wänden
hält sie sogar den norddeutschen Winter im Freien aus und schmückt
im Frühjahr die von ihr bekleideten Hausfassaden und Lauben mit der
Pracht ihrer blaßvioletten, duftenden Blüten. Von dieser, kletternde
Sträucher umfassenden Leguminosengattung mit unpaarig gefiederten
Blättern und ziemlich langgestielten blauen, selten weißen Blüten in
endständigen nickenden oder hängenden, lockeren Trauben und langen,
gestielten Hülsen gibt es vier Arten in China, Japan und dem östlichen
Nordamerika. Die bei uns meist gepflanzte chinesische Glycine stammt
aus der Mongolei und China, wurde dort und dann besonders in Japan
viel zur Zierde kultiviert und kam von dort zu uns. Sie besitzt in
der Jugend seidenartig behaarte Blätter und klettert bis 30 m hoch.
~Kraunhia frutescens~ aus Virginia, Illinois und Louisiana ist in allen
Teilen kleiner als die vorige, blüht später und besitzt wohlriechende
Blüten. Sie ist empfindlicher gegen Kälte als vorige Art und wird in
mehreren Varietäten kultiviert. Eine Varietät, ~Kr. magnifica~, blüht
noch reicher als die Stammart und hat bläulichviolette Blüten mit
gelbem Fleck.
Früher sehr beliebte kletternde Sträucher mit meist matt gefärbten,
aber in der Abenddämmerung weithin einen herrlichen Duft aushauchenden
Blüten sind die +Loniceren+ aus der Gattung der Geißblattgewächse. Von
den über 100 Arten sind fast alle auf der Nordhalbkugel heimisch, und
zwar am zahlreichsten im östlichen Asien und im Gebiet des Himalaja.
Das gemeine oder +nördliche Geißblatt+ (~Lonicera periclymenum~)
ist ein Schlingstrauch Südeuropas, Westasiens und Nordafrikas mit
meist außen roten, innen gelben Blüten und roten Beeren. Es ist in
Blattform und Blütenfarbe sehr veränderlich und wird in Gärten zum
Überziehen von Lauben und Wänden usw. benutzt. In Südeuropa bis zum
Kaukasus wächst das +südliche Geißblatt+ (~L. caprifolium~) mit in der
Farbe wechselnden, 5 cm langen Blüten. Auch das nordamerikanische
immergrüne Geißblatt (~L. sempervirens~) mit glänzend dunkelgrünen
Blättern und prachtvoll scharlachroten Blüten mit sehr langer Röhre
wird häufig bei uns kultiviert. ~Lonicera brachypoda~ aus Japan wird
besonders in der Abart mit goldgelb geaderten Blättern zum Beziehen
kleiner Beete und Gitter, auch als Ampelpflanze gezogen.
Die nichtwindenden Geißblattarten bezeichnet man gewöhnlich als
+Heckenkirschen+, weil die paarig verwachsenden roten Früchte
einigermaßen an Kirschen erinnern. Unter ihnen werden als Ziersträucher
kultiviert: die bis 2,5 m hohe +gemeine Heckenkirsche+ oder
+Beinweide+ (~Lonicera xylosteum~), mit eirunden, behaarten,
besonders auf der Unterseite graugrünen Blättern, weißen, sich
später gelb färbenden Blüten und roten Beeren, dann die +tatarische
Heckenkirsche+ (~L. tatarica~), ein 2,5-3 m hoher buschiger
Strauch mit unbehaarten, hellgrünen Blättern, schönen rosenroten
Blüten und roten Beeren aus Mittel- und Südrußland und Sibirien,
ferner ~L. nigra~ mit rötlichweißen Blüten und schwarzen Beeren, und
~L. alpigena~ mit purpurnen Blüten und roten Beeren, beide aus den
Gebirgen Mitteleuropas. Auch die +kanadische Heckenkirsche+ (~L.
canadensis~) und die durch große, schönfarbige Blüten ausgezeichnete
~L. ledebouri~ findet man nicht selten in Ziergärten kultiviert. Doch
ist die Anpflanzung von Loniceren in der Nähe von Obstgärten nicht
ratsam, weil in ihren Früchten die Larve der Kirschfliege lebt. Von
der gemeinen Heckenkirsche wird das knochenharte Holz (Beinholz)
zu Peitschenstöcken, Pfeifenröhren, früher auch zu Ladestöcken und
Stricknadeln verarbeitet.
Eine nahe Verwandte der Geißblattarten ist die als Zierstrauch häufig
angepflanzte, 1 m hohe ~Diervillea canadensis~ mit eiförmigen,
zugespitzten, gesägten Blättern und traubigen, gelben, im Juni
hervorbrechenden Blüten. Sie hat ihren Namen davon, daß sie der
französische Arzt Dierville, ein Freund des Botanikers Tournefort,
diesem 1708 von Kanada aus nach Paris sandte. Vom April und Mai an
bis in den August blühen dagegen die bis 1,3 m hohen +Weigelien+,
deren rotblühende Formen meist auf die nordchinesische Weigelie
(~Diervillea florida~) zurückzuführen sind. Die nach dem Greifswalder
Botanikprofessor Chr. Ehrenfried Weigel (1748-1831) genannten Sträucher
haben längliche Blätter und meist rosarote, angenehm duftende,
kelchförmige Blüten, derentwegen sie bei uns eingeführt wurde und
häufig in Gärten anzutreffen ist.
Verwandt mit ihnen ist die +Schneebeere+ (~Symphoricarpus racemosus~)
ein allgemein bekannter nordamerikanischer Zierstrauch von 1,5 m
Höhe, mit unscheinbaren, fleischroten Blüten und kirschgroßen, weißen
Beeren, welche in dichten Knäueln den ganzen Winter über an den Zweigen
stehen bleiben. Da die eiförmigen Blätter viel Schatten ertragen und
der Strauch sehr leicht gedeiht, wird er häufig zur Ausfüllung von
Lücken und dunkeln Ecken verwendet.
Eine ähnliche Genügsamkeit in bezug auf Licht und Boden zeigt der
ebenso häufig angepflanzte einheimische +schwarze Holunder+ (~Sambucus
nigra~), der mit dem ihm nahe verwandten +gemeinen Schneeball+
(~Viburnum opulus~) und dem +wolligen Schneeball+ (~V. lantana~)
als Zierstrauch in unsere Gärten wanderte. Ebenso ist der in den
Mittelmeerländern heimische +~Laurus tinus~+, der +Gärtner+- oder
+Bastardlorbeer+ (~V. tinus~) bei uns als Topfpflanze allgemein
beliebt. Während bei der wilden Form des Schneeballs nur der äußerste
Kranz der Blütendolde aus sterilen Schaublüten zur Anlockung der
Insekten besteht, wird bei ihrer Kulturform die ganze Blütendolde aus
geschlechtslosen, blassen Schaublüten gebildet, so daß der Blütenstand
sich schneeballähnlich präsentiert, was dem Strauche den Namen gab. Die
roten oder schwarzen Beeren dieser Sträucher sind eine beliebte Speise
der Vögel, die für die Verbreitung der Art sorgen.
Aus Ostasien und Nordamerika kamen die +Pfeifensträucher+
(~Philadelphus~) zu uns. Von diesen ist der im 16. Jahrhundert aus
China und Japan bei uns eingeführte wohlriechende +Pfeifenstrauch+ oder
+wilde Jasmin+ (~Ph. coronarius~) mit starkriechenden, teils einfachen,
teils gefüllten weißen Blüten in Büscheln, die am häufigsten
angetroffene Art. Auch ~Ph. satsumi~ ist verbreitet, doch sind diese
ostasiatischen Arten in neuerer Zeit mehr durch nordamerikanische
Arten, wie ~Ph. latifolius pubescens~ und ~gordonianus~ verdrängt
worden. Den Namen Pfeifenstrauch führen sie von den schlanken, geraden
Schößlingen, aus denen man durch Entfernung des Markes Pfeifenröhren
macht. Wegen des starken Blütendufts wird der wohlriechende
Pfeifenstrauch teilweise auch zur Parfümgewinnung angepflanzt.
Nahe verwandt mit ihnen sind die nach dem Amsterdamer Ratsherrn
Johann Deutz, der botanische Forschungsreisen förderte, genannten
+Deutzien+ mit ähnlichen, nur etwas kleineren und geruchlosen Blüten.
Diese Ziersträucher sind japanischen Ursprungs und gehören zu den
dankbarsten Sommerblühern unserer Gärten. Durch Kreuzung sind aus
ihnen verschiedene Gartenformen, meist mit gefüllten Blüten, gezogen
worden. Die gewöhnlichste ist die 1-2 m hohe +gekerbte Deutzie+ (~D.
crenata~), deren rauhe Blätter zum Polieren dienen, und die häufig als
frühblühende Topfpflanze gezogene, kleinere +zierliche Deutzie+ (~D.
gracilis~), die schon im Mai über und über mit aufrecht gestellten
weißen Blütentrauben bedeckt ist.
Noch frühere Blüher sind die ihnen verwandtschaftlich nahestehenden
+Johannisbeeren+ (~Ribes~), unter denen zwei nordamerikanische Formen
als Ziersträucher die bescheideneren einheimischen Arten verdrängten.
Es sind dies die blutrot und goldgelb blühende Johannisbeere (~R.
sanguineum~ und ~aureum~). Von ersterer, die 1787 vom schottischen
Botaniker Menzies an der amerikanischen Nordwestküste entdeckt wurde,
aber erst 1826 in Gärten Europas Aufnahme fand, hängen die schon im
April noch vor der Entwicklung der Blätter hervorbrechenden purpurroten
Blütentrauben, während die goldgelben geruchlosen oder wohlriechenden
Blütentrauben der letzteren, die 1806 westlich vom Felsengebirge in
Nordamerika entdeckt und 1812 in unsere Gärten verpflanzt wurde, mehr
aufrecht gestellt sind. Sie hat insofern große Bedeutung erlangt, als
sie die Pfropfunterlage für die hochstämmig gezogenen Stachel- und
Johannisbeersträucher liefert. Beide Arten haben durch Kreuzung einen
interessanten Bastard hervorgebracht.
Einen ähnlichen traubigen Blüten- beziehungsweise Fruchtstand wie die
Johannisbeeren haben die +Sauerdorn+arten (~Berberis~). Vom +gemeinen
Sauerdorn+ (~B. vulgaris~) gibt es mehrere Gartenformen, die sich
teilweise durch weißbuntes oder dunkelrotes Laubwerk auszeichnen.
Da aber unser Sauerdorn auf seinen Blättern die Zwischenform eines
gefürchteten Getreiderostpilzes beherbergt, vermeidet man, ihn in der
Nachbarschaft von Getreidefeldern anzupflanzen. Daher trifft man an
seiner Stelle vielfach ausländische, teilweise immergrüne Arten.
Glänzende, dunkle, immergrüne Blätter haben auch die nach dem
amerikanischen Botaniker Bernhard Mac Mahon genannten, aus Nordamerika
in unsere Gärten gelangten +Mahonien+, von denen ~M. aquifolium~ mit
der Stechpalme ähnlichen Blättern, gelben Blüten und schwarzpurpurnen,
blaubereiften Beeren die verbreitetste ist. Ebenso häufig begegnen
wir dem ebenfalls aus Nordamerika zu uns gekommenen +Gewürzstrauch+
~Calycanthus floridus~, einer 2-2,5 m hohen Gartenzierpflanze mit
braunroten, besonders beim Welken starkriechenden Blüten, aus denen
bei uns nur selten Früchte hervorgehen. Aus Ostasien bezogen wir den
seltener zu findenden ~Calycanthus occidentalis~.
Diese auch in Wurzel und Rinde aromatisch-kampferartig duftenden
Sträucher sind die nächsten Verwandten der +Lorbeer+gewächse, unter
denen der 5-6,5 m hohe, immergrüne +edle Lorbeer+ (~Laurus nobilis~)
seines schönen Laubes wegen als Kalthauspflanze nicht selten gezogen
wird. Dieser in Südeuropa häufig kultivierte Baumstrauch ist in den
Mittelmeerländern heimisch und wurde nicht erst in geschichtlicher
Zeit aus Vorderasien hierher verpflanzt, wie V. Hehn irrtümlicherweise
annahm. Seine ästige Krone trägt glänzendgrüne, lederartige Blätter,
gelblichweiße Blüten und bläulichschwarze, eiförmige, einsamige
Früchte. Letztere schmecken aromatisch bitter und werden in der
Volksmedizin zur Stärkung des Magens, als Räuchermittel und in der
Veterinärpraxis verwendet. Durch Auskochen und Pressen gewinnt man
aus ihnen das grüne, stark gewürzhaft riechende, bei gewöhnlicher
Temperatur schmalzartige Lorbeeröl, das man zum Salben bei Entzündung
und zum Vertreiben der Fliegen benutzt. Ebenso werden die gewürzhaft
riechenden und schmeckenden Blätter seit dem höchsten Altertum
arzneilich verwendet, dienen gegenwärtig aber nur als Küchengewürz,
zu Essigen und Likören und zum Verpacken von Lakritzenstangen. Sie
kommen aus Italien, Frankreich und Spanien in den Handel. In den
Mittelmeerländern wird der Lorbeer vielfach kultiviert und findet sich
als Zierpflanze auch bei uns, muß aber im Kalthaus überwintert werden.
Wegen des scharfaromatischen Geruchs seiner Blätter und Früchte wurde
er frühe schon als eine mit besonderen Kräften begabte Pflanze
angesehen. Der Duft seiner Zweige sollte vor ansteckenden Krankheiten
und Verzauberung schützen. So suchte, wie berichtet wird, der
furchtsame Kaiser Commodus, der von 180 bis 192 n. Chr. regierte
und schließlich am 31. Dezember jenes Jahres auf Anstiften seiner
Geliebten Marcia erdrosselt wurde, in einem Lorbeerhaine Rettung, wenn
die Pest im Anzuge war. Kränze von Lorbeer legte man Wahnsinnigen um
Schläfe und Hals, in der Annahme, sie dadurch besänftigen zu können.
Lorbeerfrüchte und -Blätter genossen die Priester, wenn sie weissagen
sollten, und Lorbeerzweige trugen die Propheten, wenn sie eine Stadt
betraten. Der Lorbeer sühnte das vergossene Blut; deshalb reinigten
die römischen Legionen gleich nach dem Siege sich, ihre Waffen und
Feldzeichen mit Lorbeer. Dadurch wurde der Lorbeerzweig zur Trophäe,
zum Symbol des Sieges und zum Verkünder der glücklich vollbrachten
Waffentat. Der Lorbeerkranz schmückte die Stirne der siegenden Helden
und mit ihm wurden die Fasces, d. h. das zum Auspeitschen dienende
Rutenbündel der ihn begleitenden Lictoren oder öffentlichen Diener der
mit der Macht des Imperiums bekleideten höchsten Magistrate umwunden.
Lorbeergeschmückt (~laureatus~ vom lat. ~laurea~ Lorbeer) folgten
die Soldaten dem Wagen des triumphierenden Feldherrn bei seinem
Einzuge in Rom, um gleichsam von Mord und Totschlag gereinigt in die
Stadt einzuziehen. Später erklärte man, die Ursache, weshalb der
Triumphierende sich mit Lorbeer schmücke, liege darin, daß der Lorbeer
seinen Namen vom lateinischen ~laus~ Ruhm habe und einst ~laudus~ hieß,
was natürlich unrichtig ist.
Von der römischen Zeit an blieb der Lorbeer stets ein Abzeichen des
Ruhmes bis in unsere Tage, da junge Doktoren mit beerentragenden
Lorbeerzweigen geschmückt wurden, woher das Wort Baccalaureus sich
ableitet. Die reinigende Kraft des Lorbeers veranlaßte dessen
Verwendung zu Räucherungen wie auch zu Weihwedeln. Im Altertum
besprengte sich der Strenggläubige beim Eintritt wie beim Ausgang aus
dem Tempel mit dem Lorbeerzweig, der zuvor in Weihwasser getaucht
worden war; gern nahm er auch beim Herausgehen ein Lorbeerblatt vom
Sprengwedel in den Mund. Die römisch-katholische Kirche übernahm
dann allerdings diesen Gebrauch nicht aus dem römischen Heidentum,
sondern bevorzugte als Sprengwedel einen Strauß des dem Majoran
verwandten Lippenblütlers +Ysop+ (~Origanum smyrnaeum~), eines im
östlichen Mittelmeergebiet häufig angetroffenen Halbstrauches, den sie
zu demselben Zwecke von den Juden übernahm. Sonst gilt bei uns als
Ysop ein anderer, durch reichen Gehalt an ätherischem Öl aromatisch
riechender halbstrauchartiger Lippenblütler (~Hyssopus officinalis~)
aus Südeuropa, der teils als Zierpflanze, teils als Gewürzkraut häufig
auch in Deutschland kultiviert wird und hin und wieder an sonnigen
Schutthalden, namentlich in der Umgebung alter Burgen, verwildert
angetroffen wird. Das Kraut wurde arzneilich namentlich gegen
Magenleiden verwendet, weshalb die Pflanze heute noch besonders in
Bauerngärten häufig angepflanzt gefunden wird.