Noch mehr als die fleischige Frucht des Wacholders weicht die prächtig

rote, seltener gelbe Scheinbeere der +Eibe+ (~Taxus~) von der sonst

üblichen Zapfenform der Koniferenfrucht ab; doch weisen die einzeln

stehenden, vorn spitzen Nadeln auf ihre Familienzusammengehörigkeit

mit jenen. Die 6-9 m hoch werdende +gemeine Eibe+ (~Taxus baccata~)

findet sich in Gebirgswäldern Europas, Asiens und Nordamerikas,

ist aber im deutschen Walde fast ausgestorben. In Park und Garten

dagegen, wo sie unter Schutz steht, ist sie eine der bekanntesten

Erscheinungen. Sie wächst sehr langsam, leidet nicht unter starker

Beschattung und besitzt ein für Nadelhölzer ganz erstaunliches

Ausschlagsvermögen, so daß sie sich leicht durch Stecklinge vermehren

und zu Hecken und Figuren nach Belieben zuschneiden läßt. Allerdings

enthalten ihre Nadeln, wie auch die hellvioletten Samen ein giftiges

Alkaloid, das Taxin, das besonders für Pferde, aber auch für Ziegen

und Schafe gefährlich ist. Der Samenmantel dagegen wird von den

Amseln und anderen Vögeln gerne verzehrt; dabei besorgen diese die

Weiterverbreitung der Samen, die erst in zwei oder drei Jahren keimen.

Die Eibe ist das einzige Nadelholz, das vollständig harzfrei ist.

Männliche und weibliche Blüten wachsen bei ihr meist getrennt auf

verschiedenen Individuen; doch kommt es nicht selten vor, daß ein

Stock, der jahrelang nur einerlei Blüten trug, plötzlich beiderlei

Blüten hervorbringt. In alten Exemplaren wird die Eibe baumförmig und

erreicht dann eine Höhe von 10-15 m. Bei dem geringen Dickenwachstum

deuten so große Eibenbäume, die dann Stämme von 1 m Durchmesser

aufweisen, auf ein Alter von über 1000 Jahren. Im Park von Hamptoncourt

bei London kennt man solche Bäume, deren Alter von über 1000 Jahren

historisch beglaubigt ist. Ein Eibenbaum bei Katholisch-Hennersdorf in

Schlesien wird auf 1400 Jahre geschätzt und gilt für den ältesten Baum

Deutschlands. Noch älter ist die Eibe auf dem Friedhofe zu Braburn in

England, die man -- jedenfalls übertrieben -- für 3000jährig ausgibt.

Größere Eibenbestände sind außer auf der Tucheler Heide, wo gegen 1000

Bäume grünen, nur noch im bayrischen Allgäu vorhanden. Kleinere Haine

von ebenfalls sehr alten Eiben findet man bei Treseburg im Bodetal im

Harz, dann auf dem Veronikaberge bei Ilmenau, in einem Forstrevier der

rauhen Röhn bei Dermbach im Großherzogtum Weimar, wo gegen 400 sehr

alte Bäume vorhanden sind. In Süddeutschland ist neuerdings auf einen

Eibenhain in der Nähe von Paterzell bei Weilheim südlich von München

mit teilweise über 1000jährigen, bis 18 m hohen Exemplaren durch

~Dr.~ F. Kollmann aufmerksam gemacht worden.

In den Mittelmeerländern wächst die Eibe als Strauch nur spärlich

auf höheren Gebirgen. Sie galt den Alten als ein Baum des Todes, so

daß sogar schon ein längerer Aufenthalt unter ihrem Schatten für

lebensgefährlich angesehen wurde. Deshalb warnt Dioskurides, in ihrem

Schatten zu schlafen. Lucanus und Silius Italicus nennen die Eibe

als einen den Göttern der Unterwelt geweihten Baum; deshalb bekränzte

man sich mit ihr als Zeichen der Trauer. Die Griechen nannten sie

smílax, die Römer dagegen ~taxus~. Zahlreiche Völker, so schon die

neolithischen Pfahlbauern an den Ufern der Schweizerseen, bedienten

sich der Eibenzweige zur Herstellung von Bogen und zu anderen

außerordentlich dauerhaften Geräten. Im Mittelalter verfertigte

man besonders die Armbrustbogen daraus. Schwarz gebeizt ist ihr

rötlichbraunes Holz kaum vom Ebenholze zu unterscheiden. Nach Plinius

sollten aus Eibenholz verfertigte Weinbecher den Tod bringen, wie man

in Gallien bemerkt habe. Cäsar schreibt in seinem Berichte über den

Krieg in Gallien: „Als Cäsar den Ambiorix besiegt hatte, tötete sich

Kativolcus, der über die eine Hälfte der Eburonen regierte, durch das

Gift der Eibe. Dieser Baum ist in Gallien und Germanien häufig.“ Nach

demselben Autor sollen manche Volksstämme der Gallier mit Eibensaft

vergiftete Lanzenspitzen benutzt haben. Heute noch wird eine Abkochung

aus Zweigen von ihm, wie aus solchen des Sadebaums, beim Volke zum

Fruchtabtreiben verwendet.

Von Ostasien, besonders Japan, kamen die den Eiben ähnlichen, nach

den zu 2-3 in Köpfchen zusammenstehenden weiblichen Blüten als

+Kopfeiben+ (~Cephalotaxus~) bezeichnete Ziersträucher zu uns.

Sie gedeihen aber nur in milden Lagen. Die gebräuchlichsten Arten

derselben sind ~C. harringtonia~, zu Ehren des Earl von Harrington

in Elvaston-Castle, der sie zuerst anpflanzte, so bezeichnet, und

~C. fortunei~. Ebenfalls ostasiatischen Ursprungs ist der häufig in

unseren Parkanlagen zu treffende +Gingkobaum+ (~Gingko biloba~ nach

Linné, neuerdings aber gewöhnlich als ~Salisburia~ -- nach Richard

Anton Salisbury -- ~adiantifolia~ bezeichnet). Er wird in Japan

~ginkyo~ geheißen und wurde um 1750 von dorther in Europa eingeführt.

Nach Belaubung, Verzweigung und Ausschlagsfähigkeit würde man ihn

für ein Laubholz halten; der Bau des harzfreien Holzes aber und der

Blüten weist ihn zu den eibenartigen Nadelhölzern, während die höchst

merkwürdige Befruchtung der letzteren, von der im 2. Band meiner

gemeinverständlichen Entwicklungsgeschichte des Naturganzen nach den

neuesten Forschungsergebnissen: Vom Nebelfleck zum Menschen[4] auf

Seite 258 eingehend die Rede war, große Ähnlichkeit mit derjenigen

der Palmfarne hat. Ist er doch neben diesen der einzige unter allen

Gymnospermen, der noch Spermatozoïden wie die niederen Farne erzeugt.

Und an einen Farn, das Frauenhaar (~Adiantum capillus veneris~)

erinnert auch der fächerförmige Bau und die Nervatur der Blätter,

die an den nichtblühenden Zweigen zweilappig sind und im Herbste

sämtlich abgeworfen werden, und zwar an den weiblichen Bäumen -- der

Gingko ist nämlich zweihäusig -- später als an den männlichen. Die

Blätter der blühenden Zweige sind ungeteilt, die der Stockausschläge

dagegen mehrspaltig-viellappig. Der Baum entspricht also der bei den

Laubhölzern in weitem Umfang geltenden Regel, wonach die Blätter der

Blütenzweige einfacher, die der Stockausschläge dagegen größer und

reicher gegliedert sind als die übrigen Blätter. Die männlichen Blüten

sind gestielte Kätzchen, welche zahlreiche Staubblätter mit je zwei

an der Spitze sitzenden Pollensäckchen tragen. Die weiblichen Blüten

sind länger gestielt und weisen am Ende meist zwei becherförmige

Fruchtblätter auf, die mit je einer aufrechten Samenanlage besetzt

sind. Die einer gelben oder grünlichen, großen Kirsche ähnliche Frucht

besitzt einen von einem umfangreichen, harzreichen Fruchtfleisch

umschlossenen zweikantigen, steinharten Kern, dessen Samen geröstet in

China als Nahrungsmittel dient.

[Illustration: Bild 79.

I Zweig mit Blättern und Blüten des männlichen Gingkobaumes

(~Salisburia adiantifolia~), III ein einzelnes Staubblatt mit zwei

Pollenfächern, II weiblicher Blütenstand mit einigen jungen Früchten.]

In seiner Heimat China und Japan ist der Gingko ein heiliger Baum,

der fast nur in den Hainen um die Tempel angepflanzt wird. Wild wird

er nur noch an wenigen Stellen in den Bergen der gegenüber der Insel

Formosa gelegenen chinesischen Provinz Fo-kien gefunden. Er ist

der letzte noch erhaltene Vertreter einer Pflanzengattung, die zur

mittleren Tertiärzeit auch in Europa lebte und sich seit dem Beginne

der mesozoischen Zeit kaum mehr veränderte. Was die Brückenechse

(~Hatteria~) in der Zoologie, das ist der Gingko in der Botanik -- ein

höchst interessantes lebendes Fossil!

Wie die Brückenechse eine Brücke zwischen den Alt- und Neuechsen

bildet, so führt der altertümliche Gingko ganz unmerklich von den

altmodischen Nadelhölzern hinüber zu den +Laubbäumen+, als deren

ersten Vertreter wir die +Buche+ (~Fagus~) besprechen wollen.

Von der +gemeinen+ oder +Rotbuche+ (~Fagus silvatica~) werden in

den Gartenanlagen mehrere Varietäten kultiviert, unter denen die

+Blutbuche+ (~var. purpurea~) mit dunkelbraunroten Blättern die

bekannteste ist und prächtige Kontraste hervorbringt. Von besonderem

Interesse ist der bei der Blutbuche zuerst gelungene Nachweis, daß

eine solche zufällig entstandene Bildungsabweichung, wie das rote

Laub, eine samenbeständige, vererbliche Eigenschaft sein kann. Als

Heckenpflanze wertvoll ist die +Weißbuche+ (~Carpinus betulus~), die

auch auf schlechtem Boden und im Schatten gedeiht. Durch ihre große

Ausschlagsfähigkeit ist sie wie geschaffen für regelmäßiges Beschneiden

und schützt ihre Umgebung im Winter gegen Wind und Schnee, indem ihr

dürres Laub zum großen Teil erst im Frühjahr abfällt. Neben ihr wird

auch nicht selten die ihr sehr ähnliche südeuropäische +Hopfenbuche+

(~Ostrya carpinifolia~) kultiviert, so genannt, weil die Fruchthüllen

sackartig die Nüßchen umschließen, so daß das Ganze an eine

Hopfenfrucht erinnert.

Auch die +Eiche+ (~Quercus~) ist ein beliebter Gartenbaum. Außer

den einheimischen Arten ist besonders die +ungarische Eiche+ (~Q.

hungarica~) und die ebenfalls südeuropäische +Zerreiche+ (~Q. cerris~)

wegen ihres schöngeformten Laubes beliebt. Durch ihre prächtigrote

Herbstfärbung sind einige bei uns eingeführte nordamerikanische

Arten ausgezeichnet, so vor allem die +Roteiche+ (~Q. rubra~) mit

spitzgelappten Blättern, die in ihren Blättern kaum mehr eine

Verwandtschaft mit den Blattformen der einheimischen Eichen aufweist.

Nicht selten trifft man als Parkbaum die +Edelkastanie+ (~Castanea

vesca~), die bei uns keine Früchte mehr zeitigt. Von weiteren

Kätzchenblütlern ist der +Nußbaum+ (~Juglans regia~) zu nennen,

der prächtige Kronen bildet; doch tritt sein Zierwert gegenüber

seiner Bedeutung als Fruchtbaum sehr zurück. Dies trifft bei den

nordamerikanischen Arten nicht zu, von denen der +Schwarznußbaum+ (~J.

nigra~) schon 1629 in Europa angepflanzt wurde. Seine sehr harten,

schwarzen Nüsse stecken in einer fast runden, gelblichgrünen Hülle.

Sie sind sehr ölreich, werden aber kaum je gegessen. Mehr in die Länge

gezogene schwarze Nüsse besitzt in klebrig behaarter grüner Schale die

ebenfalls nordamerikanische +Graunuß+ (~J. cinerea~), die klimatisch

noch härter als die übrigen Nußarten ist, aber einen etwas geringeren

Holzwert besitzt. Wenig Verbreitung haben dagegen bei uns die

+Hickory+arten gefunden, von denen die +weiße Hickorynuß+ (~Hicoria

ovata~) noch die bekannteste ist; sie ist aber besonders in der Jugend

sehr frostempfindlich und gedeiht nur an sehr geschützten Standorten.

Mit der heimischen +Haselnuß+ (~Corylus avellana~) wird auch die

stattliche +türkische Haselnuß+ oder +Baumhasel+ (~C. colurna~)

aus Kleinasien und die von ebendort stammende +Lambertsnuß+

(~C. tubulosa~), deren Früchte in der röhrenförmigen Hülle fast

verschwinden, in verschiedenen Zierformen gezogen. Das bald

schlitzblättrige, bald dunkelpurpurne Laub macht die Hasel zum

Schmuckstrauch, dem der große Vorzug zukommt, auch im Schatten anderer

Bäume als Unterholz prächtig zu gedeihen.

Von weiteren Kätzchenblütlern sind die +Erlen+ und +Birken+ zu

nennen. Den ersteren kommt, abgesehen von einigen Formen der +Rot+-

oder +Schwarzerle+ (~Alnus glutinosa~), für Park und Garten nur eine

untergeordnete Bedeutung zu. Die Birken dagegen, vor allem die durch

ihren prächtigen, weißen Stamm und ihre zierlichen, herabhängenden

Zweige ausgezeichnete +Weißbirke+ (~Betula verrucosa~), die nicht

nur ihrer hübschen Erscheinung wegen, sondern auch weil sie sehr

genügsam und raschwüchsig ist, verdienen die weiteste Verbreitung auch

in kleineren Hausgärten. Von fremden Arten ragt durch ihre schöne

Kronenbildung die nordamerikanische +Papierbirke+ (~B. papyracea~)

hervor, aus deren leicht ablösbarer Borkenhaut in ihrer Heimat eine

Art Papier gemacht wird. Ihr ähnlich ist die europäische +Hänge+- oder

+Trauerbirke+ (~B. pendula~), die ebenfalls sehr hübsch ist und äußerst

dekorativ wirkt.

An Schnellwüchsigkeit werden die Birken von +Weiden+ und +Pappeln+

übertroffen, die denn auch wichtige Gartenbäume liefern. Von den

mannigfachen Weidenarten ist die +Weißweide+ (~Salix alba~) häufig

anzutreffen; auf den Friedhöfen dagegen hat sich die +Trauerweide+ (~S.

babylonica~) als Sinnbild der Trauer eingebürgert. Dieser 3-7 m hohe

Baum mit überhängenden Ästen und Zweigen stammt aus Japan und China und

kam vor 200 Jahren nach dem Orient und von da zu uns. Doch besitzen

wir von ihm nur weibliche Bäume, weil alle unsere Exemplare von einem

und demselben weiblichen Steckreise abstammen, das zu Beginn des 18.

Jahrhunderts aus dem Orient nach Europa gebracht wurde. Die Trauerweide

wächst nicht in Babylonien und ist nicht der Baum, unter welchem die

Juden während ihrer babylonischen Gefangenschaft ihre Harfen aufhingen

und trauerten. Dieser im 137. Psalm als ~garab~ bezeichnete Baum war

vielmehr eine Pappel (~Populus euphratica~). Berühmt ist die ebenfalls

weibliche Trauerweide, die das Grab Napoleons I. auf St. Helena

beschattete.

Ein prächtiger Zierbaum unserer Gärten ist die in Südeuropa und

Westasien heimische +Silberpappel+ (~Populus alba~), die wegen ihrer

silberweißen, filzig behaarten Blätter so genannt wird. Unangenehm

kann sie nur dadurch werden, daß sie nach der Fruchtreife die in weiße

Flugwolle gehüllten Samen weithin verbreitet. Doch läßt sich dieser

Nachteil dadurch umgehen, daß man nur männliche Exemplare derselben

pflanzt. Ebenso schnellwüchsig ist die an feuchten Waldrändern und

Bachufern in ganz Europa heimische +Schwarzpappel+ (~P. nigra~), die

ihre mächtigen Äste weithin ausstreckt, während die an denselben

Standorten wachsende +Zitterpappel+ oder +Espe+ (~P. tremula~) nur

ein zierlich feines Astwerk entwickelt. Vielleicht ein Bastard dieser

beiden ist die aus dem Orient zu uns gekommene +graue Pappel+ (~P.

canescens~), die ebenfalls als Zierbaum beliebt ist. Wahrscheinlich

nur eine besondere Wuchsform der Schwarzpappel ist die zur Zeit

Napoleons I. überall als Straßeneinfassung gepflanzte +Pyramidenpappel+

(~P. pyramidalis~), die nicht von den Ufern des Mississippi, wie

es in allen Lehrbüchern steht, sondern aus Persien zu Ende des 17.

Jahrhunderts zuerst in einem Exemplar nach Warschau kam. Zu Beginn des

18. Jahrhunderts gelangte der Baum nach Oberitalien. Um 1740 wurde

ein männliches Exemplar aus der Lombardei in den Garten nach Wörlitz

gebracht, von wo aus die Pyramidenpappel sich in weitere fürstliche

Anlagen Deutschlands verbreitete. Da alle andern Exemplare in

Mitteleuropa Ableger dieses einen Baumes sind, ist es kein Wunder, daß

sie ausnahmslos männlich sind und die Art infolge der ausschließlichen

Fortpflanzung durch Steckreiser schon bedeutend an Lebensenergie

eingebüßt hat. Dieser in Zentralasien heimische und in Nordindien

von alters her angepflanzte Baum wurde seit seiner Einführung in

Mitteleuropa vor etwa hundert Jahren überall den Flüssen und Straßen

entlang als volkstümlichster Alleebaum kultiviert, bis zu Ausgang des

19. Jahrhunderts der Wechsel der Mode seine Herrschaft brach. Daß

er an den Landstraßen Obst- und andern Bäumen weichen mußte, dazu

trug vor allem der Umstand bei, daß er außerordentlich flache, über

35 m weit streichende Wurzeln bildet, die die angrenzenden Felder

stark aussogen und nicht selten auch die Schotterdecken der Straßen

in Unordnung brachten. Außerdem erreicht er kein hohes Alter, wird

bald häßlich wipfeldürr und bot allerlei Ungeziefer Unterschlupf,

wahrscheinlich alles nur Folgen der Schwächung der Pflanze durch die

fortwährende vegetative Vermehrung. In ganz Deutschland kennt man nur

acht nachträglich eingeführte weibliche Pyramidenpappeln, die sich

zur Bildung von Samen zur Fortpflanzung auf geschlechtlichem Wege zur

Rassenaufbesserung eignen würden.

Von den verschiedenen fremden Pappelarten übertrifft die in

mehreren Formen eingeführte +kanadische Pappel+ (~P. canadensis~)

an Raschwüchsigkeit alle einheimischen Holzarten. Sie ähnelt

außerordentlich der Schwarzpappel, hat nur zum Unterschiede von ihr

mehr in die Höhe strebende Äste und dreieckige, am Grunde gerade

abgeschnittene Blätter. Sie bildet eine längliche Krone, erreicht

auf gutem Boden schon in 30 Jahren eine Höhe von 30 m und wurde im

18. Jahrhundert aus Nordamerika nach Frankreich gebracht, von wo aus

sie sich schnell durch ganz Europa verbreitete. Da sie viel höheren

Holzertrag als die Schwarzpappel gewährt, hat sie letztere bei uns

stark zurückgedrängt. Schon wegen ihrer Raschwüchsigkeit ist sie für

Alleen und Parkanlagen sehr zu empfehlen.

Aus dem Orient kam die nach ihrer an die Weiden erinnernden Blattform

so genannte +schmalblätterige Ölweide+ (~Elaeagnus angustifolia~) zu

uns. Dieser 3-6,5 m hohe Baumstrauch wird seiner lanzettlichen,

unterseits silberweißen Blätter wegen ziemlich häufig in unsern

Parkanlagen angepflanzt. Die unscheinbaren, inwendig gelblichen, stark

duftenden Blüten sind eine gute Bienenweide und die süßlichen, mehligen

Früchte können gegessen werden und werden deshalb in Griechenland

und Vorderasien gesammelt. Infolge ihrer dekorativen Erscheinung

sind auch die noch hellere +nordamerikanische Silberölweide+ (~E.

argentea~) und die +doldige Ölweide+ (~E. umbellata~) aus Japan

als Ziersträucher sehr beliebt. Das gleiche ist mit den verwandten

graublätterigen +Shepherdien+ (nach John Shepherd, der in den 1820er

Jahren Inspektor des botanischen Gartens zu Liverpool war, so genannt)

der Fall. Es sind dies ~Shepherdia canadensis~ und ~argentea~, welche

beide aus Nordamerika stammen. In dieselbe Familie gehört auch der

an der Ost- und Nordsee und auf den Flußgebieten des Alpenvorlandes

heimische +Sanddorn+ (~Hippophaë rhamnoides~), ein bis 3 m hoher,

sparrig verästelter Strauch mit schmalen, unten ebenfalls silberweißen

Blättern und goldgelben, braunpunktierten, beerenähnlichen Früchten,

der undurchdringliche Hecken liefert und zur Befestigung von Dünen

und Dämmen benutzt wird. Das schöne Holz dient zu Drechslerarbeiten,

Blätter und Holz dienen zum Gelb- und Braunfärben. Die sauer

schmeckenden Beeren werden in nördlichen Ländern an Fischbrühen

gegessen, auch bereiten sich die Finnländer ein Mus daraus.

Aus Südeuropa kam der +Bocksdorn+ oder +dornige Jasmin+ (~Lycium

europaeum~) zu uns. Es ist dies ein bis 2,5 m hoher Strauch mit

überhängenden Zweigen, die wie beim Sanddorn in Dornen auslaufen. Er

hat nachtschattenartige, rotviolette Blüten, wie der ihm ähnliche,

ebenfalls im Mittelmeergebiet heimische +gemeine Bocksdorn+ (~L.

barbarum~), nur daß seine Staubfäden nicht wie bei diesem hervorragen.

Beide werden als Ziersträucher zu Hecken und niederen Wandverkleidungen

verwendet und sind in manchen Gegenden Deutschlands so sehr

verwildert, daß es schwer fällt, sie dort nicht für einheimisch zu

halten. Ebenfalls ein Südeuropäer, der schon in Südtirol wildwachsend

angetroffen wird und überall in unsern Anlagen gefunden wird, ist der

+Judasbaum+ (~Cercis siliquastrum~) -- so geheißen, weil sich der Sage

nach der Verräter Judas, genannt Ischariot, d. h. Mann von Kariot,

daran gehängt haben soll -- dessen schlanke Zweige sich im Mai mit den

büscheligen, rosaroten, wohlriechenden Schmetterlingsblüten schmücken,

kurz nachdem sich die einfachen, rundlichen Blätter entfaltet haben.

Die 10-16 cm langen, braunen Hülsenfrüchte, die man auch als falsches

Johannisbrot bezeichnet, bleiben bis tief in den Winter hinein an den

Zweigen hängen. Sie werden nicht gegessen, wohl aber die angenehm

scharf schmeckenden Blüten, die man gerne als Würze verwendet. Der Baum

ist im Morgenlande sehr gemein.

Nahe mit ihm verwandt ist die +dreidornige Gleditschie+ (~Gleditschia

triacanthos~) -- nach dem 1714 zu Leipzig geborenen und 1786 zu Berlin

als Aufseher des botanischen Gartens gestorbenen Joh. Theodor Gleditsch

so genannt -- ein in unseren Anlagen kultivierter, 9-12 m hoher Baum

mit paarig gefiederten Blättern und kleinen, grünlichen, in kurzen

Ähren stehenden Blüten. Sie ist stark bedornt, indem sich regelmäßig

oberhalb der Blattachseln besondere Nebensprossen in Form brauner

Dornen mit zwei Nebendornen bilden. Bei manchen Bäumen sind Äste und

Stamm förmlich mit solchen gespickt, während neben ihnen eine Form ohne

alle Dornenbildung als für den Garten angenehmer gezogen wird. Aus

dessen scharfbewehrten Zweigen soll die Dornenkrone Christi bestanden

haben, weswegen der Baum auch Christusdorn genannt wird. Doch ist der

Baum in Nordamerika zu Hause und kam erst im 18. Jahrhundert in die

Alte Welt. Da er rasch wächst und nur geringe Ansprüche an den Boden

stellt, findet er neuerdings vielfach auch als Straßenbaum Verwendung.

Daneben wird eine Form mit hängenden Zweigen in unseren Anlagen

kultiviert. Das süßliche Mark der großen, braunen, leicht gedrehten,

flachen Hülsen dient der Jugend als Leckerbissen, während man es in

Nordamerika als Arzneimittel verwendet und einen süßen Met daraus

bereitet.

Seltener trifft man den ebenfalls nordamerikanischen, 6-10 m hohen,

+Schusserbaum+ (~Gymnocladus canadensis~), dessen Samen so rund sind,

daß sie mit den Schussen oder Gluckern, den kleinen Spielkugeln, der

Kinder verwechselt werden können. Er besitzt doppeltgefiederte Blätter

und blüht in weißen Trauben. Die Rinde dient in seiner Heimat zum

Waschen, da sie Seifenstoff enthält, und aus den Samen bereitet man in

Kentucky ein Kaffeesurrogat.

Ebenfalls bei uns als Gartenzierbaum, auch in einer Form mit hängenden

Ästen, wird die ostasiatische ~Sophora japonica~ gepflanzt. Es ist

dies ein der gemeinen Robinie ähnlicher Baum Chinas und Japans mit

einfachen Fiederblättern, licht gelbgrünen Schmetterlingsblüten, aus

denen in seiner Heimat eine gelbe Farbe zum Färben gewonnen wird, und

perlschnurartigen Hülsen, die ihm den deutschen Namen +Schnurbaum+

verschafften. Nahe verwandt mit ihm ist die ebenfalls als Zierbaum

unserer Anlagen gezogene +gelbe Vergilie+ (~Cladrastis lutea~) --

nach dem römischen Dichter Publius Vergilius Maro so genannt -- aus

Nordamerika mit unpaarig gefiederten Blättern und in Trauben stehenden

gelben Blüten.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 63 / 81 段