Wie die Phönikier haben auch die alten Griechen ihre Schiffe

vorzugsweise aus dem unverwüstlichen Cypressenholz gebaut, wie Plato

sagt: „Es ist ein rechtes Glück, wenn ein Staat weder Cypressen, noch

anderes zum Schiffsbau taugliches Holz hat, weil die Schiffahrt keinen

Segen bringt.“ Und der griechische Geschichtschreiber Diodor berichtet

vom König Antigonos, dem „Einäugigen“, dem Feldherrn Alexanders des

Großen (384-301 v. Chr., erhielt 323 bei der Teilung von dessen

Reich Großphrygien, Lykien und Pamphylien, führte aus Ehrgeiz und

Eroberungslust viele Kriege gegen die übrigen Diadochen, in denen er

Kleinasien und Syrien eroberte, nahm 306 mit seinem Sohn Demetrios

Poliorketes, d. h. dem „Städtebelagerer“, den Königstitel an und verlor

in der Schlacht bei Ipsos in Phrygien gegen Kassandros, Lysimachos

und Seleukos Reich und Leben), er habe zur Bekämpfung seiner über große

Flotten gebietenden Gegner, den einstigen Mitfeldherrn Alexanders, 8000

Mann mit dem Fällen von Cedern, Pinien und Cypressen auf dem Libanon

beschäftigt. Tausend Paar Lasttiere sollen das Holz zur Küste getragen

haben, wo von werkkundigen Zimmerleuten Schiffe daraus gebaut wurden.

Auch Gedenktafeln und Särge wurden mit Vorliebe aus dem dauerhaften

Cypressenholz verfertigt. So sagt Plato, daß die Landlose der Bürger in

den Tempeln auf cypressenen Gedenktafeln für die Nachwelt verzeichnet

werden sollten, und schreibt der griechische Geschichtschreiber

Thukydides. „Bei den Athenern ist es Sitte, die Gebeine der in einer

Schlacht Gefallenen erst öffentlich zur Schau zu stellen und sie

dann in Särgen zu begraben, die aus Cypressenholz gemacht sind.“

Nach demselben Autor umschlossen cypressene Schreine, je einer für

eine Phyle (Stamm, d. h. durch Abstammung von +einem+ Stammvater

verbundenen Teil eines Volkes, deren es seit Kleisthenes, dem Haupt der

Alkmäoniden, 510 v. Chr., 10 gab, welche wiederum in Demen eingeteilt

waren), die in die Erde zu bergenden Gebeine bei jener 430 zu Athen

gefeierten öffentlichen Bestattung der für das Vaterland Gefallenen

zu Beginn des peloponnesischen Krieges, bei welcher Perikles, der

schon das Jahr darauf von der Pest hinweggerafft wurde, seine berühmte

Rede zur Verherrlichung Athens hielt. Und was vor dem Zerstörtwerden

durch Insekten und deren Larven beschützt werden sollte, das wurde bei

den Griechen, wie auch später bei den Römern in cypressene Kästchen

eingeschlossen, so bei Horaz die Manuskripte der von ihm gedichteten

Lieder.

Wo immer der Kult der phönikischen Astarte Eingang fand, da wurden

Cypressenhaine vor deren Heiligtümern errichtet. So kam die Cypresse

durch die Vermittlung der süditalischen Griechen zu den Römern. Plinius

schreibt in seiner Naturgeschichte über sie: „Die Cypresse ist ein

ausländischer Baum, der anfangs nur mit großer Mühe gezogen wurde.“

Cato, der sie die Tarentinische nennt, weil sie von dorther in das

römische Gebiet gekommen ist, spricht über sie weitläufiger als über

alle andern Bäume. Ihr Vaterland ist Kreta. Dort entsteht überall, wo

jemand den Boden auflockert, durch Naturkraft ein Cypressenwald. (Ihre

kleinen Samen haben auf jeder Seite einen als Fallschirm dienenden

häutigen Rand, womit sie leicht vom Winde in die Weite getragen und

so in der Ferne angesät werden.) Auf den Gebirgen Kretas, dem Ida und

den Weißen Bergen, wächst sie auch da, wo der Boden nicht bearbeitet

ist, neben dem ewigen Schnee, was allerdings wunderbar ist, da sie

viel Wärme verlangt und in bezug auf den Boden sehr spröde tut. Sie

wächst sehr langsam, gewährt nicht den geringsten Nutzen (nämlich

an Früchten), hat widerliche (d. h. nicht wohlschmeckende) Früchte,

bittere Blätter, einen betäubenden Geruch, keinen angenehmen Schatten

(weil er infolge der Höhe des Baumes nur schmal ist), lockeres Holz.

Die Cypresse ist dem Gott Dis (Gott der Unterwelt) geweiht und wird

deshalb (in Gestalt von in Kübeln gepflanzten Exemplaren) an die Türe

der Häuser gestellt, in welchen sich ein Sterbefall ereignet hat. Ihr

säulenförmiger Wuchs empfiehlt sie zur Abwechslung mit Pinienalleen;

jetzt beschneidet man sie auch so, daß sie mauerdichte Zäune gibt, auch

bringt man sie durch Beschneiden dahin, daß sie Jagden, Flotten und

andere Bilder vorstellt, welche mit ihren zarten, kurzen, immergrünen

Blättern bekleidet sind.

Es gibt zwei Arten von Cypressen: Die eine, die man die weibliche

nennt, wächst dicht und säulenförmig (es ist dies die zu Eingang

erwähnte ~var. pyramidalis~ von ~Cupressus sempervirens~), die andere

heißt die männliche und breitet ihre Äste seitwärts aus (~var.

horizontalis~), sie wird beschnitten und dient auch als Stütze für

Weinstöcke. Beiden Arten schneidet man auch die Seitenäste weg und

zieht sie auf diese Weise zu Stangen und Pfählen, welche, wenn der

Stamm 13jährig ist, Stück für Stück einen Denar (= 60 Pfennige) kosten.

Es geht daraus hervor, daß ein solcher Cypressenwald sehr einträglich

ist; daher nannten die Alten solche Pflanzungen die „Aussteuer ihrer

Töchter“. Noch heutigen Tags heißt übrigens die Cypresse nach Fee

wegen dieses Brauches auf Kreta „Aussteuer der Tochter“ und wird in

größerer Anzahl bei der Geburt eines Kindes gepflanzt, wie man in

Frankreich bei solchem Anlasse einige hundert Pappeln pflanzt und sie

zu dessen Gunsten verkauft, wenn es erwachsen ist, oder in der Südsee

einige Brotfruchtbäume setzt, die das alleinige Eigentum des neuen

Familienmitgliedes bilden. Auch bei uns pflanzt mancher Bauer jedem

seiner Kinder bei deren Geburt einen oder einige Obstbäume, deren

Ertrag ausschließlich dem betreffenden Individuum gehört.

Auch die Grenzen der Grundstücke wurden mit Vorliebe durch solche

nur wenig Schatten verbreitende Cypressen bepflanzt. So schreibt der

gelehrte Varro (116-27 v. Chr.): „Die Grenze der Grundstücke (~fundus~)

werden oft durch Bäume bezeichnet, damit kein Streit entsteht. Manche

Leute pflanzen zu diesem Zwecke Pinien, was meine Frau im Sabinerlande

tun ließ, andere Cypressen, wie ich auf meinen Gütern am Fuße des

Vesuv, andere Ulmen, wie häufig im Crustumenischen zu sehen ist.“

Als den Gottheiten der Unterwelt geweihter Baum wurde die Cypresse

zunächst bei den vornehmen Römern, wie heute noch im Orient und

in Südeuropa von Griechenland bis Spanien, als Totenbaum auf die

Gräber gepflanzt. So war sie bei den Dichtern der augusteischen Zeit

der typische Baum der Trauer, mit dessen Zweigen Leichenaltar und

Scheiterhaufen besteckt wurden. So läßt Vergil in der Aeneis auf dem

Grabe des Polydorus einen großen Erdhügel aufschütten, mit dunklen

Florbinden umwundene Altäre bauen und daneben schwarze Cypressen

pflanzen. Weiterhin läßt er bei der Bestattung des Misenus von den

Trojanern einen ungeheuren Scheiterhaufen aus harzigem Kien- und

Eichenholz bauen, dessen Seiten mit schwarzem (Cypressen-)Laube

bedecken und davor als Zeichen der Trauer Cypressen aufstellen.

Dazu sagen Festus und Servius gleicherweise: es sei römische Sitte,

Cypressen oder Cypressenzweige vor die Haustüre der Toten zu stellen,

weil diese Bäume absterben, sobald sie gefällt sind, so wie der

Mensch, wenn er einmal gestorben ist, nicht wieder zum Leben gelangt.

Auch Lucanus sagt: „Die Cypresse ist das Zeichen der Trauer“, und

Statius schreibt in seiner Thebais: „Das Lager des Toten wird aus

Zweigen der traurigen Cypresse geflochten. Auf das Geflecht wird eine

Lage Stroh gelegt, auf diese eine Lage von Grasgirlanden, dann eine

Schicht bunter, dem Flammentode gewidmeter Blumen und diese werden mit

morgenländischem Weihrauch und Zimt (~cinnamum~) belegt.“ Bei Horaz

wird die „trauerverkündende Cypresse“ als Totenbaum gerne im Gegensatz

zum Genuß der heiteren Gegenwart gestellt. In einer seiner Oden heißt

es: „Im Tode mußt du alles, was dir auf Erden teuer ist, verlassen und

von den Bäumen, die du gepflegt, folgt dir nur die verhaßte Cypresse.“

In den Metamorphosen des Ovid wird die Entstehung der Cypresse in

folgender Weise erklärt: Ein Knabe, den Apollo liebte, hatte das

Unglück, unversehens einen den Nymphen geheiligten, prächtigen Hirsch

zu töten; untröstlich darüber, flehte er die Götter an, ihn wenigstens

in Ewigkeit trauern zu lassen. Deshalb wurde er durch das Mitleid der

Götter in einen Cypressenbaum verwandelt, der den schlanken Wipfel

hoch zum Himmel erhebt, von den Göttern betrauert und zugleich das

Unglück der Menschen betrauernd. Daß später alles, was irgendwie mit

der Cypresse zusammenhing und von ihr abstammte, die vornehmen Römer an

den Tod erinnerte und ihnen deshalb unangenehm war, beweist auch die

Erzählung des Geschichtschreibers Älius Spartianus in seiner Biographie

des römischen Kaisers Lucius Septimius Severus (der, 193 von den

pannonischen Legionen zum Cäsar ausgerufen und vom Senat anerkannt, die

Prätorianer auflöste, 195 den Gegenkaiser Pescennius Niger bei Kyzikos,

196 den andern Gegenkaiser Clodius Albinus bei Lyon schlug, gegen die

Parther zu Felde zog, 203 nach Rom zurückkehrte, 208 nach Britannien

ging und 211 in Eboracum -- der Stadt York in England -- starb): „Dem

Kaiser Severus begegnete kurz vor seinem Tode ein Neger, der zugleich

als Soldat und als Hanswurst diente, mit einem Cypressenkranze auf

dem Kopfe. Der Kaiser erschrak über die böse Bedeutung, die in der

schwarzen Farbe des Menschen und in der Cypresse lag, und befahl, den

Menschen sogleich aus seiner Nähe zu entfernen.“

Trotz aller Pflege von seiten des Menschen gedeiht die Cypresse auch

in Italien lange nicht so, wie in ihrer orientalischen Heimat. Als

nie recht eingebürgerter Fremdling bildet sie in diesem Lande keine

eigentlichen Haine, sondern steht meist einsam oder in kleinen Gruppen,

mit Vorliebe auf den Friedhöfen; nicht selten wird sie als Alleebaum

gepflanzt, wobei sie auch dann ihr düsteres und zugleich feierliches

Gepräge nicht verleugnen kann. Wie in der Ebene von Neapel der Blick

besonders häufig auf Pinien fällt, so im Arnotale auf Cypressen,

die der sonst heiteren Landschaft einen düsteren Akzent verleihen.

Wer aber den Baum in seiner feierlichen Schönheit bewundern will,

der muß nach dem Orient gehen, wo er die schönsten und höchsten

Exemplare auf den alten Friedhöfen der Türken findet, so schon in

Skutari, der asiatischen Seite von Konstantinopel, aber noch viel

majestätischer in Smyrna oder Brussa. Schon Plinius und Dioskurides,

beide im 1. Jahrhundert n. Chr., sagen, daß die verschiedenen Teile

der Cypressen als Heilmittel benutzt wurden. Auch bei den arabischen

Ärzten war dies der Fall, und in duftende Cypressenwälder schickten

sie die Brustkranken, damit diese durch den harzigen Geruch der dort

eingeatmeten Luft Genesung fänden.

Von anderen Cypressenarten, die auch in Südeuropa gepflanzt werden,

verdienen noch Erwähnung: die +blaugrüne Cypresse+ (~Cupressus

pendula~) aus Mexiko, die eine ziemlich durchsichtige, hell blaugrüne

Pyramide bildet, dann die gleicherweise aus höheren Lagen Mexikos

stammende +Weihrauchcypresse+ (~C. thurifera~), ein hoher Baum mit

abstehenden Haupt- und Nebenästen. Sie gleicht erwachsen einem

Lebensbaum (~Thuja~), hat grüne Fruchtzapfen und schwitzt ein

wohlriechendes, in ihrer Heimat wie Weihrauch zu Räucherungen benutztes

Harz aus. Dann die +Trauercypresse+ (~C. pendula~), ein ziemlich hoher

Baum mit ausgebreiteter Krone, überhängenden Ästen und mehrkugeligen

Zapfen aus China: er wird dort und auch in Nordostindien auf Gräber

gepflanzt und kam 1848 nach Europa.

Fälschlicherweise wird bei uns oft der +gemeine Lebensbaum+ (~Thuja

occidentalis~) Cypresse genannt. Dieses nordostamerikanische Nadelholz,

dessen flache, unterseits hellgrüne Zweige im Winter infolge einer

teilweisen Umwandlung des Chlorophylls oder Blattgrüns eine braungelbe

Mißfärbung annehmen, kam schon 1566 nach Europa, und zwar zuerst

nach Frankreich, als der moralisch schwache Karl IX. von 1560-1574

das Land beherrschte. Es hat sich vollständig bei uns eingelebt

und wird sehr häufig in Anlagen gepflanzt. Auch im Walde werden

neuerdings Lebensbäume zu pflanzen versucht, doch ist dies mehr mit

der pazifischen Art, dem in seiner Heimat 50 m Höhe erreichenden

+Riesenlebensbaum+ (~Thuja gigantea~) der Fall, dessen aromatisch

riechende, unterseits hellgrau gefärbte Zweige sich im Winter nur

wenig verfärben. In Anlagen finden wir außerdem die nordamerikanische

~Thuja plicata~ und die den Lebensbäumen nahe verwandte, im Wuchse

nur schlanker, cypressenartiger gestaltete kalifornische +Heyderie+

(~Libocedrus decurrens~), deren gewöhnliche, auch in der lateinischen

Benennung -- von ~líbos~ Flüssigkeit, Wasser und ~kédros~ Ceder -- sich

bekundender Name „Flußceder“ als irreführend besser nicht gebraucht

wird.

Schon seit längerer Zeit in Gärten und Friedhöfen verbreitet ist auch

der +chinesische Lebensbaum+ (~Biota orientalis~ -- vom griechischen

~biotḗ~ Leben, weil immergrün), dessen Zweige unterseits kleine

helle Flecken tragen. Der Baum ist sofort daran zu erkennen, daß

seine Zweige durchweg steil aufgerichtet stehen; deshalb, weil sie

nicht ausgebreitet liegen, sind sie nur sehr undeutlich in eine

dunklere Ober- und in eine hellere Unterseite geschieden. Auch die

blaubereiften, aus sechs dicken Fruchtschuppen gebildeten Zapfen sind

dadurch charakterisiert, daß sie außen eine rinnenartige Öldrüse

tragen, während sie bei den nordamerikanischen Lebensbäumen kugelig

erhöht sind.

Auch die +Halb+- oder +Lebensbaumcypressen+ (~Chamaecyparis~) werden

von den Gärtnern fälschlicherweise als Cypressen bezeichnet. Tragen

sie auch eine ähnliche Benadlung, so können sie gleichwohl in der

Schönheit des Wuchses nicht mit den echten Cypressen wetteifern.

Im Unterschied von diesen sind die Zweige der Halbcypressen nicht

gleichseitig vierkantig, sondern flach, mit deutlich verschiedener,

meist auch anders gefärbter Ober- und Unterseite. Die verbreitetste,

nicht nur in unseren Anlagen, sondern auch im deutschen Walde eine

ziemliche Rolle spielende Art, ist die aus dem pazifischen Nordamerika

zu uns gebrachte, nach dem schottischen Gärtner Lawson benannte

+Lawsoncypresse+ (~Ch. lawsoniana~), die an ihrem stark überhängenden

Gipfeltriebe sofort von den anderen Arten zu unterscheiden ist.

Weit verbreitet ist auch die auf beiden Seiten der Zweige fast

gleichmäßig dunkelgrüne, an der Nutkabucht in Nordwestamerika heimische

+Nutkacypresse+ (~Ch. nutkaensis~), ebenso zwei japanische Arten: die

durch schräg abstehende, scharfspitzige Kantenblätter ausgezeichnete

+Sawaracypresse+ (~Ch. pisifera~), die in mehreren Formen gezüchtet

wird, und die durch einwärtsgebogene, stumpfe Kantenblätter

charakterisierte +stumpfblättrige Halbcypresse+ (~Ch. obtusa~). Alle

diese Halbcypressen mit erwachsen schuppenartiger Belaubung tragen

in ihrer Jugend weiche, pfriemenartige Nadeln. Nun gelang es der

gärtnerischen Zucht, solche Jugendzweige als Stecklinge zu verwerten,

und daraus Pflanzen heranzuziehen, die auch im Alter nur nadelförmige

Primärblätter tragen. Solche Formen mit dauernd beibehaltenem

Jugendkleid, die früher als besondere Gattung ~Retinispora~ angesehen

wurden, sind heute noch unter diesem irrigen Namen im Handel. So ist

~Retinispora plumosa~ einfach die das Jugendkleid beibehaltende Form

der Sawacypresse (~Ch. pisifera~).

Aus der großen Zahl der cypressenartigen, oft schwer zu

unterscheidenden Nadelhölzer ist noch eine durch ihre oben

glänzendgrüne, unten aber bläulichweiße Färbung der Triebe

gekennzeichnete Art zu nennen, nämlich die in Japan große Wälder

bildende +Hiba+ (~Thujopsis dolabrata~), die, weil vollkommen

winterhart und gegen Beschattung wenig empfindlich, sogar für den

deutschen Wald empfohlen wird. Sie liefert ein sehr dauerhaftes Holz.

Von allen bisher genannten Nadelhölzern trennt die +Wacholder+arten

der fleischige Bau der Zapfen, deren Schuppen bei der Reife völlig

verwachsen und deshalb ganz den Eindruck einer Beere machen. Von den

etwa 30 Arten der nördlichen Halbkugel sind in unseren Parkanlagen

nur wenige zu finden, da die meisten bei uns nur in ganz milden

Lagen zu gedeihen vermögen. Aber auch unsere einheimische Art, der

+gemeine Wacholder+ (~Juniperus communis~), der in den Sagen und in

der Volksheilkunde unserer heidnischen Vorfahren eine so große Rolle

spielte, ist selten in Kultur zu treffen. Am häufigsten findet sich

noch der im Hochgebirge und im Polargebiet wachsende +Zwergwacholder+

(~J. nana~), der mit seinen zur Ausnützung der durch Sonnenbestrahlung

erzeugten Bodenwärme und zum Schutz durch Schnee niederliegenden

Ästen und den dichtgedrängten, weicheren und kürzeren Nadeln gern als

Gartenschmuck verwendet wird. Ebenso wird der ähnlich auf der Erde

liegende +nordamerikanische Wacholder+ (~J. prostrata~), dann der

+schuppige Wacholder+ (~J. squamata~) vom Himalaja und ~J. sphaerica~

mit kugeligen Beeren aus China gelegentlich in unseren Gärten

kultiviert.

Bisweilen findet sich in unseren Anlagen auch der in Südeuropa

heimische +Baumwacholder+ (~J. excelsa~), der nebst dem im östlichen

Mittelmeergebiet, besonders in Syrien und Phönikien heimischen,

in der Erscheinung der Cypresse ähnlichen, ebenfalls baumartigen

+Cedernwacholder+ (~J. phoenicea~) die Ceder der Alten bildete, deren

rötliches, wohlriechendes Holz als „der Verwesung widerstehend“, wie

schon Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. sagt, mit Vorliebe als

Werkholz benutzt wurde, während sie den gemeinen Wacholder als „kleine

Ceder“ (~kédros mikrá~) bezeichneten. Nach Homers Ilias war das

Bettgestell des Königs der Troer, Priamos, aus solchem Wacholderholz

gefertigt (~kédrinos~) und duftete lieblich. Nach der Odyssee aber

brannte in der Wohnung der Nymphe Kalypso, Tochter des Atlas, die den

auf die von ihr bewohnte Insel Ogygia verschlagenen Odysseus 7 Jahre

lang festhielt, ein Feuer von Baumwacholder (~kédros~) und Lebensbaum

(~thýon~ von ~thýein~ opfern, weil sein Holz beim Opfer verbrannt

wurde) und verbreitete weithin über die Insel Wohlgeruch. Rings um

die Wohnung der Nymphe standen Erlen (~klḗthrē~), Schwarzpappeln

(~aígeiros~) und wohlriechende Cypressen (kypárissos). Auf den

Bäumen nisteten Käuzchen (~skṓps~), Falken (~írēx~) und Rabenkrähen

(~korṓnē~). In Vergils Äneis erleuchtete die in der Odyssee als

Tochter des Sonnengottes Helios und der Okeanide (Meerjungfrau)

Perseis genannte, auf der Insel Aeaea hausende Zauberin Kirke, die

die Gefährten des Odysseus in Schweine verwandelt hatte, nachts ihren

stolzen Palast mit wohlriechendem Wacholderholz (~odorata cedrus~).

Nach demselben Epos standen in der alten Burg des Königs Latinus in

Latium (in Mittelitalien am Tyrrhenischen Meer zwischen den Flüssen

Tiber und Liris -- jetzt Garigliano -- gelegen) der Reihe nach die aus

Wacholderholz (~cedrus~) geschnitzten Bilder der Ahnen. Nach Plinius

wuchsen die besten Cedernwacholder (~cedrus~) auf Kreta, in Syrien und

in Afrika. „Das Holz (~materia~), das mit Cedernwacholderöl (~cedri

oleum~) getränkt ist, wird weder von Würmern, noch von Fäulnis

angegriffen. Der Baumwacholder (~juniperus~) hat dieselben guten

Eigenschaften wie der ~cedrus~. Er wird in Spanien und insbesondere

im Lande der Vaccäer sehr groß und sein Kernholz ist noch dichter

als dasjenige des ~cedrus~. Sein Holz hat ewige Dauer; deshalb macht

man aus ihm gerne Götterbilder. So z. B. ist der zu Rom in einem

Tempel aufgestellte sosianische Apollo, der von Seleucia (in Syrien)

gebracht wurde, aus Cedernholz (~cedrinus est~, in diesem Fall ist

jedenfalls das echte Cedernholz der Libanonceder gemeint). -- Aus

den Beeren des Baumwacholders bereiteter Wein (~vinum e junipero~)

wird von Ärzten denjenigen als besonders wohltuend empfohlen, welche

durch Waffenübungen oder Reiten ermüdet sind.“ Noch heute werden die

aromatisch riechenden Beeren dieses mittelländischen Wacholders, wie

im Orient diejenigen des Bauchwacholders, statt unserer schwarzen

Wacholderbeeren, in Apotheken wie im Haushalte gebraucht. Der

griechische Arzt Galenos im 2. Jahrhundert n. Chr. sagt von ihnen: „Die

Wacholderbeeren heißen ~arkeuthís~, haben einige Schärfe, sind etwas

süß, haben auch etwas Zusammenziehendes und Gewürzhaftes. Sie erwärmen,

reinigen Leber und Nieren, verdünnen die dicken, zähen Säfte und werden

deshalb den Gesundheitsmitteln zugesetzt. Viel Nahrung gewähren sie dem

Körper nicht. In allzu großer Menge fallen sie dem Magen beschwerlich

und verursachen Kopfschmerzen.“ Plinius sagt, man gebe sie gegen

Blähungen, Fieber und Husten, lege sie auch auf Geschwülste und salbe

sich mit Öl, in welchem sie zerrieben wurden, um vor Schlangenbiß

sicher zu sein. Ein sicheres Mittel, um Schlangen zu vertreiben, sei,

Sägemehl von Baumwacholder an die Orte zu streuen, wo sich welche

befinden. Daß dieses Mittel probat ist, wollen wir schon glauben; denn

wir wissen, daß die Schlangen ein empfindliches Geruchsorgan besitzen

und dieser starkriechenden Masse wie allen intensiven Gerüchen aus

dem Wege gehen. So ist es ein vielerprobtes Mittel der Neger an der

schlangenreichen Küste von Liberia, sich beim Passieren von daran

besonders reichen Strecken vor dem Gebissenwerden durch diese Reptilien

zu schützen, indem sie sich Füße und Unterschenkel mit Knoblauch

einreiben.

Von dem in den östlichen Mittelmeergegenden heimischen

+Weihrauchwacholder+ (~J. thurifera~) wird das Harz als schlechter oder

arabischer Weihrauch in den Handel gebracht und aus dessen Holz, wie

auch aus demjenigen des verwandten lykischen Wacholders (~J. lycia~) in

Kleinasien, ein in der Tierarzneikunde gebräuchliches Wacholderholz-

oder Kadeöl destilliert. In unseren Parks werden diese Arten kaum

angetroffen. Dagegen wird von alters her wegen seiner offizinellen

Eigenschaften der an den Nord- und Südabhängen der Alpen und Pyrenäen

heimische strauchartige +Sade-+ oder +Sevenbaum+ (~J. sabina~)

gezogen. Schon der griechische Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert

n. Chr. erwähnt ihn als ~bradý~ (von ~bradýs~ langsam, weil er sehr

langsam in die Höhe wächst). Er kommt in Griechenland zur Seltenheit

auf den nördlichen, höheren Gebirgen vor, hieß bei den Italienern im

Mittelalter ~sabina~, woher er den wissenschaftlichen Beinamen erhielt.

Früher wurden am Feste von Marie-Krautweihen an manchen Orten nebst

anderen grünen Pflanzen auch Sevenzweige geweiht, die das abergläubige

Volk zur Abhaltung des Teufels und der Hexen in den Wohnungen aufhing

und für heilsam gegen alle möglichen Übel hielt. Es wird auch eine

buntblätterige Abart als Zierpflanze gezogen, doch soll dieser Strauch

wegen seiner großen Giftigkeit, die schon Todesfälle bewirkte, und weil

er als Abtreibungsmittel gerne benützt wird, nicht in öffentlichen

Anlagen gehalten werden.

Den seinigen sehr ähnlich, nur nicht so unangenehm harzig riechend,

sind die Zweige des +virginischen Wacholders+ oder +Sadebaums+ (~J.

virginiana~), der um 1664 aus dem östlichen Nordamerika in Deutschland

als Zierbaum eingeführt wurde. Während er bei uns niedergedrückt,

strauchartig bleibt, bildet er in seiner Heimat stattliche Bäume,

deren wohlriechendes, rotbraunes Holz trotz seiner Leichtigkeit

sehr dauerhaft ist und kaum je vom Wurmfraß leidet. Es wird deshalb

zu Schiffsplanken, Schindeln und allerlei Möbeln, besonders aber

zu Zigarrenkisten und zur Umkleidung von Bleistiften benutzt. Der

Bleistiftfabrikant Faber in Stein bei Nürnberg führt jährlich viele

tausend Kubikmeter davon ein und pflanzt auch den Baum für sich bei

Fürth in größerem Maßstab. Ebenso wird er im Braunschweigischen mit

Erfolg angepflanzt. Außer dem virginischen liefert auch der auf den

Bermudasinseln heimische ~Juniperus bermudiana~ einen großen Teil des

amerikanischen Bleistiftholzes, das als „rotes Cedernholz“ in den

Handel gelangt.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte · 第 62 / 81 段