die herrschaftlichen Landsitze ganz Mitteleuropas nach dem Beispiele
des Gartens von Versailles mit geraden Baumalleen durchzogen waren.
Damals mußten sich die Bäume der Schere beugen und ihre Kronen in
regelmäßige, geometrische Formen, meist Vierecke oder Kugeln, bringen
lassen. Gegen diese Unnatur erfolgte nun, wie wir im Abschnitt über die
Geschichte des Ziergartens erfuhren, von England aus durch den Einfluß
ostasiatischer Gartenkunst eine Reaktion, die im „englischen Garten“
die Rückkehr zu den Formen der natürlichen Landschaft sah. Während bis
dahin die Baum- und Straucharten dem heimischen Bestande entnommen
worden waren, ging man zugleich dazu über, auch einige südeuropäische
Vertreter der Pflanzenwelt, vor allem Platane, Roßkastanie, Flieder
und Goldregen in den Parkanlagen anzusiedeln. Dazu kamen mit der Zeit
zahlreiche amerikanische Gäste aus einem ausgedehnten Waldgebiet mit
vielen sehr schönen Formen mit dem mitteleuropäischen ähnlichen Klima.
Bereits im Jahre 1636 waren gegen 50 kanadisch-virginische Bäume und
Sträucher aus den französischen Kolonialgebieten Nordamerikas im
Pariser ~Jardin des plantes~ angesiedelt. Und bei den regelmäßigen
Verbindungen mit jenen konnte es nicht fehlen, daß die kleinen und
großen Parkbesitzer immer mehr der fremden, interessanten Typen
zusammenzubringen suchten. Für Deutschland gewannen die Anlagen in
Harbke und Tegel in der Mark Brandenburg eine führende Stellung. Hier
hatte man, von vorzugsweise praktischen Gesichtspunkten ausgehend,
um der überhandnehmenden Holznot zu steuern, die Verwendung der
fremden Bäume im heimischen Forstbetrieb versucht. Dabei zog man aus
den Erfahrungen Nutzen, die Freiherr von Wangenheim als Offizier des
1776 vom Kurfürsten Friedrich II. von Hessen-Kassel an die Engländer
zum Kampfe gegen die nordamerikanische Union verkauften hessischen
Feldjägerkorps -- im ganzen waren es 22000 Mann, für die jener elende
Monarch zur Bestreitung seiner Mätressenwirtschaft 21276778 Taler
„Blutgeld“ einstrich -- bis zum Jahre 1784 an Ort und Stelle zu sammeln
Gelegenheit hatte. In jener Zeit entstanden die Pflanzungen fremder
Baumarten, die heute durch ihre Größe in den Parks von Wilhelmshöhe
bei Kassel, von Schwetzingen bei Heidelberg, Wörlitz bei Dessau im
Anhaltischen und anderwärts unsere Bewunderung erregen. Dem 19.
Jahrhundert blieb es vorbehalten, die Baumschätze des westlichen,
pazifischen Teiles von Nordamerika aufzuschließen und endlich auch
die wertvollen Bestandteile der ostasiatischen Baumvegetation sich
anzueignen. So wurden in den letzten Jahrzehnten besonders japanische
und mandschurische Arten in stets steigender Zahl bei uns eingeführt.
Alle in unsern Parkanlagen angesiedelten Bäume stammen aus einem der
großen Waldgebiete der nördlichen gemäßigten Zone, also Mitteleuropa
vom Kaukasus bis zu den Gebirgen Spaniens, vom atlantischen und von
diesem wesentlich verschiedenen pazifischen Teile von Nordamerika
und Ostasien. Die übrigen Teile der Erde und vor allem die ganze
südliche Erdhälfte haben nur ganz wenige und unbedeutende Arten
geliefert. Sprechen wir aber von der Einführung fremder Baumarten
nach Deutschland, so dürfen wir nicht vergessen, daß auch von den
heimischen Arten nicht wenige importiert sind. So ist die Lärche
nur in den Alpen heimisch und wurde von da nach den Niederungen
gebracht. Auch die Weißtanne ist im größten Teile Norddeutschlands
erst künstlich angesiedelt worden, und der Buchs tritt nach seiner
natürlichen Verbreitung nur am Hörnli bei Basel und an der oberen Mosel
auf deutsches Gebiet über. Die Stechpalme gedeiht bloß im Bereiche des
atlantischen Klimas.
Natürlich müssen bei der Einbürgerung fremder Arten vor allem die
klimatischen Verhältnisse in Berücksichtigung gezogen werden, wobei
vor allem die Länge und Intensität des winterlichen Frostes, die frühe
oder späte Jahreszeit, in welcher die zum Austreiben der Blätter
oder Sprosse nötigen Temperaturen erreicht werden, dann die Höhe der
sommerlichen Temperaturen während der Vegetationsmonate und schließlich
die Regenmengen während derselben maßgebend sind.
Mit die wichtigsten Zierbäume unserer Parks sind die +Nadelhölzer+,
unter denen die +Tannen+ und +Fichten+ am häufigsten angetroffen
werden. Neben der +Weißtanne+ (~Abies pectinata~) ist die 14
Tage später austreibende, durch ihre schöne, im Freistande länger
aushaltende Beastung ausgezeichnete, nach ihrem Entdecker benannte
+Nordmannstanne+ (~Abies nordmanniana~) aus dem Kaukasus zu nennen.
Dann die +kilikische Weißtanne+ (~A. cilicica~) aus dem Taurus, die
weniger frostempfindlich ist als die +griechische+ und +spanische
Tanne+ (~A. cephalonica~ und ~pinsapo~), welche nur in frostfreien,
geschützten Lagen gedeihen und durch ihren regelmäßigen Wuchs das
Auge erfreuen. Eine der schönsten nordamerikanischen Arten ist die
mattgrüne, durch ihre Frosthärte und ihre Raschwüchsigkeit in der
Jugend beliebte +Koloradotanne+ (~A. concolor~). Gleichfalls sehr
lange, aber unten hellere Nadeln als oben besitzt die ebenfalls bei uns
eingeführte kalifornische +Küstentanne+ (~A. grandis~), die in ihrer
Heimat 90 m hoch wird und damit die höchste aller Tannen ist. Sehr
viel niedriger, manchmal nur strauchartig sind die +Balsamtannen+,
die den für die Mikroskopie wichtigen Kanadabalsam liefern. Besonders
trifft man die +atlantische Balsamtanne+ (~A. balsamea~) als Parkbaum
nicht selten, während die ostasiatischen Tannen bis jetzt nur
wenig Eingang in unsere Gärten fanden. Die bei uns am häufigsten
angetroffene Vertreterin der in Nordamerika und in Ostasien heimischen
+Hemlockstannen+ der der ~Abies~ nahe verwandten Gattung ~Tsuga~
ist die kanadische +Schierlingstanne+ (~Tsuga canadensis~). Dichter
benadelt und raschwüchsiger, aber gegen Frost weniger widerstandsfähig
ist die +westliche Schierlingstanne+ (~T. mertensiana~). Eine der
schönsten und forstlich wertvollsten Errungenschaften aber ist die in
ihrem Aussehen der Fichte ähnliche, nach dem schottischen Botaniker
Douglas benannte +Douglastanne+ (~Pseudotsuga douglasii~), deren Nadeln
beim Trocknen nicht abfallen, darin also den Tannen gleichen, während
die Fruchtzapfen sich nicht entblättern wie bei diesen, sondern wie
bei den Fichten als Ganzes abfallen. Ihre Rinde ist von zahlreichen
Harzbeulen blasig aufgetrieben. Dieser wichtigste Waldbaum Nordamerikas
ist grün und zeichnet sich durch große Raschwüchsigkeit gegenüber
der blaugefärbten +Kolorado-Douglasie+ (~P. glauca~) aus, die aber
frosthärter ist. Im Süden ihres Verbreitungsgebietes ist letztere
geradezu bläulichweiß, so daß sie mit der ebenfalls im Felsengebirge
heimischen blauen Form der Stechfichte (~Picea pungens var. glauca~)
als Zierbaum in Wettbewerb tritt.
Zahlreicher und für unsere Parks von größerer Bedeutung sind die
Fichten, unter denen die +gemeine Fichte+ oder +Rottanne+ (~Picea
excelsa~) die verbreitetste ist. Sie ist mit Unrecht wegen ihrer
steifen Langweiligkeit verschrien, da sie in zahllosen Spielarten,
wie Hänge-, Trauer-, Schlangen-, Säulen- und Zwergfichten, auftritt.
Sie kann bis 60 m hoch werden und bei einem Alter von 700-800
Jahren einen Stammdurchmesser von 2 m erlangen. An sehr trockenen
Standorten bildet sie Kümmerformen, die durch niedrigen, langsamen
Wuchs und kurze Benadlung ausgezeichnet sind. Zweige solcher ähneln
dann der aus Kleinasien stammenden +Sapindusfichte+ (~P. orientalis~),
die von allen Fichtenarten die kleinsten, höchstens 1 cm langen
Nadeln besitzt. Sie wird 30 m hoch und bildet im Taurus und Kaukasus
ausgedehnte Bestände. An den Zweigen und Zapfen scheidet sie häufig
als Sapindustränen bezeichnete Harztropfen aus. Von europäischen
Formen sind noch die von Skandinavien durch ganz Nordasien heimische
+Altaifichte+ (~P. obovata~) und die auf den Bergen des Balkans
heimische, dort ~omorika~ genannte +Omorikafichte+ (~P. omorica~)
zu nennen. Letztere hat einen sehr schlanken Wuchs, wird bis 40 m
hoch und zeichnet sich ganz besonders durch ihre merkwürdig geringe
Empfindlichkeit gegen Beschädigung durch die giftigen Gase, speziell
die schweflige Säure, des Steinkohlenrauchs aus, was sie für alle Parks
um unsere schlotreichen Städte mit ihren zahlreichen Fabrikanlagen
doppelt wertvoll macht.
Als Zierhölzer so wichtig wie als Nutzhölzer sind die amerikanischen
Fichten, von denen die blaugrün erscheinende, bis 50 m hohe
+Weißfichte+ (~P. alba~) aus dem östlichen Nordamerika von Kanada bis
Nordkarolina und die etwa 25 m hohe, dunkelgrüne +Schwarzfichte+
(~P. nigra~) mit schwärzlicher Rinde, die im östlichen Nordamerika
ausgedehnte Wälder bildet, um 1700 nach Europa gelangten. Etwas
später, nämlich erst seit 1755 hier eingeführt, ist die bis 20 m
hohe frischgrüne +Rotfichte+ (~P. rubra~) mit rötlichem Holz, die
im nordöstlichen Nordamerika heimisch ist und an der Hudsonsbai in
buschigen Zwergformen die nördliche Grenze des Baumwuchses erreicht.
Leichter an den scharfstechenden, sparrig abstehenden, blauen oder
silbergrauen Nadeln kenntlich ist die erst 1863 ebenfalls aus
Nordamerika zu uns gebrachte +Stechfichte+ (~P. pungens~). Sie
wächst im Felsengebirge zwischen 2000 und 2800 m Höhe und hat
sich als zweifellos schönste unserer Koniferen besonders in der als
+Blaufichte+ (~var. glauca~) bezeichneten Varietät mit durch einen
Wachsüberzug als Verdunstungsschutz bläulichweißen Nadeln sehr rasch
in unsern Gärten verbreitet. Derselben prächtigen Färbung wegen wird
auch die als +Silberfichte+ (~var. argentea~) bezeichnete Varietät
der +Engelmannsfichte+ (~P. engelmanni~) als Zierbaum unserer
Gärten geschätzt. Seltener wird in unseren Parks die im pazifischen
Nordamerika -- auch auf der Insel Sitka im Territorium von Alaska --
heimische +Sitkafichte+ (~P. sitchensis~) angetroffen. Endlich ist auch
seit 1861 die außerordentlich schöne, bis 40 m hoch werdende ~Picea
alcockiana~ mit dunkelgrünen, unterseits bläulichgrünen Nadeln, die
wie alle vorigen ein sehr gutes Nutzholz liefert, aus Japan bei uns
eingeführt worden.
Während bei den bisher besprochenen Koniferengattungen die Nadeln
stets einzeln an den Zweigen sitzen, ist dies bei den +Kiefern+
(~Pinus~) nur in den allerersten Lebensjahren des Baumes der Fall. Alle
späteren Zweige, die weiterwachsenden Langtriebe, tragen nur häutige
Schuppen, in deren Achseln die langen Nadeln zu 2-5 an fast ganz
zurückgebildeten Kurztrieben sitzen. In der heimischen Baumwelt sind
die zweinadeligen Kiefern vor allem durch die bis 40 m hohe +gemeine
Kiefer+ oder +Föhre+ (~Pinus silvestris~) vertreten. Diese besitzt
unter den europäischen Nadelholzgewächsen die weiteste Verbreitung und
gedeiht am besten auf tiefgründigem, humosem Sandboden. Dann durch
die in Südeuropa verbreitete +Schwarzkiefer+ (~P. laricio~), die in
den österreichischen Alpen in der Abart der+ österreichischen Kiefer+
(~P. nigricans~) vertreten ist, und die subalpine +Knieholzkiefer+
oder +Legföhre+ (~P. montana~), die in den Alpen von 1400-2000 m
Höhe weite Flächen bedeckt und einen energischen Schutz gegen Lawinen
und Erdrutsche bildet. Dagegen stehen je 5 Nadeln beisammen bei der
im Hochgebirge heimischen +Arve+ oder +Zirbelkiefer+ (~P. cembra~)
und bei der aus Nordamerika zu uns gelangten +Weymouthskiefer+ (~P.
strobus~), einem Baume mit grauer, glatter Rinde und regelmäßiger,
kegelförmiger Krone. Sie bildet im atlantischen Nordamerika große
Wälder und erhielt ihren Namen daher, daß sie im Jahre 1705 durch Lord
Weymouth aus den Neuenglandstaaten nach Europa gebracht wurde. Dank
ihrer weichen, seidenglänzenden Benadlung ist sie jetzt überall bei
uns als Zierbaum sehr beliebt. Im pazifischen Teil Nordamerikas ist
sie durch die ihr sehr ähnliche, aber in unseren Gärten nur selten
angetroffene +Gebirgsstrobus+ (~P. monticola~) vertreten. Ihr sehr
ähnlich ist die im Himalaja heimische +Tränenkiefer+ (~P. excelsa~)
so genannt, weil deren Zweigspitzen und besonders die großen, bis
25 cm langen Zapfen meist mit tränenartigen Harztropfen besetzt sind.
Mit ihr trifft man in Gärten weiterhin die vielfach nur als örtliche
Varietät der vorigen angesehene +rumelische Strobus+ (~P. peuce~)
mit kürzeren, steifen Nadeln und kürzeren Zapfen an. Außerdem finden
wir nicht selten die größte Kiefernart, nämlich die kalifornische
+Zuckerkiefer+ (~P. lambertiana~) mit 40 cm langen Zapfen und die
nur wenig von ihr unterschiedene +Goyokiefer+ (~P. pentaphylla~) in
unsern Parks angepflanzt. Sonst kommen von den etwa 80 bekannten
Kiefernarten nur noch wenige für unsere Gärten in Betracht, so die
nordamerikanischen +Strauchkiefer+ (~P. banksiana~), die wegen ihrer
großen Anspruchslosigkeit an den Boden eine der wichtigsten forstlichen
Einführungen und aus dem gleichen Grund auch für den Park, besonders
bei Neuanlagen auf Schutt und Ödland, sehr wertvoll ist. Dreinadlige
Kiefern sind in den Parks selten anzutreffen. Unter ihnen ist die nur
in milden Lagen fortkommende +Gelbkiefer+ (~P. ponderosa~) aus dem
pazifischen Nordamerika wegen ihres üppigen Wuchses und der prächtigen,
bis 25 cm langen Nadeln auch bei uns sehr geschätzt.
Wie unter den Kiefern die vorgenannte +Arve+, ein an der Waldgrenze in
den Alpen wachsende, aber stark im Rückgang begriffene Nadelholzart,
wegen ihrer dichten Benadlung und ihres regelmäßigen Jugendwachstums
ein sehr beliebter Zierbaum unserer Gärten wurde, ist die gleichfalls
aus den Alpen stammende +Lärche+ (~Larix europaea~), trotzdem
auch sie ein echter Gebirgsbaum ist, in den Parks der Niederungen
angesiedelt worden und gedeiht hier ganz gut. Sie liebt einen
steinigen, tiefgründigen Boden und gedeiht nicht auf zu nassem oder
trockenem Boden. Aber erst in einem rauhen Klima entfaltet sie ihre
ganze Schönheit. Von den acht anderen Lärchenarten, die bei uns im
Freien aushalten, ist ihrer dekorativen Wirkung wegen die aus Japan
kommende +zartschuppige+ oder +Hondolärche+ (~L. leptolepis~) besonders
beliebt. Infolge eines zarten Wachsüberzuges zur Einschränkung der
Wasserverdunstung erscheinen ihre Nadeln blaugrün und gehen im Herbst
in Violett über; ihre jungen Triebe sind rotbraun, während sie bei
der europäischen Lärche graugelb sind. Nur in der Blütezeit ist ohne
weiteres die im Amurgebiet und im Kamtschatka heimische +sibirische
Lärche+ (~L. dahurica~) zu erkennen, und zwar an der grünen Farbe ihrer
weiblichen Blüten, die bei allen anderen Arten karminrot gefärbt sind.
Die 30 m hohe zierliche ~Larix pendula~ aus dem atlantischen und
die 40-80 m hohe schlanke ~Larix occidentalis~ aus dem pazifischen
Gebiete von Nordamerika werden nur ganz ausnahmsweise bei uns
angepflanzt.
Mit den Cedern zusammen tragen die Lärchen nur einzelne Nadeln an ihren
Trieben; dann erst bilden sich an diesen Langtrieben seitlich knopfige
Kurztriebe, an denen die Nadeln zu Büscheln gedrängt stehen. Während
die Nadeln aber bei den Lärchen weich und zart sind, da sie nur ein
Jahr auszudauern brauchen, weil diese Baumart regelmäßig im Herbst ihre
dann schön goldgelb gefärbten Nadeln abwirft, sind sie bei den Cedern,
weil bleibend, starr und stechend. Von den drei immergrünen Cederarten
steht die +Libanonceder+ (~Cedrus libani~) den Lärchen am nächsten und
unterscheidet sich von ihnen außer durch die bleibenden Nadeln durch
ihre äußere Erscheinung und die kugelige, aufrechte Zapfenform. Sie
trägt in der Jugend einen überhängenden Wipfel, bildet aber im Alter
eine prächtig aufgebaute schirmförmige Krone. Dieser Baum, der einst
auf allen Gebirgen Syriens und Kleinasiens prächtige Bestände bildete,
ist jetzt in seiner Heimat fast ausgerottet, gedeiht aber als Parkbaum
in Deutschland nur in sehr milden, luftfeuchten Lagen. Eher noch als
sie gedeiht bei uns die im nordafrikanischen Atlasgebirge heimische
+Atlasceder+ (~Cedrus atlantica~), die sich leicht an ihrem stets
aufrechten Gipfel erkennen läßt. Schwer dagegen kommt bei uns die in
Nepal und sonst am Südabhang des Himalajagebirges heimische +Himalaja+-
oder +Deodarceder+ (~Cedrus deodara~, letzteres ist die indische
Bezeichnung, die Gottesbaum bedeutet) von pyramidenförmiger Tracht mit
nicht hängenden Zweigen bei uns fort.
Mißbräuchlicherweise werden auch anders geartete Nadelhölzer als
Cedern bezeichnet, so die in ihrer Heimat ~sugi~ genannte japanische
+Kryptomerie+ (~Cryptomeria japonica~), die, seitdem sie Fortune 1844
in Europa einführte, hier und da in unseren Gärten kultiviert wird und
auch unsere Winter im Freien aushält. Obschon sie mit den echten Cedern
keinerlei Ähnlichkeit besitzt, ihre Benadlung viel eher an die im
Zimmer in Töpfen oder im Warmhaus häufig gezogene +Norfolk-Araukarie+
(~Araucaria excelsa~) erinnert, ist sie bei uns als „japanische Ceder“
im Handel. Sie ist das wichtigste, in vielen Formen gezogene Nutzholz
Japans, das in prächtigen alten Exemplaren die heiligen Haine und die
Tempel ziert und, wie in ihrer Heimat, so auch in unseren Gärten meist
durch Stecklinge vermehrt wird.
Das Gegenstück zu diesem altertümlichen Nadelholz Ostasiens bildet
in Kalifornien die nicht minder altmodische +Riesensequoie+ oder
die zu Ehren des britischen Feldherrn Arthur Wellesley, Herzog von
Wellington (1769-1852), +Wellingtonie+ genannte ~Sequoia gigantea~.
Beide sind, wie auch die +immergrüne Sequoie+ (~S. sempervirens~) im
Gebirge Kaliforniens und die im südlichen atlantischen Nordamerika
heimische +Sumpf+- oder +Eibencypresse+ (~Taxodium distichum~) Reste
einer im Tertiär weitverbreiteten Nadelholzgattung, die heute bis
auf diese wenigen Vertreter ausgestorben ist. Die in einem kleinen
Bezirke in Calaveras County in Kalifornien in 1500 m Höhe auf der
Sierra Nevada wachsenden Riesensequoien wurden 1850 vom britischen
Botaniker Lobb bekanntgemacht. Sie erreichen bei einem Durchmesser
von 10 m am Fuß des Stammes eine Höhe von 120 m und sind nach den
australischen Eukalypten die höchsten Bäume der Erde, die ein Alter
von 4000 Jahre erreichen können. Um die letzten ihres Stammes vor
Vernichtung zu schützen, ist das Gebiet, auf dem sie wachsen, zum
unantastbaren Nationalpark erklärt worden. Die kleinen, eiförmigen
Zapfen enthalten fast nie keimfähige Samen. Deshalb erfolgt ihre
Vermehrung wie diejenige der japanischen Kryptomerien in der Regel
durch Stecklinge. In unseren Parkanlagen begegnen wir ihnen als streng
kegelförmig gewachsenen Bäumen mit unten dickem, nach oben hin aber
rasch sich verschmälerndem Stamm. Die pfriemenähnlichen Nadeln erinnern
ganz an diejenigen der Kryptomerien, stehen aber allseitig um den
Trieb, während sie bei jenen sich in fünf Zeilen darum herum ordnen.
Bei der auch bei uns angepflanzten virginischen Sumpfcypresse stehen
die zarten, eibenähnlichen Nadeln an den Langtrieben einzeln, an den
Kurztrieben dagegen kammartig in zwei dichte Reihen geordnet. Das
auffallendste aber ist, daß im Herbst mit den Nadeln zugleich auch die
Kurztriebe abgeworfen werden. Die Sumpfcypresse, die in ihrer Heimat
in den Sümpfen wächst und darin zur Atmungsmöglichkeit der Wurzeln
eigentümlich geknickte, über das Wasser emporragende Pneumatophoren
bildet, verlangt bei uns im kälteren Klima einen trockeneren Standort,
um der Frostgefahr zu entgehen, und bildet in diesem Falle natürlich
auch keine geknickten Atemwurzeln, wie sie es in ihrer Heimat tut.
Erreicht auch dieser Baum an seinen natürlichen Standorten mit einem
Stammumfang von 10 m bei einer Höhe von 36 m ein ebenfalls
mehrtausendjähriges Alter, so wird er darin von der +mexikanischen
Eibencypresse+ (~Taxodium mexicanum~), die nicht auf sumpfigem, sondern
mäßig feuchtem Boden wächst, noch übertroffen. So ist in Tule bei
Oaxaca in Mexiko noch ein Mitglied dieser Pflanzenfamilie am Leben, dem
A. Decandolle ein Alter von 6000 Jahren beimißt. Jedenfalls ist dieser
auf beifolgender Tafel nach einer Originalaufnahme wiedergegebene Baum,
dessen Stamm 1 m hoch über dem Boden gemessen 31 m Umfang besitzt,
während die 35 m hohe Krone fast 100 m umspannt, das älteste Glied
der heutigen Schöpfung und erscheint schon dadurch ehrwürdig. Hat er
doch alles erlebt, was wir kurzlebige Menschen die Weltgeschichte
nennen. Als die mächtigen Pharaonen der 4. Dynastie ihre gewaltigen
Grabdenkmäler in Form der steinernen Pyramiden von Gise bauten, besaß
dieser Methusalem unter den Pflanzen bereits das respektable Alter von
1300 Jahren. Als die Neolithiker Mitteleuropas von Süden her mit den
ersten Metallschmucksachen und -Geräten bekanntgemacht wurden, war
er schon über 2000 Jahre alt. Und wenn wir alle, die wir heute uns
des Lebens freuen, nicht mehr sein werden, so wird dieser noch sehr
lebenskräftige Pflanzengreis weiterblühen und gedeihen. Was hat er
nicht schon alles erlebt und was wird er noch alles erleben, bis auch
er einst zugrunde geht!
Die echte +Cypresse+ (~Cupressus sempervirens~), deren
charakteristische Gestalt sich jedem Italienfahrer unauslöschlich
eingeprägt hat, vermag mit alleiniger Ausnahme der besonders mild
gelegenen Bodenseeinsel Mainau und ihrer Umgebung nirgends in
Deutschland jahrelang ungeschädigt im Freien auszuhalten. Dieses
außerordentlich stimmungsvolle, für die heutigen Mittelmeerländer
geradezu charakteristische Kind des warmen Südens ist ein 20 und mehr
Meter hoher Baum von spitz kegelförmigem Wuchs, der aber auch in einer
Abart mit sich seitwärts ausbreitenden Ästen vorkommt, mit dunkelgrünen
Blättern und 2-3 cm langen Fruchtzapfen. Es ist die bekannteste
der 12 Cypressenarten, die im Mittelmeergebiet, im gemäßigten Asien,
in Nordamerika und Mexiko zu Hause sind. Die Cypresse ist von den
Bergen des nördlichen Persien und dem Libanon bis nach Griechenland
heimisch und findet sich meist in Höhen von 600 bis 1400 m über dem
Meer. Dabei soll sie ein Alter von über 2000 Jahren erreichen können
und erzeugt ein harzreiches, außerordentlich dauerhaftes Holz, das
mancherlei Verwendung findet. Sie hieß bei den Assyriern ~burâsu~, bei
den Phönikiern ~berût~, und wahrscheinlich davon abgeleitet, bei den
Griechen ~kypárissos~. Überall bei den Semiten war sie seit Alters
der heilige Baum der Astarte-Aphrodite, so daß diese gelegentlich
auch ~baalat berût~, d. h. Göttin der Cypresse, genannt wird. Mit der
Verbreitung des Astartekultes durch die Phönikier gelangte sie mit
der Taube, die das heilige Tier der Göttin war, immer weiter westlich
überall dahin, wo jene Kolonien gründeten.
Durchaus falsch ist die übrigens sehr ansprechende Darlegung von
Victor Hehn, wonach die Cypresse von einem Ursitz auf dem Gebirge
von Busi westlich von Herat in Afghanistan, wie ihn Alexander von
Humboldt annimmt, im Gefolge des iranischen Lichtdienstes weiter
nach Westen verbreitet worden sein soll. In ihrer schlanken,
obeliskenartigen Gestalt soll die Zendreligion das Bild der heiligen,
zum Himmel aufstrebenden Flamme gesehen haben, und deshalb soll sie
vor den Feuertempeln und in den Höfen der Paläste gepflanzt worden
sein. Ebensowenig hat sie der Insel Cypern den Namen gegeben. Ihre
Beziehungen zur orientalischen Göttin der Fruchtbarkeit sind sehr viel
älter als ihre Verehrung bei den feueranbetenden Persern.
Aus ihrem duftenden, der Zeit und dem Wurmfraß widerstehenden Holze
-- schon Theophrast (im 4. Jahrhundert v. Chr.) nennt es: von Natur
unverwüstlich -- schnitzte man mit Vorliebe nicht nur Götterbilder
von außerordentlicher Dauer, sondern verfertigte allerlei Hausgerät
und baute daraus vor allem Schiffe. Schon in Homers Odyssee wird der
Baum genannt, indem erwähnt wird, daß um die Grotte der Kalypso Erlen,
Schwarzpappeln und wohlriechende Cypressen standen, und weiterhin:
als Odysseus als Bettler verkleidet nach seiner Heimatinsel Ithaka
zurückkehrte, setzte er sich auf die eschene Türschwelle und lehnte
sich an die cypressene Türstütze. Zahlreich waren die ~Xóana~, d. h.
die aus Holz geschnitzten ältesten Götterbilder in den griechischen
Heiligtümern -- bevor die noch dauerhafteren aus Stein, besonders
Marmor, aufkamen -- und auch die Türen in denselben aus Cypressenholz.
Aus Cypressenholz bestand auch die älteste Athletenstatue, die
Pausanias im 2. Jahrhundert n. Chr. im Olympia noch stehen sah. Sie
stellte den vor dem Jahre 540 v. Chr. lebenden Ägineten Praxidamas
dar, war von jenem in den heiligen Hain der Altis gestiftet worden und
hatte sich besser erhalten, als eine andere, etwas spätere, die aus
Feigenholz gearbeitet war. Ebenso bildeten die Römer ihre ältesten
Götterbilder mit Vorliebe aus Cypressenholz.
[Illustration:
Tafel 151.
Die mexikanische Eibenzypresse (~Taxodium mexicanum~) von Tule bei
Oaxaca in Mexiko, das wohl älteste Glied unserer heutigen Schöpfung.
(Nach Photogramm von W. G. Bremer in Oaxaca.)]
[Illustration:
Tafel 152.
Eine alte Eibe in der Nähe von Paterzell bei Weilheim in Oberbayern in
einem Bestand von etwa 400 großen Exemplaren.]
[Illustration:
Tafel 153.
Zwei Zypressen inmitten von mit Mauern umgebenen Olivenhainen bei
Rovigno in Istrien.]
[Illustration: Hain von Steineichen, bekannt als „~Bosco sacro~“, in
der römischen Campagna.]
[Illustration:
Tafel 154.
Pyramidenpappeln als Zierbäume vor der Villa Stuck in München.]